Heinrich reist - Thomas Taschner - E-Book

Heinrich reist E-Book

Thomas Taschner

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Beschreibung

Heinrich macht Urlaub. Die Reise führt Klara und ihn auf eine wunderschöne Insel in Griechenland. Sonne, Strand und mehr. Es müssen sieben unvergessliche Tage werden, die die Beziehung zu seiner ehemaligen Klassenkameradin vertiefen sollen. Wird aus ihnen vielleicht gar ein Paar? Kann es neben Heinrich Entspannung und Harmonie überhaupt geben, und wenn ja, für wen? Alle, für die eine Woche Strandurlaub um 7 Tage zu viel ist, sollten auf Heinrich vertrauen. Jede Wette, dass er für Abwechslung sorgt! Heinrich taucht nicht nur ein - in Pool und Meer - sondern auch in die Untiefen des organisierten Verbrechens. Was gerade der »Lone Chicken Ranger« aus Hartberg mit der Mafia zu tun hat? Ich wüsste es auch gerne. Die Cosa Nostra ist vielleicht nicht »unsere Sache«, seine aber wohl!

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Seitenzahl: 218

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Danksagung & Widmung

Dieses Mal bedanke ich mich beim Lieben Gott, beim Petrus und bei den vielen Schutzengelchen, die tagein und tagaus auf uns aufpassen.

Ich bedanke mich auch für das Glück, das in meinem Fall das ein oder andere Unglück ganz locker in den Schatten stellt. Dies erachte ich nicht als selbstverständlich.

Weiters bei meinem speziellen Freund, dem Humor, den der Schöpfer auf wundervolle Weise in mich hinein geschöpft hat.

Ich bedanke mich bei der Kreativität, die mir stets eine gute Gefährtin gewesen ist und mich hoffentlich auch weiterhin begleiten und mir die Treue halten wird.

Zu guter Letzt bedanke ich mich bei Schalldämpfer-Joe dafür, dass in meinem Roman kein Blut verspritzt wird und bei Mehmet, für ein Beispiel perfekt gelebter Integration.

Den zweiten Heinrich widme ich meinen beiden Kindern, Ina-Minou Winona Marie und Tamino Johann Rudi Fernando. … und es sind wirklich nur zwei ;-)

Möge euch der tiefere Sinn der folgenden Seiten immer ein Ansporn sein, dem Leben mit Intuition - aber auch mit dem richtigen Maß an Wissen und Vernunft - zu begegnen.

Inhalt

Kapitel 0

: Abreise

Kapitel 1

: Ankunftstag

Kapitel 2:

Zweiter Tag

Kapitel 3:

Dritter Tag

Kapitel 4:

Vierter Tag

Kapitel 5:

Fünfter Tag

Kapitel 6:

Sechster Tag

Kapitel 7:

Siebenter Tag

Vorwort

Ich nutze diese Seite, um zu erläutern, warum dieser zweite Heinrich eigentlich gar nicht hätte entstehen sollen.

Mein Ziel war immer, ein physisches Buch heraus zu bringen. Eines in eigenem Stil, mit viel Humor, vom Format her klein und knapp, inhaltlich aber anspruchsvoll und überhaupt…

Das ist mir, meine ich, mit »Heinrich?« ziemlich geglückt.

Es sollte keine klassische Gliederung geben und im Grunde in seiner Gesamtheit nur dazu dienen, die Figur Heinrich zu beschreiben. Eine Person, die viel realer sein möchte als die Fiktion es erlauben würde. Von Füllsätzen und mehrseitigen, ausschweifenden Beschreibungen ein und derselben Situation wollte ich Abstand nehmen.

Ich versuchte ein leichtes »Wochenend-Buch«, mit ca. 100 Seiten entstehen zu lassen, das man zu jeder Gelegenheit mit sich führen und lesen kann, ohne aus dem Festhalten des Buches einen Ausdauersport zu kreieren.

Mehrteiler oder Fortsetzungsromane sind mir nie richtig gelegen, weil ich gerne abgeschlossene Geschichten, mit einem richtigen und keinem offenen Ende habe.

