HypnoStressbewältigung - Silvia Fisch - E-Book

HypnoStressbewältigung E-Book

Silvia Fisch

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Beschreibung

Stress? – Mit Hypnose geht's! - Wirkung: Verbesserung der Entspannungsfähigkeit, Resilienz gegenüber Stressoren, Kompetenzen zur Stressbewältigung - Online: Audioaufnahmen zum Selbsthypnose-Training Dieses Manual wurde im Zeichen der Stressprävention entwickelt. Es beschreibt, wie Sie als Psychotherapeutin, Hypnotherapeut und Ärztin in fünf Sitzungen einen hypnotherapeutischen Stressbewältigungskurs durchführen können. Das Ziel: Ihre GruppenteilnehmerInnen lernen, mit Hypnose und Selbsthypnose tief zu entspannen, Ressourcen zu aktivieren und mit herausfordernden Situationen besser umzugehen. So soll depressiven Verstimmungen, Ausgebranntsein und anderen Stressfolgeerkrankungen vorgebeugt werden. Hypnose und Hypnotherapie erweisen sich in vielen Bereichen der Medizin und Psychotherapie als wirksam. Fisch und Teut, beides ausgewiesene ExpertInnen in klinischer Hypnose, geben eine übersichtliche und detaillierte Darstellung des Ablaufs des Gruppenprogramms HypnoStressbewältigung. Ausführlich formulierte Tranceanleitungen und Schritt-für-Schritt-Erläuterungen geben Orientierung und Sicherheit bei der Durchführung. Audioaufnahmen im Onlinematerial stellen Ihren KursteilnehmerInnen die Möglichkeiten zum Selbsthypnose-Training zur Verfügung. Die Ergebnisse der bisherigen wissenschaftlichen Evaluation des Programms werden vorgestellt. Dieses Buch richtet sich an: Psychologische und ärztliche PsychotherapeutInnen, HypnotherapeutInnen, HausärztInnen mit Hypnose-Kenntnissen

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 181

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Silvia Fisch ■ Michael Teut

HypnoStressbewältigung

Das hypnotherapeutische Gruppenprogramm

Impressum

Dipl.-Psych. Silvia Fisch

Psychologische Psychotherapeutin

Praxis für Psychotherapie

Daruper Str. 14

48653 Coesfeld

[email protected]

Dr. med. Michael Teut

Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie

Hochschulambulanz für Naturheilkunde

Charité Universitätsmedizin Berlin

Luisenstr. 57, 10117 Berlin

[email protected]

Die digitalen Zusatzmaterialien haben wir zum Download auf www.klett-cotta.de bereitgestellt. Geben Sie im Suchfeld auf unserer Homepage den folgenden Such-Code ein: OM40060

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Besonderer Hinweis

Die Medizin unterliegt einem fortwährenden Entwicklungsprozess, sodass alle Angaben, insbesondere zu diagnostischen und therapeutischen Verfahren, immer nur dem Wissensstand zum Zeitpunkt der Drucklegung des Buches entsprechen können. Hinsichtlich der angegebenen Empfehlungen zur Therapie und der Auswahl sowie Dosierung von Medikamenten wurde die größtmögliche Sorgfalt beachtet. Gleichwohl werden die Benutzer aufgefordert, die Beipackzettel und Fachinformationen der Hersteller zur Kontrolle heranzuziehen und im Zweifelsfall einen Spezialisten zu konsultieren. Fragliche Unstimmigkeiten sollten bitte im allgemeinen Interesse dem Verlag mitgeteilt werden. Der Benutzer selbst bleibt verantwortlich für jede diagnostische oder therapeutische Applikation, Medikation und Dosierung.

In diesem Buch sind eingetragene Warenzeichen (geschützte Warennamen) nicht besonders kenntlich gemacht. Es kann also aus dem Fehlen eines entsprechenden Hinweises nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.

