How to Start a Demonic Cult and get away with it - Devi Letalis - E-Book
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How to Start a Demonic Cult and get away with it E-Book

Devi Letalis

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Beschreibung

In den düsteren Gassen einer unbekannten Stadt, in der übernatürliche Wesen ihre Schatten werfen, begibt Dante, ein Söldner mit mysteriöser Vergangenheit und einer Seele, die von Dunkelheit berührt wurde, sich auf eine gefährliche Mission. Er wird beauftragt, das plötzliche Verschwinden junger Frauen und das rätselhafte Auftauchen von Untoten in der Stadt zu untersuchen. Begleitet von der charmanten Vampirin Lariza, deren Worte schärfer sind als ihre Fänge, muss er sich einer bizarren Verschwörung stellen, deren Aufklärung selbst für ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten eine Herausforderung darstellt. Alles deutet auf das Wirken eines geheimnisvollen Kults hin, der die Fäden der Stadt in seinen Händen hält und seine dunklen Pläne im Verborgenen spinnt. Doch während Dante und Lariza den düsteren Pfaden der Ermittlung folgen, stoßen sie auf eine noch größere Bedrohung: eine mysteriöse Gestalt, die mehr über Lariza zu wissen scheint, als ihnen lieb ist. Mit jedem Schritt verschwimmt die Grenze zwischen Realität und Albtraum mehr, und Dante und Lariza müssen sich einem Netz aus Intrigen, Verrat und Magie stellen. In "How to start a demonic cult and get away with it" wird die Trennlinie zwischen richtig und falsch auf eine harte Probe gestellt. Kann das ungewöhnliche Duo erneut das drohende Unheil abwenden und den Machenschaften des dämonischen Kults, ein Ende setzen, oder werden sie selbst von seinen dunklen Mächten verschlungen?

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Copyright © 2024 Sophie Ivanka
All rights reservedThe characters and events portrayed in this book are fictitious. Any similarity to real persons, living or dead, is coincidental and not intended by the author.No part of this book may be reproduced, or stored in a retrieval system, or transmitted in any form or by any means, electronic, mechanical, photocopying, recording, or otherwise, without express written permission of the publisher.Coverart by Manufaktur West and Devi LetalisIllustrations by Devi LetalisDevi Letalis does neither use nor support the use of AI in [email protected] IvankaWiener NeudorfÖsterreich
Contents
Copyright
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Danksagung
Kapitel 1
„Das ist nicht die Zukunft, die ich für dich geplant habe. Du wirst die Mühle gemeinsam mit einem guten, hart arbeitenden …“
Lariza schenkte ihrem Vater ihren flammenden Blick. „Du weißt nicht, wovon du redest“, unterbrach sie ihn.
„Widersprich mir nicht, du vorlautes Biest. Erst recht nicht wegen dieses Kerls. Dieses … Cătălin.“
„Graf Cătălin“, betonte Lariza leise. Natürlich war sie nicht Hals über Kopf in ihn verliebt, aber er war interessant, weitgereist und nebenbei noch ihre beste Chance, diesem einengenden Leben zu entkommen. 
„Du wirst das Haus nicht verlassen.“
Sie wandte sich um und betrat die kleine Kammer, in der sie schlief, ohne das Schimpfbombardement ihres Vaters zu beachten. Mit einem leisen Fluchen verschloss sie die grob gezimmerte Türe sorgfältig hinter sich. Das Mädchen griff nach einem breiten, wollenen Tuch, das seine Mutter gewebt hatte und warf es sich über die blassen Schultern, um sich vor der kühlen Nachtluft zu schützen. Dann kletterte Lariza zu dem geöffneten Fenster hoch, durch das das spärliche Licht des Mondes in die kleine Kammer fiel und ihre wenigen, ärmlichen Habseligkeiten in sein kaltes, verurteilendes Licht warf. Im Gegenteil zu gewissen Grafen lebte sie eben nicht in einem Schloss.
Sie schob sich durch die Öffnung und stechender Schmerz schoss durch ihre Hand und riss sie aus ihren rebellischen Träumereien. Mit einem Fluchen führte sie sie an ihre Lippen und entfernte den Holzsplitter, den sie sich am Fensterrahmen eingezogen hatte, mit den Zähnen. Ein paar Tropfen ihres Blutes hinterließen dunkle Spuren auf den rauen, wettergegerbten Balken. Sie konnte den eisigen Wind unheilvoll in den Flügeln der Mühle singen hören. Ihr Requiem.
Den Schmerz in ihrer Hand ignorierend, hievte sie sich vollends durch das Fenster und stieß sich ab, um im weichen Gras darunter zu landen. 
Er erwartete sie bereits.
Lariza schlug die Augen auf. Die Sonne war bereits untergegangen und entgegen ihrer Gewohnheit brauchte sie einen Moment, um sich zurechtzufinden. Sie setzte sich auf und strich verstört ihr rotes Haar zurück, wobei ihre Decke herabrutschte und Blick auf ein weiches, zartes Nachthemd freigab. 
Beunruhigt rieb sie sich über das Gesicht. Sie hatte bereits eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr daran zurückgedacht. Was dieser Traum wohl bedeuten mochte? Sie schüttelte das seltsame Gefühl ab, das ihr ungewollt aus ihrem todesähnlichen Schlaf ins Diesseits gefolgt war. Ein samtiges Rascheln begleitete ihre geschmeidige Bewegung, als sie sich erhob, um ans Fenster zu treten und den schweren Vorhang, der tagsüber jegliches Licht aussperrte, zur Seite zu schieben und einen Blick in den Garten zu werfen. Nicht, weil das Sonnenlicht ihr in ihrem Alter noch etwas anhaben konnte, aber sie die seltenen Male, die sie wirklich Erholung im Schlaf suchte, absolute Ruhe bevorzugte.
Kaum war das unangenehme Gefühl alter Zeiten verdrängt, machte sich ein anderes, viel urtümlicheres in ihr breit – die Gier, die sie bereits seit Jahrhunderten wie einen vertrauten Begleiter wahrnahm.
Leises Donnergrollen in der Ferne kündete vom Nahen eines weiteren Wolkenbruchs, was Lariza veranlasste, sich schnell anzuziehen und die kurze Phase Trockenheit für die Jagd zu nutzen. Sie dauerte nicht lange an und als sie zum Haus zurückkehrte, war sie bis auf die Knochen durchnässt. Zumindest war somit auch der Geruch von Blut, der an ihr haftete, weggewaschen. Gegen die anderen Zeugnisse ihrer erfolgreichen Jagd konnte der Regen jedoch nichts ausrichten. 
Das Haus befand sich nicht unbedingt in der sichersten Nachbarschaft, was der Vampirin zwar mehr als leichte Beute, aber ihrem Körper dafür eine Schnittwunde verschafft hatte. Ärgerlich betrachtete sie den langen, blutverkrusteten Schnitt, der die durchscheinende Spitze ihrer Bluse an der Seite zierte und fluchte leise. Ihre blasse Haut darunter war bereits wieder unversehrt. Vielleicht würde irgendwann der Tag kommen, an dem sie ihre Selbstheilungskräfte nicht mehr als Waffe einsetzte. Der Gedanke amüsierte sie kurz, doch sie beschloss, dass das wohl nie ihre Art sein würde. 
Lariza seufzte kaum hörbar, als sie das ruinierte Oberteil über den Kopf zog, während ihre Schritte sie weiter ins Wohnzimmer führten. 
Genaugenommen war es Dantes Schuld, weil er meinte, sie solle sich lieber dem Abschaum der Gesellschaft widmen und nicht einfach irgendjemanden töten. Und dass seine heruntergekommene Bleibe auch in einer Gegend wie dieser liegen musste, wo eine junge Frau nachts nicht einmal voller unschuldiger Hintergedanken alleine auf die Jagd gehen konnte, ohne gleich von einem grobschlächtigen Kerl mit einem Messer angegriffen zu werden, war erst recht Dantes Schuld. Er könnte ihr ja auch eine Unterkunft, die ihrer würdig war, zur Verfügung stellen. Natürlich war ihr dabei durchaus bewusst, dass er ihr auf diesen Einwand entgegnet hätte, dass sie genauso gut bei Layla wohnen könnte, deren Anwesen ihren gehobenen Ansprüchen vielleicht mehr entsprach. Doch sie war gerne hier und Layla … etwas hatte sich zwischen ihnen verändert. 
Sie versenkte ihre Hand in einer Tasche und zog ein paar abgetrennte Finger hervor. Dann schnalzte sie ungeduldig mit der Zunge. Die triefend nasse Bluse immer noch in der anderen Hand, ließ sie sich auf die Couch sinken und tippte ungeduldig mit der Fußspitze auf den Boden. Die Tür zur Küche wurde aufgestoßen und der Geruch von Apfel und Zimt strömte herein. 
„Hol dir dein Leckerli, Puschel.“ Ein Grinsen breitete sich auf Larizas ebenmäßigen Zügen aus. Ein hohles Klappern von Hufen auf dem glatten Parkettboden ertönte, als das Schaf die Couch umrundete. „Mach Sitz.“ 
Zumindest auf Grundbefehle hörte Puschel – auch das war eine der kindischen Regeln Dantes gewesen. Vermutlich hatte das Schaf einmal zu oft an seinem Mantel oder seinem Unterschenkel geknabbert. Gehorsam setzte sich das Tier vor sie und veranlasste sie zu einem leisen Lachen. Sitzende Schafe waren ein absurder Anblick. 
Die Vampirin streckte die Hand aus und zog sie eilig zurück, als Puschel danach schnappte. „Nein, böse Puschel!“ Diesmal nahm das Schaf nicht die Zähne, sondern die Lippen zu Hilfe, um langsam und vorsichtig die Finger von Larizas Handfläche zu erbeuten und gleich genüsslich darauf herumzukauen. 
