HALF BAD – Das Dunkle in mir - Sally Green - E-Book

HALF BAD – Das Dunkle in mir E-Book

Sally Green

4,5
13,99 €

oder
Beschreibung

Wenn das Böse in dir lauert, bist du dann dazu
verdammt?


Nathan wird gejagt.
Seit seiner frühesten Kindheit wird er von der Regierung beobachtet, verfolgt, eingesperrt. Denn Nathan lebt in einer Welt, in der – mitten im modernen Alltagsleben – Hexen existieren. Weiße Hexen, die sich selbst für gut erachten und die Regierungsmacht in ihren Händen halten. Schwarze Hexen, die gefährlich und skrupellos sind und im Untergrund arbeiten. Und Nathan, der beides ist – denn seine Mutter war eine Weiße und sein Vater Marcus ist der gefürchtetste Schwarze aller Zeiten. Nathan ist ihm nie begegnet, aber von so einem Vater kann er nur Dunkles und Böses geerbt haben. Oder?
Um an Marcus heranzukommen, stellt der Rat der Weißen eine tödliche Falle – mit Nathan als Köder. Bald wird Nathan von beiden Seiten gejagt und muss sich entscheiden, wofür es sich zu kämpfen lohnt: für die gute Seite in ihm – oder für die böse …

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Seitenzahl: 449

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Sally Green

Das Dunkle in mir

Aus dem Englischen von Michaela Link

cbj ist der Kinder- und Jugendbuchverlagin der Verlagsgruppe Random House

Gesetzt nach den Regeln der Rechtschreibreform1. Auflage 2014

© 2014 by Sally Green

Die Originalausgabe erschien 2014 unter dem Titel

»Half Bad« bei Penguin Group,

Penguin Books Ltd, England

© 2014 für die deutschsprachige Ausgabe

cbj Verlag, München, in der

Verlagsgruppe Random House GmbH

Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten

Aus dem Englischen von Michaela Link

Lektorat: Andreas Rode

Umschlagfoto: Cover design by Tim Green, Faceout Studio

Cover images © Tanya Constantine/Blend Images/

Getty Images & © WIN-Initiative/Getty Images

Umschlaggestaltung: *zeichenpool, München

kg · Herstellung: AJ

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

ISBN: 978-3-641-13301-6www.halfbad-buch.de

www.cbj-verlag.de

Für meine Mutter

An sich ist nichts weder gut noch schlecht; das Denken macht es erst dazu.

William Shakespeare, Hamlet

Teil 1 Der Trick

Der Trick

Da sind diese beiden Kinder, Jungen, die nebeneinandersitzen, eingekeilt zwischen den großen Armlehnen eines alten Sessels. Du bist der linke.

Der andere Junge ist warm, wenn du dich an ihn lehnst. Wie in Zeitlupe wendet er den Blick vom Fernseher ab und dir zu.

»Gefällt dir das?«, fragt er.

Du nickst. Er nimmt dich in den Arm und schaut wieder auf den Bildschirm.

Danach wollt ihr beide die Sache aus dem Film ausprobieren. Ihr stibitzt die große Streichholzschachtel aus der Küchenschublade und lauft damit in den Wald.

Du fängst an. Du zündest das Streichholz an und hältst es zwischen Daumen und Zeigefinger, lässt es herunterbrennen, bis es erlischt. Du verbrennst dir die Finger, aber du hältst das verkohlte Streichholz fest.

Der Trick funktioniert.

Der andere Junge versucht es ebenfalls. Doch er schafft es nicht. Er lässt das Streichholz fallen.

Dann wachst du auf und weißt wieder, wo du bist.

Der Käfig

Der Trick besteht darin, dass es einem nichts ausmachen darf. Die Schmerzen dürfen einem nichts ausmachen, nichts darf einem irgendetwas ausmachen.

