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Danielle Town hatte keine Lust auf Begriffe wie "Portfolio" oder "Rendite" – bis sie eines Tages erkannte: Ich muss mich um meine Finanzen kümmern, und zwar ernsthaft. Was tut eine Tochter, wenn sie nicht mehr weiterweiß? Sie fragt ihren Vater um Rat. Und wenn eine Tochter in Sachen Finanzen nicht mehr weiterweiß, zahlt es sich im wahrsten Sinne des Wortes aus, wenn dieser Vater der Börsenguru Phil Town ist. Zusammen mit ihm entwickelte Danielle einen 12-Monats-Plan, ausgerichtet an den Weisheiten der Value-Investing-Legenden Warren Buffett und Charlie Munger. Deren Methode wird ebenso vermittelt wie die Erkenntnis, dass uns in erster Linie unsere eigenen Überzeugungen auf dem Weg zum Wohlstand in die Quere kommen. Ein Buch für alle jetzigen und kommenden Anleger, die ihr Vermögen an der Börse in die eigenen Hände nehmen wollen.
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Seitenzahl: 513
Veröffentlichungsjahr: 2019
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DANIELLE TOWN
PHIL TOWN
Wie WARREN BUFFETT und CHARLIE MUNGER (und Paps*)mich lehrten, meine Gedanken, meine Emotionenund mein Geld unter Kontrolle zu bekommen
Die Originalausgabe erschien unter dem Titel
Invested: A 12-Month Plan to Financial Freedom. How Warren Buffett and Charlie Munger Taught Me to Master My Mind, My Emotions, and My Money(with a Little Help from My Dad)
ISBN 978-0-06-267265-0
Copyright der Originalausgabe 2018:
Copyright © 2018 by Danielle Town
All rights reserved.
Published by arrangement with the original publisher William Morrow, an imprint of HarperCollins Publishers.
Copyright 2019:
© Börsenmedien AG, Kulmbach
Übersetzung: Egbert Neumüller
Gestaltung Cover: Daniela Freitag
Gestaltung und Satz: Sabrina Slopek
Bildquelle: Shutterstock
Gesamtherstellung: Daniela Freitag
Lektorat: Claus Rosenkranz
Druck: CPI books GmbH, Leck, Germany
ISBN 978-3-86470-604-2
eISBN 978-3-86470-605-9
Alle Rechte der Verbreitung, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen Wiedergabe und der Verwertung durch Datenbanken oder ähnliche Einrichtungen vorbehalten.
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FÜR UNSERE FAMILIE
VORWORTVON PHIL TOWN
EINFÜHRUNG – ODER: WIE MAN DIESES BUCH BENUTZT
KAPITEL 1 JANUARMUT FASSEN
Warren Buffett und das Value-Investing
Regel-Nummer-1-Investing
Hamstern oder abgeben
Inflation
Meine Anlagepraxis
Januar-Übung
KAPITEL 2 FEBRUARKENNE DEINE ZAHL
Börsenfibel
Mehrere Sorten des Abgebens
Die Berechnung meiner Zahl
Anlagemöglichkeiten außerhalb des Aktienmarkts
Maro – Dankbarkeit
Komponenten der finanziellen Freiheit
Vier Stufen der Meisterschaft
Februar-Übung
KAPITEL 3 MÄRZMIT MEINEM GELD FÜR EINE MISSION STIMMEN
Mein Anlagebüro
Unternehmensfibel
Die Asymmetrie der Informationen zwischen Unternehmen und Aktionären
Die Entscheidung für eine Mission mit meinem Geld
Missionen finden
Die Story eines Unternehmens
März-Übung
KAPITEL 4 APRILDAS OBERSTE PRINZIP DES VALUE-INVESTINGS
Die Effizienzmarkthypothese (EMH)
Affen, die Glück haben
Ereignisse
Marktbreite Ereignis-Indikatoren
Das Shiller-KGV
Der Buffett-Indikator
Charlie Munger
Vier Anlageprinzipien
Das erste Prinzip: Das Unternehmen verstehen
Der Kompetenzradius und die Übung mit den drei Kreisen
Einführung in Jahresberichte
Gurus
Intensive Geldanlage und die Buffett-Bibel
April-Übung
KAPITEL 5 MAICHARLIES BURGGRABEN UND DAS MANAGEMENT
Das zweite Prinzip: Ein Burggraben
Die fünf(einhalb) Burggräben
Burggraben-Fallstudie: Coca-Cola
Burggraben-Fallstudie: Apple
Einführung in Unternehmensabschlüsse
Die vier Großen unter den Zahlen und Wachstumsraten
Die windkorrigierte Wachstumsrate
Das dritte Prinzip: Das Management
Management-Zahlen
Checkliste für Charlies erste drei Prinzipien
Mai-Übung
KAPITEL 6 JUNIDIE KOMPETENZ EINKREISEN
Sich seinen Gefühlen bezüglich Geld stellen
In etwas investieren, das man kennt
Jahresberichte
Wunschliste
Fantasie-Investing
Grundsätzliches über Depots
Die Familientradition in Sachen Geld
Schritte, um sich vorgefassten Meinungen über Geld zu stellen
Juni-Übung
KAPITEL 7 JULICHARLIES VIERTES PRINZIP: DER PREIS
Das vierte Prinzip: Ein Preis, der Sinn ergibt
Drei Methoden der Bewertung
Die Bewertung anhand von Zahlen zum gesamten Unternehmen
Die Ten-Cap-Pricing-Methode
Owner Earnings
Formel für die Owner Earnings
Bewertung anhand der Payback-Zeit
Formel für den Free Cash Flow
Juli-Übung
KAPITEL 8 AUGUSTCHARLIES VIERTES PRINZIP: VALUE
Bewertung anhand Unternehmensdaten je Aktie
Bewertung mit Sicherheitsmarge
Formel für die Sicherheitsmarge
Die Eröffnung eines Depots
August-Übung
KAPITEL 9 SEPTEMBERDIE GESCHICHTE UMKEHREN
Checkliste für kostspielige Fehler
Die Geschichte schreiben
Die Geschichte umkehren
Die Organisation des Investment-Researchs
Übungsaktien
September-Übung
KAPITEL 10 OKTOBEREIN ANTIFRAGILES PORTFOLIO ZUSAMMENSTELLEN
Das antifragile Portfolio
Passiv-aggressive Strategie
Der Kaufplan
Tranchen
Vorbereitung auf den Umgang mit Emotionen bei Ereignissen
Oktober-Übung
KAPITEL 11 NOVEMBERWANN SOLLTE MAN VERKAUFEN?
Ein Unternehmen kaufen
Verkaufen, wenn sich die Geschichte verändert
Die Basis verkleinern
Dividenden
Rückkäufe
Festlegen, wann man verkauft
November-Übung
KAPITEL 12 DEZEMBERDANKBARKEIT LEBEN
Checkliste für die laufende Anlagepraxis
Maro – Dankbarkeit
Dezember-Übung
EPILOG
NACHWORT VON PHIL TOWN
RESSOURCEN FÜR IHRE ANLAGEPRAXIS
ANHANG
DANKSAGUNGEN
Wenn Sie der perfekte Elternteil waren, können Sie gerne den ersten Stein werfen. Andernfalls haben Sie bitte ein wenig Mitgefühl, wenn ich Ihnen beichte, dass dieses Buch entstanden ist, weil ich meiner eigenen Tochter nicht beigebracht habe, wie man das macht, was ich beruflich mache. Kennen Sie die alten Geschichten vom Schustersohn, der keine Schuhe hatte, oder vom Bauernjungen, der keine Milch hatte? In diesem Buch geht es zum Teil um das Kind des Investors, das keine Investments hatte.
Aber glauben Sie mir, das ist nicht meine Schuld. Ich habe versucht, meine Tochter Danielle, seit sie genug rechnen kann – etwa ab der vierten Klasse –, dazu zu bringen, dass sie lernte, wie man Geld anlegt. Ich investiere nämlich seit 1980 und ich lehre die Geldanlage, seit ich im Jahr 2006 mein erstes Buch schrieb, „Regel Nummer 1“. Es ist ganz einfach: Ich will, dass Danielle glücklich ist, und zu diesem Glück gehört, dass sie genug Geld hat, um das zu tun, was sie will.
Ich wusste, dass ich ihr das selbst beibringen musste, denn echte Geldanlage wird nirgendwo als praktikable Strategie gelehrt, außer in manchen Büchern und Kursen sowie von mir. Gemeinhin gilt es als Investing, seine Anlagen zu diversifizieren und zu halten, aber in Wirklichkeit ist diese Strategie nur eine geschickt getarnte Form der Spekulation, die Wall-Street-Haien und kriecherischen Finanzberatern jährlich 100 Milliarden Dollar an Gebühren und Provisionen beschert. Aktien und Anleihen zu kaufen, die man nicht versteht, ist keine Investition. Laut Warren Buffett besteht Geldanlage darin, dass man einen Vermögenswert, der einen Cashflow produziert, für deutlich weniger als seinen Wert kauft, zum Beispiel indem man eine 10-Dollar-Note für 5 Dollar kauft. Mit anderen Worten: Man braucht für echte Investitionen ein hohes Maß an Gewissheit, dass man aufgrund der Differenz zwischen dem, was man dafür bezahlt hat, und dem Wert des Cashflows, den man damit erworben hat, daran Geld verdienen wird. Alles andere ist Spekulation.
Aus ebenso naheliegenden Gründen wollte ich auch, dass Danielle lernt, wie man einen Reifen wechselt. Sie wollte keines von beiden lernen.
