Ich will kein Hund sein - Alma Mathijsen - E-Book

Ich will kein Hund sein E-Book

Alma Mathijsen

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Beschreibung

Liebeskummer ist brutal, allumfassend und gefühlt grenzenlos. Doch was, wenn es einen irrwitzigen Ausweg daraus gäbe? Alma Mathijsen überschreitet in dieser tragikomischen Geschichte mühelos die Grenze zwischen Wirklichkeit und Traum und erzählt dabei herrlich skurril von Liebe, Verzweiflung und schrägen Ideen, auf die man wohl nur im emotionalen Delirium kommen kann.

In der Novelle «Ich will kein Hund sein» beschließt eine Frau, sich in einen Hund verwandeln zu lassen, um als Vierbeiner von ihrem Exfreund aufgenommen zu werden – endlich wieder seine Nähe spüren, ihn uneingeschränkt und bedenkenlos lieben können. Doch die glücklichen Aussichten lassen sie so manchen unangenehmen Nebeneffekt der Verwandlung vergessen. Ist es am Ende vielleicht doch besser, wie ein Mensch fühlen zu können, auch wenn es uns manchmal in den Wahnsinn treibt?

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Veröffentlichungsjahr: 2021

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Alma Mathijsen

Ich will kein Hund sein

Novelle

Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke

C.H.Beck

Zum Buch

In der Novelle «Ich will kein Hund sein» beschließt eine Frau, sich in einen Hund verwandeln zu lassen, um als Vierbeiner von ihrem Exfreund aufgenommen zu werden – endlich wieder seine Nähe spüren, ihn uneingeschränkt und bedenkenlos lieben können. Doch die glücklichen Aussichten lassen sie so manchen unangenehmen Nebeneffekt der Verwandlung vergessen. Ist es am Ende vielleicht doch besser, wie ein Mensch fühlen zu können, auch wenn es uns manchmal in den Wahnsinn treibt?

Über den Autor

Alma Mathijsen wurde 1984 in Amsterdam geboren, studierte Kreatives Schreiben in New York und an der Kunstakademie Gerrit Rietveld Academie. Neben «Ich will kein Hund sein» wurden bereits drei Romane, eine Kurzgeschichtensammlung, mehrere Theaterstücke, Essays und Kolumnen von ihr veröffentlicht.

Andreas Ecke übersetzte unter anderem Bücher von Gerbrand Bakker, Mathijs Deen, Anne-Gine Goemans und Bert Wagendorp. 2010 erhielt er den Else-Otten-Übersetzerpreis, 2016 den Europäischen Übersetzerpreis.

Inhalt

Dein Blick ist anders, irgendetwas

Sieh mich. Das war alles,

Mir ist kotzübel, die Bettdecke

Gibt es nicht irgendeine Dienststelle,

Es ist alles in Ordnung,

Ich habe Instagram gelöscht

Von dem Geruch von Kichererbsen

Wir waren vielleicht ein Jahr

Darf ich wieder zurück?

was, wenn ich dich für

Im Bahnhof stand ich weinend

Darf ich jetzt sterben?

Dies ist ein Nekrolog auf Sex.

Ich sehe Netflix auf meinem

Weißt du, dass man alles,

Liebeskummer ist Niemandsland. Es gibt

Du warst müde, du brauchtest

ich will ein Codewort

Um vier Uhr nachts steht

Ich habe solche Angst

Vielleicht würde es helfen, dich

Eine schwarze Hose, ein schwarzer,

Der Strand von Callantsoog war leer.

Deine Freunde verfolgen meine Storys.

Dieses Herz ist kaputt, deshalb

Jede Nacht beim Nachhausekommen

Man kann Kummer begraben,

Menschen meiner Generation öffnen nicht,

Wenn wir auf der Straße

«Eigentlich dürfte ich gar nicht

Ich werde nie bellen,

Ich rieche Eier. Von Gerüchen

Ich will raus. Ich will wissen,

Warum bedeutet

Es liegt am Zug. Alles vibriert

Eine Frau in einer cremefarbenen

Erst viel später ist mir

Kräftige Haare wachsen

Einmal im Jahr haben wir

Hier gehe ich gern hin,

Meine Schnauze bildet sich heraus.

«Nehmen Sie bitte Platz.»

