Haushälterin ANAL - Viktoria Trenton - E-Book

Haushälterin ANAL E-Book

Viktoria Trenton

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Beschreibung

In dieser etwas bizarre Geschichte geht es vor allem um die Beziehung zwischen der neureichen Millionärsgattin Helene und der ungelernten, arbeitslosen jungen Frau Sylvia. Helene möchte Sylvia zu einer Haushälterin nach ihren eigenen, etwas speziellen, Vorstellungen formen. Neben den beiden gibt es natürlich auch Helenes Familie und das Arbeitsumfeld ihres Gatten, die alle in irgendeiner Weise in diese spezielle Beziehung einbezogen werden. Es ist eine erotische Erzählung, im Zentrum steht dabei jedoch die Entwicklung der einzelnen Figuren, mit ihren psychologischen Abgründen, ihren Traumata aus der Kindheit und ihren sorgfältig gehüteten Geheimnissen. Gewürzt ist die Geschichte mit einer Prise Humor.

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Seitenzahl: 295

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

Impressum

Die Familie

Die Erbschaft

Die neue Villa

Hilfe gesucht

Der Vertrag, erste Ver­sion

Bizarre Fantasie

Das Auto

Unartige Spiele

Der Vertrag, zweite Ver­sion

Die Unterschrift

Partygirl

Der neue Look

Das Telefonat

Ein ganz spezieller Club

Neue Gelüste

Noch eine Party

Kinderträume

Reingelegt

Wiederholen, wenn möglich

Diagnose: schwanger

Die eigenwillig Pläne der Frau Meier

Auf Arbeitssuche

Die neue Stelle

Epilog

Viktoria Trenton

HaushälterinANAL

Erziehungsspiele auf dem zweiten Bildungsweg

Impressum

Alle in diesem Buch geschilderten Handlungen und Per­sonen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit leben­den oder verstorbenen Personen wären zufällig und sind nicht beabsichtigt.

© 2025 Viktoria Trenton

[email protected]

Titelgestaltung © Copyright 2025by Mata Hari Verlag

Herausgegeben von: Mata Hari VerlagVerlagslabel: Mata Hari Verlag

ISBN Softcover: 978-3-384-65857-9ISBN E-Book: 978-3-384-65858-6

Druck und Distribution im Auftrag:tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Germany

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrecht­lich geschützt. Für die Inhalte ist allein der Mata Hari Verlag unter Leitung von C.W. Huthverantwortlich. Jede Verwertung ohne ausdrückliche Genehmi­gung des Mata Hari Verlags ist unzulässig.

Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Mata Hari Verlags, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland.

Viktoria Trenton

HaushälterinANAL

Erziehungsspiele auf dem zweiten Bildungsweg

Die Familie

Tobias hatte es geschafft. Er hatte mit Helene eine schöne Frau, drei gesunde Kinder, ein eigenes Haus und eine Firma. Nun, genau genommen gehörte ihm die Firma nicht: Eigentümer war eine Erbengemein­schaft und er war als Geschäftsführer eingesetzt. Vom Bilanzbuchhalter über den Finanzchef zum ei­gentlichen Leiter des Unternehmens hatte er sich hochgedient, wobei es sicherlich hilfreich war, dass sein Großonkel die Firma einst gegründet hatte. Je­denfalls war sein Job sicher, und sein Gehalt lies keine Wünsche offen. Und so würde es bleiben, so­lange es der Firma gut ging. Dafür hielt man sich fest an die Vorgaben des Großonkels, dessen Motto immer war: Qualität ist Trumpf! Damit hatte man sich über die Region hinaus einen Namen gemacht und war beständig expandiert, und zwar immer nur mit Eigenmitteln, man hat sich nie von Banken ab­hängig gemacht.

Dabei war es nicht so, dass Tobias sich nicht auch für Neuerungen interessierte, aber man blieb immer bodenständig und vertraute im Zweifel auf den eige­nen Menschenverstand. Tobias war auch klug ge­nug, seiner alten Sekretärin, die er vom Vorgänger übernommen hatte, und die das Geschäft wie keine andere kannte, zu vertrauen. Sie hat ihm manche Fehlentscheidung erspart. Beide waren inzwischen ein eingespieltes Team. Sie brauchten einander in der Firma und sie vertrauten einander. Aber dennoch blieben sie immer förmlich distanziert und Siezten sich auch noch nach fünf Jahren Zusammenarbeit. Aber solange der Erfolg ihnen recht gab, störte es Tobias auch nicht, dass man hinter seinem Rücken manchmal tuschelte, sie – also die Sekretärin – leite in Wahrheit die Firma. Sie war älter und ja, sie war wohl auch klüger. Auch Tobias war klug. So hatte er sie in ihrer Position belassen und sich keine neue, junger Sekretärin gesucht, wie manch anderer es wohl getan hätte.

Und Abwechslung, oder wie man das nennen mag, brauchte Tobias nicht. Denn seine Frau Helene war ihm eine gute Ehefrau. Für Helene war ebenfalls al­les bestens. Sie war Mutter dreier wohlgeratener Kinder, eine gute Hausfrau und stets darauf bedacht, ihren Mann zufrieden zu stellen. Sie war schon zu Schulzeiten in ihn verliebt gewesen. Wie es oft so ist, war es eher so, dass sie sich ihn ausgesucht hatte, als er sich sie. Sie hatte ihn aber stets im Glauben gelassen, es sei andersherum gewesen. Es passte ein­fach zu gut, denn sie mochte ihn wirklich und oben­drein kam er aus wohlhabenderen Kreisen als ihre eigene Familie. So lebten sie glücklich und zufrie­den und es fehlte an nichts.

