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72 Minuten. Mehr Zeit ist nicht nötig, um die Welt, so wie wir sie kennen, zu zerstören. Das ist kürzer als die meisten Kinofilme. Die meisten Menschen könnten in der Zeit nicht einmal zum Baumarkt fahren, um die Materialien zu kaufen, die sie am Wochenende für die kleinen Reparaturen im Haus benötigen. Mit den Hunden Gassi gehen? Mit den Kindern spielen? Vergessen Sie es. 72 Minuten. Und alles, wofür Sie Ihr Leben gelebt haben, wäre vorbei. Und wenn Sie überleben würden? Um Nikita Chruschtschow zu zitieren: "Die Überlebenden würden die Toten beneiden." — Scott Ritter, Highway to Hell
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Seitenzahl: 286
Veröffentlichungsjahr: 2025
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LOB FÜR HIGHWAY TO HELL
„Niemand weiß mehr über Atomwaffen als Scott Ritter. Er hat den größten Teil seiner Karriere nach dem Militärdienst darauf verwendet, die Welt vor den Gefahren ihres Einsatzes zu warnen und darauf hinzuweisen, wie nah wir zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels der totalen Vernichtung sind. Die Schlüssel zur totalen Vernichtung wurden vom amerikanischen Imperium geschaffen, von seinen ausgewählten Verbündeten nachgeahmt, von den Israelis gestohlen, die immer wieder mit der Vernichtung der Welt gedroht haben, und liegen nun in den Händen gefährlicher, unmoralischer Menschen. In Highway to Hell gibt Scott sein umfangreiches Wissen über diese schrecklichen Waffen weiter und flüstert uns eine Warnung ins Ohr: Wenn jemand wiederholt damit droht, den Planeten zu zerstören, und auch die Mittel dazu hat, dann sollte man ihn besser ernst nehmen. Dieses Buch könnte Ihnen schon nach den ersten Seiten den Schlaf rauben.“
HON. ANDREW P. NAPOLITANO, ehemaliger Richter am Obersten Gerichtshof von New Jersey, Bestsellerautor der NY Times
„Scott Ritter hat es wieder geschafft. Ein weiteres großartiges Buch. Als ehemaliger Befehlshaber des Space Command war ich verantwortlich für unser landgestütztes Atomwaffenarsenal und habe aus nächster Nähe gesehen, was Atomwaffen anrichten können. Ich denke, wir sollten Scotts Dokumentationen Beachtung schenken. Jeder, dem das Überleben unseres Planeten am Herzen liegt, sollte diese bemerkenswerte Chronik lesen.“
DENNIS FRITZ, Direktor, Eisenhower Media Network und ehemaliger Befehlshaber des Space Command
„Leider haben viele Staats- und Regierungschefs weltweit die notwendige Angst vor einem Atomkrieg verloren. Scotts Schriften helfen uns zu verstehen, wie harte Arbeit und gemeinsames Handeln gewöhnlicher Menschen die Richtung der internationalen Politik verändern können. Sein Weg ist bedeutsam für den Kampf, den wir alle erleben – und die Lektüre wird Sie sicherlich motivieren, Ihren Teil dazu beizutragen.“
GARLAND NIXON, Moderator, NewsViews with Garland Nixon
„Highway to Hell von Scott Ritter ist eine gut verständliche und unverzichtbare Chronik über die wohl größte existenzielle Bedrohung der Menschheit: die Gefahr eines Atomkriegs. Dieses Buch ist eine Reise durch Geschichte und geopolitische Zusammenhänge. Es vermittelt nicht nur das nötige Verständnis für das Problem, sondern zeigt auch auf, was jetzt getan werden muss, um den imperialen Wahnsinn zu stoppen, bevor es zu spät ist.“
DANNY HAIPHONG, Moderator, The Left Lens with Danny Haiphong, Podcast
Scott Ritter
Die Armageddon-Chroniken2015–2024
Mit einem Vorwort
von Pascal Lottaz
Mit einem Vorwort
von Larry Wilkerson
Aus dem Englischen
von Elborg Nopp
Copyright © Lola Books 2025
www.lolabooks.eu
Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt und darf in keinerlei Form ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Titel der englischen Originalausgabe:
Highway to Hell: The Armageddon Chronicles, 2015–2024
First published in English in 2025 by Clarity Press, Inc.
2625 Piedmont Rd. NE, Ste. 56, Atlanta, GA. 30324
https://www.claritypress.com
Umschlagbild: Volodymyr Horbovyy, shutterstock, ID 1167320002
Druck: Safekat, Madrid
Printed in Spain
ISBN 978-3-944203-92-8
eISBN 978-3-944203-93-5
Erste Auflage 2025
EINLEITUNG
VORWORT ZUR DEUTSCHEN UND SPANISCHEN AUSGABE
VORWORT
PROLOG AUF DEM WEG ZUR HÖLLE
ERSTER TEIL Das Wettrüsten, erster Teil
KAPITEL EINS RAKETEN OHNE MISSION/OBJEKT 4202
KAPITEL ZWEI KÖNNEN SIE MICH JETZT HÖREN?