Dieses E-Book basiert auf der aktuellen Auflage der Printausgabe

Schattauer

www.schattauer.de

© 2021 by J. G. Cotta’sche Buchhandlung

Nachfolger GmbH, gegr. 1659, Stuttgart

Alle Rechte vorbehalten

Cover: Jutta Herden, Stuttgart

unter Verwendung einer Abbildung von © adobe stock/Friedberg

Gesetzt von Eberl & Kœsel Studio GmbH, Krugzell

Gedruckt und gebunden von Friedrich Pustet GmbH & Co. KG, Regensburg

Lektorat: Volker Drüke

Projektmanagement: Dr. Nadja Urbani

ISBN 978-3-608-40060-1

E-Book ISBN 978-3-608-11657-1

PDF-E-Book ISBN 978-3-608-20528-2

Inhalt

Danksagung

Einführung

1 Konzeptionalisierung der HypnoStressbewältigung

1.1 Ziele der HypnoStressbewältigung

1.1.1 Verbesserung der Entspannungsfähigkeit

1.1.2 Stärkung der Toleranz und Resilienz gegenüber Stressoren

1.1.3 Verbesserung spezifischer Kompetenzen zur Stressbewältigung

1.2 Ziele und Funktion der Hypnose

1.3 Rahmenbedingungen

2 Hypnotherapeutische Grundhaltung bei der Gesprächsführung und Durchführung der Gruppensitzungen

2.1 Aufbau und Förderung von Gruppenkohäsion

2.2 Ressourcenorientierung

2.3 Lösungsorientierung

2.4 Utilisieren der Erfahrungen der Teilnehmer

2.5 Pacing und Leading

3 Ablauf der HypnoStressbewältigung

Persönliches Vorgespräch

3.1 Erste Sitzung

Thema: Stressreaktion – physiologische und mentale Entspannungsreaktion

3.1.1 Ablauf der ersten Sitzung

3.1.2 Hypnose-Anleitung der ersten Sitzung

Experiment mit Hypnose »Magnetische Hände«

Hypnose »Loslassen und Entspannen«

3.2 Zweite Sitzung

Thema: Ressourcenaktivierung »Ressourcenort«

3.2.1 Ablauf der zweiten Sitzung

3.2.2 Hypnose-Anleitung der zweiten Sitzung

Ressourcenaktivierung »Ressourcenort«

3.3 Dritte Sitzung

Thema: Schnelles und reflexartiges Aktivieren des Ressourcenerlebens »Ressourcenschlüssel«

3.3.1 Ablauf der dritten Sitzung

3.3.2 Hypnose-Anleitung der dritten Sitzung

Wiederholung der Ressourcenaktivierung »Ressourcenort«

Schnelles Aktivieren des Ressourcenerlebens

Verknüpfen einer beginnenden Stressreaktion mit dem Ressourcenerleben »Ressourcenschlüssel«

3.4 Vierte Sitzung

Thema: Ressourcentransfer und mentales Training der erfolgreichen Stressbewältigung

3.4.1 Ablauf der vierten Sitzung

3.4.2 Hypnose-Anleitung der vierten Sitzung

Ressourcentransfer und mentales Training der erfolgreichen Stressbewältigung

3.5 Fünfte Sitzung

Thema: Abschluss der Gruppensitzungen, Vertiefung und Verankerung der erzielten Veränderungen

3.5.1 Ablauf der fünften Sitzung

3.5.2 Hypnose-Anleitung der fünften Sitzung

Vertiefung und Verankerung der erzielten Veränderungen »Murmeltechnik«

Übersicht über den Ablauf der HypnoStressbewältigung

4 Wissenschaftliche Evaluation der HypnoStressbewältigung

4.1 Einführung

4.2 Pilotstudie

4.3 Randomisierte Multicenter-Studie

4.4 Diskussion und Perspektiven

Literatur

Danksagung

Unser herzlicher Dank gebührt den Expertinnen und Experten im Bereich der Hypnose und Hypnotherapie, die uns als Interviewpartner wertvolle Hinweise zur Konzeptentwicklung des Gruppenprogramms gegeben haben: Prof. Dr. Walter Bongartz, Dipl.-Psych. Norbert Loth, Prof. Dr. Dirk Revenstorf, Dipl.-Psych. Dr. Ronald Zeyer und allen voran Dipl.-Psych. Dr. Helga Hüsken-Janßen. Durch ihre Vermittlung sind wir miteinander über das Thema »Hypnotherapeutische Stressbewältigung« in Kontakt gekommen und haben die Projektidee entwickelt. Für ihre Ermutigung und ihr wohlwollendes Interesse, mit dem sie das gesamte Projekt begleitet hat, danken wir ihr ganz herzlich.

Außerdem danken wir dem gesamten Team des Projektbereiches Komplementäre und Integrative Medizin unter der Leitung von Prof. Dr. Benno Brinkhaus am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité – Universitätsmedizin Berlin für die jeweiligen Beiträge zum Gelingen des Projektes, namentlich Sylvia Binting, Margit Cree, Dr. Theresa Keller und Dr. Stephanie Roll.

