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Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger! Vermutlich wissen Sie aus unzähligen (Online-)Ratgebern längst, wann der Fötus in Ihrer Gebärmutter so groß ist, wie eine gedünstete Okraschote oder ab wann er gewichtsmäßig eine südamerikanische Beutelratte überholt hat. Aber was ist mit Ihnen – dem „Mutterschiff“? Dieses Buch begleitet Sie durch das Gefühlschaos der nächsten Monate – mit augenzwinkernden Anekdoten einer Dreifachmutter und fachlichen Informationen von Gynäkolog*innen und Hebammen. Lesen Sie, warum es okay ist, im Supermarkt das leere Nudelregal anzubrüllen. Und wie Sie den ersten Besuch im Babyfachmarkt überstehen, ohne durchzudrehen. Willkommen im größten Abenteuer Ihres Lebens!
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Seitenzahl: 367
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Timeline: Was passiert wann?
Die Reise beginnt
Prolog
Rückblick:Was Sie schon geschafft haben
Der Kinderwunsch ist ein … #◉◆#€
Time Warp Der richtige Zeitpunkt
Praxis-Check Vorbereitung
Die Suche nach dem blinkenden Smiley
FAQ: Hebammenwissen kompakt
Erstes Trimester
Der Fötus zieht in die Gebärmutter ein …
Trimester-Praxis-Check
Vorfreude auf den Gynäkologenstuhl Schwangerenvorsorge
Chlamydia-Syphillis-Hepatitis – oder doch nicht?
Kampf der Listerien-Bande Ernährung
No more Gucci – Umstandskleidung
Einmal Couch bis Kühlschrank und zurück – Bewegung und Sport
Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – Erstausstattung
Mama-Wohlfühlkram
Zweites Trimester
Der Fötus richtet sich häuslich ein…
Trimester-Praxis-Check
Die Bedenken sind frei – Wehwehchen und echte Komplikationen
Halbzeitanalyse
Körperwelten in 3D – Pränataldiagnostik
Und die Wellen rauschen sanft – Geburtsvorbereitung
Drei Buchstaben machen den Unterschied – Entspannung
Exkurs: Männer in der Schwangerschaft
Exkurs: Geschwisterkinder in der Schwangerschaft
Drittes Trimester
Der Fötus plant den Auszug
Trimester-Praxis-Check
Burocracy at its best – Mutterschutz und Elternzeit
Von der Macht der Emotionen – Gefühlschaos
Die Planbarkeit des Unplanbaren – Der Geburtsplan
Geburt
Und plötzlich ist alles anders… – Die Geburt
Praxis-Check
Nach der Geburt
Rückblick – Was Sie schon geschafft haben
Epilog
Die Milch macht‘s – Stillzeit
Chaostage reloaded – Das Wochenbett
Postnataler Praxis-Check
Wichtige Adressen und Baby-Kram
Nachwort
Literaturverzeichnis
Hinweis
Danke
Vollständige e-Book Ausgabe 2023
»HORMON BOOGIE«
Copyright © 2023 RICCARDI-Books
ein Imprint der Spielberg Verlagsgruppe, Neumarkt
Korrektorat: Kati Auerswald
Umschlaggestaltung: © Ria Raven, www.riaraven.de
Bildmaterial: © shutterstock.com
Alle Rechte vorbehalten.
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(e-Book) ISBN: 978-3-95452-123-4
www.spielberg-verlag.de
Dr. Cornelia Klein ist promovierte Erziehungswissenschaftlerin (Schwerpunkte: Medienpädagogik und Entwicklungspsychologie) und arbeitet als Lektorin in einem sozialwissenschaftlichen Verlag. Sie ist außerdem Autorin, Journalistin und Mutter von drei Kindern.
Mit Gastbeiträgen von1:
Angelika Schuhmann - Hebamme
Sylvia Römer - Oberärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe
Peter Ludwig - Gynäkologe
Dr. med. Mathias Wiemers -Gynäkologe
Dr. med. Marianne Lulay-Dander - Gynäkologin
Petra Kissenkötter - Hebamme
Andrea Fleischmann - Pränatale Psychotherapeutin
Inka Kuusela - Stiftungsreferentin
1In order of appearance.
„Die Entscheidung, Ein Kind zu haben, ist von großer Tragweite. Denn man beschließt für alle Zeit, dass das Herz außerhalb des Körpers herumläuft.“
(Elizabeth Stone)
Schwangerschaften gibt es seit Adam und Eva – oder zumindest seit den ersten Höhlenmenschen. Und damit lange, bevor es Gynäkolog*innen, Hebammen und Krankenkassen gab. Es scheint also theoretisch möglich zu sein, ein Kind zur Welt zu bringen, ohne auch nur einen einzigen Vorsorge- oder sogar errechneten Entbindungstermin. Nicht mal einen Babyfachmarkt muss man dafür von innen gesehen haben. Aber mal ehrlich: Spaß macht das wahrscheinlich nicht und die zusätzlichen Sorgen kann man sich für die Pubertät aufsparen.
