Hybridorganisation - Michael Reiß - E-Book

Hybridorganisation E-Book

Michael Reiß

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Beschreibung

Netzwerke und virtuelle Strukturen bilden in zunehmendem Maße erfolgskritische Organisationskonzepte. Beschleunigt durch die Globalisierung, die kommunikationstechnische Vernetzung, die Erosion von Konzernen sowie die enge Zusammenarbeit vieler Akteure bei der Entwicklung, Produktion und Vermarktung komplexer Produkte und Dienstleistungen verdrängen hybride Organisationsformen zunehmend die archetypischen Unternehmens- und Marktstrukturen. Das Lehrbuch liefert einen integrativen Ansatz zum Verständnis und zum Management dieser hybriden Organisationsformen. Es klärt den Standort, das Spektrum, den Stellenwert sowie die Dynamik der Netzwerkorganisation, vermittelt die Besonderheiten der Führung in virtuellen Strukturen und fixiert die Eckpunkte einer interdisziplinären Wissensdomäne "Hybridkonstrukte". Die theoretischen Konzepte werden jeweils anhand von empirischen Befunden illustriert.

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Seitenzahl: 294

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Michael Reiss

Hybridorganisation

Netzwerke und virtuelle Organisation

Verlag W. Kohlhammer

Alle Rechte vorbehalten

© 2013 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart

Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher

Umschlagabbildung: © saicle-Fotolia.com

Gesamtherstellung:

W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-019691-9

E-Book-Formate:

pdf:     ISBN 978-3-17-025535-7

epub:  ISBN 978-3-17-023896-1

mobi:  ISBN 978-3-17-023897-8

Vorwort

In der Organisationsgestaltung wurde das traditionelle Gestaltungsfeld der Organisation von Unternehmen in den letzten Jahren um die Organisation von unternehmensübergreifenden Supply Chains, strategischen Allianzen, Joint Ventures, Projektgemeinschaften und Open Communities ergänzt. Für einige dieser offenen Organisationsformen spielt die informationstechnologische Infrastruktur eine wichtige Rolle als Befähiger (»Enabler«) so genannter virtueller Strukturen. Hier zeichnen sich unter Bezeichnungen wie Enterprise 2.0, Open Source, Peer Production, Wikinomics, New Industrial Revolution oder Industrie 4.0 mehr oder weniger revolutionäre Entwicklungen ab. Dennoch handelt es sich hierbei nicht um einen spektakulären Paradigmenwechsel, sondern um eine pragmatische Schwerpunktverlagerung: Immer mehr Wertschöpfungsprozesse sind inter- und nicht nur intraorganisational angelegt und lassen sich effizient nur mit leistungsfähigen IT-Netzwerken gestalten. Mehrere dieser unternehmensübergreifenden Organisationsfelder sind schon erkundet und in den organisatorischen Wissensfundus integriert, sowohl in der organisatorischen Praxis als auch in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre. Wer sich über Unternehmensnetzwerke, virtuelle Teams und Unternehmen, Mergers & Acquisitions, Joint Ventures oder Wertschöpfungskooperationen informieren möchte, kann dafür auf zahlreiche elektronische Quellen sowie Print-Publikationen, darunter auch mehrere Lehrbücher und Fallstudien-sammlungen zurückgreifen.

Allerdings handelt es sich dabei um Quellen, die lediglich einzelne Varianten der unternehmensübergreifenden Organisationsformen untersuchen. Es fehlt ein ganzheitlicher Orientierungsrahmen, der sich als Navigationssystem für dieses bislang nur punktuell erkundete Gestaltungsfeld der Organisation eignet. Als geeigneter ganzheitlicher Rahmen wird in diesem Buch die Hybridorganisation vorgestellt. Wie alle Hybridkonstrukte sind auch organisatorische Hybride Mischungen aus zwei (oder mehr) gegensätzlichen Komponenten. Aus dieser Parallelarchitektur kann man bereits das wichtigste Erkennungsmerkmal der Hybridorganisation ablesen: die Komplexität der Konstruktion. Dieser Komplexitätsschub hat zur Folge, dass man sich nicht nur mit neuen komplexen Organisationsformen vertraut machen muss. Er erfordert darüber hinaus neue mentale Fundamente für die Organisationsgestaltung insgesamt, etwa in Form von Referenzmodellen und Terminologien: Die konventionellen Verständnisse von Organisation reichen nicht aus, um dieses neue Terrain verstehen und gestalten zu können. Organisatorische Grundbegriffe wie z. B. »Konfiguration« oder »Integration« müssen neu interpretiert werden.

