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Ein Buch für Flugschüler und Piloten. Flugmeteorologie (Hagelschlag) erklärt mit Hilfe einer erotischen Annäherung (Nagellack). Endlich verständlich. Immer lustig und gar nicht pfui!
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Seitenzahl: 78
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Für Daniela und Matthias
Vorwort
Der Stoff aus dem Piloten sind
Hagelschlag und Nagellack
Mein Freund Egon
Der Furz
Positive Vorticity Advection
Wolkenpoppen
Die erotische Annäherung
Der nette Herr vom LBA
Nachtdienst mit M.
Ode an meine Zunft
Von Piloten, Wachleiter und anderen coolen Säuen
Sicherheitskontrollen
Was ich noch sagen wollte
Die Geschichte vom Engel Saschalino
Es waren einmal vier Freunde: Evangelista Torricelli, der Erfinder des Quecksilberbarometers (1643), Luke Howard, ein Brite, der die erste vernünftige Wolkenklassifikation vorgestellt hat (1803), Michelangelo, der Maler (unsterblich), und ich, ein falscher Prophet, weil Lügner und Ratender. Seinerzeit trafen wir uns regelmäßig zum Schafkopfen (ein bayerisches Kartenspiel, wo Ober und Unter Trumpf sind, Herz, wenn keiner ein Solo spielt …, ach vergessen Sie’s einfach, entweder man kann’s oder man lernt es nie).
Eines Abends, so gegen Mitternacht, wir waren beim Maler, machten wir eine Pause und der Michl fragte uns, ob wir sein neuestes Werk bewundern wollten: „Die nackte Frau in weißem Marmor“. Die Arbeit wäre lange noch nicht fertig, aber wenn wir wollten, könnten wir sie schon einmal bestaunen und ihm huldigen. Natürlich wollten wir, nackte Frau, klar.
Mit wonnigem Gefühl erinnere ich mich noch an diesen satten Anblick. Da stand ein lebensgroßes Weib mit engelsgleicher Schönheit. Leck mich fett! Zugegeben, Engel haben kein Geschlecht, so lehrt es wenigstens das Buch der Bücher, aber dieser Engel hatte ein Geschlecht: Eindeutig! Alles da, perfekter Busen, geiler Arsch. Entschuldigung, aber warum lange rumreden, wenn es doch so war. Die Statue war von so einer erhabenen Schönheit, dass ich den Rest des Abends nur noch an sie denken musste und deswegen mein ganzes Geld verspielt habe. Der Meister hat meine Verliebtheit in sein Werk gleich bemerkt und war sehr geschmeichelt: „Soprannaturale“, schnurrte er in seinem unnachahmlichen Florentiner Dialekt.
Vier Wochen später trafen wir uns wieder beim Michl (weil es halt ein Kartenspiel für vier Personen ist und jeder alle vier Wochen einmal den Gastgeber spielen muss). Wie immer legten wir gegen Mitternacht eine kleine Spielpause ein. „Gerade heute habe ich ’Die Frau in weißem Marmor’ endlich fertigstellen können. Möchtet ihr sie sehen und niederknien?“, fragte der große, bescheidene Künstler. Aber selbstverständlich wollten wir, ich voraus.
Da stand sie wieder. Dieses Ebenbild vollkommener weiblicher Schönheit. Aber was war da jetzt anders an der Dame, im Vergleich zum letzten Mal? Wieso hatte der Meister gesagt, er habe noch vier Wochen lang Hand an das Prachtweib gelegt? Ich konnte keinen Unterschied erkennen. „Die schaut doch noch genauso aus wie beim letzten Mal“, entfuhr es mir, „da hast Du doch nichts mehr dran gemacht.“ Böser, böser Fehler!
Michelangelo fing an zu toben. „Was sagst Du da, Du Sterblicher? Du Unwissender! Du Wahnwitziger! Nichts geändert! Nichts geändert! Hör er mir zu, damit er lernt und dann für immer verschwinde aus meinem Angesicht: Details habe ich geändert, winzige Details, klitzekleine Kleinigkeiten! Denn das lerne von mir, Du unsagbar dummer Mensch: Kleinigkeiten sind es, die einer Sache Vollkommenheit verleihen.“
Und dann hat er mich rausgeschmissen, in die ewige Verdammnis. Zum Schafkopfen haben die mich nie wieder eingeladen, sonst auch nicht. Mit Dummheit verschissen.
