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Lachen ist die beste Medizin Dieses Buch bringt Erkenntnisse und Anregungen über Humor in der Pflege, die den Umgang mit Patient:innen und Bewohner:innen deutlich verbessern können. Mit seiner 30-jährigen Erfahrung als ROTE NASEN-Clowndoktor richtet sich der Autor sowohl an Pflegepersonen in Ausbildung und Praxis als auch an alle, die mehr über die Wirkungsweisen von Humor erfahren und ihr Humorpotenzial erweitern möchten. Unterhaltsam und wunderbar menschlich geschrieben bietet dieses Buch unzählige inspirierende Ideen, wie man Humor auf liebevolle und erfrischende Weise in Beruf und Alltag einfließen lassen kann.
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Seitenzahl: 177
Veröffentlichungsjahr: 2025
Hannes Urdl
Humorvoll pflegen
Hintergrundwissen und Impulse für die Pflegepraxis
Hannes Urdl
ist Gesundheitsclown, Musiker und Workshopleiter. Er schöpft aus seiner 30-jährigen Erfahrung als Clowndoktor der ROTEN NASEN und hält Fortbildungen zu den Themen Humor, Burnout-Prävention und positiver Umgang mit Stress sowie persönlicher Leitungsstil im Mittleren Pflegemanagement.
Eine geschlechtergerechte Schreibweise wird in diesem Buch vorwiegend durch die Verwendung der Schreibung mit Stern * realisiert. Ist eine korrekte, alle Endungen berücksichtigende Schreibung auf diese Weise nicht möglich oder erfordert sie Ergänzungen, die den Lesefluss hemmen, so werden – stellvertretend für alle Geschlechter – die weibliche und männliche Form abgewechselt.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. Alle Angaben in diesem Fachbuch erfolgen trotz sorgfältiger Bearbeitung ohne Gewähr,
eine Haftung des Autors oder des Verlages ist ausgeschlossen.
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und der Verbreitung sowie der Übersetzung, sind vorbehalten.
1. Auflage 2025
Copyright © 2025 Facultas Verlags- und Buchhandels AG
facultas Verlag, 1050 Wien, Österreich
www.facultas.at, [email protected]
Umschlagfoto: Evheniia Vasylenko, iStock
Satz: Florian Spielauer, Wien
Lektorat: Laura Hödl, Wien
Druck: Facultas Verlags- und Buchhandels AG
Printed in the EU
ISBN 978-3-7089-2531-8
E-ISBN 978-3-99111-936-4
Inhalt
Vorwort
Warum ich dieses Buch schreibe
Humor als Lebenselixier – eine Einleitung
Humor – eine innere Haltung
Humor: Definitionen, Einsichten und Erhellendes
Wozu ist Humor imstande?
Humortheorien und gelebte Praxis
Die Entlastungstheorie
Die Soziologische Theorie
Die Inkongruenztheorie
Die Überlegenheitstheorie
Die Spieltheorie
Über das Lachen
Lächeln
Physiologische Auswirkungen des Lachens
Lachyoga
Die fünf Lachstufen
Lachen: Der Praxisteil
Humorarten in der Pflegepraxis
Sanfter Humor
Intellektueller Humor
EXKURS:
Humorentwicklung bei Kindern und Jugendlichen
Schwarzer Humor
Humor in der Pflege – ein Booster für Kommunikation und Wohlbefinden
Humorvoller Umgang mit Patient*innen
Die Liegende Acht ∞
Der Ablauf humorvollen Geschehens – eins nach dem anderen
Spüren, wie es mir geht.
Wie geht es den anderen, welche Atmosphäre herrscht im Raum?
In Aktion treten, ausdrücken, was zu tun oder zu sagen ist.
Aufnehmen, wie es ankommt, und entsprechend reagieren.
Humorvoller Umgang mit sich selbst
Humorvoller Umgang mit Kolleg*innen
Ihr persönlicher Humorstil
Die Humoranamnese
Reflexion des eigenen Humorstils
Humorinterventionen und -impulse für den Pflegealltag
Trainingsprogramm für Ihre Humorfertigkeiten
Was kann ich für mehr Humor im Spitals- und Pflegealltag tun?
Was kann ich als Leitung ermöglichen?
