Hard Sequences – Feuertrip - André Milewski - E-Book

Hard Sequences – Feuertrip E-Book

André Milewski

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Beschreibung

Hart. Härter. Hard-Sequences. Chris hat die Chance seines Lebens: der große Gewinn in einer TV-Show. Doch plötzlich holt ihn die Vergangenheit ein, denn Berlins Straßen vergessen nie. Jetzt muss er alles riskieren, um nicht nur seine Zukunft, sondern auch das Leben seiner Freundin zu retten. Ihn erwartet ein höllischer Trip.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

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HARD SEQUENCES – FEUERTRIP

THRILLER

ANDRÉ MILEWSKI

INHALT

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Ohne Titel

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Epilog

Playlist Hard-Sequences: Feuertrip

Über den Autor

Leseprobe: Hard-Sequences – Feuerblut

Jetzt Neu:

Copyright © 2022 André Milewski

www.andre-milewski.de

Verlag: André Milewski

[email protected]

c/o WirFinden.Es; Naß und Hellie GbR, Kirchgasse 19, 65817 Eppstein

Covergestaltung:

© Anke Koopmann | Designomicon

unter Verwendung von Motiven von Shutterstock

Korrektorat: SKS Heinen

Satz: André Milewski

1. Auflage

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf - auch teilweise - nur mit Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.

I gotta go, non stop, not giving up, no

Gonna make it out alive

THE STRONG SURVIVE – NAVARONE

EINS

Das Startsignal ertönte.

Chris lief los, die Rampe hinauf, griff sich das Seil und schwang damit locker über den Wassergraben auf das nächste Podest. Dort stand ein kleines Trampolin, mit dessen Hilfe er sich in die Höhe katapultierte, hoch zum Ring, der über ihm an einer Stange hing, die schräg nach unten geneigt zum nächsten Podest zeigte. Mit einem kurzen Impuls nach oben befreite Chris den Stahlreifen aus seiner Mulde und rutschte daran an der Stange entlang, nutzte die Geschwindigkeit und schwang sich locker auf das nächste Podest, auf dem er mit einer Rolle vorwärts landete, die Aufprallenergie nutzte und sich mit einer flüssigen Bewegung sofort wieder auf die Beine brachte. Er lief weiter zum nächsten Hindernis, das aus fünf riesigen, hintereinander angebrachten Bällen bestand. Ein Balanceakt, der jedoch mit Tempo und gezielt mittig gesetzten Schritten geradezu lächerlich einfach für jemanden wie ihn war. Binnen zwei Sekunden flog er über die beweglichen Bälle hinweg auf das nächste Podest, wo wieder ein Trampolin stand, mit dem er sich an eine Reckstange hochstieß, die nur lose in einer Halterung auflag. Mit der Stange in den Händen musste er zur nächsten Halterung springen, die etwa einen Meter entfernt war. Dort gab es mehrere Sprossen, die es mittels Stange zu erklimmen galt. Eine höllische Anstrengung, die seine Arme brennen ließ, aber er bewältigte das Hindernis. Ganz oben angekommen, musste er sich bloß an einen weiteren Ring schwingen und von dort aufs nächste Podest. Schweiß stand ihm auf der Stirn. Er war jetzt knapp zwanzig Sekunden unterwegs. Die Bestzeit war noch möglich, aber es blieben ihm nur noch achtzehn Sekunden, um das zu schaffen, und zwei weitere Hindernisse, die es dafür zu bewältigen galt. Zuerst kam der Spinnensprung an die Reihe. Eine Art Tunnel in drei Meter Höhe, nur dass es weder einen Boden noch eine Decke gab. Nur zwei Wände, die sich mit einem Abstand von einem Meter zwanzig gegenüberstanden. Erneut musste Chris sich mit einem Trampolin in die Luft schwingen und sich dort zwischen den Wänden verkeilen. Breitbeinig stemmte er sich mit Armen und Beinen an den Wänden ab und kletterte spinnengleich zwischen den Wänden entlang. Am Ende wartete wieder ein Trampolin, das diesmal über dem Wasserbecken angebracht war, um sich von dort über eine Wand zu katapultieren, hinter der das letzte Podest wartete. Ein einfacher Sprung, dennoch scheiterten an diesem Hindernis die meisten. Der Trick war, so tief wie möglich an den beiden Wänden herab zu klettern und mit den Knien die Federwirkung des gespannten Sprungtuchs abzufedern, um kontrolliert auf die Wand zuzuspringen. Auch dies gelang Chris ohne größere Schwierigkeiten. Im Gegenteil, er nutzte den Sprung, um sich so viel Schwung zu holen, dass er sich mit einem Salto über die Kante katapultierte und in hockender Position auf dem Podest landete.