Nicht selten ist ein weiterer Band nur ein literarisch wenig geschmacksintensives Aufwärmgericht. Trotz alledem musste es zu »Heinrich reist« kommen. Meine Intention bestand darin, weitere Entstehung einer schlichten Fortsetzung entgegen zu setzen.

Nachstehend der spezielle Grund dafür:

Ich habe mich in dieser fiktiven Person ein gutes Stück selbst gefunden und möchte nicht leugnen, dass ich es spannend finde, etwas weiter zu beleben, was zunächst nicht mehr als eine Einleitung gewesen war. Heinrich darf sich entfalten.

Diesmal - meine früheren Deutschlehrer wird es freuen - findet man deutliche Struktur, und es gibt auch Kapitel und für schnelle Leser ein paar Seiten mehr;-)

Heinrich reist

Das Umsteigen hat dem Heinrich nicht gefallen. Weil einer, der nicht gerne mit der U-Bahn fährt, den begeistert auch ein Zug nur wenig. Dreimal umsteigen mit dem Klara-Koffer ist auch kein Honiglecken, hat er sich gedacht, aber wenn die schon so liebe Worte zu ihm gesagt hat - gut! Manche Wörter sind ja einfach nur so dahingesagt, weil der Mensch als Rudeltier grundsätzlich sehr mitteilungsbedürftig, und da kann nicht alles von Bedeutung sein. Aber das mit der »Liebe« ist schon noch einmal eine andere Nummer, dessen war er sich bewusst.

Klara hat jetzt kurz vor dem Flughafen noch geschlafen wie ein Engel. Das hat den Heinrich schon gefreut – nur, wenn du selbst drei Speibsackerln brauchst von Hartberg bis Wien, ist deine Freude enden wollend! So viel war in dem Heinrich gar nicht drinnen gewesen, aber der Magen hat nun mal gerne den heiligen Ulrich gerufen, wenn er gegen die Fahrtrichtung gesessen ist. Und das muss man ihm jetzt hoch anrechnen: Er hat die Klara immer hinsetzen lassen, wo sie wollte! Jetzt hat der Herr im Schnellbahnlautsprecher die Station Flughafen Wien-Schwechat angesagt, und da der Heinrich nicht unbedingt auch noch Wolfsthal sehen wollte, weckte er die Klara auf. Die war nicht etwa verschlafen, sondern sofort hellwach. Sie griff nach Heinrichs Gepäck und stand sogleich an der Tür. So eine zackige Klara hat den gemächlichen Heinrich schon beeindrucken können, obwohl man ihm zugute halten muss, dass du mit dem Klara-Koffer nicht gleich bereit zum Aussteigen sein kannst. Der Zug rollte langsam aus und kam zum Stehen. Die Türen öffneten sich, und Klara sprang regelrecht freudestrahlend aus der S7 heraus, während sich der Heinrich geradezu umgebracht hat. Du musst wissen, dass er schon immer ein leichter Schwitzer war. Also so aus der Angst heraus, zum Beispiel. Aber auch beim Sport. Beim Schwimmen ist das jetzt nicht so aufgefallen, aber in der Schule beim Turnunterricht sehr wohl. Das war ja schon grundsätzlich nichts Schönes, wenn so ein pubertierendes Individuum transpiriert hat, aber der Heinrich hat Schweißränder im Achselbereich gehabt, das war sensationell. Und das nur vom Völkerball, nicht dass du glaubst Zirkeltraining! Beim Völkerball war der Heinrich überhaupt herrlich. Er wurde nie getroffen, weil er so ein »Schmalpickter« war, aber wenn er mal den Ball hatte - also Freunde, dagegen wirft jedes Mädchen aus dem Hartberger Da Vinci Kindergarten kräftiger. Deshalb war klar, dass den keiner in der Mannschaft haben wollte. Weil, wenn du nicht werfen kannst, ist das schon schlimm - und dann noch das Schwitzen, was ja noch gegangen wäre, aber da kommt eine Geruchsbelästigung auch gleich noch hinzu. Da ruft der Turnsaal um Hilfe, das kannst du mir glauben.

