Heartwork works! - Mareke Bänziger-Plocher - E-Book

Heartwork works! E-Book

Mareke Bänziger-Plocher

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Beschreibung

Mareke Bänziger-Plocher reiste als Mitglied des Schweizer Tennis-Nationalkaders rund um die Welt. Disziplin, Professionalität und hartes Training waren gefragt. Elementare Faktoren, um etwas zu erreichen. Doch ist das alles? Führt das alleine zu nachhaltigem, gesundem «Erfolg»? Herzarbeit erachtet sie als entscheidenden Nährboden. Als Mareke Bänziger-Plocher nach der sportlichen Laufbahn ins Berufsleben einstieg, erlebte sie unterschiedlichste Herausforderungen und Vorgesetzte. Sie erfuhr inspirierende wie auch einengende Faktoren, große Unterschiede in Arbeitsklima und Leistungsbereitschaft. Diese Erfahrungen und Fragen beschäftigten sie als Mitarbeiter und Mensch: Was bedarf es, damit wir Herzarbeit leisten können? Ist dies in der heutigen gewinnorientierten Welt überhaupt möglich? Mareke Bänziger-Plocher ist dreifache Mutter und nutzte die Chance, beruflich dem eigenen Herzen zu folgen und ein eigenes Business zu starten. Heute arbeitet sie als Life Work Happiness-Coach und unterstützt andere, ihren Herzensweg zu finden und konsequent zu verfolgen.

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Seitenzahl: 196

Veröffentlichungsjahr: 2019

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»Hard work bringt einen weit. Heartwork dorthin, wo man will. Think and work heart.«

(Mareke Bänziger-Plocher)

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Gelungene Unternehmenskulturen Interview mit Sebastian Purps-Pardigol

TEIL I: Selbstführung

Einleitung ins Thema Selbstführung

Verwandlung statt Veränderung Interview mit Pater Anselm Grün

Führung beginnt bei uns selbst Interview mit Bodo Janssen

Achtsamkeit in der vernetzten Welt Interview mit Horst Bohnet

Grenze oder Herausforderung? Unsere Haltung entscheidet! Interview mit Rüdiger Böhm

TEIL II: Potenzialentfaltung

Einleitung ins Thema Potenzialentfaltung

Dank Verbundenheit gewinnen alle Interview mit Jörg Blunschi

Mit Humor entspannt zu kreativen Lösungen Interview mit Marcel Meier

Verwalten oder gestalten? Interview mit Simone Büchi

Mit Mut zurück in die Zukunft Interview mit Remo Rusca

Sinnhaftigkeit setzt Energien frei Interview mit Dr. Anaïs Sägesser

TEIL III: Führung

Einleitung ins Thema Führung

Andersherum zur Lösung Interview mit Claude Rosselet

Welche Qualifikationen wirklich zählen Interview mit Uschi Backes-Gellner

Rhythmus in der Führung erfordert Taktgefühl Interview mit Tom Beck

Vertritt (d)eine Meinung Interview mit Philippe Cornu

Lebensweisheiten aus dem afrikanischen Busch Interview mit Rob Francis

Mit Herzblut für Mitarbeiter & Patienten Interview mit Thierry Carrel

MS – meine Mission für mehr Selbstvertrauen und Sympathie Interview mit Jürg Kesselring

Anhang

Herzarbeit erfordert Hirnarbeit

Beweg dein Gehirn! Interview mit Matthias Nowak

Persönliches Fazit

Schreiben Sie Ihre Herzensgeschichte

Danksagung

Weiterführende Literatur und Filmtipps

Vorwort

Foto: © Nadja Frey, Bern

Streben Sie Erfolg an, aber nicht um jeden Preis? Sind Ihnen Menschen wichtiger als Excel-Tabellen? Spielen Werte eine Rolle in Ihrer Lebenshaltung? Dann wird Ihnen dieses Buch gefallen! Und wenn nichts dergleichen zutrifft, dann wünsche ich mir umso mehr, dass Sie heartwork works eine Chance geben.

Immer mehr Führungskräfte erkennen, dass vermehrte Defizite im Bereich der Mitarbeiterzufriedenheit, mangelnde Identifikation mit dem eigenen Job, hohe Krankheitsraten sowie steigende Fluktuation die Leistungsfähigkeit sowie Produktivität hemmen und einen kostspieligen Energieaufwand erfordern. Die Zeit für mehr Menschlichkeit und werteorientierter Führung ist längst eingeläutet.

