Hundeprobleme - Barbara Schöning - E-Book

Hundeprobleme E-Book

Barbara Schöning

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Beschreibung

Mit fliegenden Ohren dem Hasen hinterher, steifbeinig das Revier verteidigen oder in hohen Tönen die Nachbarschaft unterhalten - Hunde zeigen häufig Verhaltensweisen, mit denen wir uns schwer abfinden können. Die Verhaltensforscherin und Hundetrainerin Dr. Barbara Schöning beschreibt, wie und warum Konflikte zwischen Hund und Mensch entstehen und wie man natürliches Verhalten wie Jagen, Aggression oder Bellen in die richtigen Bahnen lenken kann. Auch auf erzieherische Probleme wie Leinenziehen oder Weglaufen geht sie ausführlich ein.

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Seitenzahl: 148

Veröffentlichungsjahr: 2013

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1 Dr. med. vet. Barbara Schöning Hundeprobleme Erkennen, verstehen und lösen

Schwierigkeiten im Zusammenleben 4 Hundehaltung heute 5 Vom Arbeitstier zum Familienhund 8 Missverständnisse 10 Unerwünschtes Verhalten und Verhaltensstörungen 11 Vererbungsbedingte Probleme 14 Der richtige Start ins Leben 16 EXTRA Sozialisation von Welpen 18 Erlernte Probleme 20 Maßnahmen und Trainingsansätze 22 Problematisches Verhalten 23 Management – Problemen aus dem Weg gehen 24 Hilfsmittel 25 Desensibilisierung 31 Gegenkonditionierung 38 Abbrechen einer Handlung – das Strafsignal 40 Belohnung und Strafe 48 EXTRA Trainingsmethoden und Maßnahmen 56 Bellen, Betteln, Jagen ... 58 Ziehen an der Leine 59 Anspringen und Betteln 67 Bellen 72 Jagen von Joggern 77 Inhalt

3 Angst und Unsicherheit 80 Chronischer Stress 81 Angst vor Menschen 82 EXTRA So zeigen Hunde Angst und Stress 84 Angst vor fremden Hunden 88 Angst vor der Umwelt 92 Trennungsangst 94 Aggression bei Hunden 98 Vorsicht ist immer geboten! 99 Krankhaft ausgelöste Aggression 100 Definition und Nutzen 101 Aggression gegen fremde Menschen 105 Aggression gegen Familienmitglieder 109 Aggression gegen fremde Hunde 114 Aggression gegen Hunde im gleichen Haushalt 118 EXTRA Aggressives Verhalten und Deeskalation 120 Service 122 Nützliche Adressen 123 Zum Weiterlesen 123 Register 124 Impressum 126

Schwierigkeiten im Zusammenleben

Hundehaltung heute 5 Hundehaltung heute Menschen geht es gut, wenn sie Hunde halten – aber geht es auch den Hunden gut, wenn sie mit Menschen zusammenleben? Die Tatsache, dass Tierheime völlig überfüllt sind, zeigt uns, dass das Zusammenleben mit Menschen zumindest für manche Hunde nicht einfach ist. Warum dies so ist, welche Probleme im Zusammenleben zwischen Hund und Mensch auftreten können, wie die Entstehungsgeschichte von Problemen aussieht und was man dagegen tun kann – das soll in diesem Buch vorgestellt werden. Es kann kein Lehrbuch für Verhaltenstherapie bei Hunden sein, und soll es auch nicht. Aber es werden die wichtigsten Punkte zur Problemvermeidung aufgezeigt und Lösungsansätze für diejenigen Probleme beschrieben, die Sie mit Ihrem Hund selbstständig verbessern können. Dabei können solche Lösungsvorschläge natürlich immer nur sehr allgemein gehalten werden, denn jeder Mensch und jeder Hund sind individuelle Persönlichkeiten mit individuell leicht unterschiedlichen Problemen. Warum leben so viele Menschen in der heutigen Zeit mit einem oder mehreren Hunden zusammen? Vielleicht, weil Hunde uns auf eine besondere Art „Liebe geben“ und eine Naturverbundenheit herstellen, die in unserem Alltag so nicht mehr vorhanden ist. Hunde mit ihrem ganz besonderen Sozialverhalten ermöglichen es Menschen, bestimmte Sehnsüchte und Bedürfnisse zu befriedigen. Jeder Hund und jeder Halter sind individuelle Persönlichkeiten.

