Ihr großer Schwarm - Marie Francoise - E-Book

Ihr großer Schwarm E-Book

Marie Francoise

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Beschreibung

Dr. Daniel ist eine echte Erfolgsserie. Sie vereint medizinisch hochaktuelle Fälle und menschliche Schicksale, die uns zutiefst bewegen – und einen Arzt, den man sich in seiner Güte und Herzlichkeit zum Freund wünscht. Als Katja Linke die Fotos anschaute, die sie beim letzten Schulfest gemacht hatte, hätte sie vor Freude am liebsten einen Luftsprung gemacht, beherrschte sich aber, weil der Mann vom Fotogeschäft sie sonst zweifellos für verrückt erklärt hätte. Mit bebenden Händen kramte Katja ihre Geldbörse hervor, bezahlte und eilte dann aus dem Laden. Kaum draußen, ließ sie ihren Gefühlen freien Lauf und jauchzte ungeniert auf. »Geschafft! Geschafft!« jubelte sie, holte noch einmal die Fotos hervor und suchte das eine, das sie schon so lange ersehnt hatte. Es würde ihr einen Grund geben, mit Manuel zu sprechen. Manuel. Allein der Gedanke an ihn zauberte ein zärtliches Lächeln auf Katjas hübsches Mädchengesicht. Ihre Blicke versanken förmlich in dem Foto, das sie in der Hand hielt. Manuel Siebert. Neunzehn Jahre alt, Sänger und Gitarrist der Schulband, groß, schlank, dunkelhaarig, mit kobaltblauen Augen – kurz gesagt: Der Mann, von dem Katja träumte… und mit ihr die Hälfte des ganzen Gymnasiums – die weibliche Hälfte natürlich. Wenn Manuel auf der Bildfläche erschien, zerschmolzen reihenweise Mädchenherzen, und obgleich sich Katja jeden Tag mindestens zehnmal sagte, daß sie nicht die geringste Chance hatte, von ihm überhaupt bemerkt zu werden, konnte sie einfach nicht aufhören, für ihn zu schwärmen. Und nun hielt sie sein Foto in der Hand. Ein Bild, das ihn in voller Action zeigte – ein Knie gebeugt, das andere berührte fast den Boden, die Gitarre so erhoben, daß sie eine Parallele zu seinem Körper bot, das Gesicht – wunderschön in seiner Konzentriertheit – der Kamera zugewandt, obwohl er sicher nicht bewußt

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Seitenzahl: 111

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Dr. Daniel – 113 –Ihr großer Schwarm

Marie Francoise

Als Katja Linke die Fotos anschaute, die sie beim letzten Schulfest gemacht hatte, hätte sie vor Freude am liebsten einen Luftsprung gemacht, beherrschte sich aber, weil der Mann vom Fotogeschäft sie sonst zweifellos für verrückt erklärt hätte.

Mit bebenden Händen kramte Katja ihre Geldbörse hervor, bezahlte und eilte dann aus dem Laden. Kaum draußen, ließ sie ihren Gefühlen freien Lauf und jauchzte ungeniert auf.

»Geschafft! Geschafft!« jubelte sie, holte noch einmal die Fotos hervor und suchte das eine, das sie schon so lange ersehnt hatte. Es würde ihr einen Grund geben, mit Manuel zu sprechen.

Manuel. Allein der Gedanke an ihn zauberte ein zärtliches Lächeln auf Katjas hübsches Mädchengesicht. Ihre Blicke versanken förmlich in dem Foto, das sie in der Hand hielt. Manuel Siebert. Neunzehn Jahre alt, Sänger und Gitarrist der Schulband, groß, schlank, dunkelhaarig, mit kobaltblauen Augen – kurz gesagt: Der Mann, von dem Katja träumte… und mit ihr die Hälfte des ganzen Gymnasiums – die weibliche Hälfte natürlich.