Abreise

Jetzt ist der Transpirant mit dem Klara-Koffer dagestanden und hat einmal ausgeblasen. Sein dunkles Hemd hat er nicht besonders gut gewählt, aber dass man im Spätsommer schwitzen kann, ist ja nichts, was man hätte verstecken müssen. »Brauchst du ein Taschentuch?« Die Klara hat bereits jetzt mit einem leichten Bemuttern angefangen. »Schau’ ich aus, als hätte ich einen Schnupfen?« Gegenfragen kommen nicht immer gut an, das muss man wissen. Da ist gleich eine Diskussion ausgelöst, so schnell kann man gar nicht schauen. »Ich habe nur gedacht …«, hat die Klara gemeint und so eine Wischbewegung vor der Stirn ausgeführt. Es ist ja nicht so gewesen, dass der Heinrich nicht schon vorher gewusst hat, warum sie fragt, aber so eine Bemutterungsoffensive trifft oft auf eine Abwehrhaltung mit blöden Gegenfragen. Dafür war der Heinrich der Richtige. Er hat jetzt natürlich provokant den Hemdsärmel genommen, um der Partnerin zu signalisieren, dass das Alphamännchen alles soweit im Griff hat. Da sind wir Menschen nicht weit weg vom Tier. Wenn du noch mitten in der Balz um ein Weibchen buhlst, so braucht es das natürlich nicht, dass die Angebetete dich für ein Junges hält und rundum umsorgt. Da tut sich gleich einmal ein diffiziles Problem auf, das sich sogar noch ausweiten kann. Klar war es unangenehm, jetzt nicht nur unter den Armen abzutropfen, sondern auch noch den Hemdsärmel mit Heinrichschweiß imprägniert zu wissen, aber was es wiegt, das hat es! So viel Mann wollte der Heinrich schon sein! Die Klara hat das rein von der Körpersprache ein wenig mitbekommen und ist jetzt einfach Richtung Terminal losgegangen, weil bis 9 Uhr 50 waren es nur noch anderthalb Stunden, und die Koffer wollen auch noch eingecheckt werden. »Hast du die Pässe und die Boardkarten bereit?« »Vorhin hatte ich sie noch!« Bei solchen Sätzen fragt man sich natürlich, warum er nicht einfach »ja« gesagt hat. So einen lapidaren Machospruch hätte es jetzt nicht gebraucht, und der wäre auch nicht gekommen, hätte sie ihm nicht zuvor ein Taschentuch angeboten. So einfach wird aus einem Teelicht ein Flächenbrand! Natürlich hat der Heinrich alle Unterlagen gehabt, und die waren gleich zur Hand, als sie sich beim Check-In angestellt haben. Beide waren keine Vielflieger, und von einem Kordelsystem hat jetzt ein Hartberger auch keine Ahnung gehabt, weil die Hartberger Stadtpfarre ist jetzt auch nicht gerade die Sagrada Familia, wenn du weißt, was ich meine. Jetzt haben sich die beiden natürlich schwergetan beim Anstellen, weil da solltest du erst mal einen Eingang finden. Der Heinrich war ob der Unübersichtlichkeit erbost und hat auf den sicherheitsgurtähnlichen Kordeln herumgerissen wie ein Wahnsinniger. Klara versuchte ihn zu beruhigen und hat ihm den Weg gezeigt. Gut - so ein wenig jähzornig hat er schon werden können. »Sind die noch ganz richtig!? Was soll der Scheiß? Das hau’ ich denen um!« »Du haust gar nix! Komm - da stellen wir uns an und gleich sind wir dran!«

Klara hatte sichtlich die nötige Ruhe, um den Heinrich mit einem Spontanreim zu besänftigen.