Humor im Pflegeheim
Humortechniken
Die Dreierregel
Die Übertreibung
Die Variation
Tempoänderungen
Neue Zusammenhänge
Scherzfragen, Zungenbrecher, Wortverdrehungen, lustige Sprüche, Nonsens-Reime
Sprachspiele
Running Gag
Inspirationen aus der Clownswelt
Präsenz
Selbstliebe und Selbstachtung
Akzeptanz
Instinkt
Wachheit
Fokuswechsel
Der Blick fürs Komische
Absichtslosigkeit
Verspieltheit
Empowerment
Gehirnregionen und ihre entsprechenden Ausdrucksformen des Humors
Das Stammhirn
Das Limbische System
Der Neocortex
Ausblick
Literaturverzeichnis
Dank
Vorwort
„Lache, wenn es zum Weinen nicht reicht.“ Dieses Zitat nach Herbert Grönemeyer habe ich vor vielen Jahren in einem Sprüchekalender zu Beginn meiner Karriere als Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin gelesen. Damals habe ich für mich beschlossen, diesen Satz als mein persönliches Mantra für mein (berufliches) Leben zu verinnerlichen. Über 20 Jahre durfte ich aktiv am Krankenbett auf einer chirurgischen Intensivstation arbeiten. Viele Situationen haben mich tatsächlich an meine physischen und psychischen Grenzen gebracht. Mein Mantra hat mir stets dabei geholfen, Patientinnen und Patienten oder deren Angehörigen trotzdem ein Lächeln abzugewinnen.
Inzwischen leite ich eine Akademie für Gesundheitsberufe. Hier „menschelt“ es auch manchmal ordentlich. Ich habe mir mein Mantra auch für meine Teilnehmerinnen und Teilnehmer bewahrt. Lachen, das verinnerlicht wird, führt zum Strahlen unserer Mitmenschen. Beobachten Sie Ihre Mitmenschen genau. Eine Begegnung mit einer Strahlefrau oder einem Strahlemann löst im Gegenüber etwas aus. Positive Vibes, Verunsicherung, manchmal auch Angst. Der Autor des Buches trägt dieses Strahlen auch in sich. Vielleicht verinnerlicht durch seine langjährige Tätigkeit bei den ROTEN NASEN, vielleicht lediglich durch die Freude in der Begegnung mit Menschen: Who knows?
Gerade die Clownerie versucht, das innere Strahlen zu erwecken, das so viel bewirken kann: eine Krankheit leichter auszuhalten, den Heilungsprozess zu beschleunigen oder ein paar unbeschwerte Momente in einen Alltag zu bringen, der von Belastungen zu sehr dominiert scheint.
Humor in der Pflege ist weit mehr als nur Unterhaltung. Er stellt eine tiefere Verbindung her, die auf Empathie, Mitgefühl und Respekt basiert. Ich erinnere mich an zahlreiche Gespräche mit dem Autor, in denen er die transformative Kraft des Humors betonte. Er erzählte von Patientinnen und Patienten, deren Augen durch den Besuch eines Clowns wieder zu leuchten begannen, und von Pflegekräften, die durch das gemeinsame Lachen neue Energie schöpften. Diese Geschichten zeigen, wie Humor und Lachen helfen, eine Brücke zwischen Medizin, Pflege und Menschlichkeit zu schlagen.
Die Freude, die durch Humor in die Pflege gebracht wird, ist nicht nur für die Patientinnen und Patienten von Bedeutung, sondern auch für die Pflegekräfte selbst. In einer oft belastenden Arbeitsumgebung kann der humorvolle Umgang miteinander helfen, die Stimmung zu heben und den Teamgeist zu stärken. Lachen ist eine universelle Sprache, die über Barrieren hinweg verbindet und heilt.
Dieses Buch wird dazu beitragen, dass Pflegende den Humor als wertvolles Werkzeug vielfältig nutzen können, um den Arbeitsalltag mit den ihnen anvertrauten Menschen lustiger zu gestalten. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen und Entdecken der wunderbaren Welt des Humors. Möge dieses Buch neben dem Autor auch Sie zum Strahlen bringen.