So oder ähnlich könnte der Zeitplan in Schwangerschaftswochen (SSW)für Ihre Schwangerschaft aussehen:
1. Monat
SSW 1: Tag der letzten Regel
SSW 3: Eisprung, Zeugung
2. Monat
SSW 4/5: Schwangerschaftstest
SSW 5–7: Erstuntersuchung beim Arzt oder der Hebamme zur Bestätigung der Schwangerschaft (+ Blutuntersuchung → u.a. Hämoglobinwert, ggf. HIV, Rötelnschutz, Toxoplasmose)
3. Monat
SSW 9–12: Vorsorgeuntersuchung und erster Ultraschall; Aushändigung des Mutterpasses und der Bestätigung für den Arbeitgeber
ab SSW 10/11: ggf. Chorionzottenbiopsie (sofern man wissen möchte, ob ggf. eine Behinderung vorliegt und dieses Wissen zu Konsequenzen führen könnte)
SSW 11: Embryo → Fötus
4. Monat
SSW 12–14: ggf. Nackenfaltenmessung; Hebamme suchen und Anmeldung zum Geburtsvorbereitungskurs
SSW 13: Gespräch mit dem Arbeitgeber
SSW 13–16: Vorsorgeuntersuchung
SSW 14–19: ggf. Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese, sofern man wissen möchte, ob ggf. eine Behinderung vorliegt und dieses Wissen zu Konsequenzen führen könnte)
5. Monat
ca. SSW 14–18: Erster Besuch im Babyfachmarkt
ca. SSW 18–24: Kauf/Bestellung Erstausstattung (Kinderwagen, Baby-/Kinderzimmer)
SSW 19–22: Vorsorgeuntersuchung, zweiter Ultraschall (unverbindliche Geschlechtsbestimmung oft schon möglich)
6. Monat
SSW 20/21: ggf. Fein-/Organultraschall (im Zweifelsfall schon mal eine geeignete Geburtsklinik mit angeschlossenem Kinderkrankenhaus suchen)
SSW 23–25: Vorsorgeuntersuchung
7. Monat
SSW 24–27: ggf. Glukosetoleranztest
SSW 26–28: Vorsorgeuntersuchung
SSW 27–31: Beginn der Geburtsvorbereitungskurse
8. Monat
SSW 29–32: Vorsorgeuntersuchung + dritter Ultraschall
ab SSW 32: HBs-Antigen-Bestimmung (HBsAg)
ab SSW 32: Vorsorge alle zwei Wochen
9. Monat
SSW 33: Klinikkoffer packen
SSW 33–39: Bescheinigung für den Mutterschutz beim Gynäkologen besorgen und an Krankenkasse schicken
SSW 34: Vorsorgeuntersuchung, Hepatitistest, CTG
SSW 34–37: Babyshower
SSW 35: Beginn Mutterschutz (Abschiedsparty oder Umtrunk beim Arbeitgeber?): Anmeldung im Krankenhaus, ggf. mit Narkosegespräch verbinden (falls eine PDA infrage kommt); Brief an die Geschäftsleitung mit Ankündigung der voraussichtlichen Elternzeitdauer vorbereiten
SSW 36: Vorsorgeuntersuchung, CTG; optional: Himbeerblättertee, Akupunktur, Dammmassage; ggf. B-Streptokokkenabstrich
10. Monat: „Geburtsmonat“
SSW 38: Vorsorgeuntersuchung
SSW 39/40: Vorsorgeuntersuchung (ab SSW 40 täglich/ zweitägig)
SSW 42: Wenn es dem Baby gut geht, wird die Geburt zumeist sieben bis zehn Tage, je nach Klinik, nach dem errechneten Termin eingeleitet.
* In welcher SSW die jeweilige Vorsorgeuntersuchung tatsächlich durchgeführt wird, hängt auch vom Zeitpunkt der Erstuntersuchung und der ersten Vorsorgeuntersuchung ab. Wenn Sie Ihr Baby geplant und den Zeitpunkt des Eisprungs dezidiert berechnet haben, findet die Erstuntersuchung vermutlich in der sechsten SSW statt. Sinnvolle Termine für die Vorsorgeuntersuchungen wären dann SSW 8, 12, 16, 20, 24, 28, 32, 34, 36, 38 und 40.
* Die angegebenen Zeitpunkte/-räume sind nicht obligatorisch, sondern lediglich Empfehlungen, die aus verschiedenen vertrauenswürdigen Quellen zusammengetragen wurden.
23:45 Uhr: Ich wache auf und bin beeindruckt von der Anschaulichkeit meines Traumes.
23:46 Uhr: Stelle fest, dass ich nicht nur von einem Besuch der „Niagarafälle“ geträumt habe. Es war auch die Fruchtblase.
23:47 Uhr: Vermute, dass die Nacht nun vorzeitig beendet ist und rechne kurz aus, auf wie viele Stunden Schlaf ich komme. Gebe resigniert auf.
23:48 Uhr: Realisiere, was gerade passiert ist und renne schreiend ins Wohnzimmer, wo mein Mann auf der Couch eingeschlafen ist. Die 49. Wiederholung von „Dirty Dancing“ war zu viel für ihn.
23:49 Uhr: Brülle meinem Mann das Codewort „Fruchtblase“ ins Ohr, das unverzüglich den Notfallplan in Gang setzt. Renne ins Bad, um zu duschen.
23:51 Uhr: Mein Mann realisiert ebenfalls den Ernst der Lage, rennt zum Telefon und rutscht dabei auf einer Lache Fruchtwasser aus.
23:52 Uhr: Noch im Flug gibt er am Telefon das Codewort weiter an die zum Babysitten eingeteilte Oma.
00:10 Uhr: Die Oma trifft ein. Bis heute gilt es als ungeklärt, ob bei der Anreise überhaupt irgendwelche Verkehrsregeln beachtet wurden.
00:15 Uhr: Frisch geduscht und mit drei übereinander gelegten Flockenwindeln gepolstert, informiere ich den Kreißsaal und schließe den Koffer.
00:30 Uhr: Autofahren macht mit Blasensprung keinen Spaß. Spüre, wie sich das Fruchtwasser seinen Weg zur dritten Flockenwindel gebahnt hat. Mein Mann macht sich Sorgen um sein Polster. Erwäge kurz, ihn zu ohrfeigen, teile ihm dann doch lieber mit, dass das Kind nicht zur Welt kommen wird, bevor der zweite Vorname feststeht. Ziehe den Wehenjoker. Habe ich den Herd ausgemacht?
0:50 Uhr: Die Hebamme schließt mich an den Wehenschreiber an. Die Kurve ist so flach wie ein Witz von Mario Barth. Bekomme trotzdem ein Familienzimmer.
1:30 Uhr: Die Wehen setzen ein. Die Hebamme rammt mir zwei Finger in den MuMu (Muttermund). Zwei Zentimeter geöffnet. Beschließe, die Geburt ohne Schmerzmittel durchzuziehen.
2:10 Uhr: Das Fruchtwasser läuft immer noch. Breche die nächste Packung Flockenwindeln an.
2:30 Uhr: Mein Mann sitzt auf dem Besucherstuhl und schnarcht. Beschließe, die Wiederholung von „Dirty Dancing“ vom Krankenhausbett aus zu schauen. Der Wehenschmerz hemmt die Freude darüber empfindlich.
4:15 Uhr: Verfluche meinen Beschluss von 1:30 Uhr.
5:03 Uhr: Rufe die Hebamme. Der MuMu ist jetzt acht Zentimeter geöffnet. Das Baby drückt auf den Muttermund, als wolle es nicht mehr warten, bis er vollständig geöffnet ist. Das CTG (Kardiotokografie) bestätigt, dass die Schmerzen real sind. Bin zwischenzeitlich nicht sicher, ob ich wach bin oder ohnmächtig.
5:34 Uhr: Will in die Badewanne. Die Hebamme verwickelt mich in ein Gespräch über Bilderbücher zum Thema „Geburt“. Mein Mann schläft immer noch.
6:14 Uhr: Verdammt – ich halte die Schmerzen nicht mehr aus. Werfe meinen Beschluss über Bord und lasse mir ein Zäpfchen geben.
