Ich will Dein sein | Erotischer SM-Roman - Rose Garver - E-Book

Ich will Dein sein | Erotischer SM-Roman E-Book

Rose Garver

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Beschreibung

Dieses E-Book entspricht 188 Taschenbuchseiten ... Melina tritt unfreiwillig in die geile Welt des BDSM. Verbundene Augen, Fesselspiele und Schläge mit der Gerte erwecken Gefühle in ihr, die sie nie zuvor erlebt hat. Als sie sich auch noch in einen strengen Dom verliebt, ist nichts mehr, wie es vorher war. Kann Melina seinen Neigungen gerecht werden und sich seiner dominanten Führung unterwerfen? Diese Ausgabe ist vollständig, unzensiert und enthält keine gekürzten erotischen Szenen.

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Seitenzahl: 262

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Impressum:

Ich will Dein sein | Erotischer SM-Roman

von Rose Garver

 

Rose Garver ist das Pseudonym einer Autorin, die eigentlich im Genre Spannungsliteratur zu Hause ist. Mit dem Bereich der erotischen Romantik begibt sie sich auf neues Terrain. Die Autorin lebt seit vielen Jahren mit einer Katze in ihrer Wahlheimat Spanien. Dort sitzt sie gern am Meer, um neue Geschichten mit Leben zu füllen. Das Rauschen des Meeres lässt sie die Zeit vergessen, bis ihre Protagonisten vor ihrem geistigen Auge Gestalt annehmen und in romantisch-prickelnde Situationen geraten. Rose genießt den warmen Wind, der über ihre Haut streichelt, und transportiert die dabei entstehende Sehnsucht in ihre Storys. Ihre ersten drei Kurzgeschichten veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Lisa May.

 

Lektorat: A. K. Frank

 

 

Originalausgabe

© 2022 by blue panther books, Hamburg

 

All rights reserved

 

Cover: © santiaga01 @ 123RF.com

Umschlaggestaltung: MT Design

 

ISBN 9783750738218

www.blue-panther-books.de

Kapitel 1

Dauerregen prasselt schon geschlagene drei Tage lang an die Fensterscheibe. Alles Leben scheint sich in die letzten Winkel dieser Erde verkrochen zu haben, um dem Grau und Nass zu entfliehen.

Keine Aussicht auf Besserung, was meinen angeschlagenen Gemütszustand nicht gerade beflügelt. Frustriert werfe ich das Buch, das ich gerade lese, auf die Couch neben mich und trinke einen Schluck Tee. Mein Leben ist zum Heulen, genau wie dieses Wetter.

Das Klingeln des Telefons reißt mich aus aufreibenden Zweifeln und innerlichen Wutausbrüchen heraus. Die Nummer auf dem Display, die mit einer mir unbekannten ausländischen Vorwahl beginnt, kenne ich nicht. Was sollte noch Schlimmeres kommen können? Mein Leben war sowieso schon im Arsch. Neugierig gehe ich dran und werde eines Besseren belehrt. Ein herzzerreißendes Schluchzen, gefolgt von einer weinerlichen Stimme.

»Melina?«

»Ja, Süße, was ist denn los?«

»Ich bin in großen Schwierigkeiten«, berichtet meine jüngere Schwester kleinlaut und heult schon wieder. »Ich habe richtigen Blödsinn gemacht.«

»Jetzt beruhige dich erst mal und erzähl, was los ist.«

»Du musst unbedingt herkommen und mir aus der Patsche helfen.«

»Wo steckst du denn?«, frage ich besorgt, als mir die merkwürdige Vorwahl wieder einfällt.

Eine kurze Stille tritt ein. »Ich bin noch in Italien. Kannst du herkommen? Bitte lass mich nicht im Stich!«

»Gib mir die Adresse, ich buche den nächsten Flug. Aber du weißt schon, dass es dauern kann?«

Das Zittern in der Stimme meiner jüngeren Schwester verebbt ein wenig. »Danke«, haucht sie beruhigt.

»Ich werde dich erst mal zurückrufen, ja?«

»Nein, das brauchst du nicht. Du musst nur herkommen und mir irgendwie helfen.«

»Was ist passiert?«, frage ich jetzt etwas strenger, denn die Kapriolen meiner Schwester haben mir schon oft genug Ärger eingehandelt. Auf was würde ich mich diesmal einstellen müssen? Tausend bedrohliche Möglichkeiten wechseln sich bereits in meinen Gedanken ab. Ich vernehme, wie Lara tief durchatmet. »Ich schäme mich so. Kannst du nicht einfach kommen? Dir schnell den nächsten Flug buchen, bevor dieser vielleicht ausgebucht ist?« Sie weint wieder und gibt mir die Adresse durch, wo ich hinkommen soll. Ich registriere natürlich sofort, dass sie damit vom Thema ablenken will, was ihr ja auch gelingt. Eifrig schreibe ich Ort und Straße eines Hotels in Sorrent auf.

»Ich dachte, du bist mit Andrea in Rom, um die Stadt kennenzulernen?«, murmle ich irritiert.

