Heartbreak is the National Anthem - Rob Sheffield - E-Book

Heartbreak is the National Anthem E-Book

Rob Sheffield

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Beschreibung

Die ultimative Taylor-Swift-Biografie von Musikjournalist und Swiftie Rob Sheffield

Niemand kennt Taylor Swift und ihre musikalischen Epochen – die Eras – so gut wie Rob Sheffield. In seiner mitreißenden Biografie „Heartbreak is the National Anthem“ beleuchtet der preisgekrönte Rolling Stone-Journalist die außergewöhnliche Karriere der Pop-Ikone. Dieses Buch ist ein absolutes Muss für alle Swifties und Musikliebhaber.

Taylor Swift ist mehr als nur eine Sängerin – sie ist ein globales Phänomen. Ihre Songs bewegen Millionen, ihre Texte erzählen Geschichten, die Generationen verbinden. Vom Country-Teenager zur internationalen Pop-Sensation: Taylor Swift hat die Musikindustrie revolutioniert – als Songwriterin, Performerin und kulturelle Stimme unserer Zeit.

Rob Sheffield begleitet Taylor Swift seit ihren Anfängen. Mit einzigartigem Insiderwissen und großer Leidenschaft analysiert er ihre Alben, Songtexte, Live-Auftritte und die besondere Verbindung zu ihren Fans. „Heartbreak is the National Anthem“ ist das erste Buch, das den gesamten kulturellen und musikalischen Einfluss von Taylor Swift umfassend darstellt – von Fearless bis zur Eras Tour.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 276

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Rob Sheffield arbeitet seit über zwanzig Jahren als Musikjournalist. Für den Rolling Stone schreibt er Kolumnen über Musik, Fernsehen und Popkultur. Regelmäßig tritt er bei VH1 auf. Mit seinem ersten Buch Love Is a Mix Tape gelang ihm ein internationaler Bestseller, 2012 erschien Mit Mädchen über Duran Duran reden bei Heyne. Es folgten die Biografien On Bowie (2016), Dreaming the Beatles (2017) und The Wild Heart of Stevie Nicks (2019), welches als Audible Buch erschien. Mit seiner Frau lebt Sheffield in Brooklyn.

www.penguin-verlag.de

Rob Sheffield

HEARTBREAK IS THE NATIONAL ANTHEM

WIE TAYLOR SWIFT DIE POPMUSIK NEU ERFAND

Aus dem Amerikanischen von Felix Grünspan und Ska Radczinski

Die Originalausgabe erschien 2024 unter dem Titel Heartbreak is the National Anthem bei Dey Street Books.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Der Verlag behält sich die Verwertung des urheberrechtlich geschützten Inhalts dieses Werkes für Zwecke des Text- und Data-Minings nach § 44b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist hiermit ausgeschlossen.

Copyright © 2024 by Rob Sheffield

This edition published by arrangement with DeFiore and Company Literary Management, Inc.,

with Andrew Nurnberg Associates Limited, London

Copyright © 2025 der deutschsprachigen Ausgabe by Penguin Verlag

in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,

Neumarkter Straße 28, 81673 München

[email protected]

(Vorstehende Angaben sind zugleich Pflichtinformationen nach GPSR.)

Umschlaggestaltung: FAVORITBUERO, München, nach einem Entwurf von Mark Robinson

Coverfoto: © Christopher Polk/Getty Images

Satz: satz-bau Leingärtner, Nabburg

ISBN 978-3-641-33621-9V001

www.penguin-verlag.de

The time of my life: für Sarah (»Long Live«), Sydney (»Tim McGraw«), Allison (»Right Where You Left Me«), Charlie (»Enchanted«), Matthew (»Champagne Problems«), Jackie (»White Horse«), David (»Clean«), Maggie (»Nothing New«)

»Is it romantic how all my elegies eulogize me?«

Taylor Swift, »The Lakes«

Inhalt

Once Upon a Time, a Few Mistakes Ago: Eine sehr verkürzte Timeline

Prelude: Our Song Is a Slamming Screen Door

Kapitel 1: Planet Taylor – Nice to Meet You, Where You Been

Kapitel 2: I Love You, It’s Ruining My Life

Kapitel 3: Das Porträt der Künstlerin als laute und sich-nicht-sonderlich-schnell-beruhigende junge Frau

Kapitel 4: Die frühen Jahre: Please Picture Me in the Trees

Kapitel 5: Track Five – Die Ballade von »All Too Well«

Kapitel 6: The Fangirl

Kapitel 7: Fearless

Kapitel 8: Everybody Loves Petty, Everybody Loves Cool

Kapitel 9: Die Songs auf ihrem Arm

Kapitel 10: »Enchanted«

Kapitel 11: Every Guitar-String Scar on Her Hand

Kapitel 12: »The Archer«

Kapitel 13: The Bridge: Dreizehn Songs aus Taylors Träumen

Kapitel 14: Red

Kapitel 15: There Once Was a Girl Known by Everyone and No One: Taylors Codes

Kapitel 16: 1989

Kapitel 17: Das Wort »nice«

Kapitel 18: »New Romantics«

Kapitel 19: The Villain Era

Kapitel 20: Reputation

Kapitel 21: Taylor’s Version (Taylor’s Version)

Kapitel 22: »Cruel Summer«

Kapitel 23: Die Lead-Single

Kapitel 24: I’m Not Asleep, My Mind Is Alive – Lover

Kapitel 25: Folklore

Kapitel 26: »Mirrorball«

Kapitel 27: »Marjorie«

Kapitel 28: »Right Where You Left Me«

Kapitel 29: Midnights

Finale: Forevermore

Dank

Once Upon a Time, a Few Mistakes Ago: Eine sehr verkürzte Timeline

1989

Taylor Alison Swift kommt am 13. Dezember in Pennsylvania auf die Welt. Sie wächst auf einer Farm für Weihnachtsbäume auf. Von Anfang an unverwechselbar absurd.

