Heinrich? - Thomas Taschner - E-Book

Heinrich? E-Book

Thomas Taschner

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Beschreibung

Heinrich ist unser Platzhalter des Lebens. Er wirkt wie der klassische Antiheld. Niemand möchte so aussehen und so sein, und dennoch kommt man ihm mit jeder Minute näher. Es gibt so viele Gemeinsamkeiten, und wir finden uns in Gegenwart und Rückblende immer wieder selbst in ähnlichen Handlungen verstrickt. Sind wir Heinrich? Humorvoll trifft der Hartberger öfter ins Schwarze, als wir ihm je zugetraut hätten. Begleiten wir den schrulligen kleinen Mann ein Stück seines Weges. Es wird ein bereicherndes Erlebnis für uns sein. Er wird uns abholen und zeigen, was zwischen den Zeilen unseres Daseins geschrieben steht. Heinrich spricht aus, was wir uns nicht trauen und geht nicht selten dorthin, wo es wehtut. Und dabei kann auch schon mal etwas den Raum erfüllen, ohne gleich erklärt und in alle Einzelheiten zerlegt zu werden. Freut euch darauf, wie Heinrich auf meinen Buchstaben durch den Satzbau surft!

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Seitenzahl: 170

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Danksagung

Ich möchte diese Seite nutzen, um zu danken und zu widmen.

Lange Zeit schon gab es den Wunsch in mir, einmal ein Buch zu veröffentlichen und bis jetzt hat es vier Anläufe benötigt und vermutlich auch den richtigen Zeitpunkt.

Meine geliebte Frau Celina hat mich immer in meiner Kreativität - und hier im Speziellen - zu Schreiben bestärkt und motiviert. Ihr gebührt meine größte Dankbarkeit!

Meinem Kabarettpartner Markus danke ich speziell dafür, dass einfach immer »unser Schmäh« rennt und ohne den so ein Buch nicht möglich wäre;-)

Weiters freue ich mich über die Unterstützung von Celinas Tante Pamina, die als Lektorin ein Traum ist und bei ihrem Vater Hannes, der als namhafter Designer, die Gestaltung des Covers übernommen hat.

Kreativität kann anscheinend auch angeheiratet werden;-)

Last but not least, bedanke ich mich bei meinen Eltern, die einen großen Anteil daran haben, dass ich bin wer ich bin.

Widmen möchte ich mein erstes Werk allen kreativen Köpfen, deren humorvolle Seite vor sich hin schlummert; von denen man bis jetzt weder gehört noch gelesen hat, weil sie nicht zur rechten Zeit am rechten Ort die richtigen Personen gekannt haben.

Es ist nicht immer der einfachste Weg, den wir gehen, jedenfalls aber einer der wichtigsten, den man wählen kann.

Heinrich?

Kennst du Heinrich? Nein, natürlich kennst du ihn noch nicht, denn du bist ja jetzt extra hier, um ihn kennenzulernen. Warum ich per du mit dir bin? Na ja, weil es einfach viel persönlicher ist und man ohne Umschweife gleich zu den fachlichen und sachlichen Themen kommen kann, ohne vorher noch groß nach geeigneten Umgangsformen zu suchen: Zuerst stell’ ich mich vor - dann stellst du dich vor, was ja ohnehin bei mir wenig Sinn machen würde, weil ich mir so und so kaum Namen merken kann. Dann redet man über den Werdegang, die Familie, das Wetter ... über alles Unnötige. Außerdem heißt es doch: »Du Armleuchter sagt sich leichter als Sie Armleuchter!« Das hat schon seine Berechtigung, weil ein »du Armleuchter« einfach sofort sehr persönlich - »Sie Armleuchter« hingegen rein vom Phonetischen her schon eine Unmöglichkeit. Per Du sein ist auch einfacher, weil ich dann bei der Anrede nicht immer auf die Groß- und Kleinschreibung achten muss. Jedenfalls bleib’ ich in der Beziehung zu dir einfach per du, wenn es dich nicht stört!? Ansonsten kannst du das Buch natürlich auch zur Seite legen und nach einer Tageszeitung greifen. Da wird man durch die aktuelleren Themen ohnehin viel besser unterhalten. Aber ich sage gleich eines:

Heinrich?

