Hypnotherapie bei Tinnitus - Detlef Kranz - E-Book

Hypnotherapie bei Tinnitus E-Book

Detlef Kranz

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Beschreibung

Fast ein Prozent der Bevölkerung leidet an lästigen Ohrgeräuschen. Häufig gehen diese mit weiteren Problemen einher, wie z. B. Ängsten, Stress und Schlafstörungen. In chronischen Fällen ist daher eine psychotherapeutische Behandlung angezeigt. Die Hypnotherapie stellt eine Reihe von Techniken zur Verfügung, mit denen eine erfolgreiche Therapie des Tinnitusproblems möglich ist. Sie kann sowohl verhaltenstherapeutische als auch psychodynamische Therapieangebote ergänzen. Das Buch liefert Psychotherapeuten das notwendige Hintergrundwissen und "Handwerkszeug" für eine erfolgreiche hypnotherapeutische Behandlung von Patienten mit einem Tinnitusleiden. Der einführende Teil des Buches beinhaltet einen kurzen Abriss zur Geschichte der Hypnotherapie, vermittelt basale medizinische Kenntnisse zur Entstehung eines Tinnitusleidens und informiert über die Diagnostik und Therapieplanung bei der Anwendung hypnotherapeutischer Methoden. Ausführlich wird anschließend das hypnotherapeutische Vorgehen beschrieben. Von der Gestaltung des Rapports zum Patienten über hypnotische Strategien des Zugangs zum Problem mithilfe von direkten Suggestionen bis hin zu indirekten und symbolischen Suggestionen wird in die symptom- und problemorientierte Methodik der Hypnotherapie eingeführt. Die einzelnen Module können individuell angepasst werden und ermöglichen sowohl die Bearbeitung monofokaler Themen, wie z. B. die Aufmerksamkeitslenkung, Entspannung, Stress, als auch die Bearbeitung komplexerer Ursachen des Tinnitusleidens, wie z.B. das Erkennen von Zusammenhängen und Ursachen sowie die Veränderungsarbeit. Die beiliegende CD-ROM stellt umfangreiches Arbeitsmaterial wie Induktionstexte, Informationsmaterialien zur Psychoedukation sowie eine PowerPoint-Präsentation und Audiodateien mit Ausschnitten aus Therapiesitzungen zur Verfügung, welches die Umsetzung der beschriebenen Methoden in der klinischen Praxis unterstützt.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Detlef Kranz

Hypnotherapie bei Tinnitus

Ein Praxisleitfaden

unter Mitarbeit vonSonja Faller, Helmut Schaaf

Dipl.-Psych. Detlef Kranz, geb. 1952. 1972 – 1977 Studium der Psychologie in Berlin. Anschließend Tätigkeit in verschiedenen stationären und ambulanten psychotherapeutischen Einrichtungen. 1999 Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten (Verhaltenstherapie). 1986 Fachpsychologe der Medizin. 1997 Klinische Hypnose (M.E.G.). Seit 1993 niedergelassen in eigener Praxis in Essen und seit 2009 Mitarbeit in der Tinnitus Klinik Prof. Dr. Hesse in Bad Arolsen.

Wichtiger Hinweis:Der Verlag hat gemeinsam mit den Autoren bzw. den Herausgebern große Mühe darauf verwandt, dass alle in diesem Buch enthaltenen Informationen (Programme, Verfahren, Mengen, Dosierungen, Applikationen, Internetlinks etc.) entsprechend dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes abgedruckt oder in digitaler Form wiedergegeben wurden. Trotz sorgfältiger Manuskriptherstellung und Korrektur des Satzes und der digitalen Produkte können Fehler nicht ganz ausgeschlossen werden. Autoren bzw. Herausgeber und Verlag übernehmen infolgedessen keine Verantwortung und keine daraus folgende oder sonstige Haftung, die auf irgendeine Art aus der Benutzung der in dem Werk enthaltenen Informationen oder Teilen davon entsteht. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.

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[email protected]

www.hogrefe.de

Umschlagabbildung: © Bonerok – iStock.com by Getty Images

Satz: Matthias Lenke, Weimar

Format: EPUB

1. Auflage 2017

©2017Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG,Göttingen

(E-Book-ISBN [PDF]978-3-8409-2767-6; E-Book-ISBN [EPUB]978-3-8444-2767-7)

ISBN978-3-8017-2767-3

http://doi.org/10.1026/02767-000

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Anmerkung:

Sofern der Printausgabe eine CD-ROM beigefügt ist, sind die Materialien/Arbeitsblätter, die sich darauf befinden, bereits Bestandteil dieses E-Books.

Zitierfähigkeit: Dieses EPUB beinhaltet Seitenzahlen zwischen senkrechten Strichen (Beispiel: |1|), die den Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe und des E-Books im PDF-Format entsprechen.

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|5|Für Christiane, Ida-Sophie und Sebastian

.

|6|… denn die Unbewusstheit ist das Fundament des Lebens.

Wenn das Herz denken könnte, stünde es still.

Fernando Pessoa

aus „Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares“

Wenn im Kopf das Brummen tobt

und das Ohr vom Blutrausch bebt

denke ich zu meinem Trost

Stille ist, wenn nichts mehr lebt.

Äußerung einer Patientin

|7|Vorwort

Eine Störung, die darin besteht, dass etwas wahrgenommen wird, was normalerweise überhört wird, ist ein eigenartiges Phänomen. Aber es kann so belastend sein, dass Menschen daran verzweifeln. Fast ein Prozent der Bevölkerung leidet an lästigen Ohrgeräuschen, Männer wie Frauen gleichermaßen und am häufigsten tritt das Leiden in der Altersklasse nach der Lebensmitte auf. Es gibt körperliche Ursachen wie Hörschädigungen oder psychische Ursachen wie allerlei Formen von Stress. Typischerweise löst Stress nicht nur Tinnitus aus, sondern der Tinnitus steigert dadurch, dass sich der Patient ihm hilflos ausgeliefert fühlt, den Stress – sofern er als bedrohlich wahrgenommen wird. Der Umgang mit diesem oft geringfügigen Ton, der als physiologisches „Betriebsgeräusch“ des Ohres angesehen werden kann, ist komplex. Er verlangt neben der akuten medizinischen Versorgung in den chronischen Fällen eine psychotherapeutische Betreuung. Das ist insbesondere deswegen sinnvoll, da Unzufriedenheit, Angst, Überforderung, übergroße Kontrollbedürfnisse und Schlafstörungen mit dem Tinnitus einhergehen. Hier kann Hypnose besonders hilfreich sein und sowohl kognitiv-verhaltenstherapeutische als auch tiefenpsychologische Angebote ergänzen.