»Ich erklär dir alles, wenn du da bist, ja? Teile mir nach dem Buchen deine Ankunftszeit per WhatsApp mit. Es kommt dich jemand abholen.«

Ich seufze, mache mir unendlich viele Sorgen. Nervös recherchiere ich im Internet die Lage von Sorrent, um zu sehen, welcher Flughafen in der Nähe liegt. Der Ort befindet sich keine sechzig Kilometer von Neapel entfernt, also suche ich einen Flug dorthin und werde schnell fündig. Ich habe noch drei Stunden, bis ein Flug in Frankfurt am Main startet. Das reicht völlig, da ich in Mainz lebe und mit dem Taxi, nicht mehr als eine Stunde Fahrt haben werde.

Ich schicke Lara die Flugdaten und packe hastig ein paar Sachen ein. Während in Deutschland gerade die Schafskälte eingezogen ist, herrschen in Neapel angenehme fünfundzwanzig Grad. Deshalb hoffe ich auf ein schnelles Lösen von Laras Problem und die Möglichkeit, mit einem Sommerkleid durch Sorrent zu schlendern.

Sorrent ist mir vom Namen her geläufig. Ein beliebtes Urlaubsziel und ein Ort, der von wohlhabenden Leuten bewohnt wird, deren Jachten in einem hübschen Hafen schaukeln. Ich bin gespannt darauf, doch der Hintergrund meiner Reise lässt dieses Gefühl schnell wieder verblassen.

Kapitel 2

Der Flieger geht bereits in den Sinkflug. Aus dem Fenster schaue ich auf ein Gewimmel aus Straßen und dicht beieinanderstehenden Häusern. Überragt wird dieses beeindruckende Panorama von dem alles beherrschenden Vesuv. Wie ein wuchtiger Titan hockt er am Rande der Stadt und blickt bedrohlich auf sie herab. Zu schade, dass ich unter diesen sorgenvollen Umständen herkomme. Ein Trip durch die Gassen Neapels, üppige Eisportionen und ein Glas Wein beim hübschesten Italiener, darauf würde ich mich jetzt gern freuen.

Ich bringe das Gedränge im Flieger hinter mich, eile durch die Ankunftshalle, um nach einer Person Ausschau zu halten, die mein Namensschild in den Händen hält.

Da entdecke ich jemanden – ein Mann Mitte sechzig, der mit einer dunkelblauen Uniform bekleidet ist. Auf seinem Kopf sitzt eine farblich passende Kappe. Er hat klare Gesichtszüge und aufmerksam blickende Augen. Als ich nah genug bin, erkenne ich meinen Namen auf dem Schild und winke ihm zu. Er nickt und lässt sein Schild sinken.

»Buongiorno«, begrüße ich ihn auf Italienisch, doch so richtig auftauen will er nicht. Ein kleines Lächeln huscht über seine schmalen Lippen und heitern dieses strenge Gesicht nur minimal auf. »Sprechen Sie deutsch?«

Der Mann schüttelt den Kopf.

»English?«

»No Signora. Mi dispiage.« Er will mir meinen kleinen Koffer abnehmen, doch ich wehre ab und lächle. Das scheint dem Mann nicht zu gefallen, aufdringlich streckt er mir seine Hand entgegen und bleibt stur stehen, bis ich ihm das Gepäckstück überreiche.

Ich hasse es, mich nicht mitteilen zu können, aber was soll’s. Wenn der werte Herr meint, meinen Koffer unbedingt tragen zu wollen, dann soll er das eben tun.

Während wir die Ankunftshalle verlassen, bemerke ich sein wohlriechendes Rasierwasser. Seine Schuhe glänzen, und die Hose sieht aus wie frisch aus der Mangel. Wie kommt Lara zu so einem Luxus, mir einen richtigen Chauffeur zu schicken? Wieder eine Frage, die ich dem Herrn gern gestellt hätte, aber aufgrund meines miserablen Italienisch nicht fragen kann.

Mein Staunen steigert sich noch, als wir am Auto ankommen. Es steht nah bei den Eingangstüren des Flughafens. Eine schwarze lange Limousine. Zuvorkommend öffnet mir der Fahrer die Hintertür, lässt mich einsteigen, um dann dosiert die Tür ins Schloss fallen zu lassen. Der Geruch nach Leder steigt in meine Nase. Alles glänzt. Die Rückbank ist weich und gemütlich. Ich höre das Verstauen meines Koffers und dann geht es auch schon los. Der Wagen startet, doch der Signore dreht sich zu mir um.

»Per favore«, murmelt er und deutet auf den Sicherheitsgurt, den ich nickend anlege. Ein Blick auf die Armbanduhr sagt mir, dass ich sehr gut in der Zeit bin. Es ist gerade mal fünf Uhr am Nachmittag. In einer Stunde spätestens sollte der Wagen in Sorrent ankommen. Meine Nervosität steigert sich zusammen mit meinem Gedankenkarussell, in dem sich wilde Spekulationen drehen.