KAPITEL DREI DES TEUFELS KIND
KAPITEL VIER DAS ENDE DES ZERSTÖRUNGSWAHNS
ZWEITER TEIL Das INF-Abkommen
KAPITEL FÜNF RAKETENWAHNSINN
KAPITEL SECHS EINE MINUTE VOR MITTERNACHT
KAPITEL SIEBEN TOD EINES VERTRAGS
KAPITEL ACHT DIE FOLGEN DES SCHEITERNS
DRITTER TEIL New START
KAPITEL NEUN HOFFNUNG
KAPITEL ZEHN ALLES HABEN WOLLEN
KAPITEL ELF KEIN START FÜR NEW START
KAPITEL ZWÖLF DER TOD DER RÜSTUNGSKONTROLLE
VIERTER TEIL China, Nordkorea, Iran und Israel
KAPITEL DREIZEHN DEN DRACHEN WECKEN
KAPITEL VIERZEHN ESKALIEREN, UM ZU DEESKALIEREN
KAPITEL FÜNFZEHN NORDKOREA RÜSTET AUF
KAPITEL SECHZEHN DAS ISRAELISCH-IRANISCHE ATOMRÄTSEL
FÜNFTER TEIL Das Wettrüsten, zweiter Teil
KAPITEL SIEBZEHN NUKLEARER HIGH NOON IN EUROPA
KAPITEL ACHTZEHN DIE WAHL ZWISCHEN PEST UND CHOLERA
KAPITEL NEUNZEHN DIE SCHWELLE SENKEN
KAPITEL ZWANZIG DIE WACHSENDE GEFAHR EINES ATOMKRIEGES
FAZIT F*CKT SIE/72 MINUTEN
Während dieses Buch geschrieben wird, steht die Welt vor einer existenziellen Krise, die vom Großteil der Menschheit ignoriert wird: der wachsenden Gefahr eines Atomkriegs. Wenn es je einen geeigneten Moment für ein Buch gab, dann ist es dieser Moment, dieser Krieg – und dieses Buch.
Manche halten es vielleicht für eine bequeme Lösung, ein so komplexes Thema mit einem Kompendium aus Artikeln zu behandeln, die über zehn Jahre hinweg geschrieben wurden. Aber wenn es um die Gefahr eines möglichen nuklearen Armageddon geht, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es wichtiger ist, den Verlauf nachzuvollziehen, der uns an diesen Punkt geführt hat, als nur eine Momentaufnahme des aktuellen Zustands zu liefern.
Die Zusammenstellung von Artikeln, die im Laufe der Zeit verfasst wurden, ermöglicht es dem Leser, die Vergangenheit noch einmal zu erleben: er versetzt sich in den Moment hinein, in dem die heute aktuellen Themen tatsächlich entstanden, und betrachtet das Ereignis nicht rückblickend, sondern ganz frisch mit den Emotionen, die man nur empfinden kann, wenn man das Ereignis zum ersten Mal erlebt.
Dies hilft den Lesern, die existenzielle Natur der Gefahr eines Atomkonflikts besser zu erkennen. Diese Bedrohung ist inzwischen greifbarer denn je geworden, da Entscheidungsträger diese Option immer häufiger in Betracht ziehen und die breite Öffentlichkeit gegenüber der Aussicht auf dessen Schrecken zunehmend abgestumpft ist. Diese Erkenntnis lässt sich jedoch am besten erreichen, indem man den Leser in die Vergangenheit zurückversetzt, um die Ereignisse so mitzuerleben, wie sie sich zugetragen haben, und nicht so, wie sie später in die Geschichtsbücher eingegangen sind. Die Ungeschminktheit des Augenblicks, entstanden durch die Frische der ersten Einschätzung und die Kühnheit der damit verbundenen Vorhersagen, wird durch die im Laufe der Zeit gewonnenen Erkenntnisse noch verstärkt.
Chronisten schlechter Nachrichten gelten oft als Schwarzseher – solange noch nichts passiert ist. Rückblickend und mit dem Wissen um den weiteren Verlauf der Ereignisse könnte man den Verfasser dieser apokalyptischen Vorhersagen jedoch eher als moderne Kassandra bezeichnen. Seit mehr als zehn Jahren warne ich vor den Gefahren eines Atomkrieges und beklage das Fehlen wirksamer Rüstungskontrollmechanismen, um diese Gefahr einzudämmen. Und ich habe mit Bestürzung beobachtet, wie sich die Ereignisse anscheinend in eine Richtung bewegen, die zu einem unvermeidlichen Ende führen könnte.
Mit Highway to Hell: Die Armageddon-Chroniken will ich zu dieser Angelegenheit ein Warnsignal setzen.
Dieses Buch ist jedoch mehr als nur eine Plattform, um den Leser über die Gefahren eines Atomkrieges aufzuklären.
Es ist auch ein Manifest zur Verteidigung der Meinungsfreiheit.
Die US-Regierung hat in enger Zusammenarbeit mit den amerikanischen Mainstream-Medien versucht, abweichende Stimmen zum Schweigen zu bringen und/oder zu unterdrücken, insbesondere solche, die eine Plattform für Ideen bieten, die die offizielle Darstellung wirksam und maßgeblich in Frage stellen. Seit 1998, als ich aus den Vereinten Nationen austrat und begann, die Falschinformationen über irakische Massenvernichtungswaffen aufzudecken, versucht die US-Regierung, mich mundtot machen. Als die New York Times, die Washington Post, die Los Angeles Times, der Boston Globe und andere namhafte Zeitungen die Veröffentlichung meiner Artikel einstellten, konnte ich meine Arbeit zum Glück weiterhin online über sogenannte alternative Medien publizieren.
Die Huffington Post, TruthDig, The Washington Spectator, The American Conservative, Consortium News und Energy Intelligence haben mit mir zusammengearbeitet, um einige meiner besten Analysen zur Aufklärung eines breitgefächerten Publikums zu veröffentlichen. Ebenso haben mir Russia Today und Sputnik die Veröffentlichung von Artikeln ermöglicht, die bei einer weltweiten Leserschaft Beachtung finden. Im Laufe der Jahre wurde Druck ausgeübt, um mir den Zugang zu bestimmten Verlagen zu versperren, darunter die jüngste Maßnahme der US-Regierung, meine Beiträge für Russia Today und Sputnik zu unterbinden.
Durch die Veröffentlichung meiner gesammelten Werke zu Atomwaffen, Abrüstung und Rüstungskontrolle, die aus so unterschiedlichen Quellen stammen – einige progressiv, andere konservativ, wieder andere gemäßigt und einige aus dem Ausland –, hat Clarity Press dazu beigetragen, ein Zeugnis für die Integrität sowohl des Autors als auch des Verlags im Umgang mit solch komplexen und hochgradig nuancierten Themen zu schaffen.