Nach gut zehn Minuten standen sie vor dem Check-In Schalter 166, und Heinrich reichte dem Bodenpersonal die Unterlagen. »Einen schönen guten Morgen. Na, wo geht es denn hin? Schauen wir gleich. Bitte das erste Gepäckstück auf das Band vor Ihnen!« Der warme Schaltermitarbeiter war total gut gelaunt und wollte diese Gefühlsregung an seine Kunden weitergeben. Er wusste ja nicht, dass er es mit einem leicht mürrischen Heinrich zu tun hatte. »Wo wir hinfliegen, sehen Sie auf der Bordkarte!« Dafür gab es einen leichten Schubs von der Klara. Da hat es den federleichten Heinrich gleich um einen Meter nach links versetzt! »Na! Bleiben Sie ruhig bei mir«, hat sich das nette Gegenüber nicht aus der Ruhe bringen lassen. Hätte der Heinrich etwas von Web-Check-In gehört gehabt, wäre das auch nicht so schwierig, aber jetzt. »Die Reihe 25 D und E hätte ich anzubieten!« »Ich möchte in der Reihe 13 sitzen!« Knochentrocken präsentierte er dem Ground Handling Mitarbeiter seinen Wunsch. »Die Reihe 13 ist schon belegt!«

Das war jetzt genau der Satz, den er brauchen konnte. Sein zweites Ich rief im Unterbewusstsein nach der bärtigen Billa-Kassiererin, weil an irgendjemand musste man es doch auslassen, wenn man um seine Sitzplätze betrogen worden ist. »Wer sitzt dort?« Diese Frage hat das Personal sicher noch nie gehört. Damit hat der Heinrich für ein Novum gesorgt. »Das kann ich Ihnen nicht sagen, aber …«

»Warum können Sie das nicht sagen? Sie haben die doch eingecheckt?« Heinrich verstand wiederum mal gar nichts mehr und vor allem keinen Spaß. »Es gibt auch Web-Check-In. Da können die Leute von zu Hause aus ihre Plätze wählen«, der Mitarbeiter vom Ground Handling versuchte, die Sachlage in den Griff zu bekommen.

»Lieber Freund!« Wenn er so anfängt, ist der Heinrich-Kochtopf fast am Überlaufen! »Ich habe mich darauf eingestellt, dass wir in der dreizehnten Reihe sitzen, und jetzt sind gerade diese Plätze belegt?« »Es sind schon 150 Plätze belegt! Wir sind schon bald mit dem Check-In fertig. Es tut mir leid. Diese oder keine!«

Jetzt wurde der vom anderen Ufer aber sehr streng! Damit hat der Heinrich nicht gerechnet. Alle übrigen Plätze waren schon belegt? »Außerdem ist die Quersumme von 13 vier, und das ist, vom Feng Shui her, gar nicht gut!«, hat sich jetzt die Klara irgendwie auf die Seite der Fluglinie geschlagen. Da hat der Heinrich dann geschaut, weil sie ja auch recht gehabt hat mit ihrer Behauptung. Aber wenn der Heinrich mal auf 100 ist, wissen wir ja schon, dass die Abkühlphase dauert. Das war nicht ausgestanden, weil der Heinrich jetzt natürlich auf der Unglückszahl herumgeritten ist:

»Glaubst du, dass das für uns etwas ändert, wenn die Reihe 13 abstürzt!?« »Das nicht, aber es kann ja auch etwas anderes ausgelöst werden!«

Mit solchen Phrasen hat der Heinrich schon überhaupt nichts anfangen können, aber er wollte jetzt mit der Klara natürlich keinen Streit. Und mit der Schmalzlocke vor ihm auch nicht!

»Wer weiß, für was es gut ist - geben Sie uns schon die Reihe 25!« Sichtlich beruhigt arbeitete der Angestellte weiter an ihren Tickets, und dann waren Sie auch schon weg - die Koffer. Heinrich hat sich nur gedacht, dass der Klara-Koffer eventuell irgendwo in der Förderanlage verloren gehen wird. Man kann ja nie wissen. Der Ferdinand hat ihm schon gesagt, dass er seinen Koffer auf keinen Fall in eine Plastikfolie einwickeln lassen soll, weil der hat wen gekannt, der wen gekannt hat, der am Flughafen gearbeitet hat. Da hast du angeblich mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit die Sicherheit, den Koffer nicht mehr zu sehen. Also quasi wieder eine 50 zu 50-Chance, wie bei Schwarz oder Rot am Roulette-Tisch. Und wie man weiß, setzt der Heinrich dort selten auf das Richtige. Jetzt, wo er die Klara hat, würde wahrscheinlich überhaupt nichts Richtiges kommen und, wenn er auf Rot und Schwarz gleichzeitig setzen würde, die Null!