Hypnotherapie berücksichtigt grundsätzlich zwei Zugangsebenen, nämlich die symptomorientierte und die problemorientierte Behandlung. In vielen Fällen gelingt es mit Hypnose, das Symptom auf der Ebene der Wahrnehmung zu entschärfen – z. B. durch Dissoziation und Veränderung der Submodalitäten der Wahrnehmung oder durch Verschiebung des Aufmerksamkeitsfokus. Hinzu kommt, dass Hypnose eine Reihe von Techniken zur Verfügung stellt, mit denen die psychosomatischen Aspekte des Tinnitusproblems bearbeitet werden können. Dazu gehört Stressbewältigung durch Ressourcenaktivierung, die regressive Bearbeitung zugrunde liegender Konflikte, die den Tinnitus ausgelöst haben, und die Beeinflussung des Problems durch indirekte und metaphorische Methoden.

In diesem Buch wird dem Psychotherapeuten oder dem hypnotherapeutisch tätigen HNO-Arzt ein umfassendes Kompendium zur Behandlung des Tinnitus mit Hypnose zur Verfügung gestellt. Behandler erhalten einen Einblick, wie Hypnotherapie in der Praxis angewendet werden und was Hypnotherapie bei dem Leiden unter einem Tinnitus leisten kann. Neben einer praktischen Einführung in die Hypnotherapie und der Vermittlung der medizinischen Grundlagen des Tinnitusleidens werden eine Vielzahl von Methoden sowohl für die symptomorientierte als auch für die problemorientierte Hypnotherapie beschrieben. Der Leser wird von der Gestaltung des Rapports zum Patienten über hypnotische Strategien des Zugangs zum Problem über direkte Suggestionen bis zu indirekten und symbolischen Suggestionen in die Methodik der Hypnotherapie für diese spezielle Anwendung in didaktisch hervorragender Weise eingeführt. Im umfangreichen |8|Anhang werden ausführliche Induktionstexte und zahlreiche nützliche Arbeitsblätter für Diagnostik und Patientenaufklärung zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise wird eine systematische Einführung in die Hypnotherapie des Tinnitus gegeben, die in allen Einzelheiten verständlich und lückenlos mit dem Vorgehen vertraut macht.

Der Autor Detlef Kranz hat aus der Bewältigung seiner eigenen Tinnitusproblematik Erfahrung sowohl beim Leiden am Tinnitus als auch mit den therapeutischen Zugangsmöglichkeiten zur Veränderung des Leidens gewinnen können. Dies hat er bei der Arbeit in seiner Praxis für Psychotherapie und in der renommierten Tinnitus-Klinik Prof. Dr. Hesse für die Hypnotherapie angewendet und stellt es dem Leser in einer aus der Praxis und der eigenen Leidenserfahrung authentisch gewachsenen Form zur Verfügung.

Das vorliegende Buch bietet für den hypnotherapeutisch arbeitenden Psychologen und Arzt Grundlagen und fruchtbare praktische Anregungen zur Symptomminderung und zur Bewältigung des Tinnitusleidens.

Tübingen, Juni 2017

Prof. Dr. Dirk Revenstorf

Inhaltsverzeichnis

Widmung

Zitat/e

Vorwort

Einführung

Danksagung

1 Historie und Wissenschaftlichkeit der Hypnotherapie

1.1 Von der traditionellen zur modernen Hypnose

1.2 Wissenschaft und Hypnose: Theorie, Physiologie und nachgewiesene Wirksamkeit

1.2.1 Begriffsbestimmung

1.2.2 Neurobiologie der Hypnose

1.2.3 Wirksamkeit

1.3 Hypnotherapie bei Tinnitus

2 Was Hypnotherapeuten über das Leiden am Tinnitus wissen sollten – notwendiges basales medizinisches Grundwissen

2.1 Tinnitus: Was ist das?

2.2 Wie kann es zum Leiden am Tinnitus kommen?

2.2.1 Grundlagen der Hörwahrnehmung

2.2.2 Erklärungsansätze zur Entstehung von Tinnitus

2.2.3 Psychische Komorbidität

2.2.4 Risiko: Suizidalität

2.3 Symptomorientierte Diagnostik

2.4 Therapieansätze

2.4.1 Akuter, erstmalig auftretender Tinnitus

2.4.2 Länger anhaltende, „chronische“ Tinnituswahrnehmung

2.4.3 Psychotherapie bei Tinnitusleiden

2.4.4 Medikamentöse Behandlung

2.5 Tinnitus in der ICD-10

3 Einstieg in die Tinnitusbehandlung – Exploration, Indikation und Kontraindikationen

3.1 Wie kann es aus hypnotherapeutischer Sicht zum Tinnitusleiden kommen?

3.2 Vorgehen bei der Exploration

3.3 Kontraindikationen

4 Behandlungsziele und Therapieplanung bei einem Tinnitusleiden aus hypnotherapeutischer Sicht

4.1 Kennzeichen des hypnotherapeutischen Vorgehens bei Tinnitus

4.2 Hypnotherapeutische Behandlungsansätze und -ziele bei einem Tinnitusleiden

Symptomorientierte Hypnotherapie bei Tinnitusleiden

Problem- und konfliktorientierte Hypnotherapie bei Tinnitusleiden

Implizite Hypnotherapie bei Tinnitusleiden

Unspezifische Hypnotherapie bei Tinnitusleiden

5 Ablauf, Grundlagen, Voraussetzungen und Methoden der Hypnotherapie bei einem Tinnitusleiden

5.1 Ablauf einer hypnotherapeutischen Therapiesitzung und Grundprinzipien der therapeutischen Arbeit

5.2 Grundlagen für die Anwendung moderner Hypnotherapie bei einem Tinnitusleiden

5.2.1 Warum Trance?

5.2.2 Hypnotisierbarkeit

5.2.3 Die Persönlichkeit des Hypnotiseurs

5.2.4 Hypnose ist immer Selbsthypnose

5.2.5 Rahmenbedingungen

5.3 Voraussetzungen für die Anwendung hypnotherapeutischer Methoden und Besonderheiten der Tranceinduktion bei einem Tinnitusleiden