Sie tätschelte liebevoll den Kopf ihres untoten Haustieres. Plötzlich sprang Puschel auf und polterte ungeschickt, mit sich überschlagenden Hufen und einige Male das Gleichgewicht verlierend zur Haustür. Lariza lehnte sich auf der Couch zurück und überkreuzte die Beine, als die Türe sich öffnete und Puschel aufgeregt blökend um die hochgewachsene Gestalt tänzelte, die soeben eintrat; obwohl man sich die Bewegungen des Zombieschafs wohl eher als etwas ungelenk vorstellen musste, sodass es immer wieder gegen die Beine des Dämonenjägers prallte und dann mit einem letzten Grunzen in den Garten verschwand. Vermutlich um etwas zu suchen, was es zerfleischen konnte, das Süße, Kleine, dachte Lariza.
Dante bot keinen besseren Anblick als sie vor einigen Minuten. Sein silbernes Haar klebte nass in seiner Stirn und er strich es enerviert aus dem Gesicht. Ein kalter, distanzierter Ausdruck lag auf seinen Zügen und kurz musste Lariza an seinen Bruder denken und Zorn funkelte in ihren Augen. 
Er legte seine Waffen ab und streifte den schweren Mantel ab. Lariza verfolgte seine Bewegungen flüchtig, ehe sie den Kopf in den Nacken legte und die Augen schloss, um sich selbst ein wenig zur Ruhe zu zwingen. Dieser verdammte Traum, dachte sie. Er pochte immer noch in ihrem Hinterkopf und nahm sie scheinbar doch mehr mit, als sie sich selbst eingestehen wollte.
Dante umrundete die Couch und maß ihren spärlich bekleideten Oberkörper mit einem abschätzenden Blick. „Hätte ich gewusst, dass du es nicht mehr erwarten kannst, hätte ich vielleicht das Leben eines Dämons verschont, um schneller zurück zu sein.“ Ein jungenhaftes Grinsen stahl sich auf sein Gesicht, in das zur Antwort Larizas nasses Oberteil klatschte.
Er konnte den enttäuschten Ausdruck nicht ganz verbergen, als seine Hand den weichen Stoff ergriff und entfernte. Lariza konnte ein Lachen nicht mehr unterdrücken. 
„Und was soll ich jetzt damit?“, fragte er, als er das Kleidungsstück an den Schulternähten ergriff und mit ausgestreckten Armen von sich weghielt, als könne es jederzeit explodieren. 
„Anziehen, verbrennen … was auch immer dir Spaß macht“, erwiderte sie mit einem spöttischen Funkeln in den grünen Augen. 
„Ich glaube, das ist nicht ganz meine Größe.“ Seine gespielte Entrüstung amüsierte sie noch mehr. 
„Ich wusste schon immer, dass du es heimlich auf den Inhalt meines Kleiderschranks abgesehen hattest. Wenn das dein Ding ist, musst du es nur sagen. Du weißt doch, ich kink-shame nicht.“ Kraft ihrer Gedanken entzündete sie ein Feuer im Kamin. Eine ihrer neugewonnenen Fähigkeiten, die sie langsam zu beherrschen lernte. Mit Enttäuschung hatte sie feststellen müssen, dass sie sich nur auf leblose Materie anwenden ließ. Der warme Schein der Flammen verbreitete eine wohlige Atmosphäre. 
Dante überging ihre letzte Bemerkung, ließ die kaum nennenswerte Menge nassen Stoffs achtlos fallen und wischte sich die Hände an der Hose ab, ehe er in der Küche verschwand. Larizas undeutbarer Blick folgte ihm. Ihre Wangen waren immer noch gerötet von der erst kurz zurückliegenden Jagd.
Es dauerte nicht lange, bis er zurückkehrte, ein Glas mit Gin Tonic in der Hand und sein zynisches Grinsen im Gesicht. Lariza verdrehte die Augen und ein genervter Ton kam über ihre vollen Lippen. Seine Laune war eindeutig besser als ihre und sie war sich noch nicht sicher, ob sie in dieser Nacht die Nerven für seine kindischen Kommentare hatte. 
„Ein guter Job?“, erkundigte sie sich schließlich, als er keine Anstalten machte, das Gespräch von sich aus zu beginnen. Abwesend glitten ihre Fingerspitzen über ihre Seite, an der vor einer halben Stunde noch ein klaffender Schnitt geprangt hatte. Abgesehen von ein wenig verkrustetem Blut zeugte nichts mehr von der eigentlich frischen Verletzung. Dantes Blick folgte ihrer Bewegung und er runzelte kurz die Stirn. 
Sie grinste schief. „Du solltest mal den Mistkerl sehen, der mich angegriffen hat.“ Die Vampirin zog beiläufig ihre Hand zurück und verschränkte die Arme provokativ vor der Brust. „Puschel kaut gerade auf einigen Einzelteilen von ihm herum.“
„Weil du deinem Haustier auch immer ein Souvenir mitbringen musst. Es ist ein verwöhntes Schaf.“ Dantes scherzhaft tadelnder Ton entlockte ihr ein weiteres Lachen. 
„Du weißt vielleicht, wie das mit alten, einsamen Frauen so ist. Die Kinder sind aus dem Haus und sie schaffen sich stattdessen ein Hündchen als Zentrum ihrer Aufmerksamkeit an.“
„Oh nein, nicht das schon wieder“, stöhnte Dante. Larizas Angewohnheit, sich ‚Schoßhündchen‘ zuzulegen, kannte er bereits zur Genüge und die Wahl ihrer neuen Spielgefährten sorgte üblicherweise für ein nicht unerhebliches Konfliktpotential – da war ihm ein verhextes Zombieschaf tausendmal lieber. 
Die Vampirin zog einen Schmollmund: „Es ist doch nicht meine Schuld, dass sie so schnell erwachsen werden.“
Vielleicht war es an der Zeit, Finja anzurufen, ehe Lariza noch auf die Idee kam, was Größeres als nur ein Schaf ins Haus zu schleppen. Die Situation gefiel Dante ganz und gar nicht und er wusste bereits, dass mit der Willkürlichkeit der auffälligen Frau, die mit ihm Haus, Aufträge und manchmal auch Bett teilte, nicht zu spaßen war.
„Shortcake, vielleicht solltest du noch ein wenig rausgehen, dich amüsieren?“, schlug er vor, in dem Wissen, dass das auch nach hinten losgehen konnte. Aber im besten Fall zündete sie etwas an oder ließ ihren Unmut anderweitig aus. 
„Hey, ich war nicht diejenige, die sich über Puschel beschwert hat … und mit Menschen spielen macht keinen Spaß, sie gehen so schnell kaputt“, schmollte sie weiter. 
Lariza hatte bereits öfters darüber gescherzt, dass die Jahrhunderte einen seltsam machten. Vielleicht hätte er diesem Hinweis mehr Beachtung schenken sollen.
Es waren bereits einige Jahre vergangen, seit sie sich gemeinsam Damnatio, dem Dämonenkönig, gestellt hatten, der das Ende der Welt, wie sie sie kannten, hätte bedeuten können. Es hatte sie auch einige Zeit und Mühe gekostet, Damnatios Anhänger zu verfolgen und zu vernichten. Sobald der Großteil von ihnen erledigt war, hatten die meisten anderen Dämonen, die in die Welt der Menschen geströmt waren, die Dämonenwelt für sicherer befunden und waren wieder dorthin zurückgekehrt. Diese Stadt war zwar bereits vor der Invasion des Dämonenkönigs nicht das irdische Paradies gewesen und auch mit ihrem Wiederaufbau und der erneuten Besiedlung hatte sich in Bezug auf Gestalten zweifelhafter Moral nichts verbessert. Für jemanden, der jedoch in Dantes Metier tätig war, waren dies goldene Zeiten. Er konnte sich vor Aufträgen kaum erretten, was so weit führte, dass selbst Lariza sich hin und wieder erbarmte, einen davon zu übernehmen – aus Langeweile, oder um einfach, um ihm Gesellschaft zu leisten. 
Trotzdem waren ernst zu nehmende Herausforderungen eher selten und es lag nicht in der Natur der beiden, ein ereignisloses und friedliches Leben zu führen. Eine innere Unruhe war somit nicht verwunderlich.
Larizas grüne Augen maßen ihn lange, ehe sie sich mit einer geschmeidigen Bewegung vom Sofa erhob. Beide hatten zu lange ihren Gedanken nachgehangen und die Stille war trotz ihrer Vertrautheit seltsam geworden. „Ich hoffe, dass dieser Abend in die Annalen der Geschichte eingeht, denn ich werde nun ausnahmsweise deinen Rat befolgen und mich ein bisschen amüsieren.“ Ein unschuldiges Lächeln verzog ihre Lippen und konnte nicht über die Grausamkeit in ihrem Blick hinwegtäuschen. 
Dante konnte sich sehr gut vorstellen, wie ihr Amüsement aussehen würde und ihm tat, wer auch immer freiwillig oder unfreiwillig daran teilhaben würde, beinahe schon leid – aber nur beinahe.
Das Gras umspielte Larizas nackte Waden, als sie durch die Wiese lief, ihre Schritte etwas beschleunigte und vergnügt durch den Garten tänzelte. Sie erreichte die Mauer, die das Grundstück an der Rückseite begrenzte, sie zog sich auf die Krone hoch, setzte sich dort, um auf die Häuser zu blicken, die dieses Gebäude umringten, das so völlig fehlplatziert in dieser Gegend wirkte. Die Wolkendecke war aufgerissen und ließ vereinzelte schüchterne Mondstrahlen hindurch, die die Nacht spärlich erhellten. Das Bilrd, das sich ihr bot, erschien ihr beinahe fremdartig und transzendent; fast als werfe sie einen Blick auf ein Abbild des Purgatoriums, in das Seelen zur Läuterung verbannt wurden, das aber nur ihre Verzweiflung in dieser Tristesse zur Folge haben konnte.
