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Am Tag nach ihrem ersten Kuss, am 18.1.1906, verlässt Käthe Roosen den Geliebten, Ulrich Sieveking, um eine dreimonatige Reise nach Deutsch-Südwestafrika anzutreten, wo ihr Bruder Berend am Kolonialkrieg teilnehmen soll. In sehnsuchtsvollen Briefen beschwört Ulrich ihre Liebe und plant bereits die Ehe. Doch nach Käthes Rückkehr nach Hamburg wird die Beziehung noch so langen geheim gehalten, bis Ulrich eine feste Anstellung in Aussicht hat. Ulrichs weitere Briefe an Käthe geben ein lebendiges Bild vom Leben einer Hamburger Bürgerfamilie um 1900 und ihrem Umgang mit Partnerfindung und Familiengründung.
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Seitenzahl: 69
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Vorwort des Herausgebers
Ulrichs Briefe an Käthe im Jahr 1906
1. Käthe auf Seereise nach Afrika (Januar – März)
1.1. Hamburg, 18.1.1906 [Käthes Abreisetag]
1.2. Hamburg, Februar 1906 [Tagebuch]
7.2.06 [lange Trennung]
8.2.06 [Hamburger Geselligkeit]
9.2.06 [Sehnsucht, Eifersucht?]
10.2.06 [Rückblick auf Sylt 1905]
11.2.06 [Beruf, Altersunterschied]
12.2.06 [Ängste, große Familie]
13.2.06 [Erinnerung]
14.2.06 [Zeitungsmeldung]
16.2.06 [Neue Aufgaben]
17.2.06 [Fragen der Eltern]
18.2.06 [Pläne, Absendung nach Las Palmas]
2. Käthe macht Urlaub im Harz (Juli)
Hamburg, 6.7.06 [Michelbrand]
3. Ulrich macht Urlaub in Großbritannien (August)
3.1. Llandudno, 15.8.06 [Badeort mit Autos]
3.2. Ilfracombe, 23.8.06 [Reise durch Wales]
4. Käthe macht Urlaub auf Sylt (September)
Hamburg, 16.9.06 [Familie, Ehegespräche, Afrika?]
5. Käthe zurück in Hamburg (September)
5.1. [Hamburg,] 23.9.06 [Heimliche Briefe]
5.2. [Hamburg,] 26.9.06 [Landrichter]
5.3. [Hamburg,] 27.9.06 [Rathaus, Treffen]
6. Käthe in Arnsberg (Oktober)
6.1. Hamburg, 7.10. 06 [Einladungen, Tennis]
6.2. Hamburg, 10.10.06 [Arbeit, Familie]
6.3. Hamburg, 12.10.06 [Unerwünschte Einladungen]
6.4. Hamburg, 15.10.06 [Hagenbeck, Bruder Fritz]
6.5. Hamburg, 17.10.06 [Gespräch mit der Mutter]
6.6. Hamburg, 21.10.06 [Religion, Wohnungspläne]
7. Käthe endlich in Hamburg (November)
Hamburg, 1.11.06 [Enthüllung, Vorstellungsbesuch]
Anhang I: Berend Roosens Glückwünsche aus Afrika
Anhang II: Hamburger Namen
Anhang III: Literaturhinweise
Anhang IV: Moritz Päffgen, ein Brief
Dank des Herausgebers
Gustav Adolf Ulrich Sieveking (1878–1952) hat 1906 als promovierter Jurist und Assessor wechselnde Posten im Hamburger Staatsdienst inne. Er lebt noch im Haus seiner Eltern, Dr. med. Caspar Wilhelm (1834–1917) und Caroline Sieveking, geb. Söhle (1842–1915), in der Oberstraße 116 und ist als jüngster Sohn mit 28 Jahren noch Junggeselle, während die meisten seiner sechs Geschwister schon Familien gegründet haben.
Im Jahr 1905 hat Ulrich in den Sommerferien auf Sylt Catharina (Käthe) Roosen (1877–1942) näher kennengelernt; wie er ist auch sie in Begleitung von Verwandten gereist.
Zurück in Hamburg kommen sich Käthe und Ulrich näher, doch am Tag nach ihrem ersten Kuss, im Januar 1906, tritt Käthe eine Überseereise an: Sie begleitet ihren Bruder, den Oberleutnant Berend Roosen (1873–1945), auf einem Truppentransport nach Deutsch-Südwestafrika, wo der Kolonialkrieg gegen Hereros und Nama geführt wird (s. Käthes Tagebuch: „Afrika 1906“). An ihrem Abreisetag lässt Ulrich ihr noch einen kurzen Abschiedsbrief zukommen. Als er erfährt, dass Käthe, statt nach drei Wochen von der Zwischenstation Las Palmas zurückzukommen, die Reise über Monrovia bis nach Windhuk fortsetzt und erst im März zurück zu erwarten ist, verfasst er innerhalb von zehn Tagen einen langen, sehnsuchtsvollen Brief, den sie aber erst auf ihrer Rückreise, auf den Kanarischen Inseln, erhält.
Bereits in diesem Schreiben setzt sich Ulrich mit den Gedanken an eine Eheschließung auseinander und diskutiert viele berufliche und familiäre Aspekte. Gleichzeitig schildert er sehr farbig sein Alltagsleben, das geprägt ist von einem Wechsel seiner beruflichen Tätigkeit und seiner Einbindung in das bewegte Hamburger Gesellschafts- und Familienleben. (Die Hochzahlen hinter den einzelnen Namen in den Briefen verweisen auf Anhang II: Hamburger Namen.)