Herzlichst
Karoline Riedler, BSc MSc
Leiterin der Akademie für Gesundheitsberufe des ÖGKV LV Steiermark
Präsidiumsmitglied des ÖGKV
Vorstandsmitglied des ÖGKV LV Steiermark
Warum ich dieses Buch schreibe
Meine Reise in die Gegenwart
In meinen jungen Jahren spielte ich leidenschaftlich Schlagzeug, leitete Percussionworkshops und Großgruppentrommelevents an. Ich hatte immer schon Freude daran, mit Menschen gemeinsam kreativ zu sein und sie zu unterhalten, auch später als Schauspieler und Kabarettist. Die Liebe zur Gitarre öffnete mir die Tür zur instrumentalen Gitarrenmusik sowie zu ernsten und humorvollen Liedern. Als junger Erwachsener entdeckte ich schließlich die Clownerie und schloss mich den ROTEN NASEN an. Diese Arbeit ermöglichte es mir, meine kreativen und unterhaltsamen Talente auf besondere Weise in die oftmals sehr berührenden Begegnungen mit Menschen einzubringen. Aufregend und neu war für mich die Erfahrung, die transformative Kraft des Lachens und Humors im Krankenhaussetting hautnah zu erleben und mitzugestalten dürfen.
Die prägende Kraft der Clownerie
Diese zahlreichen Erlebnisse in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen haben mich zutiefst menschlich geprägt und bereichert. Über drei Jahrzehnte als Gesundheitsclown haben mir nicht nur ein tiefes Verständnis für das Funktionieren von Gesundheitseinrichtungen ermöglicht, sondern auch die Erkenntnis geschenkt, wie hilfreich Humor für den Genesungsprozess ist.
Mit großer Leidenschaft teile ich heute meine Erfahrungen und Reflexionen als Gesundheitsclown mit Menschen in helfenden und pflegenden Berufen. Ich unterstütze sie dabei, ihr eigenes Humorpotenzial zu erkennen, es weiterzuentwickeln und in ihren Berufsalltag einfließen zu lassen. Dieses Buch richtet sich sowohl an Pflegepersonen in Ausbildung und Praxis als auch an alle, die mehr über die Hintergründe und Wirkungsweisen von Humor erfahren möchten.
Die Geschmacksrichtungen des Humors
Das Buch ist, wenn Sie so wollen, eine prall gefüllte Obstschale, die ich für Sie mit Erkenntnissen aus verschiedenen Bereichen der Humorforschung gefüllt habe. Diese Erkenntnisse erläutere ich anhand zahlreicher, wunderbar menschlicher Anekdoten aus der Pflege. Weiters finden Sie im Buch eine Fülle an Humortipps aus der Praxis für die Praxis. Zudem gibt es anregende Inspirationen aus der Welt der Gesundheitsclownerie sowie einige seltene Früchte aus meinem philosophischen Garten: Empathissen, Poesinen und Humorillen.
Greifen Sie zu und genießen Sie den Geschmack des Humors in all seinen Facetten!
Humor als Lebenselixier – eine Einleitung
Da Sie dieses Buch in Ihren Händen halten, nehme ich an, dass Humor für Sie wohl eine besondere Bedeutung hat. Er bringt uns zum Lachen, sorgt für psychische und physische Entspannung, hilft uns, emotionalen Druck abzulassen, und lässt uns die Verbundenheit mit anderen Menschen spüren.
Mit Humor haben Sie einen Schlüssel zur Lebensfreude in der Hand. Er wirkt belebend und erfrischend, wie ein Elixier, das Ihren Tag erhellt.
In diesem Buch finden Sie eine Vielzahl an Anregungen, um Ihren Sinn für Humor zu schärfen. Nutzen Sie diese Kraft, um Ihren beruflichen Tagesablauf mit humorvoll-stimmigen Momenten zu würzen und so die Kommunikation mit Ihren Mitmenschen auf freudige Weise zu vertiefen.
Humor ist ein Survival-Tool
„Ohne Humor würde ich das alles nicht schaffen.“ Diesen Satz höre ich immer wieder vom Pflegepersonal, egal ob in Pflegeeinrichtungen oder im Spital.
Frisch von der Ausbildung kommend landen Sie nun bei Ihrer ersten Arbeitsstelle. Dort stellt sich die Herausforderung: „Das, was ich gelernt habe, lässt sich hier nicht eins zu eins umsetzen. Plötzlich bin ich dafür verantwortlich, was ich tue. Es wird hier zum Teil auch anders „gemacht“, als ich es in der Ausbildung gelernt habe.“ Nun geht es darum, mit diesen neuen Herausforderungen umzugehen. Sie lernen und beginnen, Ihren eigenen Stil zu entwickeln, wie Sie Aufgaben bewältigen.