Auch danken wir Dipl.-Psych. Suzana Trivaković-Thiel von Herzen für die Durchführung des Gruppenprogramms zur Stressbewältigung im Studienzentrum Bad Pyrmont.

Ganz herzlich bedanken möchten wir uns außerdem bei dem Verlag für die gute Zusammenarbeit und insbesondere bei Dr. Nadja Urbani für ihr immer zugewandtes, geduldiges und überaus kompetentes Projektmanagement.

Schließlich gilt unser besonderer Dank den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Studie. Nicht nur durch das Ausfüllen der Fragebögen leisteten sie einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der wissenschaftlichen Evaluation. Auch durch das gemeinsame Erleben der Kurssitzungen haben wir durch sie wertvolle menschliche und fachliche Erfahrungen gewonnen, die unser weiteres psychotherapeutisches und ärztliches Handeln bereichern.

Silvia Fisch

Dr. Michael Teut

Einführung

Stress und stressbezogene Folgeerkrankungen nehmen weltweit zu (Anderson et al., 2012; Heinrichs et al., 2015). Heinrichs et al. definieren Stress als »Bedrohung der physiologischen und/oder psychologischen Unversehrtheit einer Person, welche eine adaptive physiologische, behaviorale, emotionale und kognitive Reaktion bewirkt«. Das individuelle Ausmaß der Stressreaktion werde »durch eine Integration der individuellen psychobiologischen Stressreagibilität, der subjektiven Bedrohungseinschätzung und der Einschätzung der verfügbaren Bewältigungsressourcen bestimmt«. Stress entsteht demnach durch ein »kurzfristiges Ungleichgewicht zwischen wahrgenommenen belastenden Anforderungen und verfügbaren Regulationsressourcen« (Heinrichs et al., 2015, S. 5). Es handelt sich um chronischen Stress, »wenn die adaptive Reaktion nicht zur Bewältigung des Stressors führt und das Ungleichgewicht bestehen bleibt« (Fisch et al., 2020a, 2020b, 2017; Heinrichs et al., 2015).

In einer Umfrage gaben 20 % der Berufstätigen in Europa an, sich täglich gestresst zu fühlen (Nier, 2018). Forschungsergebnisse in der Arbeitsmedizin wiesen auf den Zusammenhang zwischen zunehmenden Belastungen in der Arbeitswelt und der Entwicklung von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen hin (Groth, 2013). In Deutschland ergab eine Befragung von 1200 Erwachsenen im Auftrag der Techniker Krankenversicherung, dass 23 % einen hohen Stresslevel erlebten, weitere 38 % sich manchmal gestresst fühlten und 58 % der Befragten angaben, sich gestresster zu fühlen als drei Jahre zuvor (Fisch et al., 2020a, 2020b; Wohlers & Hombrecher, 2016). Die Corona-Pandemie, die in den Jahren 2020/2021 ein, wenn nicht das zentrale und viele Lebensbereiche beherrschende Thema weltweit war, stellt mit ihren gesundheitlichen, medizinischen, gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen und Herausforderungen auch ein neues Thema im Zusammenhang mit Stressbelastung dar. Bezeichnenderweise zeigten die Erfahrungen gerade in der Anfangsphase der Pandemie allerdings auch, dass viele Menschen in Deutschland den Lockdown im März und April sowie manche damit verbundene Einschränkungen als wohltuend entschleunigend und entlastend erlebten.

Die Studie zum Gesundheitszustand der deutschen Bevölkerung ergab, dass Beschwerden wie Verspannungen/Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Erschöpfung/Ausgebranntsein, Kopfschmerzen u. a. unter den Befragten, die sich häufig gestresst fühlen, häufiger auftreten als unter denen, die sich selten/nie gestresst fühlen (Wohlers & Hombrecher, 2016). Es konnte gezeigt werden, dass ein Zusammenhang zwischen dem eigenen Lebensstil und Stresserleben sowie dem Auftreten von sogenannten Zivilisationskrankheiten wie Rückenschmerzen, kardiovaskulären Erkrankungen und Typ-2-Diabetes besteht (Everson-Rose & Lewis, 2005; Kelly & Ismail, 2015). Ein erhöhtes Stresserleben begünstigt außerdem die Entwicklung von psychischen Störungen wie Depressionen und Angststörungen (Berking & Grawe, 2005; Rein & Keck, 2017). Epidemiologische Daten konnten zeigen, dass der Entwicklung einer Depression oder Angststörung (wie Panikstörung oder Generalisierte Angststörung) häufig belastende, stressreiche Lebensereignisse, chronische Belastungen und ungünstige sozio-ökonomische Bedingungen mit belastenden/bedrohlichen Faktoren in Familie, Partnerschaft, Arbeitssituation und sozialem Umfeld vorausgehen (Becker & Margraf, 2016; Schneider & Margraf, 1998).