1992

Ihre Mutter Andrea und ihr Vater Scott begrüßen Taylors Bruder Austin auf der Welt.

2004

Die Familie Swift zieht vor die Tore der Stadt Nashville, damit sich Taylor weiter der Country Music widmen kann. Mit vierzehn unterzeichnet sie ihren ersten Profi-Songwriter-Vertrag bei Sony/ATV.

2005

Taylor tritt in Nashvilles The Bluebird Cafe auf und singt eigene Stücke, das erste, das sie spielt, ist »Writing Songs About You«. Sie unterschreibt ihren ersten Albumvertrag mit dem neuen Label Big Machine.

2006

Während ihres ersten Jahres an der Highschool nimmt sie mit Producer Nathan Chapman ihr Debütalbum auf. Alle elf Titel schreibt sie selbst oder als Co-Autorin. Die erste Single »Tim McGraw«, ein Song, auf den sie im Matheunterricht gekommen ist, erreicht Platz 6 der Billboard Country Charts und Platz 40 der Pop Charts.

2006 – 2007

On tour als Opening Act für George Strait, Brad Paisley, Rascal Flatts, Faith Hill und Tim McGraw. (Ja, sie spielt »Tim McGraw«.) Sie singt George Michaels »Last Christmas« bei ihrer weihnachtlichen Holiday Collection. »Our Song« and »Teardrops on My Guitar« wurden Crossover-Pophits.

2008

Im März erscheint ihre »Beautiful Eyes«-EP. Im Oktober bringt sie ihr zweites Album heraus, Fearless. Zu den Hits gehören »Fifteen«, »You Belong With Me« und »Love Story«.

2009

Ihre erste eigene Tour, für Fearless. Sie spielt sich selbst in Hannah Montana: Der Film mit Miley Cyrus. Bei den MTV Video Music Awards wird sie im September vom berühmten Rapper Kanye West unterbrochen, der ihr das Mikrofon aus der Hand nimmt. Beyoncé gewinnt den Preis für das Video of the Year and holt Taylor auf die Bühne. Im November tritt Taylor bei Saturday Night Live mit ihrem »Monologue Song« auf. Die Medien spekulieren über ihre Liebesbeziehungen.

2010

Fearless gewinnt den Grammy in der Kategorie Album of the Year. Sie hat einen Auftritt in Valentine’s Day, ihre erste Rolle als Filmschauspielerin. Sie bringt Speak Now heraus, zum ersten (und letzten) Mal schreibt sie alle Songs allein. Zu den Hits gehören »Mine«, »Mean« und »Back to December«. Alle sind sich einig, diesen Erfolg wird sie niemals toppen können. Die Medien spekulieren über ihre Liebesbeziehungen.

2011

Die Speak Now Tour. Überraschungsgäste für Duette sind: Nicki Minaj, Usher, Hayley Williams von Paramore, T.I., Kenney Chesney, Tim McGraw. Die letzte Show der Tour spielt sie mit James Taylor und verrät dem Publikum, was ihre Mom gesagt hat: »Du bist nach ihm benannt!« Sie adoptiert ihre erste Katze, Meredith.

2012

Taylor veröffentlicht Red. Zu den Hits zählen »We Are Never Ever Getting Back Together«, »I Knew You Were Trouble« und »22«. Alle sind sich einig, diesen Erfolg wird sie niemals toppen können. Die Medien spekulieren über ihre Liebesbeziehungen.

2013

Die Red Tour. Taylor spielt bei den Grammy Awards »All Too Well«. Ein männlicher Country-Music-DJ begrapscht sie backstage in Denver, während Fotos geschossen werden, und verklagt sie später, weil sie über diesen Vorfall gesprochen hat. Sie kauft ein Haus in Rhode Island, das zuvor der berühmt-berüchtigten Rebekah Harkness gehört hat.

2014

Auf 1989, einer dramatischen musikalischen Veränderung, setzt sie auf zippy Synch-Pop mit Producern wie Max Martin und dem Senkrechtstarter Jack Antonoff. Zu den Hits gehören »Shake It Off«, »Blank Space« und »Style«. Eine weitere Katze: Olivia.

2015

Die 1989 Tour. Taylor streitet wegen der Songwriter-Tantiemen mit Spotify und Apple Music. Sie zeigt sich in den Klatschspalten mit ihrer »Girl Squad«, unter anderem den Freundinnen Karlie Kloss, Lena Dunham, den Haim-Schwestern und weiteren Schauspielerinnen und Models. Taylor und ihre damalige BFF Kloss erscheinen gemeinsam auf dem Cover der US-Vogue (»Inseparable, Unstoppable, Adorable« – unzertrennlich, unaufhaltsam, hinreißend). Taylor überreicht bei den MTVVMAs den Lifetime Achievement Award »meinem Freund Kanye West«.

2016

1989 gewinnt den Grammy Album of the Year. Taylor gilt als uncool, nachdem West einen Song veröffentlicht, in dem er sie angreift. Ein bekannter weiblicher Reality-TV-Star bezeichnet sie auf Social Media als Schlange. Alle sind sich einig, Taylors guter Ruf ist für immer dahin.