Das änderte sich, als sie aus dem Gröbsten raus war und einen Job und eine Eigentumswohnung hatte. Plötzlich war sie mit Steuern, mit Studiendarlehen und Darlehensraten konfrontiert – und mit der schockierenden Entdeckung, dass es selbst für eine Anwältin, die in einer guten Kanzlei arbeitet und nach normalen Maßstäben gutes Geld verdient, schwierig war, ein Vermögen zu bilden. Schließlich rechnete sie doch und entdeckte, dass es – wenn sie nicht lebenslang Lohnsklavin bleiben wollte – ohne Geldanlage annähernd unmöglich war, genug Geld anzuhäufen, um Wahlmöglichkeiten zu haben.
Sie fragte mich, was sie tun sollte. Ich gab ihr meine beiden Bücher zum Lesen. Irgendwie las sie sie, dann erklärte sie mir, diese Bücher seien für Menschen gedacht, die bereits daran interessiert seien zu lernen, wie man Geld anlegt. Sie wollte aber nicht lernen zu investieren, sondern sie wollte, dass ihr Problem sich in Luft auflöst. Und so begann ihre Reise, deren Resultat das vorliegende Buch ist.
Sie dachte ein paar Wochen darüber nach und kam zu dem Schluss, wenn sie sich für die Geldanlage interessieren und sie tatsächlich erlernen könnte, dann könnte es jeder. Sie schlug vor, dass wir einen Podcast unserer Gespräche über Investments mit ihr als Versuchskaninchen machten könnten. Ich war mir ziemlich sicher, dass das böse enden würde. Wer möchte schon einen Podcast über Geldanlage hören, in dem die Ideen des Mentors regelmäßig von seiner sehr klugen und skeptischen Tochter in der Luft zerrissen werden? Nun, überraschenderweise wollen das viele Menschen. Unser Podcast steht stets an der Spitze der Wirtschafts- und Investment-Ranglisten und wir erhalten E-Mails von Menschen, die sich die Aufnahmen immer wieder anhören.
Offensichtlich können sich viele Menschen instinktiv mit Danielles Reise einer klassischen Heldin identifizieren, auf der sie sich in einer ihr unbekannten, kopfstehenden Welt durchschlug, in der unten oft oben ist und Verbündete oft Feinde sind. So sehr ich es auch wollte, ich konnte sie nicht dazu bewegen, Geld anzulegen. Sie musste ihre eigene Leidenschaft dafür finden, indem sie als bewusste Kapitalistin für ihre Werte „stimmte“. Die Angst, Fehler zu machen und Geld zu verlieren, spielte bei ihr eine viel größere Rolle, als ich je gedacht hatte. Da ich bei Investitionen nie viel Angst hatte, nahm ich diese Angst nun zum ersten Mal persönlich. Als Vietnam-Kriegsveteran sah ich das immer so: „Niemand schießt auf mich, also wie beängstigend kann das schon sein?“ Ich brauchte eine Weile, um zu realisieren, dass wirklich die Angst sie davon abhielt, Geld zu investieren. Sobald ich das verstanden hatte, öffnete es mir die Augen für die missliche Lage Tausender potenzieller Investoren, die genauso verzweifelt nach einer Lösung für ihre finanzielle Zukunft suchen wie Danielle. Danielle musste ihren eigenen Weg finden, sich ihren Ängsten zu stellen, die Bösen zu besiegen und mit einer Botschaft der Hoffnung sowie einem Plan für den Sieg zurückzukehren.
Dies ist die richtige Zeit für den Sieg. Dies ist nicht nur der richtige Zeitpunkt für die Botschaft, dass man mit seinem Geld für seine Werte stimmen sollte, es ist auch der richtige Zeitpunkt, um keine Angst mehr davor zu haben, Geld zu verlieren – indem man lernt, sich auf einen Börsencrash vorzubereiten. Trotz der explodierenden Börsenkurse sind einige Ökonomen und Investoren, darunter auch ich, der Meinung, dass die Vereinigten Staaten bald in eine weitere Rezession und einen Börsenrückgang geraten könnten. Im Gegensatz zu dem, was die meisten Menschen denken, könnte diese Situation tatsächlich eine großartige Gelegenheit bieten, wunderbare Unternehmen zu attraktiven Preisen zu kaufen. Meine Mission ist es, die Menschen über die Realitäten des heutigen Marktes und darüber aufzuklären, wie man die erforderlichen Fähigkeiten erwirbt, um enorme finanzielle Belohnungen zu ernten – unabhängig davon, was die Börse tut, welcher Krieg gerade tobt, welcher Präsident im Amt ist oder was die Menschen laut Aussage der Medien und der Investmentgurus tun oder nicht tun sollten.
Dieses Buch ist unsere Lösung. Das Kind des Investors hat jetzt Investments und ist auf seine Zukunft vorbereitet. Wie man einen Reifen wechselt, muss ich ihr auch noch beibringen.
– Phil Town
Wenn ich „persönliche Finanzen und Investments“ höre, sehe ich vor meinem geistigen Auge einen langen, dunklen Pfad in dichtem, waberndem grauen Nebel voller Zahlen und Bilanzen, die in der „Suppe“ schweben. Manche glücklichen Menschen scheinen in der Lage zu sein, leicht einen Weg durch den Nebel zu finden. Ich habe schon vor langer Zeit den Versuch aufgegeben zu lernen, einer von ihnen zu sein. Ich war nie ein Zahlenmensch. Die Zahlen schwimmen in meinem Kopf herum und auch wenn ich sie normalerweise erfassen und zur Unterwerfung zwingen kann, so ist das für mich kein Vergnügen. Und doch … dieses Buch handelt von meiner persönlichen Reise vom finanziellen Analphabetismus zur ausgebildeten Investorin. Niemanden überrascht es mehr als mich, dass ich ein Buch darüber geschrieben habe, wie man bezüglich seiner persönlichen Finanzen und seiner Geldanlage erfolgreich wird.
Wenn ich das kann, dann kann es wirklich jeder.
Ich habe gelernt, auf eigene Faust zu investieren. Ich habe von meinem Vater sowie von der Weisheit von Charlie Munger und Warren Buffett, die diesen Ausdruck ursprünglich geprägt haben, die sogenannte „Regel Nummer 1“ gelernt. Ich habe die Theorie, die Strategie und die Praxis der Geldanlage gelernt. Und zu all dem habe ich noch etwas hinzugefügt, was das wichtigste Element sein könnte, das mich dazu bringt, mich weiterhin daran zu halten, nachdem sich der Reiz des Neuen verflüchtigt hat: mein Geld so investieren, dass es Einfluss auf eine Mission hat, die ich unterstütze.
Sein Geld gemäß seinen eigenen Werten zu verteilen und damit Unternehmen zu unterstützen, die der Investition würdig sind, ist Grund genug, diese Praxis und diese Investitionsmethode zu erlernen. Es ist ein Weg, mit seinem Geld für diejenige Zukunft zu stimmen, die man sich wünscht. Ich erkannte, dass ich dann, wenn ich mit meinem persönlichen Geld für meine persönlichen Werte abstimmen wollte, meine Trägheit und meine Angst überwinden und es selbst tun musste.
Vieles in diesem Buch handelt von Angst: wie ich damit umgehe und wie andere Menschen, die an der Börse investieren, damit umgehen. Mit meinem Geld für eine Mission zu stimmen brachte mich dazu, eine Leidenschaft für die Geldanlage zu entwickeln, aber ich hatte immer noch Angst davor, mich in diesen grauen Nebel vorzuwagen. Viele Wirtschaftswissenschaftler und Investoren – einschließlich meines Vaters – glauben, dass die Vereinigten Staaten unmittelbar vor einer weiteren Rezession und einem Marktrückgang stehen. Entscheidend ist aber, dass ich gelernt habe, meine eigene Angst zu nutzen, um zu erkennen, wann andere Anleger Angst haben, sodass ich ihre Angst an den Märkten womöglich ausnutzen kann. In den Kapiteln dieses Buches bitte ich Sie inständig, nicht zu ignorieren, was Ihnen die Angst mitteilen kann – Vorsicht ist nichts Schlechtes. Aber ebenso bitte ich Sie inständig, die Macht nicht zu auszublenden, die einem die Angst verleiht.
Zum Beispiel erlebte ich die Panik rund um den Börsencrash von 2008 und sie machte mir schreckliche Angst vor der Geldanlage. Aber ich habe gelernt, dass ein Börsencrash ein natürlicher Teil des Wirtschaftszyklus ist, der geschehen wird, ob ich es nun will oder nicht. Regelmäßige Marktrückgänge sind unvermeidlich. Ich lernte auch, dass ein Crash, auch wenn es nicht unmittelbar einleuchten mag, die beste Chance ist, die man für den Sprung in die finanzielle Freiheit bekommt, indem man wundervolle Firmen kauft, die zu Schleuderpreisen verhökert werden. Das ist in der Geldanlage das Pendant dazu, Designerkleidung für die Hälfte dessen zu bekommen, was sie im Kaufhaus gekostet hätte. Lektionen dieser Art verliehen mir die nötige Kraft und das Verständnis, um meine Angst zu überwinden und mein Leben in finanzieller Hinsicht zu transformieren.
