Ihr dunkles Geheimnis - Marietta Brem - E-Book

Ihr dunkles Geheimnis E-Book

Marietta Brem

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Beschreibung

Jenny Behnisch, die Leiterin der gleichnamigen Klinik, kann einfach nicht mehr. Sie weiß, dass nur einer berufen ist, die Klinik in Zukunft mit seinem umfassenden, exzellenten Wissen zu lenken: Dr. Daniel Norden! So kommt eine neue große Herausforderung auf den sympathischen, begnadeten Mediziner zu. Das Gute an dieser neuen Entwicklung: Dr. Nordens eigene, bestens etablierte Praxis kann ab sofort Sohn Dr. Danny Norden in Eigenregie weiterführen. Die Familie Norden startet in eine neue Epoche! Ihr war unerträglich heiß. Sie hatte das Gefühl, mitten in einem lodernden Feuer zu stehen, das sie gnadenlos verbrennen wollte. Sie versuchte zu schreien, doch aus ihrem Mund kam nur ein heiseres Krächzen. Dann erblickte sie die Hand, die sich ihr helfend entgegenstreckte. Sie wollte sie ergreifen, doch sie wusste, zu welchen gemeinen Handlungen diese Hand fähig war. Sie wich zurück. Mit einem Aufschrei richtete sich Manuela Deininger auf. Zuerst wusste sie nicht, wo sie war, doch nach und nach erkannte sie die Umrisse ihres Zimmers, das in die nächtliche Dunkelheit getaucht war. Sie war so aufgeregt, dass sie das heftige Pochen ihres Herzens in ihren Schläfen spüren konnte. Ein leises Klopfen an der Zimmertüre ließ sie zusammenfahren, doch sie beruhigte sich gleich wieder. »Es ist alles in Ordnung, Väterchen«, sagte sie und hoffte, dass er wieder gehen würde. »Darf ich reinkommen?« »Natürlich darfst du.« Manuela seufzte. Sie war dankbar dafür, dass ihr Vater sich so sehr um ihr Wohlbefinden sorgte, doch manchmal wurde ihr das einfach zu viel. »Hast du wieder geträumt?« Mit ernstem Gesicht trat der Mann an ihr Bett. Er war mit seinen siebenundfünfzig Lebensjahren noch immer eine imposante Erscheinung, weißes volles Haar und einem kurzen weißen Bart, was beides ausgezeichnet zu einem Förster passte, der er ja auch war. Seit dem Tod seiner geliebten Frau vor zehn Jahren hatte er sich sehr um das Glück seiner einzigen Tochter Manuela gekümmert.

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Seitenzahl: 107

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Chefarzt Dr. Norden – 1270 –Ihr dunkles Geheimnis

Unveröffentlichter Roman

Marietta Brem

Ihr war unerträglich heiß. Sie hatte das Gefühl, mitten in einem lodernden Feuer zu stehen, das sie gnadenlos verbrennen wollte. Sie versuchte zu schreien, doch aus ihrem Mund kam nur ein heiseres Krächzen. Dann erblickte sie die Hand, die sich ihr helfend entgegenstreckte. Sie wollte sie ergreifen, doch sie wusste, zu welchen gemeinen Handlungen diese Hand fähig war. Sie wich zurück. Hinter ihr tat sich ein Abgrund auf, und dann stürzte sie ins Bodenlose …

Mit einem Aufschrei richtete sich Manuela Deininger auf. Zuerst wusste sie nicht, wo sie war, doch nach und nach erkannte sie die Umrisse ihres Zimmers, das in die nächtliche Dunkelheit getaucht war. Sie war so aufgeregt, dass sie das heftige Pochen ihres Herzens in ihren Schläfen spüren konnte.

Ein leises Klopfen an der Zimmertüre ließ sie zusammenfahren, doch sie beruhigte sich gleich wieder. »Es ist alles in Ordnung, Väterchen«, sagte sie und hoffte, dass er wieder gehen würde.

»Darf ich reinkommen?«

»Natürlich darfst du.« Manuela seufzte. Sie war dankbar dafür, dass ihr Vater sich so sehr um ihr Wohlbefinden sorgte, doch manchmal wurde ihr das einfach zu viel.

»Hast du wieder geträumt?« Mit ernstem Gesicht trat der Mann an ihr Bett. Er war mit seinen siebenundfünfzig Lebensjahren noch immer eine imposante Erscheinung, weißes volles Haar und einem kurzen weißen Bart, was beides ausgezeichnet zu einem Förster passte, der er ja auch war. Seit dem Tod seiner geliebten Frau vor zehn Jahren hatte er sich sehr um das Glück seiner einzigen Tochter Manuela gekümmert.