6:30 Uhr: Ich will das Baby auf gar keinen Fall in der Badewanne bekommen, kann mich aber nicht mehr bewegen. Mein mittlerweile erwachter Mann und die Hebamme versuchen nach Kräften, mich aus der Wanne zu ziehen. Wie einen gestrandeten Blauwal, nur eben umgekehrt.
7:00 Uhr: Schichtwechsel. Die neue Hebamme erklärt mir, dass sie aus Japan sei und nur Japanisch und ein bisschen Englisch spreche. Außerdem finde sie Venen-Zugänge sinnlos und überhaupt hätte sie noch nie einen gelegt. Dann legt sie mir den Zugang. Der Schmerz gräbt sich in meine Eingeweide.
7:15 Uhr: Nach 15 Minuten, fünf blauen Flecken und drei Einstichen liegt der Zugang.
7:30 Uhr: Der Muttermund ist „favorable“. Vermute, dass sie die Öffnung um zehn Zentimeter meint, kann den Gedanken aber vor der nächsten „Contraction“ nicht mehr zu Ende denken.
7:40 Uhr: Liege jetzt auf dem Kreißbett und rätsele, ob ich die Geburt des Babys noch lebend mitbekommen werde. Einige mich mit mir selbst auf ein Unentschieden. Aua.
8:00 Uhr: Feueralarm. Die komplette Station rennt aus dem Gebäude. Nur mein Mann und ich bleiben zurück. Mir egal. Nach ein paar Minuten hat ein Feuerwehrmann Erbarmen und weiht uns ein, dass es sich um eine Übung handelt und ich liegen bleiben kann. Ich wäre sowieso nicht aufgestanden. Mein Mann macht sich langsam mit dem Gedanken vertraut, dass er das Baby unter Umständen selbst herausholen muss.
8:10 Uhr: Das Baby drückt jetzt gegen den Muttermund, als hätte es eine Abrissbirne und wolle den Ausgang mit aller Kraft zertrümmern. Es will raus. Insofern verstehen wir uns schon mal blendend.
9:10 Uhr: Die Hebamme ist zurück von der Feuerübung und gibt das erlösende Signal: Press!
9:20 Uhr: Versuche, das Baby mitsamt Abrissbirne rauszuschieben. Habe leider alles vergessen, was ich im Geburtsvorbereitungskurs gelernt habe.
9:40 Uhr: Befürchte, dass mir durch das Pressen Trommelfell und Sehnerv gleichzeitig platzen.
10:05 Uhr: Bin kurz vor einer Ohnmacht. Höre wie durch eine Seifenblase, dass jetzt auch der Arzt anwesend ist. „Wenn Sie jetzt nicht pressen, hole ich die Saugglocke.“ Beschließe, diesen Hinweis lieber nicht zu ignorieren.
10:12 Uhr: Fordere vehementer als für mich üblich eine PDA, Lachgas oder einen betäubenden Schlag mit dem Vorschlaghammer auf meinen Hinterkopf ein. Die Hebamme lehnt ab.
10:42 Uhr: „Der Kopf ist da! Fühlen Sie mal!“, brüllt der Arzt durch die Seifenblase hindurch und führt meine Hand zum Schritt. Ich fühle einen haarigen Kopf, der aus mir rausguckt. Es gibt eindeutig angenehmere Gefühle.
10:56 Uhr: Ich sammle meine letzten Kräfte und schiebe alle Luft, die noch in mir ist, in Richtung Notausgang. Plötzlich ein Schrei. Die Schmerzen sind weg.
Zeit für eine Rückblende.
Was bisher geschah… Vor allem in Sitcoms und Mini-Serien gibt es zu Beginn einer neuen Folge oft einen Rückblick auf bereits ausgestrahlte Episoden. Etwas in der Art sollte man immer mal wieder zu Beginn der Schwangerschaft versuchen. Denn häufig sieht man vor der Geburt – abgesehen von einer unbändigen Vorfreude auf das neue Wesen – erst mal nur einen riesigen Berg an unangenehmen Dingen, die auf einen zukommen oder die auch nur passieren könnten. Natürlich sind Blutabnehmen, Wasser in den Beinen und plötzlich auftretende Übelkeit Erscheinungen, die genauso im sonstigen Leben nerven. Ebenso Sodbrennen, Verstopfung und tausend andere Wehwehchen.
Natürlich besteht die oft nur minimale Chance, dass irgendetwas nicht so läuft, wie Sie es sich vorgestellt haben. Gestationsdiabetes, Präeklapsie und andere, zuweilen unaussprechliche Komplikationen, sind keine Erfindung von Stephen King. Sie sind real. Aber wenn Sie in der Schwangerschaft ausgewogen leben und ein paar Dinge beachten, liegt die Chance, daran zu erkranken, in der Regel im niedrigen einstelligen Bereich. Der Unterschied zu einer Sitcom ist: Sie haben ein Ziel. Während der Protagonist in einer Sitcom sich in einer Dauerschleife um sich selbst dreht, die kein Ende zu nehmen scheint, wissen Sie, wohin Sie wollen: zu Ihrem Baby.
Und so lohnt es sich, schon im ersten Trimester, also den ersten drei Monaten, wenn Sie vielleicht das Gefühl haben, vor lauter Sorgen um den noch jungen Fötus (ab der neunten Woche und somit ab der Entwicklung der inneren Organe löst der Fötus den Embryo ab) schier durchzudrehen und sich wünschen, für die nächsten drei Monate in eine Winterstarre zu verfallen, einmal innezuhalten. Was haben Sie nicht schon alles erreicht? Wenn Sie das Baby bewusst geplant haben, haben Sie es geschafft, den Kinderwunsch zu erkennen, zu deuten und mit Ihrem derzeitigen Leben zu vereinbaren. Vermutlich hätte man Sie in den letzten Monaten nachts um drei wecken können und Sie hätten auswendig rezitieren können, wann Sie die letzte Regelblutung und den letzten Eisprung hatten. Und wann beides wieder zu erwarten sein würde. Sie waren also quasi Psychologin und Mathematikerin in Personalunion. Das muss Ihnen erstmal jemand nachmachen. Sie haben erlebt, dass es Momente gibt, in denen die Zeit noch langsamer zu vergehen scheint als in einem Rosamunde Pilcher-Film. Und Sie haben erlebt, wie doch wieder im Bruchteil einer Sekunde Ihr Leben völlig auf den Kopf gestellt wird. Das Warten auf diesen Augenblick fühlte sich länger an als die Wartezeit auf das Christkind oder den Weihnachtsmann ein paar Jahrzehnte zuvor. All das haben Sie schon geschafft! Und wenn Sie ehrlich mit sich sind, klingt das in der Rückschau wie ein ähnlich unbezwingbarer Berg wie der, den Sie jetzt in den nächsten neun Monaten erblicken. Aber Sie haben es geschafft.
