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Das vorliegende Buch vermittelt dem Leser anhand von insgesamt 614 Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos einen Überblick hinsichtlich der sakralen Holzarchitektur weltweit, wobei Nord- und Osteuropa das weite Spektrum deutlich dominieren. Bei der länderorientierten Auflistung der vollzählig bereisten Objekte gibt es keine einengenden Kriterien, wie z.B. Alter oder Stilrichtung. So betrachtet man möglicherweise in unmittelbarer Reihenfolge Kirchen mit UNESCO-Weltkulturerbe-Status und solche, die der Vergessenheit und dem Verfall preisgegeben werden. Bis auf wenige Ausnahmen sind allen Objekten eine kompakte Bilderläuterung beigefügt, die i.d.R. historische und bauliche Informationen enthalten. Im Gegensatz zu Nord- und Osteuropa kann man auf dem deutschsprachigen Büchermarkt in Bezug auf dieses Thema z.Zt. kaum fündig werden, insbesondere dann, wenn es länderübergreifend behandelt wird. Diese Lücke versucht das Buch ein wenig zu schließen.
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Seitenzahl: 212
Veröffentlichungsjahr: 2018
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für Evelyne
Vorwort
Nordeuropa
1.1 Norwegen
1.2 Schweden
1.3 Sonstiges Nordeuropa
West- und Mitteleuropa
2.1 Deutschland
2.2 Frankreich
2.3 Großbritannien
2.4 Sonstiges West- und Mitteleuropa
Osteuropa
3.1 Russland
3.2 Ukraine
3.3 Weißrussland
3.4 Lettland
3.5 Litauen
3.6 Polen
3.7 Slowakei
3.8 Rumänien
3.9 Sonstiges Osteuropa
Amerika
4.1 Chile
4.2 Sonstiges Amerika
Quellennachweis
Das vorliegende Buch mit dem Titel "Holzkirchen und andere Objekte sakraler Holzbaukunst" bezieht sich auf den christlichen Glaubensbereich. Bis auf drei Holzmoscheen in Litauen findet sakrale Holzbaukunst anderer Religionen keine Berücksichtigung. Gezeigt werden neben Holzkirchen auch Glockentürme bzw. Glockenstühle. Im Falle Litauen kommen auch landestypische Wegekreuze und Betsäulen hinzu. Zur Kategorie "Holzkirchen" gehören im erweiterten Sinne auch Fachwerkkirchen, die insbesondere in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Polen anzutreffen sind. Auf den ersten Blick mag dies verwundern. Genauer betrachtet erkennt man, dass die tragende Struktur eines Fachwerkgebäudes komplett aus Holz besteht. Der englische Begriff für Fachwerkkirchen "timber framed churches" oder der französische "églises à pans de bois" machen den Bezug zur Holzbaukonstruktion unmittelbar deutlich.
Sakrale Großbauten, wie etwa die gotischen Kathedralen der Normandie, stehen fast immer auf der Liste bemerkenswerter Sehenswürdigkeiten. In ihrer Monumentalität haben sie nicht selten auf den Besucher eine einschüchternde Wirkung, was von den Erbauern durchaus beabsichtigt war. Holzkirchen dagegen vermitteln Menschen gegenüber eine engere und vertrautere Beziehung. Das mag zum einen daran liegen, dass sie zumeist in ländlichen Gebieten anzutreffen sind und sie demzufolge deutlich kleiner dimensioniert sind. Zum anderen geht von Holz als Baumaterial -zumal oft in volkstümlich schlichter Handwerkskunst bearbeitet- eine emotionale Wärme aus, die in einem steinernen Dom kaum vorstellbar ist.
Holz als Baumaterial ist dem natürlichen Verschleiß insbesondere durch die Witterung stärker ausgesetzt als Steinmaterial. Außerdem besteht ein hohes Brandrisiko. Aus diesen Gründen haben die Menschen auch in dörflichen Gegenden Steinkirchen bevorzugt. Dies galt und gilt nicht nur in Mitteleuropa sondern auch im Norden Russlands. Da der finanzielle Aufwand beim Bau von Steinkirchen höher als bei Holzkirchen war und nicht jede Gemeinde sich eine Steinkirche leisten konnte, war das Prestige einer Holzkirche und damit auch das der Gemeinde deutlich geringer. Gleiches gilt auch für Fachwerkkirchen, die ebenfalls als "Arme Leute"-Kirche angesehen wurden. Die Architektur einer Holzkirche wurde flächendeckend erst seit der jüngsten Vergangenheit als identitätsstiftendes Kulturgut wahrgenommen. Die Aktivitäten im Sinne des Denkmalschutzes fallen in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich aus. Dies erklärt sich damit, dass in Bezug auf die Sensibilität für die Erhaltung kulturellen Erbes je nach Region und Land noch große Differenzen erkennbar sind. Aber es gibt auch viele Kommunen, denen trotz bester Absichten die finanziellen Mittel fehlen - möglicherweise auch deswegen, weil die politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse des jeweiligen Landes derartige Projekte nicht oder kaum unterstützen.
