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David liebt Wiley, den besten Freund seines älteren Bru-ders, seit er ihm vor fünf Jahren das erste Mal begegnet ist. Allerdings ist Wiley hetero, wie Derek immer wieder betont. Als Wiley nach einem Streit mit seinem Mitbewohner für einen Monat auf Davids und Dereks Couch strandet, ist er eine ständige Erinnerung an das, was David sich so sehr wünscht, aber wohl niemals bekommen wird. Bis zu jenem Tag, als David sein wichtiges Kunstprojekt beenden muss und sein Model nicht auftaucht. Wiley bietet an, für ihn zu posieren, und David ist sich sicher, dass die Hitze zwischen ihnen auf Gegenseitigkeit beruht. Könnte sich Derek in seinem besten Freund wirklich all die Jahre geirrt haben? Werden Davids Träume am Ende vielleicht doch noch wahr? Das Einzige, das David weiß, ist, dass er es auf die eine oder andere Weise herausfinden wird. Heute Nacht.
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Seitenzahl: 83
Veröffentlichungsjahr: 2020
Karen Stivali
© dead soft verlag, Mettingen 2020
http://www.deadsoft.de
© the author
Titel der Originalausgabe: Tonight
Übersetzung: Elian Mayes
Cover: Irene Repp
http://www.daylinart.webnode.com
Bildrechte: © rdgraphe – shutterstock.com
1. Auflage
ISBN 978-3-96089-383-7 (epub)
David liebt Wiley, den besten Freund seines älteren Bruders, seit er ihm vor fünf Jahren das erste Mal begegnet ist. Allerdings ist Wiley hetero, wie Derek immer wieder betont.
Als Wiley nach einem Streit mit seinem Mitbewohner für einen Monat auf Davids und Dereks Couch strandet, ist er eine ständige Erinnerung an das, was David sich so sehr wünscht, aber wohl niemals bekommen wird.
Bis zu jenem Tag, als David sein wichtiges Kunstprojekt beenden muss und sein Model nicht auftaucht. Wiley bietet an, für ihn zu posieren, und David ist sich sicher, dass die Hitze zwischen ihnen auf Gegenseitigkeit beruht.
Ich möchte Liza Kay für diese wunderschöne Idee und das unfassbar sexy Foto danken. Beides hat mich dazu inspiriert, die Geschichte von David und Wiley aufzuschreiben. Ebenfalls ein großer Dank geht an Debbie McGowan und ihr Team für ihr tolles Lektorat, das mich dabei unterstützt hat, dieser Geschichte zu Glanz zu verhelfen. Und wie immer bin ich meinen loyalen Betalesern Karen Booth, K. D. Wood, Kira Decker und Mandy Pennington endlos dankbar. Ohne euch hätte ich vermutlich nicht den Mut gehabt, irgendetwas einzureichen!
»Er ist nicht schwul, weißt du?«
Wenn ich jedes Mal einen Dollar bekommen hätte, wenn mein älterer Bruder Derek mich daran erinnert hätte, dass sein bester Freund Wiley nicht schwul war, hätte ich mir schon lange eine eigene Wohnung leisten können, statt mir eine mit den beiden zu teilen. Als Derek das zum ersten Mal gesagt hatte, hatte ich geglaubt, sterben zu müssen. Ich war sechzehn gewesen und wir hatten in der Küche unseres alten Hauses gesessen und Reste einer Lasagne aus einer Pfanne gegessen. Wiley war gerade nach Hause gegangen. Wir hatten einen “Rocky“-Filmmarathon und ein Ping-Pong-Match hinter uns gehabt. Es war das erste Mal gewesen, dass ich mit Wiley für mehr als ein paar Stunden abgehangen hatte, und der Rausch hatte mich beinahe wahnsinnig werden lassen.
