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Heimat? Die Sehnsucht nach... Wo die Seele Wurzeln schlaegt. Zwischen Fernweh und Ankommen. Heimat ist eines der kraftvollsten Worte unserer Sprache. Sie weckt Erinnerungen, Sehnsuechte und Wunden. In einer rastlosen, digitalen und entwurzelten Welt fragen wir uns: Wo gehoere ich hin? Ist Heimat ein Ort, ein Mensch, ein Gefuehl oder eine Illusion? Dieses Buch versammelt authentische Geschichten von Menschen, die Heimat suchen, verloren oder neu gefunden haben. Beruehrende Erzaehlungen von Flucht, Zugehoerigkeit, Entfremdung und innerem Ankommen. Ein Kaleidoskop aus Stimmen, Erinnerungen und Emotionen, mal poetisch, mal schonungslos ehrlich. Ein Buch ueber die vielleicht grösste Sehnsucht des Menschen: endlich anzukommen.
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Seitenzahl: 65
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Wo Liebe ist, ist Heimat.
Homecoming
Der Weg auf der Suche nach mir selbst
Salamitaktik – Heimatverlust, scheibchenweise.
Heimat ist da, wo ich bin: Eine Rückkehr zu den Wurzeln des Seins
Das Geheimnis der Heimat
Ubi bene, ibi patria: Wo es mir gut geht, da ist mein Vaterland
Ich habe in der Oberlausitz Urlaub gemacht
Heimat, das sind Beziehungen
Ich bin meine eigene Heimat
Shamballah – die Heimat in dir
Die erfundene Heimat
Die Migranten-Expat-Globetrotter-Kosmopolit-Weltenbummler-Jacke
FOMO-Manifest
Wo Heimat den Fallschirm ersetzt
Heimat ist Scheiße
Für mich ist Heimat weder ein Ziel noch eine Reise. Heimat ist eher der Ursprung der Reise – und zugleich das Ziel. So etwas wie ein fester oder langsam beweglicher, stabiler Ort oder Geisteszustand, zu dem ich nach einer Reise oder dem Erkunden von Orten zurückkehren kann.
Ich frage mich, ob die Heimat, die verloren, aber dennoch vertraut ist, überhaupt ein Ort ist – wie etwa Bulgarien. Vielleicht geht es eher um den Geist oder das Wesen der Menschen eines Ortes. Nicht um einen bulgarischen oder georgischen Geist, sondern um etwas Unfassbares, das beiden Ländern – und vielleicht noch anderen – gemeinsam ist. Unfassbar, also war es nie physisch, und deshalb war es immer unmöglich, es festzuhalten – und ist es noch. Natürlich kann man es also nicht halten, aber man kann ihm nahekommen. Nah genug, um sich damit vertraut zu fühlen. Und vielleicht so vertraut, dass man vergisst, dass es etwas Unfassbares ist, das man nicht festhalten kann – und trotzdem danach greift.
Es klingt zyklisch, weil es das vielleicht ist. Vielleicht ist es der natürliche Kreislauf: sich etwas Unfassbarem Vertrauten zu nähern, danach zu greifen, bevor es verblasst – und dann beginnt der Zyklus von Neuem.
Was ist eigentlich Heimat? Was und wo ist eigentlich Deine Heimat, Bernd? Das ist eine Frage, die ich mir so nie gestellt habe, die mir heute aber viel bewusster geworden ist und ich will erzählen, wie es dazu kam.
Es ist eine Geschichte, die vor 16 Jahren begann und fortan mein Leben bestimmte. Es ist Sonnabend, der 16. Mai 2009, 20.30 Uhr als Ilse und ich in Saint-Jean-Pied-de-Port bei Madame Maitia klingelten und unser Zimmer in ihrer Pension bezogen.
Es war ein langer Tag. Um 3 Uhr früh hat uns unser ehemaliger Kollege und Freund Gerhart Thiel in Nastätten abgeholt und zum Flughafen Hahn gebracht. Von dort ging es mit Ryanair zunächst nach London und von dort nach Biarritz an der französischen Atlantikküste.
Im Bus zum Bahnhof Bayonne trafen wir dann schon viele Gleichgesinnte mit großen Rucksäcken, wie unsere auch…
Der Zug nach Saint-Jean-Pied-de-Port ließ lange auf sich warten, weil – wie sich später herausstellte – unterwegs auf ihn geschossen wurde. Das fängt ja gut an! Schließlich haben wir alle unsere Rucksäcke verstaut und sind an den Rand der Pyrenäen gezuckelt.
Angekommen, ein bisschen ratlos, also der Herde folgen, die sich dann beim Hirten, sprich im Pilgerbüro traf, wo es Hinweise zu Übernachtung und nützliche Tipps für den nächsten Tag gab.
In einem Imbiss haben wir dann noch Pizza und Rotwein gekauft und sind dann zu Madame Maitia. Ich glaube, wir haben ganz gut geschlafen…
Am nächsten Morgen war zuerst Andrang im einzigen Bad für alle, freundliches Frühstück und dann begann:
Rückblick:
Ich bin Bernd, Jahrgang 1944 und meine Frau ist Ilse. Wir sind beide Chemiker, haben uns viele Jahre um Kunststoffe gekümmert, sind jetzt Rentner. Ich bin schon immer sportlich aktiv gewesen, Fußball und Laufen (Ilse eher weniger).
Wir lieben aber beide die Berge, besonders die Dolomiten sehr. Irgendwann habe ich Hape Kerkelings Pilgerbuch „Ich bin dann mal weg“ geschenkt bekommen und habe es verschlungen, war fasziniert und wusste sofort, ja, das will ich auch machen.
Für Ilse kam das überhaupt nicht in Frage!!!
Ich habe ziemlich bald mit der Vorbereitung begonnen und mich zuerst mit der Etappenplanung und den Übernachtungen beschäftigt.
Parallel habe ich einen Spanischkurs an der Volkshochschule besucht, was sich später als sehr nützlich herausstellen sollte.
Meine Etappenplanung ergab mit An- und Abreise 41 Tage, davon 35 Marschtage, je ein „Kulturtag“ in Burgos und Leon und zwei Tage in Santiago de Compostela.
Theoretisch kamen so 778,5 km zusammen, aber praktisch waren es wegen mancher „Umwege“ ein paar mehr als 800 km.
Bei der Planung der Übernachtungen kam es nun zur Entscheidung:
„Ilse, gehst Du mit mir?“ Na ja, durch meine Erzählungen über die Planungen hatte sie wohl ein bisschen Blut geleckt und hat zugestimmt.
Wir haben entschieden, uns den „Luxus“ zu genehmigen, für die Übernachtungen zuerst auf Hotels, Pensionen, Privatzimmer zu schauen und nur in Einzelfällen Pilgerherbergen zu nutzen. Das war alles ziemlich aufwendig, Sprache, Kommunikation, aber am Ende hatte ich eine Liste…
Nun war also klar, unsere Pilgertour ist vom
16. Mai bis 25. Juni 2009
Beim Freundeskreis der Jakobspilger Paderborn habe ich für jeden das Credencial (also den Pilgerausweis) und die Jakobsmuschel für den Rucksack besorgt. Dann haben wir zwei große Rucksäcke gekauft.
Ilse hat alle Sachen, die wir mitnehmen wollten und mussten, gewogen und die leichtesten ausgewählt.
Und bevor es losging, haben wir eine Packliste und einen Packplan erstellt, wo jedes Teil seinen Platz im Rucksack hat und den wir auch täglich genauso packten. Mit dem täglichen Proviant für unterwegs hatte jeder so 11 - 12 kg zu tragen. Ilse hat außerdem eine kleine Umhängetasche – für Frauen eben – getragen.
Im Credencial haben wir nach jeder Etappe in der Unterkunft oder im Pilgerbüro des Ortes einen Stempel bekommen, und in einem Tagebuch hat Ilse die Ereignisse festgehalten.
Zurück zum 17. Mai und zum Start unseres Weges über viele, viele, hohe Berge, über die lange, lange Meseta mit Sonne und Regen und Schmerzen…
Ich werde in dieser Geschichte nicht über jede Etappe berichten, sondern ich will erzählen, was passierte und was es mit uns machte und zu unserer inneren Heimat wurde.
Um einen Eindruck zu bekommen, wie so eine Etappe ablief, schildere ich mal den ersten Tag. Es ging in und über die Pyrenäen.
Wir haben uns – wie man im Radsport sagt – für einen Prolog entschieden und gingen hoch zur Refuge Orisson, einer Pilgerherberge (ausgerechnet am ersten Tag eine Herberge!), nur 7 km, aber steil hoch und mit schwerem, ungewohntem Rucksack. Das Wetter war, wie oft in den Bergen, wolkenverhangen.
Mit reichlich Pausen kamen wir nachmittags an, und (ich hatte ja bestellt) wir bekamen Doppelstockbetten in einem 6-Bettzimmer zugewiesen mit
2 Schwestern aus Zürich
1 Französin aus Toulouse
1 Japanerin aus Hiroshima
Ilse und Bernd aus Nastätten
Zentrale Dusche für alle mit Jeton und 2 Minuten Wasser!!! Hurry up!
Wir hatten ein gemeinsames Abendessen, und da fast alle hier am Anfang waren, haben sich alle in diversen Sprachen vorgestellt. Das war lustig, aber auch im Sinne der Stärkung des Gefühls für diese äußere und innere Reise, wir haben uns eingestimmt.
Inzwischen sind viele weitere Pilger gekommen, die keinen Platz in der Herberge mehr bekamen und draußen mit Zelt oder mit Schlafsack übernachten mussten…
Nachtruhe war angesagt, aber die Japanerin hatte gewaschen und musste nun die Sachen an den Bettgestängen zum Trocknen bringen, das hat gedauert. Jemand hat die ganze Nacht schwer geschnarcht, und wer soll`s gewesen sein? Bernd natürlich, hieß es am nächsten Morgen.
Aber Bernd weiß es ganz genau, er war es nicht, die Französin war`s…
Nacht gut überstanden, Morgentoilette nicht einfach mit Frau und Mann und wenig Waschmöglichkeit, ich habe einen Wasserhahn auf dem Flur genutzt.
Aber alles gut, kurzes, einfaches Frühstück, Obolus in die Herbergskasse und los ging es in den harten Pyrenäenaufstieg und, schlimmer, in den folgenden Abstieg.
So oder ähnlich verliefen die Übernachtungen während der Tour, natürlich in den Hotels/Pensionen mit etwas mehr Komfort und – vor allem – mit mehr Ruhe, Dusche und Zeit zur Pflege.
Und hier sind sie, unsere
10 Ge(h)bote für Pilger
