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Netzwerke und virtuelle Strukturen bilden in zunehmendem Maße erfolgskritische Organisationskonzepte. Beschleunigt durch die Globalisierung, die kommunikationstechnische Vernetzung, die Erosion von Konzernen sowie die enge Zusammenarbeit vieler Akteure bei der Entwicklung, Produktion und Vermarktung komplexer Produkte und Dienstleistungen verdrängen hybride Organisationsformen zunehmend die archetypischen Unternehmens- und Marktstrukturen. Das Lehrbuch liefert einen integrativen Ansatz zum Verständnis und zum Management dieser hybriden Organisationsformen. Es klärt den Standort, das Spektrum, den Stellenwert sowie die Dynamik der Netzwerkorganisation, vermittelt die Besonderheiten der Führung in virtuellen Strukturen und fixiert die Eckpunkte einer interdisziplinären Wissensdomäne "Hybridkonstrukte". Die theoretischen Konzepte werden jeweils anhand von empirischen Befunden illustriert.
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Seitenzahl: 294
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Alle Rechte vorbehalten
© 2013 W. Kohlhammer GmbH Stuttgart
Umschlag: Gestaltungskonzept Peter Horlacher
Umschlagabbildung: © saicle-Fotolia.com
Gesamtherstellung:
W. Kohlhammer Druckerei GmbH + Co. KG, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-019691-9
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-025535-7
epub: ISBN 978-3-17-023896-1
mobi: ISBN 978-3-17-023897-8
In der Organisationsgestaltung wurde das traditionelle Gestaltungsfeld der Organisation von Unternehmen in den letzten Jahren um die Organisation von unternehmensübergreifenden Supply Chains, strategischen Allianzen, Joint Ventures, Projektgemeinschaften und Open Communities ergänzt. Für einige dieser offenen Organisationsformen spielt die informationstechnologische Infrastruktur eine wichtige Rolle als Befähiger (»Enabler«) so genannter virtueller Strukturen. Hier zeichnen sich unter Bezeichnungen wie Enterprise 2.0, Open Source, Peer Production, Wikinomics, New Industrial Revolution oder Industrie 4.0 mehr oder weniger revolutionäre Entwicklungen ab. Dennoch handelt es sich hierbei nicht um einen spektakulären Paradigmenwechsel, sondern um eine pragmatische Schwerpunktverlagerung: Immer mehr Wertschöpfungsprozesse sind inter- und nicht nur intraorganisational angelegt und lassen sich effizient nur mit leistungsfähigen IT-Netzwerken gestalten. Mehrere dieser unternehmensübergreifenden Organisationsfelder sind schon erkundet und in den organisatorischen Wissensfundus integriert, sowohl in der organisatorischen Praxis als auch in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre. Wer sich über Unternehmensnetzwerke, virtuelle Teams und Unternehmen, Mergers & Acquisitions, Joint Ventures oder Wertschöpfungskooperationen informieren möchte, kann dafür auf zahlreiche elektronische Quellen sowie Print-Publikationen, darunter auch mehrere Lehrbücher und Fallstudien-sammlungen zurückgreifen.
Allerdings handelt es sich dabei um Quellen, die lediglich einzelne Varianten der unternehmensübergreifenden Organisationsformen untersuchen. Es fehlt ein ganzheitlicher Orientierungsrahmen, der sich als Navigationssystem für dieses bislang nur punktuell erkundete Gestaltungsfeld der Organisation eignet. Als geeigneter ganzheitlicher Rahmen wird in diesem Buch die Hybridorganisation vorgestellt. Wie alle Hybridkonstrukte sind auch organisatorische Hybride Mischungen aus zwei (oder mehr) gegensätzlichen Komponenten. Aus dieser Parallelarchitektur kann man bereits das wichtigste Erkennungsmerkmal der Hybridorganisation ablesen: die Komplexität der Konstruktion. Dieser Komplexitätsschub hat zur Folge, dass man sich nicht nur mit neuen komplexen Organisationsformen vertraut machen muss. Er erfordert darüber hinaus neue mentale Fundamente für die Organisationsgestaltung insgesamt, etwa in Form von Referenzmodellen und Terminologien: Die konventionellen Verständnisse von Organisation reichen nicht aus, um dieses neue Terrain verstehen und gestalten zu können. Organisatorische Grundbegriffe wie z. B. »Konfiguration« oder »Integration« müssen neu interpretiert werden.