Die schlechte Nachricht ist: Es wird noch viele solcher Momente geben – wahrscheinlich auch noch, wenn Ihr Kind 25 ist. Die gute Nachricht: All das ist machbar und meistens macht es sogar Spaß. Das glauben Sie nicht? Dann sollten Sie schnell das erste Kapitel lesen! Sie sind längst einen Schritt weiter.
Es ist ein bisschen wie beim Autokauf: Noch eben hätte man nicht sagen können, ob das Auto, das vor zwei Sekunden an einem vorbeigefahren ist, rot oder blau war. Doch nachdem man sich in Autohäusern oder auf diversen Internetportalen etwas erkundigt hat, kann man plötzlich stolperfrei die Marken der vorüberziehenden Autos der letzten fünf Minuten rezitieren.
Früher wäre mir ein Kinderwagen nicht mal aufgefallen, wenn er neongrün gestrichen gewesen wäre und die Melodie von „Ode an die Freude“ gehupt hätte. Doch das war früher, quasi in einem anderen Leben. Bevor mich der Kinderwunsch voll erwischt hat. Bevor ich wusste, wie viel ein Päckchen Neugeborenen-Windeln in der Drogerie kostet oder was eine Kinderwagenteststrecke ist. Heute sehe ich beim Bummel durch die Innenstadt nur noch Kinderwagen – und Frauen mit dicken Bäuchen, die unmöglich alle gerade vom etwas zu wörtlich genommenen All inclusive-Urlaub zurückgekehrt sein können.
Als der liebe Gott, Allah oder Wer-auch-immer, den Vorgang des Kinderkriegens kreierte, gab es weder die Selbstverwirklichung noch lange Studienzeiten oder Karriereplanungen. Die Frau war zumeist einzig und allein daseinsberechtigt, wenn sie mindestens ein Kind zur Welt brachte; gerne auch eine Fußballmannschaft mit Ersatzspielern. Später, nachdem man festgestellt hatte, dass sich die Geburt unter dem Sammelbegriff „körperliche Arbeit“ zusammenfassen ließ, fand sie gerne auch mal zwischen zwei Erntegängen auf dem Feld statt. Als Mann wählte man unter dieser Prämisse wohl ganz anders aus, wenn man eine Frau auf einen Kaffee einlud, denn die Familienplanung war ein fester Programmpunkt im Leben.
Heute sieht das anders aus. Man testet, wer grundsätzlich zu einem passt, tauscht aus, modifiziert. Ähnliches gilt für Ausbildung und Berufswahl. Und plötzlich ist man 37 und bemerkt, dass ein Punkt auf der Checkliste für ein erfülltes Leben noch keinen Haken trägt. Ups. Das beschleunigt die weiteren Vorkehrungen möglicherweise, doch eines gilt für 20- wie für 40-Jährige: Wenn der Kinderwunsch einmal da ist, geht er nur ganz schwer wieder weg. Wie ein Edding-Fleck auf dem neuen Pulli oder ein Muttermal. Und wenn es dumm läuft, steigt der Wunsch eben auch noch diametral zum Alter. Was also tun? Nicht immer ist ein adäquater und williger Partner zur Stelle, der gegebenenfalls zur Klärung beitragen könnte. Auch sind ökonomische und biologische Aspekte zu bedenken.
Man könnte nun rational an die Sache herangehen, indem man mithilfe einer Checkliste die Pro- und Kontra-Punkte abklärt. Die Karriere ist dank des Nachwuchses erstmal futsch, ebenso die Freizeit, Essengehen und Kino, der Schlaf und diverse Shoppingtrips – für die das Geld dann ohnehin nicht mehr reichen würde. Auch muss meistens ein größeres Auto her. Und ist die Wohnung überhaupt groß genug oder müsste man umziehen – und auf weitere Annehmlichkeiten verzichten? Eigentlich fühlt man sich ja auch schon zu alt für Babygeschrei und volle Windeln. Die Gegenseite klingt also schon mal recht überzeugend, und manchmal funktioniert dieses Abwägen auch.
Trotzdem: Meistens lässt sich die Frage, warum man eigentlich ein Baby haben möchte, nicht rational beantworten. Und doch sollte sie am Anfang der Überlegungen stehen. Klar, vieles lässt sich evolutionsbiologisch mit einem Urtrieb erklären. Bei den Männern kommt ja ab und zu auch noch der „Jäger und Sammler“ durch. Wenn ein Mann vehement Lob für eine vollbrachte Tat einfordert, sieht die geneigte Frau vor Ihrem geistigen Auge schon mal den Urzeitmenschen, der sich stolz mit den Fäusten auf die Brust schlägt und lautstark daran erinnert, dass er es war, der das Lagerfeuer zum Glühen gebracht hat.
Insofern spielt sicherlich auch eine Rolle, dass das Kinderkriegen und die Erziehung traditionell Jobs der Frau waren. Womöglich sehen viele Frauen heute die Mutterrolle noch immer als eine Art Daseinsberechtigung oder Bestimmung an. Immerhin können sie so der Gesellschaft zeigen, dass sie zu etwas fähig sind, etwas zum Allgemeinwohl beitragen können. Vielleicht geht es ihnen dabei um soziale Anerkennung oder auch nur darum, Großtante Trude beim Familientreffen etwas entgegensetzen zu können, wenn diese zum 92. Mal die Nachwuchsfrage stellt.
Dabei hat der Jahrhunderte alte Kampf um Emanzipation doch gezeigt, dass Frauen noch zu sehr viel mehr fähig sind und Kinder nicht unbedingt der Schlüssel für ein erfülltes Leben sein müssen. Wenn das also der einzige Grund ist: Fragen Sie Ihren Chef besser nach einer Beförderung oder einer Gehaltserhöhung. Denn vielleicht fehlt Ihnen ja gar kein Kind, sondern etwas anderes. Nicht selten steckt hinter dem Label „Kinderwunsch“ eigentlich der Wunsch nach Kompensation einer Leere oder der Erfüllung eines anderen Bedürfnisses im Leben. Und wenn es nur der allzu verständliche Wunsch ist, nicht irgendwann im Altersheim neben vollen Bettpfannen aufzuwachen. Das ist legitim, aber dann fungiert das Kind möglicherweise als Lückenfüller – und sowas ist nie gut. Vor diesem Hintergrund kann das Ganze auch gelegentlich defizit-orientierte, gar neurotische Züge annehmen, vorzugsweise in Verbindung mit dem fortgeschrittenen Alter. Dann wird das Kind zum Mittel zum Zweck. Man sollte sich also auch die Frage stellen: Geht es hier wirklich um ein Baby – oder eigentlich doch eher um mich? Auch das wäre okay, aber dann tut es vielleicht auch ein neues Auto oder eine Kreuzfahrt durchs Mittelmeer.
