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Kaum jemand musste so hart kämpfen wie Curtis Jackson: Er wächst auf in ärmlichen Verhältnissen, seine Mutter wird erschossen, als er gerade acht Jahre alt ist. Er wird als Rapper im Musikbusiness entdeckt, dann aber mehrfach angeschossen und von seinem Plattenlabel entlassen. Nach seiner Genesung rutscht er ins Drogenmilieu ab, bekommt aber eine zweite Chance, und schafft 2003 den Durchbruch. Bis heute hat er mehrere Millionen Platten verkauft. Jetzt, in seinem persönlichsten Buch, gibt er seine hart verdienten Erfahrungen weiter. Sein Motto: »Fürchte nichts und du wirst Erfolg haben«. Jackson schildert nicht nur, wie es ihm gelang, Widrigkeiten zu überwinden und sie zu Erfolgen zu machen – er gibt auch wertvolle Tipps an alle, die wie er an die Spitze gelangen wollen. Nach seinem Bestseller The 50th Law, den er zusammen mit Robert Greene schrieb, beschreibt Curtis »50 Cent« Jackson hier, wie er es nach tragischen Rückschlägen zu einem der bestbezahlten Unternehmer schaffte.
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Seitenzahl: 501
Veröffentlichungsjahr: 2021
CURTIS JACKSON
Wie du erfolgreich wirst und auch bleibst
CURTIS JACKSON
Wie du erfolgreich wirst und auch bleibst
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen
4. Auflage 2026
© 2021 by Finanzbuch Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Türkenstraße 89
D-80799 München
Tel.: 089 651285-0
Copyright der Originalausgabe © 2020 by Curtis J. Jackson III. All rights reserved.
Die englische Originalausgabe erschien 2020 bei HarperCollins Publishers, LLC unter dem Titel Hustle Harder, Hustle Smarter by Curtis »50 Cent« Jackson.
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.
Übersetzung; Thomas Gilbert
Redaktion: Bärbel Knill
Korrektorat: Anne Horsten
Umschlaggestaltung: Marc-Torben Fischer
Umschlagabbildung: © Mark Seliger
Satz: ZeroSoft, Timisoara
eBook: ePUBoo.com
ISBN Print 978-3-95972-411-1
ISBN E-Book (PDF) 978-3-96092-794-5
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96092-695-5
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
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Einleitung
1. Wie du furchtlos wirst
2. Das Herz eines Hustlers
3. Wie man ein gutes Team zusammenstellt
4. Kenne deinen Wert
5. Entwickle dich weiter oder stirb
6. Die Macht der Außenwahrnehmung
7. Wenn wir schon keine Freunde sein können
8. Aus Fehlern lernen
9. Anspruchsdenken ist eine Falle
Zusammenfassung – was du dir merken solltest
Danksagung
Dieses Buch ist dem Andenken an meine Mutter, Sabrina Jackson, und meine Oma, Beulah Jackson, gewidmet.
Sie sind zwar in ihrer körperlichen Form von uns gegangen, aber ihre Liebe, Unterstützung und ihr leuchtendes Vorbild inspirieren mich weiterhin jeden Tag.
Seit Jahren ermuntert man mich schon, einen Ratgeber fürs Leben zu schreiben. Man hat mir sogar dicke Dollarbündel unter die Nase gehalten.
Ich habe stets abgewunken.
Nicht, dass ich nicht schon ein paar Mal kurz davorgestanden hätte. Ich bin sogar so weit gegangen, Co-Autor eines Buches (The 50th Law) zu werden, das gemeinsam mit dem großartigen Robert Greene entstand, aber ich habe mich nie ganz wohl bei dem Gedanken gefühlt, eines ganz allein zu schreiben.
Ich mochte die Vorstellung einfach nicht, mich als Experte fürs Leben zu präsentieren.
Das mag sich seltsam anhören bei einem Menschen, der sich nie gescheut hat, allen zu sagen, wie viel Geld er hat, wie viele Platten er verkauft hat oder welche Fernsehsendungen er produziert hat.
Es stimmt, ich habe nie ein Problem damit gehabt, meine Erfolge öffentlich zu zeigen, aber privat ist es mir durchaus bewusst, dass diese Errungenschaften mein Leben mitunter auch negativ beeinflusst haben. Es gibt viele Dinge, die ich verpfuscht habe: Geld, Beziehungen, Gelegenheiten, Freundschaften ... alles Mögliche.
Ich habe genauso oft vollkommen versagt, wie ich erfolgreich war.
Das ist letztlich auch der Grund dafür, dass ich mich endlich doch entschlossen habe, ein Buch zu schreiben.
Es gibt nicht viele Menschen, die auf dem gleichen Level wie ich Erfolg erlebt haben. Innerhalb dieser handverlesenen Gruppe mussten sich noch weniger Menschen von ganz unten nach oben durchboxen, so wie ich es getan habe.
Ich habe diese Geschichte schon oft erzählt, aber es lohnt sich, sie hier zu wiederholen: Meine Mutter brachte mich zur Welt, als sie gerade 15 Jahre alt war. Als alleinerziehende Mutter war sie gezwungen, Drogen zu verkaufen, um mich zu ernähren. Einige Jahre lang florierte ihr Geschäft auf der Straße, aber wie bei fast allen verlangte dieses Leben auf den Straßen schließlich seinen Preis: Sie wurde ermordet, als ich acht Jahre alt war, und ich musste zu meinen Großeltern ziehen, die bereits neun eigene Kinder aufzogen. Als ich zwölf Jahre alt war, fing ich selbst an, Drogen zu verkaufen, und zwar auf denselben Straßen, die meine Mutter das Leben gekostet hatten.
Es waren Umstände, die die meisten Menschen umhauen und sie nicht mehr auf die Beine kommen lassen würden. Doch ich habe nie aufgehört, weiterzukämpfen. Ich begeisterte mich für Hip-Hop, machte mir langsam einen Namen und wurde dann im Zuge eines Streits innerhalb meiner Neighborhood neunmal angeschossen. Das wäre für die meisten Menschen das Ende der Fahnenstange gewesen, aber ich startete gerade erst durch. Ich erholte mich wieder, arbeitete weiter an meiner Musik und veröffentlichte schließlich eines der meistverkauften Debütalben in der Geschichte des Hip-Hops. Als ich 30 Jahre alt wurde, hatte ich bereits zig Millionen Alben verkauft, mein eigenes Biopic produziert und darin selbst die Hauptrolle gespielt, und ich war einer der ersten Hip-Hop-Künstler, die eine Mainstream-Marke geschaffen hatten.
Ich dachte, ich hätte den Kampf ein für alle Mal hinter mir gelassen, aber ich hatte mich geirrt. Im Laufe der nächsten Jahre starb mein Manager und Mentor Chris Lighty unter tragischen Umständen, ich wurde zur Zielscheibe von Rechtsstreitigkeiten, und als MP3s die CDs zu ersetzen begannen, wurde das Geld der Plattenindustrie buchstäblich weggestreamt.
Angesichts meines beispiellosen Erfolgs konnten die Leute nicht genug von mir bekommen. Selbst als die Dinge kompliziert wurden, wurde ich immer populärer, aber aus den falschen Gründen. Die Kräfte, die mich aufgebaut hatten, erfreuten sich nun an meinem potenziellen Niedergang. Ich habe nie einen echten Tiefpunkt erlebt – nur sehr wenige Tiefpunkte sind mit Gucci-Tapeten ausgekleidet und haben Lamborghinis in der Garage –, aber ich spürte, dass mein Leben in die falsche Richtung lief.
Was tat ich also?
Ich überdachte meine ganze Herangehensweise und ließ die Menschen und den ganzen Ballast hinter mir, wie eine Schlange, die ihre Haut abstreift. Ich verhandelte härter und klüger. Und indem ich mich um eine gute Beziehung zu meinem jüngsten Sohn, Sire, bemühte, glaube ich, bin ich auch ein besserer Mensch geworden.
Innerhalb weniger Jahre unternahm ich eine Reihe von Schritten, die zu den größten Erfolgen meiner Karriere führten. Ich kreierte und produzierte eine Erfolgsserie für den privaten Fernsehsender Starz: Power. Schon bald dominierte ich mit den Sendungen die Einschaltquoten, so wie ich früher andere Rapper in den Charts dominiert hatte. Aber Power war nur der Anfang meines Masterplans. Im Oktober 2019 unterzeichnete meine Firma, G-Unit Film and Television, Inc., einen Vierjahresvertrag mit Starz/Lionsgate, der als der größte Vertrag in der Geschichte des Bezahlfernsehens gilt. Und das ist nur eines der vielen Projekte, die ich in der Pipeline habe.
Die erfolgreichsten und glücklichsten Menschen haben in einer Sparte Erfolg, ich habe es zweimal bis an die Spitze geschafft. In vielerlei Hinsicht bin ich auf meinen zweiten Weg zum Gipfel sogar noch stolzer als auf meinen ersten.