»Ich meine es ernst, Davey. Er ist nicht schwul. Ich will nicht gemein sein oder so, ich will nur nicht, dass du dir Hoffnungen machst.«
Ich konnte noch immer das Stück Lasagne spüren, dass in meiner Kehle stecken blieb, als meine Wangen zu kribbeln anfingen. Ich zwang mich zu schlucken, würgte das Stück herunter und zuckte mit den Schultern. »Mach ich mir nicht.«
»Gut.«
Das war nun fünf Jahre her und ich konnte noch immer keine Lasagne essen, ohne diese Worte zu hören. Er ist nicht schwul. Nicht dass ich Lasagne gebraucht hätte, um mich daran zu erinnern. Vor ein paar Jahren hatte es Derek quasi nach jedem Mal, das wir zusammen abgehangen hatten, auf den Tisch gebracht, sobald wir alleine waren. Erst nachdem ich zum College gegangen war und mit Dates angefangen hatte, hatte er aufgehört, es zu erwähnen.
Bis vor ein paar Wochen jedenfalls, als Wiley in unser Apartment eingezogen war. Derek und ich hatten Wiley unsere Couch angeboten, als er erwähnt hatte, dass er einen Platz zum Unterkommen brauchte.
Bist du dir sicher?, hatte Wiley gefragt.
Darek hatte geantwortet, bevor ich es hatte tun können: Natürlich sind wir uns sicher. Du isst doch sowieso schon die halbe Zeit unser Essen.
Und das war auch schon ungefähr alles, was Derek an Mitgefühl ausdrücken konnte.
Wiley hatte ihn ignoriert und sich zu mir gedreht. Was ist mit dir? Bist du dir sicher, dass das okay ist? Ich weiß, dass du gerade viel mit deinen Prüfungen zu tun hast.
Das stimmte. Ich hatte Prüfungen und ein Kunstportfolio, das beendet werden musste, damit ich meinen Förderantrag für mein Junior-Jahr stellen konnte. Wiley würde definitiv eine große Ablenkung sein, zumal ich meine Zeichnungen und Malereien im Wohnzimmer anfertigte. Genau dort, wo die Couch stand, die wir ihm angeboten hatten. Aber ich würde verdammt noch mal niemals nein zu irgendetwas sagen, was Wiley betraf. Ganz abgesehen davon, dass ich ihn nicht im Auto schlafen lassen würde, nur weil sein Mitbewohner ein Arschloch war und seine neue Wohnung noch nicht verfügbar. Betrachte die Couch als deine. Ich schiebe mein Zeichenbrett einfach zum Fenster, damit zu Platz für dein Zeug hast.
Wileys Lächeln hatte mich auf eine Weise gewärmt, von der ich wusste, dass er sie nicht beabsichtigt hatte. Alles, was meine Aufmerksamkeit auf seinen Mund lenkte, brachte mein Gehirn auf Pfade, die ich seit Jahren zu vermeiden versuchte. Dunkle Lippen, weich, die untere so prall und verlockend, dass ich sie lecken, beißen und verschiedene Teile meines Körpers darüber reiben wollte.
Wie immer hatte Derek seine Gedanken für sich behalten, bis Wiley gegangen war, um sein Zeug zu holen. Ich zählte innerlich, fragte mich, wie viele Sekunden es wohl dauern würde, bis er es sagen würde. Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiund…
»Er ist nicht schwul, weißt du?«
Dieses Mal lachte ich. Unter drei Sekunden. Das könnte ein neuer Rekord sein. »Ist er nicht?« Ich schnappte nach Luft, fasste mir an die Brust und fiel nach hinten auf die Couch, auf der Wiley vielleicht bald jede Nacht schlafen würde.
Ob er wohl nackt schläft?
Derek schlug mir mit einem Kissen auf den Kopf. »Ich mein es ernst, Trottel.«
»Das weiß ich. Mach dir keine Sorgen. Ich bin mir dessen mehr als bewusst.«
Nicht, dass das irgendwelche Fantasien aufhält. Wo wir gerade dabei sind: Weißt du zufällig, ob er nackt schläft?