5.4 Methoden – direkte und/oder indirekte Induktion

5.4.1 Direkte Methoden

5.4.2 Indirekte Methoden

5.5 Was ist bei der Induktion einer Trance wichtig?

5.6 Funktion und Prinzipien der Trancesprache

5.7 Mögliche Probleme

5.7.1 Umgang mit Patienten mit Widerstand

5.7.2 Was tun, wenn nichts passiert?

5.8 Hinweise zur Arbeit mit den vorgestellten hypnotherapeutischen Methoden

6 Symptomorientierte Hypnotherapie bei einem Tinnitusleiden

6.1 Lieblingsplatz / Wohlfühlort

1. Rapport

2. Trance induzieren

3. Nutzung der Trance

4. Ankern (fakultativ)

5. Reorientierung

6. Nachexploration

6.2 Tinnitus als Bild – Sinneskanäle wechseln und Submodalitäten verändern

1. Rapport

2. Trance induzieren

3. Nutzung der Trance

4. Ankern (fakultativ)

5. „Das ist wie …“-Technik

6. Reorientierung

7. Nachexploration

6.3 Tinnitus als Skala – Sinneskanäle wechseln und Submodalitäten verändern

1. Rapport

2. Trance induzieren

3. Nutzung der Trance

4. Postsuggestion

5. Reorientierung

6. Nachbesprechung

6.4 Tinnitus als Bild an einem Ort „maskieren“

1. Rapport

2. Trance induzieren

3. Nutzung der Trance

4. Reorientierung

5. Nachbesprechung

6.5 Umlenkung der Aufmerksamkeit

1. Rapport

2. Trance induzieren

3. Trance nutzen – Trancearbeit mit Suggestion

4. Postsuggestion

5. Reorientierung

6. Nachexploration

6.6 Ressourcen ankern

1. Rapport

2. Induktion der Trance

3. Nutzung der Trance – Ankern

4. Separator

5. Weitere Anker setzen (fakultativ)

6. Test und Future Pacing

7. Ökologiecheck

8. Reorientierung

9. Postsuggestion (fakultativ)

10. Nachexploration

6.7 Ressourcen aktivieren – Altersregression

1. Rapport

2. Induktion der Trance

3. Nutzung der Trance

4. Ressourcensituation ankern

5. Reorientierung

6. Postsuggestion (fakultativ)

7. Nachexploration

6.8 Ankern und Anker kollabieren

1. Rapport

2. Induktion der Trance

3. Vertiefung

4. Nutzung der Trance – Problem- und Ressourcenanker setzen

5. Anker kollabieren

6. Test und Future Pacing

7. Postsuggestion und Einstreutechnik (fakultativ)

8. Reorientierung

9. Nachexploration

7 Problem- und konfliktorientierte Hypnotherapie bei einem Tinnitusleiden

7.1 Arbeit mit Metaphern I – Stellvertretertechnik

1. Rapport

2. Induktion der Trance

3. Nutzung der Trance

4. Bewältigung einer Anforderungssituation in sensu (fakultativ)

5. Reorientierung

6. Nachexploration

7.2 Arbeit mit Metaphern II – Tinnitus als Landschaft oder Lebewesen

1. Rapport

2. Induktion der Trance

3. Vertiefung (fakultativ)

4. Ratifikation (fakultativ)

5. Nutzung der Trance

6. Stellvertretertechnik (fakultativ)

7. Reorientierung

8. Nachexploration

7.3 Arbeit mit Metaphern III – Tinnitus als ungebetener Hausgast

1. Rapport

2. Induktion der Trance

3. Vertiefung (fakultativ)

4. Ratifikation (fakultativ)

5. Nutzung der Trance

6. Reorientierung

7. Nachexploration

7.4 Arbeit mit Metaphern IV – Tinnitus als Person, Gegenstand oder Symbol

1. Rapport

2. Induktion der Trance

3. Nutzung der Trance

4. Stuhlwechsel

5. Reorientierung

6. Nachexploration

7.5 Reframing I – Die positive Absicht des Tinnitus

1. Rapport

2. Induktion der Trance mit Seeding zur Vorbereitung des Reframings

3. Nutzung der Trance – Kontakt zum Unbewussten herstellen

4. Ökologiecheck – Ziel und positive Absicht vereinigen

5. Reorientierung

6. Nachexploration

7.6 Reframing II – Die positive Absicht des Tinnitus

1. Rapport

2. Induktion der Trance mit Seeding zur Vorbereitung des Reframings

3. Nutzung der Trance

4. Ökologiecheck

5. Reorientierung

6. Nachexploration

7.7 Arbeit mit dem inneren Heiler

1. Rapport

2. Induktion der Trance

3. Nutzung der Trance – Den inneren Heiler einführen

4. Arbeit mit dem inneren Heiler

5. Reorientierung

6. Nachexploration

7.8 Change History-Technik

1. Rapport

2. Induktion der Trance

3. Nutzung der Trance – Change History-Technik

4. Reorientierung

5. Nachexploration

7.9 Zeitprogression

1. Rapport

2. Induktion der Trance

3. Nutzung der Trance – Zeitprogression

4. Reorientierung

5. Nachexploration

7.10 Umgang mit Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen

1. Rapport

2. Induktion der Trance

3. Vertiefung (fakultativ)

4. Nutzung der Trance – Vertrag mit der Symptomseite

5. Posthypnotische Suggestion und Amnesie (fakultativ)

6. Reortientierung

7. Nachexploration

8 Selbsthypnose

Hypnose ist immer Selbsthypnose

Ablauf

8.1 Selbsthypnose 1 – Fixation, Atemregulierung und Treppe hinabsteigen

8.2 Selbsthypnose 2 – 5, 4, 3, 2, 1-Methode

8.3 Selbsthypnose 3 – Ateminduktion

8.4 Selbsthypnose 4 – Visualisierung

8.5 Selbsthypnose 5 – Suggestionen zur Veränderung des Ohrgeräuschs („Durchsichtiger Ball“, in Anlehnung an Schildt, 1998)

9 Narrative Hypnotherapie bei Tinnitusleiden

Beppo, der Straßenkehrer

Der alte Kaiser

Die Lektion eines Schmetterlings

Die Palme

Die zwei Riesen und die sieben Musikzwerge

Die Geschichte vom Löwenzahn

Die Reisaffen

Wie Milton Erickson „hören“ lernte

Literatur

Weiterführende Literatur

Anhang

Glossar

Arbeitsblätter

Materialien auf CD-ROM

|13|Einführung

Hypnotherapie erleichtert und vereinfacht die Therapie bei einem Tinnitusleiden für den Betroffenen und den Therapeuten. Die vorgestellten Techniken sind dem Hypnotherapeuten in der Regel aus der Arbeit mit anderen Störungsbildern bekannt, sie sind unkompliziert, schnell zu lernen und dann erfolgreich einsetzbar, wenn sie einzeln oder in Kombination und zum richtigen Zeitpunkt im Therapieprozess eingesetzt werden. Nicht selten kann auf diese Weise schon in einer einzelnen Sitzung ein wichtiger Behandlungsschritt in Richtung Heilung erreicht werden. Da es bei der Behandlung des Tinnitus auch um das Aufdecken und Bearbeiten von hinter dem Tinnitus stehenden Konflikten und/oder Problemen geht, benötigt die hypnotherapeutische Behandlung ihre Zeit, um zu einer Veränderung und Heilung führen zu können.

