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Joachim Gardemann schildert Begegnungen und Erfahrungen eines Facharztes für Humanitäre Hilfe des DRKs, die er weltweit in Krisengebieten gesammelt hat. Er beschreibt Menschen in existenziellen Notsituationen, die an der Grenze zu Ruanda einen Genozid traumatisiert überlebt haben. Menschen, die vor Bürgerkriegen im Kongo geflohen oder dem Kosovokrieg entronnen sind. Er zeichnet das Leid von Menschen im Iran, in China und Haiti nach, denen schwere Erdbeben Angehörige und alle Habseligkeiten genommen haben. Menschen, die den Wirren der Bürgerkriege im Sudan und in Syrien entflohen sind, begegnet er in Momenten größter Zerbrechlichkeit und im Schutz und Schmutz eines Flüchtlingslagers in Jordanien. In anrührenden Porträts skizziert er Opfer der Tsunamikatastrophe in Sri Lanka. Die Verheerungen, die die Ebola-Epidemie in Sierra Leone angerichtet hat, schildert er eindrücklich. Denen, die an Ebola gestorben sind, die im Kampf gegen Ebola als Ärzte und Pflegende ihr Leben gelassen haben und den Davongekommenen setzt er ein würdiges Denkmal. Er liefert eine weise Antwort auf die Frage «Warum helfen?» in humanitären Krisensituationen notwendig und ein Gebot der Mitmenschlichkeit ist. Seine Aquarelle und Porträts von Menschen nehmen sich Zeit für sie, würdigen ihr schweres Leiden und trotzen allen Verwüstungen mit einer Poesie des Tuns.
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Seitenzahl: 83
Veröffentlichungsjahr: 2022
Joachim Gardemann
Humanitäre Hilfe
Begegnungen mit notleidenden Menschen
Mit Aquarellen des Autors
Humanitäre Hilfe
Joachim Gardemann
Wissenschaftlicher Beirat Programmbereich Pflege
André Fringer, Winterthur; Jürgen Osterbrink, Salzburg; Doris Schaeffer, Bielefeld; Christine Sowinski, Köln; Angelika Zegelin, Dortmund
Joachim Gardemann, Prof. Dr. med. MPH
FH Münster, Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe
Johann-Krane-Weg 23
48149 Münster
https://www.fh-muenster.de/humanitaere-hilfe/
E-Mail: [email protected]
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Lektorat Pflege
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3012 Bern
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Tel. +41 31 300 45 00
www.hogrefe.ch
Lektorat: Jürgen Georg, Martina Kasper, Fabienne Suter
Herstellung: Daniel Berger
Umschlagabbildung: Stefan Trappe, Berlin https://www.trappe-foto.de/about-contact/
Umschlag: Claude Borer, Riehen
Illustrationen (Aquarelle/Zeichnungen): Joachim Gardemann
Satz: punktgenau GmbH, Bühl
Format: EPUB
1. Auflage 2022
© 2022 Hogrefe Verlag, Bern
(E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-96228-3)
(E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-76228-9)
ISBN 978-3-456-86228-6
https://doi.org/10.1024/86228-000
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“No one is useless in this world who lightens the burdens of another.”
Charles Dickens (1865, Doctor Marigold‘s prescriptions)
Widmung
Zitat/e
Vorwort
Aquarelle statt Fotos
Dank
Illustrationen und Erlebnisse
1 Eine Mahlzeit
2 Ein weißes Kind
3 Kopfschuss
4 Ein alter Mann
5 Schulkreide
6 Nächtliche Geburt
7 Ein Krankenhaus
8 Grenzkontrolle
9 Kaiserschnitt
10 Gedenktag
11 Bittende Hände
12 Ein roter Ball
13 Ein eigener Friedhof
14 Warum helfen?
Literaturverzeichnis
Der Autor
Sachwortverzeichnis
Unter allen Organisationen der humanitären Nothilfe nimmt das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK, international ICRC abgekürzt) besonders bei bewaffneten Konflikten eine Sonderstellung als Völkerrechtssubjekt und Schutzmacht ein. Die seit 1864 in den Genfer Konventionen verbindlich niedergelegten Grundsätze ermöglichten erstmals die unmittelbare Versorgung der Opfer von Krieg und Gewalt.
Die Rotkreuzprinzipien der Menschlichkeit, Unparteilichkeit und Neutralität bieten dabei bis heute das sittliche und rechtliche Fundament für die Sicherung und Wiederherstellung von Würde und Gesundheit der Opfer nach dem Maß der Not allein.