»Superheldenlandung«, rief der begeisterte Moderator und die Zuschauer im Studio ließen ihrer Begeisterung freien Lauf.

Chris richtete sich auf und lächelte. Ein bisschen Posing gehörte in einer Fernsehshow immer dazu. Er sah das letzte Hindernis vor sich.

Den Cliffhanger.

Fünf Bretter, die in unterschiedlichen Höhen nebeneinander angebracht waren und über das Wasserbecken führten. An den Brettern waren drei Zentimeter breite Leisten geschraubt, an denen er sich nur mit den Fingern entlanghangeln musste.

»Beeil dich«, rief ihm jemand zu. Leider nicht Luna. Seine Freundin, die sich sonst keinen seiner Wettbewerbe entgehen ließ und ihn dabei stets lautstark anfeuerte, hatte heute einen Job.

An die erste Leiste kam er aus dem Stand heran. Er musste sich nur ein Stück zur Seite lehnen. Seine Fingerspitzen fanden guten Halt und mit zwei schnellen Bewegungen war er bereits am zweiten Brett, das nur einen halben Meter nach oben versetzt hing. Er spürte ein Kribbeln in den Fingern, das sich über die Hände und die Unterarme ausbreitete.

»Schneller, dann knackst du die Bestzeit!«

Der Übergang zur nächsten Griffleiste war der Knackpunkt an diesem Hindernis. Es musste ein Meter in der Höhe überwunden werden. Dazu musste er mit dem gesamten Körper Schwung holen, einen einarmigen Klimmzug machen, während er den rechten Arm ganz lang ausstreckte, um die nächsten Leiste zu fassen. Chris spannte alle Muskeln an, zog sich mit links nach oben und sein Bizeps sprengte beinahe den engen Ärmel seines Shirts. Mit den Fingerkuppen streifte er die obere Leiste, aber es fehlten Millimeter, um sich dort festhalten zu können. Stattdessen rutschten die Finger der linken Hand ab und er stürzte wie ein Stein nach unten. Das Wasser schlug über ihm zusammen. Es war kalt, doch das war ihm egal. Er war einfach nur furchtbar enttäuscht von sich. So kurz vor dem Ziel hatte er einen Fehler gemacht. Natürlich hatte er sich trotzdem für die nächste Runde qualifiziert. So weit war niemand in so kurzer Zeit gekommen. Aber trotzdem nagte das Gefühl des Versagens an ihm, während er mit zwei kräftigen Schwimmzügen an den Rand des Beckens schwamm.

Das Publikum applaudierte ihm nichtsdestotrotz, als er mit enttäuschtem Gesicht aus dem Wasser stieg.

»Sei nicht allzu traurig, das war eine Superspitzenleistung«, nahm ihn eine Mitarbeiterin der TV-Show in Empfang und reichte ihm ein Handtuch. »Du bist locker in der nächsten Runde.« Sie lächelte.

»Danke.« Chris zwang sich dazu, ein freundliches Gesicht zu machen, winkte einmal ins Publikum und warf sich dann das Handtuch über den Kopf. Dann beeilte er sich, so schnell wie möglich in den Backstagebereich zu kommen. Dort wurde er von den anderen Athleten in Empfang genommen, die allesamt vor ihm gestartet waren. Als Topfavorit war es ihm vorbehalten gewesen, als Letzter in den Parcours zu gehen. Alle hatten nichts weniger als den Sieg von ihm erwartet – er selbst eingeschlossen. In den Gesichtern der anderen konnte er Überraschung erkennen – und Häme.

Das war okay für ihn. Vielmehr störte er sich daran, was er noch in ihren Blicken erkannte. Hoffnung. Jetzt wussten sie, dass auch er Fehler machen konnte. Dass er nicht unschlagbar war. Keine gute Situation.

»Na, nass geworden?«, fragte ihn Samir, einer seiner größten Konkurrenten und derjenige, der durch seinen Fehler den heutigen Vorlauf gewonnen hatte.

»Ich brauchte eine Erfrischung«, gab Chris zurück.

