Hypnowriting - Ursula Neubauer - E-Book

Hypnowriting E-Book

Ursula Neubauer

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Beschreibung

"Hypnowriting ist ein Buch, das den Horizont erweitert, das ermutigt, kreativ zu arbeiten, und das dabei hilft, die Beziehung von bewussten und unbewussten Prozessen besser zu verstehen." Bernhard Trenkle Past-President der Milton Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose e.V. (MEG) und der International Society of Hypnosis (ISH) Wenn dein Stift mehr weiß als du Stift und Papier sind wertvolle Werkzeuge in Beratung und Therapie. Beim Schreiben kann eine Trance entstehen, die einfachen Zugang zu intuitivem Wissen und Ressourcen ermöglicht. Auf der Basis von hypnotherapeutischen und hypnosystemischen Konzepten verbindet die erfahrene Schreibtherapeutin Ursula Neubauer den Schreibprozess mit Trancezustand und Imagination. Mit Hypnowriting® lassen sich Veränderungsprozesse in Gang setzen. Dabei ist die Methode flexibel in unterschiedliche Praxisansätze integrierbar. Das Buch beschreibt nach einer theoretischen Hinführung grundlegende Hypnowriting-Formate für Coaching, Therapie und Beratung. Es bietet konkrete Textbeispiele sowie 60 Anleitungen für erprobte Interventionen für die Praxis, die man sofort verwenden kann – zur Reflexion, Ressourcenaktivierung, zur Verarbeitung von Belastendem, zur Neuausrichtung sowie für den Einsatz bei Systemaufstellungen. Die Autorin: Ursula Neubauer, Mag. M.Sc.; Studium Germanistik und Psychologie/Philosophie (LA); Master Hypnosystemische Beratung; zertifizierte Schreibtherapeutin und Journaling-Trainerin; hypnosystemische Coachin; aktuell selbstständig als Coachin, Trainerin, Supervisorin und Beraterin in Wien und online; Entwicklerin von Hypnowriting®.

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Seitenzahl: 336

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Carl-Auer

Ursula Neubauer

Hypnowriting

60 Anleitungen für Coaching, Therapie und Beratung

Mit einem Geleitwort von Bernhard Trenkle

2025

Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats des Carl-Auer Verlags:

Prof. Dr. Dr. h. c. Rolf Arnold (Kaiserslautern)

Prof. Dr. Dirk Baecker (Dresden)

Sebastian Baumann (Mannheim)

Dr. Carmen Beilfuß (Magdeburg)

Dr. Michael Bohne (Hannover)

Prof. Dr. Ulrich Clement (Heidelberg)

Prof. Dr. Jörg Fengler (Köln)

Torsten Groth (Münster)

Reinert Hanswille (Essen)

Dr. Barbara Heitger (Wien)

Prof. Dr. Johannes Herwig-Lempp (Merseburg)

Prof. Dr. Bruno Hildenbrand (Jena)

Prof. Dr. Karl L. Holtz (Heidelberg)

Prof. Dr. Heiko Kleve (Witten/Herdecke)

Dr. Roswita Königswieser (Wien)

Prof. Dr. Jürgen Kriz (Osnabrück)

Prof. Dr. Friedebert Kröger (Heidelberg)

Tom Levold (Köln)

Dr. Dr. Kurt Ludewig (Münster)

Dr. Stella Nkenke (Wien)

Rainer Orban (Osnabrück)

Dr. Burkhard Peter (München)

Prof. Dr. Bernhard Pörksen (Tübingen)

Prof. Dr. Kersten Reich (Köln)

Dr. Rüdiger Retzlaff (Heidelberg)

Prof. Dr. Wolf Ritscher (Esslingen)

Dr. Dirk Rohr (Köln)

Dr. Wilhelm Rotthaus (Bergheim bei Köln)

Prof. Dr. Arist von Schlippe (Witten/Herdecke)

Dr. Gunther Schmidt (Heidelberg)

Prof. Dr. Siegfried J. Schmidt ✝ (Münster)

Jakob R. Schneider (München)

Prof. Dr. Jochen Schweitzer ✝ (Heidelberg)

Prof. Dr. Fritz B. Simon (Berlin)

Dr. Therese Steiner (Embrach)

Prof. Dr. Dr. Helm Stierlin ✝ (Heidelberg)

Karsten Trebesch (Dallgow-Döberitz)

Bernhard Trenkle (Rottweil)

Prof. Dr. Sigrid Tschöpe-Scheffler (Köln)

Prof. Dr. Reinhard Voß (Koblenz)

Dr. Gunthard Weber (Wiesloch)

András Wienands (Berlin)

Prof. Dr. Rudolf Wimmer (Wien)

Prof. Dr. Michael Wirsching (Freiburg)

Prof. Dr. Jan V. Wirth (Meerbusch)

Themenreihe »Hypnose und Hypnotherapie«

hrsg. von Bernhard Trenkle

Reihengestaltung: Uwe Göbel

Umschlaggestaltung: Melanie Szeifert

Umschlagmotiv: © tookitook – stock.adobe.com | KI-generiert

Redaktion: Veronika Licher

Satz: Drißner-Design u. DTP, Meßstetten

Printed in Germany

Druck und Bindung: CPI books GmbH, Leck

Erste Auflage, 2025

ISBN 978-3-8497-0600-5 (Printausgabe)

ISBN 978-3-8497-8556-7 (ePUB)

© 2025 Carl-Auer-Systeme Verlag

und Verlagsbuchhandlung GmbH, Heidelberg

Alle Rechte vorbehalten

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Informationen zu unserem gesamten Programm, unseren Autoren und zum Verlag finden Sie unter: https://www.carl-auer.de/

Inhalt

Zum Geleit

1 Hypnowrite… – was? Eine Einleitung

2 Trance, Imagination und Schreibprozess – die zentralen Elemente von Hypnowriting unter der Lupe

2.1 Das Tranceverständnis im Hypnowriting

2.1.1 Der Durchschreibmodus im Hypnowriting

2.2 Imagination, Metaphern, Vorstellungskraft und Geschichten im Hypnowriting

2.3 Wirkfaktoren therapeutischer Schreibprozesse

2.3.1 Wesentliche Textsorten

2.3.2 Schreibformate im Hypnowriting

3 Anleiten und (aus)halten – unsere Rollen und Aufgaben als Hypnowriting-Begleiter:innen

3.1 Müssen alle schreiben (wollen)?

3.1.1 Die Stille während des Schreibens

3.1.2 Über das Geschriebene sprechen? Oder auch nicht?