Nach einiger Zeit meldet sich die Psyche oder der Körper oder gleich beide: „Wenn ich das alles so machen soll wie gefordert, dann weiß ich nicht, wie ich das auf Dauer schaffen werde.“ Die Gründe dafür können vielfältig sein: eine unzureichende Einschulung, ein herausfordernder Stationsalltag, wenig bis keine Kolleg*innen, mit denen Sie sich gut verstehen und die Ihnen Halt geben.
Natürlich kann es auch sein, dass die Leitung toll und motivierend, das Klima auf der Station nett und die Arbeit mit den Patient*innen befriedigend ist. Irgendwo dazwischen werden wohl Ihre persönlichen Erfahrungen liegen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird für Sie etwas zum Thema, das auch Thema dieses Buches ist.
„Wenn ich mir alles zu Herzen nehme, was hier geschieht, dann weiß ich nicht, ob ich das auf lange Sicht bewältigen kann.“ In dieser Phase der Identitätsfindung arrangieren Sie sich mit den gegebenen Umständen und entwickeln Strategien zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben. Neben guten Kolleg*innen und einer gerechten Stationsleitung, die ein offenes Ohr für individuelle Lebensumstände hat, ist die humorvolle Betrachtung von Ereignissen und der scherzhafte, freundliche Umgang miteinander eine große Kraftquelle. Diese hilft, schwierige Momente besser zu bewältigen, schafft eine entspannte Atmosphäre und führt zu vermehrten Flowerlebnissen. „Man ist öfter im Fluss“, wie so mancher Fisch sagen würde, wenn er sprechen könnte. Kurzum: Sie fühlen sich rundum wohler.
In dieser Phase wird der Grundstein dafür gelegt, den Job langfristig gut und mit Freude auszuüben. Sie entwickeln Ihren persönlichen Stil, Ihr Selbstvertrauen wächst und auch Ihre Fähigkeit, sich von emotionalisierenden Begebenheiten abzugrenzen. Sie finden Ihren eigenen Umgang mit der erforderlichen Empathie und der notwendigen Distanzierung, die beide unverzichtbar sind. Auf diese Weise finden Sie Freude am Beruf und werden zum Profi.
Die vielen Facetten des pflegerischen Humors
Bei vielen verschiedenen Ausprägungen dieser „entwickelten und gut im Job gelandeten“ Pflegepersonen ist Humor eine fixe Ressource. Sei es die ruhige Gesundheits- und Krankenpflegerin, die einfach ihre Arbeit tut und manchmal zur freudigen Überraschung ihrer Umgebung sehr treffende Bemerkungen macht, oder der bunt gekleidete, quirlige Pflegefachassistent, der sein Herz auf der Zunge trägt und bei den Bewohner*innen des Pflegeheims besonders beliebt ist. Als besonders warmherzig erweist sich auch die Pflegeassistentin mit Migrationshintergrund, die ihre Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache durch besonders gestenreiche Gespräche kompensiert. Sie schafft es, auch zu in sich gekehrten Bewohner*innen eine vertrauensvolle Nähe herzustellen.
Oder auch der Arzt, der einen Anruf eines Kollegen entgegennimmt:
Anrufender Arzt: „Grüß Gott, bin ich jetzt in Graz?“
Angerufener: „Ob Sie in Graz sind, das weiß ich leider nicht.“
Anrufender: „Oh, dann bin ich wohl falsch verbunden.“ Legt auf. (Biemann, 2021)
Angerufener: Grinst.
Ich kenne viele Pflegende, bei denen sich Humor auf sehr unterschiedliche Art und Weise zeigt. Sie nehmen sich selbst oder andere liebevoll „auf die Schaufel“, kommentieren problembehaftete Situationen trocken oder trösten einfühlsam, indem sie spielerische Momente aus der Kindheit in die Begegnung einbringen. Eine zentrale Eigenschaft des Humors ist seine Fähigkeit, Kommunikation zu fördern und Beziehungen zu vertiefen. Damit werden wir uns in diesem Buch ausführlich beschäftigen.
