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Früher hätte man zu einem Buch wie diesem gesagt: "Das ist Philosophie verboten narzisstisch!" Heute in Zeiten, in denen "Selfies" unser Bild von der Welt bestimmen, würde man lifestyle-gerecht von einem "Reisebericht" in die Abgründe männlichen Liebeswahns sprechen. In Wahrheit ist es weder Philosophie noch Narzissmus, die hier ausgeschrieben werden, sondern der "explizite" Umgang mit dem Leben als Mann, der lieben muß. Klar in der Sprache, schonungslos im Umgang mit dem Fleisch kommt jeder auf seine Kosten, der bereit ist, sich mit seinem Begriff von Liebe herausfordern zu lassen. Schlichter formuliert: "Herzfinsternis" ist ein Aufklärungsbuch für – Frauen.
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Seitenzahl: 71
Veröffentlichungsjahr: 2015
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To die – without the Dying
And live – without the Life
This is the hardest Miracle
Propounded to Belief.
Emily Dickinson
Ausgeschriebenes Gefühl
Wo wir Ende oder Anfang sind
Rohe Magie
Schmerzhimmel
Reisevorkehrungen
Als ich verlassen wurde – ich erinnere nicht mehr genau, ob von dir oder von mir – habe ich mich gefragt: Was ist das, was mich schier um den Verstand bringt? Eine Hölle ohne Liebe? Aber was muß dann meine Liebe zu dir über all die Jahre gewesen sein? Doch nur diese Hölle ohne Haß …
Wer an den Haß geglaubt und sich verliebt hat wie ich, für den beginnt die Liebe als luftige Komödie und endet als banale Tragödie. Als Liebender fühlte ich mich wie ein Baum, der im Himmel wurzelt. Als Hassender scheint mir die Welt bloß noch Kopf zu stehen.
Als Liebender erlebte ich im Guten die Möglichkeit zum Besseren und im Schlechten die Wirklichkeit des zukünftigen Guten. Doch leider vergaß ich über meinem Glücklichsein, daß die Liebe in den meisten Leben früher stirbt als die Liebenden und einer wie ich sich hüten sollte, sie als Hassender zu mumifizieren.
Ich glaubte, um mit der Liebe etwas erreichen zu können, müßte einer wie ich mehr als eine Moral haben. Ich wurde von den mich Liebenden eines Besseren belehrt: Mein Haß stand für leere Versprechungen und eine schier grenzenlose Chance – ohne mich.
Ich mußte begreifen lernen, daß meine Liebe ihre Kraft aus dem Doppelsinn, dem Modus schöpft, mit dem sich die List des Hasses als richtige Vergangenheit und falsche Zukunft zu präsentieren versteht.
Heute weiß ich, was wir waren, ist kaum der Rede wert. Was wir sind, erscheint selbst den uns Nahestehenden in der Regel bedeutungslos. Was aus uns hätte werden können, interessiert nicht einmal mehr uns selbst. Was das Leben uns vorhält, ist dieses denk- bis merkwürdige Paarungsritual, mit dem wir denen, die das Pech hatten, uns begegnen zu müssen, in Erinnerung bleiben dürfen, nichts sonst …
Als Liebender verzehre ich mich nach dem Wie des Sagens, als Hassender nach dem Wie des Schweigens. Kaum verwunderlich, daß mein Buch über die Liebe so schmal geraten mußte. Ersterer ist mit dem Wort gescheitert und Letzterer hat es nicht vermocht, sich gegen das Wort durchzusetzen –
We play at Paste –
Till qualified, for Pearl –
Then, drop the Paste –
And deem ourself a fool –
The Shapes – though –
were similar –
And our new Hands
Learned Gem-Tactics –
Practicing Sands –
Emily
Dickinson
(11.11.2011. – Die Liebe ist die Geschichte, mit der wir uns erzählen, wer wir sein wollen. Als Figur mögen wir der Welt als Nichts erscheinen. Als Liebender geben wir der Welt einen Erzähler, ohne den die Welt nicht ALLES sein kann –
Auf Augenblicke finde ich den Tag über Frieden ohne meine Liebe zu dir. Der Rest des Tages? Der Haß füllt mich nicht aus. Aber! Gliche er einem Raubtier, das fühle ich, so würde er mich wie eine Beute umkreisen …)
„Wahre Liebe weiß alles über das Nichts und hat verlernt, was es zu wissen gilt über das Alles“, sagte sie und schob ihm lächelnd das Buch mit den leeren weißen Seiten in die Hand.
„Die Liebe ist das Geheimnis, das darauf wartet, in die Realität entlassen zu werden, die keiner sieht“, dachte er.
„Die Liebe läßt uns aus unserem Traum über uns selbst – aufschrecken“, sagte der weise Alte. Woraufhin er einwandte: „In der Liebe ist der Traum ohne Grenzen und darum eine Wirklichkeit!“
– Wie erfahre ich das Geheimnis der Liebe, ohne es um seine Realität zu bringen?
– Der Liebende ist der Einzige, für den die Welt erst mit einem Geheimnis komplett ist.
– Die Lüge verweist auf die Wahrhaftigkeit des Geheimnissess, wie die Wahrheit es in seiner Lügenhaftigkeit bloßzustellen scheint. Warum?
– Die Liebe ist die ultimative Sünde der Verzweiflung.
