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»Ein Käffchen und ein Kippchen, dann sprang sie ihm aufs Schippchen« Verändert sich unser Umgang mit dem Tod? Christian Sprang und Matthias Nöllke haben Tausende Todesanzeigen gesichtet, die ihnen Leser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zugeschickt haben. Ihre Auswahl deutet an: Wir nehmen heute anders Abschied voneinander als früher. Es werden nicht mehr nur die Bibel und Goethe zitiert, sondern auch Derrick (»Harry, hol schon mal den Wagen«) und Reich-Ranicki (»Der Tod ist vollkommen sinnlos und vernichtend«). Ihre Lektüre verrät, dass Tod nicht nur Trauer auslösen kann, sondern auch Hass (»Ihr werdet alle zusammen in der Hölle schmoren«), Missgunst (»Wir wünschen ihren Erben mit den 85.000 DM wenig Glück«) oder gute Laune (»Ab heute ist im Himmel Damenwahl«). Und es scheint, dass sich immer mehr Menschen gleich selbst verabschieden (»Ich bin einmal gewesen, jetzt bin ich am Verwesen«).Der dritte, krönende Band der großen Todesanzeigen-Trilogie zeigt liebevoll und komisch, rührend und ehrlich zugleich, wie wir heute sterben und leben.
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Seitenzahl: 91
Veröffentlichungsjahr: 2013
Christian Sprang / Matthias Nöllke
Allerneueste ungewöhnliche Todesanzeigen
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Titelseite
Über Christian Sprang / Matthias Nöllke
Über dieses Buch
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Hinweise zur Darstellung dieses E-Books
zur Kurzübersicht
Matthias Nöllke, Dr. phil., arbeitet für den Bayerischen Rundfunk und ist Autor zahlreicher Bücher, mal sachlich, mal unterhaltsam, zum Beispiel: »Machtspiele«, »Vielen Dank an das gesamte Team. 111 unvermeidliche Sätze fürs Berufsleben« und »Hörst du mir überhaupt zu?«. Er lebt in München.
Christian Sprang, Dr. phil., betreibt seit 2003 die populäre Website todesanzeigensammlung.de. Beruflich ist der promovierte Musikwissenschaftler Justiziar des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und leitet Seminare und Fachanwaltslehrgänge zum Urheber- und Verlagsrecht.
zur Kurzübersicht
Verändert sich unser Umgang mit dem Tod? Christian Sprang und Matthias Nöllke haben tausende Todesanzeigen gesichtet, die ihnen Leser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zugeschickt haben. Ihre Auswahl deutet an: Wir nehmen heute anders Abschied voneinander als früher. Es werden nicht mehr nur die Bibel und Goethe zitiert, sondern auch Derrick (»Harry, hol schon mal den Wagen«) und Reich-Ranicki (»Der Tod ist vollkommen sinnlos und vernichtend«). Ihre Lektüre verrät, dass Tod nicht nur Trauer auslösen kann, sondern auch Hass (»Ihr werdet alle zusammen in der Hölle schmoren«), Missgunst (»Wir wünschen ihren Erben mit den 85.000 DM wenig Glück«) oder gute Laune (»Ab heute ist im Himmel Damenwahl«). Und es scheint, dass sich immer mehr Menschen gleich selbst verabschieden (»Ich bin einmal gewesen, jetzt bin ich am Verwesen«).
Der dritte Band der großen Todesanzeigen-Reihe zeigt liebevoll und komisch, rührend und ehrlich zugleich, wie wir heute sterben und leben.