Leise stimmte sie eine Melodie an, voller Sehnsucht und Verlockung, die aus den Tiefen ihrer dunklen Seele zu kommen schien. Sie versprach Liebe und Lust, die sie schenken würde. Die Vampirin warf das lange Haar zurück, verzog die Lippen zu einem grausamen Lächeln, als die Gier in ihren Augen aufblitzte. Ein Mensch näherte sich, gelockt durch ihr Lied und den stummen, unterschwelligen Befehl, der darin lag und dem er folgen musste. 
Lariza streckte die Beine, ließ sich von der Mauer gleiten, wobei ihr Rock einen Moment etwas höher rutschte, einen kurzen Blick auf ihre wohlgeformten Oberschenkel freigab. Als sie leichtfüßig auf dem Beton landete, ergriff sie mit einem Lächeln die Hand ihres Opfers, um es tiefer in das Labyrinth der dunklen, engen Gassen zu führen. Die Vampirin wandelte sicher im Zwielicht, das nur in einzelnen zarten Strahlen vom Mondlicht durchdrungen wurde. Immer tiefer hinein in die Dunkelheit, weiter weg von den menschlichen Bewohnern der Stadt, ehe sie sich mit dem Rücken an eine raue Wand schmiegte. Ihn an sich heranzog und verlockend über seinen Körper strich, als er sich nah an sie drängte, benebelt von der Verwirrung, die sie in seinen Sinnen stiftete.
Sie zog ein Bein hoch, presste ihren weichen Oberschenkel an seine Hüfte, während ihre Sohle sich an das gegenüberliegende Haus drückte. Er hauchte einen sanften Kuss auf ihren Hals, doch weckte er in ihr nicht das Gefühl, nach dem sie sich sehnte. Irgendetwas fehlte. Vielleicht war es der Todesrausch? Der Nervenkitzel der drohenden Gefahr? Möglicherweise hatte sie deshalb diese Träume aus der Zeit, als sie noch zu den Menschen gezählt hatte. Als die Gefühle noch intensiver, echter, lebendiger waren. Aber hatte es sich so angefühlt, als sie noch ein Mädchen gewesen war? Zumindest wollte sie sich das einreden.
Ein leises Seufzen kam über ihre Lippen, die er mit den seinen verschloss, doch sie empfand nichts, nicht einmal die Aufregung darüber, dass er ihr gehören würde, ihr nicht die geringste Gegenwehr entgegenbringen konnte, er ihr völlig ausgeliefert war. Ein Gedanke, der im Normalfall zumindest Erregung in ihr hervorrief. Trotzdem schmiegte sie sich enger an ihn, erwiderte seinen Kuss, auch als sich der Wunsch in ihr breit machte, ihn mit bloßen Händen zu zerreißen. Lariza bog den Kopf ihres Opfers zur Seite und senkte ihre Zähne in seinen Hals. Heißes Blut schoss ihr aus der Wunde, die sie gerissen hatte, entgegen und mit ihm breitete sich auch die lang vermisste Hitze in ihrem Körper aus.
Die Vampirin ließ von ihrem Opfer ab, das, verglichen mit ihr, umso berauschter schien. Hunger hatte sie keinen verspürt, doch sie wollte sehen, ob so ein verlockendes, menschliches Wesen noch fähig war, ihr Lust und das vermisste Vergnügen zu schenken. Lariza stieß den Mann von sich, ihn dabei jedoch am Arm packend, dass einige Sehnen rissen – wenigstens ein Laut, der sie grinsen ließ. Tief in Gedanken versunken zerrte sie ein weiteres Mal an seinem Arm, ehe sie ihn zu Boden stieß und ihren Fuß auf seine Kehle senkte, um ihm den Atem zu nehmen. Berauscht, wie er von ihrem Bann war, schien er nicht mal den Schmerz oder Angst zu empfinden.
Ihre Sinne tasteten in die Dunkelheit, als ihr plötzlich bewusst wurde, dass sie in ihrem Blutrausch zugelassen hatte, dass sich jemand näherte, sich an sie anschlich und nun in der Dunkelheit verbarg und beobachtete, wie sie diesen Mann quälte. Schließlich beugte sie sich zu ihrem Opfer herab, riss es hoch und schmetterte es gegen die Wand, wobei das Bersten seiner Knochen sie aus ihren Gedanken holte. 
Lariza konnte die Angst des Feiglings, der sich in der Dunkelheit verbarg, wittern. Seine Furcht trieb sie weiter an. Sie drückte ihr Opfer fester an die Wand, um es aufrecht zu halten, als sie die stark blutende Wunde an seinem Hals mit den Lippen verschloss, um das verbliebene Lebenselixier aufzufangen. Dass sie selbst bereits über und über mit seinem Blut besudelt war, kümmerte sie jedoch nicht weiter. Erst, als der Mann tot war, ließ sie ihn los, sah auf ihn herab, wie er zusammengesunken am Boden lag, leblos und bald schon kalt.
„Was willst du?“ Spätestens die Kälte in Larizas Stimme hätte ihren Verfolger eingeschüchtert, wäre er nicht schon halb wahnsinnig vor Furcht gewesen. Aber sie spürte da noch mehr. Faszination? „Oh, du kleiner Perversling“, murmelte sie halblaut. Mit dem Handrücken strich sie beiläufig über ihre Wange, die sich klebrig vom Blut anfühlte. „Hast du noch nicht genug gesehen? Willst du es lieber am eigenen Leib erfahren?“ Ein süßlicher Ton hatte sich in ihre Stimme geschlichen und wäre sie nicht über und über mit dem Blut ihres Opfers besudelt gewesen, hätte sie vielleicht fast sogar unschuldig wirken können. 
Lariza konnte hören, wie sich der Puls des Fremden beschleunigte, als ihre Schritte sie die schmale Gasse entlang, auf sein Versteck zuführten. Er versuchte, sich tiefer in die Dunkelheit des Hauseingangs zu drücken, in dem er sich verborgen hatte, fast, als hoffe er, mit der Mauer dort verschmelzen zu können.
Die Vampirin verhielt kurz im Schritt und wandte sich dem tiefen Torbogen vollends zu, demonstrierte ihr liebenswürdigstes Grinsen, ehe sie sich weiter durch die Gasse entfernte. „Wie gut für dich, dass ich mir manche Leckereien gerne für besondere Augenblicke aufspare. Man sieht sich“, verklang ihre samtige, einlullende Stimme.
Lariza streifte die Träger ihres blutbesudelten Kleids von den Schultern und entledigte sich ihrer Unterwäsche. Ein wohliges Seufzen entrang sich ihren Lippen, als sie unter den dampfenden, heißen Strahl der Dusche stieg. 
Dante hatte ihren Anblick bei ihrer Rückkehr nur mit einem Stirnrunzeln wahrgenommen, aber nicht weiter kommentiert. Das war auch besser so, immerhin hatte er ihr vorgeschlagen, sie solle sich amüsieren. Wenigstens wusste sie, dass es ihm im Grunde egal war, was sie mit ihren Opfern trieb, solange sie ihm damit keine Probleme auf den Hals hetzte. Trotzdem nahm sie seine schwer einzuordnenden Blicke diesbezüglich manchmal wahr. Sie selbst war völlig davon überzeugt, sehr gnädig zu sein, was das Töten betraf, immerhin hatte sich noch keiner beklagt. Und jemand mit Dantes Beruf würde sich wohl kaum bei dem Anblick von dem bisschen Blut, Eingeweiden und zertrümmerten Knochen das Riechsalz reichen lassen. 
Vielleicht lag es daran, dass er auch zu einem Teil dämonischer Abstammung war? 
Lariza hatte nie einen Hehl aus ihrem unmenschlichen Wesen gemacht – vielleicht, weil sie nicht so geboren worden war und die Geschichte ihrer Kindheit und auch die ihrer Initiation als Vampir von keinen märchenhaften Erinnerungen geprägt war. Sie hatte früh gelernt, ihre Kräfte zu ihrem Vorteil einzusetzen und bis heute hatte sie sich damit nie unwohl gefühlt. Dante hingegen … er ignorierte seine Abstammung zu gerne, was auch zu einem gewissen Maße an den Konflikten mit seiner Familie lag. 
Ob Dante auch dämonische Bedürfnisse fühlte? Egal, was sein Job als Dämonenjäger ihm bedeutete und wie viele er im Zuge seiner Aufträge tötete, er war nie unnötig grausam. Und was wusste sie schon über andere Dämonen, außer, wie man ihnen am effizientesten den Kopf abriss? 
Man konnte sicherlich nicht leugnen, dass die niederen dämonischen Kriecher, deren Individualität stark eingeschränkt war, die mehr gedankenlose Werkzeuge, Mittel zum Zweck für Höherrangige, als sonst was waren, bloß ihren Instinkten folgten. Sie fühlten sich angezogen von Angst, Verzweiflung, starken, negativen menschlichen Emotionen und natürlich von Macht. Kaum mehr als Parasiten, aber eindeutig Wesen mit elementaren dämonischen Bedürfnissen. Doch wie stand es um die höher entwickelten Dämonen? Empfanden sie den bohrenden Hunger, dieselbe innere Leere, die nur die Lebenskraft eines anderen Wesens stillen konnte? Oder hungerten sie nach anderen Dingen?
Gedankenverloren drehte Lariza das Wasser ab, stieg aus der Wanne und wickelte sich in ein Handtuch.
Victor war von einem nicht sonderlich kreativen Motiv getrieben – nämlich von dem Streben nach Macht. Aber lag das in seiner (halb-)dämonischen Natur, oder daran, dass er seiner Mutter nacheiferte, die zufälligerweise auch noch eine legendäre Kriegerin war? Und Dante ließ eventuelle dämonische Bedürfnisse kaum durchblicken. Macht interessierte ihn nicht, seine Position in der Hierarchie der Dämonenwelt stieß ihn eher ab, als dass er sich um seine Rehabilitierung oder den sozialen Aufstieg dort sorgte. 