Sämtliche Fotos stammen vom Verfasser. Sie entstanden seit 1969 auf zahlreichen Reisen. Die ersten Fotos in noch jungen Jahren sind eher dem Zufall zu verdanken. Danach rückte sakrale Holzbaukunst immer stärker in den Vordergrund des Bewusstseins und entwickelte sich schließlich zu einem bestimmenden Reisemotiv. Mittlerweile ist die Zahl der bereisten Länder mit Holzkirchen auf weit über zwanzig angewachsen. Die größte Dichte an Objekten ist in Osteuropa und Skandinavien anzutreffen. Im außereuropäischen Raum ist Südchile besonders zu erwähnen.
Das vorliegende Buch ist an Leser gerichtet, die Interesse an der weit gefächerten Bandbreite sakraler Holzarchitektur vor allem innerhalb Europas haben. Es ist aber keine Fachliteratur. Fachspezifische Beiträge, etwa aus der Sicht eines Architekten oder Kunsthistorikers, gibt es nicht. Der Leser hat (bis auf wenige Ausnahmen) Gelegenheit, sich über die gezeigten Objekte in Form von kurz gefassten Bilderläuterungen zu informieren, die sich vor allem auf historische und bautechnische Daten sowie auf Architekturmerkmale beziehen. Hinsichtlich des Umfangs der Begleittexte ist darauf geachtet worden, dass zwischen den Objekten mit geringem Bekanntheitsgrad und solchen, über die man bereits ganze Bücher schrieb, eine gewisse Angleichung stattfand. Bei der Zusammenstellung der Bilder wurde ein maximal mögliches Spektrum gewählt, ohne dabei einem nach fachspezifischen Kriterien (z.B. Architekturtypen, Alter, theologische Orientierungen) ausgerichteten roten Faden zu folgen. Obwohl alte und denkmalgeschütze Kirchen in der dominierenden Mehrheit sind, umfasst das Spektrum auch moderne Konstruktionen bzw. in den letzten Jahren erstellte Nachbauten. Die Auswahl von Kirchen reicht in Bezug auf Komplexität und Kunstfertigkeit von der zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannten Christi-Verklärungskirche auf der russischen Insel Kishi bis zu nüchternen, protestantischen Zweckbauten in den USA. Ebenso vielfältig sind die Schicksale der Kirchen. Dort wo Gottesdienste noch stattfinden, ist die bauliche Substanz i. d. R. gut erhalten. Gleiches gilt für Objekte, die man in Museen o.ä. umgewandelt hat. Viele Gebäude sind der Gleichgültigkeit und dem Verfall ausgesetzt, sodass man in nächster Zukunft mit ihrem Verschwinden zu rechnen hat. Hinsichtlich der verwendeten Baumaterialien ist festzustellen, dass zuweilen auch Metalle wie z.B. Zinkdächer und Steinsubstanzen wie z.B. Dachziegel anzutreffen sind, diese aber den Charakter der Holzkonstruktion nicht beeinträchtigen.
Die breite Palette unterschiedlicher Baustile hängt von zahlreichen Einflussfaktoren ab. Geschichtliche und insbesondere kirchengeschichtliche Prozesse, sowie ethnische und konfessionelle Zugehörigkeiten sind für Form- und Ausgestaltung von regionaltypischen Kirchen verantwortlich. Vor allem in den Karpaten - an der Nahtstelle zwischen westlich-römischer und östlich-byzantinischer Kirche- ist die Vielfalt erstaunlich groß. Erläuterungen detaillierter Wechselbeziehungen findet man in den jeweiligen Kapiteln. Das Buch enthält sowohl Farb- als auch Schwarz-Weiß-Fotos.
Die Liste der Quellennachweise enthält teilweise Bücher, die man nicht als Fachbücher bezeichnen kann. Sie legen ihren Schwerpunkt eher auf ästhetische oder atmosphärische Aspekte, wie es beispielsweise im Fotoband von Richard Davis in besonderer Weise gelungen ist. Bücher wie diese vermitteln kaum sachbezogene Fakten, dafür umso mehr Interdependenzen zwischen Kirche, Menschen und Landschaften und haben deshalb im hohen Maße emotional inspirierende Wirkung, die weit über das technisch Konkrete hinausreicht.