Just diese Geschichte erzähle ich gerne meinen Flugschülern, denen, die einmal Berufspilot werden wollen. Theoretisch kann jeder junge Mensch Pilot werden. Zugegeben, ein bisschen Fleiß sollte schon sein, mögen muss er halt wollen, damit er ein paar Multiple-Choice-Fragen richtig beantworten kann. Prüfungsfragen und deren Antworten muss er lernen, wobei er Lernen oftmals mit Auswendiglernen verwechselt. Fragen und Antworten, die man ihm liebenswürdigerweise vorher schon bekannt gibt. Wie beim Autoführerschein. Der junge Mensch aber, der wirklich aus dem Stoff ist, aus dem Piloten sind, fordert nicht nur die Antworten auf Prüfungsfragen, der will jedes Fach in seiner ganzen Breite und Tiefe verstehen. Denn wer mit den Details vertraut ist, dem ist auch das Große und Ganze ein Einfaches, der wird zu einem Michelangelo unter den Piloten heranreifen.
Und den Schülern, die im Unterricht mit ihrem Handy spielen, youtuben, simsen, Mails beantworten, quizzen oder gar von ihren Schweinereien der vergangenen Nacht träumen und die kommende Nacht bereits zügellos verplanen, denen muss ich hier deutlich Folgendes sagen: Männer braucht das Cockpit oder Frauen, keine Kinder!
Natürlich tut es unendlich gut, wenn man in einer Uniform steckt, die mit drei oder vier Streifen verziert ist. Und natürlich liegt einem als Pilot die Welt zu Füßen und die Frauen auch, oder halt die Männer, je nachdem. Kein Grund rumzuspinnen!
Die vielen Berufspiloten, die ich mittlerweile kenne, sind ausgeglichene, ruhige und besonnene Menschen. Sie wissen, dass sie einen unglaublich interessanten, wunderbaren, außergewöhnlichen Beruf haben, einen Beruf, der größte Verantwortung und Ernsthaftigkeit verlangt. Das macht sie für uns alle zu Respektspersonen, weil sie auch angefüllt sind mit einem hohen Maß an Demut.
Der Busen einer gewissen Jutta D. war schuld, dass ich Flugmeteorologe geworden bin. Fei wergli.
Also beide. Links und rechts jetzt, meine ich. Beide gleich schön. Sie verstehen. Linke Brust, rechte Brust. Verstehen Sie? Sollte Busen aber für beide stehen, also Plural, dann sowieso okay. Au weh, au weh!
Sie sehen, allein der Gedanke an die Brüste von Jutta David verwirrt mich heute noch, fast 45 Jahre danach und wahrscheinlich darf man so etwas heute gar nicht mehr schreiben, wegen me too und so, aber wenn es doch tatsächlich so war: Nur deswegen habe ich das Fach Meteorologie studiert, durchaus mit redlichem Bemühen. Die Jutta, in die alle Jungs in unserer Straße verliebt waren, wohnte mit ihren Eltern im „Zollhaus“. Das war ein großes Gebäude, in dem neben dem Zollamt auch eine Wetterstation des DWD untergebracht war, in der Feuerbachstraße. Der Vater von Jutta D. war dort Hausmeister. Und da ich der Jutta näher sein wollte, habe ich mich beim DWD beworben. So kam das. Und meinen Mitbewerbern von damals, also bei der Jutta jetzt, dem Peter, dem Rainer, dem Siggi, dem Dietmar u.v.a.m. möchte ich nur Folgendes sagen: „Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen, …, aber der Kleine trägt sie nach Haus´ und nascht sie auf.“
Erwarten Sie jetzt bitte keine Intimitäten von mir. Da war ja auch nichts. Wir waren halt jung und verliebt. Wir wollten uns nur nahe sein, also ich jetzt der Jutta. Weil, dass es da noch was gab, davon hatte ich auch schon gehört, klar. Was das genau war, wusste ich noch nicht so genau. Die Jutta aber schon. Und wenn ich mir heute so rückblickend überlege, warum sie immer so vergnügt und spitzbübisch gelacht hat, dann meine ich, dass es gerade dieser Wissensvorsprung war, der sie so amüsiert hat.
