Im Bann der Skinwalker 2 - J. Fenrir - E-Book

Im Bann der Skinwalker 2 E-Book

J. Fenrir

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Beschreibung

Im düsteren Schatten der Skinwalker beginnt Kates wahre Bestimmung. Einst geopfert, heute Königin – in „Im Bann der Skinwalker 2 – Schwur des Blutes“ kämpft sie an der Seite ihres Gefährten Christiano um Freiheit, Liebe und den Fortbestand ihres Volkes. Zwischen uralten Flüchen, gefährlichen Feinden und Ritualen entdeckt sie ihre wahre Stärke – zudem wird sich der dunklen Magie eines Blutschwurs gestellt, der alles kosten könnte. Ein mitreißender Mix aus Dark Fantasy, erotischer Leidenschaft und dem unerschütterlichen Willen, ein neues Leben zu schaffen.

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EPUB

Seitenzahl: 1154

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Im Bann der Skinwalker

Schwur des Blutes

1. Auflage,

© J. Fenrir – alle Rechte vorbehalten.

Diese Geschichte bewegt sich in einem düsteren, erotischen Setting, das explizite Inhalte und Machtgefälle thematisiert. Bitte beachte dies, bevor du weiterliest.

Druck und Distribution im Auftrag der Autorin:

Tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist die Autorin verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne ihre Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag der Autorin.

Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected] Zu erreichen unter: J. Fenrir, Im Huckschlage 5, 58675 Hemer, Germany.

2

Epilog

Ich war nie einer von ihnen.

Schon als Kind spürte ich es – die Blicke, das Misstrauen, die Art, wie das Dorf mich duldete, aber mich nie wirklich als eine der ihren akzeptierte. Gefunden am Waldrand, ohne Vergangenheit, ohne Familie. Ich wuchs mit Geschichten über Flüche und Schatten auf, ohne zu wissen, dass ich selbst Teil davon war. Dann kam die Nacht, die alles veränderte.

Ich wurde ihm geopfert. Christiano van Pantherae. Damals dachte ich, es sei das Ende. Dass ich als Gefangene sterben würde. Doch stattdessen wurde es der Anfang. Ein grausamer, unerbittlicher Anfang. Ich kämpfte gegen ihn. Gegen Christiano. Gegen das, war er war. Gegen das, was er in mir weckte. Ich wollte nicht dazugehören. Nicht gebunden sein. Doch meine eigene Natur ließ mir keine Wahl.

Meine Nymphennatur unterwarf mich ihm.

Er nahm mich – fordernd, besitzergreifend – doch ich zerbrach nicht. Ich brannte. Und aus diesem Feuer wurden wir eins. Ihm verfallen und doch ebenbürtig stehe ich heute an seiner Seite. Seine Gefährtin. Seine Königin. Verbunden in Liebe und Leidenschaft.

Wir haben Feinde und Flüche überlebt, sie bezwungen, niedergerungen. Wir haben unser Volk aus der Dunkelheit geführt.

Doch nicht jeder Schatten stirbt mit der aufgehenden Sonne. Daemon ist noch draußen.

Ich spüre ihn in jeder kalten Nacht, in jedem Windhauch, der zu leise flüstert. Sein Hass auf mich ist nicht erloschen.

Und ich weiß: Er wird nicht ruhen, bis er mich zerstört hat. Doch ich bin nicht mehr das Mädchen, das einst geopfert wurde. Ich habe überlebt. Habe gekämpft. Habe mich gewehrt – und doch wurde ich tiefer hineingezogen, als ich es je für möglich gehalten hätte. Jetzt weiß ich die Wahrheit.

Ich bin nicht einfach nur ein Mensch in ihrer Welt. Ich bin etwas anderes. Ich bin die Königin der Skinwalker. Und ich werde nicht fallen. Und wer glaubt er könne mich kontrollieren, der kennt mich nicht.

Die Luft schmeckt nach Eisen. Schwer, dickflüssig tropft es auf den kalten Stein, versickert in den feinen Rissen des Altars, als würde er das Opfer gierig aufsaugen. Kein Laut, kein Widerstand. Nur der stumpfe Herzschlag, der durch den Raum pocht – sein eigener, ihrer. Er spürt es, wie sich die Schatten um sie beide legen, wie das Gewicht dieser letzten Worte, die er sprechen muss, mehr ist als nur Klang. Sie sind eine Band. Ein Fluch. Ein Versprechen.