Letztendlich gibt es keinen Unterschied zwischen den Inhalten und dem Stil der Artikel, die ich geschrieben habe, und denen, die in den verschiedenen Publikationen erschienen sind. Dies unterstreicht mehr als alles andere die Legitimität des Journalismus: wenn man stilistisch keinen Unterschied zwischen einem progressiven und einem konservativen Redakteur oder zwischen einem amerikanischen Redakteur und einem russischen erkennen kann, sagt das viel über die Integrität des Produkts und die Reinheit der Motive aus, die seiner Produktion zugrunde liegen.
In diesem Zusammenhang möchte ich allen Redakteuren danken, die mich im Laufe der Jahre bei der Veröffentlichung dieser und aller anderen von mir verfassten Artikel unterstützt haben.
Scott Ritter
Delmar, New York
Eine der ersten und wichtigsten Einsichten, die Scott Ritter in diesem Werk mit uns teilt, ist, dass Nuklearwaffen nur „die Illusion von Sicherheit schaffen“. Sie wiegen den Besitzer in dem Glauben, er sei unverletzlich. Letzten Endes schaffen diese Waffen aber nur eines: den sicheren Untergang aller Menschen – inklusive derjenigen, die sich in Sicherheit wähnen.
Die ersten Nuklearwaffen der Welt – die Bomben, die 1945 die Zivilbevölkerungen Hiroshimas und Nagasakis in einem Feuersturm pulverisierten – waren in der Tat „Wunderwaffen“, mit denen sich so gut wie jeder Feind zerstören ließ. Doch die Produktion von Waffen sowie ihren Transportsystemen (Bomber, U-Boote, Raketen etc.) braucht Zeit. Und nur vier Jahre nach den USA erlangte auch die Sowjetunion ihre erste Nuklearbombe und verwandelte damit das kurzlebige „Wunder“ in den ewigen Alptraum, aus dem wir nie wieder aufwachen werden.
Wer an Nuklearwaffen denkt, muss verstehen, dass es seit 1949 nie um die Bombe der einen oder anderen Nation allein ging. Es ging seither immer um die Logik des gesamten Nuklearwaffensystems des Planeten – über die Grenzen der Feinde hinweg. Wer eine seiner Bomben gegen einen anderen Nuklearwaffenstaat einsetzt, wird mit Garantie selbst auch von einer solchen Bombe getroffen.
Um diese „gegenseitig garantierte Zerstörung“ (wie das so schlimm heißt) zu garantieren, unterhalten Staaten unglaublich teure «Zweitschlagskapazitäten», einfach nur, um sicherzustellen, dass der Andere auch noch in den Abgrund gerissen werden kann, sollte er angreifen.
Und seitdem die Anzahl der Nuklearsprengköpfe der Welt nicht mehr Dutzende oder Hunderte, sondern Tausende und Zehntausende beträgt, ist auch klar, dass der Einsatz einer einzigen solchen Waffe die Eskalationsspirale so weit drehen kann, bis der ganze Planet eine kalte, verstaubte und verseuchte Wüste ist.
Scott Ritter tut der Welt mit diesem Buch einen großen Gefallen, indem er nicht nur die Logik des gegenseitigen Beschusses vor Augen führt, sondern auch den Wahnwitz von „Militärstrategen“, die glauben, die Eskalation entweder eindämmen oder einen nuklearen Vernichtungskrieg sogar gewinnen zu können. Aller Warnungen von Wissenschaftlern, Diplomaten und (Ab-)Rüstungsexperten wie Ritter zum Trotz kommen gerade in den USA immer wieder Wahnsinnige an die Macht, die die Gefahr dieses globalen Waffensystems ignorieren und in einem selbstzerstörerischen Tunnelblick den Einsatz ihrer Waffen für möglich halten und sogar planen.
Es ist ein Wahnsinn, doch ein Wahnsinn, mit dem wir leben müssen. Denn was einmal erfunden wurde, kann nicht einfach „unerfunden“ werden. Selbst wenn wir den politischen Willen zur Zerstörung aller Nuklearwaffen der Welt aufbringen könnten, selbst wenn wir sie tatsächlich auf null reduzieren würden, das Wissen, wie man sie herstellt, wird bleiben, und damit bleibt auch ihre Logik erhalten. Sogar in einer „Null-Atomwaffen-Welt“ müssten sich Staaten irgendwie gegen die plötzliche Wiederbeschaffung dieser Monster durch andere Staaten rüsten.
Hinzu kommt, dass die Trennung zwischen zivilem und militärischem Gebrauch von Nukleartechnologie von Anfang an ein Verpackungsschwindel war – wer die Fähigkeit zu Ersterem besitzt, kann auch Letzteres bewerkstelligen. Die Trennung macht nur auf dem Papier Sinn. Doch genau dort besteht Hoffnung – auf dem Papier von Staatsverträgen.
Während dieses Buch die politischen Analysen Ritters zwischen 2015 und 2024 zur Lage der Nuklearwaffenfrage in den USA skizziert, geben uns seine anderen Werke über die erfolgreichen Missionen als Waffeninspektor Aufschluss darüber, was wieder geschehen müsste, damit wir dieses monströse globale Nuklearwaffensystem kontrollieren können.
Die Abrüstungsverträge des späten Kalten Krieges, gekoppelt mit den Kontrollregimen, für die Ritter selbst gearbeitet hat, sind echte Wunderwerke, die es zum ersten Mal seit 1945 geschafft haben, dass die Menschheit sich nicht ständig von der kompletten nuklearen Verwüstung bedroht sehen musste. Diese Verträge und ihre Mechanismen schufen nicht nur das Versprechen, sondern auch das nötige Monitoring, um Vertrauensbildung und Kooperation über die Grenzen von Erzfeinden hinweg zu ermöglichen.
Dass wir heute, in der Mitte der 2020er Jahre, wieder mit weniger Verträgen und Waffenkontrollen leben als noch in den 1990er Jahren, ist eine Tragödie, geschuldet dem kompletten politischen Versagen der westlichen Politikeliten. Denn es sei ausdrücklich gesagt: Es waren nicht die Russen oder die Chinesen, die die Kontrollverträge auflösten. Es waren die Amerikaner, unterstützt von den Europäern, die Stück um Stück Staatsverträge kündigten, nicht verlängerten oder gegen ihren Geist verstießen, indem sie Stationierungen von Raketen und nuklearfähigen Systemen ausbauten.