Das vorliegende Lehrbuch wendet sich an Studierende und Praktiker, die einerseits mit konventionellen Organisationsformen und dem methodischen Handwerkszeug der Organisation vertraut sind und sich andererseits innerhalb eines ganzheitlichen Orientierungsrahmens mit Netzwerkorganisation und virtueller Organisation vertraut machen wollen. Um eine fundierte Beschäftigung mit diesen unternehmensübergreifenden Organisationsstrukturen zu gewährleisten, werden zusätzlich Brücken zu den benachbarten Sparten des Managements, etwa dem strategischen Management und dem Informationsmanagement, geschlagen. Auch in diesen Kontextbereichen finden sich Hybridkonzepte, die mit den hybriden Organisationskonzepten wechselseitig abgestimmt werden müssen.
Die Konzeption des Lehrbuchs basiert auf einer langjährigen Lehrerfahrung und zahlreichen Publikationen des Autors auf den Gebieten der Netzwerkorganisation und virtuellen Unternehmen, der Hybridkonzepte sowie des Business Relationship Managements. Ferner sind zahlreiche Anregungen von Studierenden, Kollegen, Praxispartnern und Mitarbeitern in die Ausgestaltung des Lehrbuchs eingegangen. Der letzte Zugriff auf alle zitierten Internet-Quellen erfolgte am 27.03.2013. Kommentare, Kritik und Anregungen von Lesern sind unter [email protected] willkommen.
Der Autor dankt dem Team des Lehrstuhls für Organisation der Universität Stuttgart für die wertvolle Unterstützung. Der Dank gilt vor allem Herrn Dirk Steffens, M.A., für sein kritisches Feedback zu den Grundlagen von Hybridkonzepten sowie für seinen Input in die formale Umsetzung des Manuskripts.
Stuttgart, im März 2013Michael Reiss
Vorwort
Abbildungsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
Einführung in das Thema » Hybridorganisation«
1 Hybridkonzepte im Management
1.1 Spektrum der Hybridkonzepte
1.2 Hybridität als Komplexitätsphänomen
1.3 Wesen der Hybridkonzepte
1.4 Wert der Hybridkonzepte
1.5 Management von Hybridkonzepten
1.5.1 Grundlagen des Managements von Hybridkonzepten
1.5.2 Sektoren des Managements von Hybridkonzepten
1.5.3 Arenen des Managements von Hybridkonzepten
1.5.4 Generierung von Hybridkonzepten
1.5.5 Evaluierung von Hybridkonzepten
1.5.6 Implementierung von Hybridkonzepten
1.6 Zusammenfassung
2 Hybride Organisationskonzepte
2.1 Enterprises und Interprises: Strukturbausteine
2.2 Basisstruktur: Verteilung und Koordination
2.2.1 Value Net als Referenz-Modell
2.2.2 Assoziationsdimensionen: Interdependenz, Symmetrie und Integration
2.3 Ebenenstruktur: Makro-, Meso- und Mikrostrukturen
2.4 Schichtenstruktur
2.5 Parameter-Struktur: Raum, Zeit und Zuständigkeit
2.6 Zusammenfassung
3 Netzwerkorganisation
3.1 Positionierung der Netzwerkorganisation
3.1.1 Organisatorische und nicht-organisatorische Netzwerke
3.1.2 Komplexität und Hybridität der Netzwerkorganisation
3.1.3 Varianten der Netzwerkorganisation
3.1.4 Netzwerke im Spektrum der Interprises
3.2 Management der Netzwerkorganisation
3.3 Konfigurationsmanagement
3.4 Interaktionsmanagement
3.5 Infrastrukturmanagement
3.6 Veränderungsmanagement
3.7 Zusammenfassung
4 Virtuelle Organisation
4.1 Positionierung der virtuellen Organisation
4.1.1 Organisatorische und nicht-organisatorische Virtualität
4.1.2 Varianten der virtuellen Organisation
4.1.3 Stellenwert der virtuellen Organisation
4.2 Management der virtuellen Organisation
4.3 Zusammenfassung
5 Multiplexe Hybridorganisation
5.1 Standort und Spektrum
5.2 Multiple Hybridorganisation
5.3 Multi-Hybridorganisation
5.4 Konglomerat-Hybridorganisation
5.5 Zusammenfassung