Ausgebildete Hypnotherapeuten sowie auch Therapeutinnen und Therapeuten am Beginn ihrer Ausbildung werden die in diesem Buch beschriebenen Anleitungen und Techniken schnell anwenden können. Den noch nicht mit Hypnotherapie vertrauten Kollegeninnen und Kollegen hoffe ich mit dieser Darstellung auf verständliche und interessante Weise vermitteln zu können, was Hypnose ist und leisten kann. Und vielleicht bekommt die eine oder andere Kollegin bzw. der eine oder andere Kollege Lust, sich intensiver mit dieser Therapieform zu beschäftigen.

Der theoretische Teil informiert über die Geschichte und Wirksamkeit der Hypnotherapie und vermittelt medizinisches Basiswissen zum Thema Tinnitus. Im praktischen Teil habe ich die in meiner hypnotherapeutischen Ausbildung erworbenen Kenntnisse für die Therapie verschiedener Krankheitsbilder auf die Behandlung von Patienten mit einem Tinnitusleiden übertragen. Mein Anliegen ist es, Lesern praktisch erprobtes und bewährtes Wissen zur Verfügung zu stellen, das leicht in die tägliche psychotherapeutische Arbeit integriert werden kann. Direkte und indirekte hypnotherapeutische Techniken, die ich im Laufe der letzten 20 Jahre erfolgreich in der Behandlung von Menschen mit einem Tinnitusleiden angewendet habe, werden einzeln und in Kombination vorgestellt. Zudem wird Hintergrundwissen zu hypnotherapeutischen Techniken vermittelt, welches die Anwendung erleichtert und hoffentlich auch neugierig auf Hypnotherapie macht. Ziel ist es, therapeutisch arbeitenden Kolleginnen und Kollegen Anregungen zu geben und sie zu ermutigen, die beschriebenen Techniken bei der Arbeit mit Tinnituspatienten einzusetzen.

Im Anhang und auf der CD-ROM befindet sich umfangreiches Arbeitsmaterial (u. a. Glossar mit wichtigen Fachbegriffen, Arbeitsblätter mit Hypnoseinduktionen, Trancevertiefungen, Beispiele für Reorientierungen, spezielle Suggestionen und Techniken bei Tinnitus, eine PowerPoint-Präsentation sowie Audiodateien |14|mit Mitschnitten aus hypnotherapeutischen Sitzungen). Dieses Material soll die therapeutische Arbeit mit dem Tinnituspatienten und die Anwendung der beschriebenen Techniken erleichtern. Die Arbeitsblätter und die Power Point-Präsentation vermitteln die wesentlichen und notwendigen Informationen zum Tinnitus und zur Hypnotherapie für Therapeuten und für Patienten. Die PowerPoint-Präsentation hat sich in der Praxis als Wissensvermittlung über die Entstehung und über die Behandlungsansätze beim Leiden am Tinnitus (auch bei Fortbildungen im Kollegenkreis) und zur Förderung der Complience am Beginn der Therapie als sehr hilfreich erwiesen. Die Audiodateien sollen dem Anwender als praktisches Beispiel für Hypnotherapie bei Tinnitus dienen.

Seit 1993, als ich meine psychotherapeutische Praxis eröffnete, habe ich einen ständigen Begleiter – meinen Tinnitus. Nichts Ungewöhnliches, eine Belastungssituation und die Auslösung einer psychosomatischen Symptomatik. Vor mehr als 20 Jahren stellte das allerdings für meinen behandelnden HNO-Arzt und anfangs auch für mich ein scheinbar unüberwindbares Problem in der Behandlung dar. Weder die Tabletten, noch die Infusionen oder die hyperbare Sauerstofftherapie brachten eine Besserung. Mein Arzt sprach vor mehr als 20 Jahren erst gar nicht von einer möglichen psychotherapeutischen Behandlung.

Viel hat sich seitdem in der Behandlung von Menschen, die unter einem Ohrgeräusch leiden, getan. Es war Glück, gerade meine Ausbildung zum Hypnotherapeuten bei der Milton Erickson Gesellschaft zu absolvieren, als mein Tinnitusleiden begann. Ich hatte den Eindruck, dass schon die Anwendung der gerade in der Ausbildung gelernten Methoden und Techniken Hilfe bewirken kann. Da es mir bereits nach wenigen Interventionen besser ging, wendete ich diese Methoden und Techniken auch bei meinen Patienten an und war überzeugt, dass die Hypnotherapie gute Möglichkeiten bietet, Betroffenen zu helfen, ihre Tinnitusbeschwerden zu lindern und zu überwinden. Das war der Beginn meiner Selbsttherapie und meiner Arbeit mit Menschen, die unter einem Ohrgeräusch leiden.

Ich hoffe, dass sich Ärzte und Psychotherapeuten durch dieses Buch dazu anregen lassen, sich mit moderner Hypnose zu befassen und die noch immer anzutreffenden Vorurteile zu überwinden. Die im Buch aufgezeigten Gedanken und Techniken sind das Ergebnis meiner selbstkritisch reflektierten und supervidierten praktischen Arbeit mit Tinnituspatienten. Aufgrund dieser Ergebnisse halte ich die Anwendung von Hypnose in der dargestellten Art und Weise bei einem Tinnitusleiden für wertvoll und wichtig. Die beschriebenen Techniken können unabhängig von der therapeutischen Grundrichtung angewendet werden. Die Kapitel des Buches bauen aufeinander auf, müssen aber nicht notwendigerweise nacheinander abgearbeitet werden.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verwende ich im weiteren Text die männliche Form (z. B. Patient, Therapeut), natürlich sind aber immer beide Geschlech|15|ter gemeint. Über Anregungen sowie Kritik zum Konzept und Inhalt des Buches freue ich mich.

Ich wünsche mir, dass Kolleginnen und Kollegen achtsam, einfühlsam, kreativ und mit Freude die Arbeit mit Menschen, die unter einem Tinnitus leiden, gestalten können. Dafür wünsche ich Ihnen Erfolg und beim Lesen des Buches Spaß, neue Einsichten, Anregungen sowie Lust und Achtsamkeit bei der Anwendung.

Danksagung

Ich bedanke mich bei Prof. Dr. Dirk Revenstorf, Dr. Burkhard Peter, Ortwin Meiss, Bernhard Trenkle, Dr. Manfred Prior, Paul Janouch und Ulrich Freund für eine spannende, interessante und fundierte theoretische und praktische Ausbildung und Wissensvermittlung in Hypnotherapie.