Noch ist es Spiel bei den Schwestern – aber die Grenze zu echter Aggression ist nicht mehr weit. Eine kleine Störung von Außen könnte die Situation zum Kippen bringen. Häufige Probleme und Abgabegründe Probleme mit Hunden und für Hunde gibt es nicht nur in Deutschland. Auch in anderen europäischen Ländern und den USA gibt es z. B. Probleme mit dem Aggressionsverhalten der Hunde, zeigen Hunde Trennungsangst, haben Phobien oder schlichtweg Gehorsamsprobleme. Im Durchschnitt werden in Deutschland pro Jahr 300.000 Hunde in einem Tierheim abgegeben. Wie viele der ca. fünf Millionen in Deutschland gehaltenen Hunde aber insgesamt mit Problemen auffallen, und wie viele aus genau diesem Grund abgegeben oder eingeschläfert werden, ist unbekannt. Eine Studie sagt, dass bis zu 95 % der im Tierheim abgegebenen Hunde aufgrund von Verhaltensproblemen abgegeben wurden, eine andere Studie spricht von 45 %. Für die USA werden Sie werden also die hier vorgestellten Ansätze etwas abändern und auf Ihre eigene Lebenssituation und die Persönlichkeit Ihres Hundes anpassen müssen. Aus diesem Grund werden auch nicht einfach nur die Trainingsansätze wie in einem Strickmuster vorgestellt (ein „Abarbeiten nach Schema F“ geht bei Lebewesen nicht), sondern es wird ausführlich erläutert, warum bestimmte Abläufe für bestimmte Probleme sinnvoll sind. Dadurch können Sie die Maßnahmen ganz individuell für Ihren Hund variieren. Sind Sie aber unsicher, ob die von Ihnen durchgeführten verhaltenstherapeutischen Maßnahmen wirklich die richtigen sind, oder beobachten Sie trotz konsequent durchgeführter Maßnahmen keine Verbesserung des Verhaltens, sollten Sie sich an einen Spezialisten für Tierverhaltenstherapie wenden (Adressen finden Sie im Serviceteil). 6 Schwierigkeiten im Zusammenleben