Der Trick, dass es einem nichts ausmacht, ist entscheidend; es ist der einzige Trick auf der Welt, der wirkt. Nur dass es nicht die Welt ist; es ist ein Käfig neben einem Cottage in einem Meer von Hügeln und Bäumen und Himmel.

Es ist ein Ein-Trick-Käfig.

Liegestützen

Der normale Ablauf ist okay.

Unter freiem Himmel aufzuwachen ist okay. Im Käfig und in Fesseln aufzuwachen ist, was es ist. Vom Käfig darfst du dich nicht verrückt machen lassen. Die Fesseln scheuern, aber das heilt schnell und leicht, also was soll’s?

Im Käfig ist es tausendmal besser, seit die Schaffelle darinliegen. Die wärmen sogar, wenn sie feucht sind. Die Plane über der Nordseite war ebenfalls eine große Verbesserung. Sie bietet Schutz vor dem schlimmsten Wind und Regen. Und ein wenig Schatten, wenn es heiß und sonnig ist. Scherz! Du musst dir deinen Sinn für Humor bewahren.

Gewöhnlich wachst du auf, wenn der Himmel kurz vor Tagesanbruch heller wird. Du brauchst keinen Muskel zu bewegen, brauchst nicht einmal die Augen zu öffnen, um zu wissen, dass es hell wird; du kannst einfach daliegen und alles in dich aufnehmen.

Der beste Teil des Tages.

Es gibt nicht viele Vögel hier in der Gegend, nur ein paar, nicht viele. Leider weißt du ihre Namen nicht, aber immerhin erkennst du ihre unterschiedlichen Rufe. Es sind keine Möwen, was einem zu denken gibt, und man sieht auch keine Kondensstreifen. Der Wind ist in der stillen Zeit vor Sonnenaufgang für gewöhnlich leise, und irgendwie fühlt die Luft sich bereits wärmer an, wenn es anfängt hell zu werden.

Du kannst jetzt die Augen öffnen und hast ein paar Minuten Zeit, den Sonnenaufgang zu genießen – heute eine dünne, rosafarbene Linie entlang des schmalen Wolkenbandes, das über den fleckigen, grünen Hügeln hängt. Und du hast immer noch eine Minute, vielleicht sogar zwei, um dich zu sammeln, bevor sie erscheint.

Aber du brauchst einen Plan, und es ist am besten, wenn du dir in der Nacht alles zurechtgelegt hast, damit du dich ohne nachzudenken in den Tag hineingleiten lassen kannst. Meist besteht der Plan darin, zu tun, was man dir sagt. Aber nicht jeden Tag – und nicht heute.

Du wartest, bis sie auftaucht und dir die Schlüssel zuwirft. Du fängst die Schlüssel auf, öffnest die Fesseln um deine Knöchel und reibst deine Gelenke, um sie daran zu erinnern, welchen Schmerz sie dir zufügt. Du öffnest deine linke Handfessel, öffnest deine rechte, stehst auf, schließt die Käfigtür auf, wirfst ihr die Schlüssel zurück, öffnest die Käfigtür, trittst hinaus – hältst den Kopf gesenkt, schaust ihr niemals in die Augen (es sei denn, das ist Teil eines Plans). Dann reibst du dir den Rücken und stöhnst vielleicht ein wenig, gehst zum Gemüsebeet, pinkelst.

Manchmal versucht sie natürlich, dich durcheinanderzubringen, indem sie den Ablauf verändert. Manchmal will sie, dass du etwas erledigst, bevor du deine Übungen machst, aber an den meisten Tagen kommen zuerst die Liegestütze. Du weißt es schon, wenn du den Reißverschluss deiner Hose zumachst.

»Fünfzig.«

Sie sagt es leise. Sie weiß, dass du zuhörst.

Du lässt dir, wie gewöhnlich, Zeit. Das ist immer Teil des Plans. Lass sie warten.