Nun hatten sie die erste Hürde hinter sich gebracht und als Nächstes noch die Sicherheitskontrolle vor sich. Das hat der Heinrich ja schon überhaupt nicht leiden können. Die nehmen dir dort alles ab und greifen an Stellen, da schaust du nur so. Durch den Scanner wollte er auch nicht, weil er hat schon gehört, dass solche Nacktscanner bereits vereinzelt im Einsatz sind, und dass da irgendjemand den Heinrich nackt auf dem Bildschirm hat, das geht gar nicht. Natürlich hat er sich auch gedacht, dass die Klara da schon etwas ansehnlicher gewesen wäre und ist deshalb vor ihr durch die SiKo gegangen, weil da erhaschst du eventuell noch einen Blick auf den Monitor, wenn sie durchgeht.

Der Heinrich hatte kein Problem, nichts hat gepiepst und ihm wurde auch keine Zufallskontrolle mit Darmspiegelung verordnet. Aber die Klara! Bei der hat der Scannerbogen schon zu jodeln begonnen, bei dem ganzen Metall an ihrem Körper. Das können nicht nur die paar Ringe in ihrem Gesicht sein, hat sich der Heinrich sofort gedacht. Die hat noch an anderen Stellen irgendwelchen Schmuck! Sollte er sich jetzt freuen oder nicht? So recht hätte er mit Intimschmuck nichts anfangen können, aber wer weiß. Eventuell ein Nabelpiercing oder ein Nippelstecker oder bloß eine verchromte Vaginaperle! Lass dich überraschen, hat er nur kurz sinniert, während die Klara auf Herz und Nieren überprüft wurde. Das Sicherheitspersonal war so gründlich; also, da hättest du nicht mal ein Kokain-Kondom im Magen schmuggeln können. Da gibt es nichts. Klara hat aber eh keine Waffen oder Bombengürtel mitgehabt, und so konnten sie umgehend weiter Richtung Gate. Die Security-Mitarbeiter wirken fast traurig, weil die ja nie etwas Ordentliches finden. Da würde man Ihnen schon mal eine Kalaschnikov oder eine Dynamite-Stange vergönnen - rein so als Erfolgserlebnis. Weil Zufriedenheit am Arbeitsplatz erreicht man nicht nur mit ungenügender Bezahlung und abenteuerlichen Dienstzeiten. Da musst du dem Spürhund schon mal einen Knochen auch hinwerfen, damit der nicht irgendwann ein »Bore-Out« aufreißt. Und das ist vielleicht nicht so berühmt wie sein Bruder das »Burn-Out«, aber mindestens genauso wenig beliebt.

C38 ist auf dem Boardingpass gestanden. Das kann man finden, weil am Flughafen ist alles beschildert - da leuchtet die ganze Decke - Weihnachtsschmuck nichts dagegen.

Natürlich ist das mit den vielen Pfeilen irgendwann verwirrend, aber sollte man nicht weiterwissen, kann man ja auch noch irgendjemanden fragen.

Und auf einem Flughafen gibt es zu jeder Zeit jemanden, der gefragt werden möchte. Jetzt musst du aber wissen, dass das gar nicht stimmt. Es gibt schon auch Leute, die wollen gar nichts gefragt werden und vor allem nicht, wenn es nicht auf Deutsch ist! Die ziehen sich die Warnwesten aus und nehmen den Ausweis runter, nur um nicht in die Verlegenheit zu kommen, einem den Weg erklären zu müssen.