Die Jutta hatte einen frechen Kurzhaarschnitt und ein Lausbubengesicht. Aber einen Körper hatte sie nicht wie ein Bube, das war schon ein Frauenkörper, leck fett!
Ich erzähle jetzt mit hochrotem Kopf, wie mein damaliger Spetzl Rainer G. (der mir später seinen 190er Mercedes-Diesel zu einem überteuerten Preis verkauft hat) und der pubertierende Manfred R. einst beschlossen, bei Jutta D. zu fensterln:
Gleich am Anfang großes Problem: Die Jutta bewohnte ein Zimmer im Keller. Vorteil: In diesem Fall brauchst Du zum Fensterln keine Leiter nicht. Nachteil: das Kellerfenster ging zur Straßenseite auf, was für unsere Zwecke ziemlich blöd war, weil die Straße um 22 Uhr noch ziemlich belebt war, Gasthaus ganz in der Nähe. (Außerdem hätte ich seinerzeit bis spätestens 22 Uhr zu Hause sein müssen.)
Also haben wir es von der anderen Seite probiert und uns durch den Garten angenähert. Da gab es dann auch ein Kellerfenster und es stand offen.
„Du zerscht.“
„Warum immer iech?“
„Wall du klenner bist. Du kummst do leichter nei.“
„Also gut. Und wenn´s daham is?“
Das war die Frage. Wir hatten uns überhaupt nicht gefragt, was wir denn bei der Jutta machen wollten oder was wir zu ihr sagen sollten. Vielleicht: „Hallo Jutta. Schon lange nicht mehr gesehen, was. Wir dachten, wir schauen mal vorbei. Ist ja erst 22 Uhr. Sind einfach durchs Kellerfenster gekommen. Sind zu zweit. Zu zweit geht alles besser.“ Unser Drang war zwar sehr ausgeprägt, aber es gab lediglich eine Ahnung von Tatsachen, die wir leider noch nicht erfasst hatten.
„Des seh mer dann scho.“
Also gut. Ich zwängte mich durchs Kellerfenster und plumpste in einen feuchtkalten Raum.
„Sixt wos?“
„A Haufn Wäsch hängt do rum. Kumm rei etz. Do is niemand.“
Der Sportsfreund R. zwängte sich dito durchs enge Fenster und dann saßen wir erst einmal mit dem Rücken an die Wand gelehnt am Boden, atmeten schwer und warteten ab. Das Zimmer von Jutta war gegenüber, auf der anderen Seite des Gangs.
„Wos machmern jetzt?“
Wie gesagt, das hätten wir uns mal vorher überlegen sollen.
„Sei still. Do kummt jemand.“
„Des is die Jutta net, die schlurft net so.“
Es war die Stiefmutter von unserer Angebeteten. Sie öffnete die Tür zum Waschraum und prüfte, ob die Wäsche, die an den Wäscheleinen hing, schon trocken war. Sie, ihren prüfenden Blick nach oben gerichtet, wir mit gesenktem Blick in der Ecke des Kellers sitzend.
Das war keine schöne Situation für uns zwei Fregger, denn nichts anderes waren wir damals. Unser Gefühlszustand bewegte sich irgendwo zwischen „Ich scheiß´ mir jetzt gleich in die Hose vor Aufregung“ und „Ich lach´ jetzt gleich lauthals los.“ Sie kennen das.
Bevor wir uns für etwas entscheiden konnten, ertönte eine laute, schrille Frauenstimme:
„Ja, um Gotteswillen! Was macht ihr denn da? Herrgott, bin ich jetzt erschrocken!“
„Wir wollten die Jutta besuchen.“