Der Kinderwunsch kann wellenförmig, gleichmäßig, aber auch anfallartig auftreten. Dann hämmert er im Kopf und der Satz „Ich will ein Baby – JETZT!“ verdrängt jeden anderen Gedanken. Die Ursachenabklärung dauert länger, aber kurzfristig kann es helfen, sich immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, was Sie schon alles geleistet haben – gerade dann, wenn schon ein Kind (oder gar mehrere) da ist (sind). Konzentrieren Sie sich auf die guten Dinge in Ihrem Leben und lassen Sie es nicht zu, dass dieser eine Bereich alles andere überschattet. Das sagt sich so leicht daher – aber ein Versuch ist es allemal wert.
Falls Sie nach reiflicher Betrachtung zu dem Schluss kommen, dass es eigentlich ein klitzekleines bisschen mehr um Ihre Selbstverwirklichung geht und Sie eigentlich gar keine Lust auf volle Windeln haben: Herzlichen Glückwunsch! Auch das ist eine hilfreiche Erkenntnis und diesem Eingeständnis gebührt mein vollster Respekt. Dann ist dieses Buch aber wahrscheinlich für Sie hier zu Ende und Sie können sich die „Gala“ kaufen oder einen leckeren Auflauf kochen.
Manchmal stellt man aber doch fest, dass man sich tatsächlich nichts sehnlicher wünscht, als für ein Kind da zu sein. Dann gilt es, abzuwägen, welche Möglichkeiten verfügbar sind. Unzählige Kontra-Argumente stehen dann zumeist nur einem einzigen Pro-Argument gegenüber: Weil ich so fühle. Zunächst muss geklärt werden, wie stark dieses Gefühl ist, was man bereit ist, dafür zu investieren – in Abhängigkeit von den biologischen Möglichkeiten und dem grundsätzlichen Zugriff auf einen potenten Mann. Wenn dieser sich sträubt, ist das blöd – doch die Ausgangssituation ist denkbar günstiger, als wäre der geeignete Mann noch nicht gefunden oder wenn gar biologische Stolpersteine vorlägen. Andererseits lässt sich dieser Umstand womöglich unter dem Stichwort „Schicksal“ oder „höhere Gewalt“ abhaken. Lassen Sie uns drei Szenarien überprüfen:
Szenario I:
Ist der Partner weiterem Nachwuchs nicht abgeneigt, es liegen jedoch medizinische Einwände vor, können folgende Fragen hilfreich sein:
Wie ernsthaft ist der Wunsch? Welche Optionen gibt es, z.B. Kinderwunschklinik, wie weit können und möchten wir gehen – und: Sind wir emotional und finanziell in der Lage dazu? Würde unsere Partnerschaft Rückschläge aushalten?Können wir klar einen Zeitpunkt definieren, bis zu dem wir gehen wollen – und damit zurechtkommen, wenn es bis dahin nicht geklappt hat?Wären wir dazu bereit, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen?
Szenario II:
Etwas komplexer wird die Situation, wenn der biologische Gegenpart grundsätzlich greifbar wäre, aber nicht zustimmt:
Zeigen Sie Verständnis für seine wahrscheinlich nachvollziehbaren Argumente und erläutern Sie möglichst sachlich Ihre Beweggründe.Verstehen Sie seine Sorgen und versuchen Sie, sie abzumildern.Bieten Sie ihm einen Kompromiss an, auf den er sich einlassen kann: Bitten Sie ihn zum Beispiel um einen oder mehrere „Versuche“ (Übungszyklen) – und stellen sich darauf ein, dass es höhere Gewalt ist, wenn es dann nicht klappt.
Szenario III:
Ganz komplex wird es, wenn der Kinderwunsch ohne biologischen Gegenpart vorliegt:
Wäre ein „Leihvater“ – ohne Beziehung und klar kommuniziert – denkbar?Suche ich einen Mann oder „bloß“ einen Erzeuger – und kommuniziere ich das auch so?Käme – unabhängig von etwaigen bürokratischen Hürden – grundsätzlich eine Adoption oder Pflegschaft infrage?Liegen die nötigen Voraussetzungen vor (Altersgrenze, finanzielle Mittel, geeigneter Wohnraum)?Natürlich haben Sie immer sofort Ihren Traummann bekommen und kennen Liebeskummer nur vom Hörensagen, aber vielleicht kennen Sie ja jemanden, der mal unglücklich verliebt war. Ein Kinderwunsch ist so ähnlich. Wenn man frisch verliebt ist, soll heißen, wenn der Kinderwunsch einen kalt erwischt, kann das richtig fies und schmerzhaft sein. Man neigt zur Romantisierung, ja, gar zur Idealisierung des angestrebten Zustandes. Aber denken Sie die Geschichte mal weiter: Entweder, Sie bekommen den Traumprinzen (also, das Baby) doch noch und werden glücklich bis an Ihr Lebensende – oder die nächste Zeit wird zwar unangenehm, aber letztendlich werden Sie überleben und mittelfristig eine gute Alternative finden. Lebenspläne sind ja nicht per se unveränderlich. Wahrscheinlich werden Sie mehr Tränen weinen als damals, als sich Ihre Lieblings-Boyband getrennt hat oder als „Raider“ plötzlich „Twix“ hieß. Aber auch diese Tränen sind längst getrocknet. Oder?
Tatsächlich taucht der Begriff „Kinderwunsch“ medial meistens im Zusammenhang mit der Frage auf, ob man als Kinderlose überhaupt ein Kind haben möchte. Doch steht natürlich meistens auch bei der Metamorphose von der Ein-Kind- zur Zwei- oder Mehr-Kind-Familie ein Kinderwunsch am Beginn der Überlegungen. Wann weiß ich also, dass ich – für mein Lebensmodell – genug Kinder habe? Die Antwort könnte lauten: Nie.
Wenn ich den Eindruck habe, dass ich mich eigentlich viel wohler fühle, wenn ich meine Feierabende im Kino oder Restaurant verbringe anstatt vorlesend vor dem Bett meines Kindes und wenn ich mir sehnlichst den Tag herbeiwünsche, an dem ich die letzte volle Windel wechsle oder den letzten Löffel Brei verfüttere, dann ist die Einzelkind-Variante für mich vermutlich die bessere Alternative. Wenn ich mich (und dann wahrscheinlich auch mein Kind) jeden Morgen mit Magenschmerzen in den Kindergarten quäle und erst aufblühe, wenn ich mit einem Kaffee auf dem Schreibtisch vor dem Computer sitze, vermutlich auch.