Die faktenbezogenen Informationen lassen sich größtenteils auf das Internet zurückführen. Dabei sind nur die wichtigsten aus diversen Ländern aufgeführt worden. Die Auflistung aller herangezogenen Einzelportale von meist untergeordneter Bedeutung würde den angemessenen Rahmen sprengen.
Mein Dank richtet sich in besonderer Weise an meine Frau Evelyne, die meine Hartnäckigkeit bei der Auswahl meiner nicht alltäglichen Reiseziele stets toleriert hat und nicht selten Opferbereitschaft beweisen musste. Dies gilt vor allem bei Russlandreisen, wo sie bei der Überwindung reisetechnischer und sprachlicher Hürden für mich unersetzlich war.
Engelsbrand, 2018 Jürgen Senkel.
Da die folgende Auflistung länderorientiert ist und nicht geografisch, reicht das betreffende Gebiet von Island, über die skandinavischen Länder bis nach Finnland. Nordrussland sowie das Baltikum werden dem Abschnitt Osteuropa zugeordnet. Vor allem in Norwegen und Schweden ist die sakrale Holzarchitektur weit verbreitet, sodass beide Länder in einem eigenen Kapitel abgehandelt werden.
1 Stabkirche von Hedalen
Norwegen besitzt zahlreiche Stabkirchen, von denen einige heute Touristenattraktionen sind. Schon vor dem Bau der ersten Stabkirchen hatte der Holzbau eine lange Tradition, die von Handwerkern als "fahrendes Volk" aufrecht erhalten und mit neuen Ideen aus dem Ausland stetig bereichert wurde. Es überrascht bei einer Seefahrernation nicht, dass das technische Wissen aus dem Schiffsbau ebenfalls Einfluss genommen hat. Das Konstruktionsprinzip von Stabkirchen basiert auf verstrebten Balken, bei denen man die senkrecht verlaufenden Balken Stäbe nennt. Auf dem Boden fertigt man starre Rahmenkonstruktionen, das Stabwerk, das anschließend aufgerichtet wird. Die Balkenstruktur variiert nach Größe, Komplexität und Kunstfertigkeit des zu errichtenden Gebäudes. Die Außenwände werden mit Brettern verschalt oder mit Schindeln bedeckt. Ungefähr 200 Jahre nach Beginn der Christianisierung begann man im 11. und 12. Jahrhundert Stabkirchen zu bauen. Obwohl sich das Christentum in Norwegen zu dieser Zeit vollständig etabliert hatte, blieben heidnische Symbole der alten nordischen Glaubenswelt erhalten. Sie hatten apotropäischen Charakter. Man glaubte hiermit böse Dämonen abzuwehren. Die vielfach anzutreffenden Drachenköpfe sind das prägendste Beispiel. Viele Kirchen besitzen deshalb an der Nordseite weder Fenster noch Türen, da man die bösen Mächte aus nördlicher Richtung erwartete. Weitere Baumaßnahmen im Sinne des Abwehrzaubers waren enge Portale und hohe Eingangsstufen, die man als Geisterschwelle betrachtete. Da man die aus alter Tradition überlieferte Symbolik in christliche Bedeutungszusammenhänge umzudeuten verstand, blieben sie für die weitere Zukunft erhalten.
2 Stabkirche Hopperstad in Vik
Im Verlaufe der Jahrhunderte wurden an Stabkirchen zahlreiche Umbauten bzw. Erweiterungen vorgenommen. Hierbei ist man häufig von dem ursprünglichen Bauprinzip des Stabbaus soweit abgewichen, dass der Begriff der Stabkirche im eigentlichen Sinne nicht mehr angebracht ist.
Im Zuge der Zeit nahm die Zahl baufälliger Holzkirchen stetig zu. Zudem boten die alten Gebäude aufgrund einer wachsenden Bevölkerung nicht mehr genügend Platz. Beide Gründe führten im 18. und 19. Jahrhundert dazu, neue und größere Kirchen zu bauen. Viele alte Kirchen gab man für den Abriss frei. Im besseren Falle konnte man sie im Sinne des Denkmalschutzes erhalten. Die Kirchen des 18. Jahrhunderts sind besonders vom Barock beeinflusst. Die Kanzel wurde im Zeitalter der Aufklärung ein prägender Bestandteil für kollektive Erziehung und Unterrichtung innerhalb der Gemeinde. Insbesondere in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ermöglichten moderne Techniken größere und leichtere Konstruktionen. Dominierender Baustil in dieser Epoche war die Neugotik. Hier überwogen rechteckige Langkirchen. Aber auch kreuzförmige und achteckige Grundrisse kamen häufig vor. Es gibt aber auch Beispiele, in denen es den Baumeistern gelungen ist, mittelalterliche Ästhetik mit moderner Bauweise zu vereinen, wie die Kirche in Uvdal zeigt. Holzkirchen dieser Zeit sind in ländlichen Gebieten Norwegens auch heute noch weitverbreitet und Ort regelmäßiger Gottesdienste.