Der Heinrich war im Lagerhaus immer für alles ansprechbar. Sicher gab es mehr Fragen in slowakischer, polnischer und rumänischer Sprache, aber hier und da war auch ein gebrochenes Türken-Deutsch dabei. Der Heinrich war ein Verfechter der nonverbalen Kommunikation! Es hat auch manchmal nur das Hinzeigen schon gereicht und, wenn nicht, so ist man halt Hand in Hand mit der Kundschaft bis zum Akku-Schrauber hingegangen - was ist denn schon dabei?

Am Flughafen hörst du nur ein »don’t unterstand« oder ein »I’m also not from here«, und wenn man Glück hat, dann ließ sich einer mit einem saloppen »over there« zumindest etwas einfallen, wenn er dich schon in die falsche Richtung schickt. Da hüpfen die Stewardessen aus der Uniform und die Info-Damen legen sich in die stabile Seitenlage, wenn du fragend an sie heranrückst. Das kann es aber auch nicht sein! Somit hält man sich doch besser an die verwirrenden Schilder, und der durchwegs sportliche Berg- und Tal-Lauf am Wiener Flughafen verlangt dir dann noch dazu körperlich alles ab.

Irgendwann waren sie dennoch beim richtigen Gate gelandet, und der erste Aufruf war schon zu hören: »Bitte zuerst chrrrhhrtztzt Reihen gggggchchchchch… 1 bis chchhchchchc…« Also, er war zwar zu hören, aber nicht zu verstehen! Egal, an diese Anweisungen hält sich sowieso niemand, weil da blockieren in den Fluggastbrücken manche Leute alle anderen, dass es die helle Freude ist. Klara hat zum Heinrich gemeint, dass sie erst zum Schluss einsteigt, weil es sowieso keine freie Sitzplatzwahl gibt und der Flieger erst abhebt, wenn alle ihre Plätze eingenommen haben. Ihrem Lösungsansatz für ein korrektes Einsteigen konnte der Heinrich etwas abgewinnen, und so setzten sie sich noch ruhig hin und warteten ab.

»Glaubst du, dass alles passt auf Rhodos?« Der Heinrich begann mit einem neuen Kapitel, weil der Transfer war für ihn jetzt fast abgeschlossen. Das Flugzeug würden sie wohl kriegen, und dann sammelt dort einer alle ein, um sie zu ihren Hotels zu bringen. Was sollte er da jetzt noch beeinflussen können? »Ich denke schon, weil bei Vier Sternen kann nicht viel schief gehen!«

Klara schien von seiner Hotelauswahl sehr überzeugt zu sein. Gut - also ausgewählt ist jetzt relativ, weil die TUI-Brillenschlange hat ihm überhaupt nur das eine vorgeschlagen. Aber auf den Bildern hat es ganz gut gewirkt.

Hotel Kristen Palace. In Griechenland ist ja jedes zweite Hotel ein Palace - egal, ob einer oder fünf Sterne. Es hat wirklich feudal ausgesehen und mit einer schönen Poollandschaft - was will man mehr!

»Die kleine Badebucht hat mir sehr gefallen. Die hab’ ich im Internet entdeckt!« Klara war offensichtlich davon überzeugt, dass es wunderschön werden wird.

Sie erhoben sich, zeigten die Boardkarten vor und verschwanden im Tunnel Richtung Luftfahrzeug. Es war ein Niki 320er Airbus mit einer ausgezeichneten handschriftlichen Bezeichnung von Hannes Rausch. »Monaco« hat ihr Flugzeug geheißen, und da hoffst du natürlich nicht, dass hier der Name Programm ist, wenn du nach Rhodos möchtest. Der Herr Rausch hat den Flieger überhaupt gut gestaltet, hat der Heinrich gefunden, weil da war eine Fliege drauf - in naiver Kinderkunst - und eine in Silber schillernde Farbe hat er auch verwendet. Das Abheben vom Mainstream hat ihm schon gut gefallen. Weil wo andere nur einen blauen Bauch oder eine Ostblockgestaltung auf der Heckflosse haben, hat so ein Fly Niki-Design dem Auge echt gut getan. Sicher sieht man von so einem Flugzeug meist nur den Kondensstreifen, aber trotzdem…