Ebenso möchte ich mich bei Michael Marr, Stefan Hammel und Dr. Christiane Kopf-Mehnert für das Material, das sie mir zur Verfügung gestellt haben, bedanken.

Dr. Helmut Schaaf, Arnulf Müller, Dr. Christel Schulze, Ralf Schobert, Sonja Faller, Dr. Angela Wintgen, Dr. Arne Molkenthin, Bernd Specht, Jürgen Jabs und Jürgen Robbe danke ich für die kritischen und hilfreichen Rückmeldungen sowie für die Anregungen zum Manuskript.

Jörg Steinberg, Nicoline Schubert und Maik Schibelius danke ich für die Erstellung der Audioaufnahmen. Dr. Peter Weber und der Firma Hasomed danke ich für die großzügige Unterstützung bei der inhaltlichen Erstellung der PowerPoint-Präsentation.

Und ganz besonders möchte ich mich bei meiner Frau, meinen Kindern und Enkelkindern für die Geduld und dafür, dass sie mir die notwendige Zeit zum Schreiben gelassen haben, bedanken.

Mülheim/Berlin, März 2017

Detlef Kranz

|16|1 Historie und Wissenschaftlichkeit der Hypnotherapie

Sonja Faller

1.1 Von der traditionellen zur modernen Hypnose

Die geschichtliche Entwicklung der Hypnose bis heute war und bleibt komplex. Vielfach skeptisch beäugt findet Hypnotherapie sowohl in der Fachwelt als auch bei dem Laien seit jeher zunächst neugierige Zuwendung. Bevor jedoch die historische Entwicklung dieses Psychotherapieverfahrens dargestellt wird, soll vorab das Ergebnis daraus, wie es sich heute darstellt, kurz skizziert werden:

Die moderne Hypnosetherapie unterstreicht den leichteren Zugang zu Gefühlen in Trance. Dies ist ein besonderer Zustand des Gehirns, der sich vom Alltagsbewusstsein während eines üblichen Psychotherapiegespräches unterscheidet. Statt wie früher einer autoritären Implementierung direkter Suggestionen werden heute belastende oder hemmende Gefühle, die die Ursache für den Leidensdruck des Patienten darstellen, direkt aufgegriffen und bearbeitet. Dies ist vor allem zeitsparend effektiv. In Trance können beispielsweise mittels hypnotischer Altersregression dysfunktionale Gefühle und Konflikte in ihrer Initialsituation wiedererlebt und mit lösungsorientiertem Verhalten und Emotionen verknüpft werden, die der Patient mithilfe seines inneren, „unbewussten“ Wissens entwickelt (Bongartz & Bongartz, 2000). Doch bis zu dieser hoch effizienten Nutzung von Hypnotherapie war und ist es ein weiter Weg:

Glaubt es nun oder glaubt es nicht; sei es nun Einbildung oder Wirklichkeit. Wenn ich durch Einbildung gesund bin, oder gesund mache – willkommen, wohlthätige Einbildung, dich will ich lieber als Wirklichkeit, die mich und andere krank macht. (Lavater, zit. nach Kerner, 1856, S. 96)

Die Geschichte der Hypnose ist so alt wie die der Magie und der Medizin, worunter sie häufig subsummiert wurde. Früheste Kulturen bis zu 2000 Jahre vor Christus benutzten Trance u. a. als wesentlichen Bestandteil von Heilritualen. Bourguignon (1973) berichtet im geschichtlichen Rückblick die Verwendung von Trance in 488 traditionellen Kulturen weltweit. Die therapeutische Anwendung von Suggestion nach unserem heutigen klinischen Verständnis begann im zweiten Teil des 18. Jahrhunderts mit dem Wiener Arzt Franz Anton Mesmer (1734 – 1815), der Hypnose zur Behandlung bei Psychiatriepatienten einsetzte (Mesmerismus). Er vertrat die inzwischen widerlegte Auffassung, dass es sich um eine okkulte Kraft handle, machte andererseits viele Mediziner auf seine Suggestionstherapie aufmerksam (Erickson, 1997) und verhalf der Hypnose als Heilverfahren im damaligen Europa zum allgemeinen Durchbruch. Die traditionelle |17|Auffassung von Hypnose suggeriert einen Veränderungsprozess im Individuum, der von außen gesteuert ist. Eine wissenschaftliche Basis erreichte die damalige Hypnotherapie durch Forschungsarbeiten des schottischen Arztes James Braid (1795 bis 1860) Mitte des 19. Jahrhunderts, der die Hypnoseinduktion eingehend erforschte (Braidismus; Peter, 2009b). Er erkannte den psychologischen Nutzen von Suggestion und prägte den heutigen Begriff Hypnose. Braids Definition war rein neurologisch, er ging von einer Nervenermüdung und partiellem Schlaf durch Konzentration auf einen Stimulus (Fixation) aus (Revenstorf, 2009). Nach dieser Emanzipation aus dem Magischen wurde die analgetische Wirkung der Hypnose im Bereich der Medizin weit verbreitet genutzt, bis die Hypnoanalgesie durch die Erfindung von chemischen Anästhetika wie Chloroform und Lachgas Mitte des 19. Jahrhunderts abgelöst wurde. Ende des 19. Jahrhunderts standen sich zwei gegensätzliche Erklärungsansätze für die Hypnose gegenüber: Der Pariser Neurologe Charcot (1825 – 1893) sah darin ein pathologisches Phänomen. Er interpretierte hypnotische Trance als vorübergehende Hysterie während u. a. Bernheim (1814 – 1919) und die Schule von Nancy Trance als ein natürliches, auf Suggestionen basierendes Erscheinungsbild definierte, wobei die autoritäre Rolle des Therapeuten bei der Tranceinduktion unterstrichen wurde.

Peter (2009b) spricht von einem „Niedergang des Hypnotismus nach 1900“, für den es mehrere Gründe gibt: Ein Grund war die Abkehr namhafter Ärzte wie Oskar Vogt, der in seiner Arbeit eine zunehmend physiologische und hirnanatomische Ausrichtung verfolgte. Sigmund Freud sah Hypnose im Gegensatz zur Psychoanalyse als zudeckendes Verfahren an. Er entschied sich stattdessen für freie Assoziation und Traumdeutung. Aufgrund ihres Rufes, Willenlosigkeit zu induzieren, wurde Hypnose als ungeeignete Technik für die „Modediagnose des nervösen Zeitalters: Neurasthenie“ erachtet, welche als Mangel an Willenskraft gesehen wurde (Peter, 2009b). Da man Hypnose durch ihren damals fremdsuggestiven Einfluss als Manipulation der Patienten ansah, rückte sie zunehmend in den wissenschaftlichen und therapeutischen Hintergrund. Jedoch nutzten viele Laien die Hypnose in zunehmend unseriösem Rahmen, wodurch es infolge der „Kurpfuscherdebatte“ der 1920er Jahre immer wieder zu der Forderung kam, eine fehlerhafte und gefährliche Anwendung von Hypnose und Suggestion durch die Beschränkung bei der Anwendung auf qualifizierte Ärzte zu unterbinden (Peter, 2009b; Schröder, 1995), was bis heute leider erfolglos blieb.