Viele Leute haben mich abgeschrieben. Sie sagten, dass ich fertig sei. Sie nannten mich sogar, mit einer Formulierung aus einem meiner Alben, self-destructed, selbstzerstörerisch. Ich habe alle Schlagzeilen gelesen. Ich habe mir das ganze Gerede angehört. Ich habe all den Jubel über mein Scheitern mitbekommen.
Das hat meinen Erfolg im Fernsehbereich nur noch süßer gemacht. Das ist es auch, was mich schließlich dazu angespornt hat, dieses Buch zu schreiben. Ich möchte, dass die Menschen verstehen, dass es so etwas wie »es schaffen« nicht gibt. Dass es unabhängig davon, wie viel Geld man anhäuft, wie viel Ruhm man erlangt oder wie viel Erfolg man genießt, in der Zukunft immer noch mehr Kämpfe geben wird. Mehr Drama, mit dem man umgehen muss. Mehr Hindernisse, die einem in den Weg gelegt werden.
Das Ziel besteht nicht nur darin, erfolgreich zu sein. Es geht auch darum zu lernen, wie man diesen Erfolg aufrechterhalten kann.
Das ist eine Fähigkeit, die ich auf die harte Tour lernen musste. Und eine, die ich dir mit diesem Buch beibringen möchte.
Ich bin jetzt 45 Jahre alt, ein Alter, von dem ich einst dachte, dass ich es niemals erreichen würde. Es gab verdammt noch mal Zeiten, da schien es mir zu viel verlangt, darüber nachzudenken, ob ich es bis 21 schaffen würde. Doch jetzt bin ich in meinem vierten Lebensjahrzehnt, ein paar graue Stoppel finden sich in meinem Bart, und erste Falten beginnen sich zu bilden (aber ich habe immer noch ein Sixpack und vollen Haarwuchs). Aber ich fühle mich wohl an diesem Punkt meines Lebens. Es ist dieses reifere Alter, das es mir erlaubt, auf mein Leben zurückzublicken und zu verstehen, was mich zu dem gemacht hat, der ich bin. Und wenn ich versuche, meine Fähigkeit auf den Punkt zu bringen, die es mir erlaubt, immer wieder Wege zu finden, um an der Spitze zu bleiben, kann ich erkennen, dass es auf zwei Hauptmerkmale ankommt:
Ich habe das Herz eines Hustlers.
Und ich bin furchtlos.
Mein Hauptziel für dieses Buch ist es, dir dabei zu helfen, dieselben Eigenschaften zu entwickeln. Aber bevor wir uns mit dem Wie befassen, möchte ich über diese Worte sprechen: »furchtlos« und »Hustler«. Wenn ich sie ausspreche, wirst du bei diesen Wörtern wahrscheinlich an 50 Cent den Gangsta denken. Der Typ, der offen damit angab, dass er Drogen verkauft hat. Der neunmal angeschossen wurde, und dem es nichts auszumachen schien. Der sich sowohl auf der Straße als auch im Hip-Hop mit den gefürchtetsten Namen angelegt und nie einen Rückzieher gemacht hat.
Diese Heldentaten gehörten alle zu 50 Cent, einer Persönlichkeit, die ich angenommen habe, um mit dem Chaos und dem Wahnsinn fertigzuwerden, die ich als Kind überall um mich herum sah. Aber dieses Buch ist nicht dazu gedacht, aus dir den nächsten 50 Cent zu machen.
Versteh mich nicht falsch: 50 Cent war und ist immer noch ein echter Teil von dem, was ich bin. Aber wenn diese Persönlichkeit alles wäre, was es für mich gibt, hätte ich den Erfolg, den ich erreicht habe, niemals aufrechterhalten können.
Deshalb werde ich in diesem Buch die Gedanken sowohl von 50 Cent als auch von Curtis Jackson offenbaren.
Ich habe mich erst »50 Cent« genannt, als ich älter war, aber seit ich ein Kind war, hatte ich immer das Gefühl, dass es zwei Seiten an mir gab. Zwei Identitäten, mit denen ich mich zurechtfinden musste. Die Seite, die es mir erlaubte, im Haus meiner Großmutter zu leben, wo Fluchen nicht toleriert wurde und Sonntage der Kirche vorbehalten waren, und die Seite, die es mir erlaubte, auf der Straße zu überleben. Ich brauchte beide Seiten, um mich durchzuschlagen.
Es gab Zeiten, da habe ich mich tatsächlich gefragt, ob mit mir etwas nicht stimmt. Hatten alle anderen auch dieses Gefühl von Dualität? Oder war ich nicht ganz richtig im Kopf?
Heute kann ich sehen, dass daran nichts falsch war. Ganz im Gegenteil. Meine Fähigkeit, beide Persönlichkeiten zu nutzen, ist eine meiner größten Stärken. 50 Cent hat mich an die Spitze gebracht. Curtis Jackson ist der Mann, der es geschafft hat, mich dort zu halten.
Zum jetzigen Zeitpunkt ziehe ich schon länger in der amerikanischen Unternehmenswelt meine Kreise, als ich Geschäfte auf der Straße gemacht habe. Ich verdiente lediglich im Alter von zwölf bis 24 Jahren schmutziges Geld. Ich habe von 25 bis 45 Jahren auf legale Weise in Unternehmen Geld verdient. Das ist fast doppelt so lange.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass mir an diesem Punkt die Straßen und die Geschäftswelt oft gar nicht so unterschiedlich erscheinen. Beide spielen nicht fair. Beide sind extrem konkurrenzbetont. Sie sind beide skrupellos. Und du kannst immer noch beide beherrschen, wenn du mehrere Grundprinzipien befolgst:
Sei furchtlos. Die meisten Menschen laufen vor dem weg, wovor sie sich fürchten. Ich gehe direkt darauf zu. Das bedeutet nicht, dass ich denke, ich sei unverwundbar (ich habe auf die harte Tour gelernt, dass ich es nicht bin) oder dass ich mir der Gefahr nicht bewusst bin. Ich habe genauso viel Angst wie jeder andere Mensch.
Aber einer der größten Fehler, den Menschen machen können, ist, ihrer Angst nachzugeben. Was auch immer mich beunruhigt, ich begegne der Angst frontal und setze mich damit auseinander, bis die Situation gelöst ist. Meine Weigerung, der Angst nachzugeben, verschafft mir in fast jeder Situation einen Vorteil.
Entwickle das Herz eines Hustlers. »Hustlin’« wird vielleicht mit dem Verkauf von Drogen in Verbindung gebracht, aber es ist eigentlich eine Charaktereigenschaft, die erfolgreichen Menschen in jedem Beruf gemeinsam ist. Steve Jobs war bei Apple genauso ein Hustler wie ich, als ich noch auf der Straße arbeitete.
Der Schlüssel zur Entwicklung dieser Eigenschaft in der eigenen Persönlichkeit ist es, zu akzeptieren, dass man nie auf ein bestimmtes Ziel zusteuert. Hustlin’ ist ein Motor, der jeden Tag in einem selbst laufen muss. Und sein Treibstoff ist Leidenschaft. Wenn du diesen Motor am Laufen halten kannst, wird er dich überall hinbringen, wo du im Leben hinwillst.
Stelle ein gutes Team zusammen. Du bist nur so stark wie das schwächste Glied in deinem Team. Deshalb musst du dir absolut bewusst sein, mit wem du dich umgibst. Verrat ist nie so unwahrscheinlich, wie du gerne glauben würdest.
Deshalb ist es unerlässlich, bei den Menschen, mit denen du zusammenarbeitest, ein Gleichgewicht zwischen Vertrauen und Disziplin herzustellen, und ihnen die Freiheit zu geben, sie selbst zu sein. Wenn dir diese Balance gelingt, wirst du in der Lage sein, das Beste aus deinem Team herauszuholen.
Kenne deinen Wert. Einer der Eckpfeiler meines anhaltenden Erfolgs ist, dass ich mich nicht in Geschäfte stürze. Auch wenn ich zum Synonym dafür geworden bin, »gut bezahlt zu werden«, jage ich nie dem Geld hinterher. Ich bewerte jedes neue Projekt auf der Grundlage seines langfristigen Potenzials und nicht danach, wie der erste Scheck aussehen wird, den ich bekomme.
Der Grund, warum ich das tue, ist, dass ich höchstes Vertrauen in meinen eigenen Wert und meine Fähigkeiten habe. Ich bin mir sicher, dass ich, solange ich auf mich selbst setze, immer gewinnen werde.
Entwickle dich oder stirb. Wenn ich nicht willens – oder nicht in der Lage – gewesen wäre, mich als Individuum weiterzuentwickeln, wäre ich jetzt tot oder im Knast. Einer der Schlüssel zu meinem Erfolg ist, dass ich in jeder Phase meines Lebens bereit war, jede neue Situation, in der ich mich befand, richtig einzuschätzen und die notwendigen Veränderungen vorzunehmen.
Ich werde zwar immer aus den Lektionen lernen, die ich auf der Straße gesammelt habe, aber ich habe mich nie auf sie beschränkt. Stattdessen sehe ich zu, dass ich immer neue Informationen aus so vielen Quellen wie möglich aufnehme. Es ist mir egal, woher du kommst oder wie du aussiehst – wenn du es geschafft hast, erfolgreich zu sein, möchte ich von dir lernen.