Das einzige, wobei sie ihm seine unmenschliche Veranlagung anmerkte, war, wenn er seinen obskuren Jobs nachging, Dämonen aufspürte, ihnen nachstellte und sie tötete. Der zufriedene Ausdruck auf seinem Gesicht, das schiefe, gelassene Grinsen und er schien in diesen Situationen nie Angst zu empfinden.
Sie seufzte leise und wrang das Wasser aus ihrem rot-goldenen Haar. Einige Tropfen liefen von ihren Schultern herab und trafen fast lautlos auf den Fliesen auf.
Lariza hatte sich nie sonderlich motiviert gefühlt, sich Gedanken über ihre Herkunft oder ihr Wesen zu machen. Doch was sie nun nicht mehr losließ war, dass Dämonen als solche geboren wurden, aus Eiern schlüpften, oder woher auch immer die kleinen Dämonen kamen, während sie selbst gewaltsam zu einer infernalen Kreatur gewandelt worden war. Sie grinste kurz, als sie sich vorstellte, wie man das Thema wohl im Aufklärungsunterricht unterbringen konnte.
Sie war als Mensch geboren und dann zu dem Wesen gemacht worden, das sie bis heute war. Irgendwie dämonischer Natur, irgendwie auch nicht, da sie sich noch vage daran erinnern konnte, wie es war, menschlich zu sein, was das Gefühl absoluter Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein bedeuteten. Nicht zuletzt war ihre Erinnerung, wie es sich anfühlte, sterblich zu sein, ja durch einen niederträchtigen Zauber vor nicht allzu langer Zeit aufgefrischt worden. Der Gedanke an diese unangenehme Zeit entlockte ihr ein tiefes Seufzen.
Aber im Grunde war sie selbst kaum weniger parasitär als der durchschnittliche Kriecher – sie ernährte sich von der Lebenskraft anderer Lebewesen, ja, nicht nur Menschen, sondern auch von Dämonen. Was sie jedoch unterschied, war, dass sie in den meisten Fällen vernunftbegabt und nicht nur auf ihre reinen, animalischen Instinkte reduziert war. Zumindest behauptete sie das gerne. 
Sie selbst, einst ein Mensch, nun ein Dämon, gehörte zu keiner Seite so wirklich dazu. Beinahe so wie gewisse Halbdämonen aus ihrem Bekanntenkreis.
War das der Grund, dass Victor sie so sehr verachtete, Dante sie jedoch nicht verurteilte? 
Sie lachte laut auf. Ach, es lag wohl eher daran, dass sie eine Augenweide war und liebenswert und klug obendrauf. Und sie war durchaus in der Lage, Ekstase in ihrem Opfern hervorzurufen und ihnen so im Ausgleich auch etwas Positives zurückzugeben. 
„Alles okay da drin?“, durchdrang eine vertraute Stimme plötzlich ihre Gedanken. 
Lariza konnte sich fast nicht schnell genug in ein Höschen schlüpfen und ein überlanges, sauberes Shirt überstreifen, um das Bad zu verlassen. Übermütig fiel sie ihrer Tochter um den Hals. Sie war so in Gedanken gewesen, dass ihr Nahen überhaupt nicht in ihr Bewusstsein gedrungen war. 
„Wo hast du deine ruhigere Hälfte gelassen?“
Finja machte eine entsprechende Kopfbewegung: „Unten, bei seinem peinlich berührten Onkel.“ 
Die Vampirin eilte die Stiegen hinunter ins Wohnzimmer und erfasste die Situation mit einem Blick. „Könnt ihr euch nicht wenigstens eine Sekunde lang wie eine normale Familie benehmen?“
Gideon hockte am Boden und kraulte Puschel unter dem Kinn, Dante zuckte nur mit den Schultern, als ihr Blick ihn streifte. Mit einem Stirnrunzeln registrierte Lariza, dass der Dämonenjäger bereit wirkte, wieder auszugehen. Natürlich, seine Tätigkeit nahm ihn oft nachts ein, soweit war nichts daran verwunderlich. Ihr verriet es jedoch, dass er Finjas Besuch nicht erwartet hatte. Er trug eine schwarze Lederjacke über dem dunklen Shirt und bei näherer Betrachtung fiel ihr auf, dass er unbewaffnet war. Vielleicht doch kein Job, sondern ein Date. Nun, das würde jetzt wohl warten müssen.
„Normale Familie? Du meinst aufgrund all der normalen Dinge, die hier so passieren? Dämonenkönige, Bürgerkriege und der ganze andere Mist?“, erkundigte Dante sich gelassen. 
„Nicht zu vergessen, dämonische Schwerter zu Geburtstagen“, fügte Gideon hinzu. 
„Dazu noch der Umstand, dass deine Mutter eine Hexe ist. Nichts für ungut.“ Dante grinste breit. 
„Und deine Schwiegermutter und deine Partnerin Blutsauger?“, hakte Finja mit hochgezogener Augenbraue nach. 
Gideon löste seinen Blick vom Zombieschaf und richtete sich auf, wobei er die Hände an seiner Hose abwischte. Puschels Verwesungsprozess mochte zwar aufgehalten worden sein und auch dem Gestank war Einhalt geboten worden, doch trotzdem war es gewöhnungsbedürftig, die schwarze, blutverkrustete Wolle des Schafes zu berühren. Vor allem, wenn man die Tatsache berücksichtigte, dass sie sich stellenweise samt Haut vom Fleisch gelöst hatte.
Als Finja einen Arm um seine Taille legte, stellte er ein schiefes Grinsen zur Schau, das ihn jünger wirken ließ. 
Dante verpasste Larizas Handrücken einen leichten Klaps, als er den Blick bemerkte, mit dem sie die beiden maß. „Halt dich zurück, Shortcake!“, wisperte er ihr spöttisch zu. 
„Aber ich hab‘ doch nichts …“, fing die Vampirin entrüstet an, sich zu verteidigen, doch er packte nur ihre Hand packte und zog sie in die Küche. Die Tür fiel dumpf hinter ihnen ins Schloss. Der Dämonenjäger ergriff sie an den Schultern und schob sie einen Schritt von sich weg, sodass er sie und vor allem ihre Fänge besser im Blick behalten konnte. „Und deswegen musterst du ihn wie ein Stück Fleisch?“
„Doch nicht wie ein Stück Fleisch, eher wie eine besonders appetitliche Blutkonserve.“ 
Dante musterte sie nur stumm und schüttelte sacht den Kopf. „Du bist unverbesserlich.“
„Nicht unverbesserlich, nur triebgesteuert.“ Sie setzte den unschuldigsten Gesichtsausdruck ihres Repertoires auf, der normalerweise nur der Vertrauensgewinnung ihrer Opfer und Situationen, in denen sie unbedingt etwas wollte, vorbehalten war. Sie legte eine Hand auf seine Brust und ein flüchtiges Grinsen huschte über ihre Züge, das ihre Grausamkeit kurz durchblitzen ließ. Die Vampirin stellte sich auf die Zehenspitzen, ihr Gesicht näherte sich langsam seinem. Lasziv entgegnete sie: „Ach komm schon, Dante, sei kein Spielverderber.“ 
Dantes Hände legten sich um die schmale Taille der Vampirin. Er seufzte auf, als ihre Finger sich in sein silbernes Haar gruben. „Erstens weißt du, dass diese Masche bei mir nicht zieht und zweitens hält niemand deine Spiele sonderlich lange aus, Dämon hin oder her.“
Enttäuscht vergrößerte Lariza mit einem Schritt zurück die Entfernung zwischen ihnen. „Mach mich nicht schlechter als ich bin. Und ich hatte wirklich nicht im Sinn, ihn anzurühren.“
„Liz, ich bin vermutlich die letzte Person auf der Welt, die dir erklären sollte, was richtig ist und was nicht“, erklärte er leise, „aber selbst du solltest wissen, dass …“
„Ich hoffe, dass ihr unseren Besuch nicht als Anlass für sexuelle Eskapaden in der Küche nehmt!“, unterbrach Finja seinen Vortrag. 
„Tut mir leid, dich enttäuschen zu müssen, Liebes“, beantwortete Lariza die provokante Frage ihrer Tochter. Energischer als notwendig stieß sie die Tür ins Wohnzimmer auf und rauschte mit schwingenden Hüften an Finja vorbei, um sich aufs Sofa sinken zu lassen. „Und da hatte ich fast vergessen, dass wir dein erlesenes Vokabular geprägt haben“, spöttelte Lariza, während sie lasziv die Beine überschlug und Dante, der soeben den Raum betrat, einen vielsagenden Blick zuwarf. 
„Erlesenes Vokabular? Echt, Mum?“ Als Finja so herausfordernd lächelnd ihr blondes Haar zurückstrich, konnte man die Ähnlichkeit zwischen ihr und ihrer Mutter beim besten Willen nicht mehr leugnen. 
„Ich habe meine Sprache nur an mein gegebenes Umfeld und den aktuellen Zeitgeist angepasst. Glaub´ nicht, dass wir so geredet hätten, als ich in deinem Alter war.“ Lariza sprach nur selten über ihre Zeit als Mensch, Witze darüber machte sie dafür umso häufiger. 
„Du hörst dich nun wirklich an, wie eine alte Frau“, amüsierte Finja sich. 
„Ja, ja, die Jahrhunderte …“
„… machen einen eben seltsam“, wurde sie von Dante, Finja und Gideon simultan unterbrochen. 
Lariza strahlte über das ganze Gesicht. „Ihr hört mir ja doch zu!“
Dante rieb sich mit Zeigefinger und Daumen über die Augen. Wie er schon gesagt hatte, unverbesserlich. 