Der Verkehr ist grauenvoll und ich bin dankbar, dass mich jemand fährt. Sind wir eben noch entspannt über eine Autobahn mit Überführungen und Tunnel gefahren, stecken wir plötzlich in einem Gedränge aus lädierten Benzinkutschen fest. Kaum wird es enger, wird die Limousine von unzähligen Motorrädern umzingelt, überholt und ausgebremst. Der Fahrer wirkt dabei völlig gelassen, nicht ein einziges Fluchwort verlässt seine Lippen. Im Gegensatz zu den anderen Verkehrsteilnehmern hupt er zudem selten. Souverän drängelt er sich in den Kreisverkehr. Wir passieren breite Straßen mit beeindruckenden Gebäuden, durchqueren ein Netz aus engen Gässchen, in denen die schmalen Bürgersteige von Kisten der Gemüsehändler belegt sind und kleine Cafés zum Verweilen einladen.

Mich wundert, dass wir anstatt raus aus Neapel mitten in die Innenstadt fahren. Das war mit Sicherheit nicht nötig, wenn man nach Sorrent möchte, doch mir bleibt nichts anderes übrig, als mich auf meinen Fahrer zu verlassen. Und nach wenigen Minuten erklärt sich dieser Umstand auch. Wir machen halt vor einem Hotel. Der schmale Eingang besticht mit Marmor und Glas, vier bronzefarbene Sterne hängen an der Hausfassade. Der Fahrer telefoniert kurz, worauf zwei Minuten später ein traumhaft gut aussehender Italiener das Auto besteigt. Ich schätze ihn auf mein Alter, Ende dreißig. Er trägt einen schwarzen Anzug und weißes Hemd. So gut aussehend er auch ist, so grummelig wirkt er. Er grüßt mich knapp auf Italienisch und fragt, ob ich seine Sprache spreche. So viel verstehe ich noch und schüttle den Kopf. Sein Haar ist beinahe so schwarz wie sein Anzug, ebenso die Augen. Er wirkt gestresst, als er sich den Schlips auszieht und die ersten Knöpfe seines Hemdes öffnet. Er hat ein markantes Gesicht, glatt rasiert. Er wirkt äußerst dominant auf mich.

Stille kehrt ein. Hätte ich den Schönling fragen sollen, ob er Englisch spricht? Ich weiß es nicht. Irgendetwas macht mich nervös. An dem neuen Mitfahrer wird es wohl nicht liegen, denn dieser ist jetzt mit seinem Smartphone beschäftigt.

Der Fahrer quält sich wieder durch eine Armada von Motorrädern und vollgestopften Straßen. Eine Gänsehaut breitet sich auf mir aus, die verursacht, dass meine Härchen sich aufstellen. Die Klimaanlage verströmt kühlere Luft nach hinten, seit der neue Mitfahrer an Bord ist. Mich darüber zu beschweren halte ich für unangebracht, da ich froh bin, überhaupt mitfahren zu dürfen. Wenn doch nur mein Koffer griffbereit wäre, dann würde ich eine Strickjacke über das Trägerhemdchen ziehen. Ich öffne meinen Pferdeschwanz und lege meine brünetten Haare über die Schultern und bedecke zudem das Dekolleté. Ein Vorteil langer Haare: sie halten einem den Halsbereich warm. Ich verschränke zudem die Arme, so wirds gehen.

Ich meine, den Blick des Neuankömmlings auf mir zu spüren. Er macht mich irgendwie nervös. Er strahlt eine sonderbare Aura aus. Eine gewisse Strenge liegt in seinen Gesichtszügen. Ich fühle mich plötzlich wie eine kleine Angestellte, die am Tisch des Chefs sitzt. So was von albern!

Verstohlen schaue ich zu ihm. Er starrt mich tatsächlich an. Lässt sich auch nicht beirren, als ich es bemerke. Lange halte ich seinem undurchdringlichen Blick nicht stand und sehe zum Fenster rechts neben mir heraus.

Seine tiefe Stimme erklingt im Auto, woraufhin der Fahrer die Klimaanlage abstellt. Ich schaue wieder zu ihm. Er starrt immer noch, lächelt aber für einen kurzen Moment. Ich spüre, wie ich erröte. So was Blödes! Ob ich ihn doch irgendwas fragen soll?

Zum Glück kommt er mir zuvor.

»Welche Sprache sprechen Sie?«, fragt er mich im perfekt ausgesprochenen Englisch.

»Deutsch«, antworte ich. »Englisch beherrsche ich aber auch.«

Der grummelige Schönling nickt.

»Ich spreche Deutsch nicht perfekt, aber es reicht für das Wichtigste«, antwortet er fehlerfrei mit einem sexy klingenden Akzent. Jetzt, nachdem die Klimaanlage nicht mehr läuft, kann ich sein Parfum riechen. Eine süßliche Note, die gut zu ihm passt. Doch er kann noch so umwerfend aussehen, er ist nicht mein Typ. Er schüchtert mich ein, das gefällt mir nicht.

»Sie machen Urlaub in Sorrent?«

Ein gequältes Lächeln huscht über meine Lippen. Eigentlich möchte ich gar nicht darüber sprechen, was gehen den Griesgram meine Probleme an? Doch dann sprudelt es einfach so aus mir heraus.

»Nein, leider nicht. Meine kleine Schwester hat ein Problem und braucht wohl Hilfe.«

»Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes.« Seine Mimik hat sich wieder verhärtet, verdunkelt. Immer noch ruht sein Blick auf mir.