3.1.3 Nach dem Schreiben ist mitten im Erleben

3.1.4 Damit die Hand von allein schreiben kann, muss die Hand schreiben

3.1.5 Adaptieren für zu Hause

4 Einbettung von Hypnowriting im hypnosystemischen Rahmen

4.1 Hypnowriting zwischen Hypnotherapie und Hypnosystemik – woraus sich viele Anleitungen ableiten

5 Praktische Hypnowriting-Anleitungen

5.1 Abtauchen ins Selbst – Anleitungen für Klarheit und Erkenntnisse

5.1.1 Eine Autobahn für die Antwort

5.1.2 Der Brillenwechsel

5.1.3 Verkehrte Welt … oder verkehrte Hand (ein Schauspieler:innenporträt)

5.1.4 Museum der Hässlichkeiten

5.1.5 Die innere Weisheit ausfragen

5.1.6 Selbsterkenntnis ohne Post-its

5.1.7 Schreibtisch der Klarheit – und noch und noch und noch ein Satz

5.2 Kraftquellen erschließen (oder erschreiben) – Anleitungen zum Ressourcenaktivieren und Stärken

5.2.1 Die sprechende Ressource

5.2.2 Mein Stärkungselixier

5.2.3 Positives Spekulieren über mich

5.2.4 Ries:innen bewegen sich anders

5.2.5 Ressourcen auftanken

5.2.6 Der Magnet findet alles Hilfreiche

5.2.7 Im Qualitäten-Fundus

5.2.8 Die Ressourcenlampe

5.2.9 Slow Motion

5.3 Altes lösen, Neues bahnen – Anleitungen zum Verarbeiten und Neuausrichten

5.3.1 Von außen betrachtet (expressives Schreiben mit Perspektivenwechsel)

5.3.2 Im Raum der Sicherheit (in Anlehnung an das expressive Schreiben)

5.3.3 Der andere Film (in Anlehnung an das expressive Schreiben)

5.3.4 Nachrichten ans jüngere Ich

5.3.5 Happy Beginning

5.3.6 Happy Beginning II: Nachricht von der Hauptfigur

5.3.7 Happy Beginning III: die Fortsetzungsgeschichte

5.3.8 Die ideale Lebensgeschichte

5.3.9 Der Blick ins Lösungsland

5.3.10 Der Wäschekorb

5.3.11 Ich bin Interieur-Designer:in

5.3.12 Einladung(en) an den Ort der allumfassenden Liebe

5.4 Sicher und zuversichtlich – Anleitungen für angenehmes Erleben und neue Perspektiven

5.4.1 Unterwegs unter schützenden Händen

5.4.2 Angst und Co., wofür kämpft ihr?

5.4.3 Am Verhandlungstisch

5.4.4 Wunsch-Ich und Horror-Ich im Interview

5.4.5 Lob und Dank vom Future Self

5.4.6 Wo wirkt's wie? Die Arbeit mit der Verortung, Teil 1

5.4.7 Der neue Platz – die Arbeit mit der Verortung, Teil 2

5.5 Hoch hinaus mit Stift und Papier – Anleitungen für mehr Selbstbewusstsein

5.5.1 Songwriter:in sein, Powersong schreiben

5.5.2 Durch die Welt in meiner Powerhaltung

5.5.3 Ein Megafon für das Ermutigungsstimmchen

5.5.4 Die Kampfrüstung ablegen

5.5.5 Gespräch mit einer realen Person

5.5.6 Der Preislistenvergleich

5.5.7 Wege erkunden

5.5.8 Interview in der Zukunft

5.6 Entlastung, die trägt – Anleitungen für Stressmanagement und guten Schlaf

5.6.1 Das Gefäß ausleeren

5.6.2 Die Vorderseite der Medaille

5.6.3 Ziel erreichen ohne Ablenkung – die stabilen Seifenblasen

5.6.4 Sprechende(r) Körper oder Körperteile

5.6.5 Drei gute Dinge

5.6.6 Ballast abwerfen

5.6.7 Forschungsreise ins Wolkenschlafland

5.6.8 Einen Traum überarbeiten

5.7 Reflexion mit Tiefgang – Anleitungen für die Supervision mit Einzelpersonen und Teams

5.7.1 Supervisor:in hinter Glas

5.7.2 Imaginativer Klient:innen-Dialog

5.7.3 Der Agent:innenbericht

5.7.4 Die Detektivwand

5.7.5 Liebe Frau Neubauer – Nachricht aus der Abschlusseinheit

5.8 Worte als Brücke – Anleitungen für die Aufstellungsarbeit und Techniken aus dem kreativen Schreiben

5.8.1 Einblick bekommen – Stift und Papier in der Systemchoreografie

5.8.2 Beschlüsse und Auftragsneuverteilung

5.8.3 Das Klarheits-Akrostichon – Verdichten mit Kurz-Anleitungen

5.8.4 Power-Haikus

Danke!

Literatur

Über die Autorin

Zum Geleit

Vor Ihnen liegt ein besonderes Buch. Nach meiner Erinnerung war es Andreas Kollar, der mich auf Ursula Neubauer aufmerksam gemacht hat. Wir planten Besuche bei der österreichischen Milton Erickson Gesellschaft (MEGA), um mehrere Wiener Kolleg:innen für unser Projekt therapie.tv zu dokumentieren. Andreas Kollar empfahl mir, mir auch die Arbeit von Ursula Neubauer einmal anzuschauen. Das klang dann so spannend, dass ich während den Aufnahmen an mehreren ihrer Coachings als Kameramann teilnahm. Danach war klar: Dazu wollen wir auch ein Buch für den Carl-Auer Verlag.

Das Buch schlägt einen weiten Bogen. Ursula Neubauer geht auf die Grundlagen ihres Ansatzes in einer erstaunlich erhellenden Weise ein. Sie schlägt einen Bogen von William James über Sigmund Freud und C. G. Jung zu Pierre Janet und Milton Erickson. Sie thematisiert Schreibtechniken und kommt von den Dadaisten zu James Joyce. Da ich mich bereits mit Arno Schmidts Buch Sitara und seiner Analyse des Unbewussten bei Karl May sowie mit James Joyce beschäftigt hatte, habe ich hier noch einmal neue Denkanstöße zum Verhältnis von Bewusstem und Unbewusstem bekommen. In seinem Buch über Karl May analysiert Arno Schmidt zum Beispiel, dass in dessen Werken häufig Kombinationen von »Wald« und »heim« auftauchen: »unheimlicher Wald« oder »heimlich im Wald«. Er führt das auf traumatisierende Gewalterfahrungen von May im Zuchthaus Waldheim zurück.

Wer hier noch tiefer einsteigen will, könnte sich mit den Arbeiten von Dieter Stündel zu Arno Schmidt beschäftigen. Stündel hat zudem Joyces Finnegans Wake ins Deutsche übersetzt (erschienen unter dem Titel Finnegans Wehg. Kainnäh ÜbelSätzZung des Wehrkess). Arno Schmidt war der Meinung, wo bei freudschen Versprechern das Unbewusste spricht und bei vielen Schriftsteller:innen wie Karl May unbewusste Themen in ihr Schreiben einfließen, haben er in Zettels Traum oder James Joyce in Finnegans Wake dies bewusst als literarisches Mittel eingesetzt. Dieses Spannungsfeld zwischen bewussten und unbewussten Prozessen wird immer wieder in den Fallbeispielen des vorliegenden Buches sichtbar. Ursula Neubauer nennt sie Textbeispiele.

Ursula Neubauer geht zudem auf die Wirkfaktoren verschiedener Schreibtherapien ein und verknüpft das mit grundsätzlichen hypnotherapeutischen Überlegungen. Es folgen sehr viele kreative Varianten, wie man das in Therapien oder Coachings einsetzen kann. Auch wer diese Technik nicht komplett durchgängig zur eigenen Arbeitsmethode machen will, wird hier eine Vielfalt von Elementen finden, die sich in die eigene Arbeit einpassen lassen.

Hypnowriting ist ein Buch, das den Horizont erweitert, das ermutigt, kreativ zu arbeiten, und das dabei hilft, die Beziehung von bewussten und unbewussten Prozessen besser zu verstehen.