2017

Reputation (engl. Ruf, Ansehen) kommt im November heraus. Die Single »Look What You Made Me Do« lässt vermuten, dass das Album mit Promis abrechnet, aber dann wird klar, fast alle Tracks sind Love Songs. Zu den Hits gehören »Call It What You Want«, »… Ready for It?« und »Delicate«. Taylor beginnt eine sechs Jahre dauernde Beziehung mit dem britischen Schauspieler Joe Alwyn.

2018

Bei der Reputation Tour sind auf der Bühne Riesenschlangen zu sehen. Taylors Vertrag mit Big Machine endet und sie unterschreibt bei Universal Music.

2019

Lover erscheint im Juli mit Hits wie »Lover«, »You Need to Calm Down« und »The Man«. Taylor kündigt die Lover Fest Tour an. Ihr ehemaliger Boss bei Big Machine verkauft ihren Albenkatalog an Scooter Braun, den Manager von Kanye West, mit dem Taylor verfeindet ist. Sie reagiert, indem sie ankündigt, ihre gesamten bisherigen Alben neu aufnehmen zu wollen. Alle glauben, das ist ein Bluff. Sie tritt in dem Big-Budget-Hollywood-Misserfolg Cats auf. Eine weitere Katze, Benjamin.

2020

Die Dokumentation Miss Americana erscheint im Januar. Taylor kündigt mit nur einem Tag Vorlauf und mitten in der Covid-19-Pandemie ein neues Album an. Folklore ist ihre bis dahin musikalisch größte Überraschung, voll reiner Akustikgeschichten. Im Dezember verfährt sie zeitlich mit Evermore genauso wie mit Folklore und sagt: »Wir konnten einfach nicht aufhören, Songs zu schreiben.« Im November stellt sie erstmals Folklore: The Long Pond Studio Sessions vor, aufgenommen mit Jack Antonoff und Aaron Dessner von The National in einer Ferienhütte in Upstate New York.

2021

Folklore gewinnt den Grammy Album of the Year. Taylors erstes neu wiederaufgenommenes Album, Fearless (Taylor’s Version), erscheint im Mai, gefolgt von Red (Taylor’s Version) im Oktober, beides Verkaufshits. Der Song »All Too Well« von Red (Taylor’s Version) in einer Zehn-Minuten-Version wird zum längsten Nummer-1-Hit in der Musikgeschichte.

2022

Taylor erhält die Ehrendoktorwürde der NYU und in ihrer Rede vor den Universitätsabsolventinnen sagt sie: »Lernt, mit Peinlichkeit umzugehen.« Dr. Swift hält eine Ansprache beim Tribeca Film Festival und zeigt ihren »All Too Well«-Kurzfilm. Nachdem im Oktober Midnights erscheint, landen alle zehn Songs in den Billboard-Top-10. »Anti-Hero« wird mit acht Wochen an der Spitze der Charts zu ihrem dauerhaftesten Nummer-1-Hit.

2023

Beginn der Eras Tour. Im April gibt sie die Trennung von Alwyn bekannt. Gossip über ihr Leben als Single erreicht das Niveau von DEFCON »Blank Space«. Zwei weitere Taylor’s-Version-Alben erscheinen: Speak Now und 1989. »Cruel Summer«, eine Auskopplung aus Lover, schießt vier Jahre nach dem Ersterscheinen auf Nummer 1 der Charts.

2024

Taylor erobert die NFL, sie datet den Kansas-City-Chief-Star Travis Kelce. Gemeinsam mit Lana Del Rey ist sie beim Super Bowl zu Gast. Rechtsaußen-Verschwörungstheoretiker bezichtigen sie eines Psy-Ops-Plots, die NFL-Spiele zu manipulieren, um so die Neue Weltordnung an sich zu reißen. Taylor ist die erste Künstlerin in der Geschichte der Grammys, die zum vierten Mal hintereinander die Auszeichnung Album of the Year gewinnt und damit den bisherigen Rekord von Frank Sinatra, Paul Simon und Stevie Wonder bricht. Im April bringt sie einen neuen Album-Hit heraus: The Tortured Poets Department.

Prelude Our Song Is a Slamming Screen Door

Der erste Taylor-Song, der mir den Tag ruiniert hat, war »Our Song«. Und das kam so: Es war der erste Song, den ich von ihr gehört habe, der mich gleich zum Fan gemacht hat, der mich mitten in der Mittagspause mal eben umgehauen hat. Im Sommer 2007 hatte ich so eine Art Ritual, mir mittags ein Grilled Cheese Sandwich zu machen und dabei auf dem Sender CW Wiederholungen der Sitcoms Clueless – Was sonst! und Hallo Holly / What I Like About You zu schauen. Zwischen den Episoden wurden Pophits gespielt und bei diesem einen musste ich aus der Küche stürzen. »Our song is a slamming screen door« – was für ein Refrain! Alles daran gefiel mir: das Banjo, die Fiddel, das Näseln, wenn sie singt: »It’s late and your mama don’t know!« Aber vor allem das Ende, als das Girl ihre Gitarre nimmt und ihren Lieblingssong schreibt, also den, den sie gerade gesungen hat – die Musik, auf die sie ihr ganzes Leben lang gewartet hat.