Auch spannend, und wie…

Warum schreibe ich gerade über Heinrich? Das ist im Grunde recht einfach: Er ist der absolute mittelständische Mittelbürger aus Mitteleuropa. Ich kann nicht hundertprozentig sagen, ob es sich bei Hartberg um den Mittelpunkt der Erde handelt - aber in Europa liegt es schon sehr zentral, und da stellt sich dann natürlich weiterhin die zentrale Frage:

Warum wirklich Heinrich?

Ist er berühmt? Ist er besonders? Ist er außergewöhnlich?

Dies alles kann man grundsätzlich mit ja oder nein beantworten. Er ist nicht gerade ein Mensch, der über viele soziale Kontakte verfügt und diese sogar pflegt. Sicher kommt es hier und da vor, dass er mit einem Menschen spricht, aber selten. Wenn, dann mit der Kassiererin beim Hofer oder beim Billa. Das entspricht dann schon fast einer Konferenz, weil zu so einem Gespräch kommt auch der Filialleiter immer mal gerne dazu. Gerade in dieser schnelllebigen Zeit, wo die Kassiererin vom Billa die Artikel fast genauso flott über den Scanner zieht wie die beim Hofer. Man könnte doch glatt denken, dass es sich um einen Wettkampf zwischen den einzelnen Supermärkten handelt. Da kann sich durch die auftretenden Fliehkräfte schon mal ergeben, dass sich die Barilla-Nudeln bereits in der Verpackung zusammenfalten wollen. Das wiederum bringt Heinrich so richtig auf die Palme. Weil stell dir mal die Nudeln vor, die sich gekocht ja in alle Richtungen biegen lassen - aber eben beim Kauf nicht so biegefreudig! Nebenbei ist der feste Teil vom Förderband nach dem Scanner so kurz bemessen, dass du als Kunde unbedingt acht Hände brauchst, damit dir die frisch gekauften Sachen nicht gleich dort auf den Boden fallen. Und warum steckt die Bio-Karotte im Joghurtdeckel? Da wird schon mal die nette Dame mit dem Oberlippenbart angepöbelt und der Filialleiter kommt dann auch noch dran. In einer solchen Situation ist es nicht ratsam, mit Argumenten zu kommen - sondern nur mit einer dezenten Entschuldigung auf den Lippen. Weil der Heinrich hat ja einen IQ von über 120, und da ist schnell Schluss mit lustig, wenn der einmal loslegt - weil er ist schon gut im Umgang mit Wörtern, wenn es aus ihm im Affekt nur so heraussprudelt und er nicht vor dem Reden lang nachdenken muss. Normalerweise spricht Heinrich ja nicht viel. In Zeiten, wo du auf der Straße kaum noch gegrüßt wirst und der Jüngere den Älteren bloß erst ignoriert und dann nur noch blöd ansieht, da ergeben sich eben nicht viele Möglichkeiten zur spontan angeregten Kommunikation.

Heinrich hat nicht viele Freunde - fast keinen, würde es noch besser treffen. Das liegt unter Umständen daran, dass er mit Tieren mehr spricht als mit seinen Mitmenschen. Am liebsten spricht er mit den Tauben. Bei seinen Besuchen im Park hat der Heinrich auch immer was dabei. Ein Brot, einen Toast - vielleicht einmal einen Butterkeks. Aber in jedem Fall ist ein Sackerl Rattengift immer im Gepäck. Weil, wo die Population der Tauben überhand nimmt, muss der Mensch eingreifen. Heinrich sieht sich da als Kämpfer gegen Schmutz und Parasiten. Einen natürlichen Feind hat die Taube kaum noch - die hat der Mensch leider schon vorher dezimiert -, und da bleibt dir als leicht verhaltensauffälliger EU-Bürger nichts anderes übrig, als zu handeln. Sicher mutet das unangenehm an, wenn einer im Park Tauben vergiftet, aber was zu viel ist, ist zu viel. Da fütterst du auf der einen Seite Kekse und auf der anderen schon mal aus dem Sackerl. Er kann hier auch für kurze Zeit andere Identitäten annehmen - ein wenig Henker und ein bisschen Schöpfer - halt von allem etwas! Wo du noch um 10 Uhr der Henker bist - da bist du um 10 Uhr 20 mit deinen letzten einfühlsamen Worten der Priester. Würde die Taube den Heinrich verstehen, so wäre das Balsam auf ihre Seele - geradezu die letzte Ölung! Sicher ist das kein schöner Anblick, wenn das krankheitsübertragende Federvieh vor dir den finalen Hofknicks macht und in den letzten Zügen noch eine Art Ausdruckstanz vollführt - Breakdance nichts dagegen! Heinrich meint sogar, dass ihm der Gesundheits-Nobelpreis gebührt für sein selbstloses Eingreifen. Auch wenn es einem ethisch aufstoßen könnte - Heinrich handelt für Tier und Mensch. Wer weiß, wie viele Krankheiten er da verhindert, von Epidemien ganz zu schweigen.