Das vorliegende Lehrbuch wendet sich an Studierende und Praktiker, die einerseits mit konventionellen Organisationsformen und dem methodischen Handwerkszeug der Organisation vertraut sind und sich andererseits innerhalb eines ganzheitlichen Orientierungsrahmens mit Netzwerkorganisation und virtueller Organisation vertraut machen wollen. Um eine fundierte Beschäftigung mit diesen unternehmensübergreifenden Organisationsstrukturen zu gewährleisten, werden zusätzlich Brücken zu den benachbarten Sparten des Managements, etwa dem strategischen Management und dem Informationsmanagement, geschlagen. Auch in diesen Kontextbereichen finden sich Hybridkonzepte, die mit den hybriden Organisationskonzepten wechselseitig abgestimmt werden müssen.

Die Konzeption des Lehrbuchs basiert auf einer langjährigen Lehrerfahrung und zahlreichen Publikationen des Autors auf den Gebieten der Netzwerkorganisation und virtuellen Unternehmen, der Hybridkonzepte sowie des Business Relationship Managements. Ferner sind zahlreiche Anregungen von Studierenden, Kollegen, Praxispartnern und Mitarbeitern in die Ausgestaltung des Lehrbuchs eingegangen. Der letzte Zugriff auf alle zitierten Internet-Quellen erfolgte am 27.03.2013. Kommentare, Kritik und Anregungen von Lesern sind unter [email protected] willkommen.

Der Autor dankt dem Team des Lehrstuhls für Organisation der Universität Stuttgart für die wertvolle Unterstützung. Der Dank gilt vor allem Herrn Dirk Steffens, M.A., für sein kritisches Feedback zu den Grundlagen von Hybridkonzepten sowie für seinen Input in die formale Umsetzung des Manuskripts.

Stuttgart, im März 2013Michael Reiss

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einführung in das Thema » Hybridorganisation«

1   Hybridkonzepte im Management

1.1   Spektrum der Hybridkonzepte

1.2   Hybridität als Komplexitätsphänomen

1.3   Wesen der Hybridkonzepte

1.4   Wert der Hybridkonzepte

1.5   Management von Hybridkonzepten

1.5.1   Grundlagen des Managements von Hybridkonzepten

1.5.2   Sektoren des Managements von Hybridkonzepten

1.5.3   Arenen des Managements von Hybridkonzepten

1.5.4   Generierung von Hybridkonzepten

1.5.5   Evaluierung von Hybridkonzepten

1.5.6   Implementierung von Hybridkonzepten

1.6   Zusammenfassung

2   Hybride Organisationskonzepte

2.1   Enterprises und Interprises: Strukturbausteine

2.2   Basisstruktur: Verteilung und Koordination

2.2.1   Value Net als Referenz-Modell

2.2.2   Assoziationsdimensionen: Interdependenz, Symmetrie und Integration

2.3   Ebenenstruktur: Makro-, Meso- und Mikrostrukturen

2.4   Schichtenstruktur

2.5   Parameter-Struktur: Raum, Zeit und Zuständigkeit

2.6   Zusammenfassung

3   Netzwerkorganisation

3.1   Positionierung der Netzwerkorganisation

3.1.1   Organisatorische und nicht-organisatorische Netzwerke

3.1.2   Komplexität und Hybridität der Netzwerkorganisation

3.1.3   Varianten der Netzwerkorganisation

3.1.4   Netzwerke im Spektrum der Interprises

3.2   Management der Netzwerkorganisation

3.3   Konfigurationsmanagement

3.4   Interaktionsmanagement

3.5   Infrastrukturmanagement

3.6   Veränderungsmanagement

3.7   Zusammenfassung

4   Virtuelle Organisation

4.1   Positionierung der virtuellen Organisation

4.1.1   Organisatorische und nicht-organisatorische Virtualität

4.1.2   Varianten der virtuellen Organisation

4.1.3   Stellenwert der virtuellen Organisation

4.2   Management der virtuellen Organisation

4.3   Zusammenfassung

5   Multiplexe Hybridorganisation

5.1   Standort und Spektrum

5.2   Multiple Hybridorganisation

5.3   Multi-Hybridorganisation

5.4   Konglomerat-Hybridorganisation

5.5   Zusammenfassung

6   Zusammenfassung und Ausblick

6.1   Lessons learned und Lessons to be learned

6.2   Hybridkonstrukte als Wissensdomäne

Literaturverzeichnis

Stichwortverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1:           Überblick über Bausteine und Gang der Argumentation