So gut könnte es weitergehen, dachten sowohl Hele­ne als auch Tobias. Nur ein kleiner Dissens bestand und gab regelmäßig Anlass für kleinere Streitigkei­ten innerhalb der Familie: Beide Eltern hatten sehr unterschiedliche Auffassungen von der richtigen Er­ziehung der Kinder. Helene war sehr streng und for­derte Disziplin von ihren Kindern. Musikunterricht, Reiten, Fremdsprachen – das alles ermöglichte sie ihren Kindern, verlangte aber immer Höchstleistun­gen. Und wenn die mal ausblieb, setzte es auch gern mal Schläge. Tobias ging manches Mal dazwischen, wenn er das mitbekam, aber er war ja meistens in der Firma. Helene hielt Tobias für zu weich und nachgiebig, so wie er sie für viel zu streng hielt. Er meinte hingegen, die Kinder brauchen Freiheit; und dazu gehöre auch die Freiheit, Fehler zu machen.

Von dieser nicht ganz unwesentlichen Meinungsver­schiedenheit abgesehen, verstanden sie sich prächtig und hatten sich ihr Leben bestens eingerichtet. Auch ihr Liebesleben funktionierte auch nach 17 Jahren Ehe bestens. Helene wünschte sich zwar manchmal etwas mehr Aufmerksamkeit und auch häufigeren Sex, hatte aber Verständnis, wenn ihr Mann nach ei­nem 10-Stunden-Tag nicht immer wollte (und sie hatte für sich ein kleines Arrangement gefunden), während er sich manchmal wünschte, seine Frau wäre experimentierfreudiger. Beide waren dennoch ein eingespieltes Team und hatten ihre Rituale, die zwar etwas langweilig erscheinen mögen, aber letzt­lich beiden das Gefühl gaben, ein ausgefülltes Ge­schlechtsleben zu haben.

Ja, so schön könnte es weitergehen, dachten beide über ihr Leben im Wohlstand. Aber Veränderungen kommen doch immer wieder vor, manchmal in Form von Schicksalsschlägen, ja, und manchmal wird al­les sogar noch besser. Oder, wie man so sagt: der Teufel scheißt gern auf den größten Haufen. Und ge­nau so erging es auch Ihnen eines Tages.

Die Erbschaft

Der älteste Bruder von Tobias’ Vater, Onkel Adal­bert (eigentlich Adolf – er hat sich aber aus Gründen umbenannt, auf die ich hier wohl nicht näher einzu­gehen brauche), der in jungen Jahren nach Amerika ausgewandert war, ist „überraschend und unerwar­tet“ – wie es im Kondolenzschreiben tatsächlich hieß – im Alter von 82 Jahren verstorben. Nun war der Brief des Nachlassverwalters bei den Schroffen­steins eingetroffen, die bis dahin von dem Ableben ihres Verwandten noch keinerlei Nachricht hatten. Helene war aus allen Wolken gefallen und dachte erst an einen bösen Scherz, rief aber dann ihren Mann an, der eine Stunde später in der Doppelhaus­hälfte der Familie eintraf. Helene hatte den Brief be­reits geöffnet und gelesen, obwohl deutlich „persön­lich, vertraulich“ (private and confidential) auf dem Brief vermerkt war.

Adalbert, den Tobias nach seiner Kindheit überhaupt nur noch vier oder fünf Mal getroffen hatte, hatte ausgerechnet ihn zum alleinigen Erben eingesetzt. Adalbert, ein komischer Kauz und Sonderling der Familie, der nie geheiratet hatte oder sonst in einer Beziehung lebte (soweit man wusste), war Zeit sei­nes Lebens Junggeselle geblieben und kinderlos. Aber warum er keinen der zahlreichen anderen Cou­sins oder Cousinen der Familie bedacht hatte, blieb etwas rätselhaft. Im Testament, das als Kopie dem Brief beilag, stand als Begründung nur ganz lapidar: „Tobias war der netteste meiner Neffen. Er war der einzige Junge, der mir aufmerksam zuhörte, wenn ich Käptn Blaubärs Geschichten erzählte, und er war der einzige, der mir weder an meinem Bart gezupft hat, noch jemals danach gefragt hat, warum ich ei­nen Bart trage.“

„Ist das wahr? Hast Du nie danach gefragt?“ fragte Helene, und Tobias antwortete: „Ich weiß es nicht mehr. Aber ich erinnere mich noch sehr gut, wie mit seiner Pfeife im Mund und mit seiner Mütze auf dem Kopf uns Kindern vorgelesen hatte. Er war für mich Käptn Blaubär.“

Nun, Käptn Blaubär hatte im Weiteren verfügt, dass sein Immobilienbesitz veräußert, Hausrat, Aktien und jeglicher Besitz zu Geld gemacht werden sollte, um dann als einzelne Geldüberweisung an seinen Erben zu gehen. Er selbst hatte schon erfolgreich in diese Richtung gearbeitet, denn sein Barvermögen, verteilt auf drei Konten belief sich bereits auf über 14 Millionen Kanadischer Dollar. Der Nachlassver­walter gab an, dass grob geschätzt 27,5 Mio. CAD an Vermögen zusammen kommen dürften, das wä­ren über 20 Millionen Euro.

Er hatte einen längeren Brief dazu geschrieben, worin er anregte, nicht schlagartig den ganzen Besitz zu veräußern, wozu er sich ohnehin außer Stande sah, sondern – besonders für den Immobilienverkauf – wenigstens ein halbes, besser ein Jahr einzuplanen. Vorausgesetzt natürlich, Tobias Schroffenstein wür­de das Erbe annehmen. Daran aber konnte kein Zweifel bestehen. Wenn sich das Glück einem schon so aufdrängt…

Tobias und Helene beschlossen, niemanden von dem neuen Vermögen zu erzählen. Das würde nur böses Blut unter den Verwandten geben und Neider auf den Plan rufen. Auch gegenüber den Kindern, die im schwierigen Alter von 12 bis 17 waren, sollte die Geschichte zunächst geheim gehalten werden. Der Tod des Onkels wurde bekannt gegeben, auch das man überraschend „etwas“ geerbt habe, das schon, aber nicht, wie viel es wirklich war. Das gelang auch ganz gut, denn offenbar wusste niemand in der Fa­milie, wie viel Geld der alte Onkel tatsächlich beses­sen hatte.