„Schwöre“, beginnt er, die Worte tief aus seiner Kehle, sie in der Dunkelheit verströmend, „dass du mir treu bleibst. Oder das Blut, das du mir verwehrst, wird dein eigenes verderben.“

Seine Stimme schneidet die Stille wie ein Messer. Er sieht, wie sie sich anspannt, die Luft zwischen ihnen wird schmerzlich dick, als die Worte von Bedeutung durch den Raum hallen. Ihre Augen, wie zwei flimmernde Kerzen in einem Sturm.

„Was du jetzt gibst“, fährt er fort, „bleibt bis in alle Ewigkeit mein.“ „Ein Eid, den der Tod selbst nicht brechen kann.“

Er tritt einen Schritt näher, seine Präsenz füllt den Raum. Die Runen auf dem Altar flimmern in einem schwachen Licht, das von den Magien des Rituals durchzogen ist.

„Wenn du versagst“, seine Augen sind eisig, „wird das Dunkel dich holen.“ Die Worte schneiden wie kaltes Eisen. „Wenn du lügst, wird das Feuer in dir vergehen.“

Er spürt den Widerstand in ihr, den Zweifel, doch es ist keine Frage. Sie werden sich beugen. Sie müssen. Die Dunkelheit hat sie schon in ihren Fängen, wie er. Sie sieht ihn an, ihre Lippen zittern, als sie die Worte ausstößt. Ihre Stimme bricht nicht, ihre Hand, die sie ausstreckt, verrät nichts von der Qual, die sie spürt.

„Ich schwöre bei meinem Blut, dass ich dich nicht verraten werde.“

Der Schwur ist gesprochen, gebunden an das Blut, das nun nicht mehr ihr gehört. Sein Atem jagt durch die Stille, eine Stimme in seinem Schädel drängt, mahnt, verlangt. Dies war notwendig. Unausweichlich. Die Worte haben Gewicht, mehr als Fleisch und Knochen. Sie hallen nach, bilden unsichtbare Ketten, die nicht brechen, nicht lockern. Er spürt sie – die unausweichliche Verbindung, den Schatten, der sich in ihre Adern gegraben hat. „Schwöre“, hatte er gesagt, und sie hatte geschworen. Ein Versprechen, das nun in ihr verankert ist, tiefer als jede Wunde.

Wenn sie sagt, wird das Dunkel sie holen. Wenn sie lügt, wird das Feuer in ihr vergehen.

Er hat es gesichert. Mit ihrem Blut. Mit seinem Willen. Und nichts kann sie mehr retten.

4

Kapitel 1

Das Fest beginnt, noch bevor die Sonne ganz untergegangen ist. Fackeln erhellen den Burghof, Musik erfüllt die Luft, und das Lachen der Menschen vermischt sich mit dem Klirren von Bechern. Der Duft von gebratenem Fleisch und süßem Met steigt mir in die Nase, während ich mich in der Menge wiederfinde – und doch nie allein bin. Christiano weicht nicht von meiner Seite. Seine Hand hält meine fest, als könnte er mich so davon abhalten, noch einmal zu verschwinden. Ich spüre seine Wärme, seinen stillen Schutz, sein unausgesprochenes Versprechen, mich nie wieder loszulassen.

Zwischen den Tänzen und Gesprächen kommen meine Freunde immer wieder zu mir. Manchmal nur ein flüchtiger Blick, ein kurzer Händedruck, als müssten sie sich vergewissern, dass ich wirklich hier bin. Dass ich atme. Dass ich lebe.

Kain stößt mich grinsend mit der Schulter an, hebt seinen Becher in meine Richtung. „Ich muss zugeben, Kate, du hast einen echten Hang zum Dramatischen. Aber vielleicht versuchst du beim nächsten Mal, nicht für Herzstillstände zu sorgen?“

Ich grinse zurück, hebe eine Augenbraue. „Ach, Kain, ich dachte, du stehst auf Nervenkitzel?“

Er lacht und schüttelt den Kopf. „Nicht, wenn du der Grund bist, warum wir alle graue Haare kriegen. Irgendwann musst du lernen, dass du nicht unverwundbar bist.“

„Und du musst lernen, dass du nicht immer recht hast“, erwidere ich mit einem spielerischen Funkeln in den Augen.

Leora gesellt sich zu uns, ihre Lippen zu einem sanften Lächeln verzogen. „Ernsthaft, Kate. Kein nächstes Mal. Wir brauchen dich hier. Ich meine es so, wie ich es sage.“

Ich nicke, spüre das Gewicht ihrer Worte – und ihre ehrliche Erleichterung. „Ich bleibe“, sage ich leise, aber fest. „Ich verspreche es.“ Idis und Selin kommen vorbei, Selin wischt sich verstohlen eine Träne aus den Augen, bevor sie mich fest umarmt.