Bernhard Trenkle

Past-President der Milton Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose e. V. (MEG)und der International Society of Hypnosis (ISH)

1 Hypnowrite… – was? Eine Einleitung

»Trancezustand, Imagination und Schreibprozess – das sind die Elemente, aus denen Hypnowriting® immer besteht. Es kombiniert Vorgehensweisen aus der Hypnoselehre Milton Ericksons, der Schreibtherapie und der Hypnosystemik auf neue Weise miteinander. Was dabei entsteht, sind Trancereisen, die ins Tranceschreiben führen und bei denen Klient:innen oder Coachees auf eine einfache Art Zugang zu tiefem innerem Wissen bekommen oder sich in hilfreiches Erleben schreiben können.«

So habe ich Hypnowriting vor einiger Zeit im Exposé zu diesem Buch beschrieben, und diese Erklärung hat nach wie vor Gültigkeit. Ich freue mich, dass Sie sich für diese Vorgehensweise interessieren, und wünsche Ihnen, dass sie Ihnen in der Zusammenarbeit mit den Menschen, die Sie begleiten, wertvolle Schritte ermöglicht – so wie ich das erleben darf.

Hypnowriting ist mir eigentlich »passiert«: Ich hatte nicht vorgehabt, eine Technik zu entwickeln oder weiterzuentwickeln bzw. bewährte Elemente und Interventionen »auf etwas andere Art« zu verwenden. Oder das, was als »automatisches Schreiben« bekannt ist, in erweiterter Weise zu nutzen. Aber es kam, wie es manchmal kommt: Ich begann, die Dinge, die ich gelernt hatte (schreibtherapeutisches Vorgehen und Hypno-Arbeit), miteinander zu verbinden, und der Einsatz dieser Kombinationen lieferte spannende Resultate. Ich recherchierte, verglich es mit dem automatischen Schreiben und anderen Interventionen aus dem schreibtherapeutischen Umfeld, fand aber dann doch wieder nichts, was dem, wie ich es anwende(te), genau entsprach. Also gab ich dem Ganzen einen Namen, schärfte die Vorgehensweise und bemühe mich seither um die Verbreitung von »Hypnowriting«, weil ich überzeugt bin, dass es unsere Arbeit bereichern kann.

Vielleicht haben es einige von Ihnen schon einmal ähnlich gemacht, dann verstehen Sie dieses Buch bitte als Ermutigung, Ihrem kreativen Arbeiten weiterhin nachzugehen. Und mich als diejenige, die versucht, die Dinge ein bisschen zu strukturieren, zu benennen und zu beschreiben, damit sie weitergegeben werden können.

Ein Teil meiner Ausbildungen war ein Hypnosystemik-Studium, und auch wenn daher viele Anleitungen auf den Herangehensweisen und Konzepten von Gunther Schmidt basieren, liegen in diesem Buch Vorschläge vor, die in verschiedene therapeutische Schulen oder Coaching-Richtungen integrierbar sind. Hypnowriting möchte die Arbeit von Psycho-Professionist:innen unterschiedlicher Haltungen auf zieldienliche Art durch einzelne Techniken ergänzen, die an diversen Stellen in einem Begleitungs-Prozess einsetzbar sind.

In diesem Buch biete ich im ersten Teil eine kompakte theoretische Herleitung zu Hypnowriting an und grenze es von anderen Schreibformen ab. Im zweiten stelle ich 60 praktische Anleitungen vor, die man beliebig in die eigene Arbeit einbauen oder dafür adaptieren kann. Ich möchte Sie dazu aufrufen, kreativ und frei mit Hypnowriting umzugehen. Sprich, die Übungen, die ich vorschlage, auszuprobieren, zu erweitern und damit zu experimentieren. Vielleicht ergänzen Sie ja auch eine Lieblingshypnose um einen Schreibprozess.

Ich möchte ausdrücklich dazu ermutigen, das Schreiben generell oder Hypnowriting im Speziellen in Sessions vor Ort einzusetzen. Immer wieder höre ich in Fortbildungen, dass sich Kolleg:innen davor scheuen, es in der Stunde gemeinsam mit ihren Klient:innen zu tun und Schreibaufträge eher mit nach Hause geben, weil ihnen die Stille, die beim Schreiben entsteht, eigenartig vorkommt. Oder die Zeit wie vertan wirkt. Aber genau hier liegen aus meiner Sicht wertvolle Chancen, dem nachzugehen, wozu uns Milton Erickson ermutigt hat: uns quasi auf die Suche zu machen nach dem, was unsere Klient:innen, Coachees oder Patient:innen wissen, »ohne es zu wissen«. Aus meiner Sicht kann Hypnowriting einen Beitrag dazu leisten.

In diesem Buch gibt es Beispiele, die in der Arbeit mit meinen Coachees entstanden sind. Sie haben mir dankenswerterweise erlaubt, diese Texte zu veröffentlichen. Ich nenne sie »Textbeispiele« und nicht »Fallbeispiele«, weil es sich um Ausschnitte aus Fällen handelt und sie keine kompletten Prozesse abbilden. Namen, die dort vorkommen, wurden geändert, sprachliche, manchmal österreichische Eigenheiten beibehalten, damit Sie sehen, was dabei herauskommt, wenn man Hypnowriting verwendet.

Wenn ich von »wir« spreche, dann meine ich uns als Begleiter:innen von Veränderungsprozessen, und im Teil mit den konkreten Anleitungen uns Begleiter:innen gemeinsam mit unseren Klient:innen.

Der Verlag hat mich freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht, dass das hochgestellte ®, das Hypnowriting® als eingetragene Marke kennzeichnet, abschreckend wirken kann. Ja, Hypnowriting ist schutzrechtlich gesichert, allerdings heißt das nicht, dass Sie das, was ich in diesem Buch vorschlage, nicht in Ihrer Praxis anwenden dürfen. Ich wollte für die Zukunft einfach sicherstellen, dass ich im Fall des Falles eine Art Qualitätssicherung betreiben könnte und dass das, was als Hypnowriting angeboten wird, auch wirklich Hypnowriting ist.

Insofern frohes Bedienen, Probieren und Nutzen!

Ursula Neubauer

Wien, Mai 2025

2 Trance, Imagination und Schreibprozess – die zentralen Elemente von Hypnowriting unter der Lupe

Nach meiner Definition liegt dann ein Hypnowriting-Prozess vor, wenn dieser die drei Elemente Trancezustand, Imagination und Schreiben beinhaltet – und zwar immer alle drei. Praktisch beginnt also eine Hypnowriting-Anleitung mit einer Form von Tranceinduktion, führt weiter in eine Trancereise, in der wir mit Bildern und Metaphern arbeiten und unsere Vorstellungskraft nutzen, und geht dann nahtlos über in einen Schreibprozess, in dem versucht wird, diesen tranceartigen Zustand aufrechtzuerhalten. Diese Vorgehensweise eignet sich für unterschiedliche Ziele:

Häufig verwende ich sie, um mit meinen Klient:innen gemeinsam neugierig forschend etwa Zusammenhänge greif- und verstehbar, intuitives Wissen nutzbar zu machen oder innere Such- und Findeprozesse in Gang zu setzen. Genauso gut kann Hypnowriting eingesetzt werden, um Menschen in eine Art imaginiertes Probehandeln, Möglichkeitenfinden, Ressourcenaktivieren oder ein alternatives Handeln zu bringen. Es kann dabei unterstützen, ein bestimmtes Erleben zu erzeugen, etwas Belastendes zu verarbeiten, ein Ziel zu erreichen oder schwierige Episoden in die Lebensgeschichte zu integrieren. Genauso gut ist es möglich, damit Entlastung zu erreichen oder Selbstfürsorge zu betreiben.