Abb. 2:           Spektrum der Hybridkonzepte

Abb. 3:           Mechanistisches und organisches Funktionieren einer Organisation

Abb. 4:           Vom Ketten- zum Netzmodell von Wertschöpfungssystemen

Abb. 5:           Hybriditätsgrad eines Konzepts

Abb. 6:           Hybridisierung als Problemlösungsheuristik

Abb. 7:           Performance des Managements von Hybridkonzepten

Abb. 8:           Rationalistisches, realistisches und hybrides Hybridmanagement

Abb. 9:           Sektoren des Integrationsmixes

Abb. 10:        Desintermediatisierung und Re-Intermediatisierung

Abb. 11:        Arenen des Managements von Hybridkonzepten

Abb. 12:        Generierung von Varianten der Matrixorganisation

Abb. 13:        Spektrum der Konfigurationsmuster von Koopkurrenz

Abb. 14:        Evaluierung eines hybriden Zweikanal-Vertriebssystems

Abb. 15:        Implementierung von Mass Customization

Abb. 16:        Value Net: Basis-Modell

Abb. 17:        Interdependenz-Integration-Konstellationen: Fit und Misfit

Abb. 18:        Ablauforganisatorische Gestaltungsparameter

Abb. 19:        Netzwerkorganisation: Bedeutungsumfang

Abb. 20:        Netzwerkorganisation im engeren und weiteren Sinn

Abb. 21:        Infrastrukturprofile von Enterprises und Netzwerken

Abb. 22:        Dimensionen der Netzwerkkomplexität

Abb. 23:        Netzwerk-Schichten

Abb. 24:        Assoziationskomplexität der Netzwerkorganisation

Abb. 25:        Beziehungsmuster der Kommunikation

Abb. 26:        Spektrum der kollektiven Beziehungen in einem Netzwerk

Abb. 27:        Ansatzpunkte der Interdependenz-Analyse

Abb. 28:        Hub-Spoke-Netzwerkinterdependenz

Abb. 29:        Subnetzwerk-Struktur eines Netzwerks

Abb. 30:        Außengrenzen von Netzwerken

Abb. 31:        Trends der Netzwerkentstehung

Abb. 32:        Entwicklungsmuster von Netzwerken

Abb. 33:        Koopkurrenz in Automobil-Netzwerken

Abb. 34:        Netzwerkvarianten im Value Net

Abb. 35:        Netzwerk-Typologie

Abb. 36:        Interprises im Markt-Enterprise-Kontinuum

Abb. 37:        Netzwerke versus Kooperationen

Abb. 38:        Vorteile der Netzwerkorganisation

Abb. 39:        Kostenstrukturen des Netzwerkmanagements

Abb. 40:        Komplexitätsfokussierter Fit von Bedingungen und Koordinationsformen

Abb. 41:        Stufen der Konfiguration: Von Enterprises in Netzwerke

Abb. 42:        Optimale Netzwerkgröße im Spannungsfeld von Klasse- und Massevorteilen