Dieses Buch ist für all jene Menschen gedacht, die genug haben vom Drang nach endloser Umsatz- und Profitsteigerung oder vom egozentrischen Streben nach Macht und Erfolg. Es ist für Menschen, die sich nach mehr Menschlichkeit und Sinnhaftigkeit sehnen, die nachhaltigen Erfolg im Einklang mit ihren Werten anstreben. Menschen, die Herzarbeit leisten. In diesem Buch werden Sie erfahren, dass Herzarbeit keine romantische Träumerei ist. Es soll Ihr Impulsgeber sein, dass auch Sie in Zukunft darauf vertrauen, Ihrem Herzen zu folgen.

Ich habe zahlreiche Interviews zu essenziellen und bewegenden Lebensthemen – wie zum Beispiel Sinnhaftigkeit, Verbundenheit, Mut uvm. – mit führenden Persönlichkeiten und Menschen geführt, die erzählen, was ihnen wichtig ist. Zum Beispiel vom Herzchirurgen Prof. Dr. Thierry-Carrel, der vom »wahren Herzblut« im Leben spricht; über den Motivationstrainer Rüdiger Böhm, der auch »ohne Beine« voll im Leben steht sowie die Unternehmerin Dr. Anaïs Sägesser, die ihre Konzernkarriere hinter sich gelassen hat, um dem Ruf ihres Herzens zu folgen bis hin zum Schweizer Künstler Horst Bohnet, der mit seiner iPhone-Nachbildung aus Stein für Auszeit im hektischen Alltag sorgt. Alle Interviewpartner verbindet eines: sie sind beruflich wie privat ihrem Herzen gefolgt. Von Umsatzzahlen ist in den Interviews übrigens nicht die Rede. Lassen auch Sie sich inspirieren, nicht dem Druck der Zahlen und Normen zu unterliegen, sondern Ihrem Herzen zu folgen. Herzarbeit wirkt intensiv und nachhaltig!

Hier will ich ansetzen: ohne wissenschaftlichen Anspruch, ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder gar Richtigkeit, ohne ausgeklügelte Thesen. Meine Einleitungen sollen Sie mit dem Thema in wenigen Zeilen vertraut machen, die Zitate sollen Ihre Gedanken anregen, Ihr Herz berühren. Mögen die Interviews Sie inspirieren und ermutigen, Ihre ganz persönlichen Schlüsse daraus zu ziehen ...

»Ich bin viele!«

Früher war ich u.a. professionelle Tennisspielerin, kaufmännische Angestellte, CEO- Assistentin, Key Account-Verkäuferin. Hartes Training, überdurchschnittliches Engagement und Fokussierung haben mich zu Erfolgen geführt und mir immer wieder Türen geöffnet. Heute bin ich Life Work Happiness Coach, Gehirntrainerin, Netzwerkerin. Mit demselben »Treibstoff« unterwegs, doch mit zusätzlichem »Katalysator«. Auf meinem Lebensweg haben mich unterschiedlichste Menschen und Erfahrungen inspiriert und geprägt. Nicht zuletzt meine Rolle als Mutter und Familienfrau hat mich von heute auf morgen gelehrt, dass »Erfolg« relativ ist und Life Work Happiness in einer anderen Liga spielt. Ich habe gelernt, dass »hard work« einen zwar weit bringt, aber »Heartwork« dorthin, wo man will.

Mit rund 47 Jahren bin ich alt genug für vielfältige Erfahrungen; jung genug, um neugierig und reflektiert meinen Herzensangelegenheiten zu folgen.

Wofür stehe ich?

In all den genannten Rollen bin ich inspiriert, meinem inneren Ruf zu folgen, einen Beitrag zu mehr Menschlichkeit und Sinnhaftigkeit zu leisten. In Unternehmen, im Leben. Als Coach unterstütze und begleite ich Menschen dabei, ihre Werte zu erkennen und ihre Lebenskultur danach auszurichten. Bei allem Streben nach Erfolg plädiere ich für eine bewusste Selbstführung, Achtsamkeit, einen wertschätzenden Umgang mit Mensch und Natur und Offenheit für neue kreative, nachhaltige Lösungen – ökologisch wie wirtschaftlich. Möge unser Wirken primär im Dienste der Menschen stehen und nicht den blanken Umsatzzahlen oder gar dem Aktienkurs unterliegen. An all jene, die dies jetzt als idealistische Träumerei belächeln. »Nein – das ist kein Widerspruch, sondern die grosse Herausforderung der neuen Generation.« Stellen wir unser Ego zurück und wirken wir gemeinsam für eine sinnhafte Vision!