Der letzte der Familie, der ihn besucht hatte, war ein Cousin von Tobias Vater, also ein Großcousin. Der hatte erstaunt berichtet, einen wohlhabenden Mann getroffen zu haben. Statt in einem kleinem Block­haus zu wohnen, wie Adalbert ihm geschrieben hat­te, wohnte er in einem sehr komfortablen Holzhaus – und das war nur sein Ferienhaus. Aber dieser Be­such lag schon 12 Jahre zurück.

Als der Brief des Nachlassverwalters Tobias erreich­te, war die Beerdigung bereits erfolgt. Es bestand damit kein besonderer Anlass, nach Kanada zu rei­sen, Telefonate und E-Mails reichten, zumal der Nachlassverwalter sehr zuvorkommend war. Er hatte geschrieben, dass er bereits von Adalbert dazu beru­fen worden war, da er auch früher schon geschäftli­che Angelegenheiten für den Onkel erledigt hatte.

Es verging also tatsächlich ein dreiviertel Jahr, bevor der Nachlassverwalter das letzte Waldgrundstück samt Ferienhaus aus dem Besitz von Adalbert für ei­nen guten Preis verkauft hatte und, nach Abzug sei­nes nicht unbescheidenen Honorars, die gesamte Summe von umgerechnet 21,3 Millionen Euro über­weisen wollte. Die ganze Zeit über hatten Helene und Tobias darüber gesprochen, was sie am besten mit dem Geld machen sollten. Tobias hatte immer abgewiegelt, so als glaube er noch nicht daran, plötzlich von einem Gutverdiener zum Multimillio­när geworden zu sein. „Ich glaub das erst, wenn die Kohle auf meinem Konto ist,“ sagte er dann zu sei­ner Frau. Manchmal hielt er sogar einen besonders raffinierten Betrug im Stile der Nigeria-Connection für möglich, aber er wurde tatsächlich nie zu irgend­einer Überweisung aufgefordert.

Da sich der Transfer solange hinzog, waren viele Pläne gemacht und wieder verworfen worden. Nur auf eines verständigte sich das Ehepaar: Sie brauch­ten ein Konto im Ausland, nicht nur aus steuerlichen Gründen (so gesetzestreu beide auch waren, aber sie wollten die Erbschaftssteuer dann doch irgendwie vermeiden; und da die Erbschaft auch im Ausland angefallen war, hielten sie das für völlig legitim). Aber eingerichtet hatten sie noch kein Auslandskon­to, und als die freudige Nachricht des Nachlassver­walters kam, war es noch immer nicht eingerichtet. Da der Kalender von Tobias voll war mit Geschäfts­terminen – so musste er unbedingt zur Messe „Am­biente“ nach Frankfurt reisen, um eine Neuheit aus seiner Firma zu präsentieren (und: Reichtum hin oder her, hier ging es um Ehre) – kamen beide nach kurzer Beratung überein, dass Helene allein nach Liechtenstein fahren würde, um dort für beide ein Konto einzurichten.

Nun, das war von Tobias ein großer Vertrauensbe­weis seiner Frau gegenüber, aber ich will hier auch nicht verschweigen, dass dieser Verabredung ein heftiger Ehekrach voranging. Getreu seinem Motto, der Klügere gibt nach, willigte Tobias ein, seine Frau – mit allen erdenklichen Vollmachten ausge­stattet – allein auf die Reise nach Vaduz zu schi­cken.

Da auch Liechtensteiner Banken inzwischen beque­mes Online-Banking ermöglichen, konnten beide be­reits eine Woche später am heimischen PC vereint bewundern, wie der Betrag ihrem neuen Konto gut­geschrieben wurde. Natürlich wurde mit Champag­ner angestoßen und Tobias meinte feierlich zu seiner Gattin: „Jetzt gilt’s. Nun müssen wir klug mit dem Geld umgehen. Auf jeden Fall werde ich weiter in der Firma arbeiten, aber jetzt kann ich das alles viel gelassener angehen. Wenn die Erbengemeinschaft mich abberuft – obwohl ich dazu kein Anzeichen sehe – dann kann ich mir auch selbst eine Firma kaufen oder aufbauen. Aber untätig Zuhause sitzen werde ich nicht.“

Helene hatte schon deutlich konkretere Pläne: „Ich finde, wir sollten uns ein größeres Haus gönnen. So ein freistehendes. Mich stört es schon, wenn die Nachbarn uns auf der Terrasse beobachten. Dann könnte ich mich auch mal oben ohne sonnen.“ Das Argument überraschte Tobias, der seine Frau als eher etwas gehemmt kannte. Als er vor Jahren einmal vorgeschlagen hatte, einen FKK-Strand zu besuchen – weit weg in Frankreich, wo sie niemand kannte – hatte sie empört abgelehnt.

Schnell fanden sich weitere Gründe für ein größeres Haus: Hier war kein Platz für eine Garage, so muss­ten beide Autos auf der Straße parken. Ihr Garten war zwar größer, als bei den meisten Häusern in der unmittelbaren Nachbarschaft, aber trotzdem nicht sehr groß. Außerdem fehlte ein Gästezimmer. Das war zum dritten Kinderzimmer gemacht worden.

Die neue Villa

Schnell konkretisierten sich die Pläne. Und bald hat­te Helene drei Orte weiter einen Makler aufgetan, der ihnen ein entsprechendes Objekt suchen sollte. Sie hatte bewusst keinen ortsansässigen gewählt. Trotz aller Diskretion würde sonst bald der halbe Ort darüber tratschen.