Der systematische Abbau der Nuklearwaffenabkommen und die Eskalation des Gefahrenpotenzials – inklusive der völkerrechtswidrigen und absolut verantwortungslosen Bombardierung einer Nuklearanlage im Iran im Jahr 2025 – wird für immer an den Händen des politischen Westens kleben. Sie ist direkt seinem Hochmut und Übermut geschuldet, denn es war der Westen (allen voran die USA), der meinte, er habe den Kalten Krieg „gewonnen“ und könne nun seine Macht in allen Domänen – inklusive der Nuklearwaffenfrage – ungehindert und ungebremst ausbauen.
Dieses Buch von Scott Ritter dokumentiert einen Teil des politischen Wahnsinns, der die USA ritt und der verantwortlich ist für die erneute Eskalation im Nuklearwaffenbereich. Es bleibt uns nur zu hoffen, dass die USA und Europa eines Tages aus ihrem Wahnsinn wieder aufwachen und dort weitermachen werden, wo wir in den 1990er Jahren aufhörten – beim Bau an einer normbasierten, politischen Ausfahrt aus dem Highway to Hell.
Dr. Pascal Lottaz
Kyoto, im Oktober 2025
Dr. Pascal Lottaz ist außerordentlicher Professor an der Universität Kyoto und leitet das Forschungsnetzwerk Neutrality Studies
(https://neutralitystudies.com)
Wenn man gebeten wird, ein Vorwort für ein Buch über Atomwaffen zu schreiben, dann ist es, als sollte man etwas über das Schicksal der Menschheit schreiben. Und ich meine das nicht so, wie André Malraux dieses Schicksal in seinem gleichnamigen Werk so großartig beschrieben hat – oder vielleicht meine ich es doch so, mit einer teuflischen, die Menschheit vernichtenden Wendung. [„Was ist der Mensch?“ fragt Malraux. „Das, was er verbirgt …,“ antwortet er, und von da an geht es bergab.]
Neben der sich verschärfenden Klimakrise stellen Atomwaffen eine ernsthafte Bedrohung für die Existenz der Menschheit dar – mit der möglichen Folge einer nuklearen Auslöschung der Menschheit. In den fünf Jahrtausenden dokumentierter, uns bekannter Menschheitsgeschichte, über die wir einigermaßen Bescheid wissen, hat es so etwas noch nie gegeben. Zwar sind unsere Kenntnisse über die frühen Anfänge begrenzt, doch über die letzten 3.000 Jahre wissen wir deutlich mehr, vor allem seit dem Übergang in die Moderne.
In diesen besser erforschten 3.000 Jahren gab es Hunderte von Imperien, riesige, große, mittlere und kleine. Es gab sogar winzige, aufstrebende Imperien wie die Israeliten, deren Untergang der Prophet Jeremia wiederholt prophezeite. Ebenso könnte man zu Recht behaupten, dass ähnliche moderne Propheten – wie der Autor dieses Buches – den Untergang der heutigen Nachfolger der Israeliten, des modernen Kleinstaates Israel, prophezeien. Im Jahr 587 v. Chr. vernichtete Babylons Armee, wie Jeremia vorhergesehen hatte, die Israeliten vollständig. Nach einer Belagerung von mehr als einem Jahr wurde Jerusalem zusammen mit dem Tempel Salomos vollständig zerstört, ganz wie Jeremia es vorausgesagt hatte.
Im Gesamtkontext der menschlichen Existenz waren solche winzigen Enklaven jedoch unbedeutend im Vergleich zu den imperialen Giganten, in denen diese kleineren Enklaven existieren mussten: das Persische Reich – manche würden behaupten, das mächtigste aller Reiche –, das Mongolische Reich, das Mogulreich, das Weströmische und dann das Oströmische (Byzantinische) Reich, das Osmanische Reich, das Russische Reich, das Französische Reich, das Spanische Reich und vielleicht das geografisch ausgedehnteste von allen – über dem, so hieß es, die Sonne niemals unterging – das Britische Reich; und eine Vielzahl anderer mit geringerem Umfang und Macht, darunter in jüngerer Zeit das Österreichisch-Ungarische Reich, die durch Kriege geschmiedeten Reiche des Dritten Reiches und Tojos Japanisches Kaiserreich. Alle kamen und gingen, einige, wie das von Hitler und Tojo, in historisch-imperialer Hinsicht blitzschnell.
Wie groß und einflussreich, mächtig und reich sie auch waren, sie verschwanden alle. Keines der alten Imperien existiert heute noch, trotz der sehnsüchtigen Wünsche einiger Herrscher. Doch haben wir heute natürlich einen Emporkömmling: das amerikanische Imperium, das seinen Anfang im Jahr 1945 nahm. Man kann mit gutem Grund sagen, dass die Reichweite des amerikanischen Imperiums in der Tat beeindruckend ist, mit mehr als 750 über den gesamten Globus verteilten Militärstützpunkten, einer in militärische Lehensgebiete aufgeteilten Welt, einer weltumspannenden Finanz-, Wirtschafts- und Handelsstruktur, die weitgehend von diesem Imperium geprägt ist, und mit mehr als einem Viertel der fast neun Milliarden Menschen weltweit, die zu jedem Zeitpunkt unter seinen imperialen Sanktionen stehen.
Aber da ist noch etwas anderes, etwas ganz Einzigartiges und Beunruhigendes. Kein anderes Imperium in der gesamten Menschheitsgeschichte hat jemals das erreicht, was das amerikanische Imperium erreicht hat. Nicht in 50.000 Jahren sicherer „menschlicher“ Existenz. Nicht in den 5.000 Jahren, über die wir etwas wissen. Nicht in den 3.000 Jahren, die wir erstaunlich gut studiert und aufgezeichnet haben. Kein Imperium hat jemals die technische Fähigkeit zur Vernichtung der Menschheit entwickelt.