Daraufhin habe ich den Song gegoogelt, um herauszufinden, von wem er ist – ich mochte die Stimme, war aber noch neugieriger, wer das Stück geschrieben hat. Es stellte sich heraus, die Sängerin war auch alleinige Songwriterin – zu der Zeit eine Seltenheit in der Countrymusik. Es stellte sich heraus, die Songwriterin war auch die Sängerin. Und – wie bizarr – sie hatte gerade erst in der Musikbranche angefangen? Und war erst sechzehn? Krass! Ich hoffte, dass sie vielleicht noch ein, zwei weitere so großartige Songs draufhatte.

November 2011: Taylor Swift live im Madison Square Garden in New York City. Eines der letzten Nordamerika-Konzerte der Speak Now Tour. Mein erstes Mal, sie live zu sehen. Seit dem Tag, als ich zum ersten Mal »Our Song« hörte, hat sie zwei oder drei Dutzend meiner Lieblingssongs geschrieben. Auf der Bühne stellt sie sich so vor: »Hoffentlich ist es für euch cool, wenn ich hier stehe und euch ein paar meiner Geschichten erzähle.«

Inzwischen ist Taylor berühmt, nicht bloß country-berühmt. Sie ist Sängerin, Songwriterin, Guitar Hero, Erzählerin von Geschichten, Herrin ihrer Gefühle und Schauspielerin in dem Film-Flop Valentine’s Day. Im Rolling Stone habe ich viele Seiten von ihr geschwärmt. Mit meinen ein Meter neunzig war mir schon vorher klar, dass ich bei dem Konzert nicht stehen würde, damit ich den Reihen hinter mir nicht die Sicht versperrte, aber kaum erreiche ich meinen Platz, stelle ich fest, dass ich nicht mal aufrecht sitzen kann, denn viele der Fans um mich herum sind vielleicht gerade mal einen Meter groß. Ich ahnte damals nicht, dass so viele Kinder zu Taylors Publikum gehören. Also faltete ich mich im Sitz zusammen und staunte. Die Fans wissen, dass sie die Stars der Show sind, mit ihren selbst gemachten Kostümen, ihrer reflektierenden Lite-Brite-Aufmachung und mehr Leuchtstäben als auf einem Rave. Sie haben bunte Glühbirnen auf dem Kopf, überall Katzenmotive oder die Zahl 13 und halten Schilder hoch, auf denen so etwas wie »Speak Meow« steht. Für die meisten ist Taylor das erste Mädchen, das sie haben Gitarre spielen sehen. Sie sind da, um zu erleben, wie Taylor von ihrem Leben singt, und zu hören, wie ihr eigenes Leben besungen wird.

Sie beherrscht bereits jeden Rockstar-Move außer dem, hin und wieder auch mal ein oder zwei Stufen runterzupegeln. Der Opener »American Girl« von Tom Petty – ihr Walk-on-Stück – löst ohrenbetäubende Fan-Hysterie aus, wie ich sie noch nie erlebt habe. Die Menge erreicht aus dem Stand eine unglaubliche Sättigung an Mädchengeschrei, die auch in den nächsten zwei Stunden auf höchster Jettriebwerk-Lautstärke bleibt. Das Publikum ist mit jedem einzelnen Zupfen ihrer Gitarrenfinger und jedem einzelnen Ton in ihrer Stimme verbunden. Sie erklärt den Mädchen: »Manchmal braucht man einen Song, der einem sagt, wie man sich fühlt.«

Und sie erklärt ihnen – immer und immer wieder –, dass sie sie sieht. »Ich blicke in dieses Publikum und sehe eine Menge Kreativität«, sagt sie. »Ich weiß noch, wie ich, als ich klein war, nachts im Bett davon träumte, wie es wäre, Sängerin zu werden und das zu tun, was ich liebe. Es sah cool aus. Aber nicht annähernd so cool wie das, was ich jetzt vor mir sehe. Was ich damit versuche zu sagen, ist, dass ihr schöner ausseht als in jeder Fantasie!«

Niemand im Saal hält sich zurück, am wenigsten Taylor. Wer sonst hat solche Songs? Der emotional gefräßige Rocktsunami von »Long Live«? Die Vom-Flüstern-zur-Schrei-Romantik von »Enchanted«? Den hitzköpfigen Poppunk von »The Story of Us«? Die heißblütige Wildheit von »Love Story«? Der Gehirnwindung-explosive Doo-Wop-Schmerz von »Last Kiss«? Die trotzige Außenseitersolidarität von »Ours«? Niemand sonst hat so was. Der Archetyp einer Taylor-Swift-Heldin ist das schüchterne Mädchen, das versucht, zu einer Attitude zu finden, das Mädchen, das tougher redet, als es tatsächlich ist, und sich in fake it until you make it probiert. Darum kann ich etwas damit anfangen. Ich habe so viel Zeit meines Erwachsenenlebens damit verbracht, ein tapferes Gesicht aufzusetzen und so zu tun, als hätte ich alles im Griff, obwohl ich innerlich ein Wackelpudding war. Bis heute habe ich Taylors Musik meistens für mich und mit Kopfhörern gehört. Aber jetzt höre ich sie laut, wie sie unbeholfene Gefühle nimmt und sie zu Konzertarenagröße steigert.

Der einzige Moment, der mich frösteln lässt, ist, als sie einen Justin-Timberlake-Song spielt – mein Stichwort, um mich auf die Suche nach einer, offenbar raren, Herrentoilette zu machen. Die einzige, die ich entdecke, ist so blitzsauber, dass man aus dem Handwaschbecken frühstücken könnte.