Bestimme, wie du wahrgenommen wirst. Alles, was du der Welt offenbarst – deine Worte, deine Ausstrahlung, deine Kleidung – erzählt eine Geschichte. Du musst sicherstellen, dass deine Darstellung dich immer so präsentiert, wie du gesehen werden willst, auch wenn die Realität eine etwas andere Geschichte erzählt.
Eines der Geheimnisse, um im Leben zu bekommen, was man will, ist, den Eindruck zu erwecken, dass man nichts braucht. Es kann schwierig sein, diese Haltung zu vermitteln – vor allem, wenn du mit Problemen zu kämpfen hast –, aber wenn du diese Wahrnehmung konsequent förderst, wirst du beruflich, privat und sogar in einer Liebesbeziehung an Attraktivität gewinnen.
Keine Angst vor dem Wettkampf. Manche Leute versuchen, mich als Quälgeist oder Tyrannen darzustellen, aber das entspricht nicht den Tatsachen. Mein erster Instinkt ist immer, positive und für beide Seiten vorteilhafte Beziehungen zu Menschen aufzubauen. Aber wenn jemand nicht daran interessiert ist, mit mir befreundet zu sein, ist es für mich kein Problem, in ihm oder ihr einen Gegner zu sehen.
Der Grund dafür ist, dass ich glaube, dass Konkurrenz für alle beteiligten Parteien gesund ist. Egal, ob es darum geht, gegen etablierte Rapper oder erfolgreiche Fernsehserien anzutreten, ich hatte immer dann den größten Erfolg, wenn ich mich direkt und ohne zu zögern mit meinen Rivalen angelegt habe.
Lerne aus deinen Misserfolgen. So viele Erfolge ich im Laufe der Jahre errungen habe, so viele Misserfolge habe ich auch erlebt. Damit bin ich unter den erfolgreichen Menschen keine Ausnahme, sondern es ist die Regel. Ich kenne keinen wohlhabenden Rapper, Mogul, Manager oder Unternehmer, dessen Verluste seine Gewinne nicht bei Weitem überwiegen.
Was diese Menschen von der Masse unterscheidet, ist, dass sie sich nicht über ihre Misserfolge beschweren oder sich vor ihnen verstecken, sondern aktiv versuchen, aus ihnen zu lernen.
Vermeide es, Ansprüche zu stellen. Nichts wurde mir im Leben je geschenkt. Ich musste für alles kämpfen, was ich mir verdient habe. Deshalb habe ich niemals eine Anspruchshaltung eingenommen. Aber fast überall, wo ich hinschaue – von der Straße bis in die Vorstandsetagen –, sehe ich immer noch eine Menge Menschen mit Anspruchsdenken.
Du wirst niemals dauerhaften Erfolg haben, solange du nicht die volle Verantwortung für das übernimmst, was in deinem Leben passiert. Keiner schuldet dir etwas. Genauso wie du niemandem irgendetwas schuldig bist. Sobald du diese grundlegende Wahrheit erkennst und akzeptierst, dass du die Kontrolle über deinen Werdegang hast, werden sich viele Türen, die verschlossen schienen, vor dir auftun.
In meiner Jugend habe ich das Lesen oft als eine Pflicht empfunden, die ich ertragen musste, und nicht als ein nützliches Mittel, das einem helfen kann, sein Leben zu verbessern.
Egal wie viele Geheimnisse ich in diesem Buch über Glück, Business und die Verbesserung des eigenen Lebens offenbare, es wird, aufgrund der eben beschriebenen Einstellung gegenüber dem Lesen, eine Menge Leute in meiner Hood geben, die nichts von diesen Geheimnissen erfahren werden. Sie lesen einfach keine Bücher. Sie gehen vielleicht 1000-mal an einem Buch wie diesem vorbei, bis es verstaubt ist, bevor sie überhaupt daran denken, es aufzuschlagen.
Das ist auch nicht allein ihre Schuld. Viele Bücher sind nicht in einer Sprache geschrieben, die für jeden zugänglich ist. Ich persönlich habe erst mit dem Lesen angefangen, als ich Autoren wie Donald Goines und Iceberg Slim entdeckte, die in einer Sprache schrieben, die mir vertraut war. Mit ihrem Stil konnte ich mich anfreunden, und das gab mir das Selbstvertrauen, mich mit Autoren zu beschäftigen, die nicht aus dem gleichen Milieu stammen wie ich. Autoren wie Don Miguel Ruiz, Paulo Coelho und einer, der sogar ein enger Freund und Mitarbeiter geworden ist, Robert Greene.
Selbst wenn du nicht von der Straße stammst (und wenn man bedenkt, wie vielseitig mein Publikum mittlerweile ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dies nicht der Fall ist), hast du dennoch einen wichtigen Schritt getan, indem du dieses Buch in die Hand genommen hast. Heutzutage haben viele Leute das Lesen durch Klicken ersetzt. Sie überfliegen ein Thema nur oberflächlich – schauen sich vielleicht ein kurzes Video an, lesen vielleicht eine Wikipedia-Seite – und haben das Gefühl, sie hätten ganze Arbeit geleistet.
Sorry, aber ein paar Klicks oder Scrolls sind einfach nicht genug. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich mehrere Beispiele anschauen und über mehrere Szenarien nachlesen muss, bevor man bestimmte Grundsätze verinnerlicht hat.
Nachdem du dieses Buch ausgelesen hast, kann es sein, dass du nur ein paar der Prinzipien für dich übernehmen wirst. Vielleicht sogar nur eines. Das ist in Ordnung. Das war der Fall, als ich Roberts 48 Gesetze der Macht gelesen habe. Wenn du mich heute fragen würdest, worum es in dem Buch ging, kann ich dir nur sagen: »Stelle als Schüler niemals den Meister in den Schatten.«
Es gab noch siebenundvierzig andere Gesetze in diesem Buch, aber dieses ist dasjenige, das sich in meinem Kopf festgesetzt hat. Und weil es mich nie verlassen hat, konnte ich es im Laufe der Jahre so oft anwenden. Ich habe buchstäblich Millionen gemacht, indem ich mir dieses Prinzip immer wieder ins Gedächtnis gerufen habe.
Meine Hoffnung ist, dass du diesem Buch mindestens ein fundamentales Prinzip entnehmen kannst, das sich auch in deinem Kopf festsetzt. Vielleicht geht es dabei um Furchtlosigkeit. Vielleicht geht es darum, die Wahrnehmung der anderen zu beeinflussen. Oder um die Notwendigkeit, sich weiterzuentwickeln.
Welches Prinzip auch immer es ist, das dich anspricht, halte daran fest. Trage es in dir, bis es ein Teil deines Lebens wird.
Wenn man ganz oben auf der Erfolgsleiter angekommen ist, wenn man all das Geld hat, dann verändert sich die Sicht auf das, was wirklich zählt. Wie man anderen Menschen helfen kann.
Ich ruhe mich nicht gerne auf meinen Lorbeeren aus. Wenn ich mit 70 noch lebe, möchte ich immer noch meinen Beitrag leisten und aktiv sein. Das Leben wird mir vielleicht weniger abverlangen, aber ich werde immer noch ein Teil der Kultur sein. Und helfen, sie zu fördern. Ich mache vielleicht keine großen Sprünge mehr, aber ich werde immer noch da sein und versuchen zu helfen.
Ich habe Menschen auf eine Art und Weise unterstützt, von der du vielleicht noch nichts gesehen oder gehört hast. Aber dieses Buch ist eine der wirkungsvollsten und weitreichendsten Möglichkeiten, dies zu tun.
Du kannst darauf vertrauen, dass bei jedem scheinbar unbedachten Tweet oder ungezügelten Text von 50 Cent eine Methode dahintersteckt, wie Curtis Jackson vorgeht. Eine Strategie hinter dem Handeln, die sich bewährt hat und nachweislich funktioniert.
Dies ist meine Chance, dir diese Strategien zu erläutern, damit du dich in deinem eigenen Leben zielgerichtet und selbstbewusst weiterentwickeln kannst.
Ich freue mich, dass du mich auf dieser Reise begleitest.
»Ich würde keinen Pfifferling für einen Mann geben, der nicht manchmal Angst hat. Angst ist die Würze, die es spannend macht, sich im Leben weiter zu wagen.«
DANIEL BOONE
Vor ein paar Jahren beauftragte ich einen jungen Franzosen namens Corentin Villemeur damit, sich um meine Webseite zu kümmern. Wenn er nicht gerade für mich arbeitete, verbrachte Corentin seine Zeit damit, vor atemberaubenden Hintergründen Selfies zu machen – sei es gefährlich nahe am Abgrund einer Klippe stehend oder auf dem Dach eines Hochhauses, mit herabbaumelnden Beinen.
Wenn er den Mitarbeitern in meinem Büro diese Fotos zeigte, schüttelten sie nur den Kopf und lachten: »Auf so eine Idee kann auch nur ein Weißer kommen.« Für sie war das so abwegig wie Fallschirmspringen oder wilde Tiere streicheln – ein unnötiges Risiko, das nur jemand eingehen würde, der wirkliche Gefahr noch nie am eigenen Leib erfahren hat.