»Das hoffe ich auch. Ich werde es wohl früher erfahren, als mir lieb ist. Aber dafür sind doch jüngere Geschwister da, damit sie einem auf die Nerven gehen. Haben Sie Geschwister?« Ich erschrecke mich selbst über diese blöde Frage. Was interessiert es mich, ob der Typ Geschwister hat.

»Ja, ich habe drei davon und einer macht immer nur Dummheiten«, schmunzelt der Mann.

»Mein Name ist Melina.«

»Schön, Sie kennenzulernen, Melina. Ich heiße Marco Seccitini.« Er reicht mir die Hand, sie fühlt sich kräftig und weich zugleich an. Seine dunklen Augen schimmern in den Strahlen der Abendsonne, die sich zu uns verirren.

»Ist Ihnen noch kalt?«, erkundigt er sich beiläufig und sieht wieder auf sein Smartphone.

»Nein, alles gut. Danke.«

Der Italiener bespricht etwas mit dem Chauffeur. Ich meine zu verstehen, dass er sich nach meiner Schwester erkundigt und der Fahrer scheint auch Informationen zu haben, da er ausführlich Bericht erstattet. Leider kann ich dem Gespräch nicht folgen und hoffe, dass sie sich gar nicht über Lara unterhalten.

Panik überkommt mich plötzlich – was, wenn sie etwas Schlimmes angestellt hat? Wie oft hatte ich sie schon aus ihren Dummheiten herausgeboxt … Einmal habe ich einen Verkehrsunfall auf mich genommen, da sie damals meinen Namen angeben hat. Sie selbst war noch siebzehn und hätte gar nicht allein am Steuer sitzen dürfen.

Stille ist eingekehrt. Die Klimaanlage läuft wieder. Marco zieht sich die Jacke aus und legt sie zwischen uns.

»Wenn es Ihnen zu frisch wird, legen Sie sie ruhig um.« Seine Stimme klingt ernst. Lag es an dem Gespräch, das er mit dem Fahrer geführt hat? Das ungute Gefühl in mir wächst weiter an. Ich ahne, dass mir meine Schwester ein prekäres Geständnis unterbreiten wird, das mir bereits jetzt bleiern auf dem Gemüt liegt, ohne dass ich weiß, worum es geht.

Endlich erreichen wir Sorrent. Ein Ort, der auf steil aufragenden Klippen liegt, wo sich am Horizont der Himmel mit dem strahlenden Blau des Meeres vereint.

»Wollen Sie auch ins Hotel?«

Der Mann sieht von seinem Smartphone hoch und packt es weg.

»Ja, das ist auch mein Ziel.«

Ich nicke und bemerke, dass er mir auf die Beine guckt. Mein Rock ist etwas hochgerutscht, und hastig richte ich ihn wieder. Das unwohle Gefühl kehrt zurück. Keine Ahnung, was es genau ist.

Eine unsichtbare Last fällt von meinen Schultern, als wir vor einem wunderschönen kleinen Hotel anhalten. Es liegt oberhalb vom Ort und gibt einen atemberaubenden Blick auf das Meer und die Klippen frei.

Ich bedanke mich bei dem Fahrer und bei Marco für die angebotene Jacke, die ich aber nicht gebraucht habe. Nicht brauchen wollte. Sein Parfum roch aus der Distanz schon aufregend genug.

Kapitel 3

Als ich aussteige, entdecke ich Lara sofort. Sie hockt abseits auf einer Holzbank, die links und rechts mit Rosenranken umrahmt wird. Ähnlich einer Szenerie aus einem Märchen. Als sie die Autotüren zuschlagen hört, blickt sie auf und strahlt. Mit ihren achtzehn Jahren ist sie ziemlich selbstbewusst – vielleicht etwas zu sehr. Ihr Haar ist hellblond.

Wir haben verschiedene Mütter. Ihre Mutter verstarb früh und ich, als zwanzig Jahre ältere Schwester, habe mich um sie gekümmert. So gut mir das in meinen jungen Jahren möglich war.

»Melina«, seufzt sie und fällt mir schlapp wie ein Sack um den Hals. »Ich bin froh, dass du so schnell kommen konntest.« Ihre Stimme klingt schmollend. Wahrscheinlich fällt ihr es mal wieder schwer, ihren Fehler, was es auch immer für einer ist, einzugestehen.

»Es war der erstbeste Flug. Wie kommst du eigentlich in dieses luxuriöse Hotel?«, frage ich, als mir auffällt, dass nur edle Automarken auf dem kleinen kiesbedeckten Parkplatz stehen. Das Gebäude ist weiß und thront über Sorrent und allem anderen. Große Torbögen sind Richtung Meer ausgerichtet, unter dem Dach erkenne ich Tische und Stühle mit weißen Tischdecken, die im Wind flattern.

»Ich werde mir hier kaum ein Zimmer leisten können«, raune ich bestürzt und seufze.