Gavran nickt mir schweigend zu, aber ich erkenne die Anerkennung in seinem Blick. Taron prostet mir von weitem zu, und Bronn schüttelt nur grinsend den Kopf.

Yara lacht, während sie an mir vorbeitanzt. „Genieß das Fest, Kate! Nicht, dass du uns noch eine Rede über Verantwortung hältst!“ Ich lache mit, spüre, wie die Anspannung der letzten Tage von mir abfällt. Die Schatten der Vergangenheit sind noch da, aber sie verlieren ihren Schrecken inmitten der Wärme und des Lichts.

Die Musik schwillt an, Trommeln treiben den Rhythmus voran, begleitet von dem hohen Klang der Geigen, die durch die Nacht wirbeln wie der Wind zwischen den Bäumen. Das Feuer brennt hoch in der Mitte des Platzes, seine Flammen tanzen mit uns, als wollten sie Teil des Festes sein. Hände greifen nach mir, lösen sich wieder. Der Boden vibriert unter den stampfenden Füßen, Kleider wirbeln, Stimmen steigen in die Luft, rau und voller Freude. Es ist ein Fest des Lebens, ein Triumph über den Schatten, der so lange auf uns allen lag.

Ich lache, drehe mich, verliere mich in der Hitze der Bewegung – bis eine starke Hand nach meinen greift und mich abrupt in die Arme zieht. Christiano.

Seine Augen leuchten wie flüssiges Gold im Feuerschein, das vertraute Funkeln darin ist eine stumme Herausforderung.

„Tanzen wir?“ Seine Stimme ist tief, weich, aber seine Finger an meiner Taille sind fest, sicher. Besitzergreifend, fordernd.

Ich lächle ihn an, spüre, wie sich mein Herzschlag an den Rhythmus seiner Berührung anpasst. „Wenn du mithalten kannst.“ Er lacht leise – ein dunkles, kehliges Geräusch, das mehr verspricht als nur einen Tanz – und zieht mich mit sich.

Sein Griff ist fest, bestimmt. Jeder Schritt ein Wortloses „Du gehörst mir.“ – und jedes Mal, wenn ich mich von ihm löse, ein „Aber nur, weil ich es will.“ Wir kreisen umeinander, Hände, Körper, Blicke finden sich wieder und wieder, wie Ebbe und Flut. Das Feuer knistert, die Musik jagt uns vorwärts, und für einen Moment existiert nur dieser Tanz, dieser Augenblick, in dem es nichts gibt außer uns.

Um uns herum pulsiert das Fest, eine Welle aus Freude, Wein und purem Leben. Taron und Yara, beide mit verschwitzten Stirnen und breitem Grinsen, liefern sich einen erbitterten Tanzwettstreit. Yara ist geschmeidig, kraftvoll, unermüdlich – doch Taron, der Krieger, bewegt sich mit einer wilden Anmut, die niemand erwartet hätte.

„Ein Krieger aber Rhythmus im Blut.“

Ruft er keuchend, bevor er sich zu einer letzten Drehung aufbäumt – und dann lachend auf dem Pflaster landet. Yara prustet, reicht ihm die Hand. „Unentschieden.“

Kain lehnte mit verschränkten Armen gegen eine Mauer, ein Glas Met in der Hand, während er in gewohnt übertriebener Manier erzählte, wie er einst mit bloßen Händen einen Bären niedergerungen hatte. „Es war ein Wolf“, murmelte Leora neben ihm, den Kopf auf die Hand gestützt. „Kleiner Unterschied“, kontert Kain trocken und hebt das Glas zum Trinkspruch. „Aber du vergisst, dass er doppelt so groß war wie ich.“

Bronn, der mit funkelnden Augen zuhört, klatscht ihm Beifall. „Ehrlich gesagt, glaube ich, dass der Wolf am Ende vor Kain geflohen ist, weil er die Geschichte nicht noch einmal hören wollte.“

Lachen brandet auf, und ich kann nicht anders, als mich davon mitreißen zu lassen.

Ich tanze, ich lache, ich lebe.

Zum ersten Mal seit langer Zeit ist es keine Angst, keine Pflicht, kein Kampf, der mich antreibt – sondern das Leben selbst. Und als Christiano mich wieder an sich zieht, seine Lippen an mein Ohr senkt und leise fragt: „Hast du genug?“, kenne ich nur eine Antwort. „Noch lange nicht.“

Die Musik schlägt schneller, wilder. Die Trommeln sind das pochende Herz des Festes, die Geigen sein Blut, das in jedem Ader strömt. Stimmen mischen sich in den Rhythmus, Rufe, Gelächter, das laute Jauchzen von Kriegern, die sich in Wettkämpfen messen.