Demnach ist es wünschenswert, im Sinne einer Prävention von somatischen und psychischen Erkrankungen zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt Menschen mit einem erhöhten Stresserleben in ihrem Stressbewältigungskompetenzen zu stärken und zu einem verbesserten Umgang mit Stressoren und zu einer Stressreduktion zu verhelfen.

In den letzten Jahren gewannen Hypnose und Hypnotherapie als therapeutische Methoden weltweit zunehmendes Interesse und Bedeutung. Hypnose ist definiert als »ein Bewusstseinszustand mit fokussierter Aufmerksamkeit und reduziertem peripheren Bewusstsein, der durch eine erhöhte Fähigkeit zur Reaktion auf Suggestionen gekennzeichnet ist« (Elkins et al., 2015). Hypnotherapie ist definiert als »die Anwendung von Hypnose bei der Behandlung einer medizinischen Erkrankung oder einer psychischen Störung oder Problems« (ebd.).

Für eine Reihe von Krankheits- und Störungsbildern, wie chronische Schmerzen und Reizdarm-Syndrom, sowie zur Reduktion von emotionalem Stress bei medizinischen Interventionen konnte eine Wirksamkeit von hypnotherapeutischen Interventionen in Metaanalysen dargestellt werden (Adachi et al., 2014; Birnie et al., 2014; Fisch et al., 2015; Häuser et al., 2016). In der klinisch-hypnotherapeutischen Fachliteratur finden sich vielfältige Handlungsvorschläge für eine Verbesserung der Stressbewältigung (Alman & Lambrou, 2012; Revenstorf & Zeyer, 2006; Zeyer, 2012, 2015). Darüber hinaus werden in der curricularen Aus- und Weiterbildung von Hypnotherapeuten sowie auf Kongressen von Fachgesellschaften durch die praktische Demonstration und die Weitergabe von Expertenwissen hypnotherapeutische Interventionen vermittelt, die im Zusammenhang mit der Behandlung verschiedener Krankheits- und Störungsbilder auch der Stressreduktion und verbesserten Stressbewältigung dienen.

Somit erschien es uns vielversprechend, Hypnose und Hypnotherapie gezielt als Verfahren zur Stressreduktion und Verbesserung von Stressbewältigungskompetenzen einzusetzen. Mit hypnotherapeutischen Methoden ist es möglich, auf physiologischer Ebene notwendige Veränderungen zu bewirken, die als Trancephänomene unmittelbar mit einer vegetativen Entspannung und damit auch dem Erleben von kognitiver und emotionaler Beruhigung einhergehen – also einer Reduktion der physiologischen Stressreaktion. Darüber hinaus kann es die Hypnose ermöglichen, sich in diesem physiologisch, kognitiv und emotional beruhigten Zustand konstruktiv, lösungs- und ressourcenorientiert mit der erfolgreichen Bewältigung konkreter stressauslösender Situationen zu beschäftigen und diese Bewältigungserfahrung unmittelbar zu erleben. Auf diese Weise wäre es möglich, im Sinne eines mentalen Trainings eine verbesserte Stressbewältigung zu trainieren und die erwünschte Reaktionsbereitschaft für die real erlebten Situationen zu bahnen.1

Unser Ziel war daher, ein pragmatisches und präventives standardisiertes hypnotherapeutisches Gruppenprogramm zur verbesserten Stressbewältigung bei gesundheitlich stabilen Personen mit erhöhtem Stresserleben zu entwickeln. Aus Gründen der Praktikabilität im psychotherapeutischen und ärztlichen Alltag sollte es für gemischte Gruppen mit Personen unterschiedlicher Lebensalter und Lebensphasen mit erhöhtem Stresserleben bei unterschiedlichen Stressoren und Belastungsfaktoren geeignet sein und keine homogenen Teilnehmergruppen voraussetzen. Wir entwickelten es auf der Grundlage eines systematischen Überblicks über die relevante wissenschaftliche Literatur (Fisch et al., 2017) und auf der Basis von Expertenwissen von langjährig im klinischen und/oder universitären Kontext tätigen und erfahrenen Hypnotherapeuten.2