Reib dir den rechten Arm. Das Metallarmband schneidet dir unter der Handfessel ins Handgelenk. Du heilst es und spürst dabei ein leichtes Prickeln. Du lässt den Kopf kreisen, die Schultern und wieder den Kopf. Dann stehst du da, stehst einfach für ein oder zwei weitere Sekunden da, treibst sie an die Grenze, bevor du dich auf den Boden fallen lässt.

Eins

Dass es einem nichts ausmacht,

Zwei

ist der Trick.

Drei

Der einzige

Vier

Trick.

Fünf

Aber es gibt

Sechs

jede Menge

Sieben

Strategien.

Acht

Jede Menge.

Neun

Ausschau halten

Zehn

die ganze Zeit.

Elf

Die ganze Zeit.

Zwölf

Und das ist

Dreizehn

einfach.

Vierzehn

Denn es gibt

Fünfzehn

sonst nichts

Sechzehn

zu tun.

Siebzehn

Nach was Ausschau halten?

Achtzehn

Nach etwas.

Neunzehn

Nach irgendetwas.

Zwanzig

Ir

Einundzwanzig

gend

Zweiundzwanzig

etwas.

Dreiundzwanzig

Einem Fehler.

Vierundzwanzig

Einer Chance.

Fünfundzwanzig

Einem Versehen.

Sechsundzwanzig

Dem

Siebenundzwanzig

kleinsten

Achtundzwanzig

Fehler

Neunundzwanzig

der

Dreißig

Weißen

Einunddreißig

Hexe

Zweiunddreißig

aus der

Dreiunddreißig

Hölle.

Vierunddreißig

Denn sie macht

Fünfunddreißig

Fehler.

Sechsunddreißig

O ja.

Siebenunddreißig

Und wenn dieser Fehler

Achtunddreißig

nichts

Neununddreißig

bringt,

Vierzig

wartest du

Einundvierzig

auf den nächsten

Zweiundvierzig

und den nächsten

Dreiundvierzig

und den nächsten.

Vierundvierzig

Bis

Fünfundvierzig

du

Sechsundvierzig

Erfolg hast.

Siebenundvierzig

Bis

Achtundvierzig

du

Neunundvierzig

frei bist.

Du stehst auf. Sie wird mitgezählt haben, aber niemals nachzulassen, ist auch eine Taktik.

Sie sagt nichts, sondern kommt auf dich zu und schlägt dir mit dem Handrücken ins Gesicht.

Fünfzig

Fünfzig.

Nach den Liegestützen heißt es einfach dastehen und warten. Am besten ist es, du schaust zu Boden. Du befindest dich neben dem Käfig auf dem Pfad. Der Pfad ist schmutzig, aber du wirst ihn nicht fegen, nicht heute. Das würde nicht zu deinem Plan passen. Es hat während der letzten paar Tage viel geregnet. Der Herbst kommt schnell. Trotzdem, heute regnet es nicht; es läuft bereits gut.

»Mach die äußere Runde.« Wieder spricht sie leise. Nicht nötig, die Stimme zu erheben.

Und du joggst los … aber nicht sofort. Du musst sie denken lassen, du sträubst dich wie immer ein bisschen, bist aber grundsätzlich folgsam. Und so klopfst du Dreck von deinen Stiefeln, linker Stiefelabsatz gegen rechte Zehenspitze, gefolgt von rechtem Stiefelabsatz gegen linke Zehenspitze. Du hebst die Hand und schaust dich um, als prüftest du, aus welcher Richtung der Wind kommt, spuckst auf die Kartoffelpflanzen, blickst nach links und nach rechts, als würdest du auf eine Lücke im dichten Verkehr warten, und … lässt den Bus vorbeifahren … und dann läufst du los.

Du bist mit einem Satz auf dem Steinwall und darüber hinweg. Dann geht es durchs Moor auf die Bäume zu.

Freiheit.

Schön wär’s!

