ICH oder WIR? - A.H. Parlak - E-Book

ICH oder WIR? E-Book

A.H. Parlak

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Beschreibung

Wenn wir uns verlieben, sind wir euphorisch, weil die Liebe uns in einen Zustand versetzt, der uns ganz macht. Es ist eine Illusion. Wir wissen es und trotzdem dauert die Sehnsucht danach ein Leben lang. Künstler befassen sich mit der Liebe und erzählen sie in allen Variationen. Parlak möchte mit ihren persönlichen Erfahrungen und Einsichten über die Liebe vor allem Denkanstöße liefern. Mit Mutterwitz und Augenzwinkern enthüllt sie die absurde Seite des Liebes-Alltags und lässt den Leser so manches Mal nachdenklich innehalten.

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Seitenzahl: 144

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Untreuefantasien

Frust mit der Lust

Bis dass die Liebe uns scheidet

Der Wunsch nach echter Intimität

Zu lange alleine?

Single forever?

Wieso meldet er sich nicht mehr?

Nicht hinterher laufen!

Die Liebe hält nicht alles aus

Warum kann er nicht zärtlich sein?

Beziehung ohne Sex, geht so was gut?

Kann man die Liebe erklären?

The Story of Love

Ich komme nicht von ihm los

Wie gehen Sie mit Untreue um?

War es wirklich Liebe?

Wenn Männer zu lange warten

Das Universum kennt keinen Zeitdruck

Ist Liebe eine Frage der Entscheidung?

Wessen Wahrheit?

Als wir lieben lernten

Was war zuerst da, der Mann oder das Ei?

Wann beginnt das Ende einer Beziehung?

Die Kirschen in Nachbars Garten

Doppelleben

Die Harakiri-Methode

Der Kollege

Wir sind nicht austauschbar!

Von Blüte zu Blüte

Bindungsangst

Manchmal kann man einfach nicht verzeihen

»Love to go« oder das Ende der Romantik

Eifersucht

First Cut is the Deepest

Wissen Sie, ob Ihr Partner fremd geht?

Es ist Ihre Liebe, lassen Sie sich nicht reinreden

Anneme

UNTREUEFANTASIEN

Es gibt Frauen und Männer, die während ihrer Beziehung den Drang verspüren, fremd zu gehen. Sie sagen, dass es nicht an ihrem Partner läge, sondern an ihnen selbst. An ihrem mangelnden Selbstbewusstsein vielleicht oder an ihrer Suche nach Bestätigung, nach dem Thrill, den ihnen nur ein Liebhaber geben kann.

Hier könnte mein Artikel enden. Ist doch schon alles gesagt!

Bei Männern wird die Neigung zum Fremdgehen möglicherweise während der Adoleszenz angelegt, als sie (noch) ihre Hörner abstoßen mussten; in einem Single- Universum voller Alpha-Männer, die ausgestattet mit dem Arschloch-Gen, sich die schönsten Mädchen schnappten. Vielleicht ahnten diese Typen ja, dass die Tage gezählt waren, wo sie mühelos bei den Ladys landen konnten; ganz zu schweigen von der Angst im Bett ablosen zu können! (Okay, ich weiß schon, heute gibt es Viagra! Als Ultima Ratio quasi. Aber den meisten Männern und Frauen ist der Griff nach Chemie dann doch suspekt.) Und, wie ging es uns Frauen? Vermutlich waren wir gefangen zwischen dem Bedürfnis, in einer Zweierbeziehung aufzugehen und dem Drang nach sexuellen Abenteuern und Freiheit. Nicht jeder ist in seiner Jugend sexuell auf der Überholspur. Manche (männlichen) grauen Mäuse finden später zu sexuellem Reichtum, weil Macht und Geld ihnen endlich den Zugang zum anderen Geschlecht ermöglichen. Während sie die Karriereleiter mit einer schmucken Partnerin an ihrer Seite hinauf klettern, versauern die Bad Guys hinter schlecht bezahlten Jobs und dem Entsetzen darüber, dass die Attraktivität samt dem vollen Haar allmählich verschwindet.

Lauter Stereotypen?

Lauter Vorurteile?

Ja, vielleicht!

Und nun?