WHO steht für …

World-Heinrich-Organization …

Und weil wir vorhin von der Unterhaltung mit der Kassiererin gesprochen haben - reiner Zufall, dass es sich bei Kassiererinnen mit allergrößter Wahrscheinlichkeit um Frauen handelt! Denn eigentlich hat Heinrich ein Problem mit Frauen. Als Einzelkind hast du zumeist keine Schwester, und die Mutter allein kann dich selten von der weiblichen Domäne überzeugen. Heinrich war schon ein typisches »Mamakind«, der ist der Traude am Rockzipfel gehangen wie das Pockerl am Ast. Aber das war einmal. Es war auch ein traumatisierendes Ereignis, als die Traude vor knapp zehn Jahren die Patschen gestreckt hat. Gut, ein Aorta-Riss ist jetzt ein schneller und schöner Tod, wie viele sagen, obwohl das sicher noch wenige gehabt haben, von denen, die das behaupten. Der Arzt hat gesagt, dass es die Traudl einfach umgehauen hat, als sie die Wäsche aufhängen war. Da macht’s einen »Pumperer« und da liegst da ohne Schmerzen, hat der Gott in Weiß gemeint. Der »Pumperer« ist dann aber ein bisschen heftiger ausgefallen, weil die Traude ihre Wäsche auf dem Balkon im zweiten Stock aufgehängt hat. Und dann kommt noch das Übergewicht dazu - nicht das von der Traude - sondern weil sie einfach ein bisschen nach vorne geneigt gestanden ist! Gut - das Übergewicht von der Traude selbst hat da sogar noch ein wenig abfedernd gewirkt - aber aus acht Metern kopfüber in den Sautrog - da ist schnell einmal Schicht im Schacht. Den Heinrich hat das natürlich arg mitgenommen. Er hat da gerade ein Jahr beim Einrichtungsberater Müller gearbeitet, und der ist so 200m vom Hof entfernt. Jetzt hast den Aufschlag von der Traude bis ins Büro hören können. Da hat er sich ja noch nichts dabei gedacht, weil er den Traude-Platscher jetzt nicht richtig zuordnen konnte, aber so eine Art Vorahnung hast du ja doch als Sohn. Es war ihm jedenfalls gleich darauf nicht so richtig gut - schlecht war ihm dann erst zwei Stunden später, als er sie gefunden hat. Der Dr. Hirzberger wollte dann mit den Worten: »De hot des nimma gspirt!« zwar darauf hinweisen, dass der Sautrog jetzt nicht die Hauptverantwortung für den Tod von der Traude trägt, aber das hat auch nichts dran geändert, dass es einfach keine schöne Situation war, in der er sich da gerade befand. Es hat Monate gedauert, bis Heinrich das halbwegs verdaut hat, denn du musst wissen, er war auf einmal ein Waisenkind!

Der Papa ist als Berufssoldat gefallen - nicht etwa im Krieg, sondern im Offizierscasino! Der Sepp ist in seinem Vollrausch so unglücklich hingefallen und hat sich an der Theke so blöd verletzt, dass jede Hilfe zu spät kam. Er hatte nachweislich 2,8 Promille im Blut, was aber auch davon kommen könnte, dass ihn der Hauptmann Kleinmann Mund zu Mund beatmet hat! Jetzt könnte man sagen, beide Elternteile durch einen Unfall verloren, was eigentlich falsch ist, weil die Traude ja im engeren Sinn eher einer akuten Krankheit erlegen ist - quasi Sekundentod. Gut, beim Josef hat es auch nicht länger als eine Sekunde gedauert, aber hier kann man durchaus von einem Unfall mit Todesfolge sprechen. Egal - der Heinrich ist Waise, nenne man es, wie man will.