Aber du hast deinen Plan, und du hast in vier Monaten eine Menge gelernt. Dein Rekord für die äußere Runde liegt für sie bei fünfundvierzig Minuten. Aber du kannst es in weniger schaffen, in vierzig Minuten vielleicht, weil du jedes Mal am Bach, am fernsten Punkt der Strecke, Halt machst und dich ausruhst und trinkst und horchst und schaust. Einmal hast du es sogar geschafft, bis zum Kamm des Hügels zu kommen und hinüberzuschauen zu noch mehr Hügeln, noch mehr Bäumen und einem schottischen Loch (es könnte auch ein englischer See sein, aber das Heidekraut und die langen Sommertage lassen einen schottischen Loch vermuten).

Heute sieht der Plan vor, das Tempo zu beschleunigen, sobald du außer Sicht bist. Das ist leicht. Leicht. Deine Ernährung ist erstklassig. Das musst du ihr lassen, denn du bist supergesund, superfit. Fleisch, Gemüse, mehr Fleisch, mehr Gemüse, und nicht zu vergessen, jede Menge frische Luft. Oh, was für ein Leben.

Du machst deine Sache gut. Legst ein ordentliches Tempo vor. Dein höchstes Tempo.

Und in dir prickelt es, du heilst dich selbst nach ihrer kleinen Ohrfeige, es macht leise prickel, prickel, prickel.

Du bist bereits am fernsten Punkt, wo du auf die innere Runde einbiegen könntest, die tatsächlich nur die Hälfte der äußeren Runde ausmacht. Aber sie wollte die innere Runde nicht, und du hättest sowieso die äußere gemacht, egal, was sie sagt.

Das muss die schnellste Runde bisher sein.

Dann zum Kamm hinauf. Hinunter in langen Schritten – da hilft die Schwerkraft – zum Bach, der zum Loch fließt.

Jetzt wird es heikel. Jetzt bist du schon etwas außerhalb des Bereiches der Runde und bald wirst du ganz draußen sein. Sie wird nicht wissen, dass du weg bist, bis du dich verspätest. Das gibt dir fünfundzwanzig Minuten ab dem Verlassen der Runde – vielleicht dreißig, vielleicht fünfunddreißig, aber sagen wir fünfundzwanzig, bevor sie dich verfolgt.

Doch sie ist nicht das Problem; das Armband ist das Problem. Es wird aufbrechen, wenn du zu weit wegläufst. Wie es funktioniert, ob durch Zauberei oder Technik oder beides, weißt du nicht, aber es wird aufbrechen. Sie hat dir das von Anfang an gesagt, und sie hat dir gesagt, das Armband enthalte eine Flüssigkeit, eine Säure. Die Flüssigkeit wird freigesetzt, wenn du dich zu weit wegbewegst, und diese Flüssigkeit wird sich durch dein Handgelenk hindurchbrennen.

»Sie wird dir die Hand nehmen«, so hat sie es ausgedrückt.

Jetzt geht es bergab. Ein Klicken … und es fängt an zu brennen.

Aber du hast deinen Plan.

Du bleibst stehen und tauchst das Handgelenk in den Bach. Der Bach zischt. Das Wasser hilft, obwohl die Säure ziemlich klebrig und hartnäckig ist und sich nicht leicht wird abwaschen lassen. Und noch mehr davon aus dem Armband herauskommen wird. Und du musst weitermachen.

Du stopfst das Band mit nassem Moos und Torf aus. Tauchst es wieder unter. Stopfst mehr zur Auspolsterung hinein. Es dauert zu lange. Komm in die Gänge.

Bergab.

Folge dem Bach.

Der Trick ist, dass dein Handgelenk dir nichts ausmachen darf. Deine Beine fühlen sich gut an. Machen gute Strecke.