Mein Vater und ich haben eine Anlagemethode geschaffen, die jeder praktizieren kann, unabhängig von Alter, Einkommen, Beruf oder angeborenen mathematischen Fähigkeiten. Diese wird Monat für Monat dargelegt. Jeder Monat des Jahres hat seinen Schwerpunkt, dazu kommen detaillierte Handlungsanweisungen und Übungen, die ihn vertiefen. Die meisten Aufgaben des jeweiligen Monats werden sehr wenig Zeit in Anspruch nehmen, während andere mehr Aufwand erfordern, zum Beispiel in den Monaten, in denen Recherchen betrieben werden. Ihre Zeit ist ebenso begrenzt und wertvoll wie meine. Diese Methode ist so gestaltet, dass sie in das Leben all derjenigen von uns passt, die einen Vollzeitjob haben und sich anstrengen müssen, um alles zu bewältigen, was neben der Arbeit getan werden muss – und ich weiß, dass es viel ist. Diese Anlagemethode ist darauf ausgerichtet, sich in Ihr Leben einzufügen und nicht davon abzulenken. Denken Sie daran, dass dies Ihre Methode ist und dass Sie sie dahingehend anpassen müssen, dass sie das bewirkt, was Sie brauchen.
Das ist meine individuelle Erfahrung. Was mir passiert ist, ist einzigartig für mich und meine Umstände, genauso wie Ihre Anlagepraxis und das, was mit Ihnen passiert, einzigartig für Sie und Ihre Umstände sein wird. Übung macht den Meister – aber niemand ist vollkommen. Dass sich unsere Methoden in der Praxis voneinander unterscheiden, ist eigentlich etwas Schönes. Wenn Sie feststellen und beachten, was für Sie einfach und was für Sie schwierig ist, wird dies Ihre eigene Anlagepraxis viel besser unterfüttern, als wenn Sie blind dem folgen würden, was ich getan habe.
Meine Erfahrung gibt Ihnen ein Barometer an die Hand, an dem Sie Ihre eigene finanzielle Situation ablesen können, und dazu Investitionsressourcen in Form der Berechnungen, Checklisten und Arbeitsblätter, die im Laufe dieses Buches vorgestellt werden. Wenn Sie einmal die Grundlagen erlernt haben, können Sie Ihre Praxis in die von Ihnen gewünschte Richtung lenken. Machen Sie die Anlagemethode zu Ihrer eigenen, dann haben Sie etwas, das Ihnen lebenslang erhalten bleibt, eine machtvolle Fähigkeit, die Ihnen nichts und niemand nehmen kann. Ich hoffe, dies bringt Sie dazu, über Ihre Finanzen anders zu denken – nicht als Mittel zum Zweck, sondern als Quelle von Glück und Freiheit.
„Glück fühlt sich nicht immer glücklich an“, schrieb Gretchen Rubin in „The Happiness Project“ über kleine Ziele wie die tägliche Benutzung von Zahnseide oder das Aufräumen von Regalen. Wenn es um Dinge geht, die das Leben so sehr verändern wie die finanzielle Freiheit, sehe ich das anders. Meine Praxis der Geldanlage hat ein tiefes Glücksgefühl erzeugt, das daher rührt, dass ich authentisch das Leben führe, das ich mir wünsche, und dieses Glück fühlt sich leidenschaftlich, groß und frei an. Möge Ihre Anlagepraxis über Ihre kühnsten Träume hinaus erfolgreich sein! Diese Art von Glück fühlt sich immer glücklich an.
Fangen wir an.
Warren Buffett und das Value-Investing
Geldanlage nach Regel Nummer 1
Inflation
Meine Anlagepraxis
Ich hatte eine dieser extrem langen Wochen hinter mir und der Schlaf einer einzigen Freitagnacht hatte bloß die gröbsten Ecken und Kanten meiner Müdigkeit geglättet. Ich war mir nicht sicher, wie viele Monate es her war, seit ich wirklich von meinem Schreibtisch aufgeblickt hatte, und an diesem Morgen hatte ich endlich einen Moment Zeit, mich daran zu erinnern, dass es eine Welt außerhalb meines Büros gab.
Ich war angehende Anwältin in der Kanzlei einer internationalen Anwaltsfirma in Boulder im Bundesstaat Colorado und wie viele andere Mitarbeiter von Anwaltskanzleien dachte ich, das College-Studium, das weiterführende Studium, die juristische Fakultät und die harte Arbeit in einer Anwaltskanzlei seien „kluge“ Entscheidungen für meine finanzielle Zukunft gewesen. Nach meinem Abschluss an der New York University School of Law hatte ich um die auf Hochtouren arbeitenden New Yorker Anwaltskanzleien bewusst einen Bogen gemacht und war in die Rocky Mountains und damit die „am Lebensstil orientierten“ Anwaltskanzleien von Colorado zurückgekehrt. Ich hatte meinen Traumjob als Venture-Capital- und Start-up-Juristin in der hochgradig innovativen Unternehmer-Community von Boulder ergattert. Da ich aber trotzdem in einer renommierten Anwaltskanzlei arbeiten wollte, arbeitete ich am Ende doch genauso viel wie in einer großen New Yorker Kanzlei. Dabei lernte ich viel und die Tatsache, dass ich mit dem Stress einer 80-Stunden-Woche meine Schulden abzahlen konnte, war für mich ein akzeptabler Kompromiss.
Als ich jedoch den Lebensstil der Menschen beobachtete, die in ihrer Karriere weiter waren als ich, dämmerte mir langsam, dass die einzige Belohnung, die mich erwartete, noch längere Arbeitszeiten, das Verdauen von noch mehr Stress und die fortgesetzte Lohnabhängigkeit war – und kein Ende in Sicht. Ich hatte gedacht, ich hätte in mich selbst investiert, aber in Wirklichkeit hatte ich in eine lebenslange Tretmühle investiert.
Das Geld war das einfach nicht wert. Nun ja, als Anwältin konnte ich genug Geld verdienen, um gut zu leben, aber ich hatte eigentlich gar keine Zeit, gut zu leben. Ich wollte mich für mein Leben begeistern. Ich wollte aufwachen und mich auf den Tag freuen. Ich dachte an die Partner in meiner Firma, die trotz jahrelanger Erfahrung immer noch in der Tretmühle steckten, und ich begriff: Ein solches Leben will ich nicht.
Das Streben nach Glück durch meine Anwaltskarriere funktionierte nicht, aber ich wusste auch, dass es unrealistisch war, ohne Rücksicht auf Geld nach dem Glück zu streben. Tatsache ist: Es gibt eine bestimmte Art von Glück, die man mit Geld kaufen kann. Eine Anwältin kann sich damit die Befreiung von der Schufterei von sechs Uhr morgens bis Mitternacht kaufen. Man kann sich damit ein Haus in einem guten Schulbezirk kaufen. Man kann sich damit kaufen, dass man nicht mehr ständig nachts aufwacht und sich Sorgen über Arztrechnungen, Studiendarlehen oder die Raten für das Haus macht. Und man kann sich damit buchstäblich Zeit und Erfahrungen und Wahlmöglichkeiten im Leben kaufen, beispielsweise einen Porsche 911 und die Zeit, um damit durch die Gegend zu düsen. Die Fähigkeit, zu tun, was man will, fühlt sich nach mehr als nur Glück an – es fühlt sich nach Freude an. Es fühlt sich nach purer Freiheit an.
Als ich an diesem Morgen aus dem Fenster in die Kälte schaute, empfand ich keine Freude. So sehr ich die Menschen um mich herum und meine Anwaltskanzlei auch liebte: Es gibt einen Wendepunkt, an dem das durch Überarbeitung verursachte Leiden die Erfahrung und das Gehalt eines Jobs nicht wert ist.
Ich war krank. Ich war seit zwei Jahren nicht mehr in der Lage, das Essen richtig zu verdauen, und ich hatte begonnen, mich wahllos zu erbrechen. Aus heiterem Himmel bekam ich 24 Stunden lang hohes Fieber oder verließ das Büro mit einem Schwindelgefühl, als hätte ich einen Schlag auf dem Kopf bekommen. Ich bekam eine Mandelentzündung, dann bekam ich sie wieder und wieder und wieder und wieder. Ich verbarg meine Symptome vor meinen Mitarbeitern, so gut ich konnte – also nicht sehr gut. Als ich Medikamente nahm, um das Erbrechen in den Griff zu bekommen, deutete meine Ärztin behutsam an, dass meine Krankheit durch Stress verursacht wurde. „Ich fühle mich nicht gestresst, ich fühle mich normal“, versicherte ich ihr und meinte es ernst. Mir war nicht klar, dass meine „Normalität“ verzerrt war.
Ich hätte sehen müssen, dass die Reaktion meines Körpers eine Warnung des Universums war, dass ich davon abgekommen war, das zu tun, wozu ich in meinem Leben bestimmt war – was in alten indischen Texten „im Dharma leben“ heißt. In seinem Dharma zu sein sollte sich so reibungslos anfühlen wie in der Strömung eines ruhigen Flusses zu treiben. Der Fluss fließt immer in einer geraden Linie, bis er zu einer Biegung gezwungen wird, was dann bedeutet, dass man in eine andere Richtung als auf das endgültige Ziel ausgerichtet ist. Und so gehen wir alle im Zickzack auf der Suche nach der Strömung unseren Weg durchs Leben.
Aber ich machte weder Zick noch Zack. Ich plagte mich in den kabbeligen Wellen ab, wurde vom Wasser gegen das Flussufer geschleudert, rang um Atem und darum, mich über Wasser zu halten, und ich konnte mich nicht daran erinnern, dass es direkt neben mir eine glatte Strömung gab, wenn ich nur – „zack“ – die Richtung ändern würde.