Vorwort
01 »Die Oma wieder …«
02 »Sein Leben galt der Kartoffel«
03 »Otto ist tot«
04 »Ey man, was für’n Abschied«
05 »Alle Menschen müssen sterben, vielleicht auch ich«
06 »Wikingerhäuptling und Kirchenvorstand«
07 »Seine letzten Koordinaten«
08 »Irgendwann werden sie alle in der Hölle schmoren«
09 »Der Nihilist mag brüll und schlagen«
10 »Unser gemeinsamer Lebensweg ist friedlich zu Ende gegangen«
11 »Alle im Heiler-Netzwerk stehen unter Schock!«
12 »Frieda Messer geb. Gabel«
13 »Ich wünschte mir, mein Tod säh’ aus wie mein Westie«
14 »We love you volle Pulle«
15 »Kopf hoch, auch wenn die Schuhe nicht geputzt sind«
16 »Ich trauere um Amy Winehouse«
17 »Harry, hol schon mal den Wagen«
18 »Bis zum letzten Wort unverbesserlich«
19 »Ab heute ist im Himmel Damenwahl«
20 »Da hasse aber Sand dran«
Schluss- und Dankeswort des Sammlers
Beiträgerinnen und Beiträger zu diesem Buch
Ende August 2009 kam das Buch heraus, das alles veränderte: »Aus die Maus. Gesammelte Todesanzeigen«. Aus dem Stand sprang es in die Top Ten der Spiegel-Bestsellerliste und hielt sich dort 23 Wochen lang. Noch bemerkenswerter war das Echo unserer Leser. Wir bekamen eine Unmenge Post, Briefe, Karten, E-Mails, manche meldeten sich sogar telefonisch. Es schien fast so, als hätte man eine Schleuse geöffnet. Unsere Leser zeigten sich sehr berührt, aber auch amüsiert; es gab welche, die schmunzeln mussten, anderen traten vor Rührung die Tränen in die Augen, wie sie uns wissen ließen. Einige kommentierten einzelne Anzeigen, die ihnen besonders nahegegangen waren. Oder sie machten uns auf Aspekte aufmerksam, die uns entgangen waren, zum Beispiel versteckte Zitate.
Manche entwickelten regelrecht detektivischen Spürsinn. Eine Meisterleistung gelang hier einem Leser unseres zweiten Bandes »Wir sind unfassbar«. Er enttarnte das Porträtfoto eines Mannes mit Hut (auf Seite 30) als Montage, weil sonst der Schattenwurf des Hutes ein anderer hätte sein müssen.
Vielleicht noch verblüffender war aber die Entdeckung eines Lesers von »Aus die Maus«: Dort war (auf Seite 79) eine sehr persönliche Anzeige erschienen, in der sich ein gewisser Martin S. an seine Mitmenschen wendet und ihnen noch allerlei Einsichten mit auf den Weg gibt:
Dieses vermeintliche Vermächtnis erwies sich als wortwörtliche Kopie einer denkwürdigen Anzeige, mit der sich in den Siebzigerjahren Willi Maurer, Seifenfabrikant und Erfinder von rei in der Tube, verabschiedet hatte:
Plagiate gibt es also nicht nur bei Dissertationen, sondern auch bei Todesanzeigen. Immerhin führen sie, soweit man hört, nicht zur nachträglichen Aberkennung des Versterbens.
Vor allem aber schickten uns die Leser Anzeigen, eigene Fundstücke, mitunter ganze Sammlungen. Gar nicht so wenige ließen uns wissen, sie seien erst durch unsere Bücher darauf aufmerksam geworden, sich die Todesanzeigen doch mal etwas genauer anzuschauen. Und da hätten sie kürzlich das folgende Exemplar entdeckt …
Es kamen so viele Anzeigen zusammen, dass wir unser zweites Buch »Wir sind unfassbar« nahezu komplett aus den Einsendungen der Leser zusammenstellen konnten. Und wir hatten noch einen beträchtlichen Überhang, sodass wir hofften, dass vielleicht in zwei, drei Jahren genügend Material zusammenkäme, um noch einen dritten und dann letzten Band zu füllen. Nun, diese Hoffnungen wurden bei Weitem übertroffen. Unsere Leser haben uns – buchstäblich bis heute – in großer Zahl Anzeigen zugeschickt, von denen wir auf die eine oder andere Art beeindruckt sind.
Christian Sprang hat die Einsendungen vorsortiert und mir nur die Exemplare geschickt, die für eine Veröffentlichung infrage kamen. Ich habe jede dieser Anzeigen gesichtet, klassifiziert wie ein Insektenforscher seine Schmetterlinge und in eine Excel-Tabelle eingetragen, die lang und länger wurde. Mittlerweile bin ich über die Zeile 1500 hinaus. Das heißt, wir mussten eine rigorose Auswahl treffen und auf viele sehr schöne Anzeigen verzichten: Nur jedes fünfte Exemplar ist in unserem Buch gelandet. Hinzu kamen noch die Überstände aus den letzten beiden Büchern. Aber von denen haben wir weit weniger untergebracht, als wir vorgesehen hatten.