3 Drachendarstellung an der Stabkirche Hopperstad in Vik
4 Drachendarstellung an der Stabkirche von Reinli
Abb. 1: Die 1163 erbaute Kirche ist möglicherweise die älteste im ValdresTal. Nach der Pest in der Mitte des 14. Jahrhunderts war Hedalen ausgestorben. Die Wälder hatten wieder vom Tal Besitz ergriffen und die Kirche ungefähr für 200 Jahre versteckt. Die ursprünglich einschiffige Langkirche erhielt 1699 einen kreuzförmigen Grundriss. Im Kircheninneren befinden sich noch zahlreiche Gegenstände aus dem Mittelalter, wie z.B. ein Reliquienschrein, eine Marienskulptur und ein Taufbecken.
5 Stabkirche von Reinli
Abb. 2 und 3: Als eine der ältesten Stabkirchen Norwegens gilt die 1130 erbaute Hopperstad-Kirche. Ein Baldachin kam in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts hinzu. Wandbemalung und Altar stammen aus dem 17. Jahrhundert. Die Kirche war eine lange Zeit nicht mehr Treffpunkt der Gemeinde und deshalb vom Abriss bedroht. Erst 1880 wurde sie auf Betreiben des Architekten Blix von der Gesellschaft zur Erhaltung norwegischen Kulturerbes gekauft und vollständig restauriert. Die Kirche mit den pittoresken Drachenköpfen und reichem Schnitzwerk zeigt, dass die Stabkirche in Borgund als Muster diente.
Abb. 4 und 5: Nachdem zwei Kirchen aus dem 13. Jahrhundert an derselben Stelle bereits standen, folgte 1326 ein Umbau, der die Kirche in der heutigen Form hervorbrachte. Sie ist eine einschiffige Hallenkirche mit einer halbkreisförmigen Apsis. Ein geschlossener Svalgang (Galerie) umgibt das gesamte Gebäude. Schnitzereien mit Drachendarstellungen schmücken die Außenwand.
6 Stabkirche Höre in Vang
7 Stabkirche von Röldal
Abb. 6: Der Anlass zum Bau dieser Kirche etwa um 1180 wird von einer Inschrift erzählt. Die Brüder Elling und Audun schlossen sich dem König Sverre an, um den gemeinsamen Feind Erling Jarl im Jahre 1179 zu töten. Sie lösten ein vorher abgegebenes Gelöbnis ein, an dieser Stelle eine Kirche zu bauen. Die Kirche verdankt ihr heutiges Aussehen umfassenden Restaurierungen aus dem Jahr 1828 und 1979.
Abb. 7: Die um das Jahr 1250 gebaute Kirche war lange Zeit ein Pilgerziel, weil hier für die Gläubigen Wunderheilungen möglich waren. Man sagte den Schweißperlen einer Kruzifix-Figur heilende Kräfte nach, wenn man sie auf den kranken Körperteil auftrug. Nach der Reformation hatte man große Probleme, diesen Brauch zu unterbinden, der sich bis ins 19. Jahrhundert hielt.
Abb. 8: Die um 1125 gebaute Stabkirche wurde 1746 abgerissen, um eine modernere Kirche zu errichten. Die Geschichte der alten Kirche blieb bis 1935 im Dunkeln, bis Bauarbeiten die alten Holzreste wieder zum Vorschein brachten. 156 alte Teile wurden gesichert und für den Wiederaufbau der alten Stabkirche in den Jahren 1960 -1965 verwendet.
8 Stabkirche von Öye
9 Stabkirche von Lomen
Abb. 9: Die vielfach umgebaute Kirche stammt vermutlich aus dem Jahr 1180. Vieles deutet darauf hin, dass die unweit gelegene Höre-Kirche gleich alt ist und dass beide Kirchen denselben Baumeister haben. Der Glockenturm kam 1674 hinzu, mit Glocken, datiert aus den Jahren 1200 und 1350.
