Hamburg - Klaus Viedebantt - E-Book

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Klaus Viedebantt

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Beschreibung

EINLEITUNG Willkommen in Hamburg Einen Hauch von Übersee, eine Art permanente Großzügigkeit verspürte Carl Zuckmayer in der »Stadt mit Weltgeschichte«. So können auch Besucher Hamburg erleben, beispielsweise auf dem Rundgang durch die City, der vom traditionsreichen Jungfernstieg durch das funkelnde Labyrinth der Einkaufspassagen bis zum »Postkartenblick« auf der Lombardsbrücke führt. Das maritime Flair der zweitgrößten Stadt Deutschlands wird noch deutlicher bei einem Gang entlang der Elbe, Hamburgs Verbindung mit den Weltmeeren, mit der immerhin noch 100 Kilometer entfernten Nordsee: Museumshafen Övelgönne, Landungsbrücken, Speicherstadt, HafenCity und Kreuzfahrt-Terminals sind nur einige der salzlufthaltigen Stationen. Solch ein Tag ist ein Appetithappen für die Elbmetropole, die so viel mehr zu bieten hat. Deshalb lohnen sich Abstecher in andere gleichermaßen sehenswerte Stadtviertel, etwa ein Bummel um die Außenalster, eine Stippvisite in den Elbvororten, ein Besuch bei den Airbus-Werken in Finkenwerder oder Touren ins schöne Umland. Die Chronik der wichtigsten Daten in der ereignisreichen Historie der Hansestadt, die Highlights des Stadtstaats, aber auch einige weniger bekannte Sehenswürdigkeiten ergänzen die empfohlenen Rundgänge. Dass Hamburg, seit 1678 Heimat des ersten deutschen Opernhauses, neben einem reichen kulinarischen Angebot ein Kulturprogramm von Rang bietet, ist seit den bundesweiten Musical-Erfolgen wie Disneys »König der Löwen« den Freunden der leichten Muse ebenso geläufig wie jenen, die wegen einer Ballett- oder Theateraufführung in der Staatsoper Hamburg bzw. im Deutschen Schauspielhaus an die Elbe reisen. Und da ist natürlich noch Hamburgs neues Wahrzeichen, die Elbphilharmonie mitten im Hafen. In der achten Etage bietet sie auf ihrer öffentlich zugänglichen Plaza den perfekten Rundblick über die stolze Hansestadt und alle ihre Schiffe.

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Seitenzahl: 126

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Hamburg
© Wolfgang Kunz/Bilderberg Hamburg
Der Autor
Klaus Viedebantt, Dr. phil., studierte Volkskunde und Germanistik in Frankfurt/Main und Berlin. Er war Ressortleiter bei der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«, hat den Reiseteil der »Zeit« in Hamburg geleitet und bis 2011 als Lehrbeauftragter an der Universität Mainz und als Associate Professor an der Edith Cowan University im australischen Perth unterrichtet. Seine Familie stammt aus dem Norden und ist größtenteils in Hamburg ansässig.

Hamburg

Top 10 & Willkommen

Willkommen in Hamburg

Top 10: Das müssen Sie gesehen haben

Mein Hamburg – Lieblingsplätze des Autors

Stadttouren

Hamburgs lebendige Innenstadt

Hamburgs Tor zur Welt

Streifzüge

Stromab – Von Altona nach Övelgönne

Hamburg bei Nacht – Auf der Reeperbahn

Museum im Gräberfeld – Friedhof Ohlsdorf

Obstkorb der Nation – Das Alte Land

Hinaus auf See – Insel Neuwerk

Vista Points – Sehenswertes

Museen und Galerien, Architektur und andere Sehenswürdigkeiten

Museen und Galerien

Architektur und andere Sehenswürdigkeiten

Erleben & Genießen

Übernachten

Essen und Trinken – Restaurants, Cafés und Ausflugslokale

Restaurants

Untere Preislage:

Mittlere Preislage:

Höhere Preislage:

Oberste Preislage:

Restaurant ab frühmorgens:

Restaurant mit Nachtservice:

Lounge mit Essen:

Cafés

Ausflugslokale

Nightlife – Hotelbars, Clubs und Spielkasino

Hotelbars

Clubs

Spielkasino

Kultur und Unterhaltung – Theater, Konzerte, Tickets, Kinos, Literatur

Theater

Konzerte

Tickets

Kinos

Literatur

Shopping – Einkaufsstraßen, Kaufhäuser, Passagen, Buchhandlungen, Galerien

Einkaufsstraßen

Kaufhäuser

Passagen

Spezialgeschäfte

Buchhandlungen

Galerien/Kunsthandel

Mit Kindern in der Stadt

Erholung und Sport – Boote, Fahrräder, Golf, Bäder und Strände

Boote

Fahrräder

Golf

Schwimmbäder

Stadtstrände

Chronik

Daten zur Stadtgeschichte

Service von A bis Z

Hamburg in Zahlen und Fakten

Anreise

Auskunft

Feste, Veranstaltungen, Messen

Feste, Veranstaltungen:

Messen:

Hinweise für Menschen mit Handicap

Internet

Klima

Notfälle, wichtige Rufnummern

Presse, Radio

Sightseeing, Touren

Sprache

Verkehrsmittel

Impressum/Karte

Top 10 & Willkommen
Willkommen in Hamburg
Einen Hauch von Übersee, eine Art permanente Großzügigkeit verspürte Carl Zuckmayer in der »Stadt mit Weltgeschichte«. So können auch Besucher Hamburg erleben, beispielsweise auf dem Rundgang durch die City, der vom traditionsreichen Jungfernstieg durch das funkelnde Labyrinth der Einkaufspassagen bis zum »Postkartenblick« auf der Lombardsbrücke führt. Das maritime Flair der zweitgrößten Stadt Deutschlands wird noch deutlicher bei einem Gang entlang der Elbe, Hamburgs Verbindung mit den Weltmeeren, mit der immerhin noch 100 Kilometer entfernten Nordsee: Museumshafen Övelgönne, Landungsbrücken, Speicherstadt, HafenCity und Kreuzfahrt-Terminals sind nur einige der salzlufthaltigen Stationen.
Solch ein Tag ist ein Appetithappen für die Elbmetropole, die so viel mehr zu bieten hat. Deshalb lohnen sich Abstecher in andere gleichermaßen sehenswerte Stadtviertel, etwa ein Bummel um die Außenalster, eine Stippvisite in den Elbvororten, ein Besuch bei den Airbus-Werken in Finkenwerder oder Touren ins schöne Umland.
Die Chronik der wichtigsten Daten in der ereignisreichen Historie der Hansestadt, die Highlights des Stadtstaats, aber auch einige weniger bekannte Sehenswürdigkeiten ergänzen die empfohlenen Rundgänge.
Dass Hamburg, seit 1678 Heimat des ersten deutschen Opernhauses, neben einem reichen kulinarischen Angebot ein Kulturprogramm von Rang bietet, ist seit den bundesweiten Musical-Erfolgen wie Disneys »König der Löwen« den Freunden der leichten Muse ebenso geläufig wie jenen, die wegen einer Ballett- oder Theateraufführung in der Staatsoper Hamburg bzw. im Deutschen Schauspielhaus an die Elbe reisen. Und da ist natürlich noch Hamburgs neues Wahrzeichen, die Elbphilharmonie mitten im Hafen. In der achten Etage bietet sie auf ihrer öffentlich zugänglichen Plaza den perfekten Rundblick über die stolze Hansestadt und alle ihre Schiffe.
© Cinoby/iStockphoto
Blick auf den Michel und die Hamburger Altstadt, im Vordergrund das Museumsschiff »Rickmer Rickmers«
Top 10:
Das müssen Sie gesehen haben
A Rathaus und Rathausturm aD4
Im Stadtstaat Hamburg prägt das Rathaus im Stil der Neorenaissance mit seinem 112 Meter hohen Turm das Stadtbild.
B Jungfernstieg aC4/5
Hamburgs Paradezeile hat auf der einen Seite feine Geschäfte, auf der anderen das Flanierufer der Binnenalster mit dem Anleger der Alsterdampfer und dem Alsterpavillon.
C Hafen/Hafenrundfahrt cD2−4