Was auch immer Tobias sich vorgestellt hatte, einige Tage später rief seine Frau ganz aufgeregt an und meinte, sie hätte das richtige Haus gefunden. Er soll­te sofort zu dieser Adresse kommen, die sie nannte, dort würde sie mit der Maklerin auf ihn warten. To­bias sagte kurzerhand ein Meeting in der Firma ab – die Firma war ja jetzt nicht mehr ganz so wichtig für ihn – und eilte zu dem Haus.

Als er es zum ersten Mal sah, sagte er zu sich selbst: es ist größer als ich dachte, älter als ich dachte und hässlicher als ich dachte. Aber Helene war begeistert. Und von man­chen Vorzügen konnte sie ihn auch überzeugen.

Das Haus verfügte über fünf Schlafzimmer, drei Bä­der, Salon, Esszimmer, Arbeitszimmer, Kaminzim­mer, eine große Küche, sowie zahlreiche Nebenräu­me. Darüber hinaus gab es eine kleine Einlieger-Wohnung, mit Miniküche, Bad und einem Wohn-und Schlafraum. Es gab eine große Dreifachgarage, in deren Dachgeschoss als Clou eine weitere kleine Wohnung eingerichtet war, die auf einer Seite über einen kleinen Gang, wie eine umschlossene Brücke, zum 1. Stock der Villa verbunden und auf der ande­ren Seite durch eine steile Wendeltreppe vom Garten aus erreichbar war. Diese Wohnung wurde als Gäs­teapartment bezeichnet.

Dieses alte Gesamtensemble, das durch zahlreiche Umbaumaßnahmen keinen einheitlichen Stil besaß, war jedoch, so versicherte die Maklerin wiederholt, von den Vorbesitzern auf dem neuesten Stand der Technik gehalten worden. Alles funktionierte tadel­los: die elektrischen Rollläden, Gegensprechanlage mit Überwachungskameras und Monitor, sowohl vorne am Tor, als auch an der Haupteingangstür. Die Tore ließen sich elektrisch öffnen. Die Heizung war erst vor drei Jahren komplett erneuert worden, dazu hatte die Maklerin extra die entsprechende Rech­nungskopie an ihr Exposee geheftet.

Trotzdem erschien Tobias die Villa etwas zu düster und altbacken. Helene hingegen pries alle Vorzüge, die sie grade erst von der Maklerin gehört hatte. To­bias meinte vorsichtig, ob es für ihre Zwecke nicht etwas zu groß sei. Drei Garagenplätze seinen nicht nötig und es würden auch zwei Zimmer weniger rei­chen. Für seine Frage an die Maklerin, was denn an Unterhaltskosten so zusammen komme, hatte seine Frau nur ein müdes Lächeln übrig: „Das ist doch völlig egal,“ meinte sie glatt. – Und hatte irgendwie recht damit.

Während Helene sich innerlich schon einrichtet, dachte Tobias daran, vielleicht die Kinder dazu ge­winnen zu können, dieses Haus nicht überstürzt zu kaufen. Gegenüber den Kindern hatten sie zwar davon gesprochen, ein neues Haus zu suchen, aber das es gleich drei Nummern größer würde… Tobias meinte daher, man sollte die Kinder mitentscheiden lassen. Helene nahm das begeistert auf. „Ja, viel­leicht verständigen sie die Kinder selbst, wer wel­ches Zimmer nimmt. Dann müssen wir uns um diese Frage nicht mehr kümmern.“

Die Maklerin meinte, sie stünde jederzeit für einen weiteren Termin zur Verfügung. Sie betonte zwar, man sollte nicht zu lange warten mit einer solchen Entscheidung, sonst wäre die Enttäuschung groß, wenn ein anderer Inter­essent einem das Objekt wegschnappt, in Wahrheit wusste sie aber, wie wenig Interessenten es in dieser Preisklasse grade für dieses Haus gab. Sie wusste auch, Frau Schroffenstein war schon innerlich ent­schieden. Nun galt es mit Geschick ihren Mann zu überzeugen. Und dazu war weibliche Intuition nötig.

„Sehen Sie,“ hob sie an, „die Villa wirkt ein wenig grau und dunkel, weil sie länger leer gestanden hat. Die Besitzer wollten sie ja zunächst nicht verkaufen. Aber wenn sie mit ihren fröhlichen Kindern erst ein­mal hier eingezogen sind, dann ändert sich das ganz schnell. Die Bewohner sind ja die Seele eines jeden Hauses.“

Beim gemeinsamen Rundgang durch die einzelnen Zimmer fiel vor allem auf, dass manche Zimmer komplett leer waren, teilweise schienen sie hell und frisch gestrichen, in anderen standen vereinzelte Mö­bel herum und das Kaminzimmer war sogar noch komplett möbliert. Das lag wohl auch an den Ein­bauschränken, die in zwei der Wände integriert wa­ren, eine davon mit Tapeten-Tür zu einer kleinen Bi­bliothek. Die schweren Eichensessel und der Eichent­isch waren passenden dazu angefertigt. Das war sehr rustikal. „Besonders gemütlich sehen die Sessel aber nicht aus.“ bemerkte Tobias, „eher etwas museal.“ Auch Helene guckte nun etwas skeptisch und nahm Probesitz.

Die Maklerin lies sich von solchen kleinlichen Ein­wänden nicht irritieren: „Ja, das erlebe ich immer wieder: Männern mangelt es da manchmal an Fanta­sie. Wenn das Haus Ihnen gehört, können sie das al­les rausschmeißen, inklusive Kamin. Heute sind Ka­chelöfen wieder modern. Ich könnte mir an der Stel­le daher gut so einen modernen Kachelofen vorstel­len, die gibt es auch mit Glasscheiben, so dass man auf den Blick auf das Feuer nicht verzichten muss. Und statt in Eiche könnte alles in Weiß sein, oder noch besser: in Beige, hochglanzpoliert. Einfach modern. - Nur so als Idee.“

Die Küche war groß und ziemlich perfekt eingerich­tet. Nur eine Sitzecke fehlte, dann wäre sie auch als Wohnküche nutzbar. Helene war begeistert und auch Tobias konnte hier nichts dran aussetzen. Er verwies auf die fortgeschrittene Uhrzeit und so beendeten sie den Rundgang mit einem kurzen Blick in den einge­wachsenen Garten und einer neuen Verabredung, an der die Kinder teilnehmen sollten.