Führen mit Werten

Wer andere führen will, muss bei sich selbst anfangen. Führung beginnt mit der Selbstführung. Aufgrund meiner Erfahrungen in verschiedensten Lebensbereichen, mit meinem neurologischen Background als Gehirntrainerin, als Coach, erfahre ich, wie unendlich wichtig und relevant es ist, wie wir zu uns selber stehen, wie wir miteinander verbunden sind, wie wir miteinander umgehen, und wofür wir einstehen. Dies, um unser Potenzial zu entfalten und unsere Energien vollumfänglich zielgerichtet einzusetzen, ohne dabei auszulaugen.

Ob im privaten oder geschäftlichen Lebensalltag: wir alle übernehmen verschiedene Rollen, wir führen und werden geführt – jedermann/frau – tagtäglich. heartwork works soll die Leser animieren, zu reflektieren. Wie führe ich mich selbst? Wie führe ich andere? Bin ich mir meiner Werte bewusst? Worin besteht der Sinn meines Wirkens? Wie gehe ich mit meinen Mitmenschen/Mitarbeitern um? Was sind die Auswirkungen meiner Führung? Persönlich? Beruflich? Engt es ein oder beflügelt es? Laugt es aus oder befruchtet es? Verfolgt es einen kurzfristigen oder langfristigen Erfolg? Stelle ich den Gewinn in den Mittelpunkt oder den Menschen? Gier oder Sinnhaftigkeit? Reichtum oder innere Befriedigung? Perfektion oder Innovation? »Summa cum laude« oder Kreativkopf? Musterkind oder »gewieftes Kerlchen«? Kurzum: Was bedeutet Menschlichkeit und Sinnhaftigkeit für mich? Für mein Team? Für das Unternehmen? Für den Erfolg?

Es gilt zunächst, mit sich selber in Berührung und ins Reine zu kommen. Im Weiteren erachte ich es als elementar, stets auf Augenhöhe und »in Liebe« seinen Mitmenschen und Mitarbeitern zu begegnen. Bis dahin hinter hervorgehaltener Hand, doch immer öfter von Führungskräften zu hören: »Nächstenliebe«. Nächstenliebe ist Voraussetzung für eine fruchtbare Zusammenarbeit, Mitarbeiterführung und Kundenbeziehung. Wem dies zu spirituell ist: ehrliches Interesse, eine wertfreie Haltung und Wohlwollen dem Gegenüber. Schaffen wir es, aus lauter Einzelkämpfern Verbundenheit mit einer gemeinsamen Vision zu bilden, legen wir die beste Grundlage für ausserordentliches Engagement.

Herzensarbeit vs. gewinnorientierter Erfolg

Wie definieren Sie Erfolg? Rein materiell, oder spielen werteorientierte Faktoren ein Rolle?

Aus meiner Sicht verfügen rein wirtschaftliche oder machtorientierte Ziele nicht über die gleiche Handelskraft wie Herzensarbeit. Erfolg stellt sich dann ein, wenn Sie Ihrem persönlichen Weg folgen. Wenn Sie erkennen, was Ihnen am Herzen liegt, wenn Sie Ihrem inneren Ruf mutig nachgehen, werden Sie voller Tatendrang Ihre Visionen verfolgen. Hindernisse oder Scheitern werden Sie nicht aufhalten, sondern animieren, nach anderen Lösungen zu suchen. Sie werden nicht den zahlenorientierten wirtschaftlichen Erfolg allein ins Zentrum stellen – er wird sich ganz automatisch einstellen, wenn Sie dem Ruf Ihres Herzens folgen.

Der Weg zum eigenen Herzen ist womöglich die längste Reise. Sie ist anspruchsvoll, und auf jeden Fall bereichernd. Genau aus diesem Grund stelle ich Ihnen im vorliegenden Buch am Anfang jedes neuen Teils Fragen. Nehmen Sie sich die Zeit dafür, in sich hineinzuhören. Seien Sie achtsam, offen und ehrlich sich selbst gegenüber. Möge Sie die Auseinandersetzung mit Ihrem eigenen »Ich« bereichern und Sie zum Kern Ihres Seins und Tuns führen!

heartwork works!