10 Stabkirche von Undredal
Abb. 10: In einer landschaftlich sehr reizvollen Lage am Aurlandfjord, inmitten hoher Berge steht die kleinste aller noch vorhandenen Stabkirchen. Man vermutet, dass der Bau der Kirche 1147 stattgefunden hat. Diverse Gegenstände wie z.B. eine alte Uhr können dem Mittelalter zugeordnet werden. Aus dem 17. Jahrhundert stammt die Kanzel. Bei Restaurationen im Jahr 1962 konnten verschiedene Bemalungen freigelegt werden. Es finden heute noch Gottesdienste statt.
Abb. 11: Die Kirche in Kaupanger aus der Zeit um 1200 ist die größte Stabkirche am Sognefjord. Die Erklärung hierfür liegt in der Tatsache, dass sich hier ein großer Marktplatz mit vielen Gottesdienstbesuchern befand. Der Name wird von „Kaufanger“ abgeleitet. Die 1965 erfolgten Restaurierungen konnten das ursprüngliche Bild der alten Stabkirche wieder herstellen, nachdem man 100 Jahre zuvor das Gebäude durch Umbauten entstellte.
Abb. 12 – 14: Die 1242 der Jungfrau Maria geweihte Stabkirche ist die größte und auch eine der schönsten. Eine im 12. Jahrhundert gebaute kleinere Kirche wurde in der Weise erweitert, dass sie in der großen Kirche den Chorraum bildet. Nach zahlreichen Umbauten und einer misslungenen Restauration um 1850 wurde die Kirche 1952 – 1954 als Kirche des Mittelalters rekonstruiert. Besondere Erwähnung verdienen die Schnitzereien aus dem 13. Jahrhundert an den Portalen, die Pflanzen-, Tier- und Fabeltiermotive zeigen, wie sie auch von Wikingerschiffen bekannt sind.
11 Stabkirche von Kaupanger
12 Detail der Stabkirche von Heddal
13 Stabkirche von Heddal mit Glockenturm
14 Stabkirche von Heddal
Abb. 15 – 17: Die vermutlich 1180 erbaute und dem Heiligen Andreas geweihte Kirche war das Werk von fahrenden Handwerkergruppen. Später erhielt das Gebäude eine Apsis und einen Laubengang, der im Gegensatz zu anderen Kirchen bis heute erhalten geblieben ist. Der nebenstehende Glockenturm stammt vermutlich auch aus dem Ende des 12. Jahrhunderts. Der besondere Reiz des Gebäudes geht von der sechsstufigen Schindelbedachung aus. Insbesondere die drei, sich verjüngenden Giebeldächer über dem Hauptschiff und die hinzugefügten Drachenköpfe sind optischer Anziehungspunkt. Die Inneneinrichtung hat noch einen mittelalterlichen
15 Stabkirche von Borgund
16 Drachensymbole der Stabkirche von Borgund
17 Stabkirche, Glockenturm und neue Kirche von Borgund
Steinaltar und ein Taufbecken aus Speckstein. Kanzel und Altarbilder stammen aus der nachreformatorischen Periode. Das Kirchenensemble wird vervollständigt durch ein neues, von Christian Christie entworfenes Gotteshaus aus dem Jahr 1868, was die zu klein gewordene Stabkirche ersetzte.
18 Stabkirche von Gol im Norwegischen Volksmuseum von Oslo
Abb. 18: Die ältesten Teile der Kirche lassen sich auf das Jahr 1212 zurückführen.1309 fand erstmals eine urkundliche Erwähnung statt. Leider kann das ursprüngliche Aussehen des Gebäudes aus verharztem Kiefernholz aufgrund vieler Änderungen und fehlenden Archivmaterials nicht mehr recherchiert werden. Erst seit dem 17. Jahrhundert existieren Dokumente über Aus- und Umbauten. So erneuerte man 1694 den Dachreiter und 1730 entstand ein neuer Chor in Blockbauweise, ebenso eine angebaute Sakristei aus dem 19. Jahrhundert. Weil eine neue, größere Langkirche gebaut werden musste, erfolgte im Jahr 1884 der aufwendige Transport auf das Gelände, was heute zum Freilichtmuseum von Oslo gehört. Dort kam es zu Rekonstruktionen, die wieder mehr früheren Jahrhunderten entsprechen sollten. Hierbei orientierte man sich hauptsächlich an der Stabkirche von Borgund, die vor allem die Vorlage war für den Dachschmuck mit den Drachenköpfen. Die Auflistung aller Details der umfangreichen Inneneinrichtung kann an dieser Stelle wegen der unverhältnismäßigen Fülle nicht erfolgen. Zu erwähnen sind noch die zahlreichen Runeninschriften und Einritzungen diverser figürlicher Darstellungen.
