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Ein sterbender Patient ringt dem Arzt Daniel Menk das Versprechen ab, sich im verschneiten Harz auf die Suche nach dem Ursprung seiner tödlichen Verletzungen zu machen. Der ist zwar nicht sonderlich begeistert, möchte das Versprechen aber nicht brechen und begibt sich mit einem Freund zusammen auf die Suche. Sie ahnen nicht, wie nahe sie damit einem blutrünstigen Geheimnis kommen. Was sie finden, gibt ihnen das Gefühl, in einen Alptraum geraten zu sein. Scheinbar gibt es kein Entkommen...
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Seitenzahl: 56
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Das BuchEin sterbender Patient ringt dem Arzt Daniel Menk das Versprechen ab, sich im verschneiten Harz auf die Suche nach dem Ursprung seiner tödlichen Verletzungen zu begeben. Der ist zwar nicht sonderlich begeistert, möchte das Versprechen aber nicht brechen und begibt sich mit einem Freund zusammen auf die Suche. Sie ahnen nicht, wie nahe sie damit einem blutrünstigen Geheimnis kommen ...
Der AutorEmanuel Müller, 1987 in Burg geboren, schrieb schon als Kind vornehmlich Grusel- und Horrorgeschichten. Als er 14 Jahre alt war, kam sein erstes Buch heraus: »Unheimliches in einer Schule«.
Heute lebt er mit seiner Frau und seiner Tochter in Dessau, wo er als Gesundheits- und Krankenpfleger arbeitet, und schreibt nach wie vor Geschichten aus dem Horror- und Thrillerbereich. Verfolgen Sie Emanuel Müllers Werke bei Facebook:
https://www.facebook.com/emanuel.mueller.autor
© 2018 Emanuel Müller 2. Auflage 1. Auflage erschienen 2014
Autor: Emanuel Müller Umschlaggestaltung: Emanuel Müller Kontakt: Emanuel Müller, Großkühnauer Weg 28, 06846 Dessau-Roßlauwww.emanuel-mueller.comwww.facebook.com/emanuel.mueller.autor
ISBN: 978-3-8476-7123-7 ISBN der Taschenbuchausgabe: 978-1497364707
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Emanuel Müller
Harzwolf
Eine Gruselgeschichte
Jeder ist ein Mond
und hat eine dunkle Seite,
die er niemandem zeigt.
Mark Twain
Inhaltsverzeichnis
Im Krankenhaus
Im Südharz
Auf dem Brocken
Im Krankenhaus
Daniel lief so zügig über den Krankenhausflur, dass sein weißer Arztkittel flatterte. Vor Feierabend wollte er noch einige Patienten auf der Intensivstation besuchen. Wie üblich sorgte er sich um alle, denn ohne Grund befanden sie sich nicht dort.
Als verantwortungsvoller Arzt war er ständig in Sorge um seine Patienten. Hatte er die richtige Behandlung gewählt? Alle erforderlichen Untersuchungen veranlasst? Sollte die Therapie noch einmal überprüft werden?
Vor allem lag ihm ein Mann namens Günther Werkheim am Herzen, dem es besonders schlecht ging. Er war vor drei Wochen in die Notaufnahme gekommen, während Daniels Trauma-Dienst. Seine Hand bestand nur noch aus zerfetztem Fleisch, dem Aussehen nach die Bisse eines Raubtieres. Der Arzt erinnerte sich, wie er den blutigen Verband abgewickelt und darunter die infizierte Wunde der linken Hand zum Vorschein gebracht hatte, ein Finger fast abgetrennt. Als habe ein großes Tier mit spitzen Zähnen die Gliedmaße mit dem Maul gepackt und wild hin und her geschüttelt. Die Handwurzelknochen waren teilweise auseinandergerissen und einige Fingerglieder gebrochen. Der Patient erinnerte sich angeblich nicht an die Ursache der Verletzungen.
Zwar hatten Daniel und seine Kollegen versucht, die Überreste des Körperteils in einer mehrstündigen Operation zu retten, doch die Wunde hatte sich weiter infiziert. Der nächste Versuch war eine Amputation der Hand und schließlich des Unterarms gewesen, aber der Patient hatte eine Sepsis bekommen und war auf die Intensivstation verlegt worden.
Der Arzt betrat das Zimmer, in dem der Mann lag. Das Licht schien gedämpft von der Lichtleiste über dem Bett. Es handelte sich um ein Einzelzimmer. Neben dem Pflegebett befand sich ein Ständer mit einer Batterie aus Perfusoren und zwei Infusionspumpen. Ein Monitor informierte über alle Vitalwerte. Und diese verschlechterten sich. Herr Werkheim hatte hohes Fieber und sein Puls ging schnell.
Gegenüber dem Bett standen ein Schreibtisch und ein Rollwagen mit medizinischer Ausrüstung. Von dort nahm Daniel die Patientenkurve und blätterte darin, um etwas gegen das Fieber anzuordnen.