Bis Amerika kam. Ob Robert Oppenheimer, der Vater der Atombombe, diese Worte tatsächlich ausgesprochen hat oder nicht, ist irrelevant; die indische Schrift hält sie fest: „Jetzt bin ich der Tod, der Zerstörer der Welten.“ Höchstwahrscheinlich gehören diese Worte zu den bekanntesten der Bhagavad Gita – und trotz der gegenteiligen Meinung einiger Religionswissenschaftler passen sie sehr gut zur heutigen Weltlage, sogar in ihrem religiösen Kontext.
Durch sein Manhattan-Projekt erfand Amerika die Mittel, um jedes menschliche Leben auf der Erde und vieles mehr zu vernichten. Es spielt keine Rolle, dass es jemand anderes getan hätte, wenn wir es nicht getan hätten – Hitler, Stalin, ein späterer Tyrann. Es ist keine beweisbare Behauptung, egal wie moralisch gerechtfertigt das derzeitige Imperium dies auch finden mag. Eine vermeintlich liberale Demokratie namens Vereinigte Staaten von Amerika hat es getan. Und dann hat sie diese Waffen im Krieg eingesetzt, um mehr als 150.000 ihrer Feinde zu ermorden.
Noch bedeutender ist – vor allem, wenn man die Behauptung gelten lässt, dass jemand anderes an Amerikas Stelle gehandelt hätte –, dass dieselbe liberale Demokratie alle ernsthaften Versuche blockiert hat, das von ihr geschaffene Monstrum durch internationale Mechanismen zu kontrollieren. Und das, obwohl selbst anerkannte Kriegshelden wie der Fünf-Sterne-General Dwight Eisenhower solche Bemühungen ausdrücklich unterstützten. Ironischerweise dauerte das alleinige Eigentum am „Zerstörer der Welten“ nur vier Jahre und etwas mehr als einen Monat. So viel zum Thema militärische Geheimhaltung im Gegensatz zu internationaler Zusammenarbeit und Diplomatie.
Und so stehen wir nun hier, zusammen mit allen anderen Menschen. Es gibt kein Entrinnen.
Dieses Buch gibt dem Leser reichlich Gründe – schrecklich beängstigende Gründe – zu glauben, dass wir wie die Israeliten Jeremias’ unseren Weg gegangen sind, ohne unsere eigenen „Jeremias“ zu beachten – mutige Patrioten wie Dan Ellsberg zum Beispiel und den Autor dieses Buches.
Ich kannte Dan in den letzten zehn Jahren seines wirklich bemerkenswerten und wertvollen Lebens. Vielleicht hatte niemand einen so einzigartigen Einfluss wie Dan, wenn es darum ging, die schmutzigen Geheimnisse des Imperiums aufzudecken. Und wenn Dan noch unter uns wäre, bin ich sicher, dass Scott Ritter nicht mich, sondern ihn gebeten hätte, dieses Vorwort zu schreiben, Und hätte Scott mich um meine Meinung gebeten, hätte ich ihm ohne Zögern Dan ans Herz gelegt. Aber ich möchte auch sagen, dass Scott Ritter stark in Dans Schatten steht, und dass mit diesem Buch nun beide ins helle Licht treten.
Natürlich gibt es auch andere; tatsächlich sind die wahren Patrioten – nicht unbedingt des Imperiums, sondern der gesamten Menschheit – Legion und überall auf der Welt zu finden. Aber sie verfügen nicht über die Macht des Imperiums, sondern über die sehr begrenzte, aber reale Macht der Menschheit. Und genau aus diesem Grund ist das Imperium zu verurteilen: Es will die Menschheit an jedem entscheidenden Punkt behindern. Tatsächlich zielt es darauf ab, genau so sicher wie es in direkter Weise sein Ziel war – und vielleicht immer noch ist –, das Leben von Studenten, Professoren und Universitätsbeamten in den gesamten Vereinigten Staaten zu zerstören, die den Mut und die Courage hatten, gegen den Völkermord in Gaza und im Westjordanland zu protestieren.
Viele weitere Gründe, sich den wahren „Patrioten der Menschheit“ anzuschließen, finden sich in diesem Band von Scott Ritter.
Ritter untersucht beispielsweise den schieren Wahnsinn des nun definitiv wiederauflebenden nuklearen Wettrüstens; dabei setzt sich sogar China über Mao Tse-Tungs langjährige Überzeugung und Doktrin hinweg, dass Atomwaffen ein Gräuel seien und China daher nur so viele bauen würde, wie nötig seien, um die anderen wahnsinnigen Führer der Welt abzuschrecken. Stattdessen hat China heute mit dem massiven Ausbau seines Atomwaffenarsenals begonnen, das ausreichen würde, um einen Erstschlag zu überstehen und verheerende Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen.
Die Ursache für Pekings Entscheidung liegt direkt beim amerikanischen Imperium und insbesondere bei dessen einseitiger Aufkündigung aller Atomwaffenverträge, die während des Kalten Krieges geschlossen wurden. Das fängt an bei der völlig verrückten Entscheidung von Präsident George W. Bush, aus dem ABM-Vertrag (Anti-Ballistic Missile Treaty) auszusteigen und ihn dadurch aufzuheben, und reicht bis zum New-START-Vertragsprozess: niemand mit gesundem Menschenverstand würde erwarten, dass Präsident Wladimir Putin ihn mit einem Imperium fortsetzt, das er für völlig betrügerisch und unzuverlässig hält. An einer Stelle charakterisiert Ritter die heutige Verhandlungstechnik der USA wie folgt: „Die USA wollen, dass Russland und China ihre jeweiligen strategischen Atomwaffenarsenale einschränken, während sie gleichzeitig ihre eigene Atomabwehr modernisieren. Wenn es um strategische Atomwaffen geht, können die USA nicht beides haben.“ Aber das Imperium plant, wie er weiter ausführt, genau das.