Hundehaltung heute 7 zu bekommen. Beim Weiterlesen werden Sie merken, dass die beschriebenen Lösungsansätze für die einzelnen Probleme nichts Geheimnisvolles oder Schwieriges sind – es sind ganz pragmatische Ansätze zur Verhaltensmodifikation, die ihren Ursprung im Wissen über das normale Verhalten von Hunden haben, einschließlich ihres Lernverhaltens. Das Wichtigste bei der Beeinflussung von Problemverhalten ist immer, dass es konsequent und regelmäßig gemacht wird – und das eventuell über einen sehr langen Zeitraum. Zahlen zwischen 31 % und 80 % genannt. Aggressivität gegen Menschen oder Artgenossen, Stubenunreinheit, Trennungsangst oder auch übermäßiges Bellen gelten hierbei als Hauptrisikofaktoren. Letztendlich ist es auch müßig sich darüber zu streiten, ob nun 31 % oder 95 % der abgegebenen Hunde Verhaltensauffälligkeiten zeigten – selbst wenn nur ein Prozent der Hunde wegen Verhaltensauffälligkeiten abgegeben wird, ist es traurig und unnötig. Erwartungen an den Hund Wenn die Probleme mit Hunden weltweit relativ ähnlich aussehen, dann auch die Hintergründe, die zur Entwicklung von Problemverhalten geführt haben. Die Hauptursache sind tatsächlich Nicht- oder Halbwissen über Hundeverhalten und Lernverhalten von Hunden, und dadurch falsche Erwartungen und Ansprüche an das Lebewesen Hund. Irgendwann kollidiert dann das Bild, welches sich der Halter von seinem Hund gemacht hat, mit der rauen Wirklichkeit – ein Problem ist entstanden! Ein Hund kann immer nur so auf seine Umwelt reagieren, wie es ihm als Hund vorgegeben ist – er kann sich keine Gedanken darüber machen, wie man mit Menschen anders umgehen oder wie man seinen Menschen effektiver erziehen könnte. Das ist die Aufgabe der Menschen. Wir haben die Arbeit zu erbringen, damit das Zusammenleben klappt und für alle Beteiligten angenehm abläuft – und Arbeit, das ist ein Gedanke, den viele Menschen so gar nicht gern im Zusammenhang mit der „Freizeitbeschäftigung Hund“ sehen. Aber Arbeit kann auch Spaß machen! Auch die Arbeit, die man investieren muss, um ein schon bestehendes Problem in den Griff Info Mit Geduld Bereitet Ihr Hund Ihnen bereits Probleme mit seinem Verhalten, dann sollten Sie für die Problemlösung besser Monate als Wochen ansetzen. Und falls Sie fremde Hilfe in Anspruch nehmen wollen, hüten Sie sich vor Menschen, die Ihnen die schnelle Lösung versprechen. Nach meiner Erfahrung besteht ein Verhaltensproblem, wenn es den Besitzern so unangenehm auffällt, dass sie sich um gezielte Abhilfe bemühen, bereits seit einigen Monaten. Diese Probleme können nicht von einem Tag auf den anderen abgestellt werden. Der Hundehalter muss die Arbeit erbringen, damit das Zusammenleben klappt. Und im Idealfall ist der Hund ein aufmerksamer Mitarbeiter.

8 Schwierigkeiten im Zusammenleben Welsh Terrier wurden früher bei der Jagd auf Fuchs, Dachs oder Otter eingesetzt. Blatt gewendet. Heute ist die Funktion als Sozialpartner und Lebensbegleiter des Menschen absolut in den Vordergrund getreten, während immer weniger Hunde für ihre ursprünglichen Arbeitseinsätze genutzt werden. Genau dies schafft aber Probleme! Spezialisierung der Rassehunde Bestimmte Rassen wurden über viele Jahrhunderte hinweg gezielt darauf gezüchtet, bestimmte Tätigkeiten für den Menschen auszuüben; eventuell wurde auch noch speziell auf die Eigenschaft hin gezüchtet, dass sie sich für bestimmte Arbeitszwecke schnell und effektiv ausbilden lassen. Wenn die heutigen Vertreter dieser Rassen dann als reine Begleit- oder Familienhunde gehalten werden, sind sie unter Umständen sehr schnell unterfordert. Langeweile erzeugt Stress, und aus Stress und Langeweile an sich kommt man „auf dumme Gedanken“ – der Weg in Vom Arbeitstier zum Familienhund Vor mindestens 15.000 Jahren begannen Hund und Mensch enger zusammenzuleben. Anhand von Grabfunden aus dieser Zeit können wir schließen, dass die damaligen Hunde schon eine Vielzahl an Funktionen für die Menschen hatten. Auf Grund der Art, wie sie bestattet wurden, waren sie sicher nicht nur Fleischlieferanten. Wie und wann genau aus dem Wolf ein Hund wurde und welche Gründe dabei vielleicht die wichtigste Rolle gespielt haben mögen, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass der Mensch Hunde über Jahrtausende zum Hüten seiner Herden, zum Bewachen seiner Vorräte und als Jagdhelfer genutzt hat. Ursprünglich war der Hund ein Arbeitstier und hat soziale Funktionen wohl nur zweitrangig erfüllt. Irgendwann in den letzten 200 bis 150 Jahren hat sich dann das