Ein Schatz an Anekdoten
An dieser Stelle möchte ich mich bei den Teilnehmer*innen meiner Humorkurse für die vielen Geschichten aus der Praxis bedanken. Sie lassen lebendige Bilder entstehen und bereichern die theoretischen Erläuterungen mit der Farbe des praxisnahen Erlebens. Viele dieser Anekdoten versteht man am besten, wenn man selbst dabei gewesen ist. Ich bitte daher um Verständnis, dass ich die eine oder andere Begebenheit in der Schilderung etwas verändert habe, damit der wahre Kern der Geschichte deutlicher zutage treten kann. Selbstverständlich wurden auch die Namen der erwähnten Personen geändert.
Humor verbessert Ihre Kompetenz als Pflegekraft
Mehr Humor im Krankenhaus und im Pflegeheim bringt mehr Lebensqualität für alle Beteiligten. Als Pflegekraft, von der ein breites Spektrum an Fähigkeiten und Qualifikationen erwartet wird, profitieren Sie von der Erweiterung Ihrer Humorkompetenz.
Humor verbessert Ihre Kommunikationsfähigkeit, da er die Interaktion zwischen Pflegekräften, Patient*innen und deren Angehörigen erleichtert und flüssiger macht.
Er ist ein bewährtes Mittel gegen Stress, schafft eine positive Atmosphäre und hilft so dabei, die anstehenden Aufgaben entspannter, konzentrierter und souveräner zu bewältigen.
Humor bringt Sie zum Lachen und hilft Ihnen dadurch, besser mit den körperlichen und emotionalen Anforderungen Ihres Berufs umgehen zu können. Damit trägt er langfristig dazu bei, Ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu erhalten.
Er fördert auch Ihre Teamfähigkeit, indem er die Bindung zwischen den Teammitgliedern stärkt. Konflikte können rascher gelöst werden oder entstehen erst gar nicht.
Jetzt sind Sie dran!
Ich schreibe dieses Buch, weil ich in vielen Jahren als Clown die Beherztheit und Professionalität des Pflegepersonals kennen- und schätzen gelernt habe. Nun möchte ich meine Erfahrungen gerne mit Ihnen teilen. Mein Wunsch ist es, dass Sie Ihre humorvollen Fähigkeiten, die ich bei vielen Pflegenden immer wieder beobachten konnte, erweitern und noch mehr im Pflegealltag einsetzen. „Jetzt sind Sie dran!“
In diesem Buch geht es um Humor, um das Lachen und seine positiven Auswirkungen auf den Menschen. Es geht darum, wie Sie diese wunderbare Charaktereigenschaft in Ihrer Persönlichkeit gut verankern und zum Blühen bringen können. Während die Fähigkeit zum Lächeln und zum Lachen angeboren ist, ist Humor erlernbar. Ich lade Sie ein, sich mit Ihrem eigenen Humor zu beschäftigen, ihn zu reflektieren und mit großer, spielerischer Lust weiterzuentwickeln. So geben Sie ihm einen hilfreichen und wirksamen Platz in Ihrer Persönlichkeit.
Spüren Sie konkrete Möglichkeiten und passende Gelegenheiten auf, um Humor in Ihren Arbeitsalltag zu integrieren. Die Arbeitsblätter zu diesem Buch bieten eine Reihe konkreter Fragen zu Ihrem persönlichen Humorstil und geben Ihnen die Gelegenheit, spielerisch kreativ zu werden. Sie enthalten viele Anregungen, wie Sie Humor in den Krankenhaus- und Pflegealltag einbringen können. Die Arbeitsblätter finden Sie unter diesem QR-Code:
Wir werden der Frage nachgehen, wie die Atmosphäre auf der Station humorvoll aufgelockert werden kann. Vielleicht sind es Bilder an der Wand oder die Korktafel in der Teeküche, an die lustige Sprüche, Fotos und Cartoons gepinnt werden können. Hier sind auch die Stationsleitungen gefragt, Initiative zu zeigen und unterstützend zu wirken.