Das Wort »Erleben« wird in diesem Buch übrigens immer wieder vorkommen, da es ein zentraler Begriff in der hypnosystemischen Arbeit ist oder, anders gesagt, wir auf Basis hypnosystemischer Konzepte nach Gunther Schmidt versuchen, unser Erleben willkürlich beeinflussbarer zu machen. Ich selbst arbeite damit im Coaching, in der Beratung, der Supervision und im Training beim Begleiten von Entwicklungsprozessen ohne Vorliegen eines Krankheitswerts. Es gibt aber bereits viele Kolleg:innen in der Psychotherapie oder der Klinischen Psychologie, die Hypnowriting-Prozesse in ihre therapeutische Behandlungsarbeit integrieren.

Um zu begründen, warum die drei Bestandteile Trancezustand, Imagination und Schreiben im Hypnowriting bei Coaching- oder therapeutischen Prozessen zielführend eingesetzt werden können, lassen Sie uns zunächst einzeln darauf schauen.

2.1 Das Tranceverständnis im Hypnowriting

Für Hypnowriting-Prozesse verwenden wir den Zustand einer leichten Trance – sowohl bei der anfänglichen Imaginationsreise als auch im Schreiben. Wir verstehen dabei Trance als eine Fokussierung nach innen, die den bewussten Verstand mit seiner Logik in den Hintergrund treten und uns offener werden lässt für Ideen, Informationen, Erkenntnisse und Lösungen, die entweder bereits in uns vorhanden sind, auf die wir in unserem normalen Alltagsbewusstsein aber keinen oder wenig Zugriff haben, oder die in diesem Zustand leichter entwickelt werden können. Die Trance ermöglicht das Erforschen oder Verändern innerer Bilder, das Entdecken vorhandener Ressourcen und neuer Möglichkeiten sowie das Erleben von hilfreichen Gleichzeitigkeiten. Die sogenannte Tranceinduktion im Hypnowriting kann wie in der klassischen Hypnose-Arbeit sehr unterschiedlich gestaltet sein (Erickson u. Rossi 2015, S. 16ff.) – eine längere Einleitung mit kunstvoll gesetzten Worten, die Fixationstechnik1 oder ein schlichtes »Stellen Sie sich vor«, »Gehen Sie auf die Art nach innen, die jetzt für Sie passt« können je nach Anliegen und Person oder Gruppe oder auch je nach Kontext und Rahmen, in dem der Hypnowriting-Prozess eingesetzt wird, genau richtig sein.

Die Anleitungen im praktischen Teil sind allesamt etwas ausführlicher formuliert und können bzw. sollen natürlich auf die jeweilige Befindlichkeit des oder der Menschen, mit denen Sie arbeiten, angepasst werden. Ich rede von leichter Trance, weil wir diesen Zustand im Schreiben dann weiterführen und beibehalten wollen und meiner Erfahrung nach Klient:innen oder Coachees so besser einen schönen, stimmigen Übergang in die Aktivität des Schreibens finden, als wenn wir sie davor in allzu tiefe Trancezustände begleiten. Außerdem folge ich damit den Hinweisen von Gunther Schmidt, nach denen eine Alltagstrance oder ein tranceartiger Zustand völlig ausreichend sein können, um Gewünschtes erreichen, Alternatives erleben und Veränderungsprozesse auslösen zu können (Schmidt, Dollinger u. Müller-Kalthoff 2022, S. 40).

2.1.1 Der Durchschreibmodus im Hypnowriting

Jede Schreibanleitung im Hypnowriting ist eine Anleitung zu einem »Durchschreibmodus«, um den veränderten Bewusstseinszustandder leichten Trance nach der geführten Trancereise aufrechterhalten zu können. Beobachtet man Menschen beim Schreiben, kann man ohnehin oft genug sehen, wie sehr sie versunken sind: in sich selbst, im Thema, in der Geschichte oder der vorgestellten Welt, in der sie in diesem Moment sind. Im Hypnowriting zielen wir absichtlich und ausdrücklich darauf ab, in dem wir die Leute dazu anleiten, durchzuschreiben. Das heißt, die Klient:innen sollen den Stift auf dem Papier lassen, wenn sie einmal angefangen haben zu schreiben, und versuchen, in einem durchgehenden Schreibfluss zu bleiben. Dabei können sie auch Satzfetzen oder Fragmente aufschreiben, mit Silben wie »aha-aha« überbrücken oder Wahrnehmungen niederschreiben wie »Meine Gedanken sind im Moment schneller als meine Hand« oder »Ich höre ein Auto vor dem Fenster«, bis sie inhaltlich wieder den nächsten Gedanken zu Papier bringen. Der Durchschreibmodus hält uns in einer Art Schreibtrance, in der ähnliche Phänomene beobachtbar werden, wie sie einer klassischen Trance zugeschrieben werden (etwa die veränderte Zeitwahrnehmung; Schreibende können nach einem intensiven, in sich versunkenen Schreibprozess für gewöhnlich nicht sagen, wie lange sie geschrieben haben; oder eine spezielle Form von Unwillkürlichkeit). Im Hypnowriting wird der Stift absichtsvoll geführt, trotzdem berichten die Schreibenden, dass es sich anfühlt, als würde ihre Hand von allein schreiben und der Inhalt wie von selbst – nicht willentlich gesteuert – aufs Papier fließen. Dieses Vorgehen bietet die Chance, etwas wie eine »innere Zensur« leichter zu umgehen als bei anderen schreibtherapeutischen Vorgehensweisen, bei denen nachzudenken eine größere Rolle spielt.

Beim Schreiben ohne Durchschreibanweisung, bei dem ich immer wieder auch in die Luft schauen und überlegen kann, passiert es meiner Beobachtung nach deutlich leichter, dass sich eine Instanz einschaltet, die das, was auftaucht, allzu schnell nach den Kriterien der Verstandeslogik bewertet oder verhindert. Im Durchschreiben können wir Dinge auftauchen, in unser Bewusstsein kommen lassen, beschreiben oder ausdrücken, die uns ungewöhnlich oder zunächst nicht richtig erscheinen würden, oder auch Dinge, die uns bisher nicht zugänglich waren, unangenehm sind, die wir beispielsweise mit Scham behaftet erleben – oder eben auch Dinge, von denen wir »gar nicht wussten, dass wir sie wissen«. Aus dem Blickwinkel des automatischen Schreibens würde man sagen: So kann Wissen aus dem Unbewussten ins Bewusstsein dringen.