Dieses Manual zur HypnoStressbewältigung richtet sich an Hypnotherapeuten sowie Ärzte und Psychologische Psychotherapeuten mit Kenntnissen in Hypnose und Hypnotherapie.3 Gerade für Ärzte und Psychotherapeuten mit wenig Erfahrung in diesem Bereich kann es durch die konkreten Anleitungen und Beispielformulierungen im Umgang mit typischen Situationen bei der Durchführung Sicherheit geben. Für ausführlichere Informationen zu den Grundlagen von Hypnose und Hypnotherapie wird auf entsprechende Lehrbücher verwiesen (Bongartz & Bongartz, 1998; Revenstorf & Peter, 2015). In Kapitel 1 werden zunächst die Ziele des hypnotherapeutischen Gruppenprogramms zur Stressbewältigung vorgestellt, und in Kapitel 2 wird die hypnotherapeutische Grundhaltung bei der Gesprächsführung und Durchführung der Gruppensitzungen konkretisiert. Kapitel 3 enthält eine ausführliche Darstellung des genauen Ablaufs der fünf Gruppensitzungen mit den wörtlichen Hypnose-Anleitungen für die jeweiligen Gruppentrancen und praktischen Hinweisen für den Umgang mit konkreten Gruppensituationen. In Kapitel 4 werden die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studien, die in der Zeit von 2017 bis 2018 an der Charité Universitätsmedizin Berlin zur Machbarkeit und Wirksamkeit des hypnotherapeutischen Stressbewältigungsprogramms durchgeführt wurden, zusammengefasst.

1 Konzeptionalisierung der HypnoStressbewältigung

1.1 Ziele der HypnoStressbewältigung

Menschen mit subjektiv erhöhtem Stresserleben können unter vielfältigen Symptomen leiden. Dazu gehören physiologische Reaktionen wie ein erhöhter Puls, muskuläre Anspannung, die das Ausmaß von Nacken-, Rücken- und Kopfschmerzen annehmen kann, Schlafstörungen und erhöhte Erschöpfbarkeit. Auf kognitiver Ebene kommt es gehäuft zu Konzentrationsschwierigkeiten, Grübeln und Sorgen, die emotional mit Angst und Gereiztheit sowie Affektlabilität einhergehen und mit sozialen Reaktionen wie sozialem Rückzug und interpersonalen Konflikten verbunden sein können. Wenn ausreichende Erholungszeiten ausbleiben, kommt es nach einer normalen akuten Stressreaktion nicht mehr zur Normalisierung des Erregungsniveaus und führt damit zu chronifiziertem Stress (Heinrichs et al., 2015).

Ziel des präventiven hypnotherapeutischen Stressbewältigungsprogramms »HypnoStressbewältigung« ist es, zu verhindern, dass sich eine mit der beschriebenen Symptomatik assoziierte somatische oder psychische Stressfolgeerkrankung und soziale Probleme manifestieren. Stattdessen sollen möglichst frühzeitig in dieser ungünstigen Entwicklung ressourcenvolle, positive Erfahrungen im Umgang mit stressauslösenden Situationen ermöglicht werden.

Im Einzelnen geht es um

die Verbesserung der Entspannungsfähigkeit,

die Stärkung der Toleranz und Resilienz gegenüber Stressoren und

die Verbesserung spezifischer Kompetenzen zur Stressbewältigung.