Ich drehe mich, lache, verliere mich in der Bewegung. Die Luft ist warm vom Feuer, vom Tanz, von der Hitze unseres Körpers. Plötzlich zieht Christiano mich wieder zu sich. Sein Griff ist fester als zuvor, seine Fingerspitzen lassen einen Schauer über meine Haut laufen. „Du gehörst mir für diesen Tanz“, murmelt er mit einem dunklen Lächeln. Ich lege eine Hand auf seine Brust, spüre den schnellen Schlag seines Herzens. „Wenn du mit mir mit halten kannst.“

Und ob er mit hält.

Der Tanz beginnt langsam – ein Spiel aus Macht und Hingabe. Seine Arme sind eine sichere Fessel, seine Bewegungen voller Kontrolle. Wir kreisen umeinander, fordern einander heraus, lösen uns, nur um uns wiederzufinden. Sein Blick hält mich gefangen, fordernd, besitzergreifend – aber nicht eingeschränkt. Dann wird der Rhythmus schneller.

Er hebt mich an, dreht mich, lässt mich fallen, nur um mich im letzten Moment wieder aufzufangen. Ich keuche, doch ich lache auch. „Willst du, dass ich stürze?“ frage ich atemlos.

„Niemals“, erwidert er, sein Atem heiß an meiner Wange. Ein letzter Wirbel, dann endet die Melodie abrupt. Ein Moment der Stille. Dann ein Applaus, Rufe, Jubel.

Doch kaum ist das Lied verklungen, packt mich eine andere Hand – Kain. „Genug Romantik“, grinst er. „Zeit, dich wie eine echte Kämpferin tanzen zu sehen.“

Die Musik wechselt – schneller, treibender. Dieser Tanz ist kein Spiel der Leidenschaft, sondern eine Herausforderung.

Kain führt mich mit größerer Sicherheit, sein Griff ist fest, seine Bewegungen herausfordernd. Wir fordern uns gegenseitig heraus, als wäre dies ein Kampf mit anderen Mitteln.

„Du bist schwerfälliger geworden, Kate“, neckt er. Ich trete ihm spielerisch auf den Fuß. „Du bist langsam geworden.“ Er lacht. „Sicherlich nicht!“

Ein Wirbel, eine Drehung – dann überlasse ich ihn der nächsten Tanzpartnerin. Yara fängt ihn auf. „Lass mich dir zeigen, wie es wirklich geht.“ Sie nimmt ihn in den Griff und führt ihn stattdessen – Kains überraschter Blick ist unbezahlbar.

Ich schüttle lachend den Kopf, doch dann zieht mich Leora in den Kreis. „Ein Tanz unter Schwestern“, sagt sie mit einem sanften Lächeln. Dieser Tanz ist anders. Keine Dominanz, keine Herausforderungen – nur das reine, unbeschwerte Feiern. Unsere Bewegungen sind spielerisch, schnell freundlich, wie zwei Freundinnen, die sich wiedergefunden haben.

Taron wirft sich mit einem lauten Ruf in die Mitte des Kreises und beginnt, sich mit übertriebener Anmut zu drehen. „So tanzt ein echter Krieger!“ Bronn sieht sich das mit verschränkten Armen an. „So tanzt ein betrunkener Krieger.“

Doch als Taron Leora packt und mit ihr eine wilde Drehung vollführt, kann selbst Bronn nicht anders, als zu grinsen.

Die Menge jubelt, die Trommeln geben den Takt vor. Die Luft riecht nach Met, nach Feuer, nach einem Neuanfang.

An der Seite wird Wein und Met ausgeschenkt, Krüge klügen, während einige ihre Kräfte messen.

Christiano und Kain stehen sich gegenüber – ein Armdrücken, das sich als unentschieden herausstellt.

„Du wirst schwach“, sagt Kain grinsend.

„Du wirst übermütig“, erwidert Christiano mit einem Lächeln. Taron und Yara liefern sich eine Trink-Challenge, während ein alter Ältester eine Geschichte erzählt. „Wisst ihr noch“, beginnt er mit heiserer Stimme, „als die Skinwalker sich nicht mehr fortpflanzen konnten?“ Als unsere Zahl schrumpfte?“ Eine Stille senkt sich über die Menge. Er blickt zu mir. „Das ist vorbei“, sage ich leise.

Und in diesem Moment erhebt sich eine schwangere Frau aus der Menge. Ihr Blick trifft meinen – voller Dankbarkeit, voller Hoffnung. „Wir werden wachsen.“

Später, als das Feuer langsam niederbrennt, ziehe ich mich mit Christiano an den Rand des Platzes zurück.