So, jetzt aber wieder zu Heinrichs Frauenproblem. Er hat nie recht was anfangen können mit dem Weibervolk. Obwohl man bemerken muss, dass gerade in der Steiermark gute Hasen unterwegs sind. Die Steirerinnen haben so eine ... natürliche Schönheit, möchte man sagen. Da braucht es nicht viel Schminke im Gesicht, und die schauen trotzdem was gleich. Dabei kommt bei denen die Schönheit nicht etwa von innen, denn von dort kommt gerade das, was dich beim Anblick einer steirischen Grazie gleich wieder ein bisschen in die Realität zurückholt! Die haben echt ein Handicap - weil du musst wissen, dieser Dialekt ist dem Bellen eines Pitbulls sehr ähnlich, und da brauchst doch fünf Puntigamer, dass dir die dann noch gefällt. Aber gut, dem Heinrich ist das nicht aufgefallen, weil selbst waschechter Steirer und außerdem gibt es auch für solche Töpfe wohl geeignete Deckel. Er selbst jedenfalls hat jetzt mit Anfang Vierzig noch keinen Topf für sich gefunden. Das macht dich natürlich als Mann ein wenig seltsam. In der Mitte des Lebens angekommen und noch keine Frau - das hebt dein Ego auch nicht unbedingt bis in den Dachausbau! Und wenn ich schreibe »keine Frau«, dann meine ich auch keine Frau - gar keine! Heinrich ist jetzt keiner, der dafür zahlen würde, und das hat nicht ausschließlich einen finanziellen Hintergrund. Nein - entweder auf normalem zwischenmenschlichen Weg oder gar nicht! Da hat er seine Prinzipien - da ist auch nichts zu machen. Und wenn du nicht ausgehst und dich bei keiner Partnerbörse im Internet registrierst, wird es einfach schwierig. Vielleicht kann er sich beim Anforderungsprofil »Akademiker und Singles mit Niveau« auch nicht so recht finden.

Beim Einrichtungsberater hat er ja eine knackige Kollegin gehabt, aber dort arbeitet Heinrich jetzt schon sieben Jahre nicht mehr! Da hat es ein Zerwürfnis mit der Chefin gegeben. Klar - eine Frau als Chef -, da ist für den Eigenbrötler Heinrich das Problem vorprogrammiert! Und die Kollegin hat er aus den Augen verloren, und ich kann dir nur sagen: Gut so! Weil die Emma hat sich figurmäßig verdreifacht. Die hat angeblich was mit der Schilddrüse, tratschen die Pensionistinnen um 6 Uhr 30 bei ihrem täglichen Arztbesuch! Wer weiß, ob das stimmt! Jedenfalls haben die die Emma beim Müller auch gekündigt, weil die wäre nicht mehr bis zu ihrem Arbeitsplatz vorgedrungen. Der Chef hat kurz überlegt, ob er sie über die Oberlichte…, aber da hat die Chefin ihr Veto eingelegt. Das ist natürlich auch keine schöne Art, arbeitslos zu werden, aber man muss in diesem Fall auch ein wenig den Arbeitgeber verstehen. Der Heinrich ist ja von selbst gegangen. Da hat wieder einmal sein übergeordneter Gerechtigkeitssinn für Ordnung gesorgt. Weil wenn du bei einem Kunden einen Kachelofen mit rosa Kacheln setzen lässt und ihm dann auch noch einen lachsfarbenen Volant aufschwatzt, erwartest du, dass deine Chefin diese Entscheidung mitträgt. Aber die hatte nichts anderes zu tun, als den Kunden aufzuklären, dass diese warme Deko nicht in ein Einfamilienhaus, sondern bestenfalls in ein Etablissement passt! Da muss man dann schon die Reißleine ziehen. Weil der Heinrich hatte immer die Gabe, sich in die Kundschaft hineinzufühlen, und wenn da eine »Tuntendeko« dabei rauskommt, dann ist das eben so!