1.1.1 Verbesserung der Entspannungsfähigkeit

Es scheint selbstverständlich, dass einer Person, die sich gestresst fühlt, Entspannung, Erholung und Regeneration guttun. Eine hohe Termindichte und eine Vielzahl an zu bewältigenden Anforderungen im beruflichen und familiären Bereich führen – oftmals vor dem Hintergrund einer stark ausgeprägten Leistungsorientierung und hoher erlebter Verantwortlichkeit – zu einem erhöhten physiologischen und kognitiven Aktivierungsniveau. Durch die mit einer hypnotischen Trance natürlicherweise einhergehenden Umschaltung im vegetativen Nervensystem von einer Aktivierung des Sympathikus zu einer eher parasympathischen Aktivierung kommt es zu einer physiologischen Entspannungsreaktion, die mit Reduktion der Herzrate, Regulation des Blutdrucks, Beruhigung der Atmung, muskulärer Entspannung, Veränderung der peripheren Durchblutung, Reduktion des Schmerzerlebens und Aktivierung des Immunsystems verbunden ist. Revenstorf (2015, S. 15) spricht von einer »Harmonisierung des inneren Milieus«. Durch weitere kognitive Trancephänomene, wie die Reduktion des kritisch-rationalen Denkens zugunsten einer eher bildhaften, kreativen Verarbeitung und einer Dissoziation von Themen und situativen Faktoren des Alltags, stellt sich auch auf emotionaler und mentaler Ebene eine wohltuende Beruhigung ein. Somit stellt eine hypnotische Trance per se eine Erfahrung dar, die geeignet ist, Stresserleben zu reduzieren. Gleichzeitig – und damit geht sie über die Wirkung einer reinen Entspannungsübung hinaus – bereitet sie als »ressourcenhafter und ressourcenfördernder Zustand« (Gerl, 2015, S. 90) den Boden für weitere zielorientierte Interventionen zur Stressbewältigung. Denn in diesem Trancezustand ist es leichter als im normalen Alltagsbewusstsein, neue Lernerfahrungen zu machen, neue neuronale Verknüpfungen zu bilden und langfristig wirksame Veränderungen auf kognitiver und behavioraler Ebene zu bahnen.

1.1.2 Stärkung der Toleranz und Resilienz gegenüber Stressoren

Personen mit erhöhtem Stresserleben zeichnen sich oftmals durch eine erhöhte Stressreagibilität und Empfindsamkeit gegenüber Stressoren aus. Dies kann äußere physikalische Reize wie Geräusche, Licht und wahrgenommene Enge betreffen. Auch die erlebte Menge und Dichte an Anforderungen (»Das liegt wie ein Berg vor mir!«; »Das jetzt auch noch!«) und das gehäufte Erleben von Unannehmlichkeiten (»Typisch, so was passiert immer mir!«) können dazu gehören. Dabei muss anerkannt werden, dass die reale Situation von Menschen in unserer Gesellschaft mit den modernen beruflichen, privaten, familiären und technischen Gegebenheiten und Anforderungen objektiv mit einer Vielzahl von Stressoren einhergehen kann. Oftmals erleben gestresste Menschen es dabei als schwierig, von belastenden Themen abzuschalten und negatives Gedankenkreisen zu unterbrechen. Ziel der HypnoStressbewältigung ist es, Personen in ihrer Toleranz und Resilienz gegenüber Stressoren zu stärken. Dazu wird das Trancephänomen der Dissoziation gezielt utilisiert und die Fähigkeit gefördert, Störreize ausblenden zu können und sich von Gedanken, Themen und Situationen (zumindest vorübergehend) abgrenzen zu können.

1.1.3 Verbesserung spezifischer Kompetenzen zur Stressbewältigung

Für eine nachhaltige Stressreduktion ist über eine wiederholte Erfahrung von Entspannung und Verbesserung der Entspannungs- und Dissoziationsfähigkeit hinaus wichtig, Kompetenzen zur Stressbewältigung aufzubauen und zu verbessern. Dazu kann der Aufbau ausgleichender Aktivitäten wie Sport, Bewegung und Treffen mit Freunden gehören, eine verbesserte Konfliktfähigkeit und Fähigkeit, Kritik zu äußern und anzunehmen, ein verbessertes Zeitmanagement, gestärkte Problemlösefähigkeiten etc. Entsprechend bestehen z. B. kognitiv-verhaltenstherapeutische Stressbewältigungstrainings aus verschiedenen Modulen, die sich gezielt den einzelnen Kompetenzbereichen widmen und oftmals auch zielgruppenabhängig ausgewählt und kombiniert werden können (Kaluza, 1996; Schelp et al., 1997; Wagner-Link, 2010). Yapko (2015) betont, dass Hypnose stressreduzierende Aspekte wie ein angemesseneres Denken, größere Flexibilität und verbessertes Problemlösen erzielen kann. Die Fähigkeit, sich tief zu entspannen sowie Kognitionen, Emotionen und Verhalten zu reorganisieren, könne einen wirksamen Effekt auf die Verbesserung der Stressbewältigung haben.