Nach dem Ersten Weltkrieg trat an die Seite des IKRK die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC), die sich als weltweite Solidargemeinschaft aller nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften gegenseitige Unterstützung in Situationen nichtkriegerischer Katastrophen leisten. Sitz beider Organisationen ist Genf.
Die Aquarelle in dieser Schrift illustrieren Begegnungen und Eindrücke aus den folgenden internationalen Nothilfeeinsätzen mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) und der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC). Alle im Text abgebildeten Aquarelle wurden vom Autor gemalt.
Ngara in Tansania, an der Grenze zu Ruanda von August bis Oktober 1995, wo in der Folge des Genozids und des Bürgerkrieges in Ruanda mehr als 500 000 Menschen aus Ruanda Zuflucht fanden.
IFRC
(2° 29‘ 40“ S, 30° 39‘ 46“ O)
|10|Kigoma in Tansania im August und September 1998, wo sich infolge der Bürgerkriege mehr als 50 000 Flüchtlinge aus dem Kongo und aus Burundi aufhielten.
IFRC
(4° 53‘ 38“ S, 29° 37‘ 48“ O)
Lager Brazda nördlich von Skopje in Mazedonien im April und Mai 1999, wo infolge des Kosovo-Krieges über 40 000 Flüchtlinge aus Kosovo lebten.
IFRC
(42° 4‘ 34“ N, 21° 23‘ 8“ O)
Bam in der Provinz Kerman in der Islamischen Republik Iran von Dezember 2003 bis Februar 2004 nach dem schweren Erdbeben vom 26. Dezember 2003 mit 40 000 Toten, 70 000 Wohnungslosen und 30 000 Verletzten.
IFRC
(29° 5‘ 40“ N, 58° 20‘ 14“ O)
Dujiangyen in der Provinz Sichuan in der Volksrepublik China im Mai und Juni 2008 nach dem Erdbeben vom 12. Mai 2008 mit 70 000 getöteten und über 300 000 verletzten Menschen.
IFRC
(30° 56‘ 40“ N, 103° 36‘ 23“ O)
Carrefour bei Port au Prince in Haiti im Januar und Februar 2010 nach dem Erdbeben vom 12. Januar 2010 mit geschätzten 200 000 Toten und 300 000 Verletzten.
IFRC
(18° 32‘ 4“ N, 72° 24‘ 36“ W)
Flüchtlingslager bei Al Azraq in Jordanienim Juni und Juli 2014 mit über 30 000 Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien.
IFRC
(31° 49‘ 42“ N, 36° 46‘ 55“ O)
Ebola-Behandlungszentrum Kenema in Sierra Leone im Oktober und November 2014.
IFRC
(7° 53‘ 9“ N, 11° 11‘ 10“ O)
Flüchtlingslager Abshok nahe El Fasher in der Provinz Darfur der Islamischen Republik Sudan im Juni und Juli 2004 mit über 50 000 Bürgerkriegsflüchtlingen.
ICRC
(13° 37‘ 47“ N, 25° 21‘ 3“ O)
Putthukudiyiruppu im abtrünnigen Tamilengebiet im Nordosten von Sri Lanka im Januar und Februar 2005 nach dem verheerenden Tsunami vom 26. Dezember 2004 mit 40 000 Todesopfern alleine in Sri Lanka.
ICRC
(9° 18‘ 53.7“ N, 80° 42‘ 54“ O)
„Du kannst nie wissen, wofür du das später noch einmal wirst brauchen können.“ So die Antwort meiner Mutter auf meine Frage im Grundschulalter, warum sie mich zum abendlichen Zeichen- und Malunterricht an der Volkshochschule angemeldet hatte. Bis zum Abschluss meiner Schulzeit besuchte ich danach in jedem Winter einen weiteren Kurs und konnte so allmählich verschiedene Techniken der Illustration kennenlernen. Fast vierzig Jahre später und nach nur gelegentlich angefertigten Landschafts- und Blumenaquarellen fand ich mich dann in meinem ersten internationalen humanitären Einsatz als Kinderarzt für das Rote Kreuz im Grenzgebiet von Ruanda und Tansania wieder. Um meine Erlebnisse auch im Bild festzuhalten und vielleicht auch, um sie selbst besser verarbeiten zu können, begann ich damit, abends kleine Skizzen in mein Tagebuch zu zeichnen (Abb. 0-1).
Abbildung 0-1: Vor den Aquarellen waren es nur Skizzen: a) Bewaffnete Soldaten in der Stadt. b) Kinderstation im Zelt. c) Improvisierter Krankentransport im Sudan 2004.