Ich sah die Sache anders.
Ich sah darin eine Möglichkeit, mich frei zu fühlen.
Also nahm ich Corentin eines Tages mit aufs Dach meines alten Bürogebäudes am Times Square, um selbst ein paar Fotos zu machen. Aber statt die Beine nur über die Kante baumeln zu lassen, entschloss ich mich, den Einsatz zu erhöhen.
Auf dem Dach befand sich ein Wasserturm, eine tonnenförmige Holzkonstruktion, die sich mehrere Stockwerke über uns erhob. Ohne zu zögern, kletterte ich die klapprige Leiter hinauf und setzte mich auf den Rand. Ich muss vierzig Stockwerke hoch in der Luft gewesen sein. Unter mir sahen die Menschen auf den Straßen aus wie Ameisen bei einem Picknick. Wenn ich ausgerutscht wäre, wäre der Weg hinunter aufs Trottoir ziemlich lang geworden.
Das Risiko war ebenso hoch wie mein Sitzplatz, aber ich spürte keinerlei Angst. Stattdessen genoss ich die spektakuläre Aussicht. Das Gebäude der New York Times ragte zu meiner Linken über mich hinaus, und hinter mir glitzerte der Hudson River. Ich fühlte mich unglaublich lebendig. Meine Heimatstadt aus der Vogelperspektive zu sehen, erfüllte mich mit dem gleichen Ansporn, den ich als junger Mann empfunden hatte. New York City lag mir buchstäblich zu Füßen. Die Stadt der Träume. Und ich würde weiterhin alles geben, um jeden einzelnen meiner Träume zu verwirklichen!
Ich lehnte mich zurück, und Corentin gelang ein spektakulärer Schnappschuss für Instagram. Als ich wieder unten in meinem Büro war, postete ich das Foto mit der folgenden Bildunterschrift:
Ich lebe am Abgrund. Ich bin nur frei, weil ich keine Angst habe. Alles, wovor ich Angst hatte, ist mir bereits zugestoßen.
Der Beitrag fand viel Anklang. »So ist es«, schrieb einer, während ein anderer hinzufügte: »Mann, das sind starke Worte.« Aber nicht alle wussten den Post zu schätzen. Ungefähr eine Woche nach der Veröffentlichung des Fotos erhielt ich einen Brief von meiner Versicherungsgesellschaft, in dem sie mir erklärten, dass sie meine Police sofort kündigen würden, wenn ich mein Leben noch einmal derart bewusst riskierte.
Die Versicherungsgesellschaft hätte allerdings nicht überrascht sein dürfen. Wenn es eine Eigenschaft gibt, die mich von klein auf geprägt hat, dann ist es die Furchtlosigkeit.
Viele Menschen denken wahrscheinlich, dass ich von Geburt an furchtlos war. Vielleicht verbreite ich eine Energie, die das suggeriert, aber es stimmt nicht. Als Kind hatte ich Angst vor der Dunkelheit. Ich hatte eine Riesenangst davor, auf der Straße getötet zu werden, und ich war wie gelähmt vor Angst, als ich zu rappen begann, weil ich fürchtete, zu versagen. Ich habe alle Arten von Angst und Furcht durchlebt.
Der entscheidende Punkt ist, dass ich mich dagegen wehre, mich an diese Ängste zu gewöhnen. Ich habe gelernt, dass die Bequemlichkeit alle Träume zerstört. Sie untergräbt unsere Ambitionen. Macht uns blind für unsere Visionen. Fördert Selbstgefälligkeit.
An nichts gewöhnen sich Menschen so sehr wie an ihre Ängste. Nicht dass die meisten von ihnen dies zugeben würden. Wenn du irgendjemanden fragst, ob er in einem ständigen Zustand der Angst lebt, wird er wahrscheinlich sagen: »Natürlich nicht.« Aber das ist nur der Stolz, der da spricht. Die Angst beherrscht das Leben der meisten Menschen. Angst vor Verlust. Angst vor dem Scheitern. Angst vor dem Unbekannten. Angst vor Einsamkeit.
Ich finde nicht, dass man sich schämen muss, wenn man Angst vor etwas hat. Tatsächlich kann ein bisschen Paranoia enorm hilfreich sein. Es gibt jede Menge wirkliche Gefahren auf der Welt. Es gibt zahlreiche Menschen, die böse Absichten hegen. Sich dessen bewusst zu sein, macht es einfacher, entsprechende Situationen zu vermeiden.
Was man auf keinen Fall tun sollte, ist, sich mit seinen Ängsten abzufinden. Du kannst nicht dein Leben lang Intimität und Liebe vermeiden, nur weil du Angst vor Verlust hast (womit ich selbst auch zu kämpfen hatte). Du kannst nicht aufhören, Risiken einzugehen, nur weil du Angst hast zu versagen. Du kannst nicht aufhören, neue Dinge auszuprobieren, nur weil du Angst vor dem Unbekannten hast. »Nicht den Tod sollte man fürchten«, sagte einst der römische Kaiser und Philosoph Marc Aurel, »sondern, dass man nie beginnen wird, zu leben.«
Ich kann die Entstehung meiner eigenen Furchtlosigkeit auf ein konkretes Ereignis zurückführen: den Tod meiner Mutter. Das ist eine besondere Art von Angst, eine, die schwer zu beschreiben ist. Mehr noch, als neunmal angeschossen zu werden, war der Verlust meiner Mutter für mich der tiefste Einschnitt in meinem Leben. Selbst jetzt, wo ich mittleren Alters bin, kann ich ihren Verlust noch spüren.
Aber durch ihren Tod hat meine Mutter mir zugleich ein seltenes Geschenk gemacht: die Saat der Furchtlosigkeit. Es sollte noch sehr lange dauern, bis dieser Charakterzug in mir vollständig aufgeblüht war. Leider musste ich noch viel schwierigere und gefährlichere Momente erleben, bis diese Eigenschaft zu meiner zweiten Natur wurde.
In diesem Kapitel erzähle ich von einigen Erlebnissen und Situationen, die mir geholfen haben, einen Sinn dafür zu entwickeln, mutig und furchtlos zu sein. Das hat mir wiederum die Gewissheit gegeben, dass auf der anderen Seite der Angst keine Gefahren warten, auch nicht der Tod, sondern die Freiheit.
Ich möchte zeigen, dass Furchtlosigkeit eine Stärke ist, die du selbst entwickeln kannst. Wie eine Art Muskel, den du aufbauen kannst, allerdings hoffentlich ohne ein solches Trauma durchleben zu müssen wie ich, das meine eigene Furchtlosigkeit so dramatisch ausgeprägt hat. Du musst nicht deine Mutter verlieren oder neun Schüsse überlebt haben, um den Glauben zu entwickeln, dass du alles überleben kannst, was dir widerfährt. Dass die einzige Sache, der du dich beugen musst, die Erkenntnis ist, dass du Risiken nicht vermeiden kannst.
Als Kind war Mannschaftssport nie mein Ding. Ganz gleich, was wir spielten – Football, Basketball oder Baseball –, wenn wir verloren, hatte ich immer ganz schnell einen Schuldigen ausgemacht. »Klar, wir haben’s vermasselt, weil du deinen verdammten Mann nicht gedeckt hast!« So beschimpfte ich einen Spieler aus meinem Team, der als Verteidiger kein Bein auf den Boden bekommen hatte: »Der Typ hat dir den Arsch aufgerissen. Wir haben wegen dir verloren, Junge!«
Es war nicht so, dass ich mich der Verantwortung entziehen wollte. Wenn ich ein schlechtes Spiel geliefert hatte oder meinen Mann nicht decken konnte, war ich der Erste, der das zugab. Es war eher so, dass es mir nicht passte, meinen eigenen Erfolg von der Fähigkeit oder Unfähigkeit eines anderen abhängig zu machen. So geht es mir bis heute. Ich sage immer, wenn ich jemals beim Rennen auf ein Pferd setzen würde, dann lass mich selbst das Pferd sein, verdammt noch mal. Denn ich weiß, dass ich so schnell rennen werde, wie ich nur kann.
Ich war klug genug zu erkennen, dass ich emotional nicht für Mannschaftssportarten geeignet war. Ich brauchte einen Sport, bei dem es allein meine Schuld war, wenn ich verlor. Einzelsportarten wie Golf oder Tennis waren keine Sportarten, die Leute aus meinem Bekanntenkreis spielten. (Ich wohnte nur etwa zwanzig Minuten von dem Ort entfernt, an dem die US Open in Flushing Meadows gespielt werden, aber es hätte genauso gut in einem anderen Bundesstaat sein können). Und in meinem Viertel wurde normalerweise nur gerannt, wenn jemand hinter einem her war.
In meiner Nähe befand sich jedoch eine Boxhalle der Police Athletic League, die von einem Boxer aus der Gegend namens Allah Understanding betrieben wurde. Er stammte aus den Baisley-Projects, einer nahe gelegenen Sozialbausiedlung, und hatte sich in einer Zeit einen Namen gemacht, als eine starke Schlagtechnik etwas war, was die Menschen respektierten, was sie anstrebten und fürchteten. Ich fing an, mit Allah zu trainieren, als ich etwa zwölf Jahre alt war, und ich wusste fast sofort, dass Boxen das Richtige für mich war.