Abb. 19: Da die Gemeinde Gol bedauerte, ihre sehenswerte Stabkirche an das Freilichtmuseum in Oslo verloren zu haben, gründete der Unternehmer Rustberggard eine Aktiengesellschaft zwecks Errichtung eines Nachbaus. Nach der Grundsteinlegung im Jahr 1993 erhielt sie nach Fertigstellung im Sommer 1994 die bischöfliche Weihe. Im Unterschied zum Original hat der Neubau ein Nordportal und es gibt keine Kirchenbemalung im Stile der nachreformatorischen Zeit.
19 Nachbau der Stabkirche von Gol im "Middelalderparken" von Gol
20 Kirche von Geiranger
Abb. 20: Die hoch über dem Geirangerfjord thronende Kirche wurde 1842 gebaut. Der weiße Blockbau mit achteckigem Grundriss ersetzte frühere Kirchen, die sich ebenfalls an dieser spektakulären Stelle befanden. Die barocke Innenausstattung stammt aus dem Jahr 1946, nachdem man wegen des Krieges verspätet den 100-sten Jahrestag feierte.
21 Stabkirche von Garmo im Maihaugen-Museum von Lillehammer
Abb. 21: Wahrscheinlich erfolgte der Bau der Stabkirche um 1200 als Nachfolgerin einer früheren Kirche. Das ursprünglich rechteckige Schiff mit Laubengang und Chor wurde zunächst verlängert und 1730 mit einem Querschiff im Blockbau versehen. 1690 kam ein separater Glockenturm hinzu. Nachdem 1880 eine größere Kirche in Planung war, versteigerte man die alte Bausubstanz an Sammler. 1921 konnte man die meisten Teile zusammentragen und im Freilichtmuseum Maihaugen/Lillehammer wieder rekonstruieren. Vom usprünglichen Inventar sind lediglich das aus dem 12. Jahrhundert stammende Taufbecken und ein Gemälde vorhanden. Auch heute finden in der Museumskirche noch Gottesdienste statt.
Abb. 22: 1879 wurde die neue Kirche in Garmo eingeweiht. Das rechteckige Kirchenschiff schließt im Osten mit einem gleich breiten Chor und beigefügter Sakristei ab. Im Westen erhebt sich ein pittoresker Turm. Die Innenausstattung, wie etwa Kanzel, Altarbild und Kreuz stammen aus dem 19. Jahrhundert, während Orgel und Kirchenuhr jüngeren Datums sind.
Abb. 23: Weil die Stabkirche zu klein war, erbaute man 1880 ein neues Gotteshaus. Typisch für die damalige Zeit hat das weiß gestrichene, neugotische Gebäude ein lang gestrecktes Schiff mit einem Chor und einer dreiseitigen Apsis im Osten. Eine Sakristei fügt sich an der Südseite des Chors an. Der doppelstöckige Turm im Westen mit aufgesetztem Dachreiter ist besonders sehenswert.
22 Kirche von Garmo
23 Kirche von Nore
24 Stabkirche von Nore
25 Verzierter Eingang der Stabkirche von Nore
Abb, 24 und 25: Ähnlich wie bei der Stabkirche von Uvdal erbaute man 1167 zunächst eine einschiffige Stabkirche. Doch schon um 1200 erweiterte man das Gebäude in Blockbauweise zu einer Kreuzkirche, ein einmaliger Vorgang für norwegische Stabkirchen. Im 17. und 18. Jahrhundert folgten weitere Umbauten und zahlreiche Verschönerungen der Innenausstattung. Man betritt durch ein aufwendig verziertes Portal das 1723 hinzugefügte Waffenhaus - eine Vorhalle, in der man vor dem Gottesdienst die Waffen ablegte.
26 Stabkirche von Uvdal
Abb. 26: Die 1168 erstellte Stabkirche hatte nur ein Schiff von 5 m Breite und 6 m Länge. Im Verlaufe der nachfolgenden Jahrhunderten gab es viele Um- und Erweiterungsbauten, bis schließlich im 18. Jahrhundert eine Kreuzkirche mit Mittelmast entstand. 1819 kam an der Nordseite eine Sakristei hinzu. Die an Malereien und Schnitzereien reiche Innenausstattung stammt aus dem 17. und 18. Jahrhundert und vermittelt dem heutigen Besucher den Eindruck, als sei die Zeit stehen geblieben.
27 Kirche von Uvdal
Abb. 27: Die 1893 geweihte Kirche besitzt ein hohes und langes Mittelschiff in Rechteckform, einen gleich hohen, dreiseitigen Chor und auf der Nordseite einen mächtigen Turm, der mit seinen Drachensymbolen den alten Stabkirchen nachempfunden wurde. Das gesamte Gebäude, einschließlich der beiden niedrigen Seitenschiffe sind mit Schindeln bedeckt. Die zahlreichen Fenster im Mittelschiff und in den Seitenschiffen lassen erkennen, dass es ein Bauwerk des 19. Jahrhunderts ist.