Und außerdem ist es gar nicht so schlimm, eine Hand zu verlieren. Du kannst sie durch etwas Gutes ersetzen … durch einen Haken … oder eine dreizackige Klaue wie der Typ in Der Mann mit der Todesklaue … oder vielleicht etwas mit Klingen, die eingefahren werden können und herauskommen, wenn du kämpfst, Ker-tsching! Oder sogar durch Flammen. Auf keinen Fall willst du eine künstliche Hand haben, so viel steht fest … auf keinen Fall.

Dir ist schwindlig. In deinem Kopf prickelt es. Dein Körper versucht, dein Handgelenk zu heilen. Man weiß ja nie, vielleicht wirst du hier doch mit zwei Händen rauskommen. Trotzdem, der Trick ist, dass es einem nichts ausmachen darf. So oder so, du bist draußen.

Musst stehen bleiben. Es wieder in den Bach tauchen, neuen Torf reinstopfen und weiterlaufen.

Fast am Loch.

Fast.

O ja. Verdammt kalt.

Du bist zu langsam. Waten geht langsam, aber es tut gut, den Arm im Wasser zu behalten.

Geh einfach weiter.

Geh weiter.

Es ist ein verdammt großer Loch. Aber das ist in Ordnung. Je größer, desto besser. Bedeutet, dass deine Hand länger im Wasser sein wird.

Dir ist übel … uh …

Scheiße, die Hand sieht furchtbar aus. Aber es kommt keine Säure mehr aus dem Armband. Du wirst hier rauskommen. Du hast sie geschlagen. Du kannst Mercury suchen. Du wirst drei Geschenke bekommen.

Aber du musst weiter.

Du wirst in einer Minute aus dem See raus sein.

Machst deine Sache gut. Machst deine Sache gut.

Nicht mehr weit jetzt.

Bald wirst du ins Tal blicken können, und …

Bügeln

»Du hättest beinahe deine Hand verloren.«

Deine Hand liegt auf dem Küchentisch und hängt mit Knochen, Muskeln und Sehnen – man sieht sie in der tiefen, rohen Rille um das Gelenk – immer noch am Arm. Die Haut, die früher die Rille bedeckt hat, ist in lavaähnlichen Bächen an deinen Fingern hinuntergelaufen, als sei sie geschmolzen und wieder fest geworden. Deine ganze Hand ist hübsch aufgedunsen und tut weh wie … nun, wie eine Säurebrandwunde. Deine Finger zucken, aber dein Daumen funktioniert nicht.

»Vielleicht heilt sie und du kannst deine Finger wieder benutzen. Vielleicht auch nicht.« Sie hat dir am Loch das Band vom Handgelenk genommen und die Wunde mit einer Lotion besprüht, die den Schmerz gedämpft hat.

Sie war vorbereitet. Sie ist immer vorbereitet.

Und wie ist sie so schnell dort hingekommen? Ist sie gerannt? Auf einem verdammten Besenstiel geflogen?

Wie immer sie zum Loch gekommen ist, du musstest jedenfalls zu Fuß mit ihr zurückgehen. Das war ein harter Marsch.

»Warum sprichst du nicht mit mir?«

Sie ist direkt vor deinem Gesicht.

»Ich bin hier, um dich etwas zu lehren, Nathan. Aber du musst aufhören mit deinen Fluchtversuchen.«

Sie ist so hässlich, dass du dich abwenden musst.

Auf der anderen Seite des Küchentisches steht ein Bügelbrett.

Sie hat gebügelt? Etwa ihre Kampfhose gebügelt?

»Nathan. Sieh mich an.«

Du hältst den Blick auf das Bügeleisen gerichtet.

»Ich will dir helfen, Nathan.«

Du würgst einen großen Klumpen Schleim hoch, drehst dich um und spuckst. Doch sie ist schnell und zuckt zurück, sodass er auf ihrer Bluse landet und nicht in ihrem Gesicht.

Sie schlägt dich nicht. Das ist neu.

»Du musst essen. Ich werde etwas Eintopf warm machen.«

Das ist auch neu. Für gewöhnlich musst du kochen und putzen und fegen.

Aber du musstest nie bügeln.