Eines Tages hing ich in der Boxhalle herum, als ein Typ aus der Gegend namens Black Justice in Begleitung eines seiner Laufburschen auftauchte. Blackie, wie wir ihn nannten, war einer der angesehensten Dealer in Baisley, einer der Top-Leute für das Supreme Team, dem damals größten Ring von Drogendealern in Queens. Sein Laufbursche war so etwas wie sein verlängerter Arm, ständig präsent, und stellte sicher, dass ein Rivale es sich zweimal überlegen würde, sich mit ihm anzulegen. Sie waren wahrscheinlich selbst erst achtzehn oder neunzehn Jahre alt, aber sie waren in der Nachbarschaft bereits berüchtigt. Sie waren die Art von hungrigen jungen Aufsteigern, mit denen man auf keinen Fall irgendwelchen Ärger haben wollte.
In der Halle wurde es still, während wir beobachteten, wie Blackie und sein Bursche umherschlenderten. Dann, ohne ein Wort zu sagen, machte Blackies Junge vor einem der schweren Sandsäcke halt und begann, darauf einzuprügeln.
Bam-bam, bam-bam-bam.
Als Jüngstem im Raum hätte mir der gesunde Menschenverstand normalerweise vorgeschrieben, den Mund zu halten und nur zuzuschauen. Aber vielleicht, weil ich der Jüngste war, fühlte ich mich etwas mutiger, und meine große Klappe überkam mich. Als der Typ sich an dem Sack abgearbeitet hatte, rief ich ihm etwas zu.
»Hey Mann, sieht gut aus, wie du den Sack bearbeitest«, kommentierte ich, laut genug, dass jeder in der Halle es hörte. »Aber der Sack schlägt ja auch nicht zurück.«
Blackie schnellte herum. »Was sagst du da, Kleiner? Redest du etwa mit mir?«
»Nein, du bist mir eine Nummer zu groß«, antwortete ich schnell. »Ich rede mit ihm«, sagte ich, während ich auf seinen Mann deutete.
Die meisten anderen Typen an seiner Stelle hätten mir den Arsch versohlt – oder schlimmer noch, mir direkt eins auf die Zwölf gegeben. Aber diese Burschen hier nahmen mein Gelaber auf die leichte Schulter (Blackie hatte etwas Generöses an sich, frei von jener Gier, von der viele seines Schlages infiziert waren). Statt es mir übel zu nehmen, respektierten sie meinen ausgesprochenen Mut.
»Yeah, ich mag den Kleinen«, sagte Blackie und zeigte auf mich. »Wir werden hier noch einige richtige Champions hervorbringen, denn diese kleinen Nigga sind ganz schön verrückt.«
Diese Anerkennung allein hätte mir den ganzen Tag versüßt. Stattdessen setzte Blackie noch eins drauf. »Diese Boxhalle sollte mal ein wenig renoviert werden, wenn wir das Beste aus den Boxern herausholen wollen«, verkündete er, während er sich das heruntergekommene Interieur anschaute. »Was braucht ihr denn so? Schreibt mal alles auf.«
Zwei Wochen später war die Halle komplett neu eingerichtet. Blackie hatte uns Boxschuhe, Trikots, neue Seile, Boxsäcke und einen neuen Satz Gewichte besorgt, um unser altes, rostiges Set zu ersetzen, das wahrscheinlich seit den Sechzigern nicht mehr erneuert worden war. Von da an kümmerte sich Blackie um uns. Was auch immer wir brauchten, er besorgte es uns. Obwohl das Gebäude theoretisch zum Parks and Recreation Department gehörte, war es fortan Blackies Fitnessstudio.
Ich hatte meine große Klappe nicht aufgerissen, um dann auch noch belohnt zu werden, aber genau das ist am Ende passiert. Das war eine wichtige Lektion, die ich lernen musste. Man muss die Angst bei jeder Gelegenheit in Momente des Handelns umwandeln, denn die Furchtlosen erkennen einen nicht nur, sondern sie belohnen auch oft einen der ihren.
Ich fing als stämmiger Zwölfjähriger in Allahs Fitnessstudio an, wobei mich die knapp 70 Kilo, die ich mit mir herumschleppte, älter wirken ließen, als ich war. Hast du jemals den Ausdruck gehört, »über sein eigenes Gewicht boxen«? Nun, in dieser Boxhalle musste ich vom ersten Tag an oberhalb meines Gewichts und meines Alters boxen. Es gab keine anderen Jugendlichen in meinem Alter, mit denen ich hätte trainieren können, also ließ mich Allah Understanding gegen jeden kämpfen, der in meiner Gewichtsklasse war, was normalerweise bedeutete, dass die Gegner vier bis fünf Jahre älter waren als ich. Das mag nicht wie eine große Sache klingen, aber es gibt einen gewaltigen Unterschied zwischen einem Zwölfjährigen und einem Siebzehnjährigen. Diese Siebzehnjährigen waren im Grunde Männer, während ich immer noch darauf wartete, dass meine Pubertät einsetzte. Ich war vielleicht in der gleichen Gewichtsklasse, aber mir fehlten deren Kraft und Reife. Es war verdammt einschüchternd, mit diesen Jungs in den Ring zu steigen.
Ich habe dieser Angst nie nachgegeben – vor allem, weil Allah Understanding das nicht zuließ. Eines der besten Dinge, die er und die anderen Trainer taten, war, sich zu weigern, mich zu verhätscheln. Wenn mich ein älterer Junge beim Sparring ins Gesicht schlug, unterbrachen sie nicht die Übung und fragten, ob es mir gut ginge. Sie wollten mir zeigen, dass ich weiterkämpfen sollte, egal wie viel Angst ich hatte oder wie verletzt ich war.
Diese Abreibungen haben mich zwei Dinge gelehrt. Erstens habe ich gelernt, dass ich einstecken kann. Ja, im Gesicht getroffen zu werden, war nicht unbedingt angenehm. Es raubte mir die Orientierung. Es tat weh. Manchmal tränten mir die Augen. Aber die Treffer brachten mich nicht um. Mann, sie haben mich nie k.o. geschlagen. Als ich merkte, dass ich Schläge wegstecken und weiterkämpfen konnte, verschwand die meiste Angst, die ich zuvor noch empfunden hatte.
Zweitens, und ich bin Allah Understanding für immer zu Dank verpflichtet, dass er mir das beigebracht hat, lernte ich, dass ich etwas dagegen tun musste, wenn es mir nicht gefiel, verprügelt zu werden. »Halt deine verdammten Hände oben«, brüllte er, wenn ich meine Deckung fallen ließ und mein Gegner mich erwischte. Wenn mein Gegner anfing, mich mit Körpertreffern zu bearbeiten, nachdem er mich in eine Ecke gedrängt hatte, brüllte Allah: »Geh zurück in die Mitte des Rings!« Allah Understanding lehrte mich, dass ich keine Schläge hinnehmen musste. Ich konnte immer etwas dagegen tun.
Sie wussten, dass ich wegen meines Gewichts häufig gegen viel zu starke Gegner kämpfen musste, aber sie weigerten sich, mich zu verhätscheln. Hast du jemals ein Kind gesehen, das hingefallen ist und sich das Knie aufgeschürft hat? Wie es reagiert, hängt weitgehend von der Reaktion der Eltern ab. Wenn ein Elternteil zu ihm hinläuft und besorgt fragt: »Schatz, hast du dir wehgetan?«, wird das Kind wahrscheinlich weinen. Aber wenn die Eltern die Situation angemessen einschätzen, sehen, dass es dem Kind gut geht, und nicht weiter nachfragen, wird das Kind einfach sein Knie abwischen und weiterspielen. Das ist die Art von Eltern, die Allah Understanding für mich war. Er hat mir beigebracht, einen Schlag wegzustecken und einfach weiterzumachen.
Er war nicht herzlos – er versuchte, mich darauf zu konditionieren, die unvermeidlichen Schläge abzuwehren, die das Leben mir verpassen würde, und weiter meine Ziele zu verfolgen, anstatt mich vom Weg abbringen zu lassen.
Sobald ich lernte, keine Angst davor zu haben, getroffen zu werden, wurde ich ein viel besserer Boxer. Anstatt ständig auf den Fersen zu bleiben und mir Gedanken zu machen, was mein Gegner mit mir machen würde, brachte ich den Kampf zu meinem Gegner. Ich lernte, wie ich die Bedingungen der Konfrontation bestimmen konnte. Wenn ich verlor, dann nicht, weil ich in eine Ecke gedrängt und niedergeschlagen worden war. Es lag daran, dass ich das tat, was ich wollte, und einfach auf jemanden getroffen war, der mehr Fähigkeiten hatte.
Es ist lange her, dass ich im Ring einen Gesichtstreffer kassiert habe, aber ich habe versucht, diese Einstellung bei allem, was ich tue, beizubehalten. Ich weigere mich, davor Angst zu haben, dass ich einen Schlag einstecken könnte. Ich weiß, dass die Schläge kommen werden, und einige davon werden mich taumeln lassen, aber ich werde sie einstecken können.