»Nein, das ist schon geklärt. Ich habe ein Doppelzimmer und bereits die Erlaubnis, dass du mit mir in diesem Zimmer schläfst.«

Ich sehe sie skeptisch an. Ihre Augen blicken kurzweilig stolz, nachdem sie meine Bedenken entkräften konnte, doch gleich darauf starrt sie betrübt auf den Boden und scharrt mit dem Fuß im Kies.

»Dann lass uns auf dein Zimmer gehen und dort erzählst du mir, was passiert ist, okay?«

Lara nickt und geht voran. Sie trägt einen – für meinen Geschmack viel zu kurzen – weißen Minirock und ein ebenso knappes weißes Top. Wir durchqueren einen großzügigen Raum, laufen über einen glänzenden Boden aus rosa Marmor. Links ist ein Tresen. Dahinter befindet sich ein älterer Herr, gekleidet in einen dunklen Anzug. Er sitzt auf einem Stuhl und liest Zeitung. Hinter ihm hängt der Schlüsselkasten. Es sind genau vierundzwanzig Schlüssel, vierundzwanzig Zimmer. Das hätte ich beim Anblick des Gebäudes nicht gedacht.

Rechts im Raum stehen drei kleine Tische, umrundet von jeweils drei Loungesesseln, die mit einem blumenverzierten rosa Stoff bezogen sind. Der Geruch nach Lavendel liegt in der Luft.

Ich frage mich, wie viel eine Übernachtung hier wohl kostet, und die nächste Frage stellt sich direkt hinten an: Wie, um Himmels willen, bezahlt meine kleine Schwester das?

Am Ende des Raums steht Marco, er unterhält sich mit einem weiteren Mann. Als Marco mein Kommen bemerkt, blickt er hoch. Sein Blick verrät nichts Gutes, oder? Warum schaut er so düster? Der Mann neben ihm beginnt zu strahlen. Er ist gut gebaut, hat leuchtend grüne Augen und kurzes dunkelblondes Haar. Er will auf uns zugehen, doch Marco hält ihn an der Schulter fest und spricht wieder mit ihm. Sein Blick ist todernst. Vielleicht hat das alles auch nichts mit meiner Schwester zu tun, hoffe ich. Nein, ich bin überzeugt, dass es so schlimm nicht sein kann.

Das Hotel hat drei Stockwerke. Mit einem Aufzug, in dem man zu zweit gerade so stehen kann, fahren wir bis ganz nach oben. Als wir aussteigen, werde ich in den Duft von Zitronen gehüllt. Weiße Holztüren reihen sich im Flur nebeneinander und tragen grüne Nummern. Wir haben Nummer achtzehn. Unsere Schritte hallen vom Parkettboden wider.

Als ich die Tür hinter uns schließe, schaue ich mich erstaunt um. Das Zimmer strahlt förmlich. Es ist hell und romantisch. Ein Himmelbett, das mit einem feinen pastellgrünen Stoff behangen ist. Die Bettwäsche ist mit zarten Blumen bedruckt. Ein weißes Tischchen mit einem Spiegel darauf steht an der Wand. Die Sonnenstrahlen spiegeln sich darin.

Ich lasse mich in einen Loungesessel sinken, der ähnlich aussieht wie die in der Lobby. Lara setzt sich mir gegenüber. Sie sieht blass aus.

»Danke, dass du da bist.«

Ich nicke nur. Warte. Meine Hände verkrampfen sich, als ich Tränen in den Augen meiner Schwester glitzern sehe.

»Ich war mit Andrea in Rom. Dort haben wir total nette Typen kennengelernt. Sie haben uns nach Sorrent auf ihre Jacht eingeladen. Es war richtig lustig mit denen. Mit einem schicken Maserati sind wir hierhergefahren. Dann kamen noch Salvatore und noch jemand dazu. Salvatore stand eben in der Lobby mit dem Dunkelhaarigen.«

Ich nicke.

»Wir haben ziemlich herumgealbert, zu viel Champagner getrunken und Poker gespielt.«

Ich bemerke, wie ihre Stimme leiser wird. Ich befürchte das Schlimmste, habe aber noch keine Idee, worum es sich handeln könnte.

»Jedenfalls hat mir Salvatore einhunderttausend Euro als Spielgeld überlassen. Ich hatte die ganze Zeit eine regelrechte Glückssträhne. Sollte ich das Geld verlieren, habe ich eingewilligt eine Nacht mit ihm zu verbringen. Ich war schon ziemlich blau und mal ehrlich, einhunderttausend für eine Nacht! Und ich war felsenfest überzeugt, zu gewinnen.«

»Und weiter?«, frage ich genervt, denn die Geschichte ist mir jetzt schon zuwider.

»Während Salvatore die Spielrunde verlassen hat, habe ich ein paarmal gewonnen und auch verloren. An dieser Stelle hätte ich aufhören sollen.« Nun beginnt sie richtig zu heulen.

»Und wo ist jetzt das Problem? Ich will dir ja nicht zu nahetreten, aber du hattest schon viele Kerle im Bett.«

»Es gruselt mich vor dem. Ich will nicht mit ihm ins Bett«, schluchzt sie und schnäuzt sich die Nase.

»Hast du ihn gebeten, das Geld zurückzunehmen? Du hast es doch nicht komplett verspielt? Einhunderttausend!«

Lara zuckt mit den Schultern.