Klara suchte ganz konzentriert nach der Reihe 25, und Heinrich trottete ihr hinterher. Sie mussten weit über zwei Drittel des Ganges überbrücken, bis sie bei ihren Plätzen angekommen waren. Es war äußerst schmal, und da war der Heinrich gar nicht so unglücklich über sein Kampfgewicht gewesen. Neben ihm saß eine korpulente Dame, die ihn mit einem dezenten Lächeln begrüßte. Er hatte also den Sandwich-Platz ergattert, und da kannst du auch nur von Glück reden, dass auf der anderen Seite die Klara und nicht die Traude Platz genommen hat. »Schnallst du dich gleich an?« So eine Frage, die keine war, sondern mehr eine Aufforderung, ist jetzt dem Heinrich auch nicht ganz recht gewesen. »Fliegen wir schon?« Die aufmüpfige Gegenfrage kam postwendend!

Es war herrlich, dass er in Flugrichtung gesessen ist, weil da kannst du das Speibsackerl getrost weglassen. Sicher wäre jetzt ein Smoothie lecker gewesen, aber das wird da wohl nichts. Er nahm sogleich den Gurt und schloss ihn vor seinem Bauch. Sein Blick versuchte den Gurt seiner Nachbarin auszumachen, nur dürfte dieser in deren Kleidung eingetaucht sein. Dort, wo bei anderen der Bauch sitzt, zeigte sich bei ihr eine unförmige Ausbuchtung, die mit hoher Wahrscheinlichkeit den Gurt beinhaltete. Natürlich fragte er sich, ob die Dame wohl der abgebundenen Haltung wegen überhaupt Luft bekam, denn eine Mund-zu-Mund-Beatmung wollte er bei ihr lieber sein lassen. Es fallen ja im Notfall ohnehin die Schläuche aus der Decke und gut möglich, dass wir die schon vor dem Abflug brauchen, hat sich der Heinrich zu einer waghalsigen Vermutung hinreißen lassen.

Das Handgepäck aller Passagiere war nicht so schnell verstaut wie sich das das Bordpersonal gewünscht hätte, weil heute ja niemand mehr irgendetwas eincheckt. Da ist alles Handgepäck. Taschen, Rucksäcke, Golfbags und sogar die sperrigsten Utensilien werden mit in die Kabine genommen. So bohrt sich schon mal von rechts das 600mm Sigma einer Profi-Kameraausrüstung in deine Rippen, während sich die Schistöcke vom Vordermann in deine Nasenlöcher einfädeln. Wie wenn das nicht schon reichen würde, trittst du dann im Sitzen auf dem Laptop der Schlauchbootlippen hinter dir herum. Da kommt Freude auf!

Das Personal kontrollierte nun, ob alle angeschnallt waren. Gleich konnte es losgehen. Heinrich vermag eine leichte Aufregung nicht zu leugnen, weil erstens wird das sein erster Start und zweitens sitzt eine Klara neben ihm, die unheimlich gut geduftet hat. Da war so ein frischer Zitrusduft mit holzigen Noten in der Luft; nur an seiner rechten Seite roch es ein wenig streng nach Mottenkugeln. Es könnte aber auch der liebliche Duft eines Bremsenreinigers gewesen sein - jedenfalls war klar, dass sich die Dame neben ihm im Parfum ordentlich vergriffen hat. Das Gute daran ist, man gewöhnt sich im Laufe der Zeit an den Duft der unmittelbaren Umgebung und nimmt ihn nicht mehr so intensiv wahr. Das Flugzeug setzte sich in Bewegung, fuhr über Rollgassen und Rollwege zur Piste 11/29 des Wiener Flughafens. Es konnte nur noch Sekunden dauern bis zur Startfreigabe durch den Tower. Heinrich klammerte sich an die Armlehne und drückte sich unterbewusst in den Sitz. So ähnlich musste es dem Gurt ergehen, der sich in der Bauchfalte seiner Nachbarin versteckt hatte - auch der schien mit einer gesunden Portion Flugangst gesegnet zu sein.