»Aber sicher. Sieh es als Vorgeschmack aufs Finale an, wenn ich dich abziehen werde.« Samir grinste und er streckte seine rechte Hand zur Seite, wo einer der anderen einschlug. »Der große Chris, der schnellste, der beste, der coolste – und jetzt bloß nur noch ein nasser Fisch. Muss wehtun, wenn man feststellt, dass man doch nicht so eine große Nummer ist, oder?«

»Süß, wie du dir selbst Hoffnung machst, Samir. Jeder hier weiß, dass Chris dich im Finalparcours locker besiegen wird.« Ein schlaksiger Junge von gerade einmal achtzehn Jahren baute sich mit verschränkten Armen vor Samir auf. »Du hast es einfach nicht drauf.«

»Kim, lass es«, hielt Chris den Jungen zurück.

»Nein, lass den Kleinen ruhig weitersprechen. Was willst du mir noch sagen, du Milchbubi?« Samir starrte drohend auf den fast einen Kopf kleineren Kim hinab.

»Schluss damit«, ging Chris dazwischen. »Was immer es zu klären gibt, das regeln wir sportlich im Parcours und nirgendwo anders. Cool?« Er sah Samir in die Augen.

Dessen Mundwinkel bogen sich leicht nach oben. »Cool.« Er hielt Chris die rechte Faust hin, gegen die er mit seiner Faust stieß. »Also, dann sehen wir uns in zwei Tagen beim Finale. Hoffentlich bist du bis dahin wieder trocken.« Lachend verließ Samir mit seinem Kumpel die Umkleide.

»So ein Lackaffe«, fluchte Kim.

»Woher kennst du solche bösen Worte?« Chris klopfte dem Jungen auf die Schulter. »Sieh das nicht so ernst. Das ist völlig normal. Konzentrier dich lieber auf dich selbst. Immerhin hast du es auch ins Finale geschafft. Ich bin stolz auf dich.«

»Danke. Das habe ich nur dir und deinem Training zu verdanken.«

»Quatsch. In erster Linie hast du es dir selbst zu verdanken. Du bist der talentierteste Bursche, den ich je trainiert habe. Spätestens in zwei Jahren wirst du es sein, der hier alle nass macht.«

»Okay, mache ich.« Kim zwinkerte ihm zu. »Aber dieses Jahr holst du dir den Sieg – und die fünfzigtausend Euro.«

»Worauf du dich verlassen kannst«, erwiderte Chris breit grinsend und schlug mit Kim in ein High Five ein. »So, und jetzt muss ich zusehen, dass ich meine wunderschöne Freundin abhole, sonst zerlegt sie mich in meine Einzelteile.«

ZWEI

Luna verfluchte sich selbst für ihre Dummheit.

Aber war es wirklich dumm, für zweitausend Euro in Dessous ein wenig lasziv an einer Stange zu tanzen, in einem schummrig ausgeleuchteten, nach Schweiß stinkenden Raum? Sie kannte die Antwort. Ebenso wie sie wusste, was Chris dazu sagen würde.

»Schatz, das hast du doch nicht nötig. Ich verdiene genug Geld für uns beide. Also lass den Scheiß!«

Genau das würde er sagen. Und er hätte recht damit. Deswegen liebte sie ihn.

Aber sie wollte auch etwas zu ihrem gemeinsamen Traum beitragen und sich nicht nutzlos fühlen, während sie am Rand stand und dabei zusah, wie ihr Freund das große Geld einstrich. Vorausgesetzt, er würde diese Fernsehshow gewinnen. Doch daran hegte sie keinen Zweifel.

»Nennst du das etwa sexy? Meine Oma hat sich geschmeidiger bewegt. Mach mal ein bisschen Action. Ich will was sehen für meine Kohle.« Der Mann, der breitbeinig auf dem roten Sofa saß und ihr beim Tanzen zusah, griff sich die Champagnerflasche, die auf dem runden Tisch vor ihm stand, und nahm einen Schluck daraus. »Willst du auch einen Schluck, Schätzchen? Dann kommst du vielleicht auf Touren und wackelst ein wenig mehr mit dem Hintern.« Er grinste lüstern.

Luna verdrehte die Augen, drehte dem Kerl ihre Kehrseite zu und ging in die Hocke, wobei sie ihr Hinterteil ein wenig raus streckte. In langsamen, kreisenden Bewegungen schraubte sie sich wieder in die Höhe, umfasste die Stange und vollführte eine Drehung, sodass sie wieder auf den Kerl sehen konnte, der zehntausend Scheine locker gemacht hatte, damit sie sich hier zur Schau stellte. Ihre Miene gefror, als sie ihn sah.

»Was soll der Scheiß?«, blaffte sie ihn an.