Ihre

Gelungene Unternehmenskulturen Interview mit Sebastian Purps-Pardigol

Foto: © Windrich&Sörgel/Thorsten Steinhaus

Sebastian Purps-Pardigol lebt eine »Patchwork-Karriere«: Nach dem Studium an der Medizinischen Hochschule in Hannover wurde er Journalist und hat zudem diverse weltweit leitende Aufgaben in verschiedenen Unternehmen wie zum Beispiel Ericsson, SonyMusic und Swisscom.

Seit 2008 ist Sebastian Purps-Pardigol als Referent, Management- und Organisationsberater selbstständig tätig. Mit seiner Beratergruppe Unternehmenswandel unterstützt er Firmen, die eine Potenzialentfaltungskultur erschaffen wollen.

Inspiriert durch die Freundschaft mit dem Neurobiologen Prof. Dr. Gerald Hüther hat er die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung mit den Methoden des Management-Trainings verbunden. Zusammen gründeten sie die Non-Profit-Initiative »Kulturwandel in Unternehmen und Organisationen«. Sein Grundlagenwerk »Führen mit Hirn« wurde in Deutsch, Englisch sowie Chinesisch veröffentlicht.

www.kulturwandel.org

www.sebastian-purps-pardigol.com

Sie betreiben gemeinsam mit Ihrem Freund Gerald Hüther das Projekt kulturwandel.org, bei dem Sie seit sieben Jahren Firmen mit bemerkenswerten Unternehmenskulturen analysieren. Welche sind die wichtigsten Erkenntnisse, die Sie hieraus gewinnen konnten?

Nach mehreren hundert Interviews mit Aufsichtsräten, Vorständen, Geschäftsführern, Führungskräften, Mitarbeitenden und Betriebsräten lassen sich einige wiederkehrende Muster erkennen. Das Grundlegendste zuerst: Wenn Führungskräfte in einem Unternehmen die Kultur verändern möchten, sind sie gut beraten, diese Veränderung zuallererst bei sich selbst zu beginnen. Das geschieht idealerweise auf den Ebenen des Verhaltens und der Haltung.

Konkret heißt das: Mitarbeiter brauchen einen sichtbaren Wandel im Verhalten des Chefs, um ihm vertrauen zu können, dass er es ernst meint. Das Ziel dieses Verhaltenswandels sollte es sein, eine bessere Version von sich selbst zu werden. Es geht darum, sich persönlich weiterzuentwickeln und damit zu einem Vorbild, einem Vorreiter der Veränderung und des Über-sich-hinaus-Wachsens für die Mitarbeiter zu werden.

Ein Antibeispiel: Vor einigen Jahren wurde ich von einem Bundesministerium nach Berlin eingeladen. Die Abteilungsleiter hatten von kulturwandel.org erfahren und wollten wissen, was ich ihnen über bemerkenswerte Unternehmenskulturen zu berichten hatte. Im Anschluss fragten die Damen und Herren mit einer erinnerungswürdigen inneren Distanz, was sie in ihrem Ministerium ändern sollten, um die von mir beschriebene Menschen zugewandte Kultur zu erreichen. Ich habe ihnen im ersten Schritt mehr ehrliche Selbstreflexion und die Erarbeitung eines gemeinsamen zukünftigen Bildes der Kultur im Ministerium empfohlen, denn diesen Menschen wäre – so wie ich sie erlebte – niemand begeistert gefolgt. Meine Empfehlung fiel auf nicht besonders fruchtbaren Boden, erzählte mir eine Staatssekretärin wenige Monate später amüsiert. Aber es war ein Beispiel, wie den Chefs ein Kulturwandel in der eigenen Organisation sicherlich nicht gelingt – sie waren zu keiner sichtbaren eigenen Verhaltensveränderung bereit.

Wenn Führungskräfte heutzutage Mitarbeiter begeistern wollen, über sich hinauszuwachsen, gelingt das oftmals einfacher, wenn der Mitarbeiter einen Chef erlebt, dem das bei ihm selbst gelungen ist. Um es in einer Metapher auszudrücken: Sie würden im Sportstudio auch nicht den Tipps des Fitnesstrainers mit hängendem Bierbauch, sondern eher denen des Fitnesstrainers mit der durchtrainierten Figur folgen, oder?