»Ich habe die Hälfte später beim Pokern verloren. Da war er schon weg.«

»Bist du völlig übergeschnappt?«, entfährt es mir unbeherrscht. »Was erwartest du denn jetzt, was ich für dich tun soll? Ich habe doch nicht so viel Geld.«

»Aber Thomas hat Geld. Ich zahle es ihm zurück.«

»Thomas, Thomas«, schimpfe ich wütend. »Unsere Ehe steht so gut wie vor dem Aus. Du weißt doch, dass er mich schon seit Monaten betrügt und ich mir nicht sicher bin, ob ich das verzeihen will und kann.« Beherrscht fahre ich die Lautstärke meiner Stimme runter. »Was ist so schlimm an dem Typen? Du wolltest es doch anfangs tun? Hässlich ist er auch nicht. Er sieht sogar ziemlich gut aus.«

»Ich war betrunken«, brummt sie und schmeißt sich heulend aufs Bett.

»Können wir es dem Italiener nicht in Raten zurückzahlen? Sag mir, wo ich ihn finde, wir werden es ihm vorschlagen.«

»Nein, er will entweder mich oder dich im Bett.«

»Wieso mich?« Es regt mich auf, dass sie mich in diese abstruse Geschichte mit hineingezogen hat und nun ihren Kopf in den Kissen versteckt.

»Ich habe es ihm vorgeschlagen.«

»Du hast sie ja nicht alle! Ich werde bestimmt nicht mit einem Fremden ins Bett steigen, weil du eine dumme Göre bist. Ich werde Thomas anrufen. Komm mir heute Abend bloß nicht blöd und lass mich jetzt in Ruhe!« Ich springe auf und verziehe mich in das kleine Badezimmer und lasse kaltes Duschwasser über meinen Körper rauschen, um mich abzukühlen und abzuregen.

Nachdem ich die Haare geföhnt habe, schlüpfe ich in ein weißes Sommerkleid. Es ist hochgeschlossen, doch die dünnen Träger nehmen ihm wieder die Strenge. Der Stoff reicht gerade über die Knie. Keine Ahnung, warum ich mich in Schale werfe, doch irgendwie muss ich mich ablenken. Ich werde wohl Thomas um Hilfe bitten. Ihm wird es nicht wehtun. Er ist ein gut verdienender Geschäftsmann.

Mir geht die Frage durch den Kopf, wieso der Typ auch mich nehmen würde. Er sah tatsächlich sehr attraktiv aus, war so um die vierzig. Seine Augen haben gestrahlt wie Saphire, sein Haar dunkelblond, Kurzhaarfrisur, tolle Figur. Da gab es doch noch einen Haken! Sicher geht es um perverse Spielchen, sonst macht das doch alles keinen Sinn. Denn wenn ich ehrlich bin, eine Nacht mit ihm, unter normalen Umständen, könnte ich mir gut vorstellen.

Ich gehe durch das Hotelzimmer und würdige Lara keines Blickes. So schlimm wie heute hat sie mich noch nie enttäuscht. Hat sie mich doch einfach als Sexspielzeug angeboten, um ihre Schuld zu begleichen.

Kapitel 4

Mein Herz rast. Thomas anrufen! Das passt mir gar nicht in den Kram.

Ich betrete eine kleine Bar im Hotel. Ein Raum, der mit viel Liebe zum Detail eingerichtet wurde. Alles besteht aus edlen Materialien. Der Tresen ist aus einem rötlichen Holz gezimmert, das makellos glänzt. Dahinter eine riesige Spiegelwand mit Glasregalen, die mit den unterschiedlichsten Spirituosen bestückt sind. Ich ahne, dass die Preise hier ein tiefes Loch in mein Portemonnaie reißen werden, doch ich muss mir jetzt Mut antrinken.

Hinter dem Tresen steht ein junger Barkeeper, den ich grüße. Er trägt einen edlen Anzug und lächelt mich an.

Ich brauche etwas Außergewöhnliches. So wie dieses Gebäude außergewöhnlich ist und das Problem meiner Schwester außergewöhnlich ist, geht es mir nervös durch den Kopf.

»Einen dry Martini, bitte.«

Der Mann nickt und macht sich an die Arbeit. Leise klingt Jazzmusik im Hintergrund. Dunkle Ledersessel und Holztische stehen im Raum verteilt und bieten durch weite Abstände voneinander genug Privatsphäre. In einer Ecke sitzt ein Pärchen. Mit dem Martiniglas in der Hand ziehe ich mich zurück und lege mein Smartphone auf die Tischplatte.

Eigentlich mag ich Martini nicht, doch der herbe Geschmack lässt meine Sinne hellwach werden. Ich leere das Glas in einem Zug und gebe dem Barkeeper ein Zeichen, mir noch zwei weitere zu mixen. Mir wird erst jetzt bewusst, dass meine kleine Schwester eventuell in kriminelle Kreise geraten ist. Sie muss das Geld unbedingt zurückgeben.

Eines jedoch verwundert mich: mein Schwesterchen ist nicht von prüder Natur, wieso bringt sie die Nacht nicht einfach hinter sich? Das verstehe ich nicht und wähle die Nummer von Thomas.