„Du bist müde“, murmelt er und zieht mich an sich. Ich lehne mich an ihn, spüre seinen Herzschlag, stark und gleichmäßig.

„Müde, aber glücklich.“

Er presst einen Kuss auf meine Stirn. „Dann haben wir alles richtig gemacht.“ Ich blicke über das Fest – über meine Freunde, mein Volk, mein Zuhause. „na komm meine kleine Flamme.“, benutzt er meinen lieb gewonnen Kosenamen, nimmt mich in seine Arme und bringt mich in unser Gemach. Für heute war es genug. Und ich musste eingestehen, das zu den Lebenden zurückkehren und ein reißendes Fest doch etwas anstrengend für einen einzigen Tag war.

Der Wind trägt den Duft von frischem Tau und Holzkohle durch die Morgenluft, während die ersten Sonnenstrahlen über die Baumwipfel klettern. Von meinem Platz auf dem Balkon nahe unseren Gemächern überblicke ich das Dorf, das langsam erwacht.

Das frühe Licht taucht die Dächer und Gassen in warmen Farben, das sanfte, dauerhafte Leben, das sich hier wieder ausbreitet. Ich umfasse die warme Schale Tee in meinen Händen, ein vertrauter Duft aus getrockneten Kräutern und Honig steigt auf. In der Ferne kräht ein Hahn, das erste leise Klirren von Waffen deutete darauf hin, dass einige Krieger bereits mit ihrem Training beginnen.

Hinter mir knarrt der Boden, eine Präsenz, die mir vertrauter ist als meine eigene Haut.

Christiano.

Er kommt barfuß zu mir, die Wärme seines Körpers strahlt durch den kühlen Morgen. Seine Finger fahren sanft durch mein Haar, schieben eine lose Strähne hinter mein Ohr. Dann beugt er sich näher, sein Atem kitzelt meine Wange. „Denkst du immer so viel nach, noch bevor der Tag begonnen hat?“ Ich lehne mich gegen ihn, schließe für einen Moment die Augen. Er riecht nach Feuerholz, nach Erde und nach etwas, das nur er besitzt – diese unbeschreibliche Mischung aus Wildheit und Schutz. „Ich gewöhne mich nur daran.“

Er hebt eine Braue. „Woran?“

Mein Blick schweift über die Menschen, die sich regen.

Ich sehe Elara, eine junge Mutter, die ihr Kind aus einer Hängematte hebt und es sanft an sich drückt. Thoran, der alte Jäger, führt seinen Wolfshund zum Fluss. Ein kleines Mädchen – Mira – rennt barfuß über den Platz, verfolgt von zwei gleichaltrigen Jungen, ihr Lachen perlt durch die Luft. Es gibt keine Angst mehr in ihren Augen. Keine Unsicherheit. Mein Volk wächst. Unsere Zukunft wächst.

Ich atme tief ein, dann flüstere ich: „Daran, dass wir eine Zukunft haben.“ Christiano sagt nichts. Stattdessen schließt er die Arme um mich, zieht mich fester an seine Brust.

„Und wir werden sie schützen“, murmelt er, seine Stimme ein leises Versprechen. „Egal, was kommt.“

Ich nicke. In der Ferne beginnen Händler, ihre Stände aufzubauen. Der Tag beginnt – und mit ihm das Leben, das wir uns zurückerkämpft haben.

Ich lasse den Balkon hinter mir liegen und steige die Holzstufen hinab auf den Platz. Die Luft ist gefüllt mit dem Geruch von frischem Brot, Kräutern und Leder, das in der Sonne getrocknet ist.

Menschen erkennen mich, manche begrüßen mich mit einem Lächeln, andere mit einem höflichen Nicken. Ich sehe jeden von ihnen an, merke mir ihren Namen.

Am Brunnen schöpft Maris Wasser in einen Krug. Sie ist schlank, drahtig, mit hellen Sommersprossen auf der Nase und einem skeptischen Blick. „Guten Morgen, Kate.“

Ich trete näher, mustere das Gewicht des Kruges. „Morgen, Maris. Lass mich dir helfen.“

Sie verengt die Augen. „Ich brauche keine Hilfe.“ „Das habe ich auch nicht gesagt.“ Ich grinse. „Aber ich wette, ich kann mehr Wasser tragen als du.“

Eine Augenbraue hebt sich. „Ist das eine Herausforderung?“ Ein Lächeln zuckt auf meinen Lippen. „Wenn du Angst hast, nicht.“

Das reicht. In weniger als zehn Herzschlägen beginnt ein Wettkampf. Wir schöpfen Wasser, rennen mit den Krügen, Tropfen spritzen, Stimmen werden lauter. Bald sind wir umringt von Lachen – andere mischen sich ein. Ich höre Elara rufen, dass sie auf mich setzt. Thoran blickte sich mit verschränkten Armen an eine Säule und murmelte: „Das wird interessant.“ Am Ende gewinne ich – knapp. Maris sieht mich an, schüttelt dann den Kopf und reicht mir die Hand.