Deutschlands größter Seehafen erschließt sich am besten vom Wasser her, weil die Kapitäne der Rundfahrtboote ihr Revier kennen wie ihre Westentasche.
D »Michel«/St. Michaelis J9
Die Barockkirche St. Michaelis ist nicht nur bei Konzerten einen Besuch wert, denn von der Aussichtsplattform im Turm bietet sich ein weiter Ausblick.
E Speicherstadt/Hafencity aE/aF3−6
Das neue Quartier bei den historischen Hafenhäusern mit Museen, dem Anleger der Kreuzfahrtriesen und touristischen Attraktionen ist seit 2015 UNESCO-Weltkulturerbe.
F Miniatur Wunderland aF4
Die größte Modelleisenbahn-Anlage der Welt zieht jährlich weit mehr als eine Million Besucher an.
G Elbphilharmonie aF/aG3
Die meisten Konzerte sind schnell ausverkauft, doch wegen der exzellenten Akustik im Großen Saal lohnt es sich, lange im Voraus zu buchen. Eine Alternative sind die täglichen Konzerthaus-Führungen oder zumindest ein Besuch auf der öffentlich zugänglichen Plaza-Ebene.
H Fischmarkt K6
Kein Geheimtipp, aber immer wieder witzig: der Fischmarkt am Sonntagmorgen bei der historischen Fischauktionshalle.
I Reeperbahn J7/8
St. Paulis lebenslustigste Meile markiert nicht nur einen der bekanntesten Rotlichtdistrikte Europas, sondern auch ein bürgerliches Unterhaltungsquartier.
J Hamburger Kunsthalle aB/aC6
Eine der bedeutendsten deutschen Sammlungen von Malerei und Plastik aller Epochen.
Mein Hamburg
Lieblingsplätze des Autors
Liebe Leserinnen und Leser,
dies sind einige besondere Orte dieser Stadt, an die ich immer wieder gern zurückkomme. Eine schöne Zeit in Hamburg wünscht Ihnen
Klaus Viedebantt
~ Japanischer Garten aA2/3
Der fernöstliche Teil im Park »Planten un Blomen« ist eine Quelle der Ruhe und Inspiration. Zudem finden hier asiatisch-kulturelle Veranstaltungen und Teezeremonien statt.
~ Schiffssimulator im Maritimen Museum aF5
Einen Cruiseliner durch Hamburgs Hafen zu steuern – für Laien ein Albtraum. Nicht so im Schiffssimulator, der meist mittwochs und sonntags »losfährt«. Ein Experte steht dabei zur Seite.
~ Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt (MARKK) F10
Amerikas Ureinwohner, Neuseeland-Maori, Anden-Indios, Südsee-Insulaner – alles ist nur ein paar Schritte voneinander entfernt in diesem Museum. Jedes Mal kann man sich in eine andere Kultur versenken.
~ Skyline Bar »20up« im Empire Riverside HotelJ7
Die Aussicht über Stadt und Hafen ist spektakulär, das Ambiente elegant. Besonders stimmungsvoll genießt man seinen Cocktail bei Sonnenuntergang.
~ Hamburger Engelsaal aB3
Das private Operettentheater hat seinen Sitz in der einstigen »Theaterbude«, einem Saal, der im 19. Jahrhundert an Wanderschauspieler-Ensembles vermietet wurde. Musikalisches Vergnügen und kulinarische Freuden gehen hier Hand in Hand.
Stadttouren
Hamburgs lebendige Innenstadt
Vormittag
© VISTA POINT Verlag (Archiv), Rheinbreitbach
Einkaufsbummel vorbei an den Sehenswürdigkeiten der City: Rathaus – Börse – Alsterarkaden – Jungfernstieg – Stephansplatz – Gänsemarkt – Hanse-Viertel.
Mittag
Snack im Passagenviertel.
Nachmittag
Gang durch die Neustadt: Großneumarktviertel – Peterstraße − Hamburg Museum − Große Wallanlagen − durch den Park Planten un Blomen – Lombardsbrücke – Rathausmarkt.
© Klaus Bossemeyer/Bilderberg
Die Fontäne der Binnenalster vor dem Rathausturm