Abb. 28: Zwischen 1627 und 1630 wurde in Fåvang eine Kirche mit kreuzförmigem Grundriss gebaut. Man verwendete Baumaterialien von früheren Stabkirchen aus der Umgebung. Die ältesten Teile lassen sich auf die Zeit zwischen 1150 und 1250 zurück verfolgen. Obwohl Teile in Stabbauweise erstellt wurden, kann das gesamte Bauwerk nicht als Stabkirche bezeichnet werden.
28 Stabkirche von Fåvang
Abb. 29: Die Kirche mit kreuzförmigem Grundriss wurde 1749 fertiggestellt und 1750 geweiht. Ein zentraler Dachreiter mit vier kleinen Ecktürmchen und hohem Spitzhelm dominiert das schieferbedeckte Gebäude, obgleich er sowohl im 19. Jahrhundert als auch Ende des 20. Jahrhunderts häufig Anlass zu umfangreichen Reparaturen gab.
29 Bethel-Kirche von Lesja
Abb. 30 und 31: Die ursprüngliche Stabkirche stammt vermutlich aus dem späten 12. Jahrhundert. Von dem imposanten Gebäude, wie es ein Gemälde von 1701 zeigt, ist kaum noch etwas erhalten geblieben. 1735 fand ein großer Umbau statt, bei dem nur der untere Teil des Mittelschiffes und die Turmspitze verwendet wurden. In der Vergrößerung zu einer Kreuzkirche bildet die alte Bausubstanz den Westflügel, während sich die übrigen Teile in Blockbauweise anfügen. Die Satteldächer waren bis Mitte des 19. Jahrhunderts mit Schindeln, danach mit Dachziegel bedeckt. Bei Restaurierungsarbeiten zwischen 1955 und 1965 konnten im alten Gebäudeteil Ornamente und Portalschnitzereien aus der Zeit um 1250 freigelegt werden.
30 Stabkirche von Flesberg
31 Im Inneren der Stabkirche von Flesberg
32 Sylte-Kirche von Valldal
33 Kirche von Hemsedal
Abb. 32: Die Kirche wurde vom Architekten Nils Andersen Liaaen 1863 gebaut. Das lange, rechteckige Kirchenschiff bietet 350 Personen Platz. Um diese Zeit gab es zahlreiche Neubauten, um den gestiegenen Besucherzahlen gerecht zu werden. Der weiße Außenanstrich und der neugotische Baustil sind für die norwegische Provinz dieser Epoche typisch.
Abb. 33: 1882 erbaute man die Kirche im damals üblichen neugotischen Stil. Im selben Jahr riss man die alte Stabkirche ab und übernahm den Altar und ein Gemälde aus den Jahren 1715 bzw. 1716, ebenso wie die mittelalterlichen Glocken. Das weiß gestrichene Gebäude ist ein mit senkrechten Brettern verschalter Blockbau. Nur der Turm ist mit Abbundtechnik errichtet. Kirchenschiff und Chor haben innen ein Tonnengewölbe. Sehenswert sind die Glasmalereien der Fenster in der dreiseitigen Apsis.
34 Kirche von Fortun
Abb. 34: Die 1879 erbaute Kirche ersetzte die zu klein gewordene Stabkirche, die nach Bergen transloziert wurde. Das beidseitig mit sechs großen Fenstern ausgestattete Langhaus schließt mit einem fünfseitigen Chor ab, während sich über dem Eingangsportal ein zweistufiger Turm mit einer Glocke aus dem 12. Jahrhundert erhebt. In der außen wie innen weiß gestrichenen Kirche ist eine Altartafel aus dem 17. Jahrhundert erwähnenswert.
35 Kirche von Øverdalen
Abb. 35: Die von der Gemeinde Grytten ursprünglich als Kapelle geführte Gotteshaus wurde etwa zur gleichen Zeit gebaut, als man 1902 ganz in der Nähe die Kreuzkirche nach Marstein verlegte. Das kleinere, rechteckige Schiff mit einer Sakristei und einem quadratischen Turm ist als verschalter Blockbau eher als schlicht zu bezeichnen.
36 Kirche von Nordberg
Abb. 36: Der achteckige Blockbau steht in der Gemeinde Skjak seit 1864 und bietet 200 Besuchern Platz. Die neugotische Kanzel und das Altarbild sind von Jehan Odd aus Holz geschnitzt.
