Schnee und Blut - Emanuel Müller - E-Book

Schnee und Blut E-Book

Emanuel Müller

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Beschreibung

Die Bewohner einer kleinen 500-Seelen-Gemeinde im Gebirge sind durch einen Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten, als die ersten Morde auftreten. Gehen Jim und sein Schwager Hein zunächst davon aus, dass ein Massenmörder die Deckung des Wetters ausnutzt, müssen sie jedoch bald feststellen, dass sie einer größeren und mächtigeren Bedrohung gegenüberstehen, als zunächst angenommen. Können sie dem personifiziertem Bösen standhalten und sich zur Wehr setzen?

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Seitenzahl: 48

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Emanuel Müller

Schnee und Blut

Eine winterliche Gruselgeschichte

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Schnee und Blut

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Impressum neobooks

Schnee und Blut

Der erste Schnee fiel ruhig, aber in fetten Flocken. Es hätte sich jeder im Dorf gewundert, wenn er nicht lautlos gefallen wäre. Welches Geräusch Schneeflocken wohl machten, wenn sie auf die Erde sanken? Jim wusste es nicht. Nur, dass es sehr leise sein musste.

Schnee bereits Ende November. Naja, in den Bergen war das eben so. Dort wohnte Jim mit Andrea, seiner Frau, seit letztem Sommer. Was hatte sie nochmal in die Einöde dieser 500-Seelen-Gemeinde gezogen? Ach ja ... Die Ruhe, die Abgeschiedenheit und nicht zuletzt die Landschaft. Steile Berghänge, durch die sich schmale Straßen wanden, kaum breit genug, um einander auszuweichen, sollte es Gegenverkehr geben. Nicht, dass hier in der Gegend viel Verkehr gewesen wäre. Vereinzelt kamen zwar Autos, allerdings meist von Touristen. Die Umgebung war im Sommer zum Wandern wie geschaffen. Doch als die Blätter von den Bäumen fielen und es merklich kühler wurde, versiegten langsam die Touristenströme. Das war schade, denn Jim und Andrea besaßen zwei Ferienwohnungen im Untergeschoss ihres Hauses, die seit Mitte Oktober leer standen. Auch über das Internet ließen sich keine Besucher mehr anlocken. Ein Minuspunkt war natürlich, dass das Dorf am Ende einer schmalen Bergstraße lag. Durch Zufall verirrte sich wahrscheinlich niemand dorthin. Und wer kam schon mit Absicht hierher?

Auch der Winter würde bestimmt wenig Abhilfe bringen, denn die gesamten umliegenden Berge waren dicht bewaldet. Kein Skigebiet. Naja, da ließ sich nichts machen. Im Frühling tauchten sicher wieder Touristen auf.

Dann war da noch Jims Schwager, der seit Jahren hier lebte und von der Gegend schwärmte. Der hatte sie überhaupt auf die Idee gebracht, umzuziehen.

Als der erste Schnee fiel, war Jim bei jeder Fahrt die Bergstraße entlang, in den nächstgrößeren Ort, froh über seine guten Winterreifen und den Vierradantrieb seines Geländewagens. Tolle Reifen, da hatte der ADAC ihm was Brauchbares empfohlen ...

Die Tage zogen sich dahin und alle brachten etwas Schnee mit sich. Allerdings nichts, womit der Schneepflug nicht fertig wurde, der alle paar Stunden die Straße von der weißen Pracht befreite. Jim fragte sich, wie lange das so bleiben würde. Von älteren Bewohnern des Dorfes hatte er gehört, dass es keine Seltenheit war, dass der Ort bei starkem Schneefall oder Stürmen von der Außenwelt abgeschnitten wurde. Ob er genügend Vorräte habe? Ja, so klug war er bereits im Herbst gewesen, erzählte er dann immer.

