HNO - Christian A. Müller - E-Book
13,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

In diesem Werk erhalten Studierende der Medizin einen praxisorientierten Einblick in die wichtigsten Erkrankungen aus dem Bereich der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde. Weiters werden verschiedene Operationsmethoden sowie die dazu gehörige Nachsorge vermittelt. Ein Symptomverzeichnis zur Erleichterung der Differentialdiagnose schließt das Werk ab. Inklusive Übungsfragen in der facultasApp!

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 82

Veröffentlichungsjahr: 2023

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Christian A. Müller

HNO

Ein Praxisleitfaden

Assoc. Prof. PD Dr. Christian A. Müller

Medizinische Universität Wien

Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und

Ohrenkrankheiten

Währinger Gürtel 18–20

1090 Wien

Wegen stilistischer Klarheit und leichterer Lesbarkeit wurde im Text auf die sprachliche Verwendung weiblicher Formen verzichtet. Ausdrücklich sei hier festgehalten, dass die Verwendung der männlichen Form inhaltlich für alle Geschlechter gilt und keinesfalls einen sexistischen Sprachgebrauch darstellt.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d.nb.de abrufbar.

2. Auflage 2023

© Facultas Universitätsverlag 2021

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung

und der Verbreitung sowie der Übersetzung, sind vorbehalten.

Umschlag: © SiberianArt – istock.com

Satz & Druck: Facultas Verlags- und Buchhandels AG

Printed in Austria

ISBN 978-3-7089-2387-1 (print)

ISBN 978-3-99111-783-4 (E-Pub)

VORWORT

Dieses Büchlein dient als Ergänzung zur klinischen Routine im Rahmen der HNO-Ausbildung während des Medizinstudiums. Es soll in erster Linie die häufigen und gefährlichen Krankheitsbilder vermitteln, die einem Arzt für Allgemeinmedizin begegnen können. Damit sind auch die wichtigsten Operationen aus dem HNO-Bereich eingeschlossen. Es soll die Studierenden unterstützen, die Pathophysiologie der Erkrankungen sowie deren Diagnose und Therapie zu erlernen, ohne ein tabellarisches Lehrbuch zu ersetzen. Durch das kleine Format kann das Buch gut in der Kitteltasche untergebracht und so jederzeit in Ambulanz, Station und OP verwendet werden. Zusätzlich sind im Rahmen der Heimarbeit klassische Lehrbücher, internetbasierte Wissensplattformen und Publikationen in Ergänzung heranzuziehen.

Nach der Beschreibung der einzelnen Bereiche der HNO-Heilkunde schließt sich eine kurze Auflistung möglicher Differenzialdiagnosen der typischen HNO-Symptome an. Dies ermöglicht, in der Ambulanz gleich zu Beginn der klinischen Tätigkeit einen ganzheitlichen Blick zu schulen und die wahrscheinlichsten Diagnosen nicht zu übersehen.

Ich hoffe, mit diesem praxisorientierten HNO-Praxisleitfaden einen positiven Anreiz zur vertiefenden Beschäftigung mit diesem wichtigen Fach leisten zu können, das einige der häufigsten Symptome der Allgemeinmedizinischen Ordination (z. B. Schwindel, Hörminderung, Ohren- oder Halsschmerzen), aber auch potenziell gefährliche Symptome wie Atemnot oder Epistaxis beinhaltet.

Ich wünsche allen Studentinnen und Studenten viel Freude bei der Beschäftigung mit dem Fachgebiet der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde!

Christian A. Müller

Wien, im Juni 2023

INHALTSVERZEICHNIS

HNO-Status und Klinische Untersuchung

OHR

Äußeres Ohr

Othämatom

Perichondritis

Abstehohren

Zoster oticus

Atherom

Präaurikuläre Fistel

Gehörgang

Otitis externa

Gehörgangsfremdkörper

Gehörgangsexostosen

Mittelohr

Einschub Hörprüfung

Tubenkatarrh

Otitis media acuta

Mastoiditis

Otitis media chronica

Otosklerose

Fazialisparese

Innenohr

Tinnitus

Innenohrschwerhörigkeit

Presbyakusis

Schwindel

NASE/NASENNEBENHÖHLEN (NNH)

Epistaxis

Formfehler der Nase und Nasenscheidewand

Septumperforation

Nasenfremdkörper

Weichteilverletzungen (Nase/Gesicht)