Am Ende – wenn jemand gegen die Regel das Geheimnis seiner Liebe preisgegeben hat – scheint für die Fremden von nichts wirklich Wesentlichem die Rede gewesen zu sein. Nichts Wunderbares jedenfalls, wovon der Welt zu erzählen lohnen würde. – – Und doch! Verstünde einer die Spuren auf der Haut der Liebenden zu lesen, er würde von der Tanzschrift der Finger, Münder & Körperteile überwältigt sein und vergessen, daß er – Geheimnisträger zu sein wünscht …
„Der wahrhaft Liebende fühlt, was er nicht wissen darf: das Geheimnis –“ rief sie aufgeregt. „Die Liebe erobert das Zentrum unserer Existenz, weil sich ansonsten dort – so fürchten wir – die Gewißheit der Sinnlosigkeit unserer Existenz ausbreiten würde“, antwortete er mit einem Lachen.
(19.11.2011. – Das Geheimnis der Liebe hat Macht über ihre Schöpfer. Es entzieht sich jeglicher Kontrolle, in dem es die Herrschaft über die Liebenden an sich reißt und deren Regeln im Umgang mit sich und der Welt bestimmt.
Das hat diesseits des durch Selbstlosigkeit & Kalkül gestifteten Glücks für die Liebenden eine fatale Konsequenz: eine immer größer werdende Furcht vor der Selbstzerstörung des Geheimnisses durch dessen Preisgabe.
Warum? Ein gelüftetes Geheimnis ist um das Rätsel seiner Wirkung gebracht. Seine Abwesenheit wirft für die Liebenden die Frage nach der Grenze zwischen Wahrheit und Lüge auf.
„Den Kern jeder Liebe verhüllt eine verstörende Gewißheit“, dachte er. Laut sagte er: „Die Illusion stiftet den Ort der Wahrheit der Liebe.“ Woraufhin sie ihn ernst ansah und erwiderte: „Die Illusion stiftet den Glauben aller Liebenden an die Wahrheit ihrer Liebe.“
„Wo das Herz herrscht, da hat der Haß bereits gewählt“, hatte er notiert, nachdem er zum ersten Mal den ihm von ihr gegebenen Kosenamen gehört hatte. Und dann auch noch: „Es liegt in der dunklen Natur der Liebe, daß sie, je größer sie wird, desto sicherer einen Platz für den Haß freihält …“
Wir wollen, daß die Liebe mit unserem Ursprung verbunden ist, und erfahren, daß wir nicht der Ursprung der Liebe sein können.
(6.1.2012. – Ich zweifle, ohne Schmerzen zu fühlen. Ich träume, was ich nicht leben will, und lebe, was ich nicht einmal träumen will.
Ich habe mich über die Jahre eingerichtet in die Unvernunft. Ich wache morgens mit Ekelgefühlen auf unabhängig davon, ob ich mich glücklich oder unglücklich wähne.
Die wirklich großen Lebenskatastrophen sind nicht die, die uns wie Schatten aus der Vergangenheit zu folgen scheinen, oder die, die uns wie eine Zukunft drohen, nein, es sind die, die wir gezwungen sind, Tag für Tag zu durchleben ohne Aussicht, daß sie einmal enden werden oder durch uns beendet werden können.
Für die Fremden offenbart man sich als Grenze zu einem Geheimnis, wenn man sich ihnen als Liebender zu erkennen gibt. Auch das Land der Verzweiflung hat seine Grenzpatrouillen …
„Die Liebe kennt keine Notausgänge. Vor uns liegt immer nur ein Fluchtweg“, sagte sie, bevor sie ihm den Schlüssel für ihre Wohnung über den Tisch zuschob.
– Wer eine Liebe für die Zukunft beschwört, ist ein Hassender.
– Wer der Liebe eine Zukunft beschwört, ist ein Verführer.
– Wer der Liebe eine Zukunft entsagt, ist ein Reaktionär.
„Als Rätsel ist jedes Geheimnis radikal und stellt die Realität von uns Menschen grundsätzlich in Frage.“, wandte er ungewohnt nachdenklich ein.
„Zu wissen, was nicht gewußt werden darf, unterscheidet den Liebenden vom Hassenden“, dachte er. Laut sagte er: „Der Liebende schenkt, was man nicht schenken kann in den Augen der Welt, das Geheimnis.“
Nach der ersten Nacht mit ihr hatte er notiert: „In der Liebe – das weiß der Verführer – verstellen sich der Charakter eines Mannes und das Schicksal nur allzugern den Weg.“ Und dann auch noch: „Mit der Verführung wird das Drama des Augenblicks aufgeführt. Ob damit eine Komödie oder eine Tragödie gegeben wird, entscheidet sich mit unserer Wahl der Rolle: Verführer oder Verführter …“
(9.1.2012. – Wieder geträumt. – Meine Traumbilder bilden buchstäblich einen Schutzwall um mich herum und ich fange langsam wieder an zu glauben, daß sie mich schützen werden vor meinen Ängsten, den gottverdammten Tagräubern –
Ich verkörpere nie das Glück für eine Frau. Ich bin stets nur die Aussicht auf das große Unbekannte.
Letzteres macht mich als Verführer zum Gewinner, aber als Mann, der geliebt werden will für das,