6 Zusammenfassung und Ausblick
6.1 Lessons learned und Lessons to be learned
6.2 Hybridkonstrukte als Wissensdomäne
Literaturverzeichnis
Stichwortverzeichnis
Abb. 1: Überblick über Bausteine und Gang der Argumentation
Abb. 2: Spektrum der Hybridkonzepte
Abb. 3: Mechanistisches und organisches Funktionieren einer Organisation
Abb. 4: Vom Ketten- zum Netzmodell von Wertschöpfungssystemen
Abb. 5: Hybriditätsgrad eines Konzepts
Abb. 6: Hybridisierung als Problemlösungsheuristik
Abb. 7: Performance des Managements von Hybridkonzepten
Abb. 8: Rationalistisches, realistisches und hybrides Hybridmanagement
Abb. 9: Sektoren des Integrationsmixes
Abb. 10: Desintermediatisierung und Re-Intermediatisierung
Abb. 11: Arenen des Managements von Hybridkonzepten
Abb. 12: Generierung von Varianten der Matrixorganisation
Abb. 13: Spektrum der Konfigurationsmuster von Koopkurrenz
Abb. 14: Evaluierung eines hybriden Zweikanal-Vertriebssystems
Abb. 15: Implementierung von Mass Customization
Abb. 16: Value Net: Basis-Modell
Abb. 17: Interdependenz-Integration-Konstellationen: Fit und Misfit
Abb. 18: Ablauforganisatorische Gestaltungsparameter
Abb. 19: Netzwerkorganisation: Bedeutungsumfang
Abb. 20: Netzwerkorganisation im engeren und weiteren Sinn
Abb. 21: Infrastrukturprofile von Enterprises und Netzwerken
Abb. 22: Dimensionen der Netzwerkkomplexität
Abb. 23: Netzwerk-Schichten
Abb. 24: Assoziationskomplexität der Netzwerkorganisation
Abb. 25: Beziehungsmuster der Kommunikation
Abb. 26: Spektrum der kollektiven Beziehungen in einem Netzwerk
Abb. 27: Ansatzpunkte der Interdependenz-Analyse
Abb. 28: Hub-Spoke-Netzwerkinterdependenz
Abb. 29: Subnetzwerk-Struktur eines Netzwerks
Abb. 30: Außengrenzen von Netzwerken
Abb. 31: Trends der Netzwerkentstehung
Abb. 32: Entwicklungsmuster von Netzwerken
Abb. 33: Koopkurrenz in Automobil-Netzwerken
Abb. 34: Netzwerkvarianten im Value Net
Abb. 35: Netzwerk-Typologie
Abb. 36: Interprises im Markt-Enterprise-Kontinuum
Abb. 37: Netzwerke versus Kooperationen
Abb. 38: Vorteile der Netzwerkorganisation
Abb. 39: Kostenstrukturen des Netzwerkmanagements
Abb. 40: Komplexitätsfokussierter Fit von Bedingungen und Koordinationsformen
Abb. 41: Stufen der Konfiguration: Von Enterprises in Netzwerke
Abb. 42: Optimale Netzwerkgröße im Spannungsfeld von Klasse- und Massevorteilen
Abb. 43: Von der Matrixstruktur zur Netzwerkstruktur
Abb. 44: Von Wissensmärkten zu Wissensnetzwerken
Abb. 45: Entstehungsmuster von Netzwerken
Abb. 46: Muster des Netzwerkwachstums
Abb. 47: Organisationsvirtualität und Repräsentationsvirtualität
Abb. 48: Dimensionen der Virtualisierung
Abb. 49: Stufen des Enabling virtueller Organisation
Abb. 50: Kommunikationsinfrastrukturen der virtuellen Organisation
Abb. 51: Virtuelle Organisation und Netzwerkorganisation
Abb. 52: Konventionelle und virtuelle Größe
Abb. 53: Interpreneure im Spektrum der Unternehmertum-Varianten
Abb. 54: Führung in virtuellen Interprises
Abb. 55: Manpower von virtuellen Interprises
Abb. 56: Spielräume als intrinsische Anreize für Interpreneure
Abb. 57: Kulturvergleich: Enterprise- und Netzwerk-Kultur
Abb. 58: Domänenübergreifende Multi-Hybride
Abb. 59: Evaluierung semi-virtueller Hybridorganisation
Abb. 60: Erfolgsdeterminanten von Netzwerken und virtuellen Interprises
Abb. 61: Spektrum betriebswirtschaftlicher Hybridkonstrukte
Abb. 62: Hybridkonstrukte außerhalb der Betriebswirtschaftslehre
AG Aktiengesellschaft
ARGE (Bau-)Arbeitsgemeinschaft
BITKOM Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.