Nasenbeinfraktur

Nasenfurunkel

Rhinosinusitis

Rhinitis acuta

Rhinitis allergica

Rhinitis chronica

Sinusitis acuta

Sinusitis chronica

Mukozele

Anosmie

Parosmie

Tumoren der Nase/Nasennebenhöhlen

NASOPHARYNX

Adenoide Vegetationen

Juveniles Nasenrachenfibrom

Epipharynxkarzinom

MUNDHÖHLE

Herpes labialis

Mundsoor

Habituelle Aphthen

Gingivostomatitis

Immunologische Erkrankungen mit Veränderungen der Mundschleimhaut

Morbus Behcet

Lichen ruber planus

Glossitis

Weitere Veränderungen der Zungenoberfläche

Schmeckstörungen

Angioödem

Mundbodenphlegmone

Gutartige und bösartige Tumoren der Mundhöhle

OROPHARYNX, HYPOPHARYNX, ÖSOPHAGUS

Akute und chronische Pharyngitis

Akute und chronische Tonsillitis

Angina Plaut-Vincent

Herpangina

Peritonsillarabszess

Tonsillenkarzinom

Hypopharynxkarzinom

Zenkerdivertikel

Schnarchen und OSAS

Ösophagusfremdkörper

Verätzungen des Ösophagus

LARYNX, TRACHEA

Kehlkopftrauma

Larynx- und Trachealstenosen

Akute Epiglottitis

Akute und chronische Laryngitis

Reinke-Ödem (Stimmlippenödem)

Kehlkopflähmungen

Gutartige Tumoren

Bösartige Tumoren

HALS

Mediane und laterale Halszysten

Halsabszess

Lymphadenopathie

Lymphadenitis

Lymphknotenmetastasen

Lymphome

Gutartige und bösartige Tumoren

SPEICHELDRÜSEN

Sialolithiasis

Sialadenitis

Sialadenosen

Gutartige und bösartige Tumoren

Ranula

PHONIATRIE UND PÄDAUDIOLOGIE

Sprach- und Sprechstörungen

Stimmstörungen

Schluckstörungen (Dysphagien)

OPERATIONEN IM HNO-BEREICH – INDIKATIONEN, DURCHFÜHRUNG, NACHSORGE, KOMPLIKATIONEN

Adenotomie

Tonsillektomie, Tonsillotomie

Septumplastik

Septorhinoplastik

FESS (Functional Endoscopic Sinus Surgery)

Parotidektomie

Laryngektomie

Neck-Dissection (ND)

Parazentese (PZ)

Tympanoplastik, Mastoidektomie

Mikrolaryngoskopie (MLX), Panendoskopie

Koniotomie

Tracheotomie

SYMPTOMVERZEICHNIS (DIFFERENZIALDIAGNOSEN)

FALLBEISPIELE

HNO-Status und Klinische Untersuchung

Bei jedem Patienten, der erstmalig untersucht wird, muss nach genauer Anamnese (welche Beschwerden? Seit wann bestehen sie? Was ist bisher geschehen (Diagnostik, Therapie)? Wie war der Verlauf?) der komplette HNO-Status durchgeführt werden. Dabei werden die Ohren, Nase, Mundhöhle/-rachen/Epipharynx, Kehlkopf, Hals systematisch untersucht, da diese Gebiete der Kopf-Hals-Region bei vielen Krankheitsbildern in direktem pathophysiologischen Zusammenhang stehen. So führt z. B. eine Pathologie im Bereich der Nase und/oder des Nasenrachens über die Beeinträchtigung der Tubenfunktion oft zu einer Minderbelüftung des Mittelohres und damit zum Symptom der Hörminderung.

Inhalte des HNO-Status

Ohren: Ohrmuschel (Helix, Anthelix, Tragus, Cavum conchae), Mastoid

Gehörgang (Cerumen? Schwellung? Sekret?)

Trommelfell (Lichtreflex, Farbe/Transparenz, Anulus fibrosus, Pars flaccida, Pars tensa)

Nase: Septum-Locus Kiesselbachi, Muscheln, Sekret?