„Wenigstens könnte Victor sich so nicht über deine Ausdrucksweise beklagen.“ Gideon schien ein wenig von seiner Zurückhaltung abgelegt zu haben. Vielleicht tat es ihm auch gut, etwas Distanz zu seinem fanatischen Vater gewonnen zu haben. 
„Ach, glaub mir, mein Lieber, Victor findet immer etwas an mir, das er bemängeln könnte – dabei bin ich doch nahezu perfekt. Außerdem, solange er nicht von seinem hohen Ross heruntersteigt, hat er es nicht anders verdient, als dass ich ihm regelmäßig die Hölle heiß mache. So ein anmaßender Angeber.“ Die letzten Worte hatte Lariza gemurmelt. An ihrem Verhältnis zu Victor war vermutlich wirklich nichts mehr zu verbessern, es sei denn, einer von beiden würde sich von Grund auf ändern und das war illusorisch. 
„Jedenfalls hat er im Moment viel zu tun. Damnatio ist politisch irrelevant geworden, Nisha ist wieder in der Hierarchie nach oben gerückt“, erklärte Finja mit vor der Brust verschränkten Armen. Sie war mit Gideons Vater ebenfalls nie sonderlich warm geworden, alleine deswegen, weil er alles, was sie verkörperte, hauptsächlich die Nachkommin Larizas, grundsätzlich ablehnte. 
„Natürlich sind nicht alle restlos davon begeistert, aber das gibt Victor ausreichend Gelegenheit, sich mit anderen Problemen als unserer Beziehung zu beschäftigen“, fügte Gideon erklärend hinzu 
Lariza lachte bei dem kühlen Ton in der Stimme ihrer Tochter leise auf – Victor war in den letzten Jahren wohl nicht unbedingt beliebter geworden.
„Aber es hat auch nicht so schöne Folgen“, fügte Gideon kryptisch an, während er Finja einen vielsagenden Blick zuwarf. Diese ließ ein leises Seufzen verlauten. „Ob Dämonen Damnatio oder Nisha vergöttern, macht leider echt kaum einen Unterschied.“ 
Lariza runzelte die Stirn. „Lass mich raten, noch mehr von diesen hohlen Nüssen, die meinen als kleine Arschkriecher Macht von anderen abgreifen zu können?“
Gideon zuckte mit den Schultern. „Ja und nein.“ 
Dante, der bis jetzt mit verschränkten Armen am Türrahmen zur Küche gelehnt hatte, gähnte demonstrativ. „Können die sich nicht mal was Neues einfallen lassen? Irgendwann sollte man doch den Punkt erreichen, an dem man durchschaut, dass es nie funktioniert.“
Lariza konnte ihr Lachen nicht mehr zurückhalten. „Hast du diesen Vortrag deinem reizenden Bruder schon gehalten?“, kicherte sie.
„Victors zweifelhafte Einstellung tut hier nichts zur Sache. Ich höre so einiges im Palast, was ihm oder Nisha niemand gegenüber eingestehen würde. Einige von Damnatios Speichelleckern sind auf ihre Seite übergelaufen, noch mehr, seit du, Lariza …“ Er brach ab, als Finjas Finger sich in seinen Arm gruben. „Sie wollen eine starke Herrscherin, jemanden, unter dem sie sich sicher fühlen und daran glauben können, dass sich diese Sache mit Damnatio nicht wiederholt. Und ob das jetzt Nisha ist, oder Lariza, ist ihnen egal. Gerüchte über euch haben Wellen geschlagen, bei Dämonen und Menschen. Sie rotten sich zusammen.“
„Oh nein, sag nicht, schon wieder Kultisten.“ Dante wirkte absolut entgeistert, was nicht verwunderlich war. Die Legenden über die Heldentaten seiner Mutter, die bis in die Menschenwelt vorgedrungen waren, waren in den letzten Jahrzehnten zwar zusehends in Vergessenheit geraten, trotz allem fanden sich sowohl unter Menschen als auch unter Dämonen immer wieder fanatische Anhänger, oder diejenigen, die seine und Victors Abstammung etwas zu ernst nahmen. Natürlich mochte Victor das etwas anders sehen, er hielt nämlich im Gegenteil zu Dante sehr viel von seiner dämonischen Herkunft.
„Ich habe so schon mehr als genug zu tun, diverse verlorene Schäfchen von der letzten Dämoneninvasion zu erledigen“, ließ Dante in kühlem Ton verlauten. Ein hohles Blöken erklang in Kniehöhe. „Kann Puschel mich etwa wirklich verstehen?“
Das untote Schaf blickte ihn bloß aus seinen gebrochenen Augen an, während seine Kiefer weiterhin ein Stück Fleisch bearbeiteten, dass es aus sonst wem gebissen hatte. 
„Keine Sorge, mein kleines Puschelchen, wenn jemand dich loswerden will, muss er zuerst an mir vorbei.“ Puschel blökte abermals und wandte dem Gespräch demonstrativ den Rücken zu. „Sie ist eben sensibel“, verteidigte Lariza das Verhalten ihres Haustiers.
„Ich habe auf jeden Fall weder Zeit noch Laune, mich mit irgendwelchen religiösen Fanatikern herumzuschlagen, die meine nutzlose Mutter oder einen der anderen Dämonenlords aus welchem Grund auch immer für die Krone der Schöpfung halten. Es reicht schon, dass ich mich mit einem Bruder arrangieren muss, der dieselben Starallüren hat.“
Lariza lehnte sich auf der Couch vor und stützte ihre Arme auf den Oberschenkeln ab. „Ja, nicht mal bezahlter Weise wäre das die Art von Fall, den du ohne Diskussion annehmen würdest.“ 
Dante nickte.
„Wir wollten damit auch auf nichts Bestimmtes hinaus. Es ging nur darum, dass ihr wisst, wie es sich gerade entwickelt, hier und drüben“, verteidigte Gideon ihr Gesprächsthema.
„Schon gut. Wir hatten nur mit Dämonen-verehrenden Irren schon genug zu tun und es ist wirklich jedes Mal dasselbe.“ Lariza streckte sich demonstrativ und gähnte. „Also kein Grund, dich gleich von Dantes mangelnder Begeisterung verunsichern zu lassen, mein Kleiner.“ Die Vampirin schwang ihre Beine auf die Couch und überschlug sie, während sie sich genüsslich räkelte. 
Gideon schüttelte nur grinsend den Kopf und trat näher an Finja heran, um ihre Hand zu ergreifen. Die Vampirin hielt ihn scheinbar immer noch für den Jungen, den sie vor all den Jahren kennengelernt hatte. Und sie schien zu unterschätzen, wie viel er durch Finja über ihre Verhaltensmuster wusste. 
Finja strich zärtlich durch sein silbernes Haar, während ihr Gesicht sich seiner Wange näherte. Ohne zu zögern, leckte sie darüber, was ihn zu einem breiten Grinsen veranlasste. „Siehst du, Mum, meins!“
Lariza lachte leise. „Ja, du bist eindeutig meine Tochter, außerdem hatte niemand hier das je angezweifelt, Liebes.“ 
Dante zog bloß eine Augenbraue hoch, enthielt sich aber eines Kommentars. Larizas Launen waren sehr unberechenbar und wechselhaft und es gab Momente, in denen man keine Auseinandersetzung riskierte.  Wenn auch der einzige Grund gerade war, dass Finja involviert wäre und er kannte sie seit ihrer Geburt und hatte ihr gegenüber einen ausgeprägten Beschützerinstinkt entwickelt. Der flüchtige Blick, den Lariza ihm zuwarf, sagte ihm auch genau, dass es ihr aufgefallen war. Sie mochte hoffnungslos selbstverliebt sein, aber ihre Tochter kam auch für sie an vorderster Stelle. Und ihre laszive Art war eben … Sie war eben eine Jägerin.
„Und ich glaube nicht, dass Gideon sich dir so einfach wegnehmen lässt. Manchmal macht er den Eindruck, als wäre er an dir angewachsen.“ 
„Ich fasse das jetzt mal als Kompliment auf.“ Etwas anderes fiel Gideon dazu nicht ein. Finja hauchte einen flüchtigen Kuss auf seinen Handrücken und drückte seine Hand etwas fester. 
Lariza strahlte übers ganze Gesicht. „Wenn ich daran denke, wie ich in dem Alter so war.“ Sie kicherte ausgelassen und strich ihr langes Haar zurück. 
„Wie warst du?“, hakte Finja nach und ließ sich neben ihrer Mutter, die bereitwillig ihre Beine herunterschwang, auf die Couch sinken, wobei sie Gideon einfach mit sich zog. Vielleicht konnte sie ihrer Mutter mal etwas mehr über ihre Jugend entlocken, wenn sie in so einer redseligen Stimmung war. 
„Hm“, machte Lariza und legte den Zeigefinger an die Unterlippe. „Als wäre das so einfach zusammenzufassen. Ich war tot, jeder, den ich gekannt hatte, war tot.“ Sie grinste, als ihre Tochter sie betroffen ansah. „Woran ich nicht ganz unschuldig war. Hast du Frankenstein gelesen?“ Lariza legte den Kopf schief und überschlug ihre Beine. „Der Schöpfer erschrak, als er sah, wie entsetzlich die Kreatur, die er geschaffen hatte, war, und ließ sie zurück.“ Ihr Lächeln schien vollkommene Unschuld auszustrahlen, aber der Blick ihrer grünen Augen war hart, als sie ihn über die Anwesenden schweifen ließ und sich dann auf ihre im Schoß gefalteten Hände konzentrierte. „Die Schöpfung weiß nicht genau, was ihr Zweck ist und verfolgt den Meister, der sie abermals ablehnt, weil er vor ihrer Grausamkeit erschrickt. Und schließlich tötet sie alle, die ihm lieb sind, verdammt ihn dazu, in absoluter Verzweiflung und Einsamkeit zu verrecken.“ Larizas Lächeln nahm einen grausamen Zug an. „Unsere Art gilt nur als niedere Dämonen und genauso wie diese lästigen, elendigen Kriecher, die Dante und ich so häufig vernichten, treten Vampire meistens in Gruppen auf.“ Lariza kicherte leise und blickte von ihren Händen auf. „Ich finde ihre strenge Hierarchie allenfalls lästig. Es gab eine Phase in meinem Leben, da war mein einziges Vergnügen möglichst viele Vampire aufzuspüren und sie zu vernichten.“ Sie sah Dante ernst an. „Fast wie du. Nur ohne nervige Verwandtschaft.“
„Wieso?“, fing Finja an, wurde jedoch aber sofort von Lariza unterbrochen, die ihre Frage gar nicht abwarten wollte. 