Vom Arbeitstier zum Familienhund 9 ein Problemverhalten hinein beginnt. Zurzeit machen Hütehunde einen großen Prozentsatz der Patienten in tierärztlichen Praxen für Verhaltensmedizin und -therapie aus. Danach kommen gleich einige Jagdhunde und Gebrauchshunderassen. Rassen wie Border Collie, Australian Shepherd, Jack Russel Terrier, Weimaraner oder Magyar Vizsla sind in der Großstadt in Mode gekommen. Grundsätzlich taugt jeder Hund zum Zusammenleben mit dem Menschen – dazu hat sich der Wolfabkömmling über die Jahrtausende einfach zu perfekt an das Leben mit uns angepasst. Es müssen aber einige rassespezifische Eigenarten bedacht werden, damit das Zusammenleben auch überall problemlos funktioniert. Und viele Menschen, die sich einen Border Collie oder Weimaraner anschaffen, weil sie ihn von der äußeren Erscheinung her schön finden, bedenken nicht, dass diese Hunde noch bis vor wenigen Jahren den ganzen Tag am Arbeiten waren, oder dass sie speziell für das Zeigen von bestimmten Verhaltensweisen aus dem Jagdbereich selektiert wurden. Umso größer ist dann die Überraschung, wenn der Border Collie die Kinder hütet, der Rottweiler sein Territorialverständnis auslebt oder der Weimaraner stärker als erwartet seinen Jagdgelüsten frönt. Wer sich einen Hütehund anschafft, muss diesen eventuell intensiver zwischen den Spaziergängen zu Hause beschäftigen, damit der Hund nicht spontan mit der Beschäftigung beginnt, für die er Jahrhunderte lang selektiv gezüchtet wurde. Und wer sich einen Jagdhundwelpen anschafft, muss vielleicht von klein auf etwas mehr Zeit in bestimmte Trainingsmaßnahmen investieren, um ein Jagdproblem gar nicht erst entstehen zu lassen.

10 Schwierigkeiten im Zusammenleben Annäherung mit Demutsverhalten. Kein „schlechtes Gewissen“, sondern der Versuch, die Aggression des schimpfenden Menschen zu deeskalieren. liegenden Emotionen oder Gedanken identisch sein. Hunde haben ein kurzes Gedächtnis, was das Verknüpfen von Ereignissen angeht. Alles, was länger als zwei bis maximal drei Sekunden auseinander liegt, kann nicht mehr „mal so eben“ sauber miteinander verknüpft werden. Wenn ein Hund also während der Abwesenheit seines Besitzers den Teppich zernagt hat, dann kann er eine Strafe nach dessen Rückkehr nicht mit dieser Handlung (Teppich zernagen) verknüpfen, um daraus zu lernen, dass man Teppiche tunlichst in Ruhe lässt. Was er aber verknüpfen kann, sind die folgenden Ereignisse: Besitzer kommt nach Hause > Besitzer wird aggressiv (Schimpfen, Schütteln etc.), wenn irgendwo auch noch ein kaputter Teppich herumliegt. Tritt das nächste Mal diese „Gleichzeitigkeit von Ereignissen“ ein (kaputter Teppich/Besitzer kommt nach Hause), wird der Hund lieber gleich Demutsverhalten zeigen, um die zu erwartende Aggression seines Sozialpartners Mensch zu deeskalieren. So beginnt ein Teufelskreis, denn der Besitzer wird unter Umständen noch aggressiver reagieren (stärker Schimpfen), weil er ja vom schlechten Gewissen ausgeht und denkt, der Hund will ihn ärgern („... er weiß genau, dass er nicht an den Teppich darf und trotzdem ...“). Für den Hund dagegen stellt es sich so dar: Seine Deeskalationsbemühungen waren erfolglos, denn der Mensch ist immer noch aggressiv. Er wird dann eventuell noch stärker mit Submission reagieren (was der Mensch nun erst recht als schlechtes Gewissen interpretiert), oder er wird den Menschen gar nicht mehr begrüßen und eventuell das Vertrauen in seinen Besitzer verlieren. Es kann auch sein, dass der Hund ein Stressproblem während der AbwesenMissverständnisse Den absichtsvoll „ungehorsamen oder bösartigen“ Hund gibt es nicht. Auch das berühmte „schlechte Gewissen“ oder „Schuldbewusstsein“ kommt bei Hunden nicht vor. Dies sind Beispiele für sogenannte Anthropomorphismen (Vermenschlichungen). Hunde zu vermenschlichen fällt sehr leicht. Hier haben unsere Hunde unter allen Haustieren sicher die größte Bürde zu tragen, denn sie sind in ihrem Sozial- und Ausdrucksverhalten den Menschen so ähnlich wie keine andere Tierart (außer vielleicht den Menschenaffen). Möchten Hunde einen aggressiv gestimmten oder schlecht gelaunten Sozialpartner friedlich stimmen und einen Konflikt beenden oder gar nicht erst entstehen lassen, werden sie Demuts- und Deeskalationsverhalten zeigen. Von der Mimik her ist das Demutsverhalten (Submissionsverhalten) der Hunde dem „schlechten Gewissen“ der Menschen sehr ähnlich. Aber ähnlich heißt nicht gleich – und nur weil sich zwei Lebewesen äußerlich ähneln, müssen nicht auch die zu Grunde