Ein Flüstern ließ ihn aufblicken. Der Patient, zwar wach, aber sein Gesicht blass und eingefallen, sah ihn mit seinen schwarzen Augen müde an. Die Haare hingen ihm wirr und verschwitzt vom Kopf und Schweißperlen liefen ihm die Stirn hinunter.
»Dr. Menk!«, flüsterte Werkheim matt.
»Ja?«
»Ich habe versagt!«
Daniel hob die Augenbrauen. »Versagt? Was meinen Sie?«
»Er hat mich angegriffen! Das hätte er nicht tun sollen!«
»Wer hat Sie angegriffen?«
»Der Wolf!«
»Ein Wolf?« Das erschien ihm ungewöhnlich. Er hatte auf einen Kampfhund getippt, so etwas erlebten sie oft. Die Tollwutimpfung wurde immer als eine der ersten Maßnahmen in der Notaufnahme verabreicht.
»Ja, ein Wolf. Sicher mein Fehler ...«
»Der muss tollwütig gewesen sein, die greifen normalerweise keine Menschen an. Aber Sie erhielten eine Impfung dagegen, als Sie kamen ...«
Werkheim schielte mit den Augen zu seinem linken Arm, oder zu dem, was davon übrig war. Die Ärzte hatten ihn bis zum Ellenbogen amputieren müssen. Der Stumpf steckte in einem dicken Verband, welcher bereits von Blut und Wundflüssigkeit durchweicht war.
»Na ja, das Maul eines Tieres ist voll von verschiedenen Keimen. Die können alle möglichen Wundinfektionen verursachen. Das kriegen wir hin.«
»Nein, tun Sie nicht!«, widersprach der Mann. Daniel zuckte zusammen, als hätte man ihn bei etwas Verbotenem ertappt.
»Hören Sie, Doktor! Keine Wiederbelebung!«, keuchte der Patient.
»Keine Reanimation? Sind Sie sicher? Denken Sie noch einmal darüber nach! Soweit wird es zwar nicht kommen, wenn die Medikamente greifen, doch sollte es notwendig sein, empfehle ich es schon. Es ist auch möglich, dass wir Sie bald intubieren müssen. Dann schließen wir Sie an ein Beatmungsgerät an. Ihre Laborwerte und die Blutgasanalyse gefallen mir nicht. Das wird selbstverständlich nur vorübergehend sein, ich rechne jeden Tag mit einer Besserung Ihres Zustands.«
»Keine Beatmung!«, keuchte Werkheim. »Nichts! Ich will nicht ...« Der Patient stockte und holte tief Luft. »Ich will nicht wie er werden!«
»Wie wer?«
»Stryker! Der Oberste!«
»Wer ist Stryker?«
»Keine Wiederbelebung! Bitte!«
Der Arzt nickte. »Das unterschreiben Sie mir bitte! Sind sie sich sicher ...?«
»Auf jeden Fall! Es muss enden!«
Daniel wollte fragen, was denn enden müsse, doch Werkheim sprach weiter. »In meiner Tasche ist eine Mappe! Mit einer Karte! Finden Sie sie! Es muss enden!«
»Eine Mappe mit einer Karte? Aber was soll ...?« Das Gespräch wurde zunehmend ungewöhnlicher.
»Spüren Sie sie auf! Versprechen Sie es mir!«
»Sie wollen, dass ich aus Ihrer Tasche eine Mappe mit einer Karte hole?«
»Und sie damit finden! Es beenden!«
»Mit der Karte?«
»Ja!« Der Puls des Patienten stieg bedenklich an. 140, wie Daniel auf dem Monitor sah.
»Was ist das für eine Karte? Was soll ich beenden?«
»Wanderkarte! Versprechen Sie es mir!«, krächzte Werkheim statt einer Antwort. Die Herzfrequenz kletterte auf 150.
»Ja! Ja, ich verspreche es! Ist ja gut!«
Der Patient begann zu zittern und sein Kopf fiel auf das Kissen. Der Überwachungsmonitor piepte, als der Puls auf 160 kletterte. Die Augen des Mannes blickten Daniel weit aufgerissen und schreckerfüllt an. »Finden Sie es! BEENDEN SIE ES! Es ist wichtig!«
Eine blau gekleidete Krankenschwester kam ins Zimmer gelaufen. »Was ist los?«
»Er regt sich zu sehr auf. 10 Milligramm Diazepam bitte!«
Sie ging zum Rollwagen und zog das Medikament in eine kleine Spritze auf.
»BEENDEN!«, rief Werkheim. »Silber hilft nicht! Alles Quatsch!«
Daniel stand vor dem Bett und sah zu, wie die Schwester das Diazepam durch einen Dreiwegehahn im Infusionssystem injizierte.