Inzwischen sind wir älter geworden. Führen vielleicht eine Ehe. Haben Kinder. Und doch meldet sich gelegentlich unser junges Ich, der Typ oder das Mädchen aus den Jugendtagen zurück. Wäre es nicht an der Zeit, dieses junge Wesen in uns noch einmal fest in den Arm zu nehmen und uns von unrealistischen Erwartungen zu verabschieden? Wir bestehen nicht nur aus Jugend. Jugend ist ein Gefühl und kein faltenloses Image. In diesem Fall ist mit Image Bild gemeint.

Ich habe vor einigen Jahren meine Lieblingsjeans meiner Nichte Nalan geschenkt. Eine Levis 501 in einer Minigröße. Ich hätte nie wieder in diese Jeans hineingepasst, warum also hob ich sie all die Jahre auf? Es ist schwer zu akzeptieren, dass unsere Wirkung auf das andere Geschlecht allmählich abnimmt. Warum können wir nicht sagen: Wir hatten unsere Zeit und jetzt beginnt eine Neue! Wir wissen, dass Erotik und Sex zu uns und unserem Leben gehören werden, solange wir atmen. Die Einschränkungen machen wir uns selbst. Die Welt ist voller schöner Menschen, ganz gleich, wie alt sie sind. Schönheit verschwindet nicht, sie nimmt nur eine andere Gestalt an.

Doch woher kommt nun der Wunsch nach sexuellen Abenteuern bei Männern und Frauen, die in festen Beziehungen stecken?

Ich wage eine leise Vermutung: Ist es letztendlich das Ur-Bedürfnis in uns nach Nähe und Intimität. Die Sehnsucht, uns im anderen spüren zu können? Lebendig zu sein? Das würde ja bedeuten, dass die Beziehung, in der man steckt, einem kein Leben mehr einhauchen kann. Heißt das, dass unsere Beziehung tot ist? Also noch mal: Der Gedanke ist ja der, dass wir versuchen wollen, unsere Beziehung so zu führen, dass sie wieder an Glanz gewinnt. Bunter wird. Heißer. Warum reden wir nicht darüber? Unser Partner ist doch nicht unser Feind. »Das ist doch voll pussymäßig …«, höre ich im Geiste unseren Auszubildenden Max sagen. Max ist neunzehn und sieht so gut aus, dass er auch ohne Reden die Weiber klar machen kann.

Okay, reden also! Wenn man dem Partner erklärt, was in einem vorgeht, fallen Ängste oft in sich zusammen. Wir alle sind Versuchungen ausgesetzt und das nicht erst seit des World Wide Web. Unsere Großeltern sind auch fremd gegangen. Nicht immer real, aber bestimmt in ihrer Fantasie. So wie wir eben. Vielleicht hat Ihr Partner ähnliche Ängste und wird erleichtert darüber sein, endlich mit Ihnen über diese Dinge reden zu können.

Ich finde, wir sollten mit unserem Partner über jedes Problem sprechen können und nicht (nur) mit der besten Freundin oder mit Fremden im Netz. Er ist es doch, der einem näher stehen sollte als jeder andere sonst. Wir geben unser Innerstes preis und erhalten Antworten von einer virtuellen Community, die ähnliche Sorgen hat. Warum tun wir das? Warum erzählen wir einem Fremden mehr als dem Menschen, den wir lieben? Wenn es nicht das Netz ist, laden wir unsere Sorgen bei unseren Freunden ab. Sie finden rasche Antworten auf schwierige Fragen. Sie kennen uns gut. Eine prima Voraussetzung für ernsthafte Gespräche. Doch unsere Freunde sind auch nur Menschen und gelegentlich fließen in ihre gut gemeinten Ratschläge Eigeninteressen mit ein. Reden Sie mit ihrem Partner und nicht über ihn. Da dürfen auch mal die Fetzen fliegen. Das ist zwar nicht das, was wir in unserem Kommunikationskurs gelernt haben. So what? Wenn unser Partner erkennt, dass wir hilflos sind und die Beziehung aufrechterhalten wollen, nicht weil wir uns vor der Einsamkeit fürchten, sondern weil wir ihn lieben, wird es einen Weg geben, selbst ein so delikates Thema wie Untreuefantasien anzusprechen. Ich glaube, es gibt keinen durch und durch treuen Menschen. Wie können wir also von unserem Partner verlangen, tugendhaft und unfehlbar zu sein? Wir halten uns für moralisch korrekt, im besten Fall für jemanden, der sein Denken und Handeln kritisch reflektiert. Schuld ist unser Partner. Er ist der Böse! Er soll sich ändern! Scheinbar fällt es uns schwer, nach innen zu schauen, um zu verstehen, welchen Anteil wir selbst an den Konflikten haben. Das Schlimme daran ist, dass wir nicht nur das Verhalten des Partners als Ursache für unsere Beziehungsprobleme sehen, sondern auch fest daran glauben, dass in ihm die Lösung steckt. Eine Beziehung zu pflegen erfordert enorm viel Geduld und tonnenweise Verständnis. Um Herausforderungen bewältigen zu können, müssen wir lernen zuzugeben, dass auch wir Fehler machen! Wenn wir merken, dass wir uns falsch verhalten haben, sollten wir uns entschuldigen (können), wie ich finde. Ich weiß, dass man manchmal wie versteinert da sitzt und keinen Schritt in diese Richtung machen kann. Wir neigen dazu zu sagen: Ach, morgen ist eh alles vergessen. Warum also schlafende Hunde wecken? Das Traurige ist, dass Probleme sich eben nicht (!) in Luft auflösen. Sie gären im Stillen weiter und vergrößern unsere Distanz zueinander.