Unerwünschtes Verhalten und Verhaltensstörungen 11 Niemand freut sich, sein Bett so vorzufinden. Aber eine Strafpredigt könnte dieser Hund nicht mehr korrekt mit der Zerstörungstat verknüpfen. leicht sind die Besuche von Tante Lissy ja auch für den Besitzer eher lästig ...). Verhaltensweisen wie Bellen, Jagen, Anspringen, Markieren von Gegenständen im öffentlichen Raum (z. B. auch von Stühlen im Restaurant), Erschrecken bei bestimmten Geräuschen oder plötzlichen Bewegungen, Futter klauen, aufs Sofa springen, Drohen (z. B. Knurren), wenn man gebürstet werden soll, Drohen gegen den Tierarzt, Futterverweigerung, Fressen von Unerwünschtem wie Katzenkot, Besteigen von Personen, Wälzen in Übelriechendem, Streunen, Bewachen von Gegenständen oder generell mangelnder/ schlechter Gehorsam werden von vielen Besitzern eher als etwas Unerwünschtes bezeichnet, denn gleich als größeres Problem. Problemverhalten Zeigen die Hunde Angstverhalten in jeder Form oder regelmäßig Aggressionsverhalten mit offensiven Komponenten wie Beißen, oder werden die oben aufgezählten unerwünschten Verhaltensweisen sehr oft und/oder sehr intensiv gezeigt, ist der Schritt zum Problemverhalten vollzogen. heit entwickelt. Auf Dauer könnten nämlich auch folgende Verknüpfungen als gelernte Ketten entstehen: Besitzer geht/ist weg – bedeutet: er kommt wieder – bedeutet: er wird aggressiv – bedeutet: man hat Stress während er geht/weg ist, weil danach ja die Aggression zu erwarten ist – bedeutet: man muss etwas machen, um den Stress abzubauen – bedeutet: man könnte noch etwas anderes zernagen als den Teppich oder man legt sich aufs Bett oder man muss Erbrechen oder Urin im Haus absetzen. Unerwünschtes Verhalten und Verhaltensstörungen Probleme mit Hunden lassen sich grob in drei Gruppen einteilen: > Unerwünschtes Verhalten > Problemverhalten > Verhaltensstörungen Unerwünschtes Verhalten Unerwünschtes Verhalten stellt für den Menschen (und Hund) vielleicht das kleinste Übel dar. Unter diesem Begriff lassen sich normale Verhaltensweisen von Hunden zusammenfassen, die nur ein kleines bisschen stören, so nach dem Motto: „Ich weiß ja, dass Bellen für Hunde normal ist, und bei Einbrechern finde ich es auch gut, aber bei Tante Lissy kannst du es eigentlich sein lassen“. Bei der Einordnung als unerwünschtes Verhalten kommen zwei Dinge zusammen: 1. Der Mensch weiß, dass das Verhalten zum normalen Verhalten von Hunden gehört. 2. Den Menschen stört es im Großen und Ganzen nur wenig, wenn der Hund das Verhalten zeigt, und oft hat er sogar Verständnis für seinen Hund (viel