Wenn Manuel auf der Bildfläche erschien, zerschmolzen reihenweise Mädchenherzen, und obgleich sich Katja jeden Tag mindestens zehnmal sagte, daß sie nicht die geringste Chance hatte, von ihm überhaupt bemerkt zu werden, konnte sie einfach nicht aufhören, für ihn zu schwärmen.

Und nun hielt sie sein Foto in der Hand. Ein Bild, das ihn in voller Action zeigte – ein Knie gebeugt, das andere berührte fast den Boden, die Gitarre so erhoben, daß sie eine Parallele zu seinem Körper bot, das Gesicht – wunderschön in seiner Konzentriertheit – der Kamera zugewandt, obwohl er sicher nicht bewußt aufgenommen hatte, daß er fotografiert worden war. Es war das Bild eines Profi-Fotografen, und Katja fragte sich ernsthaft, wie es ihr geglückt war, nicht nur Manuel, sondern auch noch so viel Ausstrahlung mit ihrer primitiven Kamera einzufangen.

So vorsichtig, als wäre es ein wertvoller Schatz, steckte Katja die Fotos in ihre Tasche, dann ging sie beschwingt nach Hause. Morgen früh würde sie Manuel das Foto zeigen. Sie war sicher, daß er einen Abzug davon haben wollte und vielleicht… vielleicht würde er sie dann endlich zur Kenntnis nehmen.

Katja seufzte leise. Sie sah einfach viel zu jung aus für ihr Alter. Jeder, der sie sah, hätte sie auf maximal vierzehn, aber nicht auf sechzehn geschätzt. Eigentlich klar, daß Manuel sie überhaupt nicht beachtete. Er war neunzehn. In seinen Augen war sie vermutlich nicht mehr als ein Kind.

Gedankenverloren überquerte Katja die Straße und gewahrte das herannahende Auto erst, als die Reifen unter der Vollbremsung des Fahrers quietschend blockierten. Im nächsten Moment fühlte sie einen Schlag an ihrem linken Bein und stürzte auf die Straße.

»Um Himmels willen, Mädel, du kannst doch nicht einfach auf die Straße laufen!« stieß der Fahrer, der jetzt aus seinem Auto sprang, erschrocken hervor, dann kniete er neben Katja nieder. »Hast du dich verletzt?«

Mühsam rappelte sie sich auf und schüttelte den Kopf. »Nein, es… es ist nichts. Ich…« Sie knickte mit einem Schmerzenslaut ein.

»Natürlich hat sie sich verletzt.«

Katja blickte auf und direkt in das Gesicht von Karina Parker. Aber auch die junge Frau erkannte sie nun und griff stützend an ihren Arm.

»Komm, Katja, wir bringen dich zu meinem Bruder«, meinte sie, aber das junge Mädchen schüttelte erneut den Kopf.

»Nicht nötig, Karina, es ist wirklich nichts passiert«, beteuerte sie.

»Ich denke nicht, daß wir das hier auf der Straße mit dir ausdiskutieren«, mischte sich nun Karinas Mann Jeff ein, der am Steuer gesessen hatte. »Stefans Praxis ist nur ein paar hundert Meter von hier entfernt, und wir bestehen darauf, daß du dich dort untersuchen läßt.«

Ohne Katjas Erwiderung abzuwarten, hob er sie hoch und setzte sie kurzerhand ins Auto.

»Wenn mein Vater etwas davon erfährt, wird er stocksauer sein«, befürchtete Katja niedergeschlagen. »Bitte…« Sie erkannte an Jeffs Gesicht, daß er nicht nachgeben würde und wandte sich daher Karina zu. »Du kennst Papa. Ich habe nicht aufgepaßt, und wenn er das spitzkriegt…«

»Wird er nicht«, beruhigte Karina sie. »Jeff und ich werden ihm sicher nichts erzählen, und mein Bruder unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht. Im übrigen ist jetzt früher Nachmittag. Bis dein Vater heimkommt, bist du längst zu Hause und nichts wird an deinen kleinen Unfall erinnern.«

Vorausgesetzt, es handelt sich wirklich um einen kleinen Unfall, dachte Jeff, sprach es aber nicht aus, um Karinas Bemühungen, mit denen sie Katja zu beruhigen versuchte, nicht zunichte zu machen. Er verstand die Angst des Mädchens nicht so ganz, wußte aber aus Erfahrung, daß selbst harmloseste Unfälle zu schwerwiegenden Verletzungen führen konnten.