Mögen andernorts die Kathedralen das Stadtbild beherrschen – im Stadtstaat Hamburg prägt das ARathausaD4 die Erscheinung. Es ist vergleichsweise jung, entstand erst Ende des 19. Jahrhunderts auf etwa 4000 in den sumpfigen Grund gerammten Baumstämmen, nachdem das bisherige Rathaus dem großen Brand von 1842 zum Opfer gefallen war. Seither akzentuiert der 112 Meter hohe ARathausturm die Silhouette Hamburgs, Neorenaissance prägt die 110 Meter lange, schmuckreiche Fassade ebenso wie die Prunkräume des Rathauses. Sie liegen zwischen dem linken Flügel, in dem das »Bürgerschaft« genannte Parlament zu Hause ist, und dem rechten Flügel mit dem Sitz des Senats, der Regierung.
Hier, vor allem im Turmsaal, reiht sich Hamburg malerisch ein unter die großen europäischen Stadtrepubliken. Wandbilder von Amsterdam, Athen, Rom und Venedig bezeugen diesen Anspruch. Der Große Festsaal ist hingegen Darstellungen aus der Hamburger Geschichte gewidmet.
Der Kaisersaal prunkt mit dem »Triumph der deutschen Seefahrt«, einem eindrucksvollen Deckenbild. Das Gemälde im Bürgermeistersaal zeigt, wie die Ratsherren 1897 in ihr neues Domizil einzogen, noch gewandet in der Tracht spanischer Granden, die erst nach Ende des Ersten Weltkriegs als »Gala-Uniform« der Senatoren abgeschafft wurde.
Im von Bischofsstatuen gesäumten Innenhof gemahnt der Hygieia-Brunnen an die Cholera-Epidemie von 1892. Der Hof verbindet Rathaus, Handelskammer und BörseaD4, deren älteste Teile schon 1839 entstanden. Das Gebäude hatte einen Vorläufer, war Hamburg doch 1558 die erste deutsche Börsenstadt. Heute dient das historische Gebäude vornehmlich als Versicherungsbörse und als ein Zentrum der Immobilienwirtschaft; gelegentlich wird das Erdgeschoss für Veranstaltungen genutzt. Der Wertpapierhandel findet woanders statt.
© canadastock/shutterstock
Die Alsterarkaden von 1844
Der mehrfach umgestaltete große Platz vor dem Hauptportal des Rathauses ist immer wieder ein Anlass für Diskussionen. Gelungen ist der Umbau der Rathauspassage, die bis 2024 über Jahre saniert wurde und nun über Fenster und Türen zum Wasser und zu den Alsterarkaden hin verfügt. Seit 1997 ist die Gebäudezeile ein »sozialer Hafen«, eine Begegnungsstätte mit Shops und Gastronomie, die sich um soziale Integration der gesellschaftlich Schwächsten bemüht. Für hanseatische Noblesse stehen dagegen die AlsterarkadenaC4–aD3, die nach einem Brand originalgetreu restauriert wurden. Die Bögen der Arkaden bieten einen fotogenen Rahmen für das Rathaus – eines der klassischen Hamburg-Motive. Hier wirkt die nordisch-kühle Stadt geradezu mediterran: Als Alexis de Châteauneuf 1844 den Arkadengang errichten ließ, orientierte er sich an Venedig. Deshalb wurde die Binnenalster auch bis zum Rathaus erweitert. Seither kann die schmucke Senatsbarkasse stilvoll vor dem Sitz der städtischen Macht festmachen.
Linker Hand steht vor dem Rathaus ein Denkmal für den kritischen Dichter und Denker Heinrich Heine (1797–1856). Die Stadt hatte den Autor von »Deutschland, ein Wintermärchen« bereits 1926 durch ein Standbild im Stadtgarten geehrt, dieses wurde aber in der Nazizeit zerstört, so wie auch seine Bücher verbrannt wurden. Das heutige Denkmal wurde 1982 von Bürgern und Senat errichtet. Es ist dem Vorgängerstandbild nachempfunden. Auf dem Sockel sind auf zwei Bronzereliefs die Bücherverbrennung und die Zerstörung des Stadtparkdenkmals dargestellt.