Denn in den Einsendungen zeigt sich eine deutliche Tendenz: Die Todesanzeigen haben sich seit dem Erscheinen von »Aus die Maus« verändert. Die Leute trauen sich mehr, sie sind einfallsreicher, in jeder Hinsicht. Es gibt Texte, die uns regelrecht umgehauen haben, weil sie so gut gelungen sind. Auch die grafische Gestaltung entfernt sich immer stärker von dem üblichen Schema mit dürrem Kreuz, Kranz oder gebrochener Rose. Und dann gibt es ja noch mit zunehmender Häufigkeit Fotos der Verstorbenen, die uns auf unterschiedliche Weise angesprochen haben (siehe Kapitel »Kopf hoch, auch wenn die Schuhe nicht geputzt sind«).
Vermutlich lassen die Zeitungen auch mehr zu als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Bei einzelnen Anzeigen stockte sogar uns kurz der Atem. Hinzu kommt, dass sich die technischen Möglichkeiten erweitert haben. So haben längst die ersten Farbfotos im Trauerrand Einzug gehalten. Und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich die Anzeigen mit Facebook, Twitter und einem »Livestream« von den Begräbnisfeierlichkeiten verlinken lassen. Virtuelle Friedhöfe gibt es ja schon.
Natürlich sind die hier versammelten Anzeigen nicht der Normalfall, sondern in irgendeiner Art herausragend. Denn sie sind jemandem aufgefallen, der die Hintergründe der Anzeige in aller Regel nicht kennt (eher selten werden uns Todesanzeigen von nahen Verwandten oder eigene Kreationen gesendet). Diese Leserin bzw. dieser Leser hat sie ausgeschnitten, an uns geschickt und wir waren ebenfalls so beeindruckt, dass wir meinten, die Anzeige muss in das Buch.
»Die Breite an der Spitze ist dichter geworden«, diese Einsicht von Fußballlegende Berti Vogts gilt auch für die Todesanzeigen. Zugleich hat sich deren Art verändert. Der Anteil der Anzeigen, die unfreiwillig komisch sind, hat abgenommen. Solche Anzeigen gibt es natürlich immer noch, doch interessanter sind die anderen: Sie sind so eigensinnig, abgedreht, herzzerreißend, hintergründig oder humorvoll, dass wir meinen, sie haben es verdient, eine möglichst große Leserschaft zu erreichen.
Das Beglückende dabei: Diese Texte stammen von den Angehörigen, den Freunden oder den Firmen, bei denen die Verstorbenen (manchmal vor erstaunlich langer Zeit) beschäftigt waren. Es handelt sich um eine Art Volkspoesie, die in ihrer Vielfalt einfach überwältigend ist.
In diesem Sinne wünschen wir unseren Leserinnen und Lesern viel Vergnügen. Und falls Ihnen in Ihrer Zeitung eine ungewöhnliche Familien- oder Todesanzeige auffällt, dann lesen Sie doch mal das Nachwort von Christian Sprang.
München, im Frühjahr 2013
Matthias Nöllke
Familiäres
Auch in Zeiten, in denen sich die familiären Bindungen lockern, gehören sie zu den Klassikern des Genres: Anzeigen, die von Menschen geschaltet werden, die in irgendeiner verwandtschaftlichen Beziehung zur bzw. zum Verstorbenen stehen. Dabei lassen sich manchmal nur Vermutungen über die genaue Art dieser Beziehung anstellen. Wie bei unserem ersten Beispiel, dem wir entnehmen, dass »unsere Olga« zur »engsten Familie« zu rechnen ist. Gleichwohl hielt sich die emotionale Bindung offenbar in Grenzen, wenn die Familie kundtut, sie sei »nun doch« sehr traurig. Vielleicht hatte Olga auch das Alter überschritten, in dem man in der Familie E. Anspruch auf ausgeprägte Trauer hat.
Dass es noch deutlich kühler geht, zeigt die nüchterne Tabelle für Jutta W. Wäre sie nicht von der »Trauerfamilie« unterzeichnet, könnte man annehmen, ein korrekter Schweizer Beamter hätte ein Formular ausgefüllt.
Den gleichen Namen tragen auch Herbert und sein Sohn. Allerdings ist es hier der Sohn, der gestorben ist. Sechs Jahre später schalten die Eltern eine Anzeige, vielleicht diejenige, die einen am stärksten in diesem Buch berührt. Denn die Eltern können sich mit ihrem Schmerz nur an ihren toten Sohn wenden. Die anderen – »wissen nichts«.
Wie die Anzeige für Anneliese Maximiliane F. zeigt, werden nicht nur bei Meiers eisern die Familientraditionen gepflegt.