Indes: der Schuss ging für Tobias nach hinten los. Als wenige Tage später die beiden Eheleute, die drei Kinder und die Maklerin den Rundgang erneuerten, wuchs die Begeisterung der Kinder scheinbar mit je­dem Zimmer, in das sie gingen. Besonders der 14jährige Tobias Junior fand grade die verschiede­nen Winkel spannend, er stellte ständig Vergleiche zu Harry Potter her und meinte, das wäre ein richti­ges Haus eines Zauberers – der er selbst am liebsten sein würde.

Auch die Mädchen waren angetan. Die jüngste ent­schied sich spontan für das kleinste Zimmer, das aber einen eigenen Balkon zum Garten nach Süden hatte. Die älteste entschied sich für das größte Zim­mer, das zwar durch Dachschrägen eingeschränkt war, aber trotzdem war in ihrer Vorstellung der edle Parkettboden bereits eine Tanzfläche für wilde Par­tys mit ihren Freundinnen. Oder sie würde in der Gästewohnung Party machen – und die Jungs könn­ten über die Wendeltreppe abhauen, wenn die Eltern zur Kontrolle kommen sollten. Ihr Zimmer würde am nah zum Garagenanbau liegen, bzw. dem Über­gang zur Gästewohnung.

Bei der ersten Besichtigung hatte man den Keller ganz vergessen, oder es hatte die Zeit nicht mehr ge­reicht; wie auch immer. Der hatte jedenfalls weitere Überraschungen parat. Die erste war, dass im Wein­keller – ein richtiges altes Gewölbe – noch reichlich Wein lagerte. Vielleicht ein Drittel der Weinregale war noch gefüllt. Dann gab es noch einen Wasch­raum inklusive einfacher Dusche, ohne Duschkabi­ne, einfach an der Fliesenwand mit Abfluss im Bo­den. Dann eine Art Lagerraum, wo wieder einige alte Möbel und Truhen standen. Daran schloss sich ein Partykeller an, ein Raum der weitgehend leer war, bis auf die Bar in der rechten Ecke, die mit Kühlschrank, Spüle und allem eingerichtet war. Nur die Barhocker fehlten. Links neben der Bar gab es eine schwere Holztür, hinter der sich ein Fensterlo­ser Raum befand, der etwas feucht-muffelig roch. Das Licht war sehr funzelig, so dauerte es eine Wei­le bis die Augen sich an die Dunkelheit gewöhnten. Auch hier stand eine Truhe. Und es waren merkwür­dige Eisenringe an den Wänden verankert.

An einem dieser Ringe war eine Kette befestigt, an deren anderen Ende ein seltsam anmutendes Stück Holz hing. Erst bei genauerem Hinsehen erkannten die drei Erwachsenen und der Harry Potter-Fan, dass es sich hierbei um einen Pranger handelte, mit einer größeren Öffnung für den Hals in der Mitte und zwei kleineren für die Unterarme links und rechts. Tobias Junior meinte begeistert: „Cool! Ein echter Folterkeller!“ Die beiden Mädchen hielten sich bei der Hand und die älteste Schwester fragte: „Echt jetzt?“ Tobias Junior stellte fest: „Klar das ist ein richtiger Pranger. – Nur frage ich mich, warum sind die Öffnungen eigentlich gepolstert? Das macht doch gar keinen Sinn bei einem Folterinstrument.“

„Wer weiß, wofür das einmal gut war,“ meinte die Maklerin. „Da haben die Vorbesitzer wohl seltsame Spiele veranstaltet.“ Ausgerechnet Helene lachte wegen dieser Bemerkung laut auf und rief amüsiert aus: „Also so was!“

Hinterher, als sie die Kellerräume wieder verließen, entschuldigte sich die Maklerin noch dafür, das sie dieses Detail übersehen hatte, sonst hätte sie die Kinder dort nicht hineingelassen. „Aber das kann man ja ausbauen lassen,“ meinte sie.

Ob vergessen oder nicht – die Maklerin verschwieg jedenfalls, dass die Villa zuletzt von einem exklusi­ven Swinger-Club angemietet worden war, bis die­ser vor drei Jahren Konkurs anmelden musste. Seit­her stand das Haus leer. Alle Versuche, das Objekt zu einem annehmbaren Preis zu vermieten, waren gescheitert. Daher entschlossen sich die Besitzer, es nun zu verkaufen.

Ja, einige Umbaumaßnahmen würde er vornehmen lassen, sollten sie sich zum Kauf entschließen, über­legte Tobias laut. Seine Frau, die Kinder und nicht zuletzt die Maklerin sahen darin bereits eine Vorent­scheidung im ihrem Sinne.

Auch der anschließende Besuch von drei weiteren Anwesen in den nächsten Tagen änderte letztlich nichts, an der Tatsache: Diese Gemäuer würde bald zum Familiensitz der Schroffensteins werden. Denn die anderen Objekte waren entweder zu weit ent­fernt, zu klein oder noch nicht sofort verfügbar. He­lene aber war entschlossen in ein großes Haus umzu­ziehen. Die neue Villa lag zwar in einem Nachbaro­rt, aber die Schulen der Kinder und die Ar­beit von Tobias waren dennoch von hier aus gut zu erreichen. Der Reiterhof, wo Helene und die älteste Tochter Mareike zwei bis dreimal die Woche reiten gingen, lag sogar noch etwas näher, als von ihrem alten Haus.