Nach Käthes Rückkehr wird die enger werdende Beziehung so lange geheim gehalten, wie Ulrichs Berufssituation noch unklar ist; man sieht einer längeren Warte- und Verlobungszeit ins Auge.
Im Sommer unternehmen beide getrennte Urlaubsreisen, von denen nur Ulrichs Briefe erhalten sind. Er reist nach Großbritannien, Käthe nach Sylt und Arnsberg. Bei den Briefen geht es um die Planung und Bekanntmachung von Verlobung und Hochzeit. So früh der Eheentschluss gefasst, so zahlreich scheinen mögliche Hürden und Einwände, vor allem seitens Ulrichs Mutter hinsichtlich der Religion der künftigen Schwiegertochter (Käthe ist mennonitisch).
Im September erhält Ulrich zu seiner Überraschung ein Schreiben von Senator Lappenberg (dem Schwiegervater seiner Schwester Agathe), durch den er von seiner Ernennung zum Landrichter erfährt. Nachdem er kurzfristig diese Stellung antreten kann, wird das Geheimnis gelüftet, und bis zum Jahresende sind Käthe und Ulrich verheiratet.
Ein Briefverkehr ist nun nicht mehr erforderlich.
In den folgenden Jahren werden drei Söhne geboren, und Ulrich tritt 1913 in ein Notariat ein.
Ein weiterer umfangreicher Briefwechsel ist erhalten aus den Jahren des Ersten Weltkrieges an dem Ulrich von 1914–1918 teilnimmt, während Käthe die Kinder allein in Hamburg großzieht.
Abb. 1 Ulrich Sieveking um 1905
(links: Lithographie seines Urgroßvaters Georg Heinrich Sieveking)
Abb. 2 Ulrichs erster Brief vom 18.1.1906
Meine liebe, süße Käthe, wie gern würde ich Dir heute noch einen Abschiedskuss geben, aber das geht ja leider nicht, und ich muss mich damit begnügen, Dir noch einen kurzen Gruß mit auf den Weg zu geben. Der gestrige Tag kommt mir immer noch wie ein Traum vor, ich habe mich freilich schon lange mit dem Gedanken beschäftigt, und ich war mir eigentlich schon lange klar darüber, dass wir zusammengehören, aber die Entscheidung kommt doch meist schneller und überraschender, als man denkt. Dass wir uns nun nach dem einen schönen Tag gleich 3 Wochen trennen müssen, ist hart, umso schöner dann das Wiedersehen. Ich lege diesem Brief die beiden einzigen Bilder, die ich von mir besitze, bei [Abb. 1(?)]. Wenn sie auch nicht schön und schon mehrere Jahre alt sind, so werden sie Dir doch vielleicht Freude machen. Das schwarze Bild musst Du gegen das Licht halten, dann gewinnt es etwas. Ich schicke diesen Brief, damit er noch sicher vor Deiner Abreise in Deine Hände kommt, durch einen Dienstmann. Wenn Du es möglich machen kannst, gib mir bitte noch Nachricht, dass Du ihn erhalten hast. Und dann versuch, mir von der Reise zu schreiben, ich denke doch, dass es möglich sein wird. Toni Söhle1 war gestern ganz aufgeregt über Deine Reise, ich musste wieder ordentlich schmunzeln und war in beständiger Angst, mich vor dem argwöhnischen Otto [Söhle, Ulrichs Vetter]2 zu verplappern. Nun leb wohl, meine geliebte Käthe, genieß Deine Reise recht und komm recht frisch und wohl nach Hause zurück und denk unterwegs auch zuweilen mal an Deinen treuen Ulli
Abb. 3 Ulrichs Brief an Käthe vom 7.2.1906 (erste Seite)
[Ulrichs folgender 20 Seiten langer Brief beantwortet Käthes ersten Brief aus Las Palmas vom 26.1., wo sich entschied, dass sie nicht direkt zurückreisen, sondern den Truppentransport nach Südwestafrika begleiten würde, daher 10 statt 3 Wochen Trennungszeit (s. Käthes Tagebuch). Ulrich schrieb diesen Brief an verschiedenen Tagen zwischen dem 7. und 18.2.1906 und sandte ihn wohl am 19.2.1906 nach Las Palmas, wo Käthe auch auf der Rückreise Mitte März Station machte.]
Meine geliebte Käthe, endlich ist er in meinen Händen, der heiß ersehnte Brief. Du ahnst nicht, was für ein Freudentag das für mich war in dieser trüben Trennungszeit, und wie viel leichter ich jetzt darüber hinweg komme, wo ich mich immer wieder in Deinen Brief vertiefen kann und schwarz auf weiß sehe, wie Du täglich an mich denkst. Wenn Du wüsstest, wie meine Gedanken immer nur bei Dir sind und wie ich die Tage gezählt und die Schiffsnachrichten in der Zeitung verfolgt habe, um zu berechnen, wann ich auf einen Brief rechnen könnte. Natürlich bin ich viel zu früh zum Postamt gelaufen, und erst heute, beim dritten Mal, gab mir der Postbeamte den dicken Brief und sagte, mehr wäre leider nicht da. Als ob ich noch mehr erwarten könnte. Es ist zu lieb von Dir, dass Du täglich an mich geschrieben hast, und wenn nichts in Deinem Brief stände, als dass Du unter all den vielen Menschen, die Du kennen gelernt hast, und all dem Neuen, das Du siehst, Deinen Ulli nicht vergisst, so wäre ich schon glücklich. Du hast es eigentlich bis jetzt