Zeigen wir Größe. Begegnen wir uns auf halbem Wege. Vielleicht ist es das, was man unter Beziehungsfähigkeit versteht? Wenn wir von Beziehung zu Beziehung hüpfen, werden wir nie lernen, dass das gemeinsame Lösen von Problemen sehr befreiend sein kann und uns und unseren Partner langfristig stärken wird. Nicht nur in der Paarbeziehung, sondern in allen Bereichen des Lebens.

FRUST MIT DER LUST

Wir alle kennen das: Unsere Beziehung verliert früher oder später an »Spannkraft«. Mit anderen Worten, die sexuelle Anziehungskraft füreinander lässt allmählich nach. Was ist geschehen? Während der ersten Monate waren wir quasi dauererregt und konnten die Finger kaum voneinander lassen. Wir sagten alle Termine ab, machten einen großen Bogen um unseren Briefkasten und unsere Freunde waren uns schlichtweg egal. Zum Sattwerden reichten uns zwei Bissen unserer Lieblingspizza und wenn wir nach einer heißen Liebesnacht zur Arbeit fuhren, hörten wir mit wehenden Fahnen unsere Lieblingsmusik in voller Lautstärke. Und jetzt? Wir sitzen neben unserem Partner auf dem Sofa und jeder starrt in sein Handy. Facebook & Co. bestimmen längst unseren Alltag und während wir unsere Mails checken, haben wir oder unser Partner ausgefallene Sexfantasien mit anderen.

Willkommen in der Realität!

Wie kommt es, dass selbst außergewöhnlich schöne Frauen berichten, der Mann oder die Frau an ihrer Seite zeige keinerlei Interesse mehr an Sex? Was passiert mit uns, wenn wir die Lust aneinander verlieren? Ist das etwas, womit wir uns abfinden müssen? Nein, sagt das World Wide Web! Wer keinen Sex hat, sei selber schuld! Na toll, noch so ein Hype, dem wir uns beugen müssen! Klar, die Libido braucht Impulse: Gute Gespräche, Spontaneität, Spaß und ein wenig Schönmachen für den Partner hat noch keiner Beziehung geschadet. Ein Liebes-Kurz-Urlaub nach Paris kann jedoch uns und unseren Liebsten maßlos überfordern, wenn wir meinen, wir könnten so den Verlauf unserer Liebesgeschichte positiv lenken. Noch bevor wir im Flieger sitzen, wird unser Partner – ausgestattet mit Sensoren für Kitsch – des Friedens willen mitmachen. Aber echte Intimität sieht anders aus! Ein wenig ist das wie mit der Potenz des Mannes. Wenn er unter Druck steht, kriegt er keinen hoch.

Am Anfang nervten wir unsere Mitmenschen mit unserem endlosen Geknutsche und das Frischmachen und Stylen nach einem superstressigen Bürotag erschien uns wie das Vor-Vor-Spiel zur nächsten Ekstase in den Sexhimmel. Wir diskutierten nackt im Bett über Gott und die Welt und küssten unliebsame Gegenargumente einfach weg. Und wenn uns dann das Benzin mitten im Tunnel ausging, sahen wir das als Riesen-Spaß, weil die Welt um uns herum ein einziger Spielplatz war und wir »Bonny and Clyde«. Wir waren die Stars, die Königskinder, die Menschen um uns herum waren nur Statisten. Wir waren die menschgewordene Liebe!