»Mach einfach weiter, Baby«, schnaufte der Typ, der seine Hose aufgeknöpft hatte und mit seiner rechten Hand seinen Penis umklammert hielt. »Jetzt wird’s gerade richtig gut.«

»Pack deinen Lurch wieder ein, die Vorstellung ist vorbei!« Luna sprang von dem kleinen Tanzpodest und wollte zu dem Sessel, auf dem sie ihre Kleidung abgelegt hatte. Doch die Hand des Kerls umfasste ihren Arm.

»Du sollst weitermachen, hab ich gesagt! Ich will was sehen für mein Geld. Oder falls dir das lieber ist, kannst du dich auch persönlich um meinen kleinen Freund hier kümmern. Du hast doch eine ziemlich lockere Zunge.«

Sie blickte angewidert erst auf den offenen Hosenstall des Mannes und dann auf die Hand, mit der er sie festhielt. Die Hand, mit der er eben noch seinen Schwanz angefasst hatte.

»Loslassen. Ich sag es nur einmal.« Sie sprach langsam und mit eindringlicher Stimme. Chris zuckte jedes Mal zusammen, wenn sie in diesen Tonfall verfiel.

»Baby, jetzt zier dich nicht so. Du willst es doch nicht anders. Also tu nicht so, als ob du zu gut für so was wärst, du kleine Nut…« Er kam nicht dazu, seinen Satz zu beenden, weil Luna ihm mit der linken Faust direkt auf die Nase schlug. Sie hatte nicht hart zugeschlagen, aber immerhin reichte die Wucht aus, damit der Kerl sie losließ und ein dünner Blutfaden aus dessen Nasenloch lief.

»Ich hab dich gewarnt. Fass mich noch einmal an, dann tut’s richtig weh, versprochen … Baby.«

Der Kerl wischte sich mit überraschtem Blick das Blut unter der Nase weg und murmelte: »Du hast gerade einen Fehler gemacht. Einen verdammt großen. Wenn ich mit dir fertig bin, wird dich nicht mal deine Mutter wiedererkennen.«

Luna achtete nicht weiter auf den Großkotz, sondern schnappte sich ihre Sachen und schlüpfte blitzschnell in ihre Hose. Als sie sich die Bluse überziehen wollte, stand der Typ plötzlich neben ihr und rammte sein Knie ohne Vorwarnung in ihren Bauch. Sie knickte ein, vornübergebeugt. Sofort packte der Kerl sie in den Haaren und bugsierte ihren Kopf in Richtung seines Schritts, wo das halbschlaffe Glied herumbaumelte.

Na gut, wenn er es so haben will, dann bekommt er es, dachte Luna. Sie schloss die Augen, warf sich nach vorne und stieß ihren Kopf wie eine Dampframme in die Kronjuwelen des Kerls. Der jaulte auf wie ein geprügelter Hund und ließ von ihr ab. Schwer atmend stützte er sich mit den Händen auf seinen Oberschenkeln ab.

»Na, möchtest du noch mehr oder gibst du dich damit zufrieden?«, fragte sie ihn spöttisch.

»Mieses Flittchen«, keuchte der Mann. »Gib mir meine Kohle zurück und dann verschwinde!«

»Für deine Übergriffigkeit sollte ich dich das Doppelte zahlen lassen. Sei froh, wenn ich dich so davonkommen lasse.« Sie versetzte ihm einen Stoß, der den Kerl zurück auf den Sessel warf. »Und falls du noch mal so eine Nummer abziehen solltest, denk immer daran, dass keine Frau einen Schleimbolzen wie dich gerne ansieht. Schon gar nicht beim Wichsen.« Luna streifte ihre Bluse über und griff sich ihre Tasche. Als sie das Separee verlassen wollte, öffnete sich die Tür und ein weiterer Kerl trat ein. Er war beinahe so breit wie groß und seine wohlgenährte Körperfülle hatte er in ein billiges Kaufhaushemd gepresst, dessen Knöpfe besonders am Bauch um ihr Leben kämpften. Sein dunkles Haar war mit reichlich Pomade nach hinten gekämmt und aus seinen Gesichtszügen konnte Luna eine gewisse Überheblichkeit ablesen. Dann fiel der Blick des Neuankömmlings auf den Kerl im Sessel, der immer noch mit schmerzverzerrtem Gesicht dasaß.

»Was ist passiert?«

»Lass sie nicht gehen«, stieß der Mann im Sessel hervor.

Der Dickwanst schloss die Tür hinter sich und sah Luna grimmig an. Sie machte einen Schritt zurück.

»Flavio ist anscheinend noch nicht fertig mit dir«, stellte der Dicke fest. »Was ist passiert?«, fragte er seinen Kumpel.