Ich atme tief durch, als seine Stimme im Lautsprecher klingt.

»Hallo Thomas, gehts dir gut?«

»Ganz okay. Willst du Schluss machen?« Seine Stimme klingt aufgescheucht.

»Wie kommst du denn jetzt da drauf? Nein, ich wollte dich um deinen Rat und Hilfe bitten.« Ich atme tief durch. Diese Worte hören sich so mickrig an, so erbärmlich. Da krieche ich bei ihm wegen meiner Schwester zu Kreuze, das muss man sich mal vorstellen! Ich schlucke den Ärger herunter. Mir bleibt sonst keine Option.

»Was ist los?«

»Meine Schwester hat ein Problem. Ein ernstes Problem.«

»Ach, du wieder mit deiner Bemutterung. Du kannst nicht immer ihr Leben geradebiegen. Mich interessiert es nicht die Bohne, was sie angestellt hat.«

»Aber mich interessiert es. Willst du es dir jetzt wenigstens anhören?« Mein Ton klingt strenger, als ich es vorgehabt hatte.

»Schieß los!«

»Lara hat sich mit merkwürdigen Italienern eingelassen. Alle sind ziemlich wohlhabend. Ich denke ja, dass man sie übers Ohr gehauen hat, ohne dass sie es bemerkt hat. Jemand hat ihr einhunderttausend Euro überlassen, um es als Spielgeld beim Pokern zu setzen. Wenn sie das Geld nicht zurückzahlen kann, hat sie zugesagt, eine Nacht mit ihm zu verbringen.«

»Meine Güte, die hat sie doch nicht alle. Aber worin besteht denn das Problem?«

»Sie hat die Hälfte des Geldes verloren und hat plötzlich die totale Panik, mit ihm ins Bett steigen zu müssen.«

»Was denkst du, tun zu wollen? Da muss sie schon allein durch«, brummt Thomas uninteressiert, was mich aufregt.

»Sie braucht fünfzigtausend«, sage ich und spüre, dass dies eine harte Bitte ist.

»Vergiss es. Ich würde der Göre nicht mal mit zehntausend aushelfen.«

»Sie zittert am ganzen Leib, wenn sie davon redet. Wir dürfen sie nicht hängenlassen.«

»Steig du doch mit dem Itaka ins Bett, dann wären wir beide quitt und mein Seitensprung würde unsere Ehe nicht mehr belasten.«

Seine Worte rauben mir die Luft zum Atmen.

»Seitensprung? Du hast mich monatelang hintergangen! Und das ist alles okay, wenn ich mit irgendeinem Typen ins Bett steige?«

»Ist ja schon gut«, versucht Thomas, mich wieder runterzubringen. »Das war vielleicht nicht meine beste Idee, aber vielleicht würde das deinen Ärger über mich schmälern?«

»Ja, du hast recht. Das muss die beste Lösung sein, wenn ich mit ihm die ganze Nacht ficke. Ich berichte dir dann, wie es war.« Ich drücke das Telefonat weg. Mein Blick haftet auf dem Display in der Hoffnung, Thomas würde zurückrufen. Sich entschuldigen. Mir und Lara helfen, doch nichts tut sich.

Das versetzt mir wieder einen Stich ins Herz, ich nehme einige kräftige Schlucke vom Martini, mein Puls rast. Fünf Monate ist er heimlich mit der Sekretärin ins Bett gestiegen. Sogar in den Kurzurlaub sind sie gefahren. Ich weiß überhaupt nicht, wieso ich nicht Schluss mache. Fünf Jahre Ehe, was war das schon?

Lasse ich mich wirklich von allen ausnutzen? Bemuttere ich jeden? Was, wenn das wahr ist? Sieht man in mir ein leichtes Opfer? Nutzt meine Schwester diese Schwäche aus? Ich trinke den zweiten Martini aus und sehe auf die Uhr. Es ist bereits sieben Uhr am Abend.

Ob ich es tun soll? Mit einem fremden Kerl die Nacht verbringen? Das konnte doch jetzt nicht die Lösung sein! Allein aus Prinzip war das keine Option.

Eine mir bekannte Stimme lässt mich aufblicken. Marco steht am Tisch und grinst breit und richtet seinen Finger auf meinen Martini.

»Sind Sie sicher, den Dritten noch trinken zu wollen? Kummer verschwindet damit nicht. Was ist mit Ihrer Schwester? Geht es ihr gut?«

Ich seufze.

»Eine für mich unangenehme Geschichte, wie immer, wenn sie in Schwierigkeiten steckt.«

Mir ist es plötzlich total peinlich, sitze ich doch mit drei Martinigläsern am Tisch. Und der Alkohol hat meine Wangen aufgeheizt.

»Wenn Sie mir den Martini abnehmen, bin ich nicht enttäuscht. Vielleicht habe ich mir von dem Getränk tatsächlich mehr versprochen, als es in der Lage ist zu bewirken.« Ich lache, versuche es zumindest, und muss irgendwie das Thema wechseln.

»Wie lange werden Sie hier wohnen?«, frage ich und befürchte, dass meine Frage falsche Akzente setzen könnte.