In Zusammenhang mit dem ersten Weltkrieg machte u. a. der Berliner Arzt Johannes H. Schultz (1884 bis 1970) positive Therapieerfahrungen mit Hypnose vor allem bei der Behandlung von Patienten mit Posttraumatischen Belastungsreaktionen, die von der Dissoziation der überwältigenden Affekte in Trance und der Möglichkeit, diese abschließend psychotherapeutisch zu bearbeiten, profitierten (Revenstorf, 2009). Schultz stellte, wie schon sein Lehrer Vogt zuvor, die häufig geschilderten körperlichen Empfindungen von Wärme in Folge der Gefäßerweiterung und Schwere als Erleben der Muskelentspannung heraus und leitete dar|18|aus sein in der Folgezeit vielfach untersuchtes und angewandtes autogenes Training ab. Statt des bisher heterohypnotischen Ansatzes entwickelte Schultz eine Reihe von Autosuggestionen. Ursprünglich als Selbsthypnose gedacht, fanden und finden diese jedoch vor allem als Entspannungs- und nicht als Hypnoseverfahren weite Verbreitung. In diesem Sinne gilt Hypnose auch heute leider noch vielerorts – zumindest bei Krankenkassen – zumeist als suggestiv-übende Behandlung. Die große Leistung einer kausal wirkenden Hypnotherapie, die aufdeckend arbeitet und mit deren Hilfe der Patient innerhalb kurzer Zeit überdauernde Veränderungen etablieren kann, wird dabei gänzlich unterschätzt.

Eine Art Wiedergeburt der tiefergreifenden Hypnose wurde schließlich ab 1940, verstärkt in den 1970er Jahren durch den amerikanischen Psychiater Milton H. Erickson (1901 – 1980) eingeleitet, der sich aufgrund seiner eigenen Geschichte und der erlebten Effektivität von Selbsthypnose zur Schmerzbewältigung mit einer stark auf den Patienten zugeschnittenen Form der Hypnotherapie beschäftigte. Wesentliche Merkmale dabei waren neben der Klientenzentriertheit die Entpathologisierung von Symptomen und deren Umdeutung als bisherige Lösungsversuche sowie eine Fokussierung auf Ressourcen, die mithilfe therapeutischer Unterstützung zugänglich und nutzbar gemacht werden können. Der Patient findet demnach seine eigene Lösung mithilfe seines Unbewussten als intrapersoneller Hilfsgröße. Viele der Ericksonschen Therapieprinzipien hatten weitreichenden Einfluss auf andere Therapieformen, insbesondere der systemischen Richtung. Er kann als Vorläufer eines integrativen Ansatzes in der Psychotherapie genannt werden (Peter, 2009b; Revenstorf, 2009; Zeig, 1988).

Moderne Hypnose betrachtet den Organismus als selbstorganisierenden Prozess, dem der Therapeut Anstöße zur Neuordnung geben kann, die im Wesentlichen aus den Ressourcen des Patienten ermöglicht wird. Trance stellt dafür einen Kontext bereit, in dem die gelernten Begrenzungen leichter als im Alltagsbewusstsein überschritten werden können. Hypnose liefert die Rahmenbedingungen dafür, dass dieser begrenzte Alltagskontext für den Zweck der Problemlösung verlassen werden kann. (Revenstorf, 2009, S. 10)

1.2 Wissenschaft und Hypnose: Theorie, Physiologie und nachgewiesene Wirksamkeit

1.2.1 Begriffsbestimmung

Bongartz und Bongartz (2000) definieren Hypnose als eine Methode, einen veränderten Bewusstseinszustand (Trance) einzuleiten, der sich durch subjektive Veränderungen wie Einengung der Aufmerksamkeit, Veränderung der Körperwahrnehmung, intensivere Vorstellungsaktivität, Zunahme von Suggestibilität, Erleichterung dissoziativen Erlebens und die Nähe zu Gefühlen auszeichnet. Dieser Zustand wird von physiologischen Veränderungen begleitet, die im Wesentlichen auf eine Dämpfung des sympathischen Erregungsniveaus zurückgehen. |19|Revenstorf (2009) sieht in der Hypnotherapie eine komplexe Kommunikationsform, die den Zugang zu verschiedenen Schichten der Informationsverarbeitung ermöglicht und mittels Trance Therapieprozesse beschleunigen kann. Sie hat ein genuines und differenziertes Interventionsrepertoire, das sie von anderen Therapieformen durch den Trancezustand und besondere Kommunikationsmodi unterscheidet. Hypnotherapie ist in diesem Sinne gleichermaßen somatisch wie psychologisch orientiert und bildet eine Brücke zwischen Medizin und Psychotherapie (Revenstorf, 2009).

Mittels Hypnose lassen sich Phänomene erzeugen, die angelehnt an Peter (2009b) grob in drei Klassen eingeteilt werden können (vgl. Kasten).

Durch Hypnose induzierte Phänomene:

Motorik/Kinästhetik: In Trance sind Veränderungen der Willkürmotorik wie beispielsweise Katalepsien (Muskelsteifheit) oder Levitationen (unwillkürliches Heben der Hand) bei 60 bis 90 % der entsprechend hypnotherapeutisch behandelten Patienten beobachtbar (Bongartz, 1985).

Sensorik/Affekt: Es tritt eine veränderte Wahrnehmung hinsichtlich des Sehens, Hörens, Schmeckens, Riechens oder beispielsweise Schmerzanalgesie sowie intensives affektives Erleben von Kindheitsszenen in der Altersregression auf.

Kognitive Verarbeitung: Durch Hypnose kommt es bei entsprechender Anleitung zu einer Veränderung der Erinnerungsfähigkeit (Amnesie bzw. Hypermnesie) sowie zu veränderter Dissoziations- und Assoziationsfähigkeit.

Wichtig für die Abgrenzung dieser hypnotischen Phänomene von psychopathologischen Symptomen beispielsweise einer Psychose sind nach Peter (2009b) die Kontaktfähigkeit und Kommunizierbarkeit, also ob es einer Person möglich ist, mit den Phänomenen Kontakt aufzunehmen und sie durch Kommunikation zu beeinflussen.