Viele von euch sind wie das Kind, das von seinem Roller gefallen ist und darauf wartet, dass seine Mami rüberkommt und sagt: »Schatz, hast du dir wehgetan?« Bei mir ist das anders. Wenn ich falle, warte ich nicht auf ein mitfühlendes Wort oder jemanden, der nach mir sieht. Ich stehe sofort wieder auf und mache weiter.
Ich habe akzeptiert, dass die Schläge im Leben kommen werden, und dass einige von ihnen auch wehtun. Aber ich werde immer überleben und weiter für die Dinge kämpfen, die ich mir in den Kopf gesetzt habe. Das sollte auch deine Einstellung sein.
Wie ich schon sagte, war es der Tod meiner Mutter, der mich dazu zwang, nach und nach immun gegen die Angst zu werden. Dass ich lernte, wie man ins Gesicht geschlagen wird, machte mich nur härter im Nehmen. Eine Zeit lang sah es so aus, als ob Angst ein Gefühl wäre, mit dem ich mich nie wieder würde auseinandersetzen müssen.
Aber das war nicht der Fall. Als ich angeschossen wurde, wurde dieses Gefühl der Angst zweifellos wieder in mir geweckt.
Zunächst einmal hatte ich in den Wochen nach diesem Vorfall vor allem eine Heidenangst vor den Leuten, die auf mich geschossen hatten. Ich wusste, dass sie noch da draußen rumliefen, dass sie in der Nähe waren und dass es ihr Ziel war, die Sache – also mich – zum Ende zu bringen.
Zusätzlich zu den emotionalen Ängsten hat mich auch der physische Schmerz der Schusswunden wieder mit der Angst vertraut gemacht. Nicht in dem Moment, in dem ich getroffen wurde – das Adrenalin verhindert, dass man zu viel davon spürt –, sondern in den Monaten, die folgten.
Sobald das Adrenalin nachlässt und der Arzt dir sagt, dass du es überleben wirst, fängst du an, die Auswirkungen der Kugeln, die sich durch die Muskeln gebohrt und die Knochen pulverisiert haben, akut zu spüren. Ich spürte überall Schmerzen – spürte, wo Blei durch meinen Daumen oder durch meine Wange gedrungen war. Monatelang war es, als hätte ich im ganzen Körper Kopfschmerzen: ein unerbittliches und tiefes Pochen, von dem ich vorher nicht gewusst hatte, dass man sowas im Bein oder in der Hand spüren kann.
Jedes Mal, wenn ich in der Physiotherapie mein Bein belasten oder das Narbengewebe am Daumen bearbeiten musste, tat es höllisch weh. Mir wurde klar, dass ich Angst davor hatte, diesen Prozess erneut durchmachen zu müssen. Vielleicht sogar mehr als vor dem Sterben.
Aber mit fortschreitender Reha wurde mir auch eine andere wichtige Wahrheit bewusst: Ich fühlte mich nicht wohl dabei, Angst zu haben. Das hört sich vielleicht nach einer Selbstverständlichkeit an, aber ich glaube, das ist es, was mich tatsächlich einzigartig macht.
Die meisten Menschen haben sich schon sehr gut an ihre Ängste gewöhnt und ihr Leben entsprechend angepasst. Angst vorm Fliegen? Dann steig nicht in ein Flugzeug ein. Angst vor Haien? Gehe in deinem Karibikurlaub nicht schnorcheln. Angst vorm Versagen? Nun, dann versuche es erst gar nicht. Viele Menschen leben ihr ganzes Leben auf diese Weise.
Ich nicht. Ich hasste es, Angst zu haben. Ich hasste es, ständig über meine Schulter zu schauen. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, mich verstecken zu müssen, bis sich die Situation beruhigt hatte. Für mich war es fast schlimmer, mich zu verstecken, als erschossen zu werden.
In gewisser Weise war der körperliche Schmerz, den ich ertrug, mein Freund. Er hat mich weitergebracht, als die meisten Menschen zu gehen bereit sind. Und glaube mir, wenn du so schwer verletzt wirst, verändert sich alles. Du willst das Problem angehen, anstatt davor wegzulaufen. Das ist genau das, was ich getan habe.
Nach einigen Wochen Reha kam ich zurück ins Haus meiner Großmutter in Queens. Buchstäblich zurück an den Ort des Verbrechens. Das war an sich schon ein großer Schritt für mich, psychologisch gesehen. Das Einfachste – ja, das Vernünftigste – wäre gewesen, weit wegzuziehen. An einen Ort, bei dem niemand außer meinen engsten Freunden weiß, wie man mich findet. Es musste nicht einmal weit weg sein, was die Kilometer betrifft. Ich hätte in die Bronx oder nach Staten Island ziehen können, und es wäre gewesen, als würde ich in ein anderes Land gehen. Doch ich war entschlossen, meiner Angst keinen Zentimeter nachzugeben. Ich wollte dorthin zurückkehren, wo ich leben wollte, und das war das Haus meiner Großmutter.
Nach beendeter Reha rieten mir die Ärzte, ich solle anfangen zu joggen, um die Ausdauer und Kraft meiner so arg in Mitleidenschaft gezogenen Beine aufzubauen. Ich wollte ihre Ratschläge unbedingt befolgen, aber fast sofort stieß ich auf ein Problem. Eines Morgens schaute ich aus dem Fenster im Haus meiner Großmutter und sah jemanden vor dem Haus, den ich nicht kannte. Ich fand es verdächtig, wie sehr er sich bemühte, unauffällig auszusehen. Ich war zugegebenermaßen in einem sehr paranoiden Zustand, also könnte es auch gar nichts gewesen sein. Aber Paranoia schärft die Sinne, so wie der feine Geruchssinn einer Antilope ihr hilft, aus Hunderten von Metern Entfernung einen Löwen zu wittern. Vielleicht habe ich das Raubtier da draußen gewittert.
Ich blies das Joggen ab, das ich für den Tag geplant hatte. Und auch am nächsten Tag, nachdem ich denselben Typen wieder auf der Straße lauern sah. Zu diesem Zeitpunkt war ich zutiefst irritiert. Hatten mich meine geschärften Sinne auf eine unsichtbare Gefahr aufmerksam gemacht? Oder bildete ich mir eine Bedrohung ein, die nicht wirklich da war? Ich konnte es nicht sagen. Alles, was ich sicher wusste, war, dass die Angst begann, mich innerlich aufzufressen.
Ich begriff, dass ich schon verloren hatte, wenn ich in diesem Haus blieb und meinen Reha-Plan nicht befolgte. Wenn die Angst deine Routine unterbricht oder dich in irgendeiner Weise dazu bringt, diese Routine infrage zu stellen, hat sie dich fest in ihren Fängen und wird dich für immer behindern. »Feiglinge sterben viele Male vor ihrem Tod«, schrieb Shakespeare. »Der Tapfere schmeckt den Tod nur einmal.« Ich wollte nicht wie ein Feigling abtreten.
Der beste Weg, eine Angst zu überwinden, die dich behindert, ist, sie zunächst einmal zu erkennen und dann einen Plan zu entwickeln, um sie zu überwinden. Das habe ich also getan. Zunächst habe ich akzeptiert, dass ich Angst hatte. Dann versammelte ich meine engsten Freunde im Wohnzimmer meiner Großmutter und erklärte ihnen, dass ich sie am nächsten Morgen brauchte, um mit mir joggen zu gehen. »Wir werden auf jeden Fall morgen zur Stelle sein«, hieß es einstimmig. Am nächsten Morgen erschien jedoch nur einer von ihnen: mein Freund Halim. Ich glaube nicht, dass die anderen Angst vor einer möglichen Auseinandersetzung hatten – dazu hatten sie sich schon zu oft bewährt. Ich glaube, sie hatten eher Angst vor der Vorstellung, morgens Kardiotraining machen zu müssen. Das war etwas, was ihnen nicht behagte.
Ich beschloss, nur mit Halim loszulaufen, obwohl er nicht der ideale Kandidat war: Er war in noch schlechterer Verfassung als ich. Schlimmer noch, ich hatte ernsthafte Zweifel, wie er reagieren würde, wenn es wirklich brenzlig würde. Wenn man sich von Typen umzingelt sieht, die nur nach einem Grund suchen, mal richtig Dampf abzulassen, würde Halim garantiert versuchen, möglichst jegliche Konfrontation zu vermeiden.
Da Halim nicht in Form war, gab ich ihm ein Fahrrad, damit er mit mir mithalten konnte. Was meine zweite Sorge betraf, entschied ich mich, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, und zwar buchstäblich.
Ich suchte mir eine kleine Pistole, legte sie mir in die gesunde Hand und wickelte sie dann mit medizinischen Verbänden fest. Jeder kannte mich als Boxer, also sah es auf den ersten Blick einfach so aus, als hätte ich mir im Ring die Hand gebrochen. Ich wickelte so viel Verband darum, dass die Waffe fast vollständig in meinem »Gips« verschwand und nur der Lauf herausschaute. Ich sagte Halim, er solle neben mir radeln und nach jedem Ausschau halten, der so aussah, als wolle er aus dem Gebüsch springen und auf mich schießen. Alles, was er tun musste, war Alarm zu schlagen, und ich würde dann den Rest übernehmen.