Ich war so lange unten gewesen, dass es für mich wie oben aussah. Bei mir war der Mangel an Work-Life-Balance zwar besonders schlimm, aber die meisten meiner Freunde, die ebenfalls Mitte 30 waren, hatten Jobs von der gleichen Sorte und ähnlichen Stress. Ein befreundeter Anwalt hatte einen Mini-Schlaganfall in einem Flugzeug, als er beruflich ins Ausland flog, nachdem er monatelang kaum geschlafen hatte. Der Burnout eines anderen begann nach Monaten intensiver Arbeit damit, dass er anfing, Flecken vor seinen Augen zu sehen, und sich nicht mehr an seinen Heimweg erinnerte. Die nächste Kollegin hatte stressbedingte Magenprobleme, sodass sie zweimal ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Ich kannte mindestens drei Personen, die nur dadurch auf der Arbeit funktionieren konnten, dass sie jede Woche zur Akupunktur gingen. Und das betraf nicht nur meine Generation. Der Vater einer Freundin, ein hochrangiger Manager in einem bekannten Technologieunternehmen, war die einzige Person auf dieser Ebene, die durchhielt, bis er seine Aktienoptionen ausüben konnte – alle anderen Manager kündigten aus gesundheitlichen Gründen oder starben. Als meine Freundin mir davon erzählte, sagte sie, er sei „der Einzige, der lebte“.
Natürlich ist die Arbeit nicht der einzige Teil des Lebens, der lebensverändernden Stress verursacht. Ein Paar, das ich kannte, versuchte, Kinder und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Es litt dermaßen unter Schlafmangel, dass sie kaum noch miteinander sprachen, um einen unvermeidlichen Streit zu vermeiden. Der Verlobte einer anderen Freundin trennte sich von ihr, sodass sie an einem Tag ihre Liebe, ihre Zukunft und ihr Zuhause verlor und sich strecken musste, eine Wohnung zu finden, die sie sich allein leisten und in die sie schnell einziehen konnte. Geld allein kann solche Probleme nicht lösen, aber man kann sich davon auf jeden Fall einiges an konkreter Hilfe kaufen – Kinderbetreuung, Umzugsunternehmen, Kaution – und es beruhigt sehr.
Wir sind alle erschöpft und halten das für normal, weil es so verbreitet ist. Sich in die Arbeit „hineinzuknien“ gilt als die Tugend – auch wenn Sheryl Sandberg höchstpersönlich kürzlich verriet, sie habe nicht wirklich begriffen, wie schwer es ist, im Beruf erfolgreich zu sein, wenn man zu Hause überfordert ist.1
Wir laufen in der Tretmühle weiter, weil die Herausforderung unseren Ehrgeiz befeuert, und wenn wir aufhören, gibt es ja manchmal keine andere Tretmühle, mit der wir weitermachen und unsere Studienkredite bezahlen könnten.
Trotzdem war ich mir sicher gewesen, dass ich mich durchbeißen würde. Es war ja nicht alles schlecht. Meine innovativen Kunden zu unterstützen war für mich der Lieblingsaspekt meiner Arbeit und es war ein Vergnügen, mit meinen blitzgescheiten, pragmatischen und freundlichen Kollegen zusammenzuarbeiten. Als aber auch meine Familie darunter zu leiden begann, war das mehr, als ich ertragen konnte.
Ich hatte Verabredungen mit meinem Vater, meiner Mutter und meiner Schwester abgesagt und ich arbeitete über Weihnachten – so oft, dass sie gar nicht mehr damit rechneten, dass ich kommen würde. Irgendwann hörten sie auf, mich einzuplanen, weil es sinnlos war – wir wussten alle, dass ich es nicht schaffen würde. Harte Arbeit und Ehrgeiz werden in meiner Familie durchaus geschätzt und sie hatte Verständnis. Der mitschwingende Ton der Besorgnis war aber stetig lauter geworden und sie begannen, klare Ansagen zu machen, dass das auf lange Sicht nicht funktionieren werde und kein Job es wert sei, meine Gesundheit zu ruinieren. An jenem Morgen im Januar, als ich darüber nachdachte, wurde mir klar, dass ich sie beschützen musste und ihnen nicht wehtun durfte.
Aber ich kam nicht aus der Tretmühle heraus, weil ich Studienkredite und eine Hypothek abzuzahlen hatte, und vieles an meiner Arbeit gefiel mir sehr gut.
Ich rief Kamala an, eine meiner besten Freundinnen vom College. „Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll, Kam. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchhalte.“
Sie seufzte. „Ich auch. Ich schreibe jeden Morgen vor der Arbeit, aber ich hasse das, was ich schreibe.“ Kamala ist eine außergewöhnliche Schriftstellerin und Romanautorin, die damals jeden Tag um 5:00 Uhr aufstand, um ihr zweites Buch zu schreiben, während sie tagsüber im Marketing arbeitete. Ihr Potenzial wurde langsam von den Mieten in New York City begraben. „Ich fühle mich die ganze Zeit zu müde und nicht kreativ. Wenn ich auf die nächsten Jahre blicke, denke ich nur: Ist es das? Werde ich weiterhin zu kämpfen haben? Ist das einfach so?“
„Nein“, entschied ich. „Nein. Du bist zu gut, um mit deinem Job in einer Sackgasse stecken zu bleiben. Das kann auf keinen Fall das Ende deiner Geschichte sein.“
„Na ja, das kann es bei dir auch nicht sein. Ich denke, die Sache ist klar. Du musst da raus. Du musst nur herausfinden, wie du es dir finanziell leisten kannst.“
„Das ist ganz schön schwer“, sagte ich ausweichend. „Es gibt so viel, was mir an meiner Arbeit gefällt. Aber ehrlich gesagt: Ich sehe keine Möglichkeit, diesen Job zu machen, ohne so viel zu arbeiten wie ich.“
„Wir müssen dieses Jahr zu dem Jahr machen, in dem wir wirklich etwas ändern“, entschied Kam. „Wir können so nicht weiterleben. Es ist so … sinnlos.“
„Foin“, stimmte ich widerwillig zu. Kamala prägte den Begriff „foin“, als wir auf dem College waren, und das sollte heißen: „Fein, einverstanden, aber widerwillig und zähneknirschend.“ „Ich habe keine Ahnung, wie sich irgendwas ändern kann, aber ich werde diese Absicht jetzt klar äußern.“
„Ich auch“, verkündete sie. „Vielleicht wird das Universum etwas Staub aufwirbeln und die Dinge ein wenig durcheinanderbringen.“
Ich wusste, dass Kamala und ich nicht die einzigen waren, die sich zerrissen fühlten. Meine Freundinnen und ich, die alle in sehr unterschiedlichen Bereichen arbeiteten und in Familien mit unterschiedlichem wirtschaftlichen Status aufgewachsen waren, sprachen regelmäßig über unsere ähnlichen Träume von finanzieller Flexibilität weit vor der Zeit des offiziellen Ruhestands mit goldener Uhr und Golfplatz, um zu tun, was immer wir wollen (falls es so etwas überhaupt noch gibt). „Finanzielle Freiheit“ könnte bedeuten, gerade genug auf der Bank zu haben, um unser Leben flexibler zu gestalten – einen schlecht bezahlten Arbeitsplatz zu behalten, den wir lieben, und problemlos in der Lage zu sein, geliebte Menschen zu unterstützen, in Teilzeit zu arbeiten, eine zuverlässige Kinderbetreuung zu haben, den Gehaltsjob zu kündigen und eine gemeinnützige Organisation zu gründen, in ein sichereres Viertel zu ziehen, zu reisen, einfach für die Apokalypse ein finanzielles Polster auf der Bank zu haben. Um das Leben zu leben, für das jede von uns geboren wurde, was auch immer das sein mochte. Und dann ist da noch das ultimative Ziel: zu dem Zeitpunkt, an dem wir uns in den Ruhestand begeben wollen, wirklich finanzielle Sicherheit zu haben oder – noch besser: das Geld vergessen zu können und einfach für immer das zu tun, was wir lieben. Das ist finanzielle Freiheit.
„Finanzielle Freiheit“ bedeutet für jeden von uns etwas anderes. Für mich bedeutete finanzielle Freiheit Ausgewogenheit in meinem Leben: meinen Kanzleijob kündigen, gesund werden und genauso mit Start-up-Unternehmen und -Unternehmern zusammenarbeiten, nur ohne den Druck, zehn Stunden am Tag arbeiten zu müssen. Ich wollte Flexibilität und ein finanzielles Polster, das dick genug war, damit ich mir keine Sorgen um die Rechnungen machen musste. Ich wollte schuldenfrei sein.
Ich habe gemerkt, dass ich in meinem „finanziellen Leben“ mit zwei Menschen zusammenlebte: dem jetzigen Ich und dem zukünftigen Ich, die beide das Leben genießen und sich sicher fühlen wollten. Häufig gerieten die Gegenwarts-Danielle und die Zukunfts-Danielle jedoch zwangsläufig in Konflikt. All diese New-Age-Ratschläge, im Augenblick zu leben und sich nicht um die Zukunft zu sorgen, waren für die Gegenwarts-Danielle großartig – alles aufzugeben und toskanische Weingüter zu besuchen –, aber nicht so großartig für die Zukunfts-Danielle, die Lebensmittel und Unterkunft brauchte. Im Räderwerk der unternehmerischen Mühlen zu stecken war für die Zukunfts-Danielle toll, aber nicht für die Gegenwarts-Danielle oder für meine Familie. Das Leben in der antagonistischen Beziehung meiner beiden finanziellen Ichs fühlte sich ständig instabil an. Die Gegenwarts-Danielle und die Zukunfts-Danielle mussten eine symbiotische Beziehung führen. Ich musste mein finanzielles Ich ins Gleichgewicht bringen.
Ich musste diese Freiheit erringen. Aber ich hatte keine Ahnung, wie.