Insgeheim glaubte er jedoch, dass sein erst ein Jahr alter Geländewagen mit Vierradantrieb sich durch jede noch so hohe Schneewehe kämpfen könnte, welche eventuell irgendwo die Bergstraße blockierte. Ein echter Jeep Grand Cherokee. Da war er besonders stolz drauf. Sollte der Winter doch kommen!

Jim sah von seiner Zeitung auf, weil draußen etwas knallte. Nicht sonderlich überrascht legte er seine Lektüre zur Seite und ging zum Fenster. Die Gehwege versanken im Schnee. An den Häusern stapelten sich die Schneewehen. Der eiskalte Wind pfiff anklagend durch die Straßen. Mehr konnte er nicht erkennen, denn die Straßenlaternen brannten nicht.

Andrea betrat das Wohnzimmer. »Und das ist erst der Anfang!«, sagte sie. »Der Schneesturm soll noch zwei bis drei Tage so gehen.« Ihre roten Haare schienen im Kerzenlicht zu schimmern und ihr Gesicht sah unter diesen Umständen merkwürdig fahl und düster aus. Ihre blauen Augen wirkten fast schwarz.

»Bis dahin ist das Dorf eingeschneit!« Jim sah wieder aus dem Fenster, insgeheim davon überzeugt, dass er mit seinem Jeep notfalls bis zum Mond käme.

Es war der Abend des 7. Dezember. Ein gewaltiger Schneesturm fegte über das Gebiet, welchen man erst am Vortag vorausgesagt hatte.

Der Strom war schon am späten Nachmittag ausgefallen. Wie gut, dass das Haus über eine Ölheizung verfügte.

Andreas Blick fiel auf die Zeitung, die Jim gelesen hatte. »Und das bei Kerzenlicht! Du wirst dir die Augen verderben!«

»Ich doch nicht!«, entgegnete Jim schelmisch grinsend. »Du weißt, ich esse meine Möhren immer auf!« Er rückte seine Brille zurecht. »Besser, ich gehe jetzt noch mit dem Hund hinaus, bevor wir hier völlig eingeschneit sind!«

Andrea seufzte angesichts der dichten Schneemassen. »Das ist ja ein schlimmes Wetter. Da jagt man ja keinen Hund vor die Tür!«

»Ich denke, es ist eher umgedreht!«, sagte Jim ernst. »Der Hund jagt mich vor die Tür.«

Er rief nach dem Tier, einem kleinen, schwarzen Pudel, der Mephisto hieß. Dieser kam gleich angelaufen. Jim zog sich Jacke und Stiefel an.

»Aber beeil dich!«, sagte Andrea. »Der Sturm ist ja fürchterlich!«

Gemächlich leinte er den Hund an und öffnete die Haustür. Sofort pfiff der Wind mit einem Haufen Schnee hinein. Er beeilte sich, hinauszukommen und konnte nur mit Mühe die Tür wieder schließen.

Zur Sicherheit hatte er eine Taschenlampe mitgenommen, in deren Schein er überlegte, wo er langgehen sollte. Am besten nur die kurze Runde, an der Kirche vorbei.

Jim war froh über seine neue Jack-Wolfskin-Jacke. Trotz seiner Größe brachte er nicht viel auf die Waage. Da brauchte er ein paar Extra-Schichten, um sich einigermaßen warmzuhalten.

Der Schnee fiel so dicht, dass sie von weitem kaum noch zu sehen waren. Ein seltsames Gespann, das sich jetzt in Bewegung setzte, ein großer Mann und ein kleiner Pudel.

Sonst lief Mephisto immer voraus, aber das schien ihm bei diesem Wind Schwierigkeiten zu bereiten.

Als sie um die Ecke zur Kirche einbogen, blieb der Hund auf einmal stehen.

»Nanu? Was hast du denn, Mephisto? Komm!« Jim zerrte an der Leine, doch das kleine Tier stand nur da und wollte scheinbar keinen Millimeter weiter.

Dass er es nicht schaffte, diesen nicht sehr großen Hund von der Stelle zu bewegen, hieß schon was.