Die Kern-Idee dieses hypnotherapeutischen Stressbewältigungstrainings besteht darin, wiederholt in der hypnotischen Trance zu erleben und zu üben, wie eine individuell herausfordernde Situation mithilfe eigener Ressourcen erfolgreich bewältigt wird. Dazu werden die hypnotherapeutischen Methoden der Ressourcenaktivierung und des Ressourcentransfers angewandt. Die dabei gemachten positiven Erfahrungen werden in das Selbstbild integriert und tragen so zu dem Erleben eigener Fähigkeiten und Stärken und einem verbesserten Selbstwirksamkeitserleben bei. Kennzeichnend für das hypnotherapeutische Gruppenprogramm ist, dass die individuellen Situationen, mit denen sich die Teilnehmer während einer Gruppentrance beschäftigen, sehr verschieden sein können und sind. Zu den hypnotherapeutischen Grundannahmen gehören das Vertrauen in das intuitive Wissen jedes Einzelnen und die Überzeugung, dass jeder die Ressourcen in sich trägt, die er zur Lösung seiner Probleme benötigt.

1.2 Ziele und Funktion der Hypnose

Wie beschrieben führt eine hypnotische Trance durch die mit ihr einhergehenden physiologischen Veränderungen zu einer Harmonisierung des inneren Milieus (Revenstorf, 2015), die ihrerseits zu einem unmittelbar reduzierten Stresserleben führt. Darüber hinaus trägt die Unwillkürlichkeit der physiologischen, kognitiven und emotionalen Reaktionen während einer Trance zu einer ganzheitlich erlebten Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit bei, sodass das unmittelbare Erleben von Veränderungen leichter möglich wird. Die Person macht eine Erfolgserfahrung, ohne eine bewusst kontrollierte oder mit Anstrengung verbundene »gemachte« Veränderung.

Außerdem ist in der Trance die Suggestibilität erhöht. Dadurch wird es leichter möglich, veränderte Überzeugungen – über Stressoren, zur Leistungsorientierung, zu eigenen Fähigkeiten und Kraftquellen – zu akzeptieren und anzunehmen.

Schließlich führt die veränderte kognitive Verarbeitung mit verstärkten bildhaften Vorstellungen und kreativem Denken zu einer Befähigung, Ideen zur Lösung und Bewältigung herausfordernder Situationen zu entwickeln (Revenstorf, 2015).

1.3 Rahmenbedingungen

In Übereinstimmung mit den Empfehlungen der Experten auf dem Gebiet der Hypnose und Hypnotherapie bestehen die Gruppen der HypnoStressbewältigung aus 8–12 Teilnehmern. Die wöchentlichen Gruppensitzungen dauern 120 Minuten, sodass genug Zeit für eine Tranceerfahrung und ein vor- und nachbereitendes Gespräch in der Gruppe zur Verfügung steht. Die zentralen Hypnose-Übungen jeder Sitzung erhalten die Teilnehmer als Audioaufnahmen (auf CD oder als MP3-Download) zum selbstständigen Üben der Hypnose zu Hause. So wird dem Wissen Rechnung getragen, dass für nachhaltige neuronale Veränderungen wiederholte Erfahrungen notwendig und förderlich sind. Darüber hinaus wird durch das Üben der Selbsthypnose auch die Fähigkeit zum Selbstmanagement und zur Selbstkontrolle gefördert. Idealerweise sollten die Audioaufnahmen von jedem Gruppenleiter individuell angefertigt werden. Erfahrungsgemäß ist es für die Teilnehmer am angenehmsten und einfachsten, wenn die Stimme, mit der die Trancen angeleitet werden, in den Gruppensitzungen und beim Üben zu Hause die gleiche ist.

Durchgeführt wird das hypnotherapeutische Stressbewältigungsprogramm von einem Arzt oder Psychologischen Psychotherapeuten mit qualifizierter Weiterbildung in Hypnose und Hypnotherapie durch eine anerkannte Fachgesellschaft. Dadurch wird gewährleistet, dass Wissen und Erfahrung vorliegen, zum einen geschildertes Erleben und Symptomatik der Teilnehmer fachkundig einordnen zu können und zum anderen das hypnotherapeutische Vorgehen professionell umzusetzen.