Wenn jetzt die Hypnotherapeut:innen unter Ihnen denken, dass man so etwas auch in rein mündlichen Trancereisen erreichen könnte, gebe ich Ihnen durchaus recht. Dennoch bietet das Verschriftlichen einige Vorteile: Ich erlebe, dass das Umgehen dieser inneren Zensur im Schreiben deutlich leichter möglich ist als im reinen Trancegespräch. Der Vorgang des Schreibens verläuft so schnell, dass sich diese Instanz kaum einschalten kann. Aus meiner Sicht spricht außerdem dafür, dass Klient:innen Dinge im Schreiben ausdrücken und sie gleichzeitig für sich behalten können, weil sie sie nicht laut sagen müssen. Erkenntnisse oder Aufgetauchtes sind für die schreibende Person selbst bzw. für unsere weitere Zusammenarbeit gesichert auf Papier, sodass man – falls es wichtig werden könnte – wieder Zugriff darauf hat. Entstehen stärkende Texte, können diese im Alltag auf praktische und einfache Weise genutzt werden. Und die Arbeit Milton Ericksons mit dem automatischen Schreiben bestätigt, dass etwa belastende Erinnerungen in der Trance nicht immer ausgesprochen, wohl aber aufgeschrieben werden können. Manchmal, um es so zu lassen, manchmal, um sie dann in weiteren Schritten doch besprechbar zu machen (Rossi 2022, Bd. 1, S. 213). Das Schreiben macht Dinge aber nicht nur besprechbar, sondern oft überhaupt erst benennbar – um Worte finden zu können, schlägt auch Hilarion G. Petzold, Psychologe und Begründer des integrativen Ansatzes, das poetische oder freie Schreiben vor (z. B., wenn in vorangegangenen Übungen gemalt wurde oder Bewegungsinterventionen genutzt wurden):

»Zur weiteren Bearbeitung und Auswertung des Bildes wird wiederum ein Quergang ›ins Sprachliche‹ versucht; denn die größere Klarheit von Problemzusammenhängen, von lebensbestimmenden Fragestellungen, von ›Erkenntnissen über sich selbst‹, verlangt den Wunsch, das, was sie [Anm.: er bezieht sich auf Teilnehmer:innen einer therapeutischen Gruppe] erlebt und erfahren haben, in Worte fassen zu können. […] In diesen Texten kommt es in der Regel zu einer weiteren Klärung« (Petzold u. Orth 2007, Bd. II, S. 754).

In so einem Schreibfluss finden einen die Worte – auch welche, von denen man nicht gedacht hatte, sie zur Verfügung zu haben.

Diese Methode des Durchschreibens ist natürlich keine, die ich für das Hypnowriting extra erfunden hätte. Solche Durchschreibtechniken kennen wir in der Schreibtherapie, der Literatur und auch der Hypnose-Arbeit unter unterschiedlichen Bezeichnungen. Aktuell etwa im schreibtherapeutischen Umfeld oder dem des kreativen Schreibens als sogenanntes Freewriting. Unter diesem Namen wurde es in den 1960er-Jahren von Ken Macrorie (1985, S. 15–26, 94, 167, 194, 242) eingeführt und durch den Englisch-Professor und Autor Peter Elbow noch bekannter gemacht – zunächst vor allem, um Schreibblockaden zu überwinden bzw. gutes Schreiben zu fördern. Beim Freewriting wird meistens ohne vorgegebenes Thema für eine gewisse Zeit durchgeschrieben. Elbow bezeichnet es als Übung, die einen Raum für den Geist und die Sprache eröffnet (Elbow 1998, Pos. 3).

Mit so einer Art des Schreibens zu arbeiten, hat etwa auch Kreativitätstrainerin Julia Cameron vorgeschlagen – sie wurde mit dem von ihr empfohlenen Format der »Morgenseiten« vor allem innerhalb der Journaling-Szene bekannt. In ihrem Buch Der Weg des Künstlers (Cameron 2013) rät sie, jeden Tag in der Früh drei DIN-A4-Seiten in dieser Art vollzuschreiben. Dabei geht es darum, zunächst den Kopf freizubekommen, um anschließend kreativ werden zu können:

»Was sind die Morgenseiten? Einfach ausgedrückt sind sie drei ohne Ab kürzungen vollgeschriebene Blätter, die streng dem Bewusstseinsstrom folgen […] Sie könnten also auch einfach Gehirnentleerung genann werden, denn das ist eine ihrer Hauptfunktionen. […] Die Morgensei ten sollen nicht gescheit klingen, obwohl das auch vorkommen kann« (Cameron 2013, Pos. 318).

Vom automatischen Schreiben zum Durchschreibmodus im Hypnowriting

Eine andere Bezeichnung für eine ähnliche Vorgehensweise bzw. der Vorläufer davon ist das sogenannte »automatische Schreiben«. In einem Buch wie dem vorliegenden muss aufmerksam unterschieden werden bzw. die Herkunft dieses Begriffes geklärt werden, da das Verständnis darüber variiert, je nachdem, wo man dem automatischen Schreiben begegnet. Auf unterschiedliche Art in Bezug auf Ziel, Vorgehensweise oder Absicht wurde es sowohl in der Literatur, der Psychologie oder der Therapie verwendet. Ich selbst habe die Bezeichnung zunächst in meinem Germanistik-Studium kennengelernt, und zwar in der Beschäftigung mit den Surrealist:innen rund um André Breton (1896–1966). In den Manifestes du surréalisme (1924) nennt er das »automatische Schreiben« oder die Écriture automatique die beste Vorgehensweise, um ins schöpferische, literarische Schreiben zu kommen und den ersten Satz eines literarischen Textes oder Werkes auftauchen zu lassen beziehungsweise Ideen zu entwickeln (Breton 1984; Ellenberger 2005, S. 1122; Brockhaus Literatur 2004, S. 202; Rothmann 2003, S. 208). Angeregt wurde er dazu durch Pierre Janet und seine Doktorarbeit zum psychologischen Automatismus (1889), Sigmund Freuds Traumdeutungskonzepte (1900) und den Symbolismus (Brockhaus Literatur 2004, S. 202), wo man es als Aufgabe der Dichter:innen verstand, »symbolhaft die geheimnisvollen Zusammenhänge zwischen den Dingen und den hinter äußeren Erscheinungen verborgenen Seins- und Bewusstseinsschichten zu evozieren« (Brockhaus Literatur 2004, S. 827). Außerdem beeinflusste Breton der Dadaismus, der beispielsweise auf Lautgedichte und automatische Texte setzte (Brockhaus Literatur 2004, S. 165; Meid 2001, S. 101). Breton beschreibt, wie er und sein Kollege Philippe Soupault mit dieser Art des Schreibens experimentierten und welche Art von Texten dabei entsteht. Sie begannen,

»… Mengen von Papier zu beschreiben, voller Verachtung für das, was dabei literarisch herauskommen würde. Die Leichtigkeit der Ausführung tat das ihre. […] Im Ganzen gesehen wiesen Soupaults und meine Seiten eine bemerkenswerte Analogie auf: die gleichen Konstruktionsfehler, Schwächen gleicher Art, bei beiden aber auch die Illusion von außerordentlichem Elan, starker Emotion, eine bemerkenswert große Auswahl derartig guter Bilder, wie wir auch nur ein einziges bei langer Vorbereitung nicht zustande gebracht hätten, etwas eigenartig Malerisches und hie und da irgendein äußerst komischer Einfall« (Breton 1984, S. 25).