Verhaltensstörungen Der Begriff „Verhaltensstörung“ wird von vielen Menschen schon benutzt, wenn es sich im Grunde „nur“ um ein Problemverhalten handelt. Dies kommt vermutlich daher, dass Menschen dazu neigen, Situationen oder Lebewesen als „gestört“ zu bezeichnen, wenn sie etwas nicht verstehen, nicht mögen oder es ihnen unheimlich oder lästig ist. Für den Begriff Verhaltensstörung gibt es aber eine genaue und enge klinische, beziehungsweise eine wissenschaftliche Definition (siehe Info). Hunde, die sich regelmäßig länger im Kreis drehen, um ihren eigenen Schwanz zu fangen und zu benagen, zeigen eine Verhaltensstörung im klinischen Sinne; ebenso Hunde, die exzessiv an ihren Pfoten lecken und nagen, bis Wunden entstehen. Wenn derartiges Verhalten so extrem und häufig gezeigt wird, dass sich der Wach- Schlaf-Rhythmus des Hundes ändert, dass der Hund nicht mehr vernünftig frisst und trinkt, oder dass sämtlicher Nun stellt ein Verhalten, welches zum ganz normalen Verhaltensrepertoire von Hunden gehört, tatsächlich ein Problem für seinen Besitzer dar. Oft ist das auch erst der Zeitpunkt, an dem Menschen beginnen, über das Verhalten ihres Hundes intensiver nachzudenken, um vielleicht nach Abhilfe zu suchen. Info Verhaltensstörungen Echte Verhaltensstörungen Bei einer echten Verhaltensstörung zeigt der Hund Verhaltensweisen, die entweder nicht zu seinem normalen Verhaltensrepertoire gehören (ein fliegender Hund wäre im wahrsten Sinne des Wortes verhaltensgestört) – oder er zeigt Verhaltensweisen, die zwar aus seinem normalen Repertoire stammen, in der Art und Intensität, in der sie gezeigt werden, auf Dauer aber das Überleben des Hundes gefährden würden. 12 Schwierigkeiten im Zusammenleben Das manierliche Gehen an der Leine gehört zum Grundgehorsam. Ziehen an der Leine ist für die meisten Besitzer ein unerwünschtes Verhalten – für einige allerdings kann es zum Problemverhalten werden.

Bellen an der Territoriumsgrenze gehört zum Normalverhalten von Hunden. Es kann erwünscht oder auch unerwünscht sein. Es wird an entsprechenden Stellen auf sie hingewiesen; zum Beispiel immer dort, wo die große Gefahr besteht, dass sich aus einem Problemverhalten auch schnell eine Verhaltensstörung entwickeln kann. Sozialkontakt mit Menschen oder anderen Hunden zum Erliegen kommt, dann gerät solch ein Hund tatsächlich auf Dauer in einen lebensbedrohlichen Zustand. Hier muss man schnell und in der Regel auch mit Medikamenten eingreifen, denn es handelt sich um eine echte „Krankheit“: es führt zu gravierenden körperlichen Schäden (Verletzungen durch sogenannte Automutilation) und es ist der Ausdruck eines psychischen Schadens (Leiden). Stereotypien Verhaltensweisen wie das Belecken oder Benagen eigener Körperteile werden als Stereotypie oder Zwangsverhalten bezeichnet. Es handelt sich in der extremsten Form um ein zwanghaftes und in seiner Ausprägung sehr ritualisiertes Verhalten, aus dem der Hund von alleine nicht einfach so wieder herauskommt. Vergleichbares gibt es auch bei Menschen, z. B. in Form von extremem Nägelkauen. Stereotypien müssen beim Hund aber nicht nur in Form einer übertriebenen Körperpflege auftreten. Im Grunde kann jedes angeborene Verhaltenselement in zwanghafter, ritualisierter Ausprägung gezeigt werden – ob es sich nun um das Fressen, Jagen, Hüten oder Spielen handelt –, wenn die äußeren Umstände, evtl. zusammen mit genetischer Veranlagung, es ergeben. Echte Verhaltensstörungen sind immer etwas für Spezialisten. Hier sollten tierärztliche Verhaltenstherapeuten zu Rate gezogen werden. Sie können eine genaue und ausführliche Diagnose stellen, möglicherweise beteiligte klinische Erkrankungen behandeln und abwägen, wie es um die Erfolgsaussichten einer medikamentös unterstützten Verhaltenstherapie steht. Echte Verhaltensstörungen werden deshalb in diesem Buch nur am Rande behandelt. Info Zwangsverhalten In der Humanmedizin unterscheidet man deutlich zwischen Zwangsverhalten und Stereotypie. Bei einer Stereotypie wird ein bestimmtes Verhalten sehr invariabel permanent gezeigt (z. B. Nägelkauen oder den Oberkörper hin und her wiegen). Bei einem Zwangsverhalten geht es darum, ein bestimmtes Verhaltensziel zu erreichen (z. B. Waschzwang). Das Verhalten, welches zum Ziel führen soll, kann aber durchaus variieren. In der Veterinärmedizin wird hier noch nicht so deutlich unterschieden. Manche Forscher sprechen deshalb auch ganz allgemein nur von „abnorm repetitivem“ Verhalten. Unerwünschtes Verhalten und Verhaltensstörungen 13