Wo ist sie geblieben: diese Lust, die Begeisterung für den Partner, die Ekstase?

Die gute Nachricht: Alles, was einmal Feuer gefangen hat, kann wieder entfacht werden, solange man das Feuer nicht durch endlose Querelen ausgelöscht hat. Wir Frauen denken, dass unser Partner uns nicht mehr begehrt, weil wir für ihn nun weniger attraktiv sind. An diese Theorie habe ich noch nie geglaubt. Es ist nicht unser Äußeres, was die Libido killt, es sind verbale Schlammschlachten, mangelnder Respekt und emotionale Kälte. Was können Sie tun? Es gibt viele Möglichkeiten, sich wieder näher zu kommen, werden Sie kreativ! Eine Paartherapie könnte helfen. Falls Sie nicht reden möchten und schon gar nicht Dritte in ihre Beziehung einbinden wollen, versuchen Sie sich an den Zauber des Anfangs zu erinnern.

Was war an ihrem Partner so liebenswert?

Was liebte er besonders an Ihnen?

Was ist Ihr ganz persönlicher »Liebes-Finger-Abdruck«, wer sind Sie als Paar?

Solange Sie sich gegenseitig nicht gleichgültig sind, kann Ihre Liebe wieder aufblühen. Nichts fasziniert uns mehr als ein Mensch, der lebendig ist und Freude ausstrahlt. Das sind genau die Attribute, die Liebende nach außen zeigen. Wenn wir jedoch in einer unglücklichen Beziehung feststecken und nur aus Bequemlichkeit weitermachen, anstatt uns der Wirklichkeit zu stellen, wird unser Körper den ersten Schritt tun und den Sex verweigern.

Am Anfang, wenn die Liebe noch frisch ist und der andere geheimnisvoll und unerforscht scheint unser Verlangen nach ihm grenzenlos zu sein. Dann, wenn der Alltag uns wieder fest im Griff hat, mit all seiner Monotonie und dem Beziehungsstress, zieht unsere Libido langsam, aber sicher den Schwanz ein. Eine Ausnahme ist vielleicht die Eifersucht, sie kann aus Angst, den Partner verlieren zu können, die Lust kurzzeitig wiederbeleben. Aber wer hält so was schon auf Dauer aus?

Wie konnte es soweit kommen, dass unser Partner nicht mehr mit uns schlafen will? Was haben wir getan oder nicht getan? Unsere Identität als Liebespartner hängt zum Teil davon ab, wie uns unser Partner wahrnimmt. Wenn wir uns von unserem Partner verletzt fühlen und das können objektiv gesehen Kinkerlitzchen sein, wollen wir uns schützen. Es gelingt uns nicht darüber zu sprechen, weil wir hier (also zum Sexuellen) keinen Zusammenhang sehen. Wir merken nur, dass uns nicht nach Sex zumute ist. Die Folge ist, dass wir uns schämen, weil wir uns an anderen messen. An Menschen, die wir nicht einmal kennen. Wir sehen nur einen Ausweg aus dieser Situation: eine neue Liebe. Wir träumen uns den Ärger mit idealisierten Traummännern oder Traumfrauen weg. Wir suchen das Glück in einer neuen Liebesbeziehung, um vielleicht irgendwann wieder am selben Punkt zu stehen.

Versuchen Sie Ruhe in Ihre Beziehung zu bringen.

Der Mensch ist kein logisches Wesen, sondern ein Geschöpf voller Gefühle, Vorurteile, Stolz und Eitelkeit. Anstatt sich gegenseitig zu verurteilen, versuchen Sie zu verstehen, warum Ihr Partner dieses und jenes getan oder nicht getan hat. Dadurch schaffen Sie sich eine Atmosphäre der Nachsicht und Güte. Ich weiß, dass das schwer ist. Es scheint sehr viel leichter zu sein, das gewohnte Verhalten aufrecht zu erhalten, als etwas Neues auszuprobieren. Fragen Sie sich gegenseitig, was Ihnen das Gefühl von Bedeutung gibt. Wenn Sie sich durch gute Gespräche wieder etwas näher gekommen sind, versuchen Sie, Ihrem Partner zu zeigen, wer Sie wirklich sind. Was Sie ausmacht. Wovon Sie träumen.