Jeden Abend dieser Tournee singt sie ein Lied, um den jeweiligen Auftrittsort zu ehren. In Louisiana hat sie Britney Spears’ »Lucky« gesungen; in Washington, D. C., war es »Ghetto Supastar« zu Ehren von Mya. Häufig bringt sie eine Heldin, einen Helden aus der betreffenden Stadt mit auf die Bühne. In Atlanta trat sie im Duett mit T.I. auf, der »Live Your Life« rappte, während sie den Rihanna-Part sang. Wen wird NYC bekommen? Keiner hat vorher richtig getippt: Johnny Rzeznik von der in den 1990ern erfolgreichen Rockband Goo Goo Dolls aus Buffalo. Sie singen »Iris« und Taylor bezeichnet ihn als »einen der besten Songs, die je geschrieben wurden«. Johnny scheint nicht sonderlich begeistert, hier zu sein, als wäre er sich nicht hundertprozentig sicher, ob dieser Auftritt richtig für ihn ist. Offen gesagt: Er wirkt irgendwie verlegen. Taylor hat viel mehr Spaß daran, »Iris« für diese Fans zu spielen, als er selbst oder sie verkauft es im Gegensatz zu ihm mit einem unglaublichen Enthusiasmus. Ich kann Johnny seine gemischten Gefühle nicht verübeln, aber dieser generationenübergreifende Moment hat etwas unangenehm Süßliches an sich, als man sieht, wie er den Taylor-Fans entgegensingt: »I just want you to know who I am.«

Ich verlasse das Konzert sozusagen in einen Freudeschleier gehüllt. Ich bin schon eine ganze Weile Musikjournalist, war bei einer Million Livekonzerten, habe alle Großen gesehen. Aber so etwas wie Taylor noch nie – dieses Maß an totaler Hingabe, totaler Fan-Inbrunst, totaler Verbindung von Publikum und Künstlerin. Für mich ist es wie als Teenager bei meinen Punk-All-Ages-Shows, bei denen ich mich in den chaotischen Slam-Dance-Thrill von Livemusik verknallt habe. Aber ich verlasse den Konzertsaal noch aufgeregter wegen der Zukunft, die sich bereits abzeichnet. Die ganze Zeit denke ich: Ich kann’s kaum abwarten, bis all diese Mädchen groß sind und ihre eigenen Bands gründen. So viele Kids, die sich in Musik verlieben als etwas, an dem sie teilhaben können. So viele junge Fans, die von Taylor hören, dass Mädchen Geschichten erleben und diese Geschichten es verdienen, erzählt zu werden. Sie werden lernen, Gitarre zu spielen. Sie werden eigene Romane schreiben, Bilder malen und ihr Leben erzählen. Ich kann nicht aufhören, meinen Freunden davon zu erzählen. In zehn Jahren wird meine Lieblingsmusik von diesen Mädchen stammen. Von jenen, die diesen Auftritt gesehen haben oder diese Songs im Radio gehört haben, denn sie hörten diese Stimme, die zu ihnen sang: »Drop everything now« – lasst alles stehen und liegen. Sie werden sie gehört haben und entschieden haben, es genauso selbst machen zu müssen.

Und wie sich herausstellte, ist es auch exakt so gekommen.

Kapitel 1 Planet Taylor: Nice To Meet You, Where You Been

So etwas wie Taylor Swift gab’s noch nie. Ihre Geschichte ist einzigartig. 2024 befindet sie sich auf dem Höhepunkt ihres Ruhms, ihres kulturellen und kommerziellen Einflusses, ihrer künstlerischen Schaffenskraft und ihres unglaublich schnellen Arbeitstempos. Dabei hält sie schon seit achtzehn Jahren dieses Niveau. So etwas gibt es schlicht nicht. Kein Mensch hat solch einen Lauf, wird immer und immer populärer und erfolgreicher und ist dennoch in Bestform. Es gibt keine vergleichbare Person im Musikgeschäft, nicht einmal unter den ganz Großen. Die gesamte Karriere der Beatles dauerte acht Jahre, doch zu dem Zeitpunkt startete sie gerade mal mit 1989 durch.

Es gibt keine Geschichte einer Karriere wie die von Swift – einzigartig in der Welt, denn vermutlich ist mehr nicht möglich, weltweit. »Hi, ich bin Taylor«, sagte sie auf der Red Tour. »Ich schreibe Songs über meine Gefühle. Man sagt über mich, dass ich viele Gefühle habe.« Sehr richtig, Taylor.

In den 2020er-Jahren ist Taylor so etwas wie eine kulturelle Obsession. Sie ist die chaotischste und zugleich faszinierendste Figur der Popmusik, ein Sternchen auf dem roten Teppich, das wahrscheinlich jeder kennt, die öffentlichste Künstlerin, aber auch die zutiefst weirdeste und geheimnisvollste. Als sie das erste Mal auftauchte, war sie eine Teenagerin, die Nashville erobern wollte, mit einer Gitarre, die sie beherrschte, und einem Südstaatenakzent, den sie null beherrschte. Als Countrysängerin wurde sie zu America’s Sweetheart, doch dann schwenkte sie um zum Synthie-Pop und wurde noch erfolgreicher. Heute ist sie die größte Sensation der Popmusik seit Michael Jackson oder den Beatles und Taylors Popularität steigt auch dann noch, wenn es so aussieht, als gäbe es gar keine Steigerung mehr. In den 2020er-Jahren hat sie sieben Nummer-1-Alben herausgebracht. Ein internationales Phänomen. Eine emotionale Vermittlerin des Chaos. Eine Aktivistin in Sachen weibliche Lautheit. Eine Wegbereiterin von hyperemotionalen Exzessen. Ein geborener Rockstar.