Angstverhalten als Reaktion auf einen konkreten Angstauslöser in einer konkreten Situation: der unbekannte Mensch hat sich schnell und frontal dem Hund genähert. mestizierte Tiere in ihrem Verhalten Abweichungen zum Verhalten der wilden Urform. Im Durchschnitt sind domestizierte Tiere z. B. weniger scheu und weniger leicht zu verunsichern – dies kann man auch zwischen den heutigen Wölfen und Hunden beobachten. Zuchteinflüsse Die Unterschiede zwischen den einzelnen Hunderassen wiederum haben sich im Zuge der Entwicklung der verschiedenen Arbeitsgebiete der Hunde herausgebildet. Wenn z. B. ein Hund für seinen Menschen einen Nutzen als Wachhund haben soll, macht es keinen Sinn, ein Tier mit einer sehr hohen Reizschwelle für Angstverhalten zu nehmen. Dieser Hund wird den Einbrecher vielleicht einmal kurz angucken und dann entspannt weiterschlafen. Solange er sich nicht selbst bedroht fühlt oder durch den Eindringling beunruhigt ist, wird er nichts unternehmen: es wäre ja eine Energieverschwendung. Als Wach- und Schutzhunde waren also nur Hunde zu gebrauchen, die in konkreten Situationen schneller beunruhigt oder verunsichert waren und die dann auch entsprechende Verhaltensweisen zeigten, um sich eine Vererbungsbedingte Probleme Natürlich gibt es eine Vielzahl von Gründen für die Entstehung von Problemen – so wie jeder Hund ein Individuum ist, ist auch sein Verhalten individuell und die möglicherweise daraus entstehenden Probleme. Aber es gibt bestimmte allgemeine Faktoren, welche die Entstehung von Verhaltensproblemen begünstigen, beschleunigen oder überhaupt erst möglich machen. Auf diese soll auf den nächsten Seiten noch etwas näher eingegangen werden, bevor einzelne Problembereiche und die Therapieansätze besprochen werden. Das Wissen um diese Faktoren hilft auch dabei, die geeigneten Therapieansätze für ein individuelles Problem zu bestimmen. Gewisse ererbte Charakterzüge begünstigen die Entwicklung von problematischem Verhalten oder sogar Verhaltensstörungen. Dazu gehört z. B. eine erhöhte Ängstlichkeit. Es ist bekannt, dass es bei den verschiedensten Rassen generell ängstlichere und weniger ängstliche Zuchtlinien gibt, und dass auch zwischen den Rassen Unterschiede bestehen. Insgesamt zeigen do14 Schwierigkeiten im Zusammenleben