Zusätzlich zu dieser Verhaltensänderung braucht es einen Wandel der inneren Haltung. Eine günstige innere Haltung einer Führungskraft wäre, wenn sie Menschen zugewandt führt; wenn ihr die Mitarbeitenden und deren Entwicklung am Herzen liegen.

Was verstehen Sie unter »Menschen zugewandt führen« konkret?

Es bedeutet, Menschen nicht weiterhin als Objekte, als Ressourcen zu sehen – der Begriff Human Resources drückt das ja bereits auf eine ungünstige Art aus. Unternehmen und Führungskräfte sollten sich eher fragen: »Wie geht es meinem Mitarbeiter? Wie fühlt er sich?« und »Was braucht er, damit er sich wohlfühlt und die in ihm liegenden Potenziale optimal entfaltet?«

Das 14.000-Mitarbeiter-Unternehmen Phoenix Contact hat das wunderbar gezeigt: 84 Jahre brauchte die Automatisierungstechnik-Firma, um einen Jahresumsatz von 1 Milliarde Euro zu erreichen. Dann setzten sie die Mitarbeiter, die Menschen, in den Fokus ihrer Unternehmensstrategie und wuchsen auf 1,6 Milliarden – in nur fünf Jahren! Bei der Hotelkette Upstalsboom verdoppelte sich der Umsatz sogar, nachdem sich das Unternehmen mehrere Jahre konsequent fragte: »Was brauchen unsere Mitarbeiter, um glücklich zu sein?«

Eine Menschen zugewandte Haltung haben wir bereits in früher Kindheit entwickelt. Eine kanadische Studie zeigt sehr eindrucksvoll, dass kleine Kinder ein hohes Maß an Glück entwickeln, wenn sie Dinge teilen und abgeben dürfen. Und auch bei Erwachsenen lässt sich in Experimenten nachweisen, dass das »soziale Geben« ein tief in uns verborgenes Bedürfnis ist, das zudem unser eigenes Wohlbefinden erhöht.

Ungünstige Beziehungserfahrungen und Enttäuschungen können jedoch dazu führen, dass dieses Bedürfnis und damit die Menschen zugewandte Haltung verloren geht. Wenn es Führungskräften gelingt, dieses Ursprüngliche wieder in sich zu entdecken und Mitarbeitenden auf Augenhöhe zu begegnen, fühlen diese sich gesehen. Dies ist ein erster Schlüssel, damit diese Menschen beginnen, die in ihnen liegenden Potenziale mehr zu entfalten.

Menschen tragen zwei neurobiologische Grundbedürfnisse in sich. Zum einen das Bedürfnis nach Verbundenheit und zum anderen das Bedürfnis, über sich hinauszuwachsen und (mit-)zugestalten.

Eine aktuelle Stanford-Studie zeigt, dass bereits das Gefühl von Verbundenheit einen bemerkenswert positiven Einfluss auf die Leistungsbereitschaft und auf das Energieniveau von Menschen hat. Wir reden hier von einer Steigerung von über 50 Prozent! Eine der wirksamsten Möglichkeiten, um Verbundenheit im Unternehmensalltag entstehen zu lassen, ist das Etablieren einer konsequent gut gelebten Feedbackkultur. Ich habe das vor einigen Jahren sehr eindrücklich bei einem DAX-Unternehmen erlebt. Gemeinsam mit der Personalabteilung haben wir folgendes Experiment gewagt: Ein gutes Jahr lang wurde ein Bereich des Unternehmens aus nahezu allen Trainings- und Personalentwicklungsmaßnahmen herausgenommen. Wir fokussierten uns während dieser Zeit ausschliesslich darauf, sehr intensive Feedbackworkshops durchzuführen. Nach kurzer Zeit hatten über 1.000 Mitarbeiter die Kompetenz, im Alltag untereinander anhand sehr sauber definierter Regeln Feedback zu geben und Feedback zu erhalten. In der darauf folgenden Mitarbeiterumfrage war der Zuwachs der Mitarbeiterzufriedenheit genau in diesem Konzernbereich überdurchschnittlich hoch – mit einer der günstigsten Personal-Maßnahmen, die dieses Unternehmen seit Langem durchgeführt hatte!