Mittlerweile ist sie exakt der Star, der die Popmusik in all ihren irren Widersprüchen und kulturellen Rätseln verkörpert. Im Laufe der Jahre wird sie weiter experimentieren und mutieren, immer auf den nächsten Fehler zustürmen. Sie wird auf dem Thron der am meisten polarisierenden Persönlichkeit der Popkultur sitzen. Sie wird schwindelerregende künstlerische Wandel vollziehen, die niemand erwartet oder auch nur will. Sie wird ein Stadion voller Fans dazu bringen, jeden Abend aufzustehen und zu schreien: »Fuck the patriarchy!« Sie wird Synthie-Disco-Alben und akustische Folk-Alben machen. Sie wird aus rein persönlichen Gründen beschließen, ihren gesamten Künstlerkatalog neu aufzunehmen, eine Idee, von der ihr jeder abrät, nur wird sie damit nicht nur durchkommen, sondern jede Veröffentlichung der Taylor’s-Version-Alben zu einem Event machen. Sie wird Millionen von Leuten auf der ganzen Welt dazu bringen, mit einem Schal mitzufühlen, den Maggie Gyllenhaal im Jahr 2011 wohl benutzt hat, um verschütteten Kamillentee aufzuwischen.

Sie wird so viele verschiedene Taylors sein, viel zu viele, und sie alle werden permanent das Mikrofon wollen. Sie wird geniale Moves hinlegen – oder katastrophale Ausrutscher, denn genau das machen Rockstars, und wir werden Fremdscham-Facepalms-Gehirnerschütterungen bekommen. Sie wird mit der Countrymusik Schluss machen und dann wieder zu ihr zurückkehren. Sie wird mit dem Singledasein Schluss machen und dann wieder dazu zurückkehren. Man wird sie verurteilen, anprangern, auslachen, verdammen. (Ignorieren? Das ist nicht wirklich zu erwarten.) Sie wird großartige Ideen haben und schreckliche. Manche dieser schrecklichen Ideen wird sie in großartige Songs verwandeln oder umgekehrt. Sie wird in jeder Situation das Drama entdecken, egal, wie trivial oder gewöhnlich es erscheinen mag. Sie wird verändern, wie Popmusik entsteht, gehört und erlebt wird. Sie wird Lockangebote machen. Für alle, die versuchen, ein ruhiges und sinnvolles Gefühlsleben zu haben, wird sie ein schreckliches Vorbild abgeben. Sie wird sich auf jedes Gefühl stürzen mit der Gewissheit, dass es das letzte ist, was sie jemals empfinden wird.

Im Jahr 2024 ist es ein Klischee, zu sagen, Taylor Swift ist die Musikindustrie, aber deshalb ist das ja nicht unbedingt falsch. Ihre Eras Tour ist solch ein Blockbuster, dass es schwerfällt, das Ganze aus Branchensicht einzuordnen – 2023 betrugen die Einnahmen eine Milliarde Dollar, mehr als die beiden nächstgrößeren Tourneen (Beyoncé und Bruce Springsteen) zusammen. In der ersten Jahreshälfte 2024 war The Tortured Poets Department nicht nur das meistverkaufte und meistgestreamte Album, sondern es verkaufte sich auch besser als der gesamte Rest der Top Ten des Jahres insgesamt. Und fünf dieser Top Ten waren ihre eigenen Alben. Immer wenn es so aussieht, als hätte Taylor Swift den Punkt erreicht, an dem sie nicht mehr populärer werden kann, nimmt sie weiter Fahrt auf bis zu der Stelle, an der selbst ein Fan das Ganze rätselhaft finden muss. Wie ist es möglich, dass sie immer größer wird? Wie können so viele Menschen ständig etwas von sich selbst in diesen Songs wiederfinden? Zahllose Theorien versuchen, Taylors Erfolg zu erklären, doch alle scheitern. Es liegt nicht an ihrem Modegeschmack. Nicht an ihren berühmten Boyfriends. Es liegt nicht an ihrer ausgeklügelten höchsteigenen Mythologie. Nicht an ihrem Vorbild beziehungsweise dem mangelnden Vorbild. Das Ganze lässt sich nicht auf Mode, Trends, Texte, Image oder Geschäftssinn reduzieren. Sie ist eben keine Phase, die empfindsame Jugendliche durchlaufen, um dann herauszuwachsen. Sondern was?

Taylor war schon immer vor allem Songwriterin, auch wenn es das Letzte ist, was man wahrhaben möchte. Sie hatte schon immer ein einzigartiges Gespür dafür, Songs zu schreiben, in denen die Menschen sich selbst hören – ihre Musik überschreitet immer wieder die Grenzen zwischen den Generationen und Kulturen, und zwar in höchst rätselhafter Form. Ursprünglich sang sie für ihre Teenie-Fans, aber sie war nie bereit, es dabei zu belassen – sie wollte, dass die ganze Welt diese Lieder hört. Das war von Anfang an zu spüren – sie hat ihre Idole genau studiert, die Tricks gelernt und gelernt, dem ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Schon als ganz junges Mädchen besaß sie ein beinah akademisches Verständnis für Musikgeschichte und ein freches Gespür für ihren Platz darin. Sie machte sich daran, sich selbst (und ihr Publikum) in die sehr lange, knallbunte, blutige, schmutzige, verrückte Geschichte der Popmusik zu schreiben. Aber niemand hatte vorhersehen können, wie weit diese Songs kommen würden.