Halim und ich führten diese Prozedur jeden Morgen durch. Ich war fest entschlossen, meine Kraft und Ausdauer wiederzuerlangen, und wollte nicht zulassen, dass eine gefühlte oder tatsächliche Bedrohung zwischen mir und meinen Zielen stand. Hatte ich tatsächlich Angst bei einem dieser Läufe? Anfangs schon, aber ich war entspannt, weil ich wusste, dass ich jedes Mal, wenn ich loslief, alles getan hatte, was mir möglich war, um die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Ich hatte sowohl einen Späher als auch die Mittel zur Verteidigung, was zumindest mehr war, als ich gehabt hatte, als ich angeschossen wurde.
Es war eine logische Fortsetzung dessen, was Allah Understanding mir beigebracht hatte: Anstatt Angst davor zu haben, getroffen zu werden und einfach aufzugeben, sollte man sich darum bemühen, ein schwer berechenbares Ziel zu werden. Im Ring bedeutete das, auf den Zehen zu bleiben, sich ständig zu bewegen und die Hände oben zu halten. Auf der Straße bedeutete es, mit einem Bodyguard und einer Pistole im Ärmel zu joggen.
Letzten Endes hat mich niemand angegriffen, und ich konnte mich durch diese Läufe wieder in Form bringen. Aber im Nachhinein sehe ich ein, dass ich nicht so hartnäckig gegen meine Ängste hätte vorgehen müssen. Ich musste nicht durch dieselben Straßen laufen, in denen ich kurz zuvor angeschossen worden war – ich hätte genauso gut in ein nahe gelegenes Fitnessstudio gehen oder sogar ein Laufband im Keller meiner Großmutter installieren können.
Ich fühlte mich einfach so unbehaglich, dass sich alles andere als Joggen im Freien, vor den Augen der ganzen Nachbarschaft, wie ein komplettes Zugeständnis an die Angst angefühlt hätte. Ein Zugeständnis, das ich nicht bereit war, zu machen.
Heutzutage bin ich etwas weniger aggressiv, wenn es darum geht, Dinge direkt in Angriff zu nehmen. Wenn ich ganz ehrlich bin, gibt es immer noch einige Ängste, denen ich mich kaum gestellt habe.
Wir können unser ganzes Leben damit verbringen – und viele Menschen tun das –, etwas auszublenden, das wir eigentlich jeden Tag mit uns herumtragen. Aber man kann sich nicht vor etwas verstecken, das man nie abgelegt hat.
Um dir ein Beispiel zu geben: Wenn ich in den Spiegel schaue und meine derzeitigen Lebensumstände realistisch einschätze, ist das, wovor ich am meisten Angst habe, die Familie.
Es ist eine Angst, die ich mir nicht eingestehen wollte, weil ich weiß, dass für die große Mehrheit der Menschen die Familie unglaublichen Trost bietet. Sicherheit. Ein Gefühl des Wohlbefindens und der Verbundenheit.
Dieses Gefühl hatte ich noch nie. In der Familie fühle ich mich verdammt unwohl. Sie gibt mir kein Gefühl der Sicherheit. Sie vermittelt mir eher das Gefühl, extrem verletzlich zu sein.
Das ist angesichts meiner Herkunft wahrscheinlich keine Überraschung. Die größte Angst, die jedes Kind hat, egal wo oder unter welchen Umständen es lebt, ist der Verlust eines Elternteils. Das ist Teil unserer DNA. Das ist keine App, die man erst auf sein Handy herunterladen muss; sie ist bereits vorinstalliert. Psychologen sagen, dass die Angst, ein Elternteil zu verlieren, zwischen dem vierten und achten Lebensjahr besonders ausgeprägt ist. Jedes Kind fängt in diesem Alter an, sich Sorgen zu machen, wenn seine Eltern zu spät vom Einkaufen zurückkommen oder für ein paar Tage wegfahren. Natürlich kommen die Eltern immer zurück, und mit der Zeit hört das Kind auf, sich Gedanken darüber zu machen, dass sie nicht zurückkommen könnten. Nun, meine Mutter kam eines Tages nicht mehr zurück. Als also die schlimmste Befürchtung eines jeden Kindes für mich wahr wurde, fiel es mir sehr, sehr schwer, mich für die Art von Liebe, die ich für meine Mutter empfand, jemand anderem gegenüber zu öffnen.
Wie du wahrscheinlich gemerkt hast, wurden die Dinge nicht unbedingt einfacher, als ich zu meinen Großeltern zog. Ihre Liebe war unbestritten, aber die Umgebung war selbst in den besten Zeiten chaotisch. Es gab nie genug Geld, Zuwendung oder Halt. Stattdessen gab es jede Menge Drogen- und Alkoholmissbrauch. Eine Menge Dysfunktionalität. Das Haus meiner Großeltern war wahrlich nicht der ideale Ort, an dem ich um meine Mutter trauern konnte.
Aber sie waren die einzige Familie, die ich hatte. Ich habe meinen Vater nie kennengelernt. Ich weiß nicht einmal, wer der Typ ist. Viele Menschen, die ohne Vater aufgewachsen sind, haben den Wunsch, den Kontakt wiederherzustellen, wenn sie älter sind, aber ich habe das nie so empfunden. Ich bin sogar froh, dass er sich nicht gemeldet hat. Die Dinge, bei denen er mir hätte helfen können – die Lektionen, die er mir hätte beibringen können –, diese Momente sind alle vorbei. Ich glaube nicht, dass es irgendetwas Positives gibt, das er jetzt zu meinem Leben beitragen könnte.
Wie viele andere Menschen auch, setzte ich zunächst den Kreislauf dysfunktionaler Beziehungen fort, der mit dem Tod meiner Mutter begonnen hatte. Als mein Sohn Marquise geboren wurde, genau zu der Zeit, als meine Rap-Karriere Fahrt aufnahm, dachte ich, ich hätte die Kurve gekriegt. Ich erinnere mich, dass ich einem Journalisten sagte: »Als mein Sohn in mein Leben trat, änderten sich meine Prioritäten, denn ich wollte die Beziehung zu ihm haben, die ich zu meinem Vater nie hatte.«
Das war zumindest meine Intention, aber es entsprach letztlich nicht der Realität. Shaniqua, die Mutter von Marquise, und ich führten selbst eine extrem verquere Beziehung, und ich werde an späterer Stelle in diesem Buch noch über das frustrierende Verhältnis zu Shaniqua und Marquise reden. Aber zumindest muss ich an dieser Stelle zugeben, dass ein Großteil der Kritik, die ich für meinen Umgang mit dieser Situation einstecken musste, gerechtfertigt war.
Ich bin jemand, der unglaublich ehrlich und geradeheraus ist, und die Dinge, die ich öffentlich über meinen älteren Sohn gesagt habe, fühlen und denken auch viele andere Eltern, die mit den Beziehungen zu ihren Kindern Schwierigkeiten haben. Sie äußern das nur nicht unbedingt. Das macht es natürlich nicht besser, aber es macht es vielleicht ein bisschen besser nachvollziehbar.
Wenn ich etwas richtig gemacht habe, was die Familie angeht, dann ist es, dass ich versucht habe, diesen Kreislauf der dysfunktionalen Beziehungen mit meinem jüngeren Sohn Sire zu durchbrechen. Seine Mutter und ich sind nicht zusammen, aber ich habe versucht, in seinem Leben viel stärker präsent zu sein. Er lebt bei seiner Mutter, also besuche ich ihn, wann immer ich die Gelegenheit habe. Wir hängen am Pool ab, spielen Videospiele und sehen uns Sportübertragungen an. Was Väter und Söhne eben so tun. Das Wichtigste ist, dass es keine Spannungen gibt, wenn ich ihn sehe. Seine Mutter und ich sind uns einig, und wir teilen uns die Erziehung. Wenn Sire also sieht, dass ich auf ihn zukomme, um ihn zu umarmen, ist das reine Liebe.
Es macht mich sehr glücklich zu wissen, dass ich immer ein großer Teil seines Lebens sein werde und für ihn da sein kann, um ihm zu helfen, durch die unvermeidlichen Höhen und Tiefen zu navigieren. Um sicherzustellen, dass Sire nicht die gleichen Fehler machen muss, die ich gemacht habe. Das wollte ich auch für Marquise, aber weder seine Mutter noch ich waren emotional reif genug, um diese Grundlage für ihn zu schaffen. Die Wahrheit ist: Ich hatte Angst davor, eine Familie zu haben. Vielleicht hatte sie das auch. Unser Sohn hat darunter gelitten. Und jetzt ist meine Beziehung zu Marquise nur ein Spiegelbild der negativen Energie zwischen seiner Mutter und mir.