Es ist dunkel, die meisten

Seit ich hier bin, habe ich

Ich schlafe viel, seit Gerard

I know I did a stupid thing. So stupid! Getting braces.

I thought … I thought he would love me. Getting … braces! And for what? For something I don’t even …

I don’t know where to put things, you know? I really do have love to give! I just don’t know where to put it!

Quiz Kid Donnie Smith – Magnolia

Dein Blick ist anders, irgendetwas macht mir Angst. Du wickelst die Nudeln flott um die Gabel und schiebst mit dem Messer Ragout darauf. Du beeilst dich, alles aufzuessen, während sonst meistens ich deinen Teller leere. Lange habe ich mich dafür geschämt. Sollte ich nicht weniger essen? Nach einiger Zeit ließ diese Sorge mich los, ich bekam in gewissem Sinne alles. Die Liebe und das Essen.

«Ich weiß es nicht», sagst du.

Dein Teller ist leer, und du siehst mich an. Schon seit mehr als einem Jahr höre ich das nach jeder Frage, die ich dir stelle. Warum willst du jetzt nicht reden? Warum darf ich dich nicht berühren? Warum darf ich mich nicht mehr an dich kuscheln? Ich weiß genau, was du meinst, habe aber noch nicht den Mut, es zu hören. Diesmal werde ich nichts erwidern, denke ich. Diesmal werde ich sehr lange brauchen, um meine Nudeln aufzuessen. Ich hatte mir das früher schon vorgenommen, es aber nie geschafft, ich bin zu gierig, zu verfressen. Meine Kehle schnürt sich zusammen. Der kleinste Bissen ist zu groß, die Nudelmasse bleibt an meinem Gaumen kleben. Fühlt es sich so an, wenn man nicht gern isst? Du hast mal gesagt, du würdest lieber Tabletten schlucken, als all die täglichen Mahlzeiten zu dir nehmen zu müssen. Ich glaube, ich würde lieber sterben, als nicht essen zu dürfen.

«Ich weiß es wirklich nicht mehr», sagst du.

Ich hatte gedacht, du würdest niemals wagen, es ein zweites Mal zu sagen. Darf ich so tun, als hätte ich es nicht gehört? Damit wir weiterleben können? Damit ich morgen meinen Artikel für die Zeitung abschließen kann, während du die Decke noch etwas höher ziehst, um weiterzuschlafen? Ich weiß es ja auch nicht. Warum wir hier sind, welchen Sinn alles hat und ob das Universum endlich ist. Nur hast du das nicht gemeint. Du hast gemeint, dass du wirklich nicht weißt, wie du uns helfen sollst, wie wir zu reparieren sind. Das eine Wort stört mich: wirklich. Dass du es wirklich nicht mehr weißt. Als könntest du es nicht anders wissen als wirklich nicht.

«Ich auch nicht», lüge ich.

Ich kenne tausend Möglichkeiten, und ich habe sie dir schon so oft genannt.

Noch mehr Sommer in Italien, mehr Aperol Spritz, am nächsten Tag noch mehr Paracetamol, weniger anziehen, dafür mehr Feuer, und damit meine ich richtiges Feuer, das wir in der Nacht am Strand anzünden, auch wenn dann die Feuerwehr kommt und wir uns hinter den Felsen verstecken müssen. Noch mehr Portionen, die du nicht schaffst, weshalb ich deine Teller leer esse, damit du dich nicht vor dem Kellner zu schämen brauchst. Nicht weniger, sondern mehr auf dem Sofa sitzen, ineinander verflochten, noch einmal The Lobster sehen, in den Sofaritzen Popcorn finden, es essen und dann den ganzen Abend zwischen den Backenzähnen pulen. Sich gegenseitig noch mehr Songs vorspielen, auch den einen, für den ich mich schäme. Ich werde von dem Whisky mittrinken, der meine Kehle rauchig und gebraucht zurücklässt. Noch mehr «Flauf» und andere Namen für mich, die völlig sinnlos sind, aber aus deinem Mund jedes Mal wieder wie eine Liebeserklärung klingen. Mehr Finger in meinem Ohr und an anderen Stellen. Noch mehr Spiegel, in die wir schauen, wenn du mich in den Armen hältst oder wenn wir vögeln, lieber das, viel öfter das.