Manchmal schrecken jedoch weder volle Windeln noch verklebte Lätzchen vor der Wiederholung ab und so steht früher oder später die Diskussion über ein weiteres Kind an. Typischerweise zu dem Zeitpunkt, wenn der Erstgeborene aus dem Gröbsten raus ist, aber der Kinderwunsch kann einen so ziemlich immer erwischen – selbst (oder gerade) dann, wenn das bereits vorhandene Kind uns pubertätsmäßig arg auf die Probe stellt. Dann ist wieder der Abgleich mit den vorgestellten Szenarien sinnvoll, gerne mit der Beantwortung einiger zusätzlicher Fragen:
Will ich mich von dem Gedanken ablenken, alt zu werden?Habe ich wirklich Lust, mich noch mal mit vollen Windeln, Babykotze und irgendwann mit der Pubertät auseinanderzusetzen oder finde ich einfach nur Babys (oder Kleinkinder) süß?Klar, die Mutterliebe potenziert sich mit jedem weiteren Kind, aber habe ich auch genug Geduld übrig, um allen Kindern gerecht zu werden?Habe ich mir vielleicht eine Deadline gesetzt, bis zu der ich meine, Kinder bekommen zu können, und steht diese kurz bevor?Besteht die Möglichkeit, dass ich in absehbarer Zukunft meine eigenen Hobbys ausleben möchte, anstatt sie hinter die Bedürfnisse des Kindes zu stellen?Die Antworten auf all diese Fragen können nur individuell gegeben werden. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Die Fragen können aber dazu anregen, die Ursache des Kinderwunsches zu ergründen – egal, um das wievielte Kind es geht. Dabei sollten Sie sachlich an die Beantwortung herangehen und eine allzu lieblich-romantische Verklärung vermeiden. Babys sind süß, kuschelig und niedlich, aber sie schreien auch und machen ständig in die Windel. Am besten finden Sie selbst heraus, was Ihnen guttut: Manche Frauen umgeben sich gerne und ständig mit Babys oder Kindern, anderen treibt schon der Anblick eines Babys im Wagen an der Supermarktkasse die Tränen in die Augen.
Halten wir also fest: Ein Kinderwunsch ist ein Gemisch aus biologischen, sozialen und psychologischen Faktoren. Und erst, wenn man für sich selbst – ob in Gesprächen mit anderen oder „im stillen Kämmerlein“ – abgesteckt hat, was wirklich dahintersteckt, sollte man in einem nächsten Schritt überlegen, was die eigene Ausgangssituation ist. Von da aus gibt es mehr Möglichkeiten auf dem Weg zu einem Kind, als man auf den ersten Blick meinen mag. Sie werden viel Kraft brauchen, und vielleicht schaffen Sie es nicht allein – aber es lohnt sich.
Hilfreiche Links
Hilfe zu individuellen Fragestellen erhalten Sie am besten beim Gynäkologen, Psychologen oder Erziehungs- bzw. Familienberater in Ihrer Region, aber auch bei spezifischen Kinderwunschkliniken – sofern die Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch medizinische Hintergründe hat. Allgemeine Informationen gibt‘s hier:
https://www.informationsportal-kinderwunsch.de
https://www.wunschkinder.net
(beide Abrufe: 02.02.2021)
Auch bestehen einige Stiftungen, die unter bestimmten Umständen Paare bei ungewollter Kinderlosigkeit – etwa durch finanzielle Förderung oder Beratung – unterstützen
(z.B. Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben [BAFZA],Zeitbild-Stiftung,Thüringer Stiftung HandinHand,Diakonie-Stiftung-SalemDer richtige Zeitpunkt
Viele günstige Zeitpunkte lassen sich zweifellos und eindeutig bestimmen. Das Abitur etwa erscheint sinnvoll zu einem Zeitpunkt, wenn der Betroffene die Schullaufbahn beendet und in der Lage ist, selbst über die eigene Zukunft zu befinden. Kindersendungen für Dreijährige erweisen sich als günstig deutlich vor der Prime Time und die Eier kommen nun mal sinnvollerweise in den Rührteig, bevor das Mehl die flüssige Teigmasse wieder verdickt. Ein anderer Zeitpunkt würde nicht den gewünschten Effekt erzielen. Die Abiturprüfung direkt nach dem Kindergarten etwa hätte zur Folge, dass es in unserem Land fast ausschließlich Feuerwehrmänner und Prinzessinnen gäbe – oder Zombies, die bis spät in die Nacht „Bob der Baumeister“-Partys veranstalten und morgens nicht aus dem Bett kommen. Und der Kuchen mit der falschen Zutatenfolge wäre einfach Matsch.
Schwieriger ist da die Frage nach dem günstigsten Zeitpunkt für ein Baby, wenn man in Betracht zieht, dass das entsprechende Zeitfenster begrenzt ist. Blöderweise fällt dieser Zeitraum auch gerne mal zusammen mit Ausbildung, Berufswahl und Konsolidierungsphase. Günstigerweise sollte man auch den passenden Partner dabeihaben und ihn nicht erst seit dem letzten Discobesuch vor zwei Wochen kennen. Das sind ziemlich viele Parameter für vielleicht zehn, zwanzig Jahre, die infrage kommen. Irgendwann zwischen „Jetzt nicht“ und „Nie“ könnte die Antwort also lauten. Meistens ist es ja so, dass man versucht, vor dem Nestbau noch ein paar Dinge zu regeln, vor allem karrieremäßig.
Die Theorie dazu ist rasch skizziert: a.) Karriere machen – b.) Geld verdienen – c.) Karrieresprung – d.) noch mehr Geld verdienen – e.) Kind bekommen – f.) Elternzeit – g.) Fortsetzung von a.) bis d.).
Ahnen Sie, wo der Haken liegt? Zwischen d.) und e.) kommt der Wendepunkt, an dem man sich entscheiden muss. Es ist ein bisschen so, wie im zweiten Teil von „Zurück in die Zukunft“: Als sie Martys Kinder im Jahr 2015 gerettet hatten, flogen Marty und Doc Brown zurück ins Jahr 1985. Allerdings führte ein Bruch im Zeit-Raum-Kontinuum dazu, dass sie sich in einer veränderten Realität wiederfanden. Man meint, Regisseur Robert Zemeckis wäre auch mal in Elternzeit gewesen. Denn ab da ist die Realität eine andere.
