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Die Geschichte der feministischen Revolten ist von schillernden Erfolgen gekrönt, spricht im Zeitalter digitaler Lautsprechermedien allerdings eine veränderte Sprache, die sich heftiger Kritik zu verantworten hat. Unter anderem wird insbesondere dem Hashtag-Feminismus vorgeworfen, sich erneut zum Opfer zu stilisieren. Cornelia Koppetsch zeichnet in ihrem Beitrag in Kursbuch 200 nach, wodurch diese Kritik begründet wird und ob in den neuen Formen des Protests nicht doch subversive Kräfte der feministischen Revolte des 21. Jahrhunderts freigesetzt werden.
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Seitenzahl: 23
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Inhalt
Cornelia Koppetsch»Ich denke oft an Piroschka«Neue subversive Protestformen im Feminismus
Die Autorin
Impressum
Cornelia Koppetsch»Ich denke oft an Piroschka«Neue subversive Protestformen im Feminismus
Wer von den älteren Jahrgängen mit den Friedens- und Alternativbewegungen der 1980er-Jahre aufgewachsen ist und später viele Jahre unter »neoliberalen Verhältnissen« verbracht hat, hat heute höchstwahrscheinlich ein ambivalentes Verhältnis zum neu erwachten Proteststil der jüngeren Generationen.
Viele der älteren Generationen mögen die Rückkehr des Politischen und des Widerstands einerseits zwar durchaus begrüßen, einverstanden sind sie mit den neuen Protestmustern und Protestthemen der jüngeren Generation andererseits deshalb noch lange nicht. Nach Meinung vieler hat sich das Debattenklima, nicht zuletzt unter dem Einfluss der sozialen Medien und der Schwächung traditioneller Gatekeeper, deutlich verschärft. Dabei wird auch die Frage aufgeworfen, ob der neue Protest auch hinsichtlich der gewählten Themen und Protestanliegen regressive Züge aufweist.
Regressive Protestmuster?
Der Vorwurf der Regression wird dabei nicht nur gegen die AfD erhoben, die als populistische Rechte ein offensiv vergangenheitsorientiertes Gesellschaftsbild propagiert und sich nicht nur gegen progressive Eliten, sondern gegen liberale Identitäten im Ganzen positioniert, auch im linken Spektrum scheint nicht alles zum Besten bestellt: Viele Ältere werfen den Vertretern der neulinken Protestszene vor, sich in überzogene Sensibilitäten hinsichtlich der eigenen kleinen Benachteiligungen und Leiden zu versteigen, diese zum Nabel der politischen Welt zu erklären und dabei die eigentlichen, also die politischen Kämpfe, die auf eine tatsächliche Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse zielen würden, zu vernachlässigen.1
Nicht nur seien emotionale Betroffenheiten an die Stelle des Austauschs rationaler Argumente getreten, die neuen Protestgenerationen würden sich auf bloße Identitätspolitik, das heißt auf die Verteidigung von Minderheitenrechten kaprizieren, die Interessen der Mehrheiten dabei aus dem Blick verlieren und mithin urlinke Ideen wie Solidarität und Umverteilung in den Hintergrund drängen. Statt universelle Teilhabe zu fordern, würden die jüngeren Generationen sich oftmals darauf beschränken, gruppenspezifische Benachteiligungen etwa von Frauen, Migranten, sexuellen Minderheiten, Schwarzen etc. aufzuzeigen und diese Gruppen in ihrer je spezifischen Verletzlichkeit sichtbar zu machen. Aus der übermäßigen Betonung von religiösen, ethnischen, geschlechtlichen, sexuellen oder kulturellen Differenzen folge dann im Endeffekt nicht mehr Gleichheit, sondern mehr Ungleichheit. Im Namen der Gleichberechtigung würde ein essenzialistisches Denken verteidigt.2 Die Linie zur sogenannten Mehrheitsgesellschaft würde damit immer stärker festgeschrieben.3