*

In der gynäkologisch-allgemeinmedizinischen Gemeinschaftspraxis von Dr. Robert Daniel und seinem Sohn Stefan war es ausnahmsweise einmal ungewöhnlich ruhig. Für Dr. Daniel ergab sich dadurch die Möglichkeit, all das aufzuarbeiten, was während der vergangenen Wochen wegen permanenten Zeitmangels liegengeblieben war.

Gerade stand er im Vorzimmer und ging mit seiner jungen Empfangsdame Gabi Meindl die Karteikarten des vergangenen Quartals durch, als es klingelte. Gabi drückte unverzüglich auf den Summer, der draußen die schwere, eichene Eingangstür öffnete. Gleich darauf traten Jeff und Karina ein, zwischen sich die humpelnde Katja.

Erschrocken ging Dr. Daniel ihnen entgegen. Er hatte Katja einst auf die Welt geholt und seit ihrer ersten Regelblutung vor wenigen Jahren gehörte sie auch zu seinem Patientenkreis.

»Katja, um Himmels willen, was ist denn passiert?« wollte er wissen.

»Sie ist uns ins Auto gelaufen«, antwortete Karina für sie.

Schluchzend legte Katja die Hände vors Gesicht. »Papa darf nichts erfahren.«

»Keine Angst, mein Kind«, beruhigte nun auch Dr. Daniel das völlig aufgelöste junge Mädchen. »Über alles, was hier in der Praxis verarztet werden kann, müssen wir kein Wort verlieren.« Er lächelte Katja an und versuchte einen kleinen Scherz. »Ich als Gynäkologe werde da allerdings nicht weiterhelfen können.«

Katja schniefte nur. Sie brachte nicht einmal ein ansatzweises Lächeln zustande.

»Soweit ich weiß, sitzt Stefan im Moment auch nur über seiner Post«, fuhr Dr. Daniel fort. »Geht einfach hinein.«

Während Karina das junge Mädchen zum Sprechzimmer ihres Bruders begleitete, folgte Jeff seinem Schwiegervater in dessen Teil der Praxis.

»Sag mal, Robert, woher kommt diese schreckliche Angst vor ihrem Vater?« wollte er dabei wissen.

Seufzend winkte Dr. Daniel ab. »Hubert Linke herrscht über seine Familie wie ein Diktator. Ich habe selbst einmal mitbekommen, wie er einen von Katjas Brüdern wegen einer Nichtigkeit gnadenlos geohrfeigt hat.« Er schwieg kurz. »Ich kenne dich als vorsichtigen Fahrer, Jeff, also nehme ich an, daß Katja den Unfall selbst verschuldet hat.«

Sein Schwiegersohn nickte. »Sie ist einfach über die Straße gelaufen. Ich habe zwar sofort gebremst, aber ein bißchen muß ich sie wohl erwischt haben.«

»Das wäre für ihren Vater Grund genug, sie hart zu bestrafen. Ein paar Ohrfeigen wären vermutlich der Auftakt, denen ein strenger Hausarrest folgen würde, und ihre Mutter würde vermutlich keinen Finger rühren, um ihr zu helfen. Sie hat zu ihren Kindern kein besonders inniges Verhältnis.«

»Wenn ich so was schon höre«, knurrte Jeff und donnerte in einer wütenden Aufwallung die rechte Faust gegen die Wand. »Warum haben solche Menschen Kinder und andere, die…« Er bremste sich, aber Dr. Daniel wußte genau, was er hatte sagen wollen.