Es war ausgemachte Sache, dass nach dem Umzug das alte Haus, auf dem noch eine kleine Hypothek lastete, nicht verkauft werden sollte, sondern ver­mietet. Helene hatte vorgeschlagen, noch zwei oder drei Wohnungen zu kaufen, oder ein kleineres Mehr­familienhaus, was man ebenfalls vermieten könnte. Auf den Einwand von Tobias, damit würde man sich nur zusätzliche Arbeit einhandeln, erklärte Helene, sie würde das allein übernehmen. Schließlich wür­den die Kinder größer und bald bräuchten sie nicht mehr bemuttert werden, dann hätte sie auch eine Aufgabe. Außerdem hatte sie ebenfalls eine kauf­männische Ausbildung und in die Thematik mit den Nebenkosten und Mietrecht würde sie sich einarbei­ten.

Gleich nach ihrem Vorschlag, stimmte Tobias zu. Das gab es selten, meistens war er der große Beden­kenträger. Aber irgendwie wollten die 20 Millionen Euro auch angelegt sein. Eine so große Summe ein­fach auf der Bank zu lassen, wo die Zinsen immer niedriger wurden, schien keine sichere Alternative. Nach und nach setzten sie diese Pläne um und inves­tierten den Großteil ihres neuen Vermögens in Im­mobilien. Das Ehepaar kaufte auch verschiedene Wertpapiere und VW-Aktien und ließen einen klei­neren Teil als Barvermögen auf dem Liechtensteiner Konto. Später wurde auch noch etwas Gold im Schließfach deponiert. Die neue Villa und Residenz der Familie schlug inklusive Umbaumaßnahmen und neuer Möblierung mit fast 4 Millionen Euro zu bu­che. Ein guterhaltenes und gut vermietetes Sechspar­teienhaus mit etwa der gleichen Summe.

Ein halbes Jahr später fand endlich der Umzug statt. Der Möbelwagen war zwar halbleer geblieben, denn von ihren alten Möbeln nahmen sie nur wenige Stü­cke mit, aber in den folgenden Tagen kamen häufi­ger Lieferwagen praktisch aller umliegenden Möbel­häuser, denn das neue Haus wurde mehr oder weni­ger komplett mit neuen Möbeln ausgestattet.

Die vorangegangenen Umbaumaßnahmen waren umfangreicher und langwieriger, als die Familie es sich ausgemalt hatte. Man war aber auch übereinge­kommen, den Umbau komplett abzuschließen, bevor der Umzug erfolgen sollte, und das Ergebnis stellte alle zufrieden. Im Keller wurde die Bar entfernt und stattdessen ein Fitness-Keller einge­richtet. Im dunk­leren Nebenraum wurde auf Wunsch der Kinder noch ein Billard und Kicker-Tisch aufge­stellt, und eine Minitheke mit Kühlschrank einge­richtet. Der Pranger, der sich dort noch befun­den hatte, wurde ausgebaut. Als der Handwerker hörte, dass der ent­sorgt werden sollte, bot er freundlicherw­eise an, ihn im Internet zu versteigern. „Das Ding ist bestimmt viel wert. Da kriegen Sie noch et­was für,“ hatte er gemeint. So wurde das gute Stück fotografiert – das hat der Mann gleich erle­digt, und dann erst einmal in dem Geräteschuppen hinter der Garage eingelagert.

Der Erzähler muss die Leser an dieser Stelle etwas enttäuschen, jedenfalls diejenigen, die jetzt sofort auf geile Spielchen mit dem Teil hoffen. Das Ding wurde tatsächlich eingelagert und zunächst verges­sen, denn der freundliche Handwerker meldete sich nicht wieder. Vielleicht hatte er sich in Wahrheit nur einen Spaß gemacht, vielleicht aber meldete sich auch niemand auf die Anzeige, selbst ich als Erzäh­ler kann da nichts Näheres zu sagen. Die Schroffen­steins jedenfalls haben sich dann auch keine weite­ren Gedanken dazu gemacht. Als allwissender Er­zähler, könnteich den Grund natürlich wissen, aber vergessen wir das jetzt auch einfach einmal. Das Teil spielt später noch einmal eine entscheidende Rolle, warten wir das einfach ab…

Hilfe gesucht

Nach nur wenigen Tagen im neuen Haus, die Schroffensteins waren noch längst nicht komplett eingerichtet, kam Helene zu dem Schluss, dass sie es allein gar nicht putzen kann, weil es viel zu groß ist. Tobias schlug vor, eine Firma zu beauftragen, so wie man auch eine Gartenbaufirma mit der Pflege des Gartens beauftragt hatte.

Gesagt getan. Helene heuerte eine Firma an. Und war nach zwei Wochen unzufrieden und kündigte wieder. Dann kam eine andere Firma. Auch mit der war sie nicht zufrieden.

„Tobias,“ meinte sie eines abends, „wenn so eine Firma kommt, dann sind immer fremde Leute im Haus. Das mag ich nicht. Ich muss immer aufpassen, was diese Person macht.“ „Warum?“ entgegnete To­bias, „in meiner Firma kommt eine Putzfrau, die hat sogar einen Schlüssel, weil die abends spät oder morgens früh kommt, jedenfalls außerhalb der Büro­zeiten. Wir verlassen uns auf die Firma, die das Per­sonal schickt. Die suchen das Personal auch entspre­chend aus.“

„Aber im Büro ist es was anderes. Kommt da auch jedes Mal jemand neues?“ „Nein. Das wechselt nicht so oft. Meistens kommt eine mit Kopftuch, aber vor nicht allzu langer Zeit war auch eine jüngere Deut­sche da. Die habe ich dort nur zufällig getroffen, alsich noch länger im Büro war für den Jahresab­schluss. Ich hatte sie gefragt, seit wann sie bei uns putzt, sie hatte geantwortet, die ganze Woche schon und da habe ich ihr gesagt, dass ich mich beschwe­ren werde, weil die Herrentoilette nicht sauber war.“