Ich fing an, inneren Druck zu spüren, einen Ausweg finden zu müssen. Mir wurde flau im Magen. Vielleicht gab es eine einfache Lösung? Vielleicht auch nicht. Der Bammel wurde immer schlimmer und ich wurde vor Angst hibbelig. Was in aller Welt sollte ich tun? Ich musste mich bewegen. Ich stand von meinem großen Lehnstuhl auf, machte Tee und ließ mich wieder in den Stuhl fallen.
Ich rief meinen Vater an. Er weiß so einiges.
„Dad, ich denke ernsthaft über meine berufliche Laufbahn nach. Was kann ich tun, um etwas finanzielle Freiheit zu erlangen, damit ich diesen Job aufgeben kann, wenn ich muss? Ich will nicht auf diesen Job angewiesen sein – oder überhaupt auf irgendeinen Job. Ich möchte die Arbeit machen können, die ich machen will, ohne mir Sorgen um die Finanzen machen zu müssen. Ich will Freiheits-Geld.“
Mein Vater erwiderte: „Mein Liebes, dieser 80-Stunden-Job in der Anwaltskanzlei hat für dich eindeutig seine Schuldigkeit getan. Ich glaube, das sagt die Natur deinem Körper laut und deutlich. Und jetzt musst du herausfinden, wie du das Gleichgewicht in deinem Leben findest und trotzdem irgendwie das Geld auftreibst, das du für deinen Lebensstil brauchst, stimmt’s?“
„Stimmt. Ich liebe es, Start-up-Anwältin zu sein, aber ich will auch ein Leben haben.“
„Okay, du liebst deine Arbeit und du bist wirklich gut darin. Wenn du diese Karriere also willst, dann liegt die Antwort doch auf der Hand, oder?“
Tut sie das?
„Du musst anfangen, Geld anzulegen. Dann hast du das Geld, das du brauchst, um die Wahl zu haben. Im Moment hast du keine Wahl.“
Ach ja! Ich wusste, dass er das sagen würde. Ich dachte an die vielen Male, die er mir das schon gesagt hatte.
Mein Vater Phil Town führt bereits ein Leben in finanzieller Freiheit: Er liebt seine Arbeit und er hat das nötige Geld, um zu tun, was er will. Er weiß, wie man Geld quasi aus dem Nichts macht, denn er hat es selbst getan.
Nachdem er das College abgebrochen und sich die Finger schmutzig gemacht hatte – als junger Leutnant in der Eliteeinheit „Green Berets“ der US-Armee in Lateinamerika und als Zugführer in Vietnam –, bot sich ihm in seiner Zeit als Flussführer im Grand Canyon2 die Gelegenheit, sich mit einem Investor zu treffen, der ihm schließlich beibrachte, wie man die Value-Strategie der renommierten Investoren Benjamin Graham und Warren Buffett anwendet. Value-Investing ist eine Anlagestrategie, bei der man Aktien anhand finanzieller Fundamentaldaten zu Preisen kauft, die unter ihrem Wert liegen. Sie wurde erstmals 1934 von Benjamin Graham und David Dodd in ihrem Buch „Wertpapieranalyse“ dargelegt.
Ein Hinweis von Phil
Die Grundideen der Geldanlage sind: Aktien als Unternehmen betrachten, die Schwankungen des Marktes zu seinem Vorteil nutzen und eine Sicherheitsmarge anstreben.
– Warren Buffett
Wenn Sie reich werden und reich bleiben wollen, studieren Sie Warren Buffett; er ist einfach der beste Investmentlehrer der Welt. Im Jahr 1956 gründete er in Omaha im Bundesstaat Nebraska die Gesellschaft Buffett Partnership, um sein eigenes Geld und das von Verwandten und Freunden zu investieren. In den nächsten 14 Jahren erzielte seine Kapitalanlagegesellschaft eine durchschnittliche Jahresrendite von 31,5 Prozent und aus seinen 100 Dollar wurden 25 Millionen Dollar (das wären heute etwa 175 Millionen Dollar). Nach dem rasanten Erfolg schloss er die Gesellschaft 1969 und drängte seine Investoren, Aktien von Berkshire Hathaway zu kaufen, einer Aktiengesellschaft, die Buffett und sein Investmentpartner Charlie Munger von Omaha aus kontrollierten und in die er sein gesamtes Vermögen investierte. Mittels Berkshire, das zum Synonym für Buffett wurde, kaufte er Aktien von Dutzenden börsennotierten Unternehmen wie American Express und Coca-Cola sowie auch komplette Unternehmen wie Geico und Dairy Queen. Seine ursprünglichen Investoren sahen eine Investition von 10.000 Dollar auf 1,2 Milliarden anwachsen, weshalb man Buffett auch das „Orakel von Omaha“ nennt. Heute ist er der große alte Mann des Value-Investings: Mit 87 Jahren besitzt er über 73,4 Milliarden Dollar und leitet Berkshire immer noch. Praktisch das ganze in diesem Buch enthaltene Wissen über Investments beruht auf dem Wissen, das mir von Warren Buffett und Charlie Munger vermittelt wurde.
Mein Vater investierte, als hätte er einen beleuchteten Pfad, der ihm den Weg durch den Nebel wies. Nachdem er innerhalb von fünf Jahren 1.000 Dollar in mehr als eine Million verwandelt hatte, entwickelte er seine eigene Strategie des geringen Wertes („deep value“), die auf den erwähnten, auch „Regel Nummer 1“ genannten Methoden basiert. Diese Bezeichnung erweist Buffetts Äußerung die Ehre, dass es nur zwei Regeln für die Geldanlage gibt: Regel Nummer 1 lautet, dass man keinen Verlust machen soll, und Regel Nummer 2 besagt, dass man Regel 1 nicht vergessen soll.
Klingt einleuchtend, ich weiß, ebenso wie „Billig kaufen, teuer verkaufen“, aber einfach ist nicht dasselbe wie leicht. Was mein Vater sagen wollte, reicht tiefer, als es klingt: Man kaufe ein wunderbares Unternehmen (mein Vater nennt Unternehmen, die ihm gefallen, „wunderbar“) dann, wenn es ein Schnäppchen ist, und nur dann, wenn man sicher ist, dass es in zehn Jahren mehr wert sein wird als heute. Dann wartet man ab, manchmal jahrelang, während das wunderbare Unternehmen tut, was wunderbare Unternehmen eben tun: Es wird im Laufe der Zeit immer wertvoller. Man besitze so viel Zuversicht, im Moment ein wunderbares Unternehmen zu besitzen, dass man sich selbst dann keine Sorgen macht, wenn sein Aktienkurs sinkt, sodass man so lange dabeibleibt, bis er wieder steigt – und dass man es im Idealfall niemals verkauft. Auf diese Art macht man „keinen Verlust“. Das ist die Regel Nummer 1 der Geldanlage.
Als mein Vater merkte, dass andere Menschen an seiner Anlagestrategie interessiert waren, schrieb er zwei Bücher darüber, „Regel Nummer 1“ und „Jetzt aber!“. Beide erreichten Platz 1 auf der Bestsellerliste der New York Times. Ich las beide, als sie erschienen, fand sie großartig und vergaß dann prompt alles, was ich gelesen hatte. Ich merkte erst kürzlich, dass mein Vater den Börsencrash 2008 bei einem Auftritt auf CNBC korrekt vorhergesagt hatte, ebenso den Börsenboden 2009. Heute investiert er, spielt Polo und treibt sich auf seinem Pferdehof außerhalb von Atlanta herum. Er ist unglaublich leidenschaftlich darauf aus, Menschen aufzuklären, wie sie selbst investieren können, und sie reisen aus der ganzen Welt an, um das von ihm zu lernen.
Ich war nie einer von ihnen.
Ich wuchs in einer kleinen Stadt in Iowa auf, wo die Hälfte der Einwohner, einschließlich meiner Familie, von anderswo hingezogen war, um Teil einer transzendentalen Meditationsgemeinschaft zu sein – samt Universität, Privatschule und kuppelförmigen Hallen für Gruppenmeditation. Meditation und Yoga gehörten zu meinem Schulalltag. Mein Vater konnte mit seiner Familie dorthin ziehen, weil er seine Investitionen von überall aus tätigen konnte.