Wenn Menschen das Gefühl von Verbundenheit fehlt, aktiviert das den dorsalen anterioren cingulären Cortex – das Schmerzsystem im Gehirn. Ein Gehirn im Schmerzzustand ist kaum in der Lage, bestmöglich auf die sogenannten Exekutivfunktionen im präfrontalen Kortex zuzugreifen. Das ist der Ort unserer Potenziale – und die liegen in so einem Moment brach. Wenn sich Menschen Feedback geben und Unausgesprochenes aussprechen, verbessert sich die Beziehungsqualität. Verbundenheit entsteht, sie erhalten wieder mehr Zugriff auf ihren präfrontalen Kortex und somit auf die in ihnen liegenden Potenziale. Das kann sich spürbar auszahlen: Der Hosenmarke Gardeur aus Mönchengladbach ist es beispielsweise gelungen, im Kontext eines Markenkernprozesses, zu dem auch der Aufbau einer intensiven Feedback-Kultur gehörte, den Jahresüberschuss zu vervierfachen.

Und wie steht es um das zweite neurobiologische Grundbedürfnis, das sie erwähnten, das Bedürfnis des (Mit-)gestaltens?

Wenn ein Kind zwischen Bauklötzen und Schokolade wählen soll – wofür, glauben Sie, entscheidet es sich? Für die Schokolade, glauben viele Menschen. Damit liegen sie falsch. Die meisten Kinder entscheiden sich für die Bauklötze, und folgen damit einem der tiefsten Impulse, den wir Menschen in uns tragen: dem Bedürfnis, sich zu entfalten und zu gestalten.

Dieses Bedürfnis entsteht sehr früh. In den ersten Monaten nach unserer Geburt hatten viele von uns ein soziales Umfeld, das jeden unserer Fortschritte begeistert kommentiert hat. »Schau mal! Der Kleine hat mich angelächelt!« Oder: »Wie putzig! Sie hat heute ihre ersten Schritte gemacht!« Irgendwann begannen wir dann, zu sprechen. Wir erlernten Schreiben, Lesen, ein Telefon zu bedienen, eine Power-Point-Präsentation oder eine Bewerbungsmappe, vielleicht auch eine Jahresbilanz zu erstellen. Wir wuchsen immer wieder über uns hinaus – entfalteten uns und gestalteten unsere Umwelt.

Wenn dieses Grundbedürfnis beschränkt wird, kann das erschreckende Auswirkungen haben. In einer englischen Studie mit über 10.000 Staatsbediensteten erkannte man: Menschen mit einem Minimum an beruflichem Gestaltungsspielraum sind deutlich öfter krank als ihre Kollegen, die mehr Einfluss auf ihr Arbeitsumfeld haben. Darüber hinaus konnten die Forscher bei den Gestaltungsbeschränkten eine höhere Herzfrequenz feststellen. Und nach zehn Jahren hatten viele von ihnen schwere Herzerkrankungen – ganze 30 Prozent höher lag diese Wahrscheinlichkeit als bei den Kollegen mit mehr Gestaltungsspielraum!

Ermöglichen Führungskräfte hingegen ein hohes Maß an Mitgestaltung, geschehen mehrere Dinge: sowohl die Stressresistenz der Mitarbeitenden als auch die der Führungskräfte steigt. Die Mitarbeitenden erhalten zudem mehr Zugriff auf die in ihnen liegenden Potenziale – mit bisweilen beeindruckenden Ergebnissen. Eckes-Granini Deutschland gelang beispielsweise ein Umsatzwachstum von 70%, nachdem der damalige Geschäftsführer Heribert Gathof die Strategieentwicklung in die Hände seiner Mitarbeiter gelegt hatte.

Sie haben in Ihrem Grundlagenwerk »Führen mit Hirn« (Caplus Verlag, 2015) mehrere Faktoren benannt, durch die Unternehmen die Mitarbeiterpotenziale besser entfalten können. Welche davon sind denn die Wichtigsten?

Die erwähnten Faktoren sind das Ergebnis jahrelanger Forschung – und in all der Zeit zeigte sich: die Antwort auf Ihre Frage kann nur von innen kommen – also von den Mitarbeitenden. Jedes Unternehmen entwickelt eine andere Priorität für diese Faktoren. Daher empfehle ich allen Führungskräften, die mich bitten, sie in einem Kulturwandel-Prozess zu begleiten, dass sie ihren Mitarbeitenden erst einmal gut zuhören. Ich habe schon so manchen Unternehmensinhaber erlebt, der zwar mit seiner Einschätzung richtiglag, dass es in seiner Firma nicht so läuft, wie es laufen könnte. Dass die Kultur nicht die Beste sei. Doch genau dieselben Menschen haben oft eine verzerrte Sicht, wenn ich nach Ursachen frage. Nur weil jemand seit Jahrzehnten sein Unternehmen führt, heisst es nicht, dass er alle Gründe für eine Unwucht kennt. Mitarbeitende sind ja schlau gerade die zweite und dritte Führungsebene achtet oft sehr genau darauf, welche Informationen nach oben durchdringen und welche nicht. Daher gilt: Führen Sie eine qualitative und quantitative Mitarbeiterbefragung durch, um herauszufinden, wo es wirklich klemmt!