„Ich war ein junges Ding, hübsch, naiv und sehr gewöhnlich. Wie die meisten jungen Mädchen dachte ich, dadurch einen Vorteil gegenüber meiner Konkurrenz im Dorf zu haben und durch eine gute Partie meinem Elternhaus zu entkommen.“ Sie legte ihre Hand auf die ihrer Tochter, als diese sehr betroffen wirkte. „Jetzt schau nicht so. Es waren komplett andere Zeiten.“ Lariza grinste aufmunternd. „Und du brauchst dir nicht einbilden, dass ich damals eine wehrlose kleine Magd oder ähnliches war, die auf dem Schloss eines charismatischen Grafen lebte und sich ihm in hauchdünnen Nachthemden als Mitternachtssnack anbot. Was für ein billiges Klischee.“ Ihr Blick wanderte durch den Raum, als sie die Reaktionen der Anwesenden einzuschätzen versuchte. „Außerdem hat er bekommen, was er verdient hat. Die Müllerstochter hat den Kopf des Grafen bekommen und lebte von da an glücklich und in Sünde bis ans Ende der Zeit, oder so. Und das war jetzt genug Märchenstunde für heute.“ Die Vampirin legte ihre Hand in einer vertraulichen Geste auf die Wange ihrer Tochter und lächelte ihr aufmunternd zu. „Und jetzt mach nicht so ein mitleidiges Gesicht, als wäre mein Leben schrecklich gewesen. Es gab vornehme Bälle und alles, was so zum Vampir-Klischee gehört. Wenn ich es laut ausspreche, war es vielleicht doch schrecklich. Als gäbe es keine andere Art und Weise sich zu amüsieren, wenn man mit solchen Kräften ausgestattet ist. Das ist auch einer der Punkte, der mich immer schon an ihrer Gesellschaft genervt hat. Sie waren nie sonderlich einfallsreich oder kreativ. Und viele von ihnen waren einfach nur nett anzusehen, aber wirklich hohl.“ 
„Und wir alle wissen, wie kreativ du in mancher Hinsicht bist und wie … unkonventionell“, wandte Dante grinsend ein. 
„Hey, was ich mit meinen Opfern tue, ist Kunst!“
„Es tut mir leid, dass mich ich diese Details deiner Jugend etwas schockieren. Aber du bist ja auch kaum dazu zu bewegen, darüber zu reden.“ Ein leicht schmollender Unterton lag in Finjas Stimme. 
Lariza strich über das blonde Haar ihrer Tochter: „Es ist wirklich nichts Besonderes, Honey.“ Sie schüttelte leicht tadelnd den Kopf. „Wenn es mich nicht sonderlich interessiert, sollte es auch sonst keinen kümmern. Wie heißt es so schön? Ich bin nicht, was mir passiert ist, sondern was ich mich deswegen zu werden entschieden habe.“ 
Dante grinste sie breit an: „Eine Psychopathin?“
Lariza warf ein Kissen zielsicher in sein Gesicht, ehe sie sich wieder Finja zuwandte. „Aber deswegen wollte ich immer, dass du dich vor unsereins in Acht nimmst. Ich musste ja aufpassen, dass du nicht auch in ihren Reihen aus Rüschenhemden und archaischer Geschmacklosigkeit endest.“ Somit war das Thema für Lariza beendet, was sie den anderen klarmachte, indem sie sich aufrichtete und ausgiebig streckte. „Und du, mein Lieber, solltest besser deine Zunge im Zaum halten, du könntest sie nur allzu schnell verlieren.“
Ihre spielerische Drohung veranlasste Dante nur zu einem lauten Lachen. „Und vor kurzem habe ich noch deine Kreativität gelobt.“
Kapitel 2
Lariza zog sich tiefer in die Schatten zurück. Durch ihre schwarze Kleidung war sie mit der Dunkelheit, die sich in Torbögen und Nischen der hohen Fassaden schmiegte, verschmolzen und beinahe unsichtbar. Der schnelle Atem ihres Opfers toste beinahe ohrenbetäubend in ihren Ohren und der Geruch der Angst war das verlockendste Parfum, das es ihr schwer machte, sich in Geduld zu üben und die Jagd noch länger auszukosten. Die Dämonin, die sie zur Vergnügung des Abends auserkoren hatten, wusste, dass sie da war und drehte sich immer wieder nach ihr um. Lariza liebte den Teil jedes Jobs, den Dante ihr gelegentlich überließ, in dem sie ihre Zielperson aufspüren und verfolgen durfte.
Die Vampirin hätte ihr Opfer einholen können, wenn sie gewollt hätte, doch so machte es ihr viel mehr Spaß. Sie zog sich auf ein glitschiges Dach zu ihrer linken und rannte los. Mit Leichtigkeit überwand sie die Abgründe zwischen den Dächern. Ihr lautes Lachen hallte von den Wänden wider, als sie unmittelbar vor ihrem Ziel auf den feucht glänzenden Pflastersteinen aufkam und der Dämonin ein zuckersüßes Lächeln schenkte. Diese stieß einen leisen Schrei aus und wich zurück, bis sie die Mauer in ihrem Rücken fühlen konnte und wusste, dass sie verloren war. Die Vampirin ergriff den Mast einer Straßenlaterne, deren Licht in kupfernen Spiegeln vom Boden reflektiert wurde, umtänzelte sie vergnügt, ehe sie sie losließ und sich weiter auf die Frau zubewegte. Es fiel ihr nicht schwer, sie als das zu erkennen, was sie war – selbst, wenn sie sich in eine menschliche Gestalt gehüllt hatte. Doch die Vampirin konnte die Kraft fühlen, die in ihren Venen resonierte. 
Die Dämonin sah sich nach einem Ausweg um, suchte nach einer Möglichkeit, ihr zu entkommen, doch Larizas eiskalter Blick fesselte sie. „Versuch es erst gar nicht, meine Kleine.“ Larizas Stimme war leise, aber trotz allem deutlich, als sie auf ihr Opfer zutrat. Die Vampirin ergriff sie beinahe sanft, um sie an sich heranzuziehen. „Hast du Angst vor mir?“, wisperte sie ihr zu, die grünen Katzenaugen halb geschlossen und voller Vorfreude. Die Frau zitterte und ein Wimmern kam über ihre Lippen, was Lariza bloß mit zu einem süffisanten Grinsen veranlasste. Sie genoss noch für einen Moment die Panik, die ihr Opfer verströmte, ehe sie ihr Haar zurückstrich, um ihren Hals freizulegen. Ihre samtigen Lippen schmiegten sich an ihre warme Kehle. Ein Moment reinster, erwartungsvoller Spannung verging, ehe Larizas Fänge die Haut durchdrangen. Heißes Blut strömte ihr entgegen, während die Lebenskraft der Dämonin allmählich versiegte.
Und plötzlich hielt Lariza inne und ließ von ihrem Opfer ab, das sie nur durch ihre innige Umarmung auf den Beinen hielt. Die Frau stöhnte leise. 
„Shht, meine Kleine“, machte Lariza und suchte mit kaltem Blick ihre Umgebung ab. Dieselbe Präsenz wie am Vorabend, registrierte sie enerviert. 
Sie ließ die Dämonin los, die entkräftet zu Boden sank und wandte sich ihrem Verfolger zu. „Du fängst allmählich an, mir auf die Nerven zu gehen.“ Ihre Stimme hatte einen lasziven, einlullenden Ton angenommen: „Wieso kommst du nicht aus deinem Versteck und wir klären das ein für alle Mal?“ Die Vampirin legte aufmerksam den Kopf zur Seite. „Oder bist du der Typ, der mich einfach nur beobachten und daran aufgeilen will, wie ich meinen Opfern das Leben nehme und hast zu viel Sorge, von Angesicht zu Angesicht von meiner vollkommenen Schönheit geblendet zu werden?“ Ihre Zunge glitt über ihre Fänge, ehe sie ein grausames Lachen verlauten ließ. „Na komm schon. Trau dich. Sonst muss ich zu dir kommen und glaub mir, du willst nicht, dass ich dich gewaltsam aus deinem Versteck zerre.“ Oh, dieser Abend versprach nun doch noch, interessant zu werden. Einem Außenstehenden mochte gar nicht auffallen, dass sie trotz ihrer entspannten und lässigen Art ihre Umgebung und vor allem ihren Verfolger sehr genau sondierte.
Entgegen Larizas Erwartung nahmen ihre feinen Sinne zaghafte und vor allem unregelmäßige Schritte wahr. Er hinkte? 
Sie war fast enttäuscht, dass er auf ihre herausfordernden Worte reagierte und sich nun doch zeigte. Es wäre ihr lieber gewesen, sie hätte ihm ein bisschen nachstellen können, bevor sie seine Absichten aus ihm heraus kitzelte. 