Sie geht zur Speisekammer. Einen Kühlschrank gibt es nicht. Kein Strom. In der Küche steht ein Herd, der mit Holz befeuert wird. Das Feuer zu machen und den Herd zu säubern gehört ebenfalls zu deinen Pflichten.

Während sie in der Speisekammer ist, gehst du und siehst dir das Bügeleisen an. Deine Beine sind schwach, wackelig, aber dein Kopf ist klar. Klar genug. Ein Schluck Wasser könnte helfen, aber du willst dir das Bügeleisen ansehen. Es ist nur ein Stück Metall, bügeleisenförmig, mit einem Metallgriff, alt. Es ist schwer und kalt. Es muss auf dem Herd aufgeheizt werden, um seine Aufgabe zu erfüllen. Muss Ewigkeiten dauern. Sie ist Meilen von jedem und allem entfernt, und sie bügelt sich Hosen und Blusen!

Als sie einige Sekunden später zurückkommt, bist du bei der Speisekammertür und schlägst ihr mit aller Kraft das Bügeleisen mit der spitzen Seite auf den Kopf.

Aber sie ist so verdammt groß und so verdammt schnell. Das Bügeleisen trifft sie seitlich am Kopf und bohrt sich ihr dann in die Schulter.

Du bist auf dem Boden und hältst dir die Ohren, schaust auf ihre Stiefel, bevor du ohnmächtig wirst.

Der Trick funktioniert nicht

Sie redet, aber du verstehst nichts.

Du sitzt wieder am Küchentisch, schwitzt und zitterst ein wenig, und Blut von deinem linken Ohr läuft dir den Hals hinunter. Dieses Ohr wird nicht heilen. Auf der Seite kannst du überhaupt nichts hören. Und deine Nase ist total hinüber. Du musst darauf gelandet sein, als du gefallen bist. Sie ist gebrochen, verstopft und blutig, und das wird auch nicht heilen.

Deine Hand liegt auf dem Tisch, und sie ist jetzt so geschwollen, dass die Finger sich überhaupt nicht mehr bewegen lassen.

Sie sitzt auf dem Stuhl neben dir und besprüht dein Handgelenk wieder mit der Lotion. Das kühlt. Betäubt.

Und es wäre so gut, ganz betäubt zu sein, taub gegenüber allem. Aber das wird nicht geschehen. Was geschehen wird, ist dies: Sie wird dich wieder in den Käfig sperren, dich anketten, und es wird weiter- und weiter- und weitergehen …

Der Trick funktioniert also nicht. Er funktioniert nicht, und es macht dir durchaus etwas aus; dir macht alles etwas aus. Du willst nicht zurück in diesen Käfig, und du willst auch den Trick nicht mehr. Du willst nichts mehr von alledem.

Der Schnitt auf ihrer Kopfhaut ist verheilt, aber unter ihrem blonden Haar ist ein breiter Striemen schwarz-roten Schorfs, und sie hat Blut auf der Schulter. Sie redet immer noch über irgendetwas, und ihre dicken, feuchten Lippen hören einfach nicht auf damit.

Du schaust dich im Raum um: die Küchenspüle, das Fenster mit Blick auf den Gemüsegarten und den Käfig, der Herd, das Bügelbrett, die Tür zur Speisekammer … Und dann schaust du wieder zu der hässlichen Frau mit den fein gebügelten Hosen. Und den sauberen Stiefeln. In ihrem einen Stiefel ist ihr kleines Messer. Sie bewahrt es manchmal dort auf. Du hast es gesehen, als du auf dem Boden lagst.