© Tobias Helbig/iStockphoto
Hamburgs schönste Seite – Blick auf die Binnenalster, den Jungfernstieg mit Rathaus und St.-Nikolai-Turm links
Die Arkaden enden am BJungfernstiegaC4/5, Hamburgs Paradezeile: auf der einen Seite feine Geschäfte, auf der anderen das Flanierufer der Binnenalster mit dem Anleger der Alsterdampfer und dem Alsterpavillon, dem sechsten seiner Art an dieser Stelle. Der jetzige Pavillon, einst beliebt als Kaffee-und-Kuchen-Treff, ist inzwischen zu einem Restaurant mit Bar und moderner Trend-Gastronomie geworden. Zur Linken flankiert der Neue Jungfernstieg die Binnenalster, eine weltweit bekannte Adresse dank des Hotels Vier JahreszeitenaB4 und des exklusiven Übersee-Clubs, der Mitgliedern vorbehalten ist. Unsere Tour führt durch die benachbarten Colonnaden zum StephansplatzaB/aC4, wo hinter den Bäumen der Wallanlage und den kontroversen Kriegerdenkmälern das SAS Radisson Hotel gen Himmel ragt.
Architektonisch beherrscht wird der Platz von der imposanten Alten OberpostdirektionaB3/4, die als medizinisches Zentrum wiedereröffnet worden ist. Die kurze Strecke zum GänsemarktaB3/4 lohnt einige Fassadenblicke: Am Haus Nr. 25 hat Fritz Schumacher 1911 die Elemente der Patrizierhäuser mit der Sachlichkeit der Kontorhäuser vereint. Ein Tempel der Sachlichkeit ist die 1953 erbaute StaatsoperaB4. Hier wird Tradition verteidigt – Hamburg eröffnete 1678 das erste Opernhaus Deutschlands am Gänsemarkt. Ob dort immer nur der Kunstgenuss gepflegt wurde, sei dahingestellt, schrieb doch 1724 der »Patriot« in seiner Kritik: »Die meisten schienen weniger um der Opera selbst willen gekommen zu seyn, als daß sie theils mit ihren Bekannten schwatzen, theils endlich sich selbst zur Schau stellen mögten.«
In der Bühnenstätte hob sich aber 1767 auch der erste Vorhang für das Deutsche Nationaltheater, an dem Lessing seine »Hamburgische Dramaturgie« schuf. Jetzt blickt er von seinem Denkmalssockel herab auf einen etwas zugigen Platz und auf Hamburgs größtes Kinozentrum.
Am Gänsemarkt fächern sich Hamburgs Einkaufspassagen auf – »Merkurs neue Pfade« durchziehen die City. Da alle Passagen sich um Ambiente bemühen, wird der Einkauf zum Bummel. Stilprägend war das HanseviertelaC4. Ein Zugang führt ins Renaissance-Hotel, das als Neubau hinter der denkmalgeschützten Fassade des Broschek-Hauses entstand. Das Hanseviertel hat Konsumgeschichte geschrieben: Ein Supermarkt im Keller musste zwischen den Glitzergeschäften auffallen. Der Manager stellte oben einen Tresen auf und bot Hummerhälften und glasweise Champagner an. Binnen Kurzem galt es als schick, am Stehtisch gesehen zu werden. Heute ist die Schampusecke vor allem samstags eine Institution.
Eine weitere Verästelung des Passagensystems ist der BleichenhofaC4 nahe beim Springer-Haus – der 1946 in Hamburg gegründete Medienkonzern wird heute von Berlin aus geführt. In den Kneipen des benachbarten GroßneumarktviertelsaD2 schäumen die Zapfhähne und erklingt der Boogie auch noch zwei, drei Stunden nach Mitternacht. Eine feine Gegend war das Quartier nie, heute wird es von Künstlern geschätzt und von Investoren bedroht. Von den Fachwerkhäusern des Gängeviertels sind nur noch wenige Relikte vorhanden. Vom bürgerlichen Glanz des 19. Jahrhunderts legen die Straßenzüge Wexstraße und Brüderstraße Zeugnis ab.