sprechen. Zum einen brauchen alle genetisch fixierten Eigenschaften immer die entsprechende Umwelt, die sie formt und hervortreten lässt (und da können Sie vorbeugen – wie, erfahren Sie im Verlauf dieses Buches), zum anderen können Sie über Beobachtungen der Elterntiere schon gewisse Hinweise bekommen und dann eventuell vom Erwerb eines Welpen Abstand nehmen. Vorsichtig sollte man immer sein, wenn sich die Mutterhündin als sehr hektisch, nervös oder schnell zu ängstigen zeigt. So etwas ist im Übrigen ein generelles Warnsignal, ganz egal für welche Rasse Sie sich interessieren. Ein hektischer, schnell erregbarer Hund kann für bestimmte Arbeitseinsätze vielleicht gut geeignet sein, als Familienhund ist er es sicher nicht. Die Nackenhaare sollten sich bei Ihnen auch kräuseln, wenn man Ihnen Welpen ohne Mutter präsentiert. Natürlich gibt es traurige Einzelfälle, wo eine Mutterhündin verstirbt – aber solch eine Geschichte muss dann auch sehr plausibel klingen. Ansonsten ist ein „Züchter“, der Ihnen Welpen ohne Mutter präsentiert, eher ein „Hundehändler“ – und solchen Personen sollten Sie keine Hunde abkaufen, denn die nächste Ladung Welpen ist häufig schon geordert und hechelt (wenn nicht schlimmeres) gerade auf der Autobahn vor sich hin. Wenn Sie sich persönlich gegen einen Hund aus der Rassehundezucht entscheiden, wenn es auch ein Mischling sein kann oder vielleicht ein älteres Tier, dann sind die örtlichen Tierschutzvereine immer der beste Ansprechpartner. Hier gibt es eine Dachorganisation (Deutscher Tierschutzbund, Adresse siehe S. 123), die Sie mit Ansprechpartnern vor Ort versorgen und auch vor unseriösen „Mitleid-Drückern“ unter den Vereinen warnen kann. Bedrohung vom Leibe zu schaffen. Das Gleiche kann man auch für den Trainingsaspekt ansprechen. Um für eine Aufgabe als Wach- und Schutzhund ausgebildet werden zu können, war es ebenfalls nützlich, wenn der Hund schnell in konkreten Situationen aus einer empfundenen Bedrohung heraus agonistisches Verhalten zeigte. Dieses konnte man dann unter Signal stellen. Die typischen Wach- und Schutzhunderassen vereinen unter sich Hunde, die früher schwerpunktmäßig auf ein stärkeres und schneller gezeigtes Angstverhalten gezüchtet wurden, damit sie ihren eigentlichen Arbeitszweck gut ausüben konnten und auch dafür trainierbar waren. Dabei muss man natürlich für die Definition von „schnellerem“ und „stärkerem“ Angstverhalten immer den Rassedurchschnitt betrachten. Und da Angst üblicherweise als Reaktion auf einen konkreten Angstauslöser in einer konkreten Situation entsteht, kann man die Ausprägung und die Schnelligkeit, mit der sie entsteht, zwischen den Rassen nur vergleichen, wenn man viele Vertreter einer Rasse in möglichst genormten Situationen untersucht. Erblich bedingte Störungen Ebenfalls erblich ist z. B. die Veranlagung zur Entwicklung von Stereotypien. Hier gibt es sogar gewisse Schwerpunkte bei einzelnen Rassen. Golden Retriever oder Schäferhunde neigen zum Benagen der Gliedmaßen (Akrale Leckdermatitis), bei Bullterriern findet man etwas häufiger ein exzessives Kreiseln mit dem Versuch, den eigenen Schwanz zu fangen. Diese Beispiele sollten jedoch keinen Fan von Schäferhunden oder Bullterriern davon abhalten, sich solch einen Hund anzuschaffen, wenn alle anderen Umstände dafür Vererbungsbedingte Probleme 15 Auf eine freundliche Ansprache reagiert der Hund interessiert und aufgeschlossen.