Besonders die Momente der ersten Begegnungen mit meinen kleinen Patienten auf dem Arm von Mutter oder Vater berührten mich immer wieder.
Nach meiner Rückkehr arbeitete ich meine Skizzen und gelegentlich auch Fotos dann zu Aquarellen um. Zu späteren Hilfseinsätzen nahm ich dann schon Aquarellkarton und einen winzigen Reisefarbkasten mit, um gleich vor Ort auch farbig arbeiten zu können (Abb. 0-2). Nur in der Gluthitze des sudanesischen Darfur funktionierte die Aquarelltechnik nicht so gut, da das Wasser auf dem Papier immer sofort verdunstete. Anders als Fotografien ermöglichten die Zeichnungen und Aquarelle mir, Betroffene auch angesichts katastrophaler Lebensumstände immer würdevoll abzubilden und ihre Persönlichkeitsrechte zu wahren.
Innerhalb von 25 Jahren als Einsatzkraft im Dienst der internationalen humanitären Hilfe des Roten Kreuzes sind so zahlreiche kleine Illustrationen und Portraits entstanden, die meinen ganz persönlich gefärbten Blick auf notleidende Menschen eröffnen (Abb. 0-3).
Abbildung 0-2: Mein kleiner Reisefarbkasten und ein Skizzenbuch in Jordanien 2014 (Foto: J. Gardemann)
Abbildung 0-3: Krankheiten, Hunger und Not im Sudan 2004.
Für die großzügige und vielfältige Unterstützung des vorliegenden Buchprojektes danke ich dem DRK-Landesverband Westfalen-Lippe in Münster und dem DRK-Blutspendedienst West in Ratingen und natürlich der Hogrefe-Verlagsgruppe in Bern, hier ganz besonders Herrn Jürgen Georg und Frau Martina Kasper.
In den folgenden dreizehn Berichten werden Erlebnisse aus Einsätzen der humanitären Hilfe in Afrika, Asien, der Karibik und Europa nach Naturkatastrophen und kriegerischen Auseinandersetzungen beschrieben. Die persönlichen Eindrücke des Autors, von ihm festgehalten in Skizzen und Aquarellen, verdeutlichen eindrucksvoll die katastrophalen Lebensumstände und die Not der Menschen und unterstreichen zusammen mit den Berichten die Notwendigkeit, humanitäre Hilfe zu leisten (Abb. 0-4)
Abbildung 0-4: Im Sudan des Jahres 2004 herrscht unbeschreibliches Elend.
Ngara in Tansania, an der Grenze zu Ruanda von August bis Oktober 1995, wo in der Folge des Genozids und des Bürgerkrieges in Ruanda mehr als 500 000 Menschen aus Ruanda Zuflucht fanden.
IFRC (2° 29‘ 40“ S, 30° 39‘ 46“ O)
Im August 1995 habe ich die kostbarste und dabei auch die köstlichste Mahlzeit meines Lebens genossen. Nicht während einer Feier oder in einem Gourmet-Tempel, sondern in einer jämmerlichen Behausung im Herzen Afrikas. Zu dieser Zeit arbeitete ich als Kinderarzt für das Internationale Rote Kreuz im Behelfslazarett eines Flüchtlingslagers namens Benaco nahe Ngara an der Grenze zwischen Ruanda und Tansania (Abb. 1-1). Während und nach dem schrecklichen Völkermord in Ruanda waren hunderttausende Menschen dorthin über die Grenze geflohen und lebten nun zusammengepfercht unter schrecklichsten Umständen. Von meinen kleinen Patienten der Kinderstation starb regelmäßig jeder fünfte. Es waren nicht genug Nahrungsmittel verfügbar, um die weltweit vereinbarten 2100 Kilokalorien pro Kopf zu erreichen. Deshalb mussten sich die Lagerinsassen mit durchschnittlich 1700 Kilokalorien und sieben Litern Wasser täglich begnügen. Wohlgemerkt, dieses Wasser musste als Getränk und zur Hygiene ausreichen und die Kalorien gab es seit einem Jahr ausschließlich in Form von Mais und weißen Bohnen, sonst gab es nichts (Abb. 1-2).
Benaco war nur eines von insgesamt fünf großen Flüchtlingslagern an der Grenze zu Ruanda mit Namen wie Lumasi, Musuhura, Lukole, Kitali und eben Benaco. Dieses rätselhafte Wort war geprägt worden durch die abblätternden Buchstaben einer Firmenaufschrift auf einem italienischen Autowrack am Straßenrand, in dessen Schatten sich erste Flüchtlinge niedergesetzt hatten. Dem Genozid