Mundhöhle: Vestibulum oris (Papilla parotidea), Zunge, Mundboden, Uvula, Gaumenbögen, Gaumen

Oropharynx: Tonsillen, Rachenhinterwand

Epipharynx: Tubenostien, Adenoide Vegetationen

Larynx, Hypopharynx: Epiglottis, Stimmlippenbeweglichkeit, Glottisweite

Hals: Lymphknoten, Schilddrüse (normalerweise nicht tastbar)

OHR

Die LEITSYMPTOME von OHR-ERKRANKUNGEN, die anamnestisch und klinisch abzuklären sind:

•Ohrenschmerzen (Otalgie)

•Ohrsekretion (Otorrhoe)

•Hörminderung (Hypakusis)

•Ohrgeräusch (Tinnitus)

•Schwindel (Vertigo)

Äußeres Ohr

Bei der Beurteilung des äußeren Ohres denken wir an Erkrankungen und Veränderungen der Ohrmuschel und ihrer Umgebung und betrachten die Form und Strukturen der Ohrmuschel an ihrer Vorder- und Rückseite sowie die retroaurikuläre Region (Mastoid, s. auch Mittelohr) und eventuelle Narben nach früheren Operationen.

Die wichtigen Strukturen der Ohrmuschel sind: Helix, Anthelix, Cavum conchae, Tragus, Lobulus.

Othämatom

Darunter versteht man eine Blutansammlung (Hämatom) zwischen Knorpel und Knorpelhaut (Perichondrium) der Ohrmuschel. Da der Knorpel selbst keine Durchblutung besitzt, sondern über die eng anliegende Knorpelhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird, führt ein unbehandeltes Othämatom (analog zum unbehandelten Septumhämatom der Nase) zu einer irreversiblen Schädigung des Knorpels und unschönen Narbenbildungen der Ohrmuschel („Blumenkohlohr“, „Ringerohr“). Diese Narbenbildungen führen zu einem Verlust des Ohrmuschelreliefs (Helix, Scapha, Anthelix etc.), welcher durch plastisch-rekonstruktive Maßnahmen nicht zu beheben ist.

Diagnose: durch Anamnese und Erscheinungsbild.

Typischerweise geht der Entstehung eines Othämatoms ein stumpfes oder tangentiales Schertrauma voraus, wodurch Blutgefäße der Knorpelhaut zerreißen und zwischen Knorpel und Perichondrium einbluten, sodass die Knorpelhaut vom Knorpel abgehoben wird und ihn nicht mehr ausreichend versorgen kann. Dies kann auch spontan oder unbemerkt (z. B. im Schlaf) erfolgen.

Hilfreich in der Diagnose ist die Palpation, bei der das fluktuierende Hämatom getastet werden kann. Eine Verwechslung mit der Ohrmuschelperichondritis (Erscheinungsbild ohne Tasten evtl. ähnlich) kann somit ausgeschlossen werden.

Therapie: Zur Entlastung des Hämatoms ist immer eine Inzision mit obligatorischem Druckverband erforderlich (sonst kann sich der Raum zwischen Knorpel und Perichondrium wieder mit Blut füllen). Oft ist auch das Einlegen einer Lasche notwendig (meist als Durchzug durch zwei Inzisionen). Beim Druckverband ist darauf zu achten, dass keine Drucknekrosen entstehen. Dazu wird mit H2O2 (Wasserstoff-Peroxid) getränkte Watte in das wieder hergestellte Ohrmuschelrelief eingepasst und ein Wickelverband mit einer Mullbinde um das Ohr und die Stirn mehrfach straff gewickelt.

Die Lasche wird nach 2–3 Tagen entfernt, der Druckverband nach 5–7 Tagen. Bei Schmerzen muss immer sofort eine Sichtkontrolle mit Anlegen eines neuen Druckverbandes erfolgen.

Perichondritis

Die Entzündung der Knorpelhaut der Ohrmuschel präsentiert sich klinisch als umschriebene Rötung und mäßige Schwellung der knorpeligen Anteile der Ohrmuschel. Die Anthelix erscheint verstrichen. Die Ohrmuschel-Perichondritis stellt eine bakterielle Entzündung dar (meist durch Pseudomonas aeruginosa, Staphylokokkus aureus), die mittels Antibiotika behandelt werden muss. Die Behandlung muss ausreichend lange erfolgen, da sonst Rezidive häufig sind. Sobald mehr als die Hälfte der knorpeligen Anteile der Ohrmuschel betroffen sind, sollte die antibiotische Therapie parenteral mittels Infusionen erfolgen, womit ein höherer Wirkspiegel erzielt werden kann. Zusätzlich werden antibiotikahaltige Salben verordnet.

Bei der Ohrmuschel-Perichondritis ist das Ohrläppchen (kein Knorpel – damit auch keine Knorpelhaut) nicht entzündlich verändert.