Manuela saß im Bett und blickte ihren Vater unglücklich an. »Es tut mir leid, wenn ich dich geweckt habe. Das wollte ich nicht.«

»War da wieder das Feuer?«

Die junge Frau nickte. »Erst das Feuer, dann die Hand, vor der ich mich unendlich fürchte, und gleich danach der Sturz in die Tiefe. Wann hört das endlich auf?« Sie war den Tränen nahe. »Ich hab niemandem etwas getan, gehe kaum aus dem Haus und bin froh, wenn ich in aller Ruhe malen darf. Warum kommen diese Träume immer wieder? Es ist doch schon über acht Jahre her.«

Gerald Deininger zuckte die Schultern. »Ich weiß es nicht«, antwortete er bedrückt. »Vielleicht hast du dieses furchtbare Ereignis nur verdrängt aber nicht verarbeitet. Eventuell sollten wir in die Stadt ziehen, damit du mehr unter die Leute kommst.«

»Das hilft mir bestimmt nicht«, widersprach Manuela sofort. »Ich will mit niemandem etwas zu tun haben. Außerdem kannst du nicht einfach hier weg, du bist der Förster. Und ich liebe den Wald, könnte nie in einer Stadt leben. Hier fühle ich mich zu Hause.«

Seufzend nahm Gerald die kühle Hand seiner Tochter. »Ach Manuela …«, seufzte er bedrückt. »Wenn nur deine Mutter noch bei uns wäre, sie würde bestimmt einen Weg finden. Ich … fühle mich so hilflos. Nach allem, was passiert ist, solltest du über professionelle Hilfe nachdenken, die ich dir nicht geben kann.« Er bemühte sich, sich seine großen Sorgen nicht anmerken zu lassen.

Manuela schüttelte den Kopf und strich sich das dunkle Haar zurück, das in sanften Wellen bis weit über ihre Schultern fiel. »Ach Väterchen, das ist doch schon so lange her. Ich denk gar nicht mehr dran. Es ist, als wäre es in einem anderen Leben passiert, nicht in meinem, oder ich hätte es im Fernsehen gesehen. Es hat mit mir nichts mehr zu tun.«

»Dass du dich da mal nicht irrst, Liebes«, sagte der Förster leise. »Ich verstehe ja, dass du dich im Wald wohler fühlst als in der Stadt. Mir geht es ebenso. Ich weiß nur nicht, wie ich dir helfen könnte. Dabei würde ich es so gern.«

»Das tust du jeden Tag, Paps«, gab sich Manuela fröhlicher, als es ihr zumute war. »Ich liebe mein Leben, und ich genieße es, Kinderbücher zu illustrieren und mir damit meinen Lebensunterhalt selbst finanzieren zu können. Ich wüsste nicht, wie ich es aushalten könnte, jeden Tag in ein Büro zu gehen und dort mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten.«

»Ist ja in Ordnung, Kindchen«, wiegelte Gerald ab. »Im Augenblick mag das alles ja auch noch funktionieren. Doch bitte bedenke, dass du nicht bis in alle Ewigkeit auf diese Weise leben und arbeiten kannst. Irgendwann musst du raus aus deinem Kokon. Willst du denn nicht einen netten Mann kennenlernen und eine eigene Familie gründen?«

»Darüber habe ich noch nicht nachgedacht, und ich werde es ganz gewiss nicht um drei Uhr nachts tun.« Sie lächelte ihren Vater liebevoll an. »Wir sollten beide versuchen, noch ein wenig zu schlafen. Es tut mir leid, dass ich dich geweckt habe«, wiederholte sie unsicher. »Es ist schon einige Zeit nicht mehr passiert, dass ich vor Entsetzen aufgewacht bin. Ich weiß nicht, was jetzt wieder der Auslöser war.«

»Dein Unterbewusstsein lebt vermutlich noch immer in dieser schlimmen Erinnerung. Bitte mach dir meinetwegen keine Gedanken, ich bekomme genügend Schlaf. Ich bin ja froh, wenn ich bei dir sein kann.« Er wartete, bis Manuela sich zurückgelegt hatte, dann deckte er sie fürsorglich zu und streichelte ihr übers Haar. »Du bist noch so jung …«, murmelte er, dann verließ er mit gesenktem Kopf das Zimmer seiner Tochter.

Traurig starrte Manuela an die Zimmerdecke. An Schlaf konnte sie im Moment nicht denken, dafür raste ihr Herz zu sehr. Sie wusste, weshalb diese entsetzlichen Träume nicht weichen wollten. Doch ihrem Vater konnte sie das nicht sagen. Er ahnte es zwar, doch er hatte keine Möglichkeit, ihr zu helfen. Ihr Stolz stand ihr im Wege. Eine Schwäche zugeben, das konnte sie nicht.