Es muss aber auch Tage geben, wo Sie Ihrem Partner das sagen, was Sie schon lange bedrückt. Stehen Sie zu sich selbst und finden Sie heraus, was Sie wirklich in einer Beziehung brauchen. Sagen Sie Ihrem Partner, was Sie stört. Ziehen Sie Bilanz. Es muss in einer Beziehung möglich sein, sich alles zu sagen. Angstfrei und aufrichtig. Wenn nötig, trennen Sie sich für eine Weile. Es ist doch so, dass wir nur aus der Distanz heraus erkennen können, was der andere für uns wirklich bedeutet. Finden Sie wieder zurück zu Ihrer ureigenen Freude. Finden Sie zurück zu Ihrer Lebens-Lust. Wenn Sie sich freuen können, wird Ihr Partner es auch tun. Es geht nicht darum, dem Partner künstlich gute Laune vorzugaukeln. Das Unechte würde das Gegenteil bewirken.

Aber wenn wir lächeln, passiert in Wirklichkeit das große Wunder in uns selbst, denn wenn wir andere anlächeln, lächeln wir uns gleichzeitig selbst zu.

BIS DASS DIE LIEBE UNS SCHEIDET

Es gibt da diese stille Übereinkunft zwischen Paaren, Konflikte nicht anzusprechen. Gründe dafür gibt es viele: die Kinder, das Geld, die Angst vor dem Alleinsein oder Krankheiten. Wie kommt es dazu, dass zwei Menschen, die aus Liebe geheiratet haben, eines Tages aufwachen und sich mit Trennungsgedanken herum plagen? (Es ist wie mit dem dicker werden. Die Pfunde und die Beziehungsprobleme schleichen sich auf leisen Pfoten daher.) Verletzungen schaffen Distanz, Distanz tötet Lust. Es ist nicht so, dass ein Paar ihre Liebe einfach so dahin schmeißt.

Einer kämpft immer mehr.

Einer leidet immer mehr.

Einer liebt immer mehr.

Wenn irgendwann eine dritte Person in die Beziehung eingeschleust wird, ist das Drama perfekt! Trotzdem wird weiter geheiratet. Weil wir an die Liebe glauben. Glauben wollen und so wie es aussieht, glauben müssen. Hochzeitssendungen haben Hochkonjunktur und der Trend, die Jungfräulichkeit für den einen aufzuheben, ist eines der vielen Strategien, wenn auch meist religiös begründet, die Ehe zu retten. Auf der anderen Seite machen Frauen »Strip-Kurse« und setzen wie immer auf die Schönheitschirurgie. Männer hingegen üben sich in der Kochkunst und dem Trend, androgyn-muskulös zu wirken. Tja, so was gefällt uns Frauen! Ein süßer, nicht zu maskulin wirkender Mann: pflegeleicht und Hand zahm. Eine Garantie für eine bessere Ehe bieten jedoch weder Luderqualitäten noch ein Sixpack.

Okay, was soll man denn nun machen, damit es nicht so weit kommt? Reden. Reden. Reden. Ich weiß, das nervt, wenn man immer nur hören muss, dass das Reden in einer Beziehung unentbehrlich sei. (Das Gute am Reden ist, dass man neue Wege sichtbar machen kann. Plötzlich kann man wählen!) Es gibt Paare, die sich bereits nach zwei Jahren nichts mehr zu sagen haben, andere schaffen es auch nach Jahrzehnten ihre Bedürfnisse mitzuteilen und Konflikte offen und ehrlich anzusprechen.

Wir sind keine siebzehn mehr, wo wir eine Beziehung zwischen zwei Unterrichtsstunden beenden können.

Ehekonflikte sind sehr belastend, besonders dann, wenn wir Kinder haben. Wir stecken fest. Vorwürfe, Schuldzuweisungen und verbale Ohrfeigen bestimmen unseren Alltag. Ein Teufelskreis. Wir scheinen eine idealisierte Vorstellung davon zu haben, wie unsere Beziehung zu sein hat, Abweichungen können wir nicht ertragen. Dabei heißt es doch: »It Takes Two To Tango«. Wo liegt nun unser Anteil an den Konflikten? Manchmal hilft es, wenn wir uns für eine Weile trennen. Vielleicht wird uns dann klar, wie sehr wir unseren Partner lieben. Kurzzeitige Trennungen können aber auch dazu führen, dass man feststellen muss, den Partner nicht mehr oder nicht mehr genug zu lieben. Anstatt uns mit heimlichen Trennungsgedanken herumzuquälen, könnten wir uns überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, eine Paartherapie zu