Erfahrungen aus der Welt der Clownerie
Ich war viele Jahre lang Clown bei den ROTEN NASEN. Neben all den schönen Momenten mit den Patient*innen und deren Angehörigen habe ich auch die Pflegekräfte erlebt, die immer wieder freundlich und kompetent ihre Arbeit verrichten. Ich habe allergrößten Respekt davor und sehe, wie sehr die Atmosphäre einer Station vom Spirit der Pflegenden geprägt ist. Sie kommen bisweilen in die Zimmer mit, um zu sehen, wie wir mit den Kindern und Jugendlichen arbeiten. Ich glaube, dass die Gedanken- und Gefühlswelt des Gesundheitsclowns für Sie anregend und inspirierend sein kann. In kniffligen Situationen können Sie sich gerne von der Frage leiten lassen: Was würde wohl ein Clown an meiner Stelle tun?
Wenn ich in diesem Zusammenhang von „wir“ spreche, ist das allerdings meine persönliche Sicht auf Clownerie. Die Blickweisen sind oft unterschiedlich und jeder Clown versteht und lebt Clownerie einzigartig. Willkommen in der bunten Welt der Clowns!
Ihre persönliche Humor-Waschstraße
Dieses Buch ist, wenn Sie so wollen, eine Humor-Waschstraße für seine Leser*innen.
Ich geleite Sie durch folgende Themen:
Was ist Humor?
Was ist Lachen?
Welche Erkenntnisse liefern Humortheorien?
Selbst humorvoll sein, wie geht das?
Was kann ich von Gesundheitsclowns lernen?
Welche Möglichkeiten habe ich, Humor in Krankenhäuser und Pflegeheime zu bringen?
Wenn Sie hinten aus der Waschstraße kommen, dann sind Sie hoffentlich mit Heiterkeit eingeschäumt und funkeln vor Freude, haben eine Ideendusche hinter sich und eine ordentliche Portion trockenen Humors!
Wie bei jedem Handwerk braucht es Talent, Ausbildung und Praxis. Trainieren Sie Ihren Blick fürs Komische, streuen Sie humorvolle Bemerkungen in Ihre beruflichen Gespräche ein. Üben Sie Ihre Humorfertigkeiten, so wie Sie auch Kochen, Gärtnern und Radfahren erlernt haben. Finden Sie Spaß und Freude daran! So kann die Lektüre dieses Buches für Sie zu einem Sprungbrett für mehr Humor in Ihrem Leben werden.
Ihr Talent haben Sie schon gezeigt, indem Sie dieses Buch lesen, und die Praxis wird kommen, wenn Sie die für Sie passenden Ideen und Anregungen mitnehmen und mutig in Ihren Arbeitsalltag einbringen. Damit endet diese Einleitung, ganz nach dem Motto von uns Clowns: Keep it short and stupid. Naja, sieben Seiten, nicht ganz short. Aber das stupid, das kommt noch, versprochen!
Humor – eine innere Haltung
Beginnen wir mit der Frage, was Humor denn nun eigentlich ist. Humor ist die Fähigkeit und Bereitschaft, auf bestimmte Dinge heiter und gelassen zu reagieren. So steht es im Duden. Ja, wer damit gut ausgestattet ist, ist oft nah dran an den Freuden des Lebens. Am Spaß, an der Ausgelassenheit und am Genießen.
Manche haben weniger davon, es gibt auch hin und wieder komplett humorbefreite Menschen. Humor kann allerdings dabei helfen, schwierige Situationen zu meistern, und trägt dazu bei, sich in einer Gruppe sicher und wohlzufühlen. Wer diese Lernerfahrungen in der Kindheit jedoch nicht gemacht hat, dem fehlt dieses wirksame Werkzeug im späteren Erwachsenenleben. Die Bereitschaft, sich auf humorvolle Impulse einzulassen, hängt auch vom richtigen Moment ab. Manchmal möchte man nicht gestört oder aus seinen Gedanken herausgerissen werden. Der Augenblick muss stimmen.
Humor: Definitionen, Einsichten und Erhellendes
Stellen wir uns ein heiteres Treiben vor, ein Treffen von Menschen, die gerne über Humor und seine Auswirkungen auf ihr Leben nachdenken. Es fallen kluge Sätze wie diese:
„Humor ist eine Haltung, eine innere Einstellung dem Leben gegenüber. Er hat mit Denken zu tun und mit Fühlen.“
„Humor ist ein wunderbares Werkzeug, um Freude zu erzeugen, und hilft mir beim Aufrichten nach dem Scheitern. Er ist eine Kraftquelle in schwierigen Lebensumständen.“
„Humor ist mein Gefährte, mit dem ich durchs Leben gehe. Er hilft mir dabei, anzunehmen, was nicht zu ändern ist.“
Viele gehen gedankenversunken auf und ab, andere wiegen ihre Köpfe nachdenklich hin und her.