Meine Beziehung zu Marquise ist der Bereich in meinem Leben, an dem ich am meisten zu knapsen habe. Es gab Zeiten, sogar in letzter Zeit, in denen ich darüber nachgedacht habe, diese Beziehung für immer abzubrechen. Ich will das zwar nicht tun, aber manchmal, wenn man sehr verletzt wurde – und man selbst hat auch seinen Teil dazu beigetragen –, ist es das Beste, eine Beziehung abzubrechen.
Vor nicht allzu langer Zeit war ich extrem nah dran, nachdem ich Marquise unerwartet im Laden meines Juweliers in Manhattan getroffen hatte. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht einmal, dass er in der Stadt war, also war ich völlig überrascht, ihn zu sehen. Ich versuchte, ein Gespräch anzufangen, aber er unterstellte mir sofort, ich würde ihn beschatten lassen. Ich sagte ihm, dass das verrückt sei, aber von da an ging es nur noch bergab.
Die Spannung, die zwischen uns herrschte, war schrecklich. Marquise sagte sogar: »Was denn, soll ich etwa Angst vor dir haben?« Das gab mir wirklich den Rest. Das war mein erstgeborener Sohn, mein eigen Fleisch und Blut, und wir konnten nicht einmal miteinander reden, geschweige denn uns umarmen und uns über eine unerwartete Begegnung freuen. Schließlich verließ Marquise wortlos den Laden, und ich blieb fassungslos zurück.
Ein paar meiner Jungs gingen auf die Straße raus, um zu versuchen, Marquise einzuholen und zu sagen: »Warum bist du so nervig? Das ist dein Vater. Komm und rede mit ihm«, aber Marquise war schon verschwunden. Er wollte nicht, dass man ihn findet. Ich konnte meinen Jungs nicht einmal auf die Straße folgen – ich war wie vor den Kopf gestoßen und konnte nicht mehr klar denken. Ich brauchte einige Minuten, um mich zu beruhigen.
Es gibt nur sehr wenige Momente, in denen ich völlig aus dem Konzept gebracht werde, aber wenn, dann geht es immer um die Familie. Wenn ich einen Rapper treffe, der mich gedisst hat, oder einen CEO, mit dem ich eine schwierige Verhandlung hatte, geht es mir gut. In der Tat, mir geht es dann großartig. Diese Momente bringen mich nicht aus der Fassung – dafür lebe ich. Nur die Familie scheint mich aus der Fassung zu bringen.
Es geht auch nicht nur um meine Beziehung zu Marquise. Ich fahre nicht mal mehr gerne über die Feiertage nach Hause, weil es mich so stresst, meine Familie zu sehen. Ich fahre einen Tag vor Weihnachten zum alten Haus meiner Großmutter, um mit meinem Großvater zu feiern. Aber an den eigentlichen Feiertagen komme ich nicht. Selbst wenn ich nur gute Laune ins Haus bringe, wird irgendjemand unweigerlich mir gegenüber seine negativen Vibes zum Ausdruck bringen. Eine Tante oder ein Cousin wird am Ende sagen: »Ich habe es satt, dass alle ihm in den Arsch kriechen, weil er 50 Cent ist. Scheiße, so besonders ist er auch wieder nicht.« Anstatt zu feiern, wird sich der ganze Abend darum drehen, was ich für den einen getan habe, aber nicht für alle anderen. Bei dieser Art von Spannung fühle ich mich extrem unwohl.
Ich weiß, dass meine Angst vor dem Familienleben nicht gesund ist, und ich arbeite daran. Es kann Jahre dauern, aber ich habe mich diesem Prozess verschrieben. Wenn ich dann im Alter meines Großvaters bin, hoffe ich, dass ich eine solide Beziehung zu meinen Kindern habe und vielleicht auch zu deren Kindern.
Ich weiß, ich habe den Ruf, ein Hitzkopf zu sein, aber in Wirklichkeit bin ich immer entspannt, egal, in wessen Privatjet ich fliege oder in welchem Sitzungssaal ich sitze. Ich bin jemand, der so gut wie keine Angst hat. Ich bin zuversichtlich, dass nichts, was in diesen Gesprächen gesagt, angedroht oder versprochen wird, mich verletzen kann. Sicher, ich würde gerne den 30-Millionen-Dollar-Vertriebsdeal abschließen oder die Rolle meines Lebens bekommen. Aber ich habe keine Angst, dass sie mir vielleicht entgehen könnten. Warum sollte ich Angst haben? Ich habe schon einige der schlimmsten Sachen durchgemacht, die das Leben zu bieten hat.
Wie also kannst du es schaffen, dir ebenso ein Selbstvertrauen anzueignen, wie ich es habe? In Situationen cool zu bleiben, bei denen andere Blut und Wasser schwitzen? Das ist gar nicht so kompliziert. Der einzige Weg, diese Art von Selbstvertrauen zu erlangen, ist, sich anzustrengen. So einfach ist das.
Hast du dich voll und ganz deinem Metier gewidmet, um wirklich alles darüber zu erfahren und zu lernen? Gibst du einhundert Prozent, wenn du ins Büro kommst, dich in einen Unterrichtsraum setzt oder eine Bühne betrittst, um vorzusprechen? Wenn dem so ist, wovor solltest du dann eigentlich noch Angst haben?
Du hast bereits alles getan, was du tun kannst. Jetzt musst du nur noch dafür sorgen, dass die Welt es auch erkennt.
Das kann eine Herausforderung sein, vor allem, wenn einem nicht von klein auf beigebracht wurde, dass man auch einer von denen ist. Wenn du kein Weißer bist oder nicht auf die »richtige« Privatschule gegangen bist, musst du dich vielleicht ein bisschen mehr anstrengen, um die Anerkennung zu bekommen, die du verdienst. Es sollte nicht so sein, aber es ist, wie es ist. Im Moment.
Du wirst das entsprechende Selbstvertrauen ausstrahlen müssen, das vermittelt, dass du dazugehörst, dass du die Antworten hast, auch wenn die Leute, mit denen du sprichst, dir nicht die Anerkennung zollen. All deine harte Arbeit wird einen Scheiß wert sein, wenn du nicht bereit – nein, entschlossen – bist, sie der Welt mitzuteilen.
Ich gebe dir ein Beispiel: Ein Typ in der Musikindustrie, den ich seit Jahren kenne, war nicht in der Lage, seinen immensen Einsatz, seine Arbeit und sein Talent in den Erfolg umzumünzen, den er verdient hätte. Ich werde seinen Namen hier nicht nennen, weil er ein patenter Bursche ist und ich sein Vertrauen nicht missbrauchen möchte. (Siehst du, ich habe schon dazugelernt.)
Er begann seine Laufbahn als Straßenmusiker, aber dank seines Charismas, seiner Intelligenz und seiner Arbeitsmoral war er in der Lage, im Musikbusiness Fuß zu fassen. Er kam einigen der großen Player, mich selbst eingerechnet, richtig nahe, und seinem Urteil und seinem Geschmack vertrauten wir alle. Er verdiente gutes Geld und wurde in der Branche respektiert, aber es gelang ihm nie, selbst eine große Nummer zu werden. Und ich wusste, dass ihn das frustrierte.
Er fragte mich um Rat, aber ich konnte ehrlich gesagt nicht sagen, was ihn ausbremste. Dann, eines Tages, gingen wir zu einem Meeting mit ein paar wichtigen Managern bei einem Plattenlabel. Glatte Typen in Anzügen, mit feschem Haarschnitt und edlen Lederschuhen. Typen, die extrem selbstbewusst waren.
Sie waren zwar selbstbewusst, aber sie verstanden trotzdem nicht wirklich das Projekt, das wir dort besprechen wollten. Mein Mann allerdings schon. Durch und durch. Bis ins kleinste Detail. Wir verbrachten Stunden damit, darüber zu reden, und er verstand es sowohl inhaltlich als auch intuitiv. Deshalb hatte ich ihn mitgenommen, denn er konnte besser erklären, was zu tun war, als ich es gekonnt hätte.
Ich hatte erwartet, dass er sie vom Tisch fegen würde, aber als diese Leute anfingen, Fragen zu stellen und Ideen zu äußern, saß er einfach nur da. Machte keinen Mucks. Man hätte meinen können, er sei nur ein Kumpel von mir, der mitfährt, anstatt das zu sein, was er war, nämlich der einzig wahre Experte im Raum.
Anfangs verstand ich nicht, was er da tat (oder nicht tat). Dann dämmerte es mir: Er hatte Angst. Er traute sich nicht, seine Meinung zu sagen, weil er nicht die falsche Antwort geben wollte. Er hatte sich zwar die größte Mühe gegeben, aber angesichts des Selbstbewusstseins dieser Führungskräfte hatte er den Glauben an sich selbst verloren.
Und das bedeutete, dass die Geschäftsführung ihn einfach nicht wahrnahm. Niemals nahmen sie sich vor, ihn im Auge zu behalten. Sie boten ihm nie die Plattform, die er suchte – und eigentlich verdient hatte.
Stattdessen kam er nicht von der Stelle. Es war ein ziemlich guter Platz, einer, den eine Menge anderer Menschen gerne erreicht hätten, aber eben nicht das, was er sich vorgenommen hatte. Er steckte auf einem Level fest, das nicht seinem Können entsprach.