Wir hatten in einem großen Haus gewohnt, das meine Eltern gemeinsam auf einem großen Grundstück mit Blick auf ein Maisfeld und einen großen See dahinter entworfen und gebaut hatten – Iowa fast wie in dem Film „Feld der Träume“. Als ich fünf oder sechs Jahre alt war, hatten mein Vater und ich einen Unfall in dem Haus, bevor es fertig war. Wir verbrachten damals viel Zeit miteinander und ich wanderte mit ihm ziemlich oft durch das halb fertige Haus, um zu sehen, wie es voranging. An jenem Tag zog er Trockenbauplatten, die an einer Wand des Hausflurs lehnten, leicht auf uns zu, um etwas heruntergefallenen Beton herunterzuschütteln, aber sie bewegten sich einfach weiter, obwohl er all seine Kraft aufwandte. Laut schreiend forderte er mich auf, wegzugehen, während er das Gewicht noch ein paar Sekunden hielt und sich rückwärts Richtung Treppenhaus bewegte. Nachdem ich weggeflitzt war, fielen die Platten auf ihn drauf und klemmten seine Beine ein. Ihr Gewicht drückte langsam und unaufhaltsam beide Schienbeine gegen die scharfkantigen, unfertigen Treppenstufen. Ich kroch über die Trockenbauplatte und saß auf der Treppe über dem Kopf meines Vaters, wobei es mich immer mehr irritierte und mir Angst machte, dass er nicht aufstand. „Kannst du Hilfe holen, Schatz?“, fragte er. Ich hätte in seiner Situation wahrscheinlich geschrien, aber er war ruhig und sachlich. Green-Beret-Ausbildung. Damals gab es keine Handys und wir waren mitten im Nirgendwo. Ich begann zu begreifen, dass mein Vater nicht aufstehen konnte, und ich konnte kaum atmen. Ich rannte zum Auto und hupte, aber wir waren auf einem einsamen Feldweg und niemand kam vorbei. In einiger Entfernung gab es eine Farm und ich hatte schreckliche Angst, allein zu einem großen fremden Haus zu gehen, aber mir blieb nichts anderes übrig. Ich rannte über das Feld, raffte meinen ganzen Mut zusammen und klopfte an die Tür, so laut ich konnte. Der netten Dame, die mir aufmachte, flüsterte ich zu, dass mit meinem Vater etwas nicht in Ordnung sei. Ich erinnere mich nicht mehr, was danach geschah, bis wir im Krankenhaus waren und er auf Krücken mit Verbänden an den Beinen herumhumpelte und Witze machte. Nach einer Woche ging es ihm wieder gut. Wir hatten es zusammen geschafft, so wie wir damals vieles gemacht haben, und wir nahmen unsere regelmäßigen Spaziergänge und Radtouren sowie unsere Diskussionen und unsere Inspektionen des Hauses wieder auf.
Dann ließen sich meine Eltern scheiden. Ich war elf, meine Schwester und ich lebten hauptsächlich bei unserer Mutter und die Beziehung unserer Eltern konnte man nur als Krieg bezeichnen. Der Krieg bedeutete, dass meine Schwester und ich plötzlich nicht mehr jeden Tag unseren Vater um uns hatten, und wenn wir ihn besuchten, wollte keiner von uns besonders viel Zeit damit verbringen, über langfristige Sparkonten oder Finanzabschlüsse zu reden. Wir konzentrierten uns auf wichtigere Dinge, zum Beispiel darauf, unsere Familie zusammenzuhalten und uns zu fragen, wo wir wohnen würden.
Meine Schwester und ich wussten immer, dass mein Vater Geld verdiente und es uns finanziell gut gehen würde, aber die Scheidung erschütterte unsere Welt. Es war eine typische Scheidungs-Horrorshow und meine Schwester und ich waren mittendrin. Haruki Murakami schrieb einmal: „Das Glück hat nur ein Gesicht, aber Unglück hat für jeden Menschen ein anderes.“3 Unseres war, dass mein Vater nicht mehr viel da war, und ich konnte keinen Grund dafür finden, außer dass ich nicht Grund genug war, damit er blieb.
Der Krieg führte auch zu finanziellem Druck. Mama bekam einen Job als Lehrerin an der Privatschule, sie verkaufte das Haus, das sie gebaut hatten, und wir zogen mit unserer Mutter in den Maharishi University Utopia Park – einen Wohnwagenpark für Studenten und Lehrkräfte. Es war ein wirklich schöner Wohnwagenpark, aber trotzdem war es eine große Veränderung. Am Abend unseres Umzugs von unserem Haus in den Wohnwagen, nach einem langen, ereignisreichen Tag, an dem wir unseren Hausstand in einen Wohnwagen packten, der in unser altes Wohnzimmer gepasst hätte, und nach Monaten, in denen ich die starke große Schwester gewesen war, brach ich zusammen und weinte. Obwohl keiner unserer Eltern es so gewollt hatte, gingen uns gleichzeitig Liebe und Geld verloren und an diesem Tag wurde es Realität. Ich fühlte mich schrecklich bei meinem Zusammenbruch, weil meine Mutter so unglücklich war und ich ihren harten Tag nicht noch schlimmer machen wollte, aber ich war so traurig. Ich war zwölf Jahre alt, aber ich krabbelte auf ihren Schoß wie eine Vierjährige und weinte und sie kuschelte mit mir und versprach, dass alles in Ordnung kommen würde.
Sie war so tapfer für uns; sie hatte ihren Mann verloren, sie musste aus dem Haus ausziehen, das sie entworfen und gebaut hatte, sie focht einen brutalen Finanzkrieg aus und trotzdem brachte sie die emotionale Energie auf, mich zu trösten. Ich werde ihren Mut in dieser Nacht nie vergessen: weiterzumachen, weiter da zu sein. Meine Mutter versuchte uns vor den Folgen der Scheidung zu schützen, während mein Vater mit seiner Firma nach Kalifornien gegangen war.
In meinem Schmerz und meinem Leid stellte ich ihn mir ohne mich vor, wie er das Leben eines reichen, alleinstehenden Mannes führte. Das schien mir so unfair und ich war wütend darüber. Mama sorgte dafür, dass wir zu essen hatten und ab und zu in unserer kleinen Stadt in Iowa essen gingen, aber plötzlich gab es kein Geld mehr für viel mehr als das Nötigste.
Mein Vater schien an manchen Wochenenden wie mit dem Fallschirm bei uns zu landen, er beschaffte ein Hotel und einen Gameboy und wir verbrachten oberflächlich betrachtet eine sehr schöne Zeit, wenn er uns besuchte, aber sie wurde von dem unterschwelligen Schrecken der ganzen Situation getrübt. Er war ein stereotypischer Disneyland-Daddy und das war peinlich. Mama strampelte sich ab, um über die Runden zu kommen, und Dad fuhr mit uns zum Urlaub in den Club Med. Es ergab keinen Sinn und doch liebten meine Schwester und ich ihn so sehr, dass wir nicht weniger begierig darauf waren, ihn zu besuchen, auch wenn uns bewusst war, wie unfair die Situation war.
Nach zwei Jahren kam Papa zurück, beschaffte sich einen Wohnwagen im Utopia Park, fünf Türen von uns entfernt, und meine Schwester und ich rannten zwischen ihren Wohnwägen hin und her, während unsere Eltern die Wogen unserer Welt nach der Scheidung glätteten. Das war für uns alle eine Zeit großer Veränderungen. Zusammen mit Mama und Papa zogen wir nach Jackson Hole in Wyoming, in zwei Häuser auf einem Bergrücken mit Blick auf das Tal und in fußläufiger Entfernung. Wir fingen an, unser Leben als getrennte Familie wieder zusammenzufügen. Das lief nicht immer glatt und war nicht immer einfach, aber beide versuchten, es für uns alle besser zu machen, und trotz der Wunden aus den Jahren nach der Scheidung klappte es. Geld war kein Thema mehr und zusätzlich zum Unterhalt bezahlte Papa sogar zum Teil das Studium meiner Mutter. Heute feiern wir größere Feste mit unseren beiden Eltern zusammen und sie verstehen sich gut, im Grunde wie Bekannte, die viel miteinander durchgemacht haben. Für uns ist das in Ordnung.
Als ich das Highschool-Alter erreicht hatte, fing Dad in Jackson Hole an, mit mir über Geldanlage zu reden. Ich ließ mich in keiner Weise davon überzeugen, dass das, was mein Vater vorhatte, in irgendeiner Weise meine Zeit wert war – im Gegenteil, es war per Definition durch mein tiefes Gefühl der Verlassenheit irreparabel befleckt. Wenn wir einmal miteinander essen gingen oder im Auto unterwegs waren, piesackte er mich und meine Schwester damit, dass wir wirklich anfangen müssten, Geld anzulegen. Halb hörten wir zu, halb überhörten wir das, was er sagte.
Für ihn war die Geldanlage das beste Thema auf Erden. Wenn er darauf zu sprechen kam, war er wie der Typ, mit dem man auf einer Cocktailparty festsitzt und dem nicht klar ist, dass es einem egal ist, wie sein Tag war – und man nur Smalltalk betreiben wollte. Er liebt es, Berechnungen im Kopf durchzuführen, so wie ich es liebe, Promiklatsch-Blogs zu lesen – es ist einfach unterhaltsam genug, um sich zu entspannen, und keiner von uns kümmert sich darum, ob jemand anderes mitmacht. Er kann stundenlang darüber reden. Schließlich lernte ich, in Schweigen zu verfallen und einfach zu essen, bis er mit seiner Mathestunde fertig war. Dann wechselte ich das Thema und hoffte, ich würde alles, was er gerade gesagt hatte, sofort vergessen, denn Finanzangelegenheiten erschienen mir undurchsichtig und kompliziert – und die Scheidung hatte sowieso schon alles undurchsichtig und kompliziert gemacht. Alles, was mit Investieren zu tun hatte, war durch meine Erinnerungen an meine finanziellen Ängste während der Scheidungsjahre belastet.
Noch als ich über 20 war und entdeckte, dass ich Menschen kannte, die Aktien kauften oder Finanzberater hatten, und dass die Börse etwas war, das Menschen außer meinem Vater für lohnenswert hielten, dachte ich manchmal, dass ich möglicherweise zu voreingenommen gegenüber etwas war, das offenbar eine nützliche Fähigkeit war. Mein Verhältnis zu meinem Vater war zu dieser Zeit ziemlich gut und ich begann mich dafür zu interessieren, womit mein Vater sein Geld verdiente, und dafür, ein Vermögen zu bilden. Vielleicht könnte ich mich für die Geldanlage interessieren, wenn ich es nur versuchen würde, dachte ich mir.