Zweitens: Suchen Sie sich Gleichgesinnte und formen eine Gruppe von Menschen in Ihrer Firma, mit denen sie gemeinsam an einer neuen Unternehmenskultur arbeiten können. Mit diesen Menschen müssten Sie ein klares, emotional positiv aufgeladenes Bild entwickeln, wie die ideale Kultur in Ihrem Unternehmen aussehen sollte – und weshalb Ihnen das Erreichen wichtig ist! Da wären wir wieder beim Anfang unseres Gesprächs: Nur wenn Sie starke, belastbare Vorstellungen der zukünftigen Unternehmenskultur in sich tragen, können Ihre Mitarbeitenden beginnen, eigene Vorstellungen in sich zu entwickeln. Ein Chef, der nicht weiß, wo er hinwill, der dezent zurückgelehnt den Wandel abwartet und erwartet, dass seine Mitarbeitenden sich für ihn um den Kulturwandel kümmern so ein Chef wird scheitern! Die Mannschaft braucht Sie als Vorbild!

»Führung ist kein Privileg.

Führung ist Dienstleistung.«

(Bodo Janssen)

»Führung heisst für mich, dass ich über die engen Grenzen meines Betriebes hinaussehe und mich frage, was die Unternehmenskultur und die Art des Wirtschaftens für Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Politik hat.«

(Pater Anselm Grün)

»Die Stimmung in einem Betrieb ist viel wichtiger als jedes Wissen und jedes Kapital.«

(Klaus Kobjoll)

»Wer führen will, darf denen,

die er führt, nicht im Wege stehen.«

(Laotse)

»Train people well enough so they can leave,

treat them well enough so they don’t want to.«

(Richard Branson)

»Kümmere dich um die Menschen,

dann kümmern sich die Ergebnisse um sich selbst.«

(Bodo Janssen)

»Wo Ihre Stärken nicht wertgeschätzt werden,

da gehören Sie nicht hin.«

(Mareke Bänziger-Plocher)

TEIL I: Selbstführung

Wer bin ich? Wie bin ich? Wie möchte ich gerne sein? Was berührt mich? Wofür bin ich? Wohin will ich? Bin ich der, der ich sein will? Oder will ich werden, der ich bin? Kommuniziere ich ehrlich mit meinem inneren Ich? Was inspiriert mich? Was erfüllt mich? Wie will ich gelebt haben?

heartwork works!

Einleitung ins Thema Selbstführung

»Wer führen will, muss erst sich selbst führen können.« (Pater Anselm Grün)

Menschen zu führen ist wohl eine der herausforderndsten und vielfältigsten Aufgaben. Im Berufsleben, im schulischen Umfeld, als Trainer, als Eltern – in allen Lebensbereichen. Sie fängt mit der größten Herausforderung an – der persönlichen Arbeit an uns selber: der Selbstführung.

Setzen wir uns zunächst mit uns selbst auseinander – mit unseren Stärken und Träumen wie mit unseren Schwächen und Ängsten. Nur wenn wir wissen und annehmen, woher wir kommen, wer wir sind und wohin wir wollen – nur dann können wir authentisch und wirksam führen. Ansonsten laufen wir Gefahr, unsere Verletzungen, Ängste, Zweifel, Hoffnungen und Erwartungen auf andere »abzuwälzen«. Oftmals ist das, was uns am meisten an unseren Mitmenschen stört, das, womit wir – unbewusst – bei uns selbst zu kämpfen haben.

Ärgert es Sie beispielsweise, wenn Ihr Gegenüber Sie »zutextet« oder immer recht haben will? Womöglich sind Sie selber ein Alpha-Tier? Treibt es Sie in den Wahnsinn, wenn Ihre Teenager den halben Sonntag verschlafen? Vielleicht sollten auch Sie mal wieder alle viere von sich strecken?