Ein besonders gefährliches Beispiel dafür ist, dass die Aufkündigung der Atomwaffenverträge durch das Imperium, wie der Autor beschreibt, auch den INF-Vertrag umfasst, der die Welt von einer ganzen Klasse von Atomwaffen befreit hat – der wohl gefährlichsten Klasse, da diese Waffen am ehesten im Zorn eingesetzt werden und zu einem allgemeinen Atomwaffeneinsatz führen würden. Denken Sie an die Ukraine und Gaza, um aktuelle Beispiele für solchen „Zorn“ zu finden.
Der INF-Vertrag war – wie mir der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs und spätere Außenminister Colin Powell mehr als einmal in seiner militärischen und diplomatischen Funktion sagte – eine einzigartige diplomatische Errungenschaft Amerikas, und er war zu Recht stolz darauf, an seiner Ausarbeitung mitgewirkt zu haben, zunächst als stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater und dann, als sein Vorgesetzter Frank Carlucci Verteidigungsminister wurde, als Nationaler Sicherheitsberater von Präsident Ronald Reagan.
Ritter legt für alle lesbar dar, wie tief und weitreichend der imperiale Wahnsinn ist, diese wirksamen Vertragsregimes kurzerhand aufzukündigen. Tatsächlich, so betont er, habe die Welt noch nicht einmal die an Wahnsinn grenzende, im Kalten Krieg entwickelte Abschreckungstheorie der gegenseitigen gesicherten Zerstörung (Mutual Assured Destruction, MAD) hinter sich gelassen. Ihren Wahnsinn hat Stanley Kubrick 1964 in seinem Film Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben brillant dargestellt.
Die detaillierte Diskussion des emeritierten MIT-Professors Dr. Ted Postol über die aktuelle Entwicklung der Raketenkopftechnologie des Imperiums verdeutlicht deren erschreckende Aussichten. Kurz gesagt und sicherlich unfachmännisch, verstehe ich Dr. Postol so, dass wir MIRVs (Multiple Independently Targetable Reentry Vehicles, unabhängig zielbare Mehrfach-Wiedereintrittskörper) entwickeln, die so unglaublich präzise sind, dass im Gegensatz zu früheren Technologien Selbstzerstörung und „Beinahe-Treffer“ ausgeschlossen sind. Kurz gesagt, jeder einzelne der kolossal zerstörerischen Sprengköpfe – in der Regel 8 bis 10 im Nasenkonus einer einzigen Rakete – wird „sein Ziel treffen“. Dies ermöglicht eine bisher nicht vorhandene entscheidende Erstschlagfähigkeit und lädt dazu ein, präventiv zuzuschlagen und damit, Gott bewahre, absichtlich einen nuklearen Holocaust auszulösen, in der Überzeugung, dass unsere Seite „gewinnen“ wird, indem sie die sogenannte „Erstschlagoption“ nutzt. Das ist purer Wahnsinn.
Ritter geht auch auf die gefährlichen und anhaltenden Entwicklungen der russischen Nukleardoktrin ein, darunter die sogenannte Doktrin der „nuklearen Deeskalation“, die in ihrem Wahnsinn der MAD in nichts nachsteht. Nach 31 Jahren im Militärdienst kann ich jedoch gut verstehen, welche Ängste die Russen zu einer solchen Doktrin geführt haben. Angst vor der Doppelzüngigkeit, den Lügen und den regelrechten Machenschaften des Imperiums in Bezug auf seine Vertragsbrüche und seine Reaktion auf die Aussicht auf eine bevorstehende Niederlage im Krieg in der Ukraine. Und, nicht zu vergessen, die imperiale Perfidie in Georgien – damals und, traurigerweise, auch heute noch. Im Jahr 2004 stand der Präsident, dem ich diente, George W. Bush, tatsächlich neben seinem Amtskollegen in Tiflis, Georgiens Präsident Micheil Saakaschwili, und verkündete öffentlich, dass Georgien Mitglied der NATO-Allianz werden würde. Russland zeigte fast sofort, was das bedeutete, indem es militärische Maßnahmen gegen Georgien einleitete. Nichtsdestotrotz ist Russlands nukleare Deeskalation eine äußerst gefährliche Doktrin, die in erster Linie auf jene Klasse von Atomwaffen setzt, die einst durch den INF-Vertrag abgeschafft wurden, den das Imperium so leichtfertig und betrügerisch verworfen hat.
Ritter berichtet auch über den fast pariahaften Staat, dessen Atomunterhändler und Atompolitik ich von 2002 bis 2005 als Stabschef von Außenminister Powell sehr gut kannte, als mir dieser wichtige Aufgaben im Umgang mit Pjöngjang übertrug. Von Kang Sok-Ju über Lee Gun bis hin zum obersten Führer Kim Jong-il arbeiteten wir sozusagen in den atomaren Schützengräben, um die Nordkoreaner davon zu überzeugen, ihr Streben nach Atomwaffenfähigkeit aufzugeben. Umso schockierter waren wir, als wir endlich die ständigen Behinderungen durch Vizepräsident Richard Cheney überwunden hatten und uns direkt mit den nordkoreanischen Atomunterhändlern in Pjöngjang treffen konnten. Als sie bereitwillig zugaben, dass sie bereits über Atomwaffen verfügten, war unser stellvertretender Außenminister, Jim Kelly, sichtlich bestürzt! So viel zu Cheneys früheren Einwänden und Unterbrechungen unserer unermüdlichen diplomatischen Bemühungen, die er stets behindert hatte. Wir waren, kurz gesagt, zu spät.
Und dann ist da noch dieser winzige Staat am östlichen Ende des Mittelmeers, angeführt von einem modernen Barbaren namens Benjamin Netanjahu, Israel. Dort gibt es zwischen 100 und 200 Atomwaffen, wahrscheinlich in Dimona und anderswo, die nach vernünftigem Ermessen niemals nach Israel hätten gelangen dürfen. Dank gebührt einmal mehr dem unfähigen Imperium. Mit Wissen des Präsidenten verschaffte das Imperium Israel die Mittel zum Bau dieser Waffen.