Oder doch reden, mit anderen, die wir nicht kennen, denen wir nie zuvor begegnet sind, die sich Therapeuten nennen und nicht auf das achten, was wir sagen, sondern auf das, was wir meinen. Und dann tagsüber bei strahlendem Sonnenschein ins Kino. Noch mehr am Handy des anderen, um anderer Leute Geschichten zu sehen, dein Instagram-Feed ist sowieso interessanter als meiner. Noch mehr durch den Regen fahren und nirgendwo ankommen. Noch einmal, während du reglos auf mir liegst, dein Gewicht spüren, und dann schließlich doch das eine.

Du zahlst. Ich weine, und du siehst mich an. Ich wage nicht, noch einmal aufzublicken, weil ich es nicht ertragen würde, wenn du immer noch nicht weinst. Während wir nach Hause gehen, beschleicht mich aber ein ganz anderes Gefühl. Plötzlich habe ich keine Lust mehr.

«Ist gut», sage ich, «dann machen wir Schluss.»

Als Kind habe ich mal eine ganze Rolle Kekse zu Krümeln zermalmt, weil ich keinen Keks essen durfte. Wenn ich keine Kekse haben darf, dann darf niemand welche haben. Der Drang zu zerstören bahnt sich einen Weg durch meine Speiseröhre und wird zu bitteren Worten. Langsam spreche ich sie aus, drehe sie im Mund herum, bevor sie deutlich artikuliert hinausdürfen. Sechs abgebackene Brötchen mit einem Klacks Sahne als Zugabe. Das ist Neuland.

«Ich weiß es auch nicht mehr», sage ich, und nicht ein Wort ist so gemeint.

«Nein», sagst du, aber du meinst Ja.

Vor uns bückt sich eine Frau mit einem blauen Plastikbeutel um die Finger. Ein ungeschorener Pudel tollt ungeduldig um sie herum. Ohne Ekel kratzt sie seine Exkremente von der Gehwegplatte. Du betrachtest das Tier mit zärtlichem Blick, als hättest du vergessen, was ich eben zu dir gesagt habe.

Wir sitzen nebeneinander auf dem Sofa, wie wir es nie zuvor getan haben. Du weinst mit zuckenden Schultern, jede Träne schießt durch deinen ganzen Körper und dann abrupt ins Freie. Einen winzigen Moment kann ich das genießen, ich denke daran, wie oft ich nackt vor dir gestanden habe und du so getan hast, als würdest du mich nicht sehen. Jetzt tue ich so, als würde ich dich nicht weinen sehen. Zwei Sekunden halte ich es durch, dann lasse ich mich an deine Schulter fallen.

«Soll ich jetzt weg?», fragst du.

Nicht weggehen, alles, nur nicht das.

«Wie du willst.»

Wieder muss ich es tun. Ich will es nicht. Ich will, dass du bleibst, ich will, dass du niemals weggehst, ich will, dass du mich ganz fest packst, dass du mich austrinkst.

«Vielleicht wäre das besser», sage ich und töte damit alles.

Ich treffe für dich die Entscheidung. Weil du es nicht über dich bringst, spreche ich die Worte aus, die du hättest aussprechen müssen. Jetzt bin ich es, die, vom Weinen geschüttelt, in deinen Armen liegt.

«Flauf», sagst du ein letztes Mal.

Du küsst mich, es schmeckt salzig von den Tränen. Nicht den Mantel anziehen, nicht die Hand auf die Klinke legen, nicht einen Fuß vor den anderen setzen.

Und dann ist alles anders. Ich lasse mich auf den Teppich fallen. Nie hätte ich gedacht, dass er meine Handflächen so stechen würde.

Sieh mich. Das war alles, wonach ich mich gesehnt habe: dass du mich sehen würdest. Ich zog ein kurzes blaues Satinkleid an, das ich nur abends zu tragen wage, tagsüber schreckt mich der Gedanke an Cellulite und mein Bäuchlein. Ich bräuchte mich nicht zu schämen, das weiß ich, aber je seltener du mich gesehen hast, desto unsicherer wurde ich. Langsam die Treppe hinunter, ich weiß noch, wie das Holz unter meinen Füßen klebte, vielleicht weil ich nervös war, vielleicht weil ich öfter hätte putzen müssen. Im Fernsehen lief wieder How It’s Made.

«Schau mal, Flauf.»