Wenn wir wissen, was unser Herz berührt, wenn wir mit uns im Reinen sind, dann verfügen wir über mehr Kraft, Ruhe, Gelassenheit und Klarheit – und strahlen dies auch aus. Es entsteht eine gesunde kompromisslose Konsequenz. Die beste Voraussetzung, ein glaubhaftes und nachahmenswertes Vorbild zu sein und andere zu führen.

Verwandlung statt Veränderung Interview mit Pater Anselm Grün

Foto: © privat

Pater Anselm Grün ist seit seinem 19. Lebensjahr Teil der Benediktinergemeinschaft der Abtei Münsterschwarzach. Ein Mönch.

Studien in Philosophie, Theologie und Betriebswirtschaft legten ihm die fachlichen Grundlagen für seine Tätigkeit als ehemaliger »Cellerar« der Abtei Münsterschwarzach (300 Mitarbeiter und 20 Betriebe), als heutiger Leiter des »Recollectio-Hauses« sowie Geschäftsführer der Fairhandel GmbH. Ein Unternehmer.

Pater Anselm ist der wohl bekannteste und meistgelesene christliche Autor. Über 300 Bücher hat er bis heute geschrieben. Seine Werke wurden in rund 30 Sprachen übersetzt, und weltweit hiervon 19 Millionen Bücher verkauft. Ein Bestseller-Autor.

In zahlreichen Kursen und Vorträgen geht Pater Anselm auf die Nöte und Fragen der Menschen ein. Er ist zum spirituellen und geistlichen Begleiter von vielen Führungskräften geworden. Ein Coach.

Neben all diesen herausragenden Funktionen habe ich Pater Anselm als Mensch erlebt.

www.anselm-gruen.dewww.abtei-muensterschwarzach.de

Seminar »Führen mit Werten« – mit Pater Anselm Grün, Kloster Münsterschwarzach.

Für meine persönliche Weiterbildung und im Hinblick auf das Buch verbrachte ich drei Tage im Kloster Münsterschwarzach. Über 30 Führungskräfte aus verschiedenen Wirtschaftssparten, vom Klein- bis hin zum Grossunternehmen, nahmen an dem Kurs teil.

Pater Anselm Grün führte spirituell, menschlich und herzlich durch den Kurs. Er wies auf verständliche Weise auf die wesentlichen Tugenden und christlichen Führungswerte hin. Diese waren bereits in den Benediktinerregeln verankert und sind nach wie vor ausserhalb der Klosterwände in der Privatwirtschaft wegweisend. Pater Anselm lehrte, ohne je zu moralisieren oder gar missionieren. Rituale und Gottesdienstbesuche, die jedem freistanden, rundeten das inspirierende Seminar ab. Topmanager gingen in sich und setzten sich intensiv mit ihrem Führungsverhalten, mit ihren Stärken und Schwächen und den »weichen« Führungsfaktoren auseinander. Man muss kein gläubiger Christ sein, um sich von den Worten von Pater Anselm Grün berühren und inspirieren zu lassen. Es reicht, einfach Mensch zu sein.

Pater Anselm, Ihre Seminare zum Thema Führen sind in unserer schnelllebigen und prozessorientierten Welt gefragter denn je. Die Umsetzung ist einfacher gesagt als getan. Wie gelingt es uns, die eigene Kompetenz als Führungsperson zu verbessern und möglichst schnell Impulse in diese Richtung umzusetzen?

In erster Linie dadurch, dass wir uns nicht unter Druck setzen und uns zu ambitionierte kurzfristige Ziele setzen. Dann ist das Umsetzen zum Scheitern verurteilt, analog dem Sprichwort »Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert«. Als Ziel soll in erster Linie nicht die Veränderung, sondern die innere Verwandlung angestrebt werden. Das gewünschte Denken und Handeln soll mit der Übung gelassen in Fleisch und Blut übergehen.

Zitate werden häufig als schnelle Impulsgeber genutzt, die Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen zu lenken. Warum wirken Zitate so stark, was glauben Sie?

Zitate können uns einen Weg aufzeigen. Wenn wir uns auf ein Zitat einlassen, können wir uns ausmalen, wie es in unserer Situation angewandt werden kann und was es bewirken könnte.

Die erste Wirkung solcher Lebensweisheiten ist, dass sie uns neue Augen schenken. Diese decken neue Sichtweisen in uns auf. Wir betrachten die Wirklichkeit mit neuen Augen und Perspektiven. Bereits dieser Schritt verwandelt uns ein Stück.