„Du bist vielleicht meine Königin“, sagt sie grinsend, „aber das heißt nicht, dass ich das nächste Mal verliere.“

Ich nehme ihre Hand. „Darauf verlasse ich mich.“

Die Marktstände sind lebendig. Händler feilschen, Kinder toben zwischen den Ständen umher. Ich bleibe bei einem Stand stehen, an dem ich Mira, das kleine Mädchen vom Morgen, mit großen Augen Honiggebäck betrachtet. „Hast du schon einmal was probiert?“ frage ich sanft. Sie schüttelt den Kopf.

Ich werfe einen Blick auf Lirian, die alte Bäckerin, die den Stand betreibt. Sie reicht mir zwei Gebäckstücke – eines für mich, eines für Mira. Als das Mädchen hineinbeißt, weiten sich ihre Augen. „Es ist süß!“ Ich nicke. „Ja. Weißt du warum?“

Sie schüttelt den Kopf.

„Weil wir es verdient haben.“

Ich nehme selbst einen Bissen, spüre den warmen, nussigen Geschmack auf meiner Zunge. Lirian lächelt und sagt leise: „Die erste Ernte nach dem Fluch war süßer als je zuvor.“

Ja. Das Leben ist süßer geworden.

Die Sonne beginnt hinter den Bäumen zu versinken, färbt den Himmel in goldenen und roten Streifen. Ich kehre zurück zu meinen Gemächern, zu ihm. Er steht bereits auf dem Balkon, die Arme auf dem Geländer gestützt, den Blick in die Ferne gerichtet.

Ich trete zu ihm. „Worüber denkst du nach?“

Er dreht sich um, mustert mich lange. Dann streckt er eine Hand aus, zieht mich näher.

„Wie es sich anfühlt, endlich hier zu sein“, murmelt er. Ich lege eine Hand auf seine Brust, spüre den beständigen Herzschlag unter meiner Haut.

„Es fühlt sich nach Zuhause an.“

„Unserem Zuhause.“, stimme ich ihm zu.

Mein Blick trifft seinen, ein tiefes, wortloses Versprechen liegt darin. Keine Scheu mehr, kein Zögern. Nicht mehr. Mit einer langsamen, einladenden Geste strecke ich ihm die Hand entgegen, meine Finger leicht gespreizt, ein sanftes Spiel aus Licht und Schatten auf meiner Haut. Ich muss nichts sagen.

Er, versteht.

Ich wende mich ab, spüre seinen Blick auf mir brennen, während ich in Richtung unseres Gemachs gehe. Meine Schritte sind federnd, geschmeidig, wissend, dass er mir folgt.

Auf halbem Weg streife ich das Kleid von meinen Schultern, lasse es achtlos zum Boden gleiten, als wäre es nur ein unnötiges Hindernis zwischen uns. Die kühle Luft streift meine Haut, doch es ist die glühende Hitze seiner Nähe, die mich wirklich trifft.

Ich höre ihn einatmen, höre, wie er mir folgt – bereitwillig, besitzergreifend, unaufhaltsam.

Wir erreichen unser Gemach, aber kaum fällt die Tür hinter uns ins Schloss, packt uns die Leidenschaft mit der Urgewalt eines Sturms. Lippen finden Lippen, Hände erkunden, Nägel graben sich in die Haut. Christiano stößt mich sanft gegen die Tür, sein Körper warm und fordernd an meinen, seine Finger gleiten über meine Hüften. Ich ziehe in fester an mich, will nichts zwischen uns außer Atem, Hitze und Verlangen.

Er murmelt meinen Namen, heiser, fast flehend, bevor seine Lippen meinen Hals finden, während ich seine Finger über meiner nackten Haut fühle.

Wir schaffen es gerade noch bis zum Bett.

Dann dreht sich alles.

Christiano will mich unter sich ziehen, doch ich stoße ihn mit einer schnellen Bewegung zurück – ein forderndes, herausforderndes Spiel, das ich längst zu beherrschen gelernt habe.

Überrascht fällt er auf die Matratze, sein dunkler Blick brennt sich in mir, als er erkannt, dass ich es bin, die heute das Sagen hat. Ich setze mich über ihn, meine Finger streifen über seine Brust, spüre die angespannten Muskeln unter der glühenden Haut. Mein Gewicht auf seinen Hüften hält ihn fest, fesselt ihn, obwohl wir beide wissen, dass er mich jederzeit umdrehen könnte. Doch er tut es nicht.