Für die einen ist Taylor ein kreatives Genie, eine kulturelle Kraft, eine feministische Rebellin, die mit ihrer Girls-to-the-Front-Energy die Geschichte aufmischt und die Fähigkeit besitzt, kranke Kätzchen zu heilen. Für andere ist sie eine egoistische, durchtriebene, wehleidige Göre, eine Heuchlerin, die über Feminismus und die Rechte von Künstlerinnen nörgelt, nur um sich für kleine Kränkungen zu rächen, die Kratzbürstigste unter den Kratzbürsten, die das Opfer spielt, die Männerwelt beleidigt und als eine Art All-Around-One-Woman-Bitch alles symbolisiert, was in der Kanalisation menschlicher Eitelkeit vor sich hin gärt. Ein Symbol von Kapitalismus, Privilegien, Selbstbefangenheit, Selbstmitleid und Selbstverliebtheit. Eine das Blitzlichtgewitter jagende Zicke, das Promi-Boyfriends als Songwriting-Material sammelt. Eine Verderberin von Familienwerten. Ein American Idiot. Ein Aufmerksamkeitsjunkie, der bei Preisverleihungen rumtanzt und sich in den Vordergrund spielt. Eine plutokratische Räuberbaronin, die unter dem Deckmäntelchen von Big Taylor die wirtschaftliche Übernahme der gesamten Musikbranche kontrolliert. Eine verwöhnte Prinzessin auf dem Thron des Bösen.

Taylors Hybris, ihr Viel-zu-viel-Sein, ihre Unfähigkeit, auch nur für eine Mikrosekunde nicht Taylor zu sein – das ist eine Menge. Da ist es total verständlich, dass sie die Leute auf die Palme bringt. An künstlerischem Selbstbewusstsein hat es ihr nie gemangelt. Schon als Teenager nahm sie sich die Geschichte von Romeo und Julia vor und beschloss, die Handlung zu ändern. (»I talked to your dad«? Romeo hat lediglich Julias Cousin erstochen!) Bereits als Kind war ihr Karrierestreben so unerbittlich, dass es beängstigend war. In ihrem ersten landesweiten Radiointerview im Jahr 2006 wurde sie gefragt: »Ich wäre heute nicht da, wo ich bin, ohne …?« Eine einfache Frage. Der Moment, in dem jeder Rookie weiß, dass man den Eltern danken muss, weil sie einem beigebracht haben, den Träumen zu folgen. Oder Gott zu danken, der alle Dinge möglich macht. Oder den Fans, denn ohne sie hätte sie es nicht geschafft, ihr seid einfach der Hammer.

Taylor zögert keine Sekunde. »Ohne meine Gitarre wäre ich heute nicht da, wo ich bin.«

Sie inspiriert zu Hingabe, Hass, Angst, Verachtung, mehr Shade als eine Weihnachtsbaumfarm im Juli. Man kann Taylor nicht voll und ganz schätzen, wenn man nicht auch die breite Palette an tief sitzenden Gefühlsreaktionen würdigt, die sie in Menschen hervorruft. Das ist, was Taylor ausmacht: Man kann immer einen Streit über sie anfangen. Viele finden Taylor empörend und häufig anstrengend. So geht es Taylor Swift auch.

Aber nichts geht über die Fan-Community, die sie schafft. Ich war bei drei aufeinanderfolgenden Konzerten der Eras Tour und stand am ersten Abend etwa zehn Minuten auf dem Parkplatz, bevor mir jemand, den ich überhaupt nicht kannte, ein BETTY’S-CARDIGAN-Freundschaftsarmband schenkte. Alle drei Konzerte waren rituelle Stammesfeiern, bei denen die Swifties sich in Schale geworfen hatten: jede Menge Miss Americanas, Cowgirls, Discokugeln, eine NYU-Graduation-Cap und -Robe, ein Tour-Shirt von den Eagles aus den 1970ern. (Die Mitbewohner meiner Nichte waren als Wide-Eyed Gays-Paar da.) Ich hatte Extrapackungen Taschentücher dabei, die sich am Sonntagabend als nützlich erwiesen, als das Fearless-Interlude rund um mich herum ein paar Nervenzusammenbrüche auslöste. Als Taylor den Evermore-Teil mit »’Tis the Damn Season« begann, kam ein Mann von der Security zu mir und fragte: »Sind Sie der Typ mit den Taschentüchern?« Ein paar Reihen weiter waren ein paar Fans in Tränennöten und heulten in meine Richtung: »Ich liebe dieses Album wirklich!« Das gibt’s nur bei einem Taylor-Konzert. An die Frau hinter mir, die bei dem Intro von »All Too Well« auf die Knie sank und die gesamten zehn Minuten schluchzend in Embryonalstellung verbrachte: Du bist meine gottverdammte Heldin.

Eines der zentralen Paradoxe von Taylor Swift ist – und diese Frau ist nichts als ein Paradoxon –, dass sie Songs über die kleinsten, geheimsten Qualen schreibt, die Art, die man nicht einmal seinen engsten Freunden gestehen würde, doch die einzige Möglichkeit, wie Taylor diese Momente verarbeiten kann, ist, sie in überlebensgroßes Stadiongeschrei zu verwandeln. Es ist so merkwürdig, »My Tears Ricochet« zusammen mit 60 000 Menschen zu singen, während Taylor in einem Gothic-Priesterinnen-Gewand herumwirbelt und einen Begräbniszug von schwarz vermummten Trauernden anführt. Als Taylor zu der fast versteckten Zeile »when I’m screaming at the sky« kommt – und sie schreit es wirklich in den Himmel –, ist das kathartisch. Egal, wie gut man diese Songs kennt, es ist etwas ganz anderes, sie in einer Menge bluthungriger Swifties zu hören, die für diesen gemeinsamen Rausch, diese ekstatische Befreiung, diese Katharsis in der Dunkelheit hierhergekommen sind.