Spontan legte er seinem Schwiegersohn eine Hand auf die Schulter. »Ich weiß schon, Jeff, es tut weh, wenn man selbst Kinder möchte und sie voller Liebe aufziehen würde und gleichzeitig so etwas hören muß.« Prüfend sah Dr. Daniel ihn an. »Seid ihr wieder an einem Tiefpunkt?«

Jeff schüttelte den Kopf. »Nein.« Er seufzte leise. »Irgendwie müssen wir uns wohl einfach damit abfinden, daß wir nie eigene Kinder haben können. Manchmal ist das leichter und dann tut es eben wieder mal schrecklich weh. Karina steht jetzt kurz vor dem Abschluß ihrer Assistenzzeit, und ich verdiene als Chef der Anästhesie in der Thiersch-Klinik genügend, um eine Familie ernähren zu können.«

Dr. Daniel zögerte einen Moment. Ihm lag eine Frage auf den Lippen, aber er war nicht ganz sicher, ob er damit nicht zu weit in das Privatleben seiner Tochter und seines Schwiegersohnes vordringen würde. Andererseits verband ihn mit Karina ein äußerst inniges Verhältnis und Jeff war wie ein Sohn für ihn.

»Habt ihr eigentlich nie mehr über eine Adoption nachgedacht?« fragte er schließlich nach kurzem Ringen mit sich selbst. »Immerhin wart ihr schon einmal kurz davor, ein Baby zu euch zu nehmen.«

Jeff nickte. »Wir sind gerade mittendrin, aber…« Er seufzte. »Ich weiß nicht so recht.«

Forschend sah Dr. Daniel ihn an. »Heißt das, Karina würde gern ein Baby adoptieren, aber du hast Zweifel?«

»Zweifel«, wiederholte Jeff gedehnt. »Nein, Zweifel sind es nicht. Es ist nur…« Ratlos zuckte er die Schultern. »Ich weiß es nicht.«

Dr. Daniel lehnte sich mit dem Rücken gegen seinen Schreibtisch und betrachtete seinen Schwiegersohn dabei eingehend. Er erinnerte sich noch sehr gut an die Zeit, wo er ähnliche Gespräche geführt hatte – mit seinem besten Freund.

»Das, was du und Karina jetzt durchmacht, habe ich schon einmal sozusagen hautnah miterlebt«, erzählte er. »Dr. Sommer und seine Frau Margit hatten ein ähnliches Problem wie ihr.«

Jeff nickte. »Karina hat mir davon erzählt. Im übrigen kenne ich Schorsch und Margit mittlerweile auch recht gut.«

»Aber die Höhen und vor allem auch die Tiefen ihrer Ehe habe nur ich miterlebt«, erwiderte Dr. Daniel. »Es gab sogar eine Zeit, wo Margit mit dem Gedanken an eine Scheidung gespielt hat, weil klar erwiesen war, daß sie unfruchtbar ist. Sie wußte, wie sehr Schorsch sich Kinder wünschte und dachte, durch eine Scheidung würde sie ihm die Möglichkeit geben, eine andere Frau zu heiraten, mit der er Kinder haben könnte.«

»Das ist wahre Liebe«, urteilte Jeff leise.

Mit nachdenklich gerunzelter Stirn sah Dr. Daniel ihn an. »Willst du damit sagen, daß du dich von Karina scheiden lassen würdest, wenn sie dir einen solchen Vorschlag machen würde?«

»Bist du verrückt?« entfuhr es Jeff. »Ich habe Karina schließlich nicht geheiratet, um von ihr ein Kind zu bekommen, sondern weil ich sie liebe.« Seufzend ließ er sich in einen der beiden Sessel fallen, die vor Dr. Daniels Schreibtisch standen. »Es tut mir nur so schrecklich weh, sie leiden zu sehen und… ja, ich gebe zu, ich selbst leide auch. Versteh mich nicht falsch, Robert, Karina und ich sind glücklich, aber ein Baby würde dieses Glück eben vollkommen machen.«

*

Währenddessen saß Katja völlig aufgelöst im Sprechzimmer von Dr. Stefan Daniel, der in diesem Teil der Praxis als Allgemeinmediziner arbeitete.