Ritter weist darauf hin, wie gefährlich diese Situation wirklich ist. Ich habe kürzlich einen Kollegen gefragt, ob er wirklich glaube, dass Netanjahu, wenn er persönlich aufgrund einer offensichtlich existenziellen Situation, in die er Israel geführt hat, in Gefahr wäre, zögern würde, nach der ultimativen Lösung zu greifen. Er dachte einen Moment lang über die Frage nach und sagte dann: „Nein, eigentlich nicht.“ Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: „Und ich würde ihm keinen Vorwurf machen.“
Ich setzte unser Gespräch fort, das mir nun völlig surreal erschien, und fragte: „Und wie kommst du zu diesem Schluss?“
„Weil er die Verantwortung trägt und er zu dem Schluss kommt, dass Israel in tödlicher Gefahr ist und keine andere Wahl hat.“
Ich antwortete: „Ich nehme an, Nebukadnezar in Babylon würde, wenn er in die heutige Zeit versetzt würde, sagen: ‚Ich bin wirklich froh, dass es kein solches Waffenarsenal gab, als meine Armeen den Tempel plünderten und die Israeliten versklavten.‘“
„Und worauf willst du hinaus?“, fragte mein Kollege mit skeptischem Blick.
„Ganz einfach und doch nicht so einfach“, sagte ich. „Das gesamte babylonische Reich hätte trotz seiner Macht verschwinden können, es hätte eine Kettenreaktion geben können, und der Rest der Welt wäre mit ihm untergegangen.“
„Das ist doch höchst unwahrscheinlich“, entgegnete er.
„Vielleicht, aber bist du bereit, für diese Vermutung die Welt zu verwetten? Und bevor du antwortest, sag mir auch, wer Bibi das Recht gegeben hat, eine solche Entscheidung zu treffen.“
Er dachte einen Moment nach und erwiderte dann bemerkenswert prägnant: „Nun, sein Sugar Daddy, Amerika.“
Scott Ritter liefert in diesem Buch alle Details, die man wissen muss, um zu verstehen, dass die unbekümmerte Annahme meines Kollegen in Bezug auf eine nukleare Reaktion nicht nur in der Levante, sondern in wichtigen Regionen der Welt weit verbreitet ist. Er beleuchtet die vorherrschende Mentalität mit einer Klarheit, die schwer erträglich ist.
Aber es gibt noch mehr. Der verstorbene Alan Hart, ein Freund der damaligen israelischen Premierministerin Golda Meir – als er für die BBC arbeitete, schickte er ihr jedes Mal, wenn er nach Israel reiste, drei Dutzend rote Rosen –, wurde oft eingeladen, das allererste Interview mit ihr zu führen, wenn sich die Lage zuspitzte. Bei einer solchen Gelegenheit führten sie ein langes Telefongespräch. Sie dankte ihm für die roten Rosen, die er ihr gerade geschickt hatte, erklärte ihm, dass sie unter den damaligen schwierigen Umständen ihr erstes Interview den Amerikanern geben müsse, und offenbarte ihm dann eine tiefgreifende Wahrheit. Er schrieb über dieses Gespräch mit ihr in WordPress vom 20. April 2016 unter dem Titel „Palästina und Zionismus: Die ganze Wahrheit“:
„Selbst wenn der Tag kommt“, schrieb Hart, „an dem die Regierungen der Großmächte bereit sind, sich dem Zionismus entgegenzustellen, kann man nicht davon ausgehen, dass Israels Führer sagen werden: ‚Okay. Wir werden tun, was ihr wollt.‘“
„Der Grund dafür“, fuhr er fort, „ist eine Aussage, die Premierministerin Golda Meir mir gegenüber 1972 in einem meiner Interviews für die BBC-Sendung Panorama gemacht hat. An einer Stelle sagte ich zu ihr: ‚Frau Premierministerin, ich möchte sicher sein, dass ich Sie richtig verstanden habe (…) Sie meinen also, dass Israel in einer Endzeit-Situation bereit wäre, die Region und die Welt mit sich in den Abgrund zu reißen?‘“
Ohne zu zögern antwortete Golda: „Ja. Genau das meine ich.“
Hart schloss: „Dieses Interview wurde am Montagabend um acht Uhr auf BBC 1 ausgestrahlt. Eine Stunde später änderte die Londoner Zeitung The Times, damals eine seriöse Zeitung, ihren Leitartikel und zitierte Goldas Worte. Dann fügte sie ihre eigene Meinung hinzu: ‚Wir sollten ihr besser glauben.‘“ [Meine Hervorhebung]
In der Tat. Wir – die Welt – sollten ihr besser glauben, ebenso wie diesem Buch. Lesen Sie es, und Sie werden klar verstehen, warum.
Lawrence Wilkerson
Oberst a. D. der US-Armee und ehemaliger Stabschef von Colin Powell
Dezember 2024
Atomwaffen bieten eine Illusion von Sicherheit. Wenn die USA ihre nukleare Haltung von Abschreckung zu Einsatzbereitschaft hin ändern, wird es ein Szenario geben, in dem die USA Atomwaffen einsetzen werden. Und dann ist es aus und vorbei.
Nacheinander haben US-Regierungen Rüstungskontrollen abgelehnt, um den strategischen Vorteil der USA gegenüber realen und/oder imaginären Gegnern aufrechtzuerhalten.
Dies geschieht durch Strategien zum Einsatz von Atomwaffen, von einfacher Abschreckung bis hin zu Kriegführung auf allen Ebenen eines Konflikts – selbst in Situationen, in denen keine atomare Bedrohung besteht.
In einer Zeit, in der die USA eine Politik verfolgen, die die ohnehin schon starken Spannungen mit den atomar bewaffneten Gegnern Russland und China verschärft, hat die Biden-Regierung einen neuen Plan zum Einsatz von Atomwaffen verabschiedet, der die Wahrscheinlichkeit eines Atomkonflikts eher erhöht als verringert.
Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen führt diese Politik zu einem unausweichlichen Ende: der totalen nuklearen Vernichtung der Menschheit und der Welt, in der wir leben.
Auf dem Weg zum Weltuntergang ereignete sich etwas Interessantes.
Im Januar 2017 warnte der damalige Vizepräsident Joe Biden in einer Rede vor dem Carnegie Endowment for International Peace vor den Gefahren, die mit einer Aufstockung der Mittel für Atomwaffen und damit einer Erhöhung ihrer Bedeutung verbunden sind.
„Wenn künftige Haushalte die von uns getroffenen Entscheidungen rückgängig machen und zusätzliche Mittel in den nuklearen Aufbau fließen“, sagte Biden in Anspielung auf die Politik der Obama-Regierung, die unter anderem den New-START-Vertrag zur Begrenzung der Atomwaffenarsenale der USA und Russlands gesichert hatte, „dann ist das ein Rückfall in den Kalten Krieg und trägt nichts zur Verbesserung der täglichen Sicherheit der Vereinigten Staaten oder unserer Verbündeten bei.“
Später, im Jahr 2019, kommentierte Biden, inzwischen Präsidentschaftskandidat, die Entscheidung von Präsident Donald Trump, zwei mit einem neuen nuklearen Sprengkopf mit geringer Sprengkraft bewaffnete Raketensysteme zu stationieren – eine noch in der Entwicklung befindliche Marschflugrakete und die Trident-Rakete, eine U-Boot-gestützte ballistische Rakete, die an Bord der U-Boote der Ohio-Klasse der US-Marine stationiert ist.
„Die Vereinigten Staaten brauchen keine neuen Atomwaffen“, erklärte Biden in einer schriftlichen Antwort auf Fragen der NGO „Council for a Livable World“. „Unser derzeitiges Waffenarsenal (…) reicht aus, um unseren Anforderungen an Abschreckung und Bündnisverpflichtungen gerecht zu werden.“
In einem Artikel, der in der März/April-Ausgabe 2020 der Zeitschrift Foreign Affairs veröffentlicht wurde, versprach der Kandidat Biden, „unser Engagement für die Rüstungskontrolle in einer neuen Ära [zu] erneuern“, einschließlich der Zusage, „eine Verlängerung des New-START-Vertrags, einem Anker der strategischen Stabilität zwischen den Vereinigten Staaten und Russland, anzustreben und diesen als Grundlage für neue Rüstungskontrollvereinbarungen zu nutzen“.
Biden erklärte weiter, dass „der einzige Zweck des US-Atomwaffenarsenals darin bestehen sollte, einen Atomangriff abzuschrecken und, falls notwendig, darauf zu reagieren. Als Präsident werde ich mich in Absprache mit dem US-Militär und den Verbündeten der USA dafür einsetzen, diese Überzeugung in die Praxis umzusetzen.“
Biden setzte sich bei den Präsidentschaftswahlen 2020 gegen Trump durch und wurde am 21. Januar 2021 als 46. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt.
Und dann … nichts.
Im März 2022, nach vielen Spekulationen darüber, ob Biden sein Versprechen, eine „Ein-Zweck-Atompolitik“ umzusetzen, einhalten würde, veröffentlichte die Biden-Regierung die Ausgabe von 2022 der Nuclear Posture Review (NPR), ein vom Kongress vorgeschriebenes Dokument, das die Atomstrategie, -politik, -haltung und -streitkräfte der Vereinigten Staaten zur Unterstützung der Nationalen Sicherheitsstrategie (NSS) und der Nationalen Verteidigungsstrategie (NDS) beschreibt.
Es handelte sich um eine fast vollständige Kopie der von der Trump-Regierung im Februar 2018 veröffentlichten NPR, einschließlich Formulierungen, die die Fähigkeit der USA zum präventiven Einsatz von Atomwaffen auch in Szenarien ohne nukleare Bedrohung als Doktrin festschrieben.
Im Dezember 2022 wurde ein hochrangiger Beamter der Biden-Regierung, der an der Aushandlung und Umsetzung des wegweisenden Vertrags über nukleare Mittelstreckenwaffen von 1987 beteiligt war, von einem erfahrenen Rüstungskontrolleur gefragt, warum Biden von seinem Versprechen bezüglich der „Alleinzweck“-Doktrin abgerückt sei.
„Die Behörden waren noch nicht bereit dafür“, antwortete der Beamte.
Mit „Behörden“ meinte der Beamte einen Zusammenschluss von Ministerien und Ämtern, die mit nicht gewählten Beamten und Militärs besetzt sind, die als Vollstrecker der amerikanischen Atomwaffenpolitik dienen.
Es war ein überraschendes und äußerst enttäuschendes Eingeständnis seitens eines Beamten, der durch seinen Amtseid an das grundlegende Verfassungsprinzip der Exekutivgewalt und der zivilen Kontrolle über das Militär gebunden ist.
Biden war bereits vor seiner Vereidigung auf Widerstand gegen jegliche Änderungen der Nukleardoktrin der Vereinigten Staaten gestoßen.
Im September 2020 warnte Admiral Charles Richard, Kommandeur des für das amerikanische Atomwaffenarsenal zuständigen U.S. Strategic Command, dass „wir zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes auf dem Weg sind, zwei gleichwertigen Konkurrenten mit Atomwaffen gegenüberzustehen“. Richard bezog sich dabei auf die Atomwaffenarsenale Russlands und Chinas.
Nach seinem Amtsantritt sah sich Biden sofort mit zwei großen Herausforderungen konfrontiert, für deren Bewältigung er schlecht gerüstet war: der Russland-Ukraine-Krise und Chinas Durchsetzung seiner nationalen Interessen in Bezug auf Taiwan und das Südchinesische Meer.
Beide Herausforderungen bargen das Potenzial einer militärischen Eskalation bis hin zu einem direkten Konflikt zwischen den Streitkräften der USA und denen Russlands und Chinas, der auch die Möglichkeit eines Atomkrieges einschloss.