Abb. 43:        Von der Matrixstruktur zur Netzwerkstruktur

Abb. 44:        Von Wissensmärkten zu Wissensnetzwerken

Abb. 45:        Entstehungsmuster von Netzwerken

Abb. 46:        Muster des Netzwerkwachstums

Abb. 47:        Organisationsvirtualität und Repräsentationsvirtualität

Abb. 48:        Dimensionen der Virtualisierung

Abb. 49:        Stufen des Enabling virtueller Organisation

Abb. 50:        Kommunikationsinfrastrukturen der virtuellen Organisation

Abb. 51:        Virtuelle Organisation und Netzwerkorganisation

Abb. 52:        Konventionelle und virtuelle Größe

Abb. 53:        Interpreneure im Spektrum der Unternehmertum-Varianten

Abb. 54:        Führung in virtuellen Interprises

Abb. 55:        Manpower von virtuellen Interprises

Abb. 56:        Spielräume als intrinsische Anreize für Interpreneure

Abb. 57:        Kulturvergleich: Enterprise- und Netzwerk-Kultur

Abb. 58:        Domänenübergreifende Multi-Hybride

Abb. 59:        Evaluierung semi-virtueller Hybridorganisation

Abb. 60:        Erfolgsdeterminanten von Netzwerken und virtuellen Interprises

Abb. 61:        Spektrum betriebswirtschaftlicher Hybridkonstrukte

Abb. 62:        Hybridkonstrukte außerhalb der Betriebswirtschaftslehre

Abkürzungsverzeichnis

AG                 Aktiengesellschaft

ARGE           (Bau-)Arbeitsgemeinschaft

BITKOM     Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.

BOK              Body of Knowledge

B2B               Business to Business

B2C               Business to Consumer

CAD              Computer-Aided Design

CRM             Customer Relationship Management

CSR               Corporate Social Responsibility

C2C               Consumer to Consumer

EDI               Electronic Data Interchange

ERP              Enterprise Resource Planning

GmbH          Gesellschaft mit beschränkter Haftung

gGmbH        gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung

GPM             Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.

HR                 Human Resources

IFRS              International Financial Reporting Standards

IPMA            International Project Management Association

ISO                International Organization for Standardization

IT                   Informationstechnologie

IuK                Informations- und Kommunikationstechnologie

KG                 Kommanditgesellschaft

KGaA            Kommanditgesellschaft auf Aktien

KMU             Kleine und mittlere Unternehmen

MC                 Mass Customization

M&A             Mergers & Acquisitions

NIH               Not Invented Here

OEM             Original Equipment Manufacturer

PoS               Point of Sale

PPP              Public Private Partnership

P2P              Peer-to-Peer

QR                Quick Response

RFID            Radio-Frequency Identification

SaaS             Software as a Service

SE                 Societas Europaea

S-E                Simultaneous Engineering

SLA               Service Level Agreement

SWOT          Strenghts-Weaknesses-Opportunities-Threats

UNO             United Nations Organization

VAR               Value Added Reseller

VDE              Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.

VDI                Verein Deutscher Ingenieure e. V.

VDMA           Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V.

WAN             Wide Area Network

WLAN           Wireless Local Area Network

WWW          World Wide Web (kurz: Web)

XaaS              Everything as a Service

ZVEI              Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V.

Einführung in das Thema »Hybridorganisation«

Organisatoren in Praxis und Wissenschaft haben sich bislang vornehmlich mit der formalen Strukturierung von Unternehmen beschäftigt. Sie sind einerseits vertraut mit den »Archetypen« der Ablauforganisation, etwa der Bestimmung von Prioritäten, chaotischer Lagerung, u-förmigen Anordnung von Arbeitssystemen, Projekthäusern, Meilensteinplanung sowie der Synchronisierung und Simultanisierung von Prozessen. Zum anderen beherrschen sie das Standardrepertoire der Aufbauorganisation in Gestalt von funktionaler und divisionaler Arbeitsteilung, Shared Services, Gruppenorganisation, Projektorganisation, Corporate Governance (z. B. Rechtsformenwahl) sowie der Installation von Koordinationsgremien und Process Owners.

Deutlich weniger vertraut sind sie hingegen mit den Varianten der unternehmensübergreifenden Organisation. Allerdings stellt auch die Optimierung interorganisationaler Vernetzungsformen kein totales Neuland dar. Es umfasst z. B. Supply Chains, Unternehmensfusionen, Joint Ventures, Allianz-Portfolios, Arbeitsgemeinschaften in der Bauwirtschaft, virtuelle Unternehmen und virtuelle Teams (die im »Around the clock and the globe«-Modus arbeiten), Communities (z. B. Wissensgemeinschaften, Social Networks) und Unternehmensnetzwerke (z. B. Airline-Netzwerke, Lieferantennetzwerke, Eco-Systems, Business Webs, Vertriebsnetzwerke). Mehrere dieser Organisationsformen wurden bereits in das Organisationswissen (Body of Knowledge) integriert.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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