Die Vampirin stützte die Hand in die Hüfte und strich mit der anderen ihr seidiges Haar zurück. Gut, dann würde sie eben auf andere Art und Weise auf ihre Kosten kommen müssen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit und Lariza war nicht unbedingt mit Geduld gesegnet, trat er endlich aus dem Schatten. Bei ihrem Verfolger handelte es sich um einen Mann, den sie auf um die vierzig schätzte. Er hatte seine mahagoniroten Locken zwar sorgfältig aus seinem Gesicht gekämmt, aber sie waren augenscheinlich schwer zu bändigen. Er war gut gekleidet, in einen Dreiteiler von einem so dunklen Blau, dass er beinahe schwarz wirkte, darüber einen Trenchcoat, um sich vor dem Nieselregen zu schützen und passte optisch so ganz und gar nicht in diese Umgebung. 
Lariza maß ihn abschätzig. „Du bist nicht ganz, was ich mir vorgestellt habe“, kommentierte sie amüsiert. 
„Du bist dafür genau, was ich mir vorgestellt hatte.“ Ein leichtes Zittern lag in seiner Stimme, vielleicht teils von Furcht, teils von Aufregung. Seine Finger schlossen sich fest um den Griff des Stockes, auf den er sich schwer stützte, doch seine olivgrünen Augen leuchteten und er brach den Blickkontakt zu ihr keinen Moment, als sie sich ihm näherte. Der Mann machte jedoch zwei unsichere Schritte zurück, worauf sie in der Bewegung verhielt und ihn neugierig maß.
„Ich meine … du bist … perfekt.“ Seine Stimme wurde langsam leiser. 
„Danke, das wusste ich bereits“, antwortete sie grinsend. 
„Nein, ich meinte“, sein Blick huschte nervös über ihren Körper, „du bist, wie man dich beschrieben hat.“ 
„Wer hat mich dir beschrieben?“ Als sie diesmal näher an ihn herantrat, entfernte er sich nicht. Trotzdem machte er den Eindruck, als hätte er sich lieber woanders befunden. Er sah über ihre Schulter flüchtig zu ihrem zusammen gesunkenen Opfer und schluckte schwer. 
„Deine Artgenossen“, beeilte er sich zu antworten, als sie ungeduldig mit der Zunge schnalzte.
Trotzdem packte Lariza ihn grob an der Kehle, wobei sie sich trotzdem bemühte, ihm nicht gleich den Kehlkopf zu zerquetschen. „Was hast du mit ihnen zu schaffen?“ Ihre Stimme klirrte vor Kälte.
„Lass mich los und ich erzähle dir alles“, brachte er nur mühsam und abgehackt hervor. Er trat einen Schritt von ihr zurück, wobei sein Gehstock einen hohlen Laut auf dem Pflaster der Straße machte, hielt aber sofort inne, als sie ein leises, bedrohliches Knurren verlauten ließ. 
Er hustete gequält, ehe er auf ihre Forderung einging. „Mein Name ist Matthew Sanders. Doktor Matthew Sanders, wenn man es genau nimmt. Ich unterrichte Geschichte und“, er zögerte, „anderes an der Universität, der Goetia Akademie.“ 
Lariza verschränkte die Arme vor der Brust und hob eine Augenbraue an. „Und, soll ich jetzt beeindruckt sein?“
Ohne auf ihre Zwischenbemerkung einzugehen, fuhr er fort. „Es gibt Überlieferungen … eine Menge Überlieferungen. Alte Dokumente, Briefe und Kodizes“, erklärte er kryptisch.
„Und weiter? Lass dir nicht alles aus der Nase ziehen, Doktor“, fuhr Lariza ihn spöttisch an.  
„Lass es mich so ausdrücken. Deine Artgenossen haben einiges, was sie über dich in Erfahrung bringen konnten, notiert.“
Lariza wirkte nun eindeutig entgeistert. „Wo sind diese Notizen über mich, Matt?“ Bis jetzt hatte ihre Stimme noch ihren lasziven, charmanten Unterton getragen, doch jetzt wurde sie eindeutig bedrohlich. 
„Ich hätte mir nie erträumt, dich in Fleisch und Blut sehen zu dürfen.“ Seine Augen leuchteten. 
Lariza wurde indessen ein wenig übel bei der Vorstellung, was andere Vampire für Informationen über sie geteilt hatten und was Matthew jetzt über sie wissen konnte. Ihre Hand packte ihn am Kragen seiner Jacke. Seine Finger streiften indessen ihre Wange, er zog sie jedoch bei der zartesten Berührung schon wieder fast erschrocken zurück. „Du bist warm?“
„Ich habe gerade gegessen.“ Sie grinste flüchtig und machte eine Kopfbewegung zu ihrer kürzlichen Mahlzeit hin. Ihre Hand löste sich wieder von seinem Kragen, als ihr auffiel, dass sie so fest zugegriffen hatte, dass er fast den Bodenkontakt verlor. Sie sollte sich besser kontrollieren, wenn sie den Grund ihrer unfreiwilligen Berühmtheit möglichst schnell ausmerzen wollte. Und sie war sich noch nicht sicher, ob der Blick, mit dem er sie maß, ihr gefallen sollte. 
„Du bist das perfekte Raubtier.“ Bei der Bemerkung von Matthew brach Lariza in schallendes Lachen aus. 
„Matt, es ist ja wundervoll, wenn du mich den ganzen Abend mit Komplimenten überschütten willst“, sie beruhigte sich von ihrem kurzen Gefühlsausbruch wieder und verschränkte abermals die Arme vor der Brust, „aber wenn du wirklich so viel über mich gelesen hast, wie du vorgibst, solltest du wissen, dass ich nicht viel davon halte, wenn diverse Informationen über mich nach außen dringen.“ Ein Anflug von Grausamkeit huschte abermals über ihre Züge, verschwand jedoch wieder, als sie hören konnte, wie Matthews Puls sich merklich beschleunigte. 
„Wenn du mich tötest, wirst du nie erfahren, wo ich sie aufbewahre.“ Er bemühte sich merklich seine Fassung zu wahren. Matthew verlagerte sein Gewicht, vermutlich um sein Bein zu entlasten und richtete mit einer vehementen Bewegung den Revers seiner Jacke, den ihre unsanfte Behandlung zerknittert hatte.
„Ich könnte es einfach in deinen Gedanken lesen“, entgegnete sie mit einem Grinsen. 
„Nein, könntest du nicht.“ Seine Stimme war plötzlich um vieles selbstsicherer geworden. Sie griff nach seinem Geist und ließ ein überraschtes Geräusch verlauten, als sie gegen eine mentale Mauer prallte. „Ich weiß alles, was deinen Artgenossen über deine Fähigkeiten bekannt war und darüber hinaus, alles über ihre. Denkst du wirklich, ich wäre so naiv und hätte mich nicht auf unser Zusammentreffen vorbereitet?“
Lariza grinste. Sein steigendes Selbstbewusstsein gefiel ihr. Sie konnte ihn in all seine anatomischen Einzelteile zerlegen, ohne sich dabei auch nur im Geringsten anzustrengen und trotzdem hatte er sich die Mühe gemacht, sich gegen ihre mentalen Kräfte zu schützen? Und mehr noch, gegen Kräfte, die sie selbst erst vor wenigen Jahren für sich ergründet hatte?
Er musterte sie abermals mit dieser Mischung aus Faszination und der Angst einer Maus, die sich einer Schlange gegenübersah. „Man geht nicht unbewaffnet in die Höhle des Löwen“, fuhr er mit fester Stimme fort. 
Lariza nickte anerkennend, die Lippen weiterhin zu einem süffisanten Grinsen verzogen. 
„Ich wusste aus ihren Erzählungen, dass es sich bei dir um eine absolut perfekte Jägerin, ein perfektes Exemplar deiner Rasse handeln muss. Ich wusste nur nicht, ob du es bis heute überstanden hast.“ 
Ihre Augenbraue hob sich abermals fragend. „Was meinst du?“ 
„Die meisten von euch sind nach einigen Jahrhunderten ihrer Existenz verschwunden. Einige schon nach wenigen Jahren.“ Er wurde von Larizas Lachen unterbrochen und maß sie dafür strafend, wie er es wohl tun würde, wenn er einen seiner Studenten zurechtwies. „Und ich rede nicht von denen, die du auf dem Gewissen hast.“ 
„Oh“, machte Lariza einfach. 
Es passierte nicht oft, dass ihr die Worte fehlten, doch jetzt war sie kurz sprachlos. 
„Ich habe da so meine Theorien“, fuhr er fort. 
„Und die wären?“, hakte sie nach. 
„Oh, das verrate ich dir nicht einfach so.“ 
Lariza verdrehte enerviert die Augen. Ach, einer von der Sorte, der der Meinung war, er könne sie jetzt erpressen und hätte sie wegen ein paar Informationen voll und ganz in seiner Hand. 
„In Ordnung. Mach’s gut.“ Sie wandte sich demonstrativ um und ging zu ihrem Opfer zurück. Sie konnte den schwachen Pulsschlag der Frau hören. Mit einer grazilen Bewegung ließ sie sich neben der Dämonin in die Hocke sinken und strich beinahe zärtlich durch ihr Haar, wobei ihr natürlich bewusst war, dass Matthew sie so genau beobachtete, wie es ihm mit seiner Sicht in dieser Dunkelheit möglich war. 
„Wir können uns morgen Abend treffen“, drang seine Stimme durch die Stille. 
Lariza grinste. Es war ja so klar gewesen. Ihr kleiner Stalker wollte sie nicht so einfach gehen lassen. 
„Ich komme nach Sonnenuntergang. Wird das Gartentor versperrt sein?“
Lariza entfuhr ein leises Keuchen. Dieser verdammte … Kerl wusste, wo sie lebte? Wie lange verfolgte er sie bereits? Ihre Hand ballte sich unbewusst zur Faust. 