*

Es schien, als wollte der Regen gar nicht mehr aufhören. Die Scheibenwischer quietschten in gleichmäßigem Trott vor sich hin, doch sie schafften es kaum, die Sicht einigermaßen freizuhalten. Langsam wurde es dunkel, und sein Ziel kam noch immer nicht in Sicht. Vier Kilometer noch, tröstete ihn sein NAVI, doch so wie es hier aussah, hielt er das für einen unpassenden Scherz. Wo sollte in dieser Einsamkeit ein Haus stehen, das zudem eine Wohnung zum Vermieten frei hatte.

Dr. Steffen Bürger, zukünftiger Assistenzarzt in der Behnisch-Klinik, seufzte tief auf. Worauf hatte er sich da nur eingelassen? So ein Quatsch, eine Wohnung mitten im Wald zu mieten, nur weil sie günstig war. Doch eine Unterkunft in München, womöglich in der Nähe der Klinik, war nicht nur einfach zu teuer, sondern für einen Arzt mit Assistentengehalt nicht möglich. Außerdem gab es fast keine Wohnungen zu mieten in dieser Gegend.

Fast schon bereute er, seine Stelle in Frankfurt aufgegeben zu haben. Da waren die Mieten zwar auch unerschwinglich, doch Tante Marga hatte für das Zimmer mit Verköstigung nicht viel berechnet. Im Gegenteil, sie war froh gewesen, den Neffen ein wenig bemuttern und verwöhnen zu dürfen.

Nur der Umstand, dass er in regelmäßigen Abständen Carla begegnen musste, hatte ihn sein ganzes Leben neu überdenken lassen. Doch zuerst wollte er nur weg, einfach weg. Carla hatte ihm das Leben ziemlich sauer gemacht, denn sie hatten sich zunächst ineinander verliebt. Es war eine spielerische, fröhliche Liebe, anfangs.

Doch die Realität holte ihn schneller ein als gedacht. Clara war die Tochter seines Chefarztes und wild entschlossen, ihn zu heiraten. Dabei war sie ziemlich hartnäckig gewesen, um ihr Ziel zu erreichen. Auch seine zuerst schwachen Einwände, dass er sich noch nicht binden wollte, später seine massive Ablehnung, hatten sie nicht daran gehindert, ihn weiterhin als ihren zukünftigen Ehemann zu sehen.

Das Schlimme jedoch war, dass er ihr nicht einmal aus dem Weg gehen konnte, denn sie war, wie er selbst, Assistenzärztin in der Klinik ihres Vaters. Sie war es gewöhnt, alles zu bekommen, was sie sich in den Kopf setzte, doch eine Heirat kam für Steffen zu diesem Zeitpunkt nicht infrage.

So war ihm nichts anderes geblieben als das Feld zu räumen in der Hoffnung, ihr zu entkommen. Das tat er mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn eigentlich mochte er Carla gern. Sie hatte ihn oft aus seiner selbst gewählten Einsamkeit geholt und ins Leben zurückgebracht. Nur für eine gemeinsame Zukunft unter einem Dach reichten diese Gefühle nicht aus. Er hatte es ihr immer wieder gesagt, doch sie hatte ihm nicht glauben wollen und ihn weiterhin ihren Freundinnen als Verlobten präsentiert.

»Mist«, fluchte Steffen und trat auf die Bremse. Da war die Abfahrt gewesen. Doch er war so gefangen in seinen Gedanken, dass er sie einfach übersehen hatte. Eigentlich hatte er gehofft, mit dem Wechsel seines Arbeitsplatzes die Vergangenheit einfach abstreifen zu können. Leider hatte es bis jetzt noch nicht geklappt.

Ärgerlich warf der Arzt einen hastigen Blick auf die Uhr am Armaturenbrett. Über eine halbe Stunde hatte er den versprochenen Ankunftstermin bereits überschritten. Hoffentlich warteten die Leute nicht auf ihn mit dem angekündigten Abendessen. Er schaltete das Radio ein in der Hoffnung, irgendwo Nachrichten und damit einen Wetterbericht zu erwischen. Doch keiner der Sender tat ihm den Gefallen. Entweder es erklang Musik aus seinen vier Lautsprechern, oder aber es kamen Ansagen, die ihn entweder nicht interessierten oder in einer fremden Sprache abgefasst waren.