Jetzt musst du natürlich wissen, was in einem vorgeht, der Angst vorm Fliegen hat. Da läuft in Sekundenbruchteilen dein Leben vor dir ab. Man fragt sich, ob das schon alles war, ob man schon bereit wäre zu gehen. Die Triebwerke werden jetzt lauter. Du schaust aus dem Fenster und erblickst den Terminal und den Kontrollturm. Jetzt bist du der Technik komplett ausgeliefert. Bringt es noch was, jetzt noch ein Gebet zu sprechen? Im Flugzeug sind schon so manche Atheisten zu Gläubigen geworden. Da musterst du unwillkürlich die Reihen und überlegst, ob die alle schon soweit waren. Wollte Gott der Herr alle diese Typen bei sich haben? War es deren letzte Reise? Ist vielleicht einer darunter, dem sie zwar das »Fanta lemon« abgenommen haben, nicht aber den Bombengürtel?

Ist der Pilot psychisch in Ordnung? Ein regelrechter Fragenkatalog spult sich da in deinem Gehirn ab, während das Flugzeug beschleunigt.

Schneller - noch schneller - und auf einmal beginnt sich die Schnauze zu heben, und es fliegt! Klara saß ganz entspannt neben ihm und lächelte ihn an. »Jetzt ist Urlaub, ich freu’ mich so!« Heinrich hatte den Start überlebt und den Flug würde er wohl auch überstehen. Die Mottenkugel neben ihm eventuell auch. Die Zeit würde wie im Flug vergehen, könnte man sagen. 2 Stunden 30, und du bist auf Rhodos zum Aussteigen bereit. Jetzt hat das Personal schon damit angefangen, einen Muffin und Getränke zu offerieren. Der Blaubeermuffin hat dem Heinrich gar nicht so schlecht geschmeckt, und dazu hat er sich einen Tee gegönnt. Klara hat einen Kaffee getrunken und in der Bordverkaufsbroschüre geblättert.

Die korpulente Nachbarin hat derart gebröselt, dass von dem Klapptischchen ein paar Krümel zum Heinrich rübergesprungen sind. So was hat ihn jetzt nicht gerade gefreut, kannst du dir denken. Jetzt hat die eh schon anderthalb Sitze gebraucht, ist halb auf dem Heinrich draufgelegen und nach Mottenkugeln hat sie auch noch gerochen! Muss man dann auch noch den Muffin in der Reihe verteilen?

Die Traude hat ja auch eine komische Art zu essen gehabt, aber gegen die hier war sie der reine Schäfer-Elmayer gewesen. So mit Messer und Gabel hat die Traude nicht umzugehen gelernt - also Mistgabel schon -, aber Speisegabel quasi Fremdwort. Der Sepp war auch kein Sir, aber mit Besteck hat er schon hantieren können. Der hat dir einen Flugadler zerlegt, da hältst du den Atem an. Einmal hat er eine Lachsforelle gemacht, die hat das Tranchiermesser nur sehen müssen - und ist schon ohne die kleinste Gräte dagelegen! Der Sepp hat nicht viel können, aber das Kulinarische, da war er ein Magier. Damit hat er seine Traudl verblüffen können. Nur leider hat es den kulinarischen Sepp seltener gegeben als den besoffenen Sepp.

Die Klara hat jetzt ihre Ohrhörer - oder wie es auf Neudeutsch heißt »In-Ear-Speaker« - ins Ohr gesteckt und ihrer Lieblingsmusik gelauscht. Der Heinrich hatte ja beim 5er iPhone auch solche Dinger dabei, aber er hat damit nie recht was anfangen können. Da war ihm die Ukulele lieber, wobei die kannst du jetzt auch schlecht aufspielen in der Flugzeugkabine und außerdem wäre ihm die Dicke von rechts ohnehin im Weg gewesen.

Apropos Musik. Da fällt mir auf, dass der Heinrich eigentlich sehr selten Musik gehört hat. Wie er dann überhaupt auf sein Guantanamera gekommen ist? Na ja, das wird sich auch noch ergründen lassen.