An Ausstattung bzw. Material für die Durchführung des Gruppenprogramms ist ein Flipchart praktisch, auf dem im psychoedukativen Teil das Waage-Modell der Stressbewältigung entwickelt werden kann (erste Sitzung) und auf das in den weiteren Sitzungen noch einmal zurückgegriffen werden kann. Ebenso können darauf weitere Notizen zu herausfordernden Situationen und den jeweils benötigten Ressourcen festgehalten werden (ab der zweiten Sitzung).

Darüber hinaus ist in der fünften Sitzung vorgesehen, den Teilnehmern Murmeln als Anker mitzugeben, die in ausreichender Anzahl bereitgehalten werden sollten.

2 Hypnotherapeutische Grundhaltung bei der Gesprächsführung und Durchführung der Gruppensitzungen

2.1 Aufbau und Förderung von Gruppenkohäsion

Ein zentrales Teilziel bei der Durchführung des Gruppenprogramms ist der Aufbau und die Förderung von Gruppenkohäsion, d. h. von Zusammenhalt und Wir-Gefühl unter den Teilnehmern. Dies stellt einen wichtigen supportiven Faktor und eine Chance der Gruppe gegenüber der Einzelbehandlung dar, durch die erlebte Solidarität, das gegenseitige Verständnis und die wechselseitige Unterstützung der Gruppenteilnehmer eine Entlastung zu erleben. Damit verbunden ist das Vertrauen, sich mit eigenem Erleben öffnen und von eigenen Schwierigkeiten erzählen zu können. Dies ist gerade für Menschen mit einem hohen Leistungsanspruch und dem Erleben, oft ganz viel aus eigener Kraft zu schaffen, gar nicht so einfach – und dies sind ja typischerweise Menschen, die unter einem erhöhten Stresserleben leiden können und in so einem Stressbewältigungsprogramm zusammenkommen könnten. Umso wichtiger ist es aus therapeutischer Sicht, eine Atmosphäre zu schaffen, in der das möglich ist. Es ist gut vorstellbar, wie therapeutisch bedeutsam so eine positive Erfahrung für Personen mit diesem Erlebenshintergrund sein kann – unmittelbar entlastend und auch eine Basis für mögliche weitere, über die Gruppensitzungen hinausgehende Veränderungen in eigenen Einstellungen und Verhaltensweisen (z. B. eigene Grenzen wahr- und ernstnehmen, eigene Bedürfnisse ansprechen, andere um Hilfe bitten, Verantwortung abgeben etc.). Fiedler (1999) beschreibt als »instrumentelle Gruppenbedingungen« Gruppenkohäsion, Offenheit und Vertrauen sowie kooperative Arbeitshaltung und weist darauf hin, wie bedeutsam es für wirkungsvolles therapeutisches Handeln ist, diese Faktoren zu fördern und ihr Potential auszuschöpfen.

Welches Therapeutenverhalten trägt zu einer guten Gruppenkohäsion bei?

Ein eigentlich banaler und doch wirkungsvoller Aspekt, den Teilnehmern zu ermöglichen, sich in der Gruppe wohlzufühlen, besteht in der Auswahl und Gestaltung des Gruppenraums, der idealerweise mit bequemen Stühlen oder Sesseln ausgestattet sein sollte, angenehm temperiert mit frischer Luft und einigermaßen von äußeren Störquellen (wie Telefonklingeln, Straßenlärm oder sonstigen Umgebungsgeräuschen) geschützt. Implizit und modellhaft erfahren die Teilnehmer so, wie eine Atmosphäre von Ruhe, Ungestörtsein und Vertrauen Stressbewältigung ermöglicht.

Des Weiteren ist es die Aufgabe des Gruppenleiters, zu jedem einzelnen Teilnehmer eine therapeutische Beziehung, den sogenannten Rapport, aufzubauen. Dies gelingt durch interessiertes und wertschätzendes Zuhören. Die Teilnehmer sollen in ihrem Erleben validiert werden, d. h., sie dürfen die Erfahrung machen, dass ihre offenen Äußerungen über ihr Erleben erwünscht sind und ernstgenommen werden. Dies trägt dazu bei, dass sie sich willkommen und verstanden fühlen. Gleichzeitig erleben sie modellhaft, dass jedem/jeder von dem Gruppenleiter respektvoll, ressourcenorientiert und wertschätzend begegnet wird, was implizit einen derartigen Umgang der Teilnehmer untereinander befördert und somit wiederum Vertrauen, Offenheit und Gruppenkohäsion verstärkt.