Also versuchte ich es. Ich tat es einigen Freunden nach und versuchte es auf dem College mit Day-Trading – etwas, wozu einen mein Vater nicht ermuntert. Ich wusste gar nicht, wie viel ich nicht wusste, und verlor die Hälfte meines Geldes in ungefähr zwei Tagen, teils weil ich so wenig zu investieren hatte, dass die Gebühren etwaige Gewinne auffraßen, und teils weil die Aktien extra für mich fielen – trotz meiner todsicheren Kombination aus Bauchgefühl und heißen Aktientipps von besagten Freunden. Schnell wurde mir klar, dass die Börse ein Sumpf war, den ich nicht verstand.
Dann, aus dem anhaltenden Gefühl heraus, dass irgendein mysteriöses „Investment-Ding“ eine nützliche Fähigkeit wäre, und wahrscheinlich in der Hoffnung, meinen Vater ein bisschen besser zu verstehen, verbrachte ich einen Sommer damit, für ihn Investmentresearch zu betreiben, was eigentlich nur bedeutete, Zahlen in eine Tabellenkalkulation einzugeben. Ich tat das mechanisch, auf seine Art und nach seinen Methoden, wobei ich mich nicht sehr bemühte, es zu verstehen. Es war das erste Mal, dass ich ihn direkt bei der Arbeit sah – gewissermaßen wie die Wurst gemacht wurde, anstatt nur seine Berichte davon zu hören –, und ich entwickelte großen Respekt davor, wie viel er arbeitete, und für die Anlagemethode, die er entwickelt hatte. Trotzdem blieb nichts hängen.
Für einen Mann mit einem Hammer sieht alles wie ein Nagel aus. Für meinen Vater war die Geldanlage auf eigene Faust die Lösung für alles.
Ich kam auf jenen Januarmorgen und auf unser Telefongespräch zurück. „Ich will nicht selbst investieren, Dad“, sagte ich zu ihm. „Es ist zu schwer, ich habe keine Zeit und es ist viel zu schwierig.“ Er fing an zu kichern, also machte ich weiter. „Ich bin beschäftigt. Ich meine, sogar echte Genies bauen beim Anlegen an der Börse Mist. Es ist zu schwer. Ich habe keine Zeit, das zu lernen.“
Mein Dad lachte schallend. „Versuchst du mir zu sagen, dass es schwer ist und du beschäftigt bist?“
„Ich bin froh, dass du zwischen den Zeilen lesen kannst, denn genau das wollte ich dir sagen.“
„Lass uns ein paar Berechnungen anstellen, um zu sehen, wie lange es dauern könnte, bis du die Freiheit hast, deinen Job aufzugeben und zu tun, was immer du willst.“
„Ich kann das einfach nicht, Dad. Ich weiß schon, was du sagen wirst, und ich bin sicher, dass meine Aussichten schlecht sind, aber ich möchte lieber konservativ sein.“
„Konservativ!“ Er verschluckte sich quasi. „Was sagt Regel Nummer 1?“
„Mach keinen Verlust“, zitierte ich trocken.
„Was ist denn konservativer als das?“
„Ich bin absolut deiner Meinung, dass es wichtig ist, kein Geld zu verlieren, aber ist die Börse der beste Weg dafür? Ich traue dem Markt nicht. Es muss doch einen sichereren Weg geben.“
Schließlich gab er nach, wechselte das Thema und bald legten wir auf. Ich wusste, was er sagen würde, aber ich hoffte, diesmal würde es anders sein. Ich hatte es schon tausendmal gehört. Er würde eine Tabellenkalkulation erstellen und tausend Zahlen so schnell herunterrasseln, dass ich nicht folgen konnte, und mir dann erklären, wenn ich lernen würde, wie Warren Buffett zu investieren, würde es mir gutgehen. Keine Details. Keine wirkliche Hilfe.
Ich war zu müde, um wie Warren Buffett zu investieren, was auch immer das bedeutete. Und ich hatte erlebt, wie virtuos mein Vater mit Zahlen jonglierte. Ich hatte meine Talente, aber Zahlen gehörten nicht dazu. Ich war mir sicher, dass ich kein Mensch war, der mit seinem eigenen Geld herumspielen sollte.
Sicherlich musste es einen anderen Weg geben, der mich zur finanziellen Freiheit führen würde. Ich verbannte das Problem in den Hintergrund, damit ich mich auf meine Anwaltspraxis konzentrieren konnte, doch während ich in den nächsten Wochen weiter mein sogenanntes Leben führte, versuchte ich jedes Mal, wenn ich meine Magenmedikamente nahm, es herauszufinden: Was konnte ich tun, um keine Lohnsklavin mehr zu sein?
Das Problem war, dass das Finanzdienstleistungssystem – das wirklich ein so festgefahrenes Ungetüm ist, dass man es den finanziell-industriellen Komplex nennen sollte – wohl kaum ein freundliches Gesicht hatte. Die Herren des Universums, die sich auf CNBC gegenseitig anschreien, schreckten mich gründlich ab, die Bücher und Zeitungen verwendeten eine mir fremde Finanzsprache und die beiden großen Rezessionen, die ich durchlebt hatte, hatten mich gelehrt, dass die Börse ein unzuverlässiger Geschäftspartner ist.
Ich verweigerte mich der Finanzwelt bereits so sehr wie der Möglichkeit, zu lernen, auf eigene Faust zu investieren. Trotzdem musste ich mir etwas ausdenken.
Der finanziell-industrielle Komplex erklärt mir, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, mehr Geld zu generieren:
1. HAMSTERN: Nichts mehr kaufen, das Spaß macht, nichts mehr außer der Reihe kaufen, um zu sparen, zu sparen, zu sparen … und nur die allerkonservativsten Anlagen kaufen.
2. ABGEBEN: Mein Geld einem Vermögensverwalter übergeben, dem ich Gebühren für das Privileg bezahlen soll, ihm mein Geld auszuhändigen, unabhängig davon, ob er mein Geld dann verliert oder nicht.
Natürlich wollte ich nicht selbst mein eigenes Geld verlieren, aber ich wollte auch nicht, dass jemand anders es verliert. Meinen Einstieg in den Arbeitsmarkt hatte ich spektakulär schlecht geplant. Das College schloss ich während der Rezession Anfang der 2000er-Jahre ab und mein Jurastudium während der Rezession Ende der 2000er-Jahre, also beide Male dann, als sich der finanziell-industrielle Komplex in heillosem Aufruhr befand. Diese Leute schienen nicht aus ihren Fehlern zu lernen. Als der Markt nach oben tendierte, schien jeder ein Genie zu sein, aber als er fiel, wurden die Abgründe ihrer Unwissenheit bloßgelegt. Hamstern hörte sich sicher an und „sicher“ klang fantastisch. Ich fasste einen einfachen Entschluss.
Ich würde ein finanzieller Hamsterer werden.
Ich war begeistert von meiner Entscheidung und ich begann wie wahnsinnig online zu recherchieren, um mehr zu erfahren. Wo waren die Erfolgsgeschichten von 80-jährigen Hamsterern, die Geldscheine in die Luft warfen?
Ich fand keine, dafür fand ich Schatzwechsel (Treasury Bills oder T-Bills), die sich gut anhören, es aber nicht sind. Ein Schatzwechsel oder eine Schatzanweisung ist eine Anleihe des US-Finanzministeriums und wird vom Bund verbürgt, sodass sie als risikolose Anlage gilt – zumindest so risikolos wie irgendeine Anlage sein kann –, weil der Staat über eine Druckerpresse für Banknoten verfügt. Sie sind weltweit so sehr der Maßstab für risikoarme Anlagen, dass der Zinssatz des zehnjährigen Schatzwechsels als „risikofreier Zins“ bezeichnet wird. Jede Investition, die risikoreicher ist, müsste höhere Renditen als der risikofreie Zinssatz bringen, damit sie sich lohnt.
Gott sei Dank konnte mir das Internet diese Dinge erklären, denn die Finanzsprache lässt uns „Normalos“ absichtlich im Unklaren, wenn es um Finanzentscheidungen geht, und wir brauchen Mittelsmänner, um uns auch nur ein einfache Transaktion auszuführen. Die Demokratisierung der Informationen im Internet, dank derer ich den Fachjargon der Finanziers schnell nachschlagen konnte, war die einzige Waffe, die ich gegen sie hatte.
Ich brütete einen Hamsterplan aus. Ich wollte, bildlich gesprochen, mein Geld unter meine Matratze stopfen. Mein schöner kleiner Sparstrumpf würde auf ein Sparkonto wandern, wo er, wie ich wusste, sicher sein würde. Er würde nicht sehr wachsen, das wusste ich, aber er würde auch nicht kleiner werden. Ich würde so viel sparen, wie ich konnte, ohne meinen Lebensstil aufzugeben – ab und zu ein Americano mit einem Freund von dem guten Kaffeestand auf dem Bauernmarkt von Boulder macht mich lebendig und ich brauchte diese Momente. Ich würde meinen Job so lange behalten, wie ich es physisch könnte, meine Studiendarlehen abzahlen, die Höhen und Tiefen des Marktes völlig ignorieren, meinem Sparbuch beim Wachsen zusehen und vielleicht mal einen Schatzwechsel kaufen, wenn die Zinsen stiegen. Solange ich noch ein paar Jahre durchhalten konnte, ohne dass meine Gesundheit wirklich schlimm litt, konnte ich später in eine weniger belastende Position in einem Unternehmen wechseln. Schluss, aus, erledigt.
Für mich war das ein Sieg. Und sicher würde auch mein Vater das als Sieg betrachten. Ich hielt mich ja buchstäblich an Regel Nummer 1: Mache keinen Verlust.