„Mit Humor kann ich unangenehmen Situationen etwas Positives abgewinnen. Etwas Skurrilität und Turbulenz zulassen und mein gewohntes Leben ein wenig durcheinanderbringen, damit es sich dann, besser geordnet, wieder gut setzen kann.“
„Humor hilft mir dabei, meine glücklichen Momente noch besser zu erleben.“
„Meinen Humor zu entwickeln, bedeutet, zu lernen, eine distanzierte Position einzunehmen und mich dadurch selbst aufheitern zu können. Phasen von Wut, Angst, Ärger, Resignation oder Trauer werden dadurch verkürzt oder weniger schmerzhaft. Ich kann Misserfolge schneller und besser akzeptieren und hinter mir lassen. Zuversicht und Freude können wieder wirksam werden.“
So sinnieren sie über diesen Begriff und versuchen, seine Vielfalt und Tiefe zu ergründen, knacken bisweilen mit den Fingerknöcheln und blicken ab und zu gen Himmel.
„Humor ist mein Stift, mit dem ich gegen die Hilflosigkeit und Ungerechtigkeit anschreibe. Gegen die großen und kleinen Momente der Irritation und Lähmung.“
Jemand findet einen Vergleich aus der Welt des Sports: „Humor ist mein Surfboard, auf dem ich die Welle meines Lebens reite.“
„Humorvolle Begebenheiten sind oft sehr fragil. Diese wunderbaren Momente entstehen aus dem Zusammenspiel unterschiedlichster Elemente, die alle ihre Wichtigkeit und Bedeutung haben.“
Einige gehen mit am Rücken verschränkten Händen herum, bleiben nachdenklich stehen, kratzen sich am Kinn und gehen dann weiter.
„Humor hilft dabei, auch über schlechte Zitate und falsche Quellenangaben in Büchern zu lachen.“ – Gaius Julius Einstein
„Ohne Humor wirkt alles direkt und ungebremst auf mich ein. Ich bin dem Leben schutzloser und unmittelbarer ausgeliefert.“
„Auf die wesentlichen Dinge im Leben kann ich keinen Einfluss nehmen. Ob Krieg ausbricht, die Aktienkurse sinken, mich eine schwere Krankheit heimsucht oder ein Gewitter über mich hereinbricht. Was ich jedoch kann: Meine Haltung dazu einnehmen und entscheiden, wie ich darauf reagiere. Humor ist zur Bewältigung dieser Geschehnisse eine wesentliche Unterstützung.“
Sie sehen schon, dieses Sinnieren darüber, was Humor ist und bewirken kann, könnte munter noch einige Seiten weitergehen. Ich möchte dennoch hier stoppen und Sie dazu einladen, nachzuspüren, welche Sätze Ihnen besonders gut gefallen haben. Welche Sie spontan als zutreffend und relevant empfunden haben. Dies kann ein Fingerzeig sein, wie Ihr persönlicher Humor gelagert ist, wo Ihre eigenen Humorzugänge liegen. Was wären Ihre Gedanken über Humor, wären Sie bei diesem Treffen dabei gewesen?
Ich möchte Sie einladen, mit mir über die Wirkung humorvollen Tuns nachzudenken. Was geschieht bei einer humorvollen Begegnung? Wie ist die Situation vorher, was ist nachher anders? Wie geht es den Beteiligten?
Wozu ist Humor imstande?
Manchmal bereite ich mir die Freude, in Zivilkleidung unerkannt zu beobachten, wie meine Clownkolleg*innen in den Wartezimmern der Spitalsambulanzen aktiv sind. In der Regel sitzen die kleinen und großen Patient*innen auf ihren Stühlen und warten, bis ihr Name oder ihre Nummer aufgerufen wird, warten auf ihre Untersuchungen. Langeweile herrscht vor. Immer wieder geht eine Tür auf, Personen werden gerufen. Menschen gehen schweigend durch den Wartebereich und verschwinden hinter den Pforten.