37 Kirche von Boverdal
Abb. 37: 1854 erbaute man eine neue Kirche in der Blockbauweise mit achteckigem Grundriss. Ein altes Gotteshaus war viele Jahre zuvor Opfer einer Flut. Auf dem Dach sitzt zentral ein quadratischer Dachreiter mit spitzem Helm.
Abb. 38: Die 1883 erbaute Kirche ist ein weiß gestrichener Blockbau mit Verschalung. Im Norden schließt ein polygonaler Chor das rechteckige Schiff ab, während sich über dem Eingang im Süden ein viereckiger Turm erhebt, der sich nach oben verjüngt.
38 Kirche von Solvorn
39 Kirche von Hol
40 Kirche von Marstein
Abb. 39: Die 1924 geweihte Kirche hat in der Baustruktur Gemeinsamkeiten mit der Architektur von Stabkirchen. Die Bedachung, einschließlich das hohe, steil geneigte Satteldach des Schiffs hat Schieferbedeckung. Das lange, rechteckige Schiff wird umrahmt von einer Eingangsveranda im Westen, zwei niedrigen Seitenschiffen an der Nord- und Südseite und einem Chor mit siebenseitiger Apsis im Osten. Der Turm über der Westseite des Hauptschiffes hat quadratischen Grundriss und schließt mit einem oktogonalen Spitzhelm ab. Im Gegensatz zur Mehrheit dieser Art von Kirchen ist der Anstrich rot.
Abb. 40: Die 1797 erbaute Kirche stand ursprünglich weiter talabwärts, bis man sie 1902 an die heutige Stelle brachte. Hier liegt das Gebäude mit kreuzförmigem Grundriss idyllisch zwischen hohen Bergen im Römsdal. Erwähnenswert ist ein Altarbild aus dem Jahr 1769.
41 Kirche von Skjåk
Abb. 41: Das auf kreuzförmigem Grundriss befindliche Gebäude aus dem Jahr 1752 ist in Blockbauweise errichtet worden. Der zentrale Turm, der mit einem oktogonalen Spitzhelm abschließt, erhebt sich über die vier schindelbedeckten Satteldächer. Im Inneren gibt es eine Kanzel und ein Altarbild als Schnitzwerk des dorfansässigen Künstlers Klukstad, sowie zahlreiche Votivgemälde.
42 Stabkirche von Torpo
43 Schnitzereien an der Stabkirche von Torpo
44 Kirche von Torpo
Abb. 42 und 43: Die erstmals 1310 erwähnte Stabkirche lässt sich nach Holzanalysen auf die Zeit um 1200 zurückdatieren. Die Kirche besaß einen Laubengang, einen Chor und eine Apsis, die aber nicht mehr existieren. 1880 sollte die Kirche abgerissen werden. Man entschied sich für die Erhaltung und entfernte nur den Chor, so dass das heutige Restgebäude eher wie ein Glockenturm aussieht. Erwähnenswert sind die Schnitzereien an der Eingangstür und die Bemalung des Baldachins im Kircheninneren.
Abb. 44: Direkt neben der alten Stabkirche erbaute man 1880 ein neues Gotteshaus. Es handelt sich um ein langes rechteckiges Schiff mit einem schmalen Chor, an dem man an der Südseite eine Sakristei angefügt hat. An der westlichen Seite erhebt sich ein neugotischer Turm mit oktogonalem Spitzhelm. Der Blockbau ist mit vertikalen Brettern verschalt und weiß gestrichen.
45 Kirche von Rødven
Abb. 45: Die in roten und weißen Farben gestrichene und 1907 erbaute Kirche steht neben der alten Stabkirche. Die baulichen Vorbilder sind die im gleichen Jahr erbauten Jugendstilkirchen von Holm und Veøy, bei denen aber Stilelemente der alten Stabkirchen eingeflossen sind.
Abb. 46: Die idyllisch am Rødven-Fjord gelegene Kirche stammt vermutlich aus der Zeit um 1200. Um 1600 erfolgten an dem 1589 erstmalig urkundlich erwähnten Gebäude bedeutende Umbauten, indem man den Laubengang entfernte und den alten Chor in Stabbauweise durch einen neuen in Blockbauweise ersetzte. Eine Besonderheit sind die diagonalen Stützen, die -ähnlich wie bei der Stabkirche in Kvernesvon außen die Gesamtkonstruktion versteifen. Im Inneren der Kirche stammen die Bemalungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Ein großes Kruzifix datiert aus dem 13. Jahrhundert.
46 Stabkirche von Rødven
47 Stabkirche von Urnes
48 Stabkirche von Ringebu