Irgendwann am Sonntagabend, während des Midnights-Finales, hörte ich etwas neben mir und dachte, der Mann von der Security würde mit einem Fan streiten. Es stellte sich heraus, dass sie nur Freundschaftsarmbänder austauschten. Es war diese Art von Konzert. Die Eras Tour ist eine Reise durch Taylors Vergangenheit, mit all den verschiedenen Taylors, die sie je gewesen ist, was bedeutet, auch alle Taylors, die ihr je gewesen seid, die man selbst je gewesen ist. Sie gestaltet jede Tour so, dass es der schönste Abend im Leben ist. Doch diese Tour soll der schönste Abend all eurer Leben werden, mit jeder Era, die ihr je erlebt habt. Eine Feier des gesamten Holy Grounds, über den sie und ihr Publikum im Laufe der Jahre gemeinsam gewandelt sind. Es gibt keine Erfahrung, die dem gleichkommt, Teil der Welt zu sein, die Taylor erschafft.

Für meine kleinen Nichten, geboren in den frühen 2000er-Jahren, war Taylor The Beatles mal Motown mal Bruce Springsteen mal Britney mal Erdbeereis. Sie verwandelten ihre Zimmerwände in Fan-Altare voller Fotos, Songtexte und Plattencover. Wenn meine Schwester in die Zimmer ihrer Töchter schaute, sagte sie: »Als ich in ihrem Alter war, hingen an den Wänden nur Bilder von Jungs.« Sie schmiedeten Pläne für die Nacht, in der Taylor sie babysitten würde, und sie waren niedergeschmettert, als sie erfuhren, dass nicht alle Mädchen im Teenageralter Babysitter waren. Sie lernten Gitarre, damit sie die Lieder spielen konnten. Sie brachten mir bei, die geheimen Codes in den Songtexten zu entziffern. Aber bei ihrem Taylor-Quiz bin ich dermaßen grottig durchgefallen – ich konnte »Wyomissing« nicht richtig buchstabieren –, dass ich nie mehr eine Chance auf Wiedergutmachung erhielt.

»White Horse« war das Lied, das sich meine kleine Nichte und mein Neffe im Alter von drei und vier Jahren im Garten meiner Eltern gegenseitig vorsangen. Sie wechselten sich ab – einer stand auf der Veranda und sang, während der andere als Publikum zuhörte, jubelte und klatschte, dann tauschten sie die Plätze. Kein Problem, sich in diesem Lied wiederzufinden, in der authentischen Stimme eines älteren Mädchens, das seine Gefühle ausdrückt. Aber ihnen gefiel auch, die Stufen zur Veranda hinaufzuklettern, die transformative Kraft, die darin lag, zur Sängerin zu werden und in dieses imaginäre Rampenlicht zu treten. Für die beiden war diese Kraft unmittelbar in »White Horse« eingebaut, und sie gehörte ihnen.

Was ist Taylors größter Beitrag zur Landschaft der Popmusik? Was unterscheidet sie von allen anderen jungen Glücksrittern, die die Welt beherrschen wollten, sobald sie groß sind? Taylor hat das Popgirl in den Mittelpunkt der Musik gestellt – nicht ein bestimmtes Genre, nicht einen bestimmten Stil, nicht eine bestimmte Modeerscheinung. Sie hat den Pop nach dem Vorbild des Fangirls neu erfunden. In den 2000ern, als sie anfing, war ein junges Mädchen wie sie, das seine eigenen Songs über seine eigenen Gefühle schrieb, selten. Jetzt ist genau das Pop.

Sie hat immer »Fifteen« entsprochen, dem Song, den sie geschrieben hat, als sie noch keine zwanzig war. Sie sprach live und direkt mit anderen Teenagerinnen und bestand darauf, dass auch das allernormalste Mädchen eine Geschichte zu erzählen hatte. Ihre Geschichten waren wichtig; ihre Geheimnisse waren wertvoll und ihre Freundschaften echt. Eine ganze Generation von Zuhörerinnen und Zuhörern, in einer Welt aufgewachsen, in der der größte Star der Musik auch diejenige ist, die darauf besteht, dass jedes Mädchen einen Song im Herzen trägt und das Recht hat, ihn zu singen, und dass jedes Mädchen etwas Gutes für sein Leben tut, wenn es sich die Songs anderer Mädchen anhört, selbst wenn der einzige kurzfristige Nutzen eine halbherzige, Tequila verschüttende Umarmung in der Toilettenschlange ist. Man kann nicht einmal sagen, dass Taylor von Country zu Pop gewechselt hat, denn für die Art von Popstar, die sie werden wollte, gab es keine Vorlage, also musste sie etwas Neues schaffen. Was James Taylor über Joni Mitchell sagte, trifft auch auf Taylor zu: »Sie erschafft die Leinwand genauso wie die Farbe, die sie darauf aufträgt.« Nun leben wir in einer Welt der Taylor Swifts.

Immer etwas unbeholfen bezog sie diese Mädchen in die Musik ein und betonte gleichzeitig, wie leicht das war. Auf der Red Tour erklärte sie den jüngeren Fans ihre zwölfsaitige Gitarre. »Sie hat doppelt so viele Saiten wie eine normale Gitarre«, sagte sie. »Das also ist eure Rechenaufgabe für heute.«