Wobei es beim Wiedereintritt in die Arbeitssphäre Unterschiede gibt. Manch einer wird mit offenen Armen im gleichen Job zurückerwartet, als wäre nichts gewesen. Andernorts scheint plötzlich eine kollektive Demenz einzutreten, sodass alle Erinnerungen an das bereits Geleistete verblassen. Manchmal finden auch Veränderungen statt, die den Reiz des ehemals gemochten Jobs relativieren. Dabei braucht auch der Arbeitgeber Planungssicherheit. Denn die allermeisten „Elternzeitinnen“ wählen bei ihrer Rückkehr ein Modell, das Personalern bisweilen den Schweiß auf die Stirn treibt: Teilzeit.
Als junger Mensch möchte man sich erstmal selbst finden – Freunde treffen, shoppen, ins Kino gehen oder einen Töpferkurs belegen. Diese Phase kann schon mal ein paar Jahre dauern. Und plötzlich ist man 35 oder 40 und hört die vielzitierte biologische Uhr ticken. Dabei ticken Uhren schon längst nicht mehr, und so verwässert das einst sicher geglaubte Zeitfenster zunehmend.
In Hollywood hat sich der Trend der Mutterschaft jenseits der 40 schon durchgesetzt: Nicole Kidman, Julia Roberts, Halle Berry. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. (Dabei vernachlässigen wir jetzt mal die Tatsache, dass man sich mit einem zweistelligen Millionenpolster im Hintergrund nicht mit den Kosten für Kinderwunschklinik oder Star-Gynäkologe belasten muss.) Doch auch bei uns Normalos ist die einst sicher geglaubte Grenzlinie ab 40 eben längst kein Hindernis mehr. Immerhin war die medizinische Versorgung noch nie so gut wie im westlichen Europa des frühen 21. Jahrhunderts.
Heute gibt es sogar die Möglichkeit, die eigenen Eier frühzeitig einfrieren zu lassen, um sie später wieder auszupacken. Sofern der finanzielle Hintergrund stimmt, freilich nur. Und oft reichen ja die Eier im eigenen Lager auch so noch aus.
Und dann wären da noch die Kosten. Wenn man die Aufwendungen für ein Kind ab dem ersten Schwangerschaftstrimester summiert, kann man nur zu dem Ergebnis kommen, dass man besser auf Kinder verzichtet. Natürlich ist es grundsätzlich sinnvoll, den Nachwuchs möglichst zu einem Zeitpunkt in die Lebensplanung zu integrieren, zu dem man nicht jeden Cent fünfmal umdrehen muss, bevor man Windeln kaufen geht. Doch die Liebe und Freude, die ein Kind zurückgeben kann, ist in Zahlen nicht zu beziffern. Davon abgesehen bietet der deutsche Staat eine Menge Unterstützungsmöglichkeiten. Sicherlich muss der Lebensstil vom klassischen Zwei-Vollverdiener-Haushalt zum Ein-Gehalt-für-drei-Personen-Modell angepasst werden. Das ist nicht gerade ein Upgrade, aber Eltern- und Kindergeld helfen bei der Überbrückung.
Allzu viele laufende Kosten fallen – abgesehen von der Folsäure (zwischen 8 und 50 € alle vier Wochen, je nach Produkt) – zum Glück in der Schwangerschaft nicht an, sofern man gesund bleibt. Weitere Kostenpunkte wären allerdings Scheidenzäpfchen (14 St./ca. 20 €) und Damenbinden (alle möglichen Varianten), aber auch Wöchnerinnen-Vorlagen (56 Stk./ca. 11,50 €). Diese können schon kurz vor der Geburt sinnvoll sein, danach allemal. Das alles ist überschaubar, aber ein Kundenkonto in der (Online-)Apotheke bzw. Drogerie kann sich trotzdem lohnen. Denn schon ein Einmal-Antibiotikum gegen Blasenentzündung kostet etwa 20 €. Also: Notfall-Puffer einbauen. Mehrkosten könnten auch für eine etwas veränderte Körbchengröße anfallen und individuell notwendige Umstandskleidung. Ich selbst habe für drei Schwangerschaften etwa 150 € für Umstandsmode ausgegeben. Kim Kardashian wahrscheinlich mehr.
Der letzte große Kostenfaktor lässt sich unter dem Stichwort „Pränataldiagnostik“ zusammenfassen. Alles, was die Krankenkasse für unnötig hält (und man wundert sich manchmal), kostet empfindlich viel Geld: Toxoplasmosetest, Nackenfaltentransparenztest, Harmony/Praena4-Test... Alles in allem könnte man stattdessen fast schon in einen Gebrauchtwagen investieren. Die gute Nachricht: Kaum etwas davon ist zwingend nötig.
Trotzdem ist der Unterhalt des Babys deutlich günstiger, solange es noch in der Gebärmutter wohnt. Teurer wird es, wenn das Baby außerhalb des Uterus isst, schläft und reist: Babybett (Tipp: Beistellbett), Vaporisator, Wickeltisch, Schrank, Kleidung, Fläschen(-wärmer), Spannbetttuch, Matratze, Spielzeug, Kinderwagen, Still-Equipment, Moltontücher, Babytrage, ggf. Babyschale, ... Diese Liste ließe sich unendlich verlängern. Der elterlichen Fürsorge sind in der heutigen Marktwirtschaft keine Grenzen gesetzt. Die Liste lässt sich allerdings auch kräftig zusammenstreichen – oder deren Inhalt auf dem Flohmarkt oder in Secondhand-Läden besorgen.
Also, sagen Sie sich im Zweifelsfall gebetsmühlenartig folgende Sätze vor:
Alles wird gut. Und möglicherweise kann ich in 18 Jahren wieder einen (gebrauchten) Sportwagen fahren und außerhalb Deutschlands Urlaub machen. Oder fünf Stunden am Stück schlafen und selbst aussuchen, was ich am Sonntag koche. Eventuell. Vielleicht. Alles wird gut.
Und wann ist jetzt der richtige Zeitpunkt für ein Baby? Ganz ehrlich, wenn ich das wüsste, säße ich mit einem Bestseller, zwei Nannys und fünf Kindern an einem Pool in den Hollywood Hills. Das tue ich jedoch nicht, weil es keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage gibt. Am besten basteln Sie sich eine Pro-und-Kontra-Liste, ähnlich wie bei der Kinderwunsch-Frage. Und am Ende stehen da wahrscheinlich genauso 20 Gründe dagegen, aber nur einer auf der Pro-Seite: Weil es sich genau jetzt richtig anfühlt. Dann wissen Sie, dass es der richtige Zeitpunkt ist. Vergessen Sie, was Tante Tuffy und Onkel Peter aus Wuppertal sagen. Wenn dieses kleine Wesen in Ihren Armen liegt, werden Sie wissen, dass die Entscheidung richtig war...