Mitten auf der Treppe blieb ich stehen, du hast weiter auf den Fernseher gestarrt. Ich wollte mir nicht ansehen, wie in einer Fabrik Trockenfutter für Hunde hergestellt wird. Tausende Brocken rollten über einen Rost, wobei die schlecht geformten hindurchfielen. Next stop: a hot air dryer for 25 minutes, it heats the pieces to 149 degrees Celsius to draw out the moisture, then cools them at room temperature. Schau mich an, dachte ich, schau dieses Blau an. Nicht das Trockenfutter, bitte nicht das.

«Jetzt wird Fett draufgespritzt, damit sie glänzen!»

Du hast den Kopf gedreht, hast mich auf der Treppe stehen sehen, ich wusste, dass du mich wahrgenommen, dass du alles registriert hast. Das glänzende Blau, das sich um meine Pobacken schmiegte, ich gab mir sogar noch Mühe, das Becken zur Seite zu kippen.

«Nun komm doch.»

Ich wollte mir die Enttäuschung nicht anmerken lassen, du hattest sie schon viel zu oft gekostet. Ich kroch neben dich aufs Sofa, zog mir eine Decke über, weil es zog, und sah mir mit dir zusammen an, wie die trockenen Röllchen geformt wurden.

Mir ist kotzübel, die Bettdecke ist klamm. Es ist stockdunkel, noch längst nicht Aufstehzeit. Ich drehe mich auf die andere Seite, dorthin, wo du immer geschlafen hast. Und da liegst du plötzlich. Ich weiß, dass ich träume. Du kannst da nicht liegen, bist aber da. Du sagst nichts, du liegst still auf dem Rücken wie ein Toter. Ich strecke die Hand nach deiner Brust aus. Nur ganz kurz, denke ich. Nur ganz kurz diesen Alb befühlen. Dein Brusthaar muss durch meine Finger gleiten, doch es leistet Widerstand, ich verheddere mich, bleibe mit den Fingernägeln hängen. Ich kann deine Augen nicht finden. Zwei schwarze Löcher, in die ich hineingesaugt werde. Ich hätte wissen müssen, dass ich dich nicht berühren durfte. Jedes Kind kennt die Geschichte von Pandora. Jetzt ist es zu spät. In diesem Raum werde ich mich von nun an bewegen.

Gibt es nicht irgendeine Dienststelle, an die ich mich wenden kann? Eine Anlaufstelle für Menschen mit gebrochenen Herzen? Und dann die Mitarbeiterin anschreien, dass sie mir zuhören soll. Sie ist geübt im Umgang mit schwierigen Klienten, denn alle ihre Klienten haben Liebeskummer.

«Bitte beruhigen Sie sich.»

Ich beuge mich weit über die Theke.

«Hören Sie mir jetzt einmal genau zu?»

«Ich bitte Sie …»

Ich will sie an ihren Locken über die Theke zerren. Ich lasse es und versuche, an etwas anderes zu denken. Wie immer fliegt mein Geist sofort zu dir. Du würdest mich jetzt in den Arm nehmen, du würdest mir übers Haar streichen, bis ich einschlafe.

«Es warten noch andere.»

Hinter mir steht eine Schlange, deren Ende ich nicht sehen kann. Ein Mann mit frisch rasiertem Kinn weint, er schüttelt monoton den Kopf und schluchzt beängstigend.

«Sehen Sie noch einmal nach, ich bettele sonst nie, nur jetzt, Sie haben doch so eine Spritze?»

Wenn ich durch die Stadt radle, überlege ich bei jeder Frau, ob sie es vielleicht ist. Ob du schon auf sie gekrochen bist, ihr ins Ohr geflüstert hast, dass keine andere dich je so geil gemacht hat, und sie zum Pfannkuchenessen eingeladen hast. Die junge Frau mit der Neunzigerjahre-Schneckenfrisur und dem weißen Burberry-Mantel. Vielleicht diese, die so angenehm duftet. Oder diese hier, die schneller radelt als ich. Oder vielleicht alle. Nein, nicht alle, eine Frau, die fünf Jahre jünger ist als du, sie kann viel besser zuhören als ich, und manchmal erzählst du ihr von mir, flüchtig. Du sagst, dass ich kompliziert war. Und dann sagt sie, dass es für dich sehr schwierig gewesen sein muss. Du nickst, während sie sich wieder auf dich setzt. In solchen Momenten wünschte ich, dass ich mein Gehirn auf Pause stellen könnte.