© White Star, Hamburg
Wasserträger Hummel ist Hamburgs bekanntestes Symbol
An schönen Sommerabenden scheint bisweilen die halbe Stadt zum Großneumarkt zu pilgern, um Bier und Wein im Freien zu genießen – nachts nicht zur Freude der Anwohner. Die Neustadt ist nämlich trotz ihrer Citylage immer noch ein Wohngebiet. Das wird ein paar Meter weiter deutlich, am Rademachergang, wo für die Zunft der Schiffszimmermänner eine der typischen Hamburger Ziegelsteinsiedlungen entstand. Hier steht – von Richard Kuöhl in Stein gemeißelt – Hamburgs bekanntestes Symbol, der HummelaC3. Eigentlich hieß er Wilhelm Bentz, er lebte von 1787 bis 1854 und war von Beruf Wasserträger. Wenn er mit seinen beiden Eimern, die er mit seiner Schulterstange schleppte, durch die Straßen ohne Wasseranschluss zog, riefen ihm die Buben nach »Hummel, Hummel«, weil er die Wohnung eines Mannes mit diesem Namen übernommen hatte. Der hochgewachsene Mann mit dem Zylinder antwortete derb und zuverlässig: »Mors, Mors« – eine plattdeutsche Bezeichnung für das menschliche Hinterteil. So kamen die Hamburger zu ihrem Erkennungsgruß und die Neustadt erhielt 1938 den Hummelbrunnen. Und wer genau hinschaut, wird am gegenüberliegenden Haus auch einen steinernen Mors entdecken.
Was Steinmetzkunst auch heute noch in Verbindung mit moderner Bauweise vermag, zeigt sich in der PeterstraßeaC1–aD2, wo ein sehenswertes historisches Stadtensemble wieder bzw. ganz neu entstand. Ein schmaler Fußweg führt vom Rademachergang und der Markus- in die Neanderstraße, wo eine scheinbar historische Häuserzeile ihren Betonkern hinter der Klinkerfassade verbirgt.
© VISTA POINT Verlag (Archiv), Rheinbreitbach
Ein Sohn der Stadt Hamburg: Johannes Brahms
Original ist hingegen das frühere Beyling-StiftaD2schräg gegenüber, ein Mitte des 18. Jahrhunderts errichteter Fachwerk-Komplex, der seit 1899 Senioren preiswerte Unterkünfte rings um einen blumenbewachsenen, tagsüber zugänglichen Innenhof sichert. Das restaurierte Stift wird ergänzt durch nachgebaute Barockhäuser in der Peterstraße, die wie ein Stück Alt-Hamburg wirkt und ein beliebter Drehort für Filme mit historischen Themen geworden ist. Im Haus Nr. 39 wurde dem Hamburger Komponisten Johannes Brahms (1833–97) ein MuseumaD2 eingerichtet. Im Haus Nr. 31 erhielt der Hamburger Komponist Georg Philipp Telemann (1681–1767) sein Museum aD2.
© Ulrike Pfeiffer/Museum für Hamburgische Geschichte
Die Sammlung des Museums für Hamburgische Geschichte beinhaltet rund 250 Schiffsmodelle
An diese und andere Zeiten erinnert das Museum für Hamburgische GeschichteaD1 (bis 2028 wegen Sanierung geschl.) nahe der Peterstraße. Fritz Schumacher hat das Klinkerbauwerk 1922 über den Fundamenten einer ehemaligen Festung in der Grünanlage des Holstenwalls geschaffen. Zu den Ausstellungsstücken gehören auch viele architektonische Relikte, die nach dem großen Brand von 1842 gerettet werden konnten. Einige dieser Relikte aus der Stadtgeschichte wurden in den Bau und seine Hofanlage eingearbeitet, deshalb lohnt sich nicht nur ein Gang in, sondern auch um das inzwischen selbst denkmalgeschützte Museum. So ist das Wappen des einstigen, 1842 abgebrannten Rathauses am Giebel der Nordfront angebracht.