HEINRICH Fourtysix - Thomas Taschner - E-Book

HEINRICH Fourtysix E-Book

Thomas Taschner

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Beschreibung

Heinrich taucht in seiner eigenen, uns aber nicht ganz fremden monumentalen Welt durch die Untiefen der Menschheit. Es sind viele Dutzend Situationen, die er mehr zufällig als gewollt durchlebt und seine Mitmenschen dabei, zumeist mit großem Geschick, nur tangential an sich heranlässt, um den Umgang mit ihnen pflegen zu können. Er stößt an Grenzen, die es zu überwinden gilt. Der Lohn ist die Lebenserfahrung! Aber dorthin, wo das freudvolle Ziel in Reichweite scheint, führt immer ein langer Weg. Nehmen wir teil an seiner Reise zu ergebnisorientierter Transzendenz. ...Und am Ende des Schattens ist wieder Licht!

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Seitenzahl: 283

Veröffentlichungsjahr: 2020

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»Das Werk funktioniert, wenn es den Worten gelingt, die Phantasie anzuregen und damit deinen Gedanken eine wundervolle Bildgeschichte zu entlocken!«

Danksagung & Widmung

Ich bedanke mich zunächst einmal beim Leben, weil es uns oftmals vor große Aufgaben stellt. Weiters bedanke ich mich dafür, an schwierigen Situationen wachsen zu können, schöne genießen und aussergewöhnliche kennenlernen zu dürfen.

Mein Dank gilt ebenfalls der Zeit, die ich dafür verwenden kann, Dinge zu tun, die weder jemand von mir erwartet, noch je von mir verlangen würde.

Ich bedanke mich bei Derek, dem Hund, der für die Herstellung des Covers ganz still gesessen und ein anhängliches Synonym für wahre Liebe und Treue ist.

Natürlich bedanke ich mich auch bei der schönen Gerti, für die süße Barbara und beim Herrn Pfarrer, der so viel falsch und noch viel mehr richtig gemacht hat.

Den dritten Heinrich widme ich allen, für die Empathie kein Fremdwort ist, die Freude bereiten können und anderen, auch in schwierigen Zeiten, Unterstützung sind. Natürlich auch unserer geliebten Pamina, die jetzt die letzten 100 Seiten bei sich hat.

Weiters widme ich »Fourtysix« all jenen, die mit Ihrer Erziehung danach trachten, dass in Zukunft wieder wichtige Werte zählen und der zwischenmenschliche Umgang herzlicher und weniger egoistisch wird. #fightingtogetheragainstglobalization

Es ist wunderbar, wenn man das Leben einmal nicht so nehmen muss, wie andere es für dich vorgesehen haben. Gleichzeitig sollten wir dabei nicht die schönen Dinge vergessen, bei denen wohl auch Dritte ihre Hände mit Bedacht im Spiel hatten.

Die Welt hat zwei Seiten, selbst wenn sie tatsächlich eine Kugel sein sollte.

Denn hinter dem Horizont geht's erst richtig los!

Vorwort

Was im Grunde nur als dritter Teil und gleichzeitig bedingungslos in der Fortsetzung daherkommt, ist pure Eigenständigkeit.

Meine Fiktion spinnt ein Netz aus verschiedenen Umständen und begründet sich weit abseits des Nebenschauplatzes, der Handlung. Der rote Faden verbindet die magischen »46« miteinander, um sich hin und wieder einmal zu verlieren.

Heinrich rechnet gnadenlos mit der Welt ab und begreift viele Zusammenhänge darin erst bei der Endabrechnung.

Er findet in seinem Dilemma des Alltäglichen immer wieder Neues und verschafft sich so den Zugang zu den Werkzeugen, die es braucht, um in dem von Gott geschaffenen Konstrukt zu bestehen. Nach und nach kommen wir dahinter, dass auch wir sie brauchen. Wir sind allesamt nicht so weit vom Heinrich entfernt und vielleicht auch nicht vom Schorsch und einige nicht einmal vom Joschi!

Manches wird uns stören, anderes unangenehm sein, und es wird auch Zeilen geben, da wollen wir schon gar nicht, dass sie geschrieben wurden, geschweige denn, dass wir sie lesen müssen.

Der Raucher will nicht gesagt bekommen, dass Rauchen ungesund ist, und der Polizist nicht, dass er sich mit der Halbautomatischen im Halfter fühlt wie Django und einer, der gerne anonym in den Swingerclub geht, möchte vermutlich nicht lesen, dass das eben ein bisschen dings ist und noch dazu ein wenig bums.

Den Hintergrund muss man zuerst einmal verstehen. Schwierig?

Übrigens gibt es mindestens so viele dumme Fragen, wie es dumme Antworten gibt, und nur weil du in der Schule ein »Schwachmat« warst, heißt das nicht, dass du künftig auch ein absoluter Vollkoffer sein musst. Aber auch einer mit lauter Einsen wird nicht zwingend ein beruflicher Überflieger. Manche entwickeln sich zu Nieten und andere zu Rohrkrepierern, die eben nicht funktionieren. Und die Funktion ist eine Grundbedingung, die die Gesellschaft unberechtigt von dir erwartet. Facta non verba!