»Gut. Weil ich mir ziemlich sicher bin, dass noch mehr Drama das Letzte ist, was er aktuell braucht. Nicht nach der Scheiße, die sein Mitbewohner abgezogen hat.«
»Welche Scheiße?« Alles, was er gesagt hatte, war, dass die Freundin des Typen eingezogen und das Zusammenleben untragbar geworden war. »Hatten die Sex auf dem Küchentisch oder so?«
Derek schüttelte den Kopf. »Ich weiß nicht. Er redet nicht darüber. Alles, was er sagte, war, dass sie übel gestritten haben, und ich hatte nicht den Eindruck, dass es sich um eine Kleinigkeit gehandelt hat.«
Das war seltsam. Soweit ich wusste, erzählte Wiley Derek so ziemlich alles, denn sie waren seit Jahren beste Freunde. Außerdem war Wiley nicht der Typ, der sich einfach so stritt. »Es muss ziemlich schlimm für ihn sein, wenn er einen Monat früher ausziehen will.«
»Wahrscheinlich wird er uns mehr erzählen, sobald er weniger aufgewühlt ist.«
»Ja, wahrscheinlich.«
Drei Wochen später hatten Derek und ich immer noch keine Ahnung, was wirklich zwischen Ben und Wiley passiert war. Ich war natürlich neugierig. Aber ganz ehrlich? Ich war vor allem froh, dass Wi eingezogen war. Ablenkung oder nicht, ich war gerne in seiner Nähe. Als er und Derek letztes Jahr ihren Abschluss gemacht hatten, hatte ich Angst gehabt, dass ich Wiley nicht mehr so oft sehen würde. Zum Glück war das nicht der Fall. Wenn überhaupt, dann war das Gegenteil eingetreten. Dereks Freundin Lily verbrachte das Studienjahr im Ausland, was ihm mehr Zeit für Wiley ließ, als er seit Jahren gehabt hatte. Obwohl sie beide Vollzeitstudenten waren, arbeiteten sie in Teilzeit. Derek war Assistent in einem Architekturbüro, während er seinen Master machte, und Wiley arbeitete bei einer Investmentfirma, die versprochen hatte, seine Studiendarlehen zurückzuzahlen, solange er sich bereit erklärte, nach seinem Abschluss für sie zu arbeiten. Keiner von beiden scheffelte viel Geld damit, aber sie hatten mehr Geld als ich. Außerdem konnte keiner von beiden kochen, also kauften sie Lebensmittel ein, während ich unsere Mahlzeiten zubereitete. Kochen hatte mich schon immer beruhigt, sodass ich jeden Tag Frühstück und Abendessen machte. Sogar an den Abenden, an denen ich Verabredungen hatte.
Viele meiner Freunde beschwerten sich regelmäßig darüber, dass sie keine Dates auf die Reihe bekamen. Ich hatte eher kein Problem damit. Ich hatte Dates. Und zwar sehr viele. Sie wurden nur nie zu einer Beziehung. Und nicht, weil ich kein Beziehungstyp war. Es gab nichts, was ich mehr wollte als einen festen Freund. Das Problem war, dass ich verliebt war. Nun ja, das eigentliche Problem war, dass ich in Wiley verliebt war. Das größere Problem war, dass er jede Nacht ausgestreckt auf der Couch lag, mit einem halben Meter Abstand zu mir. Und zu Wissen, dass er da war, brachte mich dazu, nicht mit meinen Dates nach Hause zu gehen. Es brachte mich dazu, dass ich nach Hause kommen wollte, weil ich wusste, dass er dort sein würde. Heißer Typ. Direkt in meiner Wohnung. Eine sexy Tätowierung, die sich über seine verrückt breiten Schultern zog, eine Tätowierung, die ich mir bis ins kleinste Detail einprägen konnte, weil ich ihn jedes Mal verstohlen anstarrte, wenn er oben ohne war. Das klang nicht nach einem großen Problem, oder? Außer die Tatsache, dass er der beste Freund meines älteren Bruders war. Oder dass er mich seit fünf Jahren kannte, seit ich ein sechzehnjähriger Trottel gewesen war. Oder dass er mich für einen kleinen Bruder hielt. Oder dass er mich, wie Derek, gerne daran erinnerte, dass er hetero war. Ja, wie ich schon sagte: ein Problem.