Danach hat er keinen richtigen Arbeitsplatz mehr gefunden. Also keinen fixen. Heinrich hilft hier und da im Lagerhaus aus, und er hat ja noch die Hühner auf dem Hof. Da verkauft er auch das eine oder andere Bio-Ei aus seiner Legebatterie. Da sind jetzt natürlich keine großen Sprünge zu machen, aber er kommt über die Runden. Er sagt immer, du bist ja alleine, hast keine Kinder durchzufüttern und musst dich auch nicht um den Schuhsalon und die Ballfrisur deiner Frau kümmern. Wo er recht hat, hat er recht. Auto hat er ja auch keines - wozu auch? Heinrich meint, dass das ohnehin nur ein Fass ohne Boden ist. Da brauchst du eine Steuer, eine Versicherung, Reifen, Service, und tanken sollte man auch noch! Also ausrechnen darf man sich das sowieso nicht, was einen so ein Fahrzeug wirklich kostet - da schiebst du es gleich freiwillig in den Donaukanal. Der Heinrich glaubt auch immer, wenn wieder einmal ein IS-Attentäter eine Autobombe gezündet hat, dass der Grund dafür einfach der ist, dass die da drüben auch ihre Norm-Verbrauchsabgabe nicht mehr aushalten! Sicher ist das nicht der richtige Weg; deshalb kommt der Heinrich ohne ein KFZ aus. Ein Rad hat er, aber damit kann er nicht fahren. Das sind dann die, die immer sagen: »Gehen ist ja eh vü gsünder!« Sicher hätte er einmal Fahrstunden nehmen können - aber mit den 6-Jährigen gemeinsam bei der Verkehrserziehung mitzuwirken - das war ihm bis jetzt immer zu peinlich! Sein Vater, der Herr Vizeleutnant, hat ihm einiges über den Grünen Veltliner beigebracht - aber Radfahren - Fehlanzeige.

Da bringt es dir natürlich nichts, wenn du weißt, dass die Traube die liebliche Säure aus dem Kalksteinboden gewinnt, wenn du beim ersten Fahrversuch die beste Legehenne unter dir begräbst. Den Heinrich mit seinen 60 kg hätte die Henne vielleicht noch weggesteckt, aber das Shimano-Pedal in Edelstahlausführung hat sich als nicht so förderlich herausgestellt! Da hat es dann am Abend Brathuhn gegeben, und der Drahtesel wurde an den Nagel gehängt. Man muss aber ehrlichkeitshalber auch sagen, dass Hartberg jetzt keine Großstadt im weiteren Sinn - sondern eher im engeren ist. Da kannst du schon auch einiges zu Fuß erledigen. Und die Öffis gibt es ja auch noch. Bus ist o.k., aber U-Bahn mag er nicht so - die gibt es ja in Hartberg ohnehin nicht. Wobei man U-Bahn-Fahren wirklich mögen muss – also, da gibt es nur zwei Extreme: Entweder man liebt die schnelle Fortbewegungsmöglichkeit oder man hasst sie. Ich mag ja den Großteil der U-Bahn-Kunden nicht. Sehr oft sind das finstere Gestalten, in welcher Stadt auch immer. Da kannst du entweder einen betrunkenen Obdachlosen, einen verwahrlosten Junkie oder eine schwangere Frau als Sitznachbarn erwischen! Keine guten Optionen für Heinrich. Okay, bei einer U-Bahn-Fahrt kannst du ja eh schon froh sein, wenn du bloß mit einem Bauchstich davonkommst; es könnte auch schlimmer ausgehen: Du könntest von einer Folkloredarbietung einer Roma-Familie überrascht werden! Viele Menschen auf engem Raum sind ohnehin nichts für einen, der mit der Platzangst auf du und du ist! Heinrich meidet ja auch Aufzüge – na, da weiß man ja schon alles. Klaustrophobie ist sein zweiter Vorname! Wenn du dem für nächste Woche einen Brunch im Donauturm schenkst, muss er heute schon mit dem Aufstieg beginnen!

Tja - man kann es auch übertreiben. Aber der Heinrich kann den Hintergrund seines Traumas auch erläutern. Weil er war einmal in London in der Galerie Lafayette und ist im Erdgeschoss als Einziger in den leeren Aufzug gestiegen. Jetzt hat es dort ja nur fünf Stockwerke, aber wenn in jedem Halt gemacht wird und 30 Personen in den Aufzug zusteigen, der für maximal 50 Personen ausgelegt ist, kann sich der übelste Mathematiker ausrechnen - das kann nicht gut gehen! Da brauchst du keinen Pythagoras und keinen Newton! In dieser Situation ist dir auch plötzlich klar, wie die bei dem Weltrekordversuch zwanzig Leute in einen Smart bekommen haben! Der Heinrich hat nach dieser ersten Erfahrung jedenfalls seine Städteurlaube im Ausland eingestellt! So eine Busreise bis zu den Briten ist ja auch nicht gerade ein Katzensprung und da fragst du dich dann im Anschluss ohnehin, wofür das gut war. Was soll's - London ist auch nicht viel anders als Hartberg. Der Unterschied liegt nur darin, dass dir dort nach einem Curry wirklich das Ventil abbrennt und du die Leute trotz deiner 3 in Schulenglisch nicht verstehen kannst - was aber eigentlich egal ist, weil bei Heinrich ja ohnehin Kommunikation gleich null. Warst du schon einmal in London bei einem Inder? Da sagt die Magenschleimhaut zum Abschied leise Servus! Das Mango-Chutney ist dort keine Sauce, sondern die letzte Ölung für deine Geschmacksknospen. Und die Inder sind dann noch dazu mit einer Schadenfreude gesegnet, die sie auch nicht zwangsläufig sympathischer erscheinen lässt! Da ist es dem Heinrich wirklich egal ob die das Computergenie-Gen haben oder nicht. Diese »Gangesschlürfer« sind bei ihm unten durch, das sag ich dir!