Inhalt:

Sportvereine

Feinkosttheke

Gericht & Gerechtigkeit

Arbeitnehmer & -geber

Kundenumgang

Kinderarbeit

Kapitalismus

Schattenwirtschaft

Landwirtschaft

Flüchtlingsproblematik

Reinlichkeit

Rotlichtmilieu

Ausborgen & Verleihen

Rauchen

Beziehungsdifferenzen

Polizei

Hund & Erziehung

Golf

Freunderlwirtschaft

Zweitjob

Sehnsucht

Geschlechter

Urlaubsgefühl

Bikini

Gemeindeamt

Schulwesen

Bundesheer

Glücksspiel

Ama…

Geplante Obsoleszenz

Umwelt

Frauenquote

Jahreszeiten

Über den grünen Klee

Besserwisser

Kinder

Lärm

Kleidung

Hausarbeit

Gas, Wasser, Sch….

Kunst

Natur

Sammel-Leidenschaft

Horoskop

Andere Länder, and…

Petrus reloaded

HEINRICH FOURTYSIX - Die Welt ist viel zu viel

Vielleicht werden sich manche fragen, warum ich dieses Mal einen Untertitel verwende. Und dann gleich auch noch so einen, der klingt, als hätte ich ihn einem Agentenfilm entlehnt. Ich wollte eigentlich - wie immer - minimalistisch bleiben, wie es der Heinrich im Grunde seines Selbst ja ist, aber das hätte nicht ganz zu seinem dritten Auftritt gepasst.

»46« steht für die Vielzahl an Dingen, mit denen er sich beschäftigen muss und gleichwohl auch - numerologisch gesehen - für die Neubestimmung seiner Lebensrichtung.

»Fourtysix« fordert ihn regelrecht dazu auf, seine Lebensgeister zu wecken und sich der Erfüllung anzunähern. Ich kenne die Zahl sehr gut. Wir alle kennen sie als Nummer sehr gut.

Da steht sie für unbedingten Siegeswillen, für Talent und Begeisterung. Es ist schließlich die Wettkampfnummer von niemand Geringerem als Valentino Rossi.

Heinrich wollte unbedingt, dass ich dieses Buch beginne als »Heinrich reist« noch gar nicht abgeschlossen war. Du brauchst jetzt nicht zu befürchten, dass es sich hier um eine schlichte Fortsetzung oder gar um eine Trilogie handelt.

Nichts läge mir ferner!

Heinrich ist weder ein neuer John McClane, noch habe ich vor, aus ihm einen weiteren Herrn der Ringe zu machen und schon gar keinen Zauberlehrling, obwohl man ihn manchmal durchaus gemeinhin als »Zauberer« hätte bezeichnen dürfen. Der dritte Teil - wenn man so will - handelt davon, dass unser Heinrich eben vieles nicht verstehen kann, was um uns herum geschieht.

So hat er mich als Autor für mitteilungsbedürftige Choleriker dazu verwendet, mit der Welt - wie wir sie täglich vorfinden - abzurechnen. Vielleicht ist »abrechnen« zu theatralisch ausgedrückt, mir fiel aber bis zum finalen Layout keine treffendere Bezeichnung ein.

Der Titel hätte auch »Heinrichs Abrechnung« lauten können. Oder vielleicht etwas internationaler: »Heinrich’s return«!

Ich habe den Titel weniger explosiv, aber keinen Deut reduzierter gewählt, weil für den Heinrich bereits einiges zu viel ist, was vielleicht für andere nicht genug sein kann.

Wir wissen ja mittlerweile alle, dass er leicht erregbar veranlagt, mit dem Hang zu überempfindlichen Wahrnehmungen ist, und es war ihm ein Anliegen, ganz subjektiv Dinge zu beleuchten, die vermutlich viele von uns stören oder zumindest irritieren, wir diese aber oftmals zu wenig thematisieren, um rechtzeitig etwas daran verändern zu können.

Umstände sind dazu da, gelebt zu werden. Sie sind das Salz in der Suppe des Lebens, und die Dinge sind einfach Dinge, die ...es einfach gibt. Nur so wie wir sie erschaffen haben.

Für viele dieser Dinge scheint es auch aus objektiver Sicht bereits Fünf nach Zwölf zu sein.

Sollte die Leserin Zeilen finden, die sie nachdenklich machen, kann davon ausgegangen werden, dass dies nicht dem schieren Zufall geschuldet ist.

Als nunmehr langjähriger Gefolgsmann Heinrichs kann ich ihm den unbedingten Wunsch nach Veröffentlichung natürlich nicht versagen. Das musste schlicht und einfach niedergeschrieben werden, auch wenn es dazu führen kann, dass sich bei einigen Lesern der Blutdruck in schwindel-erregende Höhen schraubt, oder sich der eine oder andere auch auf den Schlips getreten fühlen könnte.

Empathie in diesem Zusammenhang ist dem Heinrich kein großes Anliegen. Der Autor wird sich seinerseits im Folgenden natürlich bemühen, verbindend einzuwirken - stets aber ohne Gewähr, denn die Ehrlichkeit haut dir auch mal eine rein.

Es sei vorausgeschickt, dass ich mitnichten stets ein wagemutiger Draufgänger bin, der offensiv in die Vollen geht, aber manchmal muss schon auch etwas gesagt, oder wie hier geschrieben werden können, das nicht jedem gefallen muss.

Heinrich hat schließlich bereits viel hinter sich, und keiner weiß, wie viel er noch vor sich hat! Aber je älter er wird, desto mehr stört ihn auch, und umso eher verfängt er sich in fremdbestimmten Verhaltensmustern und ist scheinbar der Willkür der Menschheit ausgeliefert. Nur er?