Im Surrealismus diente das automatische Schreiben dem Fördern des künstlerischen Schaffens und war genährt durch die Faszination Bretons für unterschiedliche Bewusstseinszustände oder Traumphänomene. Die intensive Arbeit mit Hypnose und dem automatischen Schreiben habe ihn aber an »den Rande des Wahnsinns« gebracht bzw. erkennen lassen, dass dabei auch unerwünschte psychische Phänomene auftreten können (Brockhaus Literatur 2004, S. 202; Ellenberger 2005, S. 1123). Bretons Anleitung lautete:

»Lassen Sie sich etwas zum Schreiben bringen, nachdem Sie es sich irgendwo bequem gemacht haben, wo Sie Ihren Geist soweit wie möglich auf sich selber konzentrieren können. Versetzen Sie sich in den passivsten oder rezeptivsten Zustand, dessen Sie fähig sind. Sehen Sie ganz ab von Ihrer Genialität, von Ihren Talenten und denen aller anderen. Schreiben Sie schnell, ohne vorgefasstes Thema, schnell genug, um nichts zu behalten oder um nicht versucht zu sein, zu überlegen. Der erste Satz wird ganz von allein kommen, denn es stimmt wirklich, dass in jedem Augenblick in unserem Bewusstsein ein unbekannter Satz existiert, der nur darauf wartet, ausgesprochen zu werden« (Breton 1984, S. 29f.).

Bei den Surrealist:innen entspricht das automatische Schreiben einem Durchschreibmodus, bei dem man dem inneren Diktat folgen solle, obwohl es der Mediziner, Forscher und Psychologe Pierre Janet (1859–1947), der oft als Begründer der dynamischen Psychiatrie genannt wurde und von dem es stark inspiriert war, anders praktiziert hatte. Janet gilt als Erster, der in Frankreich die Technik des automatischen Schreibens für therapeutische Zwecke eingesetzt hat.

Beschreibungen, wie er das getan haben soll, gleichen dem, wie mir das automatische Schreiben in hypnotherapeutischen Kreisen begegnet (Ellenberger 2005, S. 1123): Dabei ist eher ein rein ideomotorischer Vorgang gemeint, sprich, dass eine Person im Zustand einer tiefen Trance Zugriff auf Stift und Papier hat, aber nicht willkürlich und bewusst schreibt, sondern auf ideomotorische Bewegungen der Hand wartet. Dabei kann es auch sein, dass die Person, die das automatische Schreiben praktiziert, einzelne Wörter, Buchstaben oder Silben aufschreibt oder kritzelt und nach dem Schreiben für gewöhnlich nicht weiß, was sie geschrieben hat. Von einem Schreibfluss kann in diesem Fall also nicht gesprochen werden, auch wenn in einem Beispiel von Milton Erickson die Rede davon ist, dass sich das Schreibtempo beim automatischen Schreiben mit der Zeit erhöhen würde (Erickson u. Rossi 2015, S. 458).

Im Hypnowriting verwenden wir diesen Schreibfluss von Anfang an aber gerne, und das absichtsvolle, willkürliche Führen des Stifts ist erwünscht und vorgesehen. Dabei berichten Klient:innen, dass es sich trotzdem so anfühlt, als würde ihre Hand von allein schreiben, und sie würden selbst eigentlich willkürlich nichts tun. Oft schildern sie, dass sie am Anfang Zweifel hätten, ob ihnen etwas einfallen würde, dass sie nicht wüssten, was sie schreiben sollten, um nach dem Prozess dann überrascht festzustellen, dass sie noch lange hätten weiterschreiben können. Sie erzählen außerdem, dass sie kurz nach dem Schreiben noch einmal in Ruhe schauen müssten, was sie da eigentlich geschrieben hätten, denn sie wüssten es nicht genau.

Was wir also heute auch während eines Hypnowriting-Prozesses oder beim klassischen automatischen Schreiben manchmal beobachten können, hatte Pierre Janet als explizites Ziel formuliert: nämlich eine Dissoziation zwischen dem Bewusstsein und dem Unbewussten herbeizuführen, um Zugang zu unbewusstem Material, etwa zu verdrängten Erinnerungen zu erhalten. Er beschrieb Fälle, wie z. B. den seiner Patientin »Lucie«, die an »Anfällen von Erschrecken« litt, in denen er mit Hypnose und dem automatischen Schreiben arbeitete. In diesem Fall gelang es Janet mithilfe des automatischen Schreibens, die Ursache und Bedeutung der Anfälle zu finden und aufzulösen (Ellenberger 2005, S. 487). Seinen belegbaren Ursprung hatte das automatische Schreiben aber noch früher, und zwar im Spiritismus ab 1847, bei dem ein Medium in einer Séance automatisch schrieb.

»Am Beginn der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts fingen bestimmte Medien nicht nur an, nach dem Diktat der Geister zu schreiben, sondern sie liehen sozusagen den Geistern ihre Feder« (Ellenberger 2005, S. 177).

Das automatische Schreiben dieser Zeit hatte das Interesse von Psycholog:innen geweckt, weil es ihnen Zugang zur Psyche versprach:

»Einige Psychologen wie Frederick Myers und William James verstanden, dass dieses automatische Schreiben einen Zugang zum Unbewussten ermöglichte; sie wandten dieses Mittel auch an und gaben ihm den Charakter einer wissenschaftlichen Methode« (Ellenberger 2005, S. 177).

Und als solche war sie eben auch für den Psychologen und Forscher Pierre Janet interessant geworden. Er soll ein Medium namens Léonie beobachtet und mit ihm Experimente durchgeführt haben, die die Aufmerksamkeit einer damals gegründeten psychologischen Gesellschaft auf sich zogen (Wolfradt, Fiedler u. Heim 2017, S. 23). Ebenso viel Interesse wie für die Experimente mit dem Medium gab es für den schon angeführten Fall »Lucie«, bei dem Janet eine abgespaltene, Lucie nicht bewusste Persönlichkeit »Adrienne« entdeckte. »Dieser unterbewusste, abgespaltene Teil von Lucies Psyche konnte sich in Lucies ›automatischem Schreiben‹, von dieser unbemerkt, äußern« (Wolfradt, Fiedler u. Heim 2017, S. 23). Es war laut Janet ein Weg, um

»… traumatische, aber unterbewusste Erinnerungen aufzudecken, wodurch eine unterbewusste fixe Idee, welche ›psychische Energie (Kraft oder Spannung)‹ verausgabt, wieder in das Bewusstsein integriert und der Verlust an ›psychischer Energie (Kraft oder Spannung)‹ verhindert wird« (Wolfradt, Fiedler u. Heim 2017, S. 58).

Ähnlich wie Janet sollte später auch Milton Erickson das automatische Schreiben verwenden. Wenn es um die Technik des automatischen Schreibens geht, dann sind, wie schon erwähnt, Literaturgeschichte und Psychologie eng miteinander verwoben – Ähnlichkeiten mit dem automatischen Schreiben weisen auch Erzähltechniken wie der Stream of Consciousness (dt. Bewusstseinsstrom) auf, der auf den amerikanischen Psychologen William James (1890, Kap. 8 »Stream of thought«, S. 224ff.) zurückgeht, die »erlebte Rede« oder der »innere Monolog« (Brockhaus Literatur 2004, S. 218, S. 381, S. 812). Weil Breton Medizinstudent und in einem militärpsychiatrischen Zentrum tätig war, meint Henri Ellenberger, der in Die Entdeckung des Unbewußten (2005) einen historischen Abriss eben dazu liefert, dass der Surrealismus eng mit der Geschichte der dynamischen Psychiatrie verknüpft sei. In Bezug auf das automatische Schreiben bedeutet das aus seiner Sicht:

»Diese Methode, wie sie die Surrealisten benützten, war anders als die von den Spiritisten verwendete; sie war nicht nur ein rein motorischer Automatismus, bei dem der Proband nichts vom Inhalt dessen weiß, was er zu Papier bringt. Das automatische Schreiben der Surrealisten war ein ›inneres Diktat‹ (dictée interiéure), d. h. der Dichter musste sich in eine träumerische Stimmung versetzen, so dass er seinem ›inneren Reden‹ lauschen konnte, das er dann aufschrieb, ohne ein Wort zu ändern« (Ellenberger 2005, S. 1123).