BOK Body of Knowledge
B2B Business to Business
B2C Business to Consumer
CAD Computer-Aided Design
CRM Customer Relationship Management
CSR Corporate Social Responsibility
C2C Consumer to Consumer
EDI Electronic Data Interchange
ERP Enterprise Resource Planning
GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
gGmbH gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung
GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V.
HR Human Resources
IFRS International Financial Reporting Standards
IPMA International Project Management Association
ISO International Organization for Standardization
IT Informationstechnologie
IuK Informations- und Kommunikationstechnologie
KG Kommanditgesellschaft
KGaA Kommanditgesellschaft auf Aktien
KMU Kleine und mittlere Unternehmen
MC Mass Customization
M&A Mergers & Acquisitions
NIH Not Invented Here
OEM Original Equipment Manufacturer
PoS Point of Sale
PPP Public Private Partnership
P2P Peer-to-Peer
QR Quick Response
RFID Radio-Frequency Identification
SaaS Software as a Service
SE Societas Europaea
S-E Simultaneous Engineering
SLA Service Level Agreement
SWOT Strenghts-Weaknesses-Opportunities-Threats
UNO United Nations Organization
VAR Value Added Reseller
VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.
VDI Verein Deutscher Ingenieure e. V.
VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V.
WAN Wide Area Network
WLAN Wireless Local Area Network
WWW World Wide Web (kurz: Web)
XaaS Everything as a Service
ZVEI Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V.
Organisatoren in Praxis und Wissenschaft haben sich bislang vornehmlich mit der formalen Strukturierung von Unternehmen beschäftigt. Sie sind einerseits vertraut mit den »Archetypen« der Ablauforganisation, etwa der Bestimmung von Prioritäten, chaotischer Lagerung, u-förmigen Anordnung von Arbeitssystemen, Projekthäusern, Meilensteinplanung sowie der Synchronisierung und Simultanisierung von Prozessen. Zum anderen beherrschen sie das Standardrepertoire der Aufbauorganisation in Gestalt von funktionaler und divisionaler Arbeitsteilung, Shared Services, Gruppenorganisation, Projektorganisation, Corporate Governance (z. B. Rechtsformenwahl) sowie der Installation von Koordinationsgremien und Process Owners.
Deutlich weniger vertraut sind sie hingegen mit den Varianten der unternehmensübergreifenden Organisation. Allerdings stellt auch die Optimierung interorganisationaler Vernetzungsformen kein totales Neuland dar. Es umfasst z. B. Supply Chains, Unternehmensfusionen, Joint Ventures, Allianz-Portfolios, Arbeitsgemeinschaften in der Bauwirtschaft, virtuelle Unternehmen und virtuelle Teams (die im »Around the clock and the globe«-Modus arbeiten), Communities (z. B. Wissensgemeinschaften, Social Networks) und Unternehmensnetzwerke (z. B. Airline-Netzwerke, Lieferantennetzwerke, Eco-Systems, Business Webs, Vertriebsnetzwerke). Mehrere dieser Organisationsformen wurden bereits in das Organisationswissen (Body of Knowledge) integriert.
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