Dies im Gegensatz zum Erysipel der Ohrmuschel, welches auch die umgebende Haut betrifft und meist durch Streptokokken ausgelöst wird. Manchmal wird das Erysipel durch eine fortgeleitete Entzündung aus dem Gehörgang oder dem Mittelohr hervorgerufen. Daher sollte immer eine Ohrmikroskopie erfolgen.

Abstehohren

Das abstehende Ohr (Apostasis auris) stellt eine kongenitale Ohrmuschelfehlbildung Grad I dar. Die Ursachen dafür liegen entweder im oberen Drittel der Ohrmuschel (fehlende oder unterentwickelte Anthelixfaltung), im mittleren Drittel (zu großes Cavum conchae) oder im unteren Drittel (abstehender Lobulus) bzw. in einer Kombination.

Im Kindesalter hat diese Fehlbildung Krankheitswert aufgrund möglicher psychischer Beeinträchtigungen und die Therapie (Operation) wird von der Krankenkasse übernommen. Das ideale Operationsalter liegt bei 5–6 Jahren (vor der Einschulung).

Gleich nach der Geburt führt auch ein sofortiges Nach-hinten-Abkleben der Ohrmuschel an das Mastoid für mehrere Wochen zum Erfolg.

Operationstechnik: Je nach Lokalisation der Fehlbildung wird die Anthelix gefaltet (durch Nähte und/oder subperichondrales Feilen der Knorpeloberfläche, womit sich der Knorpel stärker biegt und eine normale Anthelix-Faltung bildet) oder eine Resektion eines Teils des Cavum conchae bzw. eine Annäherung des Lobulus mittels Subkutannaht gemacht.

Wichtig ist das postoperative Tragen eines Stirnbandes für 3 Wochen, um die angelegten Ohren in Position zu halten.

Zoster oticus

Die Gürtelrose im Bereich des Ohres entsteht durch Reaktivierung einer Varizella-Zoster-Virus-Infektion aus den Ganglienzellen des VII. (N. facialis) und VIII. (N. vestibulocochlearis) Hirnnerven.

Mögliche Erstsymptome sind demnach eine sensorineurale Hörstörung, Schwindel, Gesichtsnerven-Lähmung (Facialisparese) sowie typischerweise Schmerzen im Bereich des Ohres. Gruppierte Zosterbläschen im Bereich des Gehörganges (Ohrmikroskopie!) oder der Ohrmuschel und umgebender Haut können, müssen aber nicht von Anfang an sichtbar sein.

Bei Vorliegen einer Facialisparese sollte eine neurologische und augenärztliche (Uhrglasverband bei unvollständigem Lidschluss!) Begutachtung erfolgen.

Als Behandlung erfolgt eine virustatische und analgetische Therapie.

Atherom

Das Atherom (Talgdrüsen-Retentions-Zyste) des Ohrläppchens ist eine gutartige retroaurikuläre Raumforderung, die bei Entzündung sehr schmerzhaft sein kann und dann inzidiert werden muss. Die chirurgische Entfernung sollte im nicht infizierten Zustand erfolgen.

Präaurikuläre Fisteln

Diese entstehen durch eine Embryonalfehlbildung (Anomalie des ersten Kiemenbogens) und zeigen sich meist durch eine kleine Öffnung vor dem oberen Ohrmuschelansatz. Bei Entzündung kommt es zu Rötung, Sekretion und Schmerzen. Nach symptomatischer antientzündlicher Therapie ist im möglichst infektfreien Intervall die chirurgische Entfernung indiziert (eine symptomlose Fistel muss nicht operiert werden). Dabei wird nach Anfärben des Fistelganges durch Instillation mit blauer Farbe (z. B. Methylenblau) dieser umschnitten und vorsichtig komplett exzidiert, da sonst Rezidive drohen. Oft reicht der Gang nur wenige mm in die Tiefe. Bei tiefer reichenden Fistelgängen ist auf die Nahebeziehung zur Ohrspeicheldrüse und dem N. facialis zu achten. Beim Auftreten von präaurikulären Zysten zeigen sich diese als Schwellungen, die differenzialdiagnostisch vielfältig betrachtet werden müssen (u. a. Lipom, Lymphangiom, Hämangiom, Lymphom, Dermoid-Zyste, Lymphadenitis und selten Lymphknotenmetastase).

Gehörgang