Ellenberger hält es für möglich, dass André Breton, hätte er sein Medizinstudium nicht aufgegeben und sich der Psychiatrie verschrieben, entscheidende Beiträge zum automatischen Schreiben aus therapeutischer Perspektive liefern hätte können. Das scheint plausibel, wenn man liest, wie Breton in den Manifesten des Surrealismus erklärt, dass die Technik des Bewusstseinsstroms, wie Schriftsteller James Joyce sie verwendete, nichts mit dem automatischen Schreiben im Surrealismus zu tun hätte:

»Sie stehen durch zwei völlig verschiedene Arten des Weltverständnisses einander gegenüber: Joyce hält dem illusorischen Strom bewusster Assoziationen eine von allen Seiten brandende Flut entgegen, die letztlich auf die möglichst genaue Nachahmung des Lebens zielt […] Dem erwähnten Strom stellt – auf den ersten Blick weit bescheidener – der ›reine psychische Automatismus‹, der den Surrealismus kennzeichnet, eine sprudelnde Quelle gegenüber, welche man nur tief genug in sich selbst aufspüren muss und deren Lauf man nicht zu bestimmen vermöchte, ohne sie mit Sicherheit sogleich versiegen zu sehen« (Breton 1984, S. 127).

Dieses Zugreifenwollen auf tiefes, inneres Wissen oder unbewusste Inhalte scheint den Schriftsteller:innen wie den psychologisch Forschenden gleichermaßen ein Anliegen zu sein. Ähnlich in der Absicht und im Kern sind etwa auch Vorschläge bei Sigmund Freud (freies Assoziieren2), C. G. Jung (das Aufschreiben nach dem aktiven Imaginieren3) oder Alfred Adler (das Schreiben autobiografischer Texte4) – natürlich jeweils auf Basis des von ihnen formulierten Konzepts. All das hatte Einfluss auf die weitere Verwendung. So werden etwa Übungen wie das Niederschreiben von Träumen oder das freie Assoziieren nach wie vor für den Einsatz von Schreibprozessen in der Psychotherapie vorgeschlagen (Gräßer, Martinschledde u. Hovermann 2020, S. 78ff.) und es wird auf dieselbe Weise argumentiert:

»Für das therapeutische Schreiben ist die Methode der aktiven Imagination – ähnlich wie die Methode der freien Assoziation von Freud – als Tagtraumschreiben ein wichtiger Bestandteil, um Zugang zu unbewussten Anteilen der Persönlichkeit zu erlangen« (von Werder, Schulte-Steinicke u. Schulte 2011, S. 29).

Das automatische Schreiben bei Milton Erickson

Automatisches Schreiben ist eine Vorgehensweise, die auch Milton Erickson praktiziert bzw. verwendet hat. In den Gesammelten Schriftenvon Milton H. Erickson (Rossi 2022) oder dem Band Hypnotherapie (Erickson u. Rossi 2015) werden einige Beispiele dazu angeführt. Ericksons Definition lautet:

»Automatisches Schreiben, seit langem bekannt, aber als rätselhaft angesehen, lässt sich im hypnotischen Zustand oft leicht auslösen. Es handelt sich im Grunde um einen unbewusst bleibenden Akt des Schreibens. Ein solcher Schreibakt ist in seinen Abläufen mit den unbewussten Mund- und Kaubewegungen vergleichbar, die eine Mutter vollführt, wenn sie sich voll darauf konzentriert, ihr Baby mit dem Löffel zu füttern. Dieses automatische Schreiben kann ohne Hypnose, während dieser oder danach ausgelöst werden und den Kontext des Schreibens bildet gewöhnlich Material, dessen sich die Probanden nicht bewusst sind und das sie oft als nicht zu ihnen gehörig bzw. als für sie bedeutungslos ablehnen. Im psychologischen Labor oder in der psychotherapeutischen Praxis ist dieses automatische Schreiben wertvoll für das Studium bzw. die Analyse von Verhalten und um an wichtige, aber sonst unzugängliche Informationen heranzukommen« (Rossi 2022, Bd. 4, S. 27f.).

Erickson meint, dass das automatische Schreiben bzw. der Umstand, dass man währenddessen an verborgene oder verdrängte Informationen kommen kann, auch als bester Beweis für die Existenz des Unbewussten angesehen werden kann (Rossi 2022, Bd. 4, S. 19) beziehungsweise, dass das automatische Schreiben eine gute Möglichkeit ist, »amnestisches Material« zugänglich zu machen:

»Aufgrund von Suggestionen schreibt die Versuchsperson automatisch und ohne sich dessen bewusst zu sein und wird dadurch vielleicht dazu gebracht, amnestisches Material oder notwendige Informationen zu enthüllen, die anders nicht zugänglich wären oder denen sich die Persönlichkeit noch nicht gewachsen fühlt« (Rossi 2022, Bd. 5, S. 44).

Seine Anleitungen lauten etwa wie folgt:

»Sie können kritzeln oder da oder dort ein Zeichen oder eine Linie hinmachen. Sie können mal hier einen Buchstaben schreiben und mal dort. Eine Silbe hier, eine Silbe dort. Ein Wort hier, ein Wort dort. Ein Wort, das auf eine Silbe, einen Buchstaben folgt. Sie können ein Wort falsch schreiben. Sie können abkürzen oder das falsche Wort schreiben« (Rossi 2022, Bd. 2, S. 127).

In einem Beispiel wird die Arbeit mit einer Dame beschrieben, die gerne ins automatische Schreiben kommen würde. Im Laufe der Anleitung einer Hypnose mit automatischem Schreiben verwendet Milton Erickson folgende Suggestionen oder Formulierungen, durch die eine Dissoziation zwischen dem Schreiben und dem Wissen von dem, was geschrieben wurde, entstehen soll:

»Sie können Dinge schreiben, ohne jemals zu wissen, was Sie geschrieben haben. […] Sie können dann zurückgehen und entdecken, dass Sie wissen, was es ist, ohne zu wissen, dass Sie es geschrieben haben. […] Und während Sie fortfahren […]

Dieses Gefühl, dass Sie mit der linken Hand geschrieben haben, […]

das kann äußerst interessant sein. […]

Und das Wissen, dass Sie mit der rechten Hand schreiben können, […] ist auch äußerst interessant. […] Und Schreiben ist eine Sache, und Lesen eine andere. […]

Und zu wissen, was geschrieben werden soll, ist noch eine dritte. […]

Und das Geschriebene vor sich selbst zu verstecken ist noch einmal eine andere Sache. […]

Und machen Sie weiter, weil Sie interessiert sind. […]

Und das Gefühl in Ihrer linken Hand ist so wichtig, […]

dass Sie von diesem Gefühl nichts wissen wollen. […]

Und es vor sich selbst zu verstecken […]

ist interessant. […] Und sobald Sie das Gefühl haben, dass Sie mit dem Schreiben fertig sind, […]

können Sie aufwachen« (Rossi 2022, Bd.2, S. 88ff., jeweils linke Spalte).