„Du meinst die Türkin war zuverlässiger?“

„Ja. Ich hab’s dem Karim gesagt, dem Chef der Putzteufel. Du kennst ihn vielleicht. Der hat sich diese Dienstleistungsfirma aufgebaut, ist ein fleißi­ger Kerl, fährt seine Putztrupps noch selbst in den Einsatz, wenn es mal eng ist. Der meinte, die Deut­sche täte ihm leid, denn sie braucht den Job, weil sie nichts gelernt hat. Sie sei guten Willens, aber zu un­diszipliniert. Hat auch zu viel mit dem Handy ge­spielt, statt zu arbeiten. Bei der Herrentoilette hatte die mir doch tatsächlich geantwortet, sie habe nicht gewusst, dass sie die auch reinigen soll, sie hätte im­mer nur die Damentoilette gereinigt.“

Helene meinte, wenn sie sich es recht überlege, wäre ihr eine feste Hausangestellte lieber, eine die bei ih­nen wohnt und sozusagen zur Familie gehört und die auch immer verfügbar ist. „Die könnte dann auch beim Kochen helfen und die Kinder mal abholen. Was meinst Du?“

Das war für Tobias ein ganz neuer Gedanke. „Eine eigene Haushälterin? Das wird ja immer vornehmer bei uns.“ Aber trotz des leichten Spotts brachte er am nächsten Tag die Visitenkarte der Firma Karims, der Putzteufel, mit. „Wir rufen da jetzt beide an, letzten Endes musst Du ja entscheiden, was Du willst, aber ich kenne den Karim ganz gut.“

So riefen sie an, fragten, ob er auch Haushälterinnen vermittelt. Aber Karim verneinte: „So etwas habe ich nicht. Was meinen Sie denn genau, eine Pflege­kraft aus Osteuropa? Da kenn’ ich jemanden, der das vermittelt.“

„Nein, eine richtige Haushaltshilfe, zum Putzen, Ko­chen, Wäsche machen und so weiter. Die mir ein­fach zur Hand geht, aber auch eigenständig arbeitet.“ Mehr als die Empfehlung, es im Internet oder über das Arbeitsamt zu versuchen, hatte Karim aber nicht anzubieten.

Die nächsten Tage recherchierte Helene im Internet, führte ein paar Telefonate und erkundigte sich beim Arbeitsamt. Mit der Geschäftsführerin einer Ver­mittlungsagentur für exklusives Hauspersonal führte sie zwei längere Gespräche. Das war, was sie wollte: Eine Dienerin, die perfekt Tische eindecken kann und dekorieren, die Zimmermädchen, Köchin und anderes Personal anleiten kann und die eine Fach­ausbildung mit Auszeichnung bestanden hat.

Als sie Tobias davon erzählte, lachte er. „Was denn für Personal, was für eine Köchin? Vielleicht willst Du auch noch einen Chauffeur? Vielleicht müssen wir auch darüber reden, wie viel Geld Du für Dein Personal ausgeben willst?“

Helene war etwas irritiert. Es war beinahe so, als hätte Tobias sie ausgelacht. Aber im Grunde hatte er natürlich recht: sie waren trotz allem keine Rocke­fellers. Nach dem Gehalt einer Dienerin hatte sie überhaupt nicht gefragt. Die Antwort fand sie auf der Homepage: ein Monatslohn „ab 4.500 Euro“ stand da. Das war weit mehr, als sie selbst jemals verdient hatte. Es musste eine andere Lösung her, eine die billiger war.

Also versuchte sie es nochmals über das Arbeitsamt. Der Berater dort gab den Tipp, nicht nur nach einer Haushälterin zu suchen, sondern auch die Profile von Reinigungskräften und Ungelernten anzusehen, denn eine Haushälterin, die im Haus wohnen soll, sei eine eher seltene Anfrage, und es komme dabei wohl auch sehr auf persönliche Sympathie an.

Helene beherzigte den Rat. Sie hatte gleich eine Rei­he möglicher Bewerber ausgemacht und war ent­schlossen, nun diese Personen kennenzulernen, um zu sehen, ob sich nicht etwas daraus ergibt.

Ein Profil hatte sie zur Seite gelegt: Das war eine Deutsche, 23 Jahre, ungelernt, Schulabbrecher, zu­letzt 4 Monate bei einer Reinigungsfirma beschäf­tigt. Sie suchte „bundesweit“. Irgendwie hatte sie den Verdacht, dass das genau jene Frau sein könnte, die keine Herrentoilette putzen wollte.

Mit zwei anderen Frauen vereinbarte sie Vorstel­lungsgespräche. Mit der ersten verabredete sie sich in einem Hotel – irgendwie wollte sie nicht, dass diese Person schon gleich die Villa sieht. Das Ge­spräch verlief freundlich, aber schon nach kurzer Zeit war Helene klar: Diese Frau kam nicht in Frage. Sie war relativ hübsch, mit viel Busen (darin sah sie eine gewisse Bedrohung), vor allem aber schien sie sehr eigene Vorstellungen von den Aufgaben einer Haushaltshilfe zu haben. Die zweite Person, die sie schon am folgenden Tag traf, war nicht nur weniger anmutig, sondern auch etwas ungepflegt. Das ging nun gar nicht – obwohl sie scheinbar mehr vom Fach verstand.