»Das Miststück versucht, mich abzuzocken. Aber jetzt nehmen wir beide sie uns richtig vor.« Leise aufstöhnend erhob er sich aus dem Sessel. Sein Hosenstall stand immer noch offen. »Das, was jetzt kommt, hast du dir selbst zuzuschreiben«, sagte er zu ihr.

Beide Männer schritten zeitgleich auf sie zu. Luna wich zurück, bis sie wieder auf dem Podest stand.

»Ist gut, du hast gewonnen. Ich geb dir dein Geld zurück, okay? Dann lasst ihr mich gehen.«

»Tut mir leid, Schätzchen, aber Ennesto und ich werden uns jetzt nehmen, was uns zusteht.«

»Euch steht überhaupt nichts zu«, entfuhr es ihr. »Höchstens ein paar Schläge!«

»Ich mag Frauen, wenn sie etwas widerspenstig sind. Das macht die Sache erst interessant«, sagte der Typ namens Ennesto und fuhr sich mit der Zunge über die wulstigen Lippen.

Luna kniff die Augen zusammen. »Pass bloß auf, dass es nicht zu widerspenstig für dich wird.«

»Wir werden sehen.«

Aus dem Augenwinkel konnte Luna erkennen, wie Flavio sich bereit machte, auf sie loszuspringen. Hinter ihr gab es nur noch eine Wand – und die Stange, an der sie eben noch getanzt hatte. Sie handelte gedankenschnell. Als der Kerl auf sie losging, sprang sie zur Seite, griff mit beiden Händen an die Stange und schwang einmal daran herum. Mit den Füßen voraus traf sie Flavio voll gegen die Brust. Er flog in hohem Bogen durch den Raum und krachte neben dem Sessel auf den Boden. Sein Kumpel starrte sie mit großen Augen an und sprang mit einem Schrei auf sie los. Luna ließ die Stange los und duckte sich weg, als der dicke Typ versuchte, sie mit beiden Armen zu packen. Sie rammte ihm dafür den Ellenbogen mit aller Wucht gegen den Leib. Der Schlag zeigte wenig Wirkung. Dafür fing sie sich einen Tritt von ihm ein, der sie an der Schulter traf und vom Podest schleuderte, direkt neben Flavio, der sich inzwischen wieder berappelt hatte. Er starrte sie hasserfüllt an und wollte zu einem Schlag ansetzen, doch Luna war schneller und kam ihm zuvor. Ihre rechte Faust schoss nach vorne und landete einen Volltreffer auf seiner Nase. Diesmal hatte sie härter zugeschlagen. Der fragile Nasenbeinknochen knackte hörbar und verschob sich deutlich sichtbar unnatürlich weit nach links. Blut sprudelte aus den Nasenlöchern. Mit einem Schrei stürmte Ennesto vom Podest auf sie los. Sie lag immer noch rücklings auf dem Boden und machte das Einzige, was ihr übrig blieb. Sie riss ihre Beine nach oben. Ihre Füße bohrten sich in den Bauch des Angreifenden, der von seinem eigenen Schwung ausgehebelt wurde. Sein Oberkörper kippte ihr entgegen. Sie packte den Kragen seines billigen Kaufhaushemds, drückte die Beine weiter durch und schleuderte Ennesto über sich hinweg. Der bullige Mann segelte durch die Luft und knallte krachend mit dem Rücken gegen die Zimmerwand und landete schließlich auf seinem Kopf. Bewusstlos blieb er liegen. Flavio neben ihr hielt sich die Hände vors schmerzverzerrte Gesicht, während ihm das Blut aus der Nase strömte.

Luna stand auf, richtete ihre Kleidung und stieg über Flavio hinweg, in dessen offener Hose sich jetzt nichts mehr regte. Ohne noch einmal zurückzublicken, verließ sie den Raum.

DREI

Er stellte den Koffer auf dem flachen Couchtisch mit der Glasplatte ab und sah erwartungsvoll zu Artan Karaji. Der Clanchef saß breitbeinig auf der Couch und hielt eine Espressotasse in der rechten Hand.

»Was soll das sein?«, fragte er und deutete mit der freien Hand auf den Lederkoffer.

»Ein Koffer.«

Artan kniff die Augen zusammen.