1.2.2 Neurobiologie der Hypnose

Hypnotische Tranceinduktionen führen zu plastischen Veränderungen im menschlichen Gehirn (u. a. Halsband, 2009). Für die Erfassung und Bewertung der Wirksamkeit von Hypnose und Hypnotherapie erscheint es wesentlich, die Veränderungen auf biologischer Ebene zu identifizieren, was auch die Abgrenzung zum Übernatürlich-Esoterischen beinhaltet und zur Entmystifizierung der Hypnose beiträgt. Funktionsabhängige Änderungen der neuronalen Aktivität konnten sowohl auf elektrophysiologischer Ebene im Elektroenzephalogramm (EEG) als auch mittels bildgebender Verfahren wie Positronenemissionstomografie (PET) und funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) erfasst werden (Halsband, 2004). Vorweg zusammengefasst ist eine veränderte Hirnaktivität in Trance mit verstärkter Durchblutung bestimmter Areale rechts und vorne bei gleichzeitiger |20|Unterdrückung linkshemisphärischer Regionen zu beobachten. Es besteht also eine Aktivierung der emotional-kreativen rechten Seite bei Beruhigung der rational-sprachlichen linken Gehirnhälfte. Beide Hemisphären werden synchronisiert. Diese Vernetzung kann therapeutisch im Sinne eines erweiterten Lösungsraumes gewinnbringend genutzt werden.

Hirnphysiologisch ist hypnotische Trance nicht mit Schlaf (wie Braid die Hypnose nach dem griechischen Gott des Schlafes, Hypnos, benannte) zu verwechseln, sondern gleicht eher einem entspannten Wachzustand mit erhöhter Alphatätigkeit im EEG. Die Frequenz während der Trance liegt zwischen 8 und 13 Hertz im Gegensatz zur Frequenz der Deltawellen von 0,3 bis 3,5 Hertz in traumloser Tiefschlafphase und Thetawellen mit 4 bis 7 Hertz in leichten Schlafphasen. Reflexe sind im Schlaf stärker reduziert als bei hypnotisierten Personen. In Trance sinkt der Wachheitsgrad unter das Maß des Ruhezustandes mit offenen Augen, die hypnotisierte Person ist aber nicht etwa entspannt schläfrig, sondern fokussiert ihre Aufmerksamkeit auf Suggestionen oder Vorstellungen (Revenstorf, 2014).

In neueren bildgebenden Verfahren wie PET wurden Veränderungen der Aktivität des Frontalhirns (wichtig für die Ausblendung störender Reize, eine verminderte Kritikbereitschaft und somit erhöhte Suggestibilität) sowie u. a. Veränderungen der Aktivität des Cingulums und des Occipitallappens nachgewiesen. In Trance werden verbale Instruktionen leichter in visuelle Vorstellungen (Bilder) umgesetzt und rufen eine intensive Realitätswahrnehmung hervor. Untersuchungen zeigen unter visuellen Suggestionsbedingungen ein komplexes zeitliches Zusammenspiel des Farbsehzentrums mit dem anterioren cingulären Kortex und parietalen Kortex (Halsband, 2009). Dementsprechend wird argumentiert, je genauer der Therapeut die primären Sinnesmodalitäten wie visuell, akustisch, kinästhetisch, olfaktorisch und gustatorisch erfragt und je modalitätsübergreifender der Zugang gewählt werde, umso echter werde der entsprechend suggerierte Sinneseindruck vom Patienten erlebt. Diese Zusammenhänge können bei einer dysfunktionalen Sinneswahrnehmung wie Tinnitus beispielsweise im Sinne einer Transformation oder Modulation therapeutisch genutzt werden. Physiologischen Befunden nach Halsband (2009) zufolge fördert Hypnose bestimmte Lernprozesse aufgrund der bildhaften Umsetzung neu zu erlernender Inhalte. Es entstehen Wahrnehmungsveränderungen, die entsprechenden Hirnareale werden durch hypnotische Suggestionen in Bereitschaft versetzt, um diese Veränderungen optimal umzusetzen.

Hinsichtlich des autonomen Nervensystems zeigen sich in Trance eine Verminderung des Blutdrucks, der Herz- und der Atemfrequenz, des Muskeltonus sowie eine verminderte Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol und Katecholamin (Sachar et al., 1985). Die Immunbereitschaft ist in hypnotischer Trance erhöht (Bongartz, 1993). Auf psychosomatischer Ebene ist die bereits sehr früh erkannte Analgesie, also die verminderte Wahrnehmung von Schmerzen und deren Anwendung bei operativen Eingriffen, bei der Wundversorgung, bei Zahnbe|21|handlungen und der Behandlung von chronischen Schmerzen zu nennen (Orne & Dinges, 1989; Spanos, 1990). Im Sportbereich wird Hypnose erfolgreich zur Erhöhung der körperlichen Leistung durch Fokussierung der Aufmerksamkeit auf das Ziel, das Ausblenden ablenkender Reize sowie die Unterdrückung von Stressreaktionen eingesetzt (Barber, 1984).

1.2.3 Wirksamkeit

Die therapeutische Effektivität der Hypnosetherapie ist für die verschiedensten somatischen, psychosomatischen und psychologischen Bereiche wissenschaftlich abgesichert (vgl. S. 626 – 637 in Grawe, Donati & Bernauer, 2001; Revenstorf, 2003,2014). Empirische Belege gibt es beispielsweise für Angst-, Belastungs- oder Schlafstörungen sowie für den viele Parallelen mit Tinnitus aufzeigenden Bereich von akutem und chronischem Schmerz. Eine vielfach diskutierte Hürde für die Anerkennung der Wissenschaftlichkeit einer Therapieform stellt der Anspruch der Laborwirksamkeit in kontrollierten Studien dar. Auch wenn in der Psychotherapieforschung oft unklar bleibt, zu welchen Anteilen die Intervention, die dadurch angestoßene Selbstheilung oder auch andere Beziehungs- und Klientenfaktoren für den Therapieerfolg verantwortlich sind (Revenstorf, 2009; Wampold, 2001), ist die Effektivität der Hypnotherapie eindeutig wissenschaftlich abbildbar. Neben zahlreichen unkontrollierten Untersuchungen und Fallstudien liegen einige umfangreiche Metaanalysen (u. a. Flammer, 2011; Hagl, 2013) und eine große Zahl von Kontrollgruppenstudien vor, welche die Wirksamkeit von Hypnotherapie für u. a. oben genannte Indikationen eindeutig belegen. Dabei bleibt zu beachten, dass aufgrund der gegebenen Einschränkungen mit Laborexperimenten nur ein Teil der klinischen Wirksamkeit abgebildet wird. Insgesamt wurde jedoch mittlerweile bei Kontrollgruppenexperimenten an etwa 10.000 Patienten eine signifikante Wirksamkeit der Hypnotherapie nachgewiesen. Hier sei auf die Übersicht der Originalstudien auf der Homepage der MEG Tübingen sowie auf den Beitrag von Revenstorf (2003) an den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie verwiesen.