Dir ist so schwindlig, dass es dir leichtfällt, zu schwanken und dabei auf die Knie zu sinken. Sie packt dich unter den Achselhöhlen, aber deine linke Hand ist nicht verletzt. Mit ihr findest du den Griff und ziehst das Messer aus ihrem Stiefel, während sie mit deinem vollen Gewicht ringt. Und als du deinen Körper weiter sinken lässt, führst du die Klinge an deine Halsschlagader. Schnell und kraftvoll. Aber sie ist so verdammt flink. Du trittst um dich und kämpfst und kämpfst und trittst um dich, aber sie nimmt dir das Messer weg, und du kannst nicht mehr um dich treten und nicht mehr kämpfen.

Zurück im Käfig. Angekettet. In der Nacht immer wieder aufgewacht … schwitzend … Ohr funktioniert immer noch nicht … du atmest durch den Mund, weil deine Nase verstopft ist. Sie hat sogar dein verletztes Handgelenk angekettet, und dein ganzer Arm ist so geschwollen, dass die Fessel ganz eng sitzt.

Es ist später Morgen, aber sie ist immer noch nicht aufgetaucht. Sie macht irgendetwas im Cottage. Klopft. Rauch kommt aus dem Schornstein.

Es ist warm heute, eine Brise von Südwesten, Wolken bewegen sich lautlos über den Himmel, und die Sonne schafft es, immer mal wieder hervorzukommen, deine Wange zu berühren und die Schatten der Gitterstäbe über deine Beine zu werfen. Aber du hast das alles schon früher gesehen, also schließt du die Augen und erinnerst dich. Es ist in Ordnung, das hin und wieder zu tun.

Teil 2 Wie ich in einem Käfig gelandet bin

Meine Mutter

Ich stelle mich auf die Zehenspitzen. Das Foto steht auf dem Flurtisch, aber ich bekomme es nicht richtig zu fassen. Ich recke und strecke mich und stupse den Rahmen mit den Fingerspitzen an. Er ist schwer und fällt mit einem Knall zu Boden.

Ich halte den Atem an. Niemand kommt.

Ich hebe den Rahmen vorsichtig auf. Das Glas ist nicht zerbrochen. Ich setze mich unter den Tisch, mit dem Rücken an der Wand.

Meine Mutter ist wunderschön. Das Foto wurde bei ihrer Hochzeit gemacht. Sie blinzelt in die Sonne, Sonnenlicht auf dem Haar, ein weißes Kleid, weiße Blumen in ihrer Hand. Ihr Ehemann steht neben ihr. Er sieht gut aus, lächelt. Ich bedecke sein Gesicht mit meiner Hand.

Ich weiß nicht, wie lange ich dort sitze. Ich sehe meine Mutter gern an.

Jessica erscheint. Ich habe vergessen, auf sie zu horchen.

Sie packt den Rahmen.

Ich lasse nicht los. Ich klammere mich daran. Fest.

Aber meine Hände sind verschwitzt.

Und Jessica ist viel größer als ich. Sie reißt den Rahmen hoch, zieht mich daran auf die Füße, und der Rahmen rutscht mir aus den Händen. Sie hält ihn hoch und lässt ihn dann schräg nach unten sausen, mit der Rahmenkante quer über meinen Wangenknochen.

»Fass dieses Bild nie wieder an.«

Jessica und die erste Bekanntmachung

Ich sitze auf meinem Bett. Jessica sitzt ebenfalls auf meinem Bett und erzählt mir eine Geschichte.

»Mutter fragt: ›Sind Sie gekommen, um ihn abzuholen?‹

Die junge Frau an der Haustür sagt: ›Nein. Auf keinen Fall. Das würden wir niemals tun.‹ Die junge Frau ist aufrichtig und will ihre Sache richtig gut machen, aber sie ist wirklich naiv.«

Ich unterbreche. »Was bedeutet naiv?«

»Ahnungslos. Blöd. Begriffsstutzig. Wie du. Kapiert?«

Ich nicke.

»Gut. Jetzt hör zu. Die naive Frau sagt: ›Wir besuchen alle Weißen Hexen in England, um sie über die neuen Regeln in Kenntnis zu setzen und ihnen zu helfen, die Formulare auszufüllen.‹

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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