»Noch so eine dämliche Antwort und ich ramme dir diesen Koffer in den Arsch.«

»Ich habe ihn einigen Kerlen abgenommen, die für Feras Al-Rihani arbeiten. War ein Kinderspiel«, sagte er nicht ohne Stolz. »Keiner von den Schlappschwänzen hat es gewagt, aufzumucken.«

»Er gehört den Libanesen?« Artan beugte sich nach vorn. Sein Interesse schien geweckt. »Was ist drin? Koks, Heroin, Geld?«

»Weiß ich nicht, er ist verschlossen und ich habe ihn noch nicht geöffnet«, gab Fatos ehrlich zu und zeigte auf das Doppelkombinationsschloss am Koffer. »Aber gleich drei von Feras’ Männern waren mit ihm unterwegs. Sie haben ihn aus einem Schließfach bei einer Bank geholt. Ganz dicht an unserem Territorium. Also dachte ich mir, ich nutze die Gelegenheit und schnappe ihn mir.«

Artan Karaji stellte die Tasse auf dem Tisch ab und stand auf. Der Clanchef war fünfundfünfzig Jahre alt, sah aber noch deutlich jünger aus. Er war groß und sein Körper war von täglichem Krafttraining gestählt. Seinen Oberkörper hatte er in ein eng anliegendes schwarzes T-Shirt gezwängt, das seine gewaltigen Oberarme eindrucksvoll zur Geltung brachte. Die dunklen Augen über der breiten, durch seine Leidenschaft für den Boxsport etwas schief sitzenden Nase fixierten den Koffer.

»Hast du ihn gescannt, bevor du ihn zu mir gebracht hast?«

»Ob ich … nein«, antwortete Fatos überrascht.

»Das heißt, du bringst mir einen Koffer mit unklarem Inhalt und stellst ihn mir direkt vor die Nase. Haben dir die Drogen dein kümmerliches Gehirn völlig zerfickt?«

»N-nein.«

»Kommt mir aber so vor. Mein kleiner Sohn wäre nicht so dämlich wie du Ausgeburt einer räudigen Hündin. Nimm den Koffer und durchleuchte ihn. Stell sicher, dass er keine böse Überraschung für uns enthält.«

»Aber ich kann ihn aufbrechen.« Fatos zog sein Messer hervor.

»Bist du denn wirklich so dumm? Ist dir nicht der Gedanke gekommen, dass es eine Falle gewesen sein könnte? Dass Feras, dieser elendige Ziegenficker, es so haben wollte? Dass du seine Leute siehst, wie sie diesen Koffer am helllichten Tag aus einer Bank nahe der Demarkationsgrenze holen, damit du ihnen den Koffer abnimmst und zu mir bringst? Dass sie deswegen keinen Finger gerührt haben? Vielleicht ist es eine Bombe. Wenn man das Schloss mit Gewalt öffnet, fliegt uns die Scheiße um die Ohren. Also schnapp dir das Ding und untersuch ihn. Komm wieder, wenn du damit fertig bist.«

Fatos nickte und griff sich den Koffer. Als er sich umdrehte und gehen wollte, sagte Artan zu ihm: »Und wenn du es noch mal wagen solltest, eigenmächtig Entscheidungen zu treffen, werde ich dir Verstand einprügeln.«

Er wollte etwas erwidern, aber in diesem Augenblick kam Sonila Karaji, die Ehefrau Artans, herein. Ihre langen, blond gefärbten Haare flossen wie Gold über ihre Schultern und mit ihren mandelförmigen Augen sah sie ihn erschrocken an. Fatos vermied es, etwas zu sagen, sondern schritt stumm an ihr vorbei.

»Soni, mein Engel, du kommst gerade rechtzeitig«, begrüßte Artan seine deutlich jüngere Frau.

Fatos verließ das Penthouse und schritt den breiten Gang in Richtung des Fahrstuhls entlang. Er betrat die Kabine und fuhr die zwanzig Stockwerke hinab ins Erdgeschoss. Dort standen zwei Kerle vor dem Aufzug Wache. Einer der beiden grinste ihn an, als er ihn mit dem Koffer aus dem Aufzug treten sah.

»Na, nicht so gut gelaufen, Fati?« Er lachte. Oder besser, er versuchte es. Doch Fatos schmetterte ihm seine linke Faust genau gegen den Kiefer. Die Unterlippe des Kerls platzte auf. Er taumelte zurück und plumpste dann wie ein kleines Kind auf den Hintern.

»Sprich mich nie wieder an, du Hurensohn, oder ich schlag dich tot!«

Fatos verließ das Gebäude und ging zu seinem Jaguar F-Type – er behauptete Frauen gegenüber gerne, das F stehe für Fatos. Er warf den Koffer wütend auf den Beifahrersitz und fuhr danach mit quietschenden Reifen los.

VIER

Chris hatte gerade eingeparkt, als er Luna aus dem Gebäude kommen sah. Er betätigte die Hupe. Sofort erfasste ihr Blick den Wagen und sie kam freudestrahlend zu ihm gelaufen.