Ich klopfte mir auf die Schulter und war dermaßen begeistert von meinem Plan, mein Geld zu sparen, dass ich, als mein Vater Ende Januar für ein paar Tage in Boulder vorbeikam, übersprudelte. Er hatte ab und zu geschäftliche Termine in der Nähe und versuchte dann, übers Wochenende zu bleiben, damit wir Zeit zusammen verbringen konnten. Wir gingen zum Sonntagsbrunch in der Innenstadt in der Nähe meiner Wohnung und triumphierend verkündete ich meinen Plan.
„Ich habe beschlossen, mein Geld unter meiner Matratze zu sparen. Ich werde sparen und mir überlegen, was ich später damit machen werde.“
Schweigen. Ich wusste, dass er dachte, in seinen Büchern hätte er etwas über Sparkonten als tragfähige Option zusätzlich zur aktiven Geldanlage schreiben sollen. C’est la vie, Dad. „Warum sind denn nicht alle auf diesen genialen Plan gekommen, kein Geld zu verlieren?“, fragte ich ihn.
„Sparen?“, entgegnete er. „Nur sparen?“
„Ja, ich weiß, dass Sparkonten keine Zinsen abwerfen. Ich weiß, das ist keine Wachstumsstrategie. Aber wenigstens verliere ich kein Geld. Ich halte mich strikt an Regel Nummer 1!“
„Und was ist mit der Inflation?“, fragte er.
Inflation?
„Du weißt doch, was Inflation ist, oder?“, fragte er. Irgendwie schon. Ich wusste, dass es Inflation gibt. Jeder wusste von der Inflation. Inflation bedeutet, dass die Preise steigen und die Kaufkraft des Geldes mit der Zeit abnimmt. Ich wusste nicht, warum. Irgendwie dass der Staat Geld druckt und dass dieses zusätzliche Geld, das umläuft, irgendwie bedeutet, dass das Geld weniger … weniger nützlich … weniger wert … weniger gut … einfach weniger wird? Foin, ich konnte „Inflation“ nicht genau definieren.
„Inflation bedeutet, dass die Kaufkraft deines Geldes sinkt, weil der Staat will, dass die Menschen Arbeit haben, damit sie Kredite aufnehmen. Und wenn mehr Geld umläuft, kaufen die Verbraucher mehr, und mit der Zeit lässt die erhöhte Nachfrage die Preise steigen. Und weil die Unternehmen versuchen, die gestiegene Nachfrage zu befriedigen, erhöhen sie die Löhne oder schaffen neue Arbeitsplätze, sodass die Wirtschaft wächst. Auch das führt zu mehr Konsum, was wieder zu mehr Nachfrage, höheren Löhnen, mehr Arbeitsplätzen und erneut mehr Konsum führt. Man nennt das den ‚Engelskreis‘ der Inflation.“
Er zeigte auf seine Cola – für ihn eine besondere Sonntagsdosis Zucker. „Als ich ein Kind war, bekam ich für zehn Cent eine Cola, und jetzt bekomme ich sie für einen Dollar 50. Die gleiche Cola. Der Wert des Groschens ist gefallen wie ein Ziegelstein. Als Benjamin Franklin sagte: ‚Ein gesparter Penny ist ein verdienter Penny‘, konnte man sich für einen Penny fast so viel kaufen wie heute für einen Dollar. Seit Franklins Zeit hat die Inflation die Kaufkraft eines Penny um mehr als 98 Prozent reduziert.“
„Klingt alles absolut logisch. Mehr Konsum, höhere Löhne, mehr Arbeitsplätze gleich ‚Engelskreis‘. Aber warum fragst du mich überhaupt nach der Inflation?“
„Die einzige Möglichkeit, auch nur die heutige Kaufkraft des Geldes zu erhalten, ist, mit diesem Geld zusätzliches Geld zu verdienen.“
„Nein, nein, nein! Du sagst doch immer, dir ist es lieber, „auf Barem zu sitzen“, anstatt in überteuerte Unternehmen zu investieren und möglicherweise an der Börse Geld zu verlieren. Das ist doch das, was ich tue. Ich sitze auf Cash.“
„Also gut, ja, technisch gesehen sitzt du auf Barem. Aber die Inflation wird dich schädigen, wenn du langfristig Cash hältst. Die Inflation verringert die Kaufkraft deines Geldes mit der Zeit. Deshalb wird der Dollar, den du heute sparst, morgen in Kaufkraft gerechnet buchstäblich weniger wert sein. Am nächsten Tag wieder weniger, am Tag darauf noch weniger, in zehn Jahren viel weniger und in 30 Jahren massiv weniger – nur noch 40 Cent –, ohne dass du irgendetwas tust.“
Bei 3 Prozent Inflation im Jahr sinkt die Kaufkraft eines Dollar in 30 Jahren auf 0,40 Dollar.
In 30 Jahren könnte der heutige Lebensstil für 80.000 Dollar im Jahr locker fast 200.000 Dollar kosten.
Die tiefe finanzielle Lücke, die durch die Inflation entstanden war, begann in den Fokus zu rücken. Die Wahrheit war, dass ich drei Prozent oder mehr verdienen musste, damit mein Geld nicht jedes Jahr weniger wert wird. „Moment mal … du willst doch nicht sagen, dass mich das Sparen buchstäblich Geld verlieren lässt, ohne dass ich etwas falsch mache. Ich muss also investieren, nur um da zu bleiben, wo ich bin? Ich muss investieren, nur um wenigstens auf der Stelle zu treten?“
„Genau das sage ich dir.“ Papa sah etwas verwirrt darüber aus, dass ich immer noch überrascht war. Er versuchte es noch einfacher auszudrücken. „Die Inflationsrate liegt im historischen Durchschnitt bei drei Prozent pro Jahr, also muss man eine durchschnittliche Rendite von drei Prozent pro Jahr erzielen, nur um die Inflation auszugleichen.“
Es war ja nicht so, dass ich es nicht verstanden hätte. Verstanden hatte ich es durchaus. Aber ich hatte nie die Tatsache der Inflation auf meine Ersparnisse angewandt. Er redete so, als ob jeder erwachsene Mensch wüsste, dass er investieren muss, um mit der Inflationsrate von drei Prozent im Jahr Schritt zu halten. Warum hatte mir das noch keiner gesagt? Warum hatte er mir das nicht früher gesagt? Oder wussten es etwa alle außer mir? Das fragte ich mich. War ich noch gar nicht erwachsen geworden? Habe ich etwa an dem Tag den Unterricht geschwänzt, an dem wir besprachen, dass man auf jeden Fall drei Prozent im Jahr erwirtschaften muss, weil sonst die Inflation so sicher ist wie der Tod und die Steuern?
„Ich dachte an das Sparen als nettes, neutrales Nichtstun.“ Ich seufzte. „Einfach jeden Monat etwas Geld beiseitelegen und es sich schön anhäufen lassen.“
„Aber das tut es nicht.“ Dad machte es noch schlimmer und erklärte mir, dass die Preise einiger sehr wichtiger Dinge sogar noch schneller steigen als die Inflation. Seine Eltern kauften ihr erstes Haus in Portland im Bundesstaat Oregon 1951 für 5.000 Dollar – das entsprach dem Jahresgehalt meines Großvaters als angehender Buchhalter. Ein annehmbares Haus zu finden, das man für das Jahresgehalt eines Buchhalters bekommt, ist heutzutage schwierig und in begehrten Städten wie Portland sicher unmöglich. Dort würde dasselbe Haus heutzutage 300.000 Dollar kosten, während selbst ein Buchhalter mit Berufserfahrung dort nur rund 40.000 Dollar im Jahr verdient.
„Die Inflation hat das Gehalt eines Buchhalters in 65 Jahren um 800 Prozent steigen lassen – durchschnittlich drei Prozent im Jahr. Aber wegen der begehrten Lage, der gewachsenen Bevölkerung, der staatlichen Bürgschaften für Immobiliendarlehen und der steuerlichen Förderung ist der Preis für dasselbe Haus in Portland um 6.000 Prozent gestiegen – etwa sieben Prozent im Jahr.“
Illustration: Adam Bennett
Dad fuhr fort: „Wenn deine Ersparnisse nicht wachsen, wird es dir im Ruhestand schwerfallen oder gar unmöglich sein, in einem guten Restaurant essen zu gehen. Und von der gesundheitlichen Versorgung wollen wir gar nicht reden. Also, ja, du musst investieren, nur um auf der Stelle zu treten, und du musst vielleicht sogar mehr als drei Prozent schaffen, um dich über Wasser zu halten.“
„Aber alle sagen doch, wir sollen sparen! Das ist der übliche Rat! Hortet! Spart euer Geld! Bewahrt es sicher auf! Regel Nummer 1: Verliere kein Geld!“
Da lachte er mich einfach aus. Oh Herr, bewahre mich davor, diesen Mann mit meiner Gabel zu erstechen. Ich würde schließlich meine Zulassung als Anwältin verlieren.
„Diejenigen, die zum Sparen auffordern, meinen, dass man sparen sollte, anstatt Geld auszugeben. Aber wegen der Inflation und der Tatsache, dass das, was die Leute kaufen, ‚morgen‘ teurer sein wird, geben sie ihr ganzes Geld aus und dazu noch alles, was sie sich ‚heute‘ leihen können. Also müssen wir ermutigt werden, das Geld zu sparen statt es auszugeben. Aber niemand sagt, wenn man einmal Geld gespart hat, soll man es auf einem Sparkonto aufbewahren.“
So ein Mist. Fast sprang ich frustriert vom Stuhl auf. Also sogar diejenigen, die vermittelt hatten, sie hielten das Sparen für den richtigen Weg, sahen darin nur das Vorspiel zur eigentlichen Arbeit? Sparen war also nicht genug?