Das fing ja schon enttäuschend an. Nun hatte sie noch zwei Bewerbungen, die schon von der Be­schreibung weniger geeignet erschienen. Und die, die sie zur Seite gelegt hatte. Das machte sie dann doch neugierig, ob ihr Verdacht richtig war, und so rief sie kurzentschlossen Karim an, um sich nach dem Namen dieser Frau zu erkundigen. „Sylvia Schmitt-Buchholz,“ antwortete dieser, „warum fra­gen Sie?“

„Ich suche noch nach einer Haushaltshilfe und ich glaube, dass ich auf ihr Profil gestoßen bin. Es wäre doch peinlich, wenn ich sie anrufe, wo mein Mann doch dafür gesorgt hat, dass sie nun arbeitslos ist.“

„Oh, ich verstehe. Diese Sylvia tut mir leid, wissen Sie. Die hat einfach keine richtige Erziehung gehabt. Die ist allein bei ihrer Mutter aufgewachsen. Sie hat bestimmt ein gutes Herz, aber sie braucht eine stren­ge Hand. Wenn man daneben steht, arbeitet sie gut, aber man kann doch nicht immer daneben stehen… Sie wissen, was ich meine.“

„Ja ich verstehe,“ antwortete Helene. Nachdem sie aufgelegt hatte, kamen ihr plötzlich ganz andere Ge­danken. Vielleicht war es das Wort „strenge Hand“, was bei ihr einen ganz neuen Gedanken auslöste. Könnte sie dieses Mädchen zu der Haushälterin er­ziehen, die sie sich vorstellt? Ihre eigenen Kinder hatte sie soweit gut erzogen, war sie überzeugt. Ihre Kinder hatten nicht nur gute Schulnoten und ein gu­tes Benehmen, sondern waren auch bei ihren Mit­schülern beliebt und hatte alle auch einen adäquaten Freundeskreis. Sie war davon überzeugt, dass sie auch eine fremde Person erziehen könnte, wenn die­se sich darauf einließe. Das wäre dann die perfekte Hausangestellte; geschult oder geformt nach ihren eigenen Vorstellungen.

Sie dachte darüber nach, aber nicht so gründlich, sondern eher intuitiv. Und als sie zu einem Ent­schluss gekommen war, nahm sie das Telefon und wählte die Handy-Nummer dieser Sylvia Schmitt-Bucholz. Die ging auch gleich dran.

„Sie haben eine Job für mich? Um was handelt es sich denn?… Aha. Aha. Und das ist eine Vollzeit­stelle… Was sagen Sie?… Ja. Da muss ich drüber nachdenken… Nein, kündigen müsste ich nicht, ich wohne bei meinem Freund… Ja gerne. Morgen Vor­mittag um 10 Uhr… Ja gerne. Bis dann.“

Reinhardt, der Freund von Sylvia, hatte das Ge­spräch mitgehört, ohne sein Playstation-Spiel zu un­terbrechen. „Was sind das denn für Typen, die Abends um Neun anrufen, wegen ‘nem Job?“

„Ja komisch, so spät. Die suchen eine Haushälterin. Ich werde mich auf jeden Fall vorstellen, denn ich brauch egal was.“

„Klar. Du musst Geld verdienen. Du kannst mir nicht länger auf meiner Tasche liegen – sonst muss ich Dich noch an meine Kumpels verleihen, hehe.“

Sylvia hatte es nicht leicht. Damals, vor etwas über einem Jahr, als sie den Reinhardt kennengelernt hat­te, war sie praktisch wohnungslos. Sie zog von einer Freundin zur anderen, auch einmal zu ihrer Tante aber alles waren nur Lösungen auf Zeit, aus der Not heraus geboren. Den Reinhardt mochte sie am An­fang und war sogar ein bisschen verliebt. Ihr Zunei­gung hat er aber nie wirklich erwidert. Für ihn war es einfach ein praktischer Deal. Sie durfte bei ihm einziehen, half seinen Chaos-Haushalt etwas in Ord­nung zu halten und machte dafür die Beine breit. Erst gefiel ihr das noch, aber dann merkte sie, dass er sie nur ausnutzt.

Eines Tages dachte sie: wenn es sich jetzt schon an­fühlt, wie nach 20 Jahren langweiliger Ehe, dann kann daraus keine gute Beziehung mehr werden. Als dann im gleichen Maße, in dem Reinhardts sexuelles Interesse an ihr abnahm, seine Forderungen an sie, sich finanziell an dieser Wohngemeinschaft zu betei­ligen, zunahm, war irgendwann der Punkt für sie er­reicht, an dem sie unbedingt ausziehen und eine ei­gene Bleibe suchen wollte.

Aber so sehr sich Sylvia mühte, von ihrem beschei­denen Einkommen in wechselnden Jobs, konnte sie kein Maklergebühren, Kaution und erste Monats­miete aufbringen, ganz zu schweigen von der An­schaffung eigener Möbel, die sie dann benötigen würde. So harrte sie bei Reinhardt weiter aus.

Dieser ahnte nicht, dass genau dieser neue Job Syl­via dazu in die Lage versetzte, ihn nun endlich zu verlassen. Aber Frau Schroffenstein hatte genau das in Aussicht gestellt: Wenn Sie sich gut verstehen, sollte sie in-house arbeiten, also direkt bei der Fami­lie wohnen, wo sie arbeiten würde.

Schon eine Woche später ging es los. In der ersten Testphase kam sie täglich für acht Stunden und fuhr dann wieder heim in Reinhardts verlotterte Bude. Helene Schroffenstein forderte sie sehr und gab ihr klare Anweisungen und Vorgaben. Sie war sich da­bei auch nicht zu Schade, ihrer neuen Haushaltshilfe praktischen Anschauungsunterricht zu geben, wie sie richtig zu putzen hat. Denn Helene war ent­schlossen, diese Sylvia zu genau der Haushälterin zu erziehen, die sie sich wünschte.

Sylvia zeigte sich lernbereit, denn diesmal war fest entschlossen, ihren Job gut zu machen. Eine weiter Pleite konnte sie sich nicht leisten. Und außerdem: Es war hundert mal besser, nur als Putzfrau in einer Villa zu leben, als in einer Art Notgemeinschaft in einer kleinen Dreizimmerwohnung mit einem Kerl, der sie zwar nicht schlecht behandelte aber auch kaum beachtete, weil ihm seine Computerspiele und seine Kumpel offenbar wichtiger waren.