In neutralem Ton antwortete sie: „Ich werde es offenlassen.“
Es bereitete ihm keine Mühe, die schwere Türe zu dem unbeleuchteten Raum aufzubrechen. Er war zwar noch nie an diesem spezifischen Ort gewesen, doch waren sie alle sehr ähnlich und es brauchte nicht viel Fantasie, sich auf die leicht veränderten Umstände einzustellen. 
Seine Hand strich flüchtig das silberne Haar zurück, während ein bitteres Lächeln über sein Gesicht huschte und er mit einer wuchtigen Bewegung eine der vielen in die Wand eingelassenen, metallenen Luken öffnete. Die erste war leer, bei der zweiten jedoch war seine Suche bereits mit Erfolg gekrönt. Sein blasses Gesicht war ausdruckslos, als er den leblosen Körper musterte, der nun vor ihm aufgebahrt lag. Seine Forschung war noch nicht weit genug fortgeschritten, dass weitere Faktoren wie etwa das Geschlecht der Leiche eine Rolle spielen würden, jedoch konnte es schon bald so weit sein. Er schulterte den Körper mühelos und machte sich nicht einmal die Mühe, den Raum in seinem ursprünglichen Zustand zu hinterlassen. Es würde schnell genug auffallen, dass eine der Leichen fehlte.
Die Sonne war noch nicht lange untergegangen, als ein verhaltenes Klopfen an der Haustür von Matthews versprochenem Besuch zeugte. Lariza hatte keine Eile, ihm zu öffnen. Sie hielt sich mit keiner langen Begrüßung auf und schmiegte sich an den Türrahmen, als er sich an ihr vorbei zwängte und das Haus betrat, wobei er den Eindruck erweckte, überflüssigen Körperkontakt vermeiden zu wollen. 
Sie seufzte leise und schloss die Tür, ehe sie an ihm vorbei trat und ihn ins Wohnzimmer führte. „Also, wo sind diese Dokumente?“, fing sie ohne weitere Umschweife an. 
Matthew maß den Couchtisch vor ihren Beinen mit einem kritischen Blick. Lariza verdrehte die Augen und entfernte diverse Pizzakartons, die Dante darauf hinterlassen hatte und machte sich sogar die Mühe ihn sauber zu wischen. Matthew lehnte seinen Gehstock an die Couch und legte einen Koffer auf dem Tisch ab. Seine Bewegungen machten einen feierlichen und fast zeremoniellen Eindruck. Dann ließ er sich langsam auf die Couch sinken, das linke Bein entlastend, während Lariza ihn schweigend beobachtete und es ihm schließlich gleichtat. Mit einer routinierten Handbewegung öffnete er den Koffer, entnahm ihm eine weiche Unterlage, um sie zu entfalten und auf dem Tisch auszubreiten. 
Er schüttelte den Kopf, als Lariza Anstalten machte, nach dem Inhalt des Koffers zu greifen, streifte Handschuhe über und ergriff ehrfürchtig einige sorgfältig verpackte Briefe und dünnere, in Leder gebundene Bücher, die er auf das schützende Tuch legte.
Lariza beobachtete ihn ohne sichtbares Interesse. „Sind das alle?“, erkundigte sie sich kühl. 
„Oh, bei weitem nicht. Du bist eine Berühmtheit.“ 
Sie konnte ihr Grinsen nicht zurückhalten. Zaghaft streckte sie die Hand nach einem der Briefe aus. „Den habe ich geschrieben.“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein zartes Wispern. 
Matthew reichte ihr ein Paar Handschuhe. Sie warf ihm einen abwertenden Blick zu, ehe sie sich erbarmte und sie überzog. „Es sind antike Dokumente, auch wenn du noch älter bist. Entsprechend sollte man sie auch behandeln.“ 
„Willst du damit sagen, ich sei antik?“ 
Matthew sah sie erschrocken an. Er hatte es nicht darauf angelegt, ein Wesen wie Lariza unnötig zu provozieren. Aber dann sah er das amüsierte Funkeln in ihren Augen und entspannte sich etwas. „Nein, ich … ich meinte …“ 
„Wie behandelt man antike …?“, hakte sie nach, wurde von ihm aber sofort unterbrochen. 
„Mit Respekt natürlich und Vorsicht.“ Seine Antwort entlockte ihr ein helles Lachen.
Sie ergriff den Brief, den sie zuvor als ihren erkannt hatte und drehte ihn in den Händen. Auf der Rückseite war zwar blass, aber immer noch leicht erkennbar, die Clansinsignie sichtbar. 
„Du weißt über die Beschaffenheit dieses Briefes?“, erkundigte sie sich mit einem schiefen Grinsen. 
„Oh, es ist kein normales Pergament. Es ist Haut, die du einem Mitglied deines Clans abgezogen hast, um deinem … Meister eine Nachricht zukommen zu lassen.“ Bei dem Wort ‚Meister‘ blitzte es in ihren Augen kurz wütend auf, doch sie ließ ihn weiterreden. „Die Tätowierung mit dem Wappen ist gut erhalten und noch deutlich zu erkennen.“ Er hob den Blick von dem Brief und musterte Lariza sehr ausgiebig, als versuche er abzuschätzen, wie weit er gehen konnte, bevor es für ihn gefährlich wurde. 
„Du weißt es und trotzdem sitzt du jetzt hier?“  Lariza wirkte nun eindeutig amüsiert. „Du hast dich wissentlich auf ein Treffen mit jemandem eingelassen, der sein Briefpapier aus Leuten schneidet?“ 
Er überging ihren Einwurf. „Nun, die Wissenschaft ist sehr weit. Wir lesen Manuskripte nicht nur, sie werden auch nach anderen Kriterien untersucht.“ 
„Und deswegen weißt du, dass das hier nicht die Haut einer Kuh ist“, Lariza nickte anerkennend. 
„Deine Worte“, er zögerte abermals und nahm ihr zögerlich den Brief aus der Hand, „sind so voller Hass. War das, bevor du ihn umgebracht hast? Du hast geschrieben, es wäre sonst niemand mehr übrig.“ 
Lariza legte demonstrativ die Hand, aus der er ihr dieses Dokument ihrer Vergangenheit genommen hatte, auf ihren Oberschenkel und versuchte entspannter zu wirken, als sie in Wirklichkeit war. Ihre Gedanken wanderten zurück zu dieser schicksalsträchtigen Nacht, in der sie endlich die letzten ihrer Drohungen in die Tat umgesetzt hatte. „Nicht ganz. Es gab außer mir noch einen Vampir desselben Blutes. Ihr Name war Lukrete.“ Sie lächelte unschuldig. „Ein bezauberndes, junges Ding, so wie ich es gewesen war.“
„Sie wirds nirgends erwähnt. Was wurde aus ihr? Vampirjäger?“
Lariza legte demonstrativ den Kopf zur Seite, als müsse sie einen Moment ernsthaft nachdenken. Sie biss sich auf die Unterlippe und ihre Fingerspitzen strichen über ihren Oberschenkel. „Ich behielt sie für einige Zeit.“
Er legte den Brief zurück und presste seine Handfläche auf die Tischplatte, um ein Zittern zu unterdrücken. Lariza machte so einen jugendlichen, unschuldigen Eindruck, aber wenn sie beiläufig Bemerkungen, wie diese eben machte …
Matthews Fachgebiete mochten sich zwar auf Geschichte und alte Literatur beziehen, jedoch hatte er sich mit genügend Fachwerken der Psychologie auseinandergesetzt, um zu wissen, dass ihre vampirische Natur nicht das einzige war, wovor er sich in Acht nehmen musste.
„Liz?“, drang eine Stimme aus dem oberen Stockwerk zu ihnen herunter.
„Hallo? Gewissen, bist du es?“, antwortete sie in gespielter Überraschung. „Du hast schon seit Jahrhunderten nicht mehr mit mir geredet. Womit hab ich diese Ehre verdient?“
„Lariza, lass die Scherze.“ Dante machte einen ungeduldigen Eindruck, als er mit nacktem Oberkörper, ein zusammengeknülltes Shirt in einer Hand, die Stiegen ins Wohnzimmer herunterpolterte. Sein Haar war nass, offensichtlich hatte ihn etwas beim oder unmittelbar nach dem Duschen ausgiebig enerviert und Lariza war sich sicher, ausnahmsweise nicht die Schuld zu tragen. „Obwohl ich mir, wenn ich genau darüber nachdenke, gar nicht mehr sicher bin, ob das ein Scherz war. Wo hast du dein Gewissen eigentlich angebaut?“ Ein flüchtiges Grinsen huschte über Dantes Gesicht, als er den Blick wahrnahm, mit dem sie ihn maß. Matthews Existenz ignorierte er dabei vollkommen. 
Lariza wandte sich umso demonstrativer an Matthew: „Siehst du, worunter ich tagtäglich leiden muss? Aber es ist eine sehr gute und berechtigte Frage“, antwortete sie amüsiert. Sie zog die Beine in den Schneidersitz und legte ihre Hände auf die Knie. „Scheinbar haben sich einige Leute die Mühe gemacht, jedes erdenkliche Märchen darüber aufzuschreiben.“ Sie kicherte. „Und unser lieber Doktor hier drüben hat sich dann noch mehr Mühe gemacht, jedes noch so unwichtige Detail über mich zusammenzutragen.“ Sie deutete auf Matthew, der sich deutlich unwohl in seiner Haut fühlte. „Meine Heldentaten sind berühmt und sie sind scheinbar genau die Sorte Gruselgeschichte, mit der man kleine Vampire erschreckt.“ 
Dante lachte auf. „Das hätte ich dir auch ganz ohne Doktortitel verraten können.“ 
Lariza wirkte fast gekränkt. „Willst du nicht die amüsanten Geschichten hören, die sich meine Artgenossen über mich erzählt haben?“ Sie deutete auf den Stapel auf dem Tisch.