Jetzt fragst du dich sicher, ob der Heinrich noch andere Hobbys hat? Nur so viel zuerst: Jeder Mensch hat irgendetwas, mit dem er die Zeit totschlägt. Und Zeit hat Heinrich wahrlich genug. Obwohl das auch ein blöder Spruch ist - kein Mensch hat mehr Zeit als der andere. 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche und 52 Wochen im Jahr - mehr gibt es nicht. Heinrich hat bloß nicht viel zu tun in dieser ihm verbleibenden Zeit. Und so sucht er immer wieder nach einer Beschäftigung. Er hat gelegentlich gefischt - was aber auch in der Steiermark ohne Fischereierlaubnisschein nur selten geduldet wird! Um einen solchen Schein hat sich der Heinrich nicht besonders bemüht. Und wie es der Zufall haben will, wurde er kontrolliert, und da folgt die Strafe auf dem Fuße: 200 Euronen Deppensteuer. Das war dann auch das jähe Ende dieser Freizeitaktivität - er hat ja bis auf ein Paar Gummistiefel eh nichts aus dem Wasser gezogen.

Er sieht jetzt zum Beispiel sehr gerne fern. Dabei hält er es auch oft stundenlang aus, obwohl man im zweiten Stock vom Balkon aus nicht allzu viel sehen kann, weil sie dem Heinrich eine Einstellhalle hingebaut haben. Irgendwie komisch…

Wie die Traude dort runtergefallen ist, hätte sie noch einen schönen Fernblick gehabt, und jetzt, wo der Sohn diesen genießen könnte, steht die Lagerhalle davor! TV-Gerät hat Heinrich übrigens keines - auch keinen Computer. Er meint immer, dass er mit seinem Smartphone gut durchkommen würde. Recht hat er. Im TV wirst du heute ohnehin nur verarscht. Dauernd Werbung, die viel lauter ist als das übliche Programm. Die Batterien meiner Fernbedienung werden allein nur vom Leiser- und Lauterdrehen leer! Auf jedem Sender entweder eine CSI-Folge oder eine Sitcom, bei der das Publikum hörbar zum Klatschen gezwungen wurde.

Der ORF hat auf die Champions League-Rechte verzichtet, und die GIS-Gebühren zahlt man für den Bildungsauftrag der öffentlich rechtlichen Sender! Wie zum Beispiel für ein Sommergespräch mit Frank Stronach, das aber in Wahrheit eher zur Sendezeit des Sommerkabaretts gepasst hätte. Ich verstehe natürlich die Gebühren, denn wenn sich Armin Wolf der Ice-Bucket-Challenge hingibt, muss ja auch wer für dessen nassen Anzug aufkommen. An Tarek Leitners Friseurkosten kann es ja nicht liegen. Heinrich ist sich auch sicher, dass das Fernsehen heute dazu verwendet wird, die Leute - sprich »Konsumenten« - dorthin zu bekommen, wo man sie haben will. Nennen wir es eine multimediale Gehirnwäsche! Gut, da könnte man ihn auch einen Verschwörungstheoretiker nennen, aber ein wenig kann da schon dran sein. Heinrich ist ja für solche Dinge und für die Esoterik durchaus empfänglich. Er hat zum Beispiel sein Bett in Richtung Nord-Süd ausgerichtet und einen Bergkristall vor die Terrassentür gehängt. Feng Shui ist für ihn allgegenwärtig und nicht einfach nur ein fernöstlicher Hokuspokus. Er liest auch hin und wieder mal ein Buch.