Ein leises Lächeln kräuselt meine Lippen, als ich mich langsam vorbeuge, meine Lippen über seine Kehle streifen lasse – ein sanftes, aber bewusst gesetztes Zeichen meiner Dominanz.

„Heute folgst du mir.“

Sein Atem geht tiefer, langsamer, als hätte ihn meine Worte getroffen wie eine physische Berührung. Ich sehe das Feuer in seinen Augen, sehe, wie seine Hände sich anspannen, weil es ihm widerstrebt, mir die Kontrolle zu überlassen. Doch er tut es.

Ich lasse meine Zähne sanft über seine Haut gleiten, leise genug, um ihn zu reizen, stark genug, um ihn an meine Macht über ihn zu erinnern. Seine Muskeln ziehen unter mir, ein tiefes, kehliges Knurren dringt aus seiner Brust. Er will mich so sehr, dass es ihn zerreißt, mich nicht einfach zu nehmen. Doch er wird warten müssen.

Ich bewege mich über ihn, streiche mit meinen Fingern über seinen Körper, spüre die Hitze, die sich zwischen uns aufbaut wie eine lodernde Flamme. Mein Mund folgt meinen Händen, jede Berührung ein weiteres Zeichen, dass ich es bin, die heute bestimmt.

„Kate…“ Seine Stimme ist dunkel, rau, voller unterdrückter Spannung. Ich hebe den Kopf, sehe ihn an, meine Lippen nur einen Hauch von seinen entfernt. „Sag es.“

Er atmet schwer aus, seine Finger graben sich in die Laken. „Ich gehöre dir.“ Ein Lächeln huscht über meine Lippen „Das tust du mein Alpha.“, flüster ich, bevor ich ihn endlich küsse – tief, fordernd, besitzergreifend. Und dann gibt es kein Halten mehr.

Meine Lippen auf seinen, heiß und fordernd, meine Hände auf seiner Haut, erkundend, Besitz ergreifend.

Ich koste jede Sekunde aus, spüre seine Muskeln unter mir anspannen, seine Erregung die sich mir entgegen drängt, sein Atem, der sich beschleunigt, weil ich ihn warte lasse.

Ich genieße es, dieses Mal diejenige zu sein, die ihn kontrolliert. Christiano knurrt tief, seine Geduld reißt, doch als seine Hände sich um meine Hüften legen, um mich zu nehmen, wie er es gewohnt ist, drücke ich ihn wieder gegen die Matratze. „Noch nicht.“

Ein dunkles Lachen entfährt mir, als ich sehe, wie sehr es ihn quält, sich mir zu überlassen.

Seine Kiefermuskeln zucken, seine Augen brennen mich an, aber unter meinem festnagelnden Blick hält er still.

Ich beuge mich vor, meine Lippen streifen über seinen Hals, meine Zähne setzen eine Spur von Bissen entlang seiner Haut. Ich will ihn fühlen. Seine Hitze, sein Zittern unter mir, den Moment, in dem seine Zurückhaltung bricht. Ich bestimme das Tempo. Ich bestimme, wann er mich bekommt. Und als ich mich endlich auf ihn senke, als er tief in mich vordrängt, stößt ein leises, raues Stöhnen aus, weil die Sehnsucht zu lange angestaut ist, spüre ich, wie jede Kontrolle von ihm abfällt.

Seine Finger graben sich in meine Hüften, meine Nägel ziehen Spuren über seine Brust, und für einen Moment gibt es nichts anderes als uns – die Hitze, die Bewegung, das Drängen, das Bedürfnis, sich völlig und vollständig hinzugeben.

Er hält mich fest, stößt in mich, raubt mir den Atem, und nur zu bereitwillig äußert ich mein Verlangen in einem tiefen stöhnen. „Kate…“ Seine Stimme ist rau, flehend, als ob er mich noch tiefer, noch näher an sich ziehen will, obwohl kein Raum mehr zwischen uns ist. Und als er sich schließlich nicht mehr zurückhalten kann, als er mich mit einer letzten, tiefen Bewegung völlig ausfüllt, meine Arme sich um ihn schließen, ergießt er sich in mich, warm, fordernd, während er meinen bebenden Körper in seinen Armen zusammenhält.

Wir halten uns fest, spüren unsere Herzen gegen unsere Haut hämmern, den Nachhall unserer Leidenschaft, unsere Haut verschwitzt, unsere Atemzüge rau und ungleichmäßig.