Die in den Artikeln der Gesammelten Schriften beschriebenen Untersuchungen zielten eigentlich darauf ab, freudsche Konzepte psychischer Mechanismen und des Unbewussten zu bestätigen. Rossi meint, im Grunde würde die Vorgehensweise mit dem automatischen Schreiben Ericksons bevorzugten Ansatz zeigen, »nämlich eine Situation partiell in einer Weise zu strukturieren, die es dem Unbewussten gestattet, sich in einer beobachtbaren Form zu äußern« (Rossi 2022, Bd. 4, S. 182). Während einer Untersuchung, beziehungsweise der Arbeit mit einer Versuchsperson in stundenlangen Sitzungen, begegnet Erickson und ihr im oder durch das Schreiben eine zweite Persönlichkeit, die sich für den Schutz der Probandin zuständig erachtet. Erickson spricht mit ihrer Hand, die im Schreiben anders antwortet, als die ausgesprochene Antwort der Dame lautet. Ein Auszug:

»Frage: Warum?

Antwort: Weiß nicht, Angst davor.

Frage: Wer?

Antwort: D. [Damon] [Anmerkung, die Probandin] Frage: Wer weiß diese Dinge?

Antwort: Ich.

Frage: Ich?

Antwort: Brown.

Frage: Wer?

Antwort: Ich – Brown – B.

Frage: Erkläre!

Antwort: D ist D, B ist B.

Frage: Kennt B D?

Antwort: Ja.

Frage: Kennt B D?

Antwort: Nein. Nein.

Frage: Ist B ein Teil von D?

Antwort: Nein, B ist B; D ist D.

Frage: Kann ich mit B sprechen?

Antwort: Jetzt!

Frage: Ich spreche mit B?

Antwort: Willst. [Wenn du willst.] Frage: Wie lange bist du schon B?

Antwort: Immer.

Frage: Was willst du?

Antwort: D helfen.

Frage: Warum?

Antwort: D Angst.

Frage: Weißt du, wovor D Angst hat?

Antwort: Ja; D nicht.

Frage: Warum nicht?

Antwort: D Angst, vergessen, will nicht wissen.

Frage: Denkst du, D sollte es wissen?

Antwort: Ja, ja, ja.

Frage: Du weißt, was es ist?

Antwort: Ja.

Frage: Warum sagst du es D nicht?

Antwort: Kann nicht.

Frage: Warum nicht?

Antwort: D Angst, Angst.

Frage: Und du?

Antwort: Bisschen Angst, nicht so viel« (Rossi 2022, Bd. 4, S. 294).

»Brown«, von der Probandin und Erickson als abgespaltene Persönlichkeit verstanden, rief immer wieder dazu auf, Erickson solle weiter- und nachfragen. Oder wies ihn darauf hin, dass eine falsche Frage gestellt worden wäre. Nach einigen Stunden weiterer Arbeit in dieser Art, der Verwendung eines Spiegels und heftigen Angstreaktionen der Probandin tauchten schließlich Bilder einer angstvollen Erinnerung im Alter von drei Jahren auf, anhand derer Phobien und Zwänge der Dame, mit denen sie zu kämpfen hatte, entschlüsselt und gelöst werden konnten. In Hinblick auf die Konzepte der Psychoanalyse entstand die Annahme, dass vor allem bei Vorliegen einer Persönlichkeitsspaltung gut mit dem automatischen Schreiben gearbeitet werden könne (Rossi 2022, Bd. 4, S. 295ff.).

Im Band Hypnotherapie von Milton Erickson und Ernest Rossi (2015) wird auf ein anderes Beispiel Bezug genommen, durch das man gut nachvollziehen kann, was beim automatischen Schreiben vor sich gehen kann. Hier einige ausgewählte Sätze oder Formulierungen von Milton Ericksons Anleitung bzw. der Reaktion der Probandin:

»Lassen Sie Ihre Hand wandern, während Sie den Bleistift festhalten. […] Sprechen Sie jetzt über etwas anderes mit mir als das, was Ihre Hand schreiben wird« (Erickson u. Rossi 2015, S. 451).

»J: Ich hielt einen Bleistift, und der einzige Grund, der mir einfällt, warum ich einen Bleistift halten würde, ist, um zu schreiben. Aber ich hatte nicht das Gefühl, einen Bleistift zu halten. Es ist mir unerklärlich. Ich habe nicht das Gefühl, einen Bleistift gehalten zu haben. Aber ich sehe den Bleistift in meiner Hand, also nehme ich an, dass ich ihn halte, nicht? Aber meine Hand fühlt sich immer noch irgendwie steif an. Nicht steif wie ein Brett. […] Ich habe das Gefühl, dass sie schreiben möchte, aber sie kann es nicht, weil sie den Bleistift nicht halten will, um zu schreiben. […]

Darf ich es lesen? Da ist etwas geschrieben, ist das meine Schrift? Meine Hand fühlt sich sehr merkwürdig an, als ob sie zwar meine Hand sei, aber nichts geschrieben hätte« (Erickson u. Rossi 2015, S. 453f.).

Aus Hypnowriting-Sicht kann man Dialoge auch mit inneren Anteilen, Instanzen oder Seiten führen, um spannende Erkenntnisse und intuitives Wissen zugänglich machen zu können. Man kann ihnen im Schreiben beispielsweise anbieten, sich zu artikulieren, oder mit ihnen ins Verhandeln kommen, auch wenn in absichtsvoller und leichterer Trance geschrieben wird, als es Erickson praktiziert hatte. Um das zu demonstrieren, vielleicht an dieser Stelle ein Beispiel einer jungen Frau:

Abneigung gegenüber Alkohol

Eine junge Frau, mit der ich eigentlich an Nervosität vor Prüfungen gearbeitet hatte, kam eines Tages sehr aufgebracht in unsere Stunde. Ihr Freund sei angetrunken nach Hause gekommen, sie sei völlig ausgerastet und könne sich diese starke Abneigung gegenüber Alkohol nicht erklären. Sie wollte sich in unserer Einheit gerne diesem Thema widmen, weil es sie und ihre Beziehung schon lange belastete. Sie meinte, schon als Kind, so habe man ihr erzählt, habe sie sich furchtbar aufgeregt, wenn jemand Alkohol getrunken oder danach gerochen hätte. Sie berichtete, dass sie selbst keinen Tropfen trinke und dass ihre Beziehung zunehmend leide, weil sie überaus aufgebracht werde, wenn ihr Partner auch nur ein Glas Wein trinkt.

Wir kamen im Gespräch auf keinerlei Faktoren, Ursachen oder Ideen, die sie beruhigten. Ich schlug dann einen Hypnowriting-Prozess vor. Wir verwendeten einen Dialog mit ihrer Anti-Alkohol-Beauftragten, sie schrieb:

»Wozu hast du das gemacht?

Ich will dich beschützen.

Vor was?

Vor anderen Menschen, damit sie dir nichts tun. Dich verletzen.

Wie kommst du darauf?

Deine Mutter hat mich geschickt, weil sie es nicht kann.

Du sprichst mit meiner Mutter?

Ich habe sie auch schon beraten.

Also gibt es dich schon länger?

Ja, schon vor dir.

Warum?

Sagte ich bereits – ich will, dass dir nie etwas passiert.

Und wieso genau Alkohol?

Der Onkel damals hat immer danach gerochen.

Welcher Onkel?

Der, der deiner Mutter weh getan hat.