4 Bei Redaktionsschluss stand noch nicht fest, ob ein solcher Bluttest perspektivisch auch von der Krankenkasse übernommen wird.
Die folgenden Fragen sollten Sie idealerweise geklärt haben, bevor Sie schwanger werden.
Checkliste: Vorbereitung auf die Schwangerschaft
Bin ich gegen Kinderkrankheiten (Masern, Diphterie etc.) – vor allem Röteln – geimpft oder besteht die Notwendigkeit einer Auffrischung vor der Schwangerschaft? Gerade falls Sie Kinder in einer Kindertagesstätte (Krippe, Kindergarten) oder in der Schule haben, sollten Sie auch in der Schwangerschaft wachsam sein. Für so manch kritische Erkrankung gibt es dagegen keinen Impfschutz (Ringelröteln, Krätze etc.).Habe ich aufgehört zu rauchen und meinen Alkohol- und Kaffeekonsum stark eingeschränkt? Dass Drogen- und anderweitiger Missbrauch die Chancen auf eine Schwangerschaft und ein gesundes Baby arg einschränken, muss eigentlich nicht erwähnt werden.Bin ich mir bewusst, dass ein geringer, jedoch nicht zu unterschätzender Prozentsatz an Frühschwangerschaften im Abort endet und meine ich, mit einer solchen Diagnose umgehen zu können? Die Chance, dass Sie herausfinden müssen, wie Sie tatsächlich reagieren, ist glücklicherweise – je nach Alter, Anamnese (Krankengeschichte) und Lebensstil – relativ gering.Falls bereits mehrere Aborte erlitten wurden, sollte abgeklärt werden, ob die Schilddrüse gesund ist. Auch eine spezielle Gerinnungsabklärung und die Feststellung möglicher vergangener Infektionen sind sinnvoll.Praxistipp: Vorsorgegespräch
Ein Beratungsgespräch beim Gynäkologen ist ein bisschen, wie ein Meet & Greet mit dem Lieblings-Rockstar. Man möchte unbedingt lässig wirken, aber in Wirklichkeit hat man etwa 10.000 Fragen und nur drei Minuten Zeit. Natürlich kann man improvisieren und darauf hoffen, dass einige der Fragen, die einem spontan beim Gespräch im Kopf herumschwirren, die wichtigsten sind, mit deren Beantwortung man ganz gut die Zeit bis zum nächsten Termin überbrücken kann. Effektiver ist aber vermutlich ein Spickzettel, auf dem man sich notiert, was man besprechen möchte. Professioneller wirkt das allemal. Gleiches gilt für die Beratung bei der Hebamme, auch, wenn die meistens ein größeres Zeitfenster hat, was ein paar Gelegenheiten zum Luftholen gibt. Die ein oder andere Antwort werden Sie in diesem Büchlein finden. Ein persönliches Gespräch mit dem Profi ersetzen kann das aber nicht. Anregungen für mögliche Fragen finden Sie in den „Trimester-Praxis-Checks“ am Ende der Trimester-Kapitel. Und hier...
Expertenwissen kompakt: Vor der Empfängnis
Zeit für eine Sprechstunde ohne Wartezeit! Oberärztin Sylvia Römer, seit vielen Jahren als Gynäkologin tätig, beantwortet die dringendsten Fragen zur Vorbereitung auf die Schwangerschaft.
Wie lange im Voraus soll ich die Pille oder Ähnliches absetzen?
Naja, ohne Absetzen wird es ja wahrscheinlich gar nicht funktionieren. Wie schnell man nach dem Absetzen schwanger wird, kann individuell sehr unterschiedlich sein. Theoretisch schon beim ersten Zyklus.
Kann ich die Regelmäßigkeit des Monatszyklus‘ beeinflussen?
Das ist schwierig, da der Zyklus von vielen äußeren und inneren Faktoren beeinflusst wird. Aber sicherlich ist ein gesünderer, stressfreierer Lebensstil mit Verzicht auf schädliche Faktoren (Alkohol, Nikotin) zu empfehlen. Auch eine Gewichtsreduktion bei extremem Übergewicht kann helfen, da Fettgewebe Hormone speichern und produziert. Unter pflanzlichen Mitteln kann Mönchspfeffer helfen.
Wann soll ich beginnen, Folsäure zu nehmen – und welches Präparat?
Folsäure sollte man schon vor der Schwangerschaft, am besten ein halbes Jahr vor Beginn, einnehmen. Es senkt das Fehlbildungsrisiko um bis zu 70 Prozent.
Gibt es Medikamente, die die Fruchtbarkeit einschränken?
Anabolika, H2-Blocker, starke Schmerzmittel, Antidepressiva und Antipsychotika, bestimmte Asthmamedikamente und Chemotherapeutika können Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben. Folglich sollte man die Frage erörtern, ob man diese Medikamente absetzen bzw. umstellen kann.
Wann im Monat ist, medizinisch gesehen, der richtige Zeitpunkt für die Empfängnis?
Wenn man seinen Zyklus kennt, idealerweise etwas vor der Zyklusmitte. Die „Durchschnittsfrau“ hat einen Zyklus von 28 Tagen und den Eisprung am 14. Tag – aber es gibt da eine sehr große Spannbreite. Und auch bei der „Durchschnittsfrau“ kann sich der Zyklus im Laufe des Lebens ändern. Spermien überleben aber einige Tage im Körper. Wenn sie schon „vor Ort“ sind, wenn der Eisprung stattfindet – umso besser!
Welcher Lebensstil begünstigt die Empfängnis?
Stress, häufiger Wechsel von Klimazonen (z.B. als Flugbegleiterin), eine schadstoffbelastete Umgebung sind sicher keine idealen Voraussetzungen für eine Schwangerschaft. Aber man kann sich – zumindest, wenn man einer geregelten Erwerbstätigkeit nachgeht – auch nicht „in Watte packen“, um schwanger zu werden. Wichtig ist, dass man sich wohl fühlt und sich nicht zu stark an den Gedanken der möglichen Schwangerschaft hängt. Nicht selten kommt es bei Paaren mit sehr starkem Kinderwunsch zu einer Schwangerschaft erst, nachdem sie sich von dem Gedanken haben lösen können und gar nicht mehr damit rechnen.
Welche Impfungen sollte ich vor der Schwangerschaft vornehmen oder auffrischen lassen?
Ganz wichtig ist die Rötel-Impfung bzw. der Rötel-Schutz vor Eintritt der Schwangerschaft. Grundsätzlich sollte man in der Schwangerschaft auf Lebendimpfstoffe verzichten.
Gibt es körperliche Merkmale, die gegen eine Schwangerschaft sprechen, z.B. Erbkrankheiten?