Der hübsche Italiener schüttelt den Kopf.

»Ich wohne hier nicht. Das Hotel gehört mir und ich sehe nur nach dem Rechten.«

Ich schlucke. Mit Sicherheit hatte er im Taxi über Lara geredet und wusste sicher schon über alles Bescheid. Und mit diesem ominösen Salvatore hatte er bereits bei Ankunft in der Lobby gesprochen. Na super!

»Sie haben ein wirklich bezauberndes Hotel«, stammele ich und spüre, wie die Sorgen mich übermannen, mir das Blut in die Wangen schießt. Mit zusammengekniffenen Lippen drehe ich das leere Glas in der Hand. Marco nimmt sich tatsächlich mein Drittes und leert es.

»Ich möchte Ihnen gern einen Rat geben.« Mit ernst blickenden Augen sieht er zu mir herunter. Ich warte, bis er fortfährt.

»Sie sollten nicht die Schuld Ihrer Schwester begleichen. Das ist nichts für Sie.«

»Was genau ist nichts für mich?«

»Das können Sie mit Ihrer Schwester klären.«

Ich merke, dass er nicht weiter darüber reden möchte.

»Was bleibt mir übrig? Es sieht ihr zwar nicht ähnlich, sich zimperlich anzustellen, doch sie ist richtig runter mit den Nerven. Irgendwie werde ich ihr wohl helfen müssen.«

Marco verzieht den Mund und setzt sich nun zu mir. Etwas beschäftigt ihn. »Wenn Sie das Geld nicht zurückzahlen können, werden Sie eine Nacht mit dem da verbringen müssen«, erklärt er tiefernst und sieht flüchtig zum Tresen. Ich folge seinem Blick. Dort steht er: der hübsche Salvatore. Er ist vertieft in ein Gespräch am Handy und bemerkt mich nicht.

»Ich verstehe meine Schwester nicht. Sie hat schon hässlichere Kerle mit nach Hause angeschleppt.« Ich schaue wieder in Marcos Augen.

Er hat einen merkwürdigen forschenden Blick aufgesetzt, aber er lächelt. »Kennen Sie alle Bedingungen?«

Ich schlucke und zucke mit den Schultern.

»Ich mag Sie, deswegen möchte ich Ihnen gern einen Vorschlag unterbreiten. Was halten Sie davon, wenn ich Sie und ihre Schwester in einer halben Stunde zu einem Glas Wein einlade und wir das dort besprechen? Es ist sozusagen mein Lieblingsplatz in Sorrent.«

Ich bin baff. Damit habe ich jetzt gar nicht gerechnet und bedaure es, so viel Martini in mich hineingekippt zu haben. Ein zusätzliches Glas Wein kann ich jetzt gar nicht mehr gebrauchen. Lächelnd nicke ich.

»Darf ich Sie noch um etwas bitten?« Er sieht mir so streng entgegen, dass ich wieder nicke.

»Ja, natürlich.«

»Ich möchte, dass Sie Ihrer Schwester nichts von unserem Gespräch erzählen, nichts über die angesprochenen Bedingungen.« Er zwinkert mir zu, steht auf und verlässt die Bar.

Kapitel 5

»Warum lässt du dich in unserer jetzigen Situation zum Wein einladen?«, stöhnt Lara, während wir das Hotelgebäude verlassen und zum Parkplatz laufen.

»Du meinst wohl deine Situation?«, antworte ich schnippisch.

»Ja, sorry. Ich habs nicht so gemeint.« Ihre Stimme klingt wieder weinerlich und ich frage mich erneut, ob sie meine Sorge um sie ausnutzt. Ich schäme mich gleichzeitig für mein Misstrauen. Was wissen schon Thomas und dieser Schönling? Aber ich wollte wissen, was seine Anspielung zu bedeuten hat. Ich habe noch einen ganzen Abend, um zu einer Lösung für unsere Situation zu kommen. Ja, es war wie immer unsere Situation.

Ich spüre, wie mir elend wird. Mit dem fremden Kerl ins Bett steigen? Weitere Bedingungen?

Marco reißt mich aus meinem Gedankenkarussell. Er steht an einen weißen Mercedes gelehnt und winkt uns zu. Er trägt eine dunkelblaue Hose, die seine knackige Figur betont, und ein rosa Hemd darüber, das sein schwarzes Haar und seine gebräunte Haut hervorhebt.

»Schönen Abend, Signorinas.«

Ich lächle. Marco ist zwar etwas sonderbar, eine Mischung aus arrogant und überheblich, aber er sieht umwerfend aus.

»Wo hast du denn den kennengelernt?«, raunt mir meine Schwester kichernd zu. Anscheinend hat sie unsere Situation beim Anblick des Schönlings schnell vergessen.

Lara beeilt sich, um zuerst am Auto anzukommen, und hastet an die Beifahrertür, um dort neben Marco einzusteigen, der bereits am Steuer sitzt. Ich will mich gerade darüber ärgern, als sie mit einem schmollenden Mund wieder aussteigt und sich nach hinten setzt. Ich lächle in mich hinein, das hat die kleine Göre mal gebraucht, zumal Marco viel zu alt für sie ist.