»Es ist wirklich nichts passiert«, beteuerte sie nun auch ihm gegenüber, als Karina den Raum verlassen hatte. »Ich bin nur gestolpert, ehrlich.«

Stefan kannte die Familienverhältnisse, aus denen Katja stammte, natürlich auch, und so trat er nun an die Untersuchungsliege, auf der das junge Mädchen saß. Mit beiden Händen stützte er sich links und rechts neben Katjas Körper an der Liege ab.

»Hör zu, Katja, niemand hier wird deinem Vater erzählen, was passiert ist«, versprach er.

Das junge Mädchen legte beide Hände vor das Gesicht und begann haltlos zu schluchzen. »Wenn Papa erfährt, daß ich… daß ich ohne zu schauen über die Straße gegangen bin…«

Stefan seufzte. »Warum warst du denn überhaupt so gedankenlos?«

Vage zuckte Katja die Schultern. Sie wollte nicht erzählen, daß sie an Manuel gedacht hatte, denn auch von ihrer Verliebtheit dürfte ihr Vater nichts erfahren… ihre Mutter auch nicht. Sie war erst sechzehn… noch nicht volljährig…

Die Drohung ihrer Eltern klang in ihren Ohren: »Wehe dir, wenn du dich mit einem Jungen herumtreibst…«

»Ich… ich habe an… an die Schule gedacht«, behauptete Katja nun mit gesenktem Kopf. Sie hätte es nicht über sich gebracht, dem jungen Arzt bei dieser Lüge auch noch ins Gesicht zu sehen.

Stefan nickte nur. Dabei war ihm nicht anzumerken, ob er Katja glaubte oder nicht.

»Also, dafür, daß dir angeblich nichts passiert sein soll, hast du ganz schön gehinkt, als Karina dich hereinbegleitet hat«, stellte er fest. Er betrachtete Katjas Bein. »Der Bluterguß sieht jedenfalls böse aus.«

»Es tut fast schon nicht mehr weh«, behauptete Katja, aber auch das glaubte Stefan ihr nicht.

»Gebrochen scheint nichts zu sein, aber sicherheitshalber werde ich eine Röntgenaufnahme machen«, meinte er und half Katja, von der Liege herunterzusteigen.

Sie biß die Zähne zusammen und versuchte nicht zu hinken, als Stefan sie in den Nebenraum brachte, wo er sich einen kleinen Röntgenraum eingerichtet hatte.

»Vor mir mußt du nicht schauspielern«, erklärte Stefan kopfschüttelnd. »Ich weiß, wie schmerzhaft eine Prellung sein kann.« Er richtete den Röntgenapparat aus, dann trat er hinter die eigens aufgestellte Wand und machte eine Aufnahme. »So, das war’s schon.« Er nahm Katja den Bleiumhang ab, der ihren übrigen Körper vor den Röntgenstrahlen geschützt hatte und half ihr wiederum beim Aufstehen. »Die Aufnahme habe ich in zehn Minuten.«

Es dauerte tatsächlich nicht sehr viel länger, bis Stefan die Röntgenaufnahme an den hell erleuchteten Bildschirm hängte.

»Der Knochen ist glücklicherweise heil geblieben«, stellte er fest, bevor er Katja anschaute. »Du hast Glück gehabt. Diese Geschichte hätte ganz dumm ausgehen können.« Er setzte sich an seinen Schreibtisch und nahm den Rezeptblock hervor, dann überlegte er es sich anders und trat an das Regal an der rechten Wandseite. Nach kurzem Suchen entnahm er ihm eine Schachtel, die er Katja reichte. »Ich gebe dir diese Salbe für deine Prellung mit, und in einer Woche möchte ich dich noch mal hier in der Praxis sehen.«

Katja nickte nur, dann wollte sie aufstehen, aber Stefan stand so dicht vor ihrem Sessel, daß es nicht ging.

»Du wirst kommen, hast du gehört?« vergewisserte er sich noch einmal.