Hinsichtlich des Anspruchs, zu zeigen, dass Hypnotherapie wirksam ist, erscheint es sinnvoll, auch die allgemeinen Wirkfaktoren von Psychotherapie zu betrachten. Es darf nicht vergessen werden, dass Studien zufolge (Hubble, Duncan & Miller, 2001) die jeweilige psychotherapeutische Technik gerade einmal 15 % des Therapieerfolges erklärt. Darüber hinaus sind gemeinsame Wirkfaktoren über die Therapieschulen hinweg nach Lambert (1992; vgl. auch Abb. 1):

Klientenfaktoren wie u. a. internale Überzeugungen und soziale Ressourcen. Sie erklären 40 % der Veränderungen im Therapieprozess.

Die therapeutische Beziehung (Empathie, Akzeptanz, Bestätigung) erklärt 30 % der Varianz.

Erwartungsfaktoren, d. h. Glauben an die heilende Kraft der Therapie oder alleine schon die Aussicht, Hilfe zu bekommen („Placebo“) erklären 15 % der Veränderung im Therapieprozess.

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Abbildung 1: Anteilige Darstellung der Wirkfaktoren am Therapieerfolg

Dieser letzte Wirkfaktor erscheint gerade bei der Hypnotherapie als wesentliches Merkmal, wenn die sogenannte Problemtrance in eine Lösungstrance überführt wird, was die Effektivität einer Therapie wesentlich steigert. Mit Hypnose kann man – neben der Nutzung ihrer spezifischen Mechanismen – diese unspezifischen Wirkfaktoren und Selbstheilungskräfte in der Therapie in einem sehr hohen Ausmaß mobilisieren. Darüber hinaus ist Hypnose in verschiedenste Therapiekonzepte sehr gut integrierbar. Kirsch et al. (1995; vgl. auch Kirsch, 1996) konnten in Metaanalysen zeigen, dass Hypnose die Effektstärke von kognitiver Verhaltenstherapie geradezu verdoppelt (Revenstorf, 2009).

Legt man die von Grawe, Donati und Bernauer (2001) nachgewiesenen Wirkfaktoren der Psychotherapie zugrunde, so wird auch hier der große Nutzen der Hypnotherapie allgemein (u. a. Revenstorf, 2006), aber auch in der Behandlung von chronisch dekompensiertem Tinnitus deutlich:

Therapeutische Beziehung: Die Qualität der Beziehung zwischen Psychotherapeut und Patient trägt signifikant zum Therapieergebnis bei. Hypnotherapeutisches Arbeiten beginnt und gelingt nur mit der Schaffung von Rapport als Grundvoraussetzung für das Sich-Einlassen-Können auf Tranceprozesse.

Ressourcenaktivierung: Die Eigenarten, die ein Patient in die Hypnotherapie mitbringt, werden als Ressource utilisiert. Dies kann Fähigkeiten, Fertigkeiten, Erfahrungen, materielle Mittel, aber auch situative Umstände, soziale Beziehungen und Interessen des Patienten beinhalten.

Problemaktualisierung: Die Probleme, die in der Therapie verändert werden sollen, werden unmittelbar erfahrbar, der Patient soll mit seinen Ambivalen|23|zen konfrontiert werden, wenn er wesentliche Bestandteile seines Problems nicht berücksichtigt. Dies ist in Trance mit starkem Wirklichkeitserleben und zeitgleicher Ressourcenaktivierung besonders gut möglich.

Motivationale Klärung: Der Therapeut fördert, dass der Patient ein klareres Bewusstsein der Determinanten (Ursprünge, Hintergründe, aufrechterhaltende Faktoren) seines problematischen Erlebens und Verhaltens gewinnt. Das hypnotherapeutische Vorgehen begünstigt durch die zeitweise Ausblendung des „kritischen rationalen Bewusstseins“ in Trance den Zugang zu bislang verdeckten Motivationsanteilen und macht es u. a. auch durch Dichotomien, durch Präsentationen von Pro und Contra erlebbar und beispielsweise über metaphorisches Arbeiten integrierbar.

Problembewältigung: Die hypnotherapeutische Behandlung unterstützt den Patienten mit bewährten problemspezifischen Maßnahmen (direkt oder indirekt) darin, positive Bewältigungserfahrungen im Umgang mit seinen Problemen durch Ausformen (Shaping) und Training der Problembewältigung in Trance (auch Altersprogression) zu machen.

Neben diesen hochwirksamen unspezifischen Wirkfaktoren sind jedoch auch die spezifischen Mechanismen der Hypnotherapie ausschlaggebend für deren nachgewiesene Wirksamkeit. In Trance kommt es zu einer veränderten mentalen Verarbeitung: Die äußere Realität wird ausgeblendet während innere Themen intensiv visualisiert und erlebt werden können. Therapeutisch können dann Ressourcen aktiviert und für die Veränderung des Problems nutzbar gemacht werden (Umstrukturierung, Reframing), was psychosomatische Reaktionen nachhaltig beeinflusst. Die Hauptwirkung von Hypnotherapie wird durch eben diesen veränderten Bewusstseinszustand erklärt (Revenstorf, 2014). Hierfür charakteristisch sind also die Fokussierung und intensivierte Vorstellungsfähigkeit mit direktem emotionalen Zugriff, sowie die veränderte Dissoziations- und Assoziationsfähigkeit, sodass ein erweiterter Lösungsraum zur Verfügung steht. Auf Körperebene wird die spezifische Wirkweise der Hypnotherapie durch die erhöhte Ansprechbarkeit des autonomen Nervensystems sowie unwillkürlicher zentralnervöser Aktivität abgebildet (Steinriede, 2002).

Zusammengefasst ist Hypnotherapie in vielen medizinischen, psychologischen und psychosomatischen Bereichen nachweisbar hoch effektiv. Ein dabei besonders zu unterstreichendes Merkmal ist die vergleichsweise kurze Behandlungsdauer. Aktuell ist ein zunehmendes Interesse der Wissenschaft an Hypnose zu beobachten, was hoffentlich zu einer stärkeren Präsenz auch im Psychotherapiebereich beiträgt.

Groß angelegte und dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit genügende Effektivitätsstudien für die spezielle hypnotherapeutische Behandlung von Tinnitus liegen derzeit ungeachtet zahlreicher Falldarstellungen noch nicht vor. Vielleicht |24|kann die Darstellung der Therapie in diesem Buch einen Beitrag dazu leisten und eine systematische Erforschung entsprechend der wissenschaftlichen Kriterien anregen.