»Ich war noch nie so froh, dass du pünktlich bist«, begrüßte sie ihn, nachdem sie auf dem Beifahrersitz Platz genommen hatte. Sie drückte ihm einen Kuss auf die Wange. »Wie ist es gelaufen? Hast du gewonnen?«

»Nur an Erfahrung. Ich bin ins Wasser gefallen.«

»Wie bitte? Du bist …« Sie stockte und hob den Zeigefinger. »Ah, du versuchst, mich zu veralbern. Beinahe wäre ich darauf reingefallen.«

»Es ist wahr. Ich bin beim letzten Hindernis abgeschmiert.«

»Und jetzt? Was bedeutet das?«

»Nichts weiter. Ich bin fürs Finale qualifiziert. Dort werden die Karten neu gemischt und vor allem, es gibt neue Hindernisse. Noch einmal passiert mir das nicht, keine Sorge. Das Einzige, was mich wirklich ärgert, ist, dass mir die fünftausend Euro für den Sieg in der Halbfinalshow jetzt durch die Lappen gegangen sind.«

Luna legte ihm eine Hand auf den Oberschenkel und lächelte ihn an.

»Da habe ich eine Überraschung für dich, die den Ärger lindern wird.« Sie griff mit der anderen Hand in ihre Handtasche und holte ein paar lilafarbene Geldscheine hervor. Fünfhunderter. Sie wedelte damit herum. »Ich habe zweitausend Euro extra bekommen.«

»Wow, nicht schlecht. Das hast du mir gar nicht erzählt, dass du hier als Model für so eine kleine Tattoomesse so gut bezahlt wirst. Ich dachte, das gibt höchstens fünfhundert.« Er sah seiner Freundin fest in die Augen.

»Es hat sich noch eine zusätzliche Show ergeben, weißt du. Das kommt häufiger vor. Diesmal hab ich eben Glück gehabt, dass meine Tattoos besonders gut angekommen sind.«

Er nickte. Seit er mit Luna zusammen war, hatte er schon einige Merkwürdigkeiten erlebt. Ihr Körper war ein Gesamtkunstwerk, fast jeder Zentimeter ihrer Haut war mit Tätowierungen bedeckt, nur ihr Gesicht und die Hände waren blank.

»Du hast nicht zufällig eine Privatshow für jemanden gegeben?«

»Wäre möglich«, antwortete sie leise und steckte das Geld wieder ein.

»Okay.«

»Okay? Das ist alles, was du dazu sagst?«

»Ja. Was soll ich sonst sagen? Du hast es gemacht und basta. Es war deine Entscheidung.«

»Du bist nicht sauer?«

»Weswegen? Weil du halb nackt vor irgendeinem Perversen getanzt hast? Aber nicht doch.« Er hatte es absichtlich überspitzt formuliert, in der Hoffnung, sie damit ein Stück weit zu reizen. Aber nichts geschah. »Oh scheiße, ich habe recht, oder?«

Luna atmete tief durch.

»Ja. Mit allem. Auch wenn ich es hasse, das zuzugeben. Aber ich schwöre dir, dies war das letzte Mal. Das allerletzte Mal! Niemals wieder mache ich das. Für kein Geld der Welt. Dann tanze ich nur noch für dich!« Sie lächelte ihn an. Sie küssten sich.

Aus dem Augenwinkel sah Lukas, wie zwei Kerle aus dem Haus kamen und sich suchend umsahen. Sie sahen etwas derangiert aus, als hätte ihnen jemand gerade den Arsch versohlt.

»Suchen die zufällig nach dir?«

»Bestimmt nicht«, gab Luna schnell zurück. »Lass uns losfahren.«

FÜNF

Er saß in seinem klimatisierten Arbeitszimmer und blickte aus dem großen Fenster hinaus in den Garten, wo er seine Familie beobachten konnte, wie sie den wunderschönen Sommertag genossen. Seine Frau tratschte fröhlich lachend mit ihren Töchtern und Schwiegertöchtern, alle mit einem Glas Sekt in der Hand. Die Männer standen derweil um den Grill herum oder spielten mit den Kindern Fußball. Einige planschten auch im Pool. Eine Bilderbuchszenerie, wie aus dem Kitschbuch für glückliche Großfamilien. Feras Al-Rihani ließ es sich nicht anmerken, aber er seufzte innerlich. Dann drehte er sich auf seinem Bürostuhl wieder vom Fenster fort und sah auf die drei Männer, die vor seinem Schreibtisch standen und ihn erwartungsvoll ansahen.