Er hat mich nicht gebrochen – und doch neu zusammengesetzt, ich gehöre ihm. Und er gehört mir. Zufrieden bricht die Nacht und mit ihr der Schlaf über uns herein, im Arm des anderen gefangen.

Der Morgen bricht mit den ersten goldenen Strahlen der Sonne an, die sich durch die großen Fenster des Ratsgebäudes schleichen. Die Luft ist frisch, und ein leichter Windhauch bewegt die schweren Vorhänge. Ich atme tief durch, während ich mich auf den Tag vorbereite.

Noch immer fühlt es sich seltsam an, an diesem Platz zu sitzen – nicht mehr als Außenseiterin, sondern als Anführerin.

Nach einem kurzen Frühstück mache ich mich auf den Weg in den Ratssaal. Die langen Gänge hallen von meinen Schritten wider, während ich meine Gedanken ordne.

Die Ratsversammlungen sind zu einem festen Bestandteil meines Alltags geworden, doch jedes Mal überkommt mich eine leise Unruhe. Ich frage mich, ob das je verschwinden wird.

Als ich den Saal betrete, ist Leora bereits da. Sie steht mit geradem Rücken neben meinem Platz, ein offenes Schriftstück in der Hand, ihre Miene konzentriert.

Ihre Wandlung ist offensichtlich – früher hätte sie sich eher im Hintergrund gehalten, doch heute tritt sie mit einer Selbstsicherheit auf, die mir Respekt abverlangt.

„Einige Clans haben Probleme mit den neuen Handelswegen“, beginnt sie sachlich, ihre Stimme ruhig und bestimmt. Ich nehme auf meinem Platz gegenüber den anderen Ratsmitgliedern Platz und lasse ihre Worte auf mich wirken.

Christiano, ein erfahrener Stratege, sitzt nur wenige Plätze entfernt und beobachtet die Runde aufmerksam. Er nickt leicht. „Dann sprechen wir mit ihnen“, sagt er bedächtig. „Wir haben genug Feinde außerhalb unserer Grenzen. Wir brauchen keinen internen Zwist.“

Die Besorgnis in seiner Stimme ist nicht unbegründet. Die neue Ordnung, die wir geschaffen haben, steht noch auf wackligen Beinen. Zu viele alte Fehden schwelen im Verborgenen, zu viele Interessen überschneiden sich. Ein Streit um Handelswege könnte schnell zu etwas Gefährlicherem eskalieren. Leora tritt einen Schritt vor. „Ich kann die Abgesandten empfangen“, schlägt sie vor. „Ihr habt eure Zeit für Wichtigeres nötig.“

Christiano nickt zustimmend. „Gut, Kain wird dich als mein Stellvertreter begleiten.“

Ich betrachte Leora für einen Moment. Die Entschlossenheit in ihren Augen, die Art, wie sie das Schriftstück hält, als wäre es eine Waffe, die sie mit Bedacht führen kann – sie hat sich verändert. Sie ist nicht mehr das Mädchen, das im Schatten steht, sondern eine Frau, die ihren Platz gefunden hat. Ich nicke schließlich. „Danke, Leora.“

Der Ratssaal füllt sich nach und nach mit Stimmen, Diskussionen entbrennen über andere Angelegenheiten, doch in mir bleibt ein warmes Gefühl zurück. Ich weiß, dass ich nicht allein bin. Die Versammlung dauert bis in den Mittag hinein. Immer wieder müssen Entscheidungen getroffen, Kompromisse gefunden werden. Es ist ein Balanceakt zwischen Diplomatie und Entschlossenheit. Am Nachmittag ziehe ich mich zurück, um mit meinen engsten Vertrauten über die nächsten Schritte zu sprechen. Leora beginnt bereits damit, die Abgesandten zu empfangen und erste Gespräche zu führen, nun begleitet von Kain. Ihre Stimme ist fest, wenn sie spricht, ihre Haltung aufrecht. Ich lausche eine Weile, bevor ich mich umdrehe und hinaus in den Hof trete.

Die kühle Luft tut gut, der Himmel ist von sanften Wolken durchzogen. Für einen Moment lasse ich meinen Blick über die

Mauern unserer Stadt schweifen. Der Weg hierher war nicht leicht, und es gibt noch viel zu tun. Doch heute, an diesem Tag, habe ich einen weiteren Beweis dafür erhalten, dass wir nicht nur überleben, sondern wachsen können. Als die Sonne langsam am Horizont versinkt, kehre ich zurück. Die Versammlungen mögen ungewohnt sein, aber sie gehören jetzt zu meinem Leben. Und ich bin bereit, meinen Platz in dieser neuen Welt auszufüllen.

Der Tag beginnt früh. Die