Langsam fuhr Steffen vorsichtig ein ganzes Stück die Straße rückwärts, bis er den Abzweig erreicht hatte. Er bog in die schmale Straße ein, die eher einem breiten Waldweg glich. Im Schritttempo fuhr Dr. Bürger weiter. Rechts und links der schmalen Straße erhob sich ein dunkler Wald, der nur hin und wieder von einer Straßenlaterne spärlich beleuchtet wurde.

Endlich erfassten Scheinwerfer einen Wegzeiger, auf dem er nach längerem Hinsehen den Namen Forsthaus Steinenberg entziffern konnte. Genau da wollte er hin. Er spürte, wie sein Herz heftig zu klopfen begann. Noch nie hatte er in einem Forsthaus gewohnt, doch diese Wohnung unter dem Dach erschien ihm jetzt wie der letzte Rettungsanker vor dem Untergang. Hier würde Carla ihn niemals finden, sagte er sich zufrieden. Etwa eine Dreiviertelstunde brauchte er bis zur Behnisch-Klinik, was er gern für den Mietpreis in Kauf nahm.

Erleichtert atmete der Arzt auf. Jetzt hatte es fast geschafft. Nach hundert Metern kam noch einmal ein Abzweig, und von da aus konnte er bereits das beeindruckend große Forsthaus schemenhaft erkennen. Die Vorderfront war mit einigen ziemlich hellen Lampen bestückt, als würden sie ihm den Weg weisen wollen.

»Na also, hat es doch noch geklappt. Und ich dachte schon, ich müsste im Wald verhungern«, murmelte Steffen vor sich hin und seufzte zufrieden auf. Auf diese Weise versuchte er, dass mulmiges Gefühl in seinem Inneren abzustellen.

Er war noch nie ein Freund großer Veränderungen gewesen, und das, was ihn hier erwartete, war im Grunde genommen ein ganz neues Leben, dass er allein in neuer Umgebung begann. Wenn er daran dachte, dass er die nächsten Monate oder vielleicht Jahre in der Abgeschiedenheit eines Waldhauses bei einem Förster leben sollte, kam ihm das vor wie ein etwas zweifelhaftes Abenteuer. Es fühlte sich spannend und dennoch ein wenig gruselig an, für längere Zeit mitten im Wald leben zu müssen. Der einzige Lichtblick für ihn war, dass er jederzeit zu Tante Marga zurück konnte.

Vor allem ihm als geborenen Stadtmenschen war die Vorstellung, weit ab von jeglichen menschlichen Behausungen wie Restaurants oder Supermärkte zu sein, die eine Stadt normalerweise zu bieten hatte, ein wenig beängstigend. Dabei ging er gewöhnlich gerade diesen Unternehmungen stets erfolgreich aus dem Weg, weil Tante Marga das sowieso mit ihrem kleinen Auto erledigte. Lediglich gelegentliche Restaurantbesuche absolvierte er pflichtschuldig, weil Carla das von ihm erwartete.

Jetzt glaubte er fest daran, dass ihm die Ruhe in der Abgeschiedenheit des Waldes sicher gut tun würde. Doch er konnte sich nicht vorstellen, wie die Dachwohnung aussah, die der Chefarzt der Behnisch-Klinik ihm ausgesucht hatte. Er würde sich wohl oder übel überraschen lassen müssen.

»Ich vermute mal, dass es eine richtige Puppenstube sein wird«, murmelte er vor sich hin, und er spürte, dass der Klang seiner Stimme in beruhigte. »Hoffentlich ist wenigstens das Bett lang genug.« Er grinste, als er daran dachte, wie ihm bis jetzt jeder Urlaub verleidet wurde, weil die Betten stets zu kurz geraten waren. Die Natur hatte ihn mit einer imposanten Körpergröße ausgestattet, was nicht immer von Vorteil war.

Steffen parkte sein Auto im Hof, nicht weit vom Eingang entfernt. Nun konnte er das herrliche Haus in seiner vollen Schönheit betrachten. Eigentlich sah es gar nicht aus wie ein Forsthaus. Es war zwar aus Holz, jedoch nicht klein und nicht unscheinbar.

Zögernd stieg er aus. Vom Rücksitz nahm er seine Reisetasche und ließ wohlweislich alle weiteren Taschen und Koffer im Auto. Noch war er sich nicht sicher, dass er bleiben würde.

Die Haustüre quietschte leise, als er sie öffnete. Schon das verwunderte ihn, dass sie nicht abgeschlossen war. So etwas konnte man in der Stadt ganz bestimmt nicht erleben. Da wurde stets alles abgeschlossen und oft noch mit Riegeln und Sicherheitsschlössern versehen.