»Was machen wir jetzt, Boss?«, fragte Hamit, der einzige der drei, dem er noch ein bisschen Restverstand zutraute. Die beiden anderen, Kemal und Omar, vermieden es, ihn anzusehen, und starrten auf den Boden, wohl in der Hoffnung, dass sich dort ein Loch auftun würde, durch das sie dieser Situation entfliehen konnten.

»Wann sollte die Übergabe stattfinden?«

»Übermorgen, zur Mittagszeit.«

Feras hob den rechten Arm und sah auf seine Patek Philippe Nautilus. »Dann bleiben noch etwas mehr als sechsunddreißig Stunden, um den Koffer wiederzubeschaffen.« Er sah die drei Kerle an. Alle waren breitschultrig, aufgepumpt von täglichen Besuchen im Fitnessstudio. Doch nun wirkten sie verängstigt und schwach. »Worauf wartet ihr?«

»Aber Boss, das ist nicht möglich. Die Albaner werden sich den Koffer nicht abnehmen lassen.«

»Ihr meint, so einfach wie sie ihn euch abgenommen haben?«

»Das war nicht unsere Schuld«, rechtfertigte sich Kemal mit entschiedener Stimme. Anscheinend hatte er seine Eier wiedergefunden.

»Ach nein? Wessen Schuld war es dann? Etwa meine, willst du das damit sagen?« Feras sah den jungen Kerl streng an. Er war ein Neffe eines Cousins oder so was in der Art. Er war sich aber nicht sicher. Vielleicht war er auch einfach nur ein Opfer.

»Du hättest ahnen können, dass die Albaner von dem Geschäft Wind bekommen, so dicht an ihrem Territorium und sie dazwischenfunken würden.« Kemal blickte ihm unerschrocken in die Augen.

»Stell dir vor, das habe ich sogar. Deshalb habe ich drei vermeintlich starke und unerschrockene Männer ausgewählt, damit sie den Job durchziehen, egal, was passiert. Echte Kerle eben. Solche, die mit jeder Situation fertig werden. Aber ich habe mich in euch getäuscht. Wahrscheinlich hätte ich besser drei von den Kindern da draußen geschickt oder noch besser, die Frauen. Die hätten das besser erledigt als ihr Versager!«

»Alter Mistkerl«, fauchte Kemal und sprang nach vorne.

Feras war für eine Sekunde vom Mut des Jungen beeindruckt. Aber er hatte den falschen Zeitpunkt gewählt, um diesen zu demonstrieren. Feras stieß sich aus seinem Stuhl in die Höhe und verpasste dem heranstürmenden Kemal einen harten Kopfstoß. Dann packte er ihn sofort am Hals und schmetterte ihn brutal auf seine Schreibtischplatte. Es knackte und Blut spritzte über die Papiere, die er dort liegen hatte. Hamit und Omar wichen erschrocken einen Schritt zurück und machten keine Anstalten, ihrem Freund zu helfen.

»Du kleine Kakerlake, für wen hältst du dich, dass du so mit mir sprichst?«, schrie Feras mit weit aufgerissenen Augen. Kemal brachte nur Gestammel hervor, begleitet von blutigem Schaum. Aber ein Wort konnte er trotzdem verstehen. Wichser. Feras griff nach links und nahm seinen Briefbeschwerer in die Hand, eine Glaskugel, in der eine Koralle eingeschlossen war. Das dekorative Objekt, das er vor Jahren von seiner Ehefrau geschenkt bekommen hatte, wog gut und gerne ein Kilogramm. Er hob die Kugel in die Höhe und schmetterte sie auf Kemals Schädel. Es gab einen dumpfen Knall und einen erstickten Schrei. Feras schlug noch mal zu, noch härter. Der Hinterkopf platzte auf. Es war nicht nur eine Platzwunde, der Schädelknochen war aufgebrochen und gab den Blick auf das Innere frei. Zu Feras’ Überraschung schien das Gehirn doch nicht erbsengroß zu sein. Kemals Gliedmaße begannen, unkontrolliert zu zucken. Trotzdem hieb Feras weiter mit dem Briefbeschwerer auf den Schädel ein. Erst als der Körper des Mannes komplett erschlaffte, hielt er inne und legte die Glaskugel beiseite. Dann nahm er sich ein Taschentuch und wischte sich die Hände sauber.

»Was glotzt ihr so? Habt ihr auch noch etwas zu sagen?«, fragte er die beiden anderen.

»Nein Boss.«

---ENDE DER LESEPROBE---