Jetzt stellen wir uns natürlich Fragen, die es vorab zu klären gilt. Sind die Menschen anders als früher? Was ist früher? Vor 10 Jahren, vor 30 oder vor 100 Jahren? Haben wir uns zum Schlechteren entwickelt, oder doch eher die Gesellschaft? Ist er zu kleinlich? Wer ist die Gesellschaft? Alle, die Freunde und Bekannten, oder die Familie, die man bekanntlich sowieso nehmen muss, wie sie ist, weil Aussuchen geht nicht?

Heinrich begegnet seinen Mitmenschen zu allererst reserviert und angespannt. Die ihm fremd gewordene Umgebung irritiert ihn.

War sein Hof in Hartberg bis jetzt der Ruhepol und ein geeigneter Rückzugsort gewesen, so ist das jetzt anders. Seit dem gemeinsamen Urlaub mit Klara hat sich die Welt gedreht. Also geht die Sonne jetzt im Westen auf? Oder bleibt doch alles so, wie es immer war?

Er versteht mittlerweile seine eigenen Legehühner nicht mehr. Warum picken sie einander die Augen aus, wenn sie doch so eng miteinander leben? So eine Legebatterie ist doch dazu da, dass alle näher zusammenrücken, oder? Warum legt die eine Henne jetzt keine weißen Eier mehr, wenn die doch zu Ostern viel geeigneter wären, um sie zu bemalen? Warum ist in manchen Eiern ein zweiter Dotter, obwohl ein einziger mit Sicherheit ausgereicht hätte? Ein Tsunami aus einem Meer voller Fragen, der über dem Heinrich hereinzubrechen droht. Und das ist nur der, der seinen Mikrokosmos betrifft - mit dem Makro werden wir uns später beschäftigen.

Dazu müsste er erst einmal seinen Komfortbereich verlassen. Ob er sich dem stellen mag? Ich weiß es nicht.

Ich mache mir echt Sorgen, denn die Welt ist ein gutes Stück grausamer geworden. Umso mehr die Leute auf sich selbst schauen, desto weniger lassen sie noch anderen etwas zukommen. Heinrich sagt: »Das ist beinahe wie im Krieg.«

Solche Statements stimmen mich nicht nur nachdenklich. Denn ein Wort wie dieses in diesem Zusammenhang zu verwenden, bereitet mir mehr als nur Unbehagen. Ich selbst habe Krieg - Gott oder wem auch immer sei es gedankt - nur von Weitem mitbekommen, und das ist gut so.

Die Medien tragen ihn zwar immer näher an uns heran, aber wenn dich so ein Krieg nicht unmittelbar betrifft, so ist er im Grunde - analytisch betrachtet - immer weit weg.

Serbien ist nicht so weit entfernt, rein geografisch gesehen, aber doch sehr weit weg, wenn dort Krieg herrscht. So von der Gefühlsebene her. Wenn man auch der Meinung ist, dass Heinrich hier zu Übertreibung neigt, sollte man für den geografischen Mikrokosmos schon eines erkennen:

Er hat nicht unrecht. Das Zusammenleben ist ein zwischenmenschlicher Partisanenkampf. Kurz und verdeckt zuschlagen und dann wieder zurückziehen. Die Bürger des Mittelstands haben das perfektioniert, hat der Heinrich gesagt, weil die tauchen auf dem Rückzug immer wieder in der Menge unter und in die Anonymität ab. Die agieren unter dem Drang, nicht in Richtung Unterschicht zu verkommen. Weil wenn du einen anderen runtermachst, stehst du besser da, und wenn du die Ellenbogen ausfährst, kommst du leichter nach vorne.

Ein gutes Beispiel schreibt der Fußball: Ohne Jochbeinbruch heutzutage ein Spiel zu beenden, ist fast eine Ausnahme. Ellenbogen sind die neuen Köpfe, sagt der Bertram, der jedes Heimspiel der Hartberger aufmerksam verfolgt.

Der Heinrich hat mit einer solchen Einstellung nichts anfangen können. Das lässt sich nicht mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn vereinbaren. Mit seinem cholerischen Verhalten wäre das zwar zum Teil kompatibel, ganz sicher aber nicht mit seiner momentanen Lebensführung.

Früher waren Geschehnisse, in denen man sich ungerecht behandelt gefühlt hat, ja nicht unbedingt an der Tagesordnung, aber heute ist es an allen Ecken und Enden so, dass du einem richtigen Volltrottel gegenüberstehst.

Da kannst du gar nichts machen. Und dafür hat es nicht einmal den Heinrich gebraucht, weil da musst du nur vor die eigene Tür gehen, und schon der Erste schaut dich belämmert und ohne zu grüßen an. Da könnte man dem gleich eine im Vorbeigehen mitgeben, dass der gegen die Bushütte rennt, dass es nur so kracht!

Nur wollen wir doch wegen solcher Individuen nicht auch noch - quasi - eine Sachbeschädigung von der Bushütte brechen.

Einmal links abbiegen und in den Park hinein, und spätestens jetzt stehst du dem nächsten »Eierschädl« gegenüber. Das ist ja geradezu wie in einem Adventure-Game, wo du so viele Volltrotteln wie möglich einsammeln musst.

Damit hast du es nicht schwer, heute. Die drängen sich geradezu auf. Ob vor der Schule, im Supermarkt, auf dem Sportplatz oder beim Minigolf - ein »Pumperer« nach dem anderen. Quer durch alle Altersstufen.

Du siehst solche im Fernsehen, im Lokal deiner Wahl, und auch im Urlaub verfolgen die dich.

»Volltrottel« ist ja leicht einmal hingesagt, aber wo kommt diese Bezeichnung eigentlich her?

Sie benennt im Prinzip nur Personen, die sich aus dem gesellschaftlichen Leben weitgehend heraushalten, sie wird aber bei uns umgangssprachlich für jegliche Art von Vollpfosten verwendet.

Und wir nehmen es hier als Überbegriff für vieles …und überhaupt. Eh schon wissen.

Der »Volltrottel« ist halt ein brauchbares Synonym für immer mehr menschenähnliche Individuen, denen wir nicht gänzlich entkommen können.

1. Sportvereine

Der Maier Michi zum Beispiel. Der ist ein »aufrechter Hiasl« gewesen, wie man auf gut Hartbergerisch sagen würde, aber genau Menschen von diesem Schlag passieren immer solche Dinge. Wenn du rein körpersprachlich zu erkennen gibst, dass du einer bist, der auch einmal zurücksteckt, dann hast du schon verloren. Da kreisen die Geier nicht nur über dir - nein, die stürzen sich auf dich herab, das glaubst du nicht.

Weil der Michi hat seinen Sohn, den Joschi, im örtlichen Fußballverein eingeschrieben. Der Joschi war ja immer schon eine »grundsätzliche Grätzn«, wie der Heinrich sagen würde, aber was dort passiert ist, ist schon auch ein gutes Stück weit sagenhaft. Pass genau auf:

Der Michi ist ja früher ein sehr guter Fußballer gewesen. Der hat auch in der steirischen Auswahl gespielt, und da wünscht du dir als Vater normalerweise einen ähnlichen Werdegang für deinen Sohn, soviel ist klar. Rein vom Physischen hätte es der Joschi schon draufgehabt, aber vom Kopf her war der, von Beginn an, der reine Sensenmann! Der ist mit acht Jahren schon seinen Mitspielern hineingegrätscht, da haben die Knochen reihenweise »Guten Tag« gesagt.

Also, ohne Schienbeinschützer gegen den Joschi, da hast du ganz schnell ein Semester gefehlt in der Volksschule!

Vom Michi her war das schon verständlich, weil der hat eine schöne Kindheit gehabt durch den Sport und angesehen war er dann später auch noch deswegen. Der war sowieso mehr so die feine Klinge, sprich der Zidane aus der Steiermark. Der hat seine Gegenspieler auf einer blauen Mauritius schwindlig gespielt, das war sehenswert.

Und so hat er es auch für seinen Joschi wollen, weil wenn der Vater es nicht in die Champions League geschafft hat, heißt das nicht gleich, dass der Sohnemann es auch nicht schafft!

Aber die Zeiten haben sich geändert, weil im Fußball ist es gar nicht mehr so sehr um Fußball gegangen, sondern um Tanzveranstaltungen zu Ostern, zum Oktoberfest und zu Weihnachten noch eine kleine Feier, damit die Kantine irgendwann doch noch die Schnitzelsemmeln loswerden kann. Da haben die kleinen Fußballfratzen schneller eine Arie singen können, als einen geraden Pass auf drei Meter. So einen Fall schaust du dir natürlich auch ein wenig an, weil zuerst denkst du dir ja nicht viel dabei. Das wird schon. Das wird schon werden. Aber der Michi hat dem Heinrich alles gesagt.

Da ist nichts geworden, außer alles schlimmer. Zum Oktoberfest damals hat der siebenjährige Joschi schon einen traditionellen »Schuhplattler« einstudieren müssen. Da sind gut fünfzehn Trainingseinheiten draufgegangen, weil ja bitte unsere minderbemittelte Gesellschaft auch keine Lernraketen mehr hervorbringt. Und so ein Joschi war auch nicht heiß drauf, in einer Kunstlederhose vom Kik im Kreis zu hüpfen und Ohrfeigen zu kassieren. Ausgeteilt hat er sie eh gerne, aber einstecken - Fehlanzeige.

Dem Michi ist dann irgendwann »nervenstrangmäßig« der Leitungsschutz gefallen. Das ist dann mehr etwas für die Elektriker unter den Lesern. Da hat es herausgeraucht aus dem Steirerhut, wenn du weißt was ich damit sagen will.

Weil dort wurde nur noch hin und wieder Fußball gespielt, und die Trainer hatten von dem Sport nicht mehr Ahnung als der Heinrich - und das mag was heißen.

Trainiert hat die kleinen Racker der Degris Franz. Der war damals irgendwann bei Sturm Graz eine große Nummer, aber hier in Hartberg ist er eine sehr kleine Nummer gewesen. Weil der hat diese bunten Übungshütchen aufgestellt, da hast du geglaubt, die feiern Karneval. Da konnte man keine Wiese mehr sehen vor lauter Hütchen. Und in einem solchen Fall fragst du dich natürlich, ob dein Sohn ein Fußballer oder ein Hütchenspieler werden wird. Der Michi ist dann zum Jugendleiter gegangen und hat ihn einmal durch die Blume gefragt, ob diese Vorgehensweise in dem Verein wirklich ernst gemeint ist.

Also, er hätte mit dieser Aufgabe lieber den Heinrich betrauen sollen, weil der war echt diplomatisch im Gegensatz zum Michi und sprachlich mehr der Zidane.

Aber gut - was es wiegt, das hat es auch. Da kann man ruhig einmal direkt etwas ansprechen - nur hätte es die vielen Schimpfwörter nicht gebraucht, die der Maier dazu verwendet hat. »Durch die Blume« ist da jetzt auch mehr so eine nutzlose Metapher gewesen, wie du dir denken kannst.

Der Jugendleiter hat sich gar nicht lange mit ihm auseinandergesetzt. Es wurde ihm einfach nahegelegt, mit seinem Sohnemann das Weite zu suchen. Vielleicht gäbe es ja einen anderen Club, der für sie einen Platz hat. Da bist du dann auch als Vater machtlos, selbst, wenn du mal ein guter Kicker warst, den man noch heute kennt.

Sicher ist der Michi dann noch von Pontius zu Pilatus und so, aber ein durch und durch sturer Jugendleiter nimmt keine Entscheidung mehr zurück. Den Job haben ja auch nur die gemacht, die zu blöd waren, um eine Mannschaft zu trainieren, hat der Michi gemeint! Was willst du da noch sagen?

Der Heinrich hätte in jedem Fall lieber gehabt, dass ihm das der Michi gar nicht erzählt hätte, weil der hat sich so aufgeregt, da sind die Adern an den Schläfen hervorgetreten, wie die übergehende Mur!

Freunde, Freunde, war der heiß! Dass seine Gefäße dem Blutdruck überhaupt standgehalten haben, grenzt an ein Wunder. Und dabei ist es um den Joschi gegangen, den er sowieso leiden konnte, wie einen Nierenstein.

»Immer wird man von oben herab behandelt! Keiner kann einen Fehler zugeben und niemand will mehr sachlich argumentieren!« Damit hat er sicher recht gehabt.

Wir haben leider größtenteils die Selbstreflexion verlernt, und die Gabe etwas einzugestehen, ist uns auch abhanden gekommen. Vor allem denen, die irgendwann einmal diesbezüglich von sich sagen konnten: »Yes, I can!«

2. Feinkosttheke

Der Heinrich ist daraufhin zum Spar gegangen, weil beim Billa streitet er immer mit der Kassiererin, und einem derartigen Erlebnis wollte er jetzt vorbeugen.

Der Maier Michi hat ihm echt leid getan. Dem Joschi hätte er schon ein paar gesunde Watschen vom Jugendleiter gewünscht, aber das tat nichts zur Sache.

Jetzt hat er sich bei der Feinkosttheke angestellt, weil er sich eine Wurstsemmel mit Gurkerl kaufen wollte. Nur kannst du dir sicher denken, dass so ein Heinrich durchaus einfach zu übersehen ist mit seinen 165 cm, und genau das war das Problem. Weil bei so einer Theke weißt du schon im Vorhinein nicht, auf welcher Seite du dich anstellen sollst. Die netten Damen fragen zwar immer nach dem Nächsten, aber da gewinnt auch recht oft der Schnellere.

Jetzt sind zwei Arbeiter vor ihm gewesen und die haben auch noch einen Zettel im DIN A2-Format mitgehabt, von dem sie die Bestellungen abgelesen haben. Siebzig Mal gefaltet, damit er in die Brusttasche passt. Da geht dem Heinrich schon das Klappmesser im Sack auf, weil die kaufen immer für die ganze Schattenwirtschaftsbelegschaft ein, und das braucht schon seine Zeit. Da stehen nicht nur ein paar Sachen drauf, der ist vollgekritzelt mit mikroskopisch kleinen slawischdeutschen Wortfragmenten. Aber selbst die waren dann auch irgendwann fertig bedient, und da hat sich von rechts eine Pensionistin angeschlichen und bei »Nächster bitte!« schnell 20 dag Polnische bestellt. Der Heinrich hat sich gedacht, dass die Bedienung schon darauf aufmerksam machen würde, dass er schon länger wartet und auch vor der Dame gestanden ist.

Da hat er sich aber getäuscht, weil denen ist das völlig schnurz! Dort wird eine Wurst nach der anderen aufgeschnitten, und um eine ordentliche Anstellpolitik kümmern sich die nicht die Bohne. Dem Heinrich ist jetzt die Pensionistin gerade recht gekommen, weil die hat er gedanklich schon im Schwitzkasten gehabt.

»Haben Sie mich übersehen?« Er versuchte es noch auf die nette Art. »Wie bitte? Ich bin dran!«, gab sich die Zahnlose schmerzbefreit. »Und eine Kranzlextra krieg i a no!«

Jetzt hat es aber Dreizehn geschlagen, weil so geht es ja wirklich nicht! Der Heinrich hat gewartet, bis die Polnische über die Theke gereicht wurde und dann hat er blitzschnell reagiert! Sofort hat er vor der Alten zugegriffen und die gut verpackte Wurst bis zur Obstabteilung zurückgeschleudert. Da haben alle nur so geschaut, kannst du dir denken.

»Wenn ich jetzt nicht sofort drankomme, fliegt die Kranzlextra in die Cross-Abteilung!« In einem solchen Fall ist nicht gut Kirschen essen mit dem Heinrich. Da waren sie gut beraten, schnell die Semmel herauszurücken, und die Pensionistin fuhr sogleich Richtung Obst, um ihre Flugpost wiederzufinden.

Heinrich war mit sich zufrieden und ging Richtung Kassa. Jetzt sollte er der Nebelkrähe noch ein Loch in den Reifen ihres Rollators stechen, um ihr eine steile Lernkurve zu ermöglichen. Das hat er dann aber lieber sein lassen, weil da hast du schnell eine Vorstrafe, wenn die sich mit dem Platten irgendwo einbaut. In so einem Fall sitzt du vielleicht bereits wochenlang in Untersuchungshaft, während sich dieser wandelnde Pensionsschock wieder bei irgendeiner Feinkost vordrängt.

3. Gericht & Gerechtigkeit

Und da sind wir ja gleich beim nächsten springenden Punkt, bezüglich Recht und Unrecht. Vor Gericht kriegst du sowieso maximal Recht, aber keine Gerechtigkeit. Dieser kluge Ausspruch ist nicht von irgendwem, wenn du glaubst. Der wurde von einer äußerst attraktiven Richterin am Wiener Handelsgericht getätigt, und die weiß mit Sicherheit, wovon sie spricht.

Weil dem Fernbeißer Schorsch haben sie vor einiger Zeit einmal das Auto demoliert, und er hat gleich einen Geständnisbrief hinter der Windschutzscheibe gehabt.

Da denkst du aber nur, dass das was gebracht hätte, weil der Verfasser der Nachricht hat den Tatbestand, ein paar Monate danach, einfach wieder abgestritten und fertig. Einen Augenzeugen hat es zwar gegeben, aber der wurde wegen Befangenheit abgelehnt, weil der ein weitschichtiger Verwandter vom Schorsch gewesen ist.

Na super - wer bitte ist in Hartberg nicht irgendwie mit jemandem verwandt? Es darf einem einfach nichts passieren. Der Schorsch hat damals über zwei Jahre warten müssen, bis ihm ein Schadensersatz zugesprochen und in weiterer Folge dann auch ausbezahlt wurde. Da hat er zuvor in Vorlage gehen müssen, weil sonst hätte er das Auto einfach nur stehenlassen können, und als Juniorchef im elterlichen Betrieb ist das auch nicht ohne! Die Heidelbeeren wollen ja auch durch die Gegend gefahren werden, weil den öffentlichen Verkehr kannst du denen nicht zumuten.

Die haben den Schorsch übrigens dreimal beim Landesgericht in Graz antanzen lassen wegen der Sache.

Da hat sich schon das Gerücht breitgemacht, dass der irgendetwas ausgefressen hat.

In einem solchen Fall wird aus dir gleich ein Einbrecher oder gar ein Mörder, so schnell kannst du gar nicht schauen. Was da beim praktischen Arzt alles zusammengereimt worden ist, willst du nicht wissen!

Wenn du bei so einem Gericht vorstellig wirst, durchleuchten die dich gleich im Foyer bis auf die Unterhose.

Ab 50 ist das ausgezeichnet, weil da kannst du dir die Vorsorgeuntersuchung beim Arzt gleich sparen, weil wenn der Torbogen im Gericht anspricht, wird dir ganz ohne E-Card sofort eine rektale Rundumspiegelung verpasst, da gibts du bereitwillig gleich Dinge zu, die du nie verbrochen hast.

Der Heinrich war froh, dass er das noch nicht erleben musste. Wobei der Schorsch ja mit so einer Darmspiegelung grundsätzlich kein großes Problem hätte haben dürfen, aber das wollte er jetzt auch, rein gedanklich, nicht weiter vertiefen. Das würde viel zu weit ins Private hineinführen, war sich der Heinrich sicher.

Der Schorsch hat auch einen Anwalt gehabt und da musst du unglaublich aufpassen. Weil das Lieblingswort aller Anwälte und Richter ist »Vergleich«! Und das klingt in jedem Fall besser als es ist, weil wenn du einem Vergleich zustimmst, gibts du, rein rechtlich, auch gleich eine Teilschuld zu. Das hat dem Fernbeißer natürlich sauer aufgestoßen, das kannst du dir denken. Wenn du zu Hause vor dem TV-Gerät sitzt und unten auf dem Parkplatz räumt einer deinen Wagen weg, willst du auch keine Teilschuld deinerseits einräumen.

So Vergleiche sind halt für jeden ein Geschäft, war sich der Heinrich sicher. Beklagter und Kläger fressen jeweils nur einen Teil der Streitsumme, und die Anwälte schneiden kräftig mit. Das Gericht wird nicht länger als notwendig belastet, und so haben eben fast alle etwas davon.

Und wenn du das nicht willst und standhaft bleibst - wie der Schorsch -, dann ziehen gleich Jahre ins Land. Da kassierst du zweimal die Feriensperre des Gerichts, weil im Juli und August wird ja da grundsätzlich schon nichts gearbeitet. Warum bloß? Haben die etwa Schulferien, wollte der Heinrich gleich wissen. Gut, die müssen sich über das Beamtenlatein hermachen, aber die schulische Ausbildung sollten die bei Gericht doch schon abgeschlossen haben. Wer weiß?

Hast du dir schonmal so einen Paragraphen durchgelesen? Da wird dir anders, kann ich dir sagen. Da reicht es nicht, wenn du der deutschen Sprache mächtig bist, da braucht es definitiv mehr. Das ist absichtlich so geschrieben, dass der durchschnittliche Erdenbürger überhaupt keine Chance hat, dahinterzukommen, worum es in diesem Text eigentlich geht. Da würde der Heinrich die Kabel kriegen, Umspannwerk nichts dagegen.

So eine handgestrickte Ungerechtigkeit von diesen Winkeladvokaten hat er überhaupt nicht leiden können. Vielleicht stammt auch daher seine Abneigung gegen Anzugträger?! Wenn er so einen gelackten Affen schon sieht, vielleicht auch noch in einem Nadelstreif mit Krawatte und tailliert, da ist es mit dem umgänglichen Heinrich schon vorbei, egal ob der, der im Anzug steckt Jus studiert hat, ein einfacher Banker oder auch nur ein italienischer Pizzabäcker auf Kundenfang ist. Die Schulterpolsterträger werden alle in einen Topf gekippt, da kennt der Heinrich kein Pardon.

Also, wenn du an die ein paar Prügel verteilst, triffst du keinen Falschen, da war er sich sicher.

Der Fernbeißer, zum Beispiel, hat aber sehr wohl einen Falschen getroffen, weil sein Anwalt hat mit Homosexualität nichts am Hut gehabt, und das hat er ihn auch spüren lassen. Dieser Umstand hat das Verfahren dann auch nicht gerade beschleunigt, wie du dir sicher denken kannst.

Obwohl, so richtig hat man dem Schorsch seine sexuelle Ausrichtung eigentlich nicht angemerkt, aber binnen zweier Jahre Rechtsbeistand kann dich schon so einiges der Wahrheit näherbringen. Nicht dass er ihn angebaggert hätte, aber die eine Geste da und die andere dort, und schon ist die Schwuchtel zusammengereimt! Obwohl es nicht erwiesen war, dass dies zu einer Verlängerung der Rechtssache geführt hat.

Da bist du dem System einfach ausgeliefert, und genau da kommen wir wieder zum Ursprung dieser ganzen Geschichte zurück.

Es gibt einfach immer mehr Dinge, die wir selbstverständlich so hinnehmen müssen, weil wir uns sonst nur Probleme einhandeln.

Der Michi hat es auch aufgeben müssen mit dem Fußball für den Joschi. Da hätte er von der Brücke springen können oder einen dreifachen Salto mit Telemarklandung auf dem Jugendleitergesicht - den Verein hätte das Null beeindruckt! Wer die Macht hat - und sei sie noch so klein -, der spielt sie auch aus.

4. Arbeitgeber & Arbeitnehmer

Der Heinrich hat so ein Verhalten abscheulich gefunden, und ich möchte ihm da unbedingt beipflichten. Aber es ist in unserer Zeit noch abscheulicher, wieviele Menschen sich in diese Machtspielchen verstricken lassen.

Wo die Anneliese früher einfach ein paar Mehlspeisen gebacken und Kaffee verkauft hat, da ist sie jetzt über Nacht zum Postpartner geworden. Und da brauchst du nicht glauben, dass das so einfach ist, weil die muss alles annehmen, was da kommt, passt es bei ihr hinein oder nicht. Da war sie auch oft nicht begeistert, aber aufgelehnt hat sie sich nie gegen das Versandkartell.

Der Mehmet hat auch zu wenig Geld verdient auf der Jet-Tankstelle, obwohl er fast Tag und Nacht dort gewesen ist. Hat er sich jemals beschwert? Hat er gesagt: »So nicht«?

Nein - hat er nicht.

Es scheint entweder eine unwahrscheinliche Gleichgültigkeit vorzuherrschen oder wir sind wirklich in unseren Existenzängsten derart gefangen, dass wir uns alles gefallen lassen. Im Lagerhaus ist es ja auch hinter verschlossenen Türen zugegangen wie in Sodom und Gomorrha, hat der Heinrich gewusst. Er selbst ist ja nur für zehn Stunden angemeldet gewesen, und es hat ihn auch nicht so betroffen, aber mit den Vollzeitangestellten ist manchmal grenzwertig umgegangen worden. Betriebsrat da, Gewerkschaft dort, da hilft dir keiner. Überall wird gespart bei den Arbeitskräften, weil die verdienen immer zu viel und leisten zu wenig.

Zu Weihnachten werden dann zwar meist Briefe verschickt, in denen steht, wie froh man ist, so gute Mitarbeiter zu haben - nur ist der Inhalt leider selten den Toner wert, mit dem der Text gedruckt wurde.

Der Heinrich hätte sich da mehr Wertschätzung und Anerkennung gewünscht, und das ist nicht immer nur ein Geldkuvert. Für viele Chefs ist Mitarbeiterführung leider sowieso ein Freifach gewesen, von dem sie sich abgemeldet haben, wie der Heinrich von der Religion. Da gehört mehr dazu als nur zu studieren. Sicher ist eine gute Bildung wichtig und auch ein geeignetes Auftreten, aber noch wesentlicher sind Empathie, Erfahrung und der adäquate Umgang mit anderen.

So ein kleiner Karli hat früher in der Schule gelernt, dass man aus einem Topf nicht immer etwas herausnehmen kann, ohne irgendwann auch mal etwas hineinzugeben. Der Magister, Doktor oder Professor Karl weiß dann leider nichts mehr davon und presst den Topf aus wie eine Zitrone, denn es muss - auch aus einem leeren Topf - noch etwas herauszuholen sein.

Das Auspressen ist übrigens eines der Kernziele des Lehrgangs für Führungskräfte. Da kommt nichts Besseres heraus, wenn man seine leitenden Angestellten auf so ein Seminar für gehobenes »Teambuilding« oder zu einem »Kuschelkurs« für Projektmanager schickt!

Ein insgesamt mehr als fragwürdiges Verhalten, hat sich der Heinrich gedacht, aber so entwickelt sich der Mensch.

Zuerst kommt das Ego, dann der eigene Wohlstand und Erfolg, und andere zählen nur, wenn man irgendwo spendet, damit man den Gewinn verringern kann, um steuerschonend wirtschaften zu können.

5. Kundenumgang

So kann es doch nicht weitergehen, hat sich der Heinrich gedacht und ist vom Spar direkt zum Einrichtungsberater Müller gegangen. Denn dort hat er - obwohl kein Lebensmittelladen - auch noch ein Hühnchen zu rupfen gehabt. Da war echt einmal Zeit für »Tabula rasa«!

Der Müller war im Grunde ja eh in Ordnung als Arbeitgeber, aber die Chefin ist halt so eine Frau, die gerne die Hosen an hat und mit denen hat der Heinrich im Speziellen so seine Probleme gehabt. Diesbezüglich ist jetzt die Müllerin aber auch nicht die Einzige gewesen. Er ist ja damals freiwillig aus dem Unternehmen ausgeschieden und da hat auch alles soweit gepasst. Der Senior-Chef ist sowieso ein Gentleman gewesen. Noch so einer der Alten Schule, mit Handschlagqualität.

Sowas findest du nirgends mehr, weil wenn du dir heute nicht alles schriftlich geben lässt, hast du keine Chance. Alles auf Papier, mit Brief und Siegel. Und wenn geht, noch in doppelter Ausführung und mit Unterschriften von zwanzig Zeugen!

Amtlich beglaubigt wäre ein noch weiterer entscheidender Vorteil, wenn es um etwas geht.

Der Heinrich hat damals ein hervorragendes Arbeitszeugnis bekommen, da hätte er bei jedem anderen Einrichtungsberater sofort anfangen können. Die hätten ihm regelrecht den roten Seidenteppich ausgerollt.

Leider hat es auch nicht so viele im Umland von Hartberg gegeben, und in der Stadt selbst überhaupt nur den Müller. Denn wer braucht heute noch einen Einrichtungsberater?

In unserer Zeit, in der jeder alles weiß und sich überall auskennt, in der jeder der beste Designer ist und Architekt selbstredend. Da bleiben nur noch die großen Möbelgeschäfte übrig, alles andere in dem Segment ist tot.

Gerade die, die alles können, ruinieren die privaten Anbieter, weil ihnen einfach keine Dienstleistung gut genug ist. Als Designer ist heute Photoshop aus dem Effeff Pflicht und Mac und PC sowieso, und als Architekt musst du schon gratis planen, damit sich überhaupt irgendwer für deine Tätigkeit interessiert. Tischlereien überleben nur, wenn sie sich auf irgend etwas spezialisieren, oder wenn sie für Lutz, Kika und Co. produzieren. Der Elch lässt jeden mit skandinavischen Wurzeln einen Kasten oder ein Bücherregal zimmern, die persischen Migranten dürfen an der Webware hantieren und die Arbeitssuchenden braucht man in den Märkten als Wegweiser, damit man als Kunde dort nicht im kreativen Gängelabyrinth jämmerlich verendet!

Der Heinrich hat eigentlich nur mit der Müllerin noch etwas klären müssen, weil der Paul vom Lagerhaus hat sich bei ihr - auf sein Anraten - einen Vorhang bestellt, und der wurde noch immer nicht geliefert. Jetzt bot er dem Paul an, einmal nachzufragen.

Es hat ausgesehen wie immer. Der Eingang vom Müller war feudal geschmückt, damit die potentiellen Kunden gleich erkennen, dass sie hier von Design und Gestaltung regelrecht erschlagen werden.

Stoffballen schmiegten sich elegant an zur Schau gestellte Polstermöbel und zeugten vom galaktischen Farbverständnis der Geschäftsleute.

Gleich nachdem Heinrich das Geschäft betreten hatte, kam der Senior-Chef auch schon um die Ecke. Mit einem breiten Grinsen begrüßte er seinen ehemaligen Mitarbeiter.

»Heinrich, was führt dich zu uns? Schon lange nicht gesehen!« Heinrich nickte und signalisierte schnellen Schrittes auf den Müller zu, dass er seine Zeit nicht gestohlen hatte.

»Ich war wirklich schon lange nicht hier. Jetzt bin ich wegen dem Redlich Pauli da. Wegen seinem Vorhang!«

Im Müllergesicht erkannte man, dass dieser angestrengt nachdachte. Sein Stirnrunzeln machte klar, was Heinrich schon vor seinem Eintreffen beim Einrichtungsberater ahnte.

»Der Vorhang ist schon seit 5 Wochen bestellt, und es gibt noch keine Lieferung«, half ihm Heinrich sanft auf die Sprünge.

Der betagte Senior-Chef wollte schlicht Zeit gewinnen, weil Anfragen, in Bezug auf längst überfällige Lieferungen, waren die angenehmsten Dinge nicht.

»Ach ja - der Vorhang. Ein wunderschönes Teil. So weich und geschmeidig …! Damit gibt es leider Lieferschwierigkeiten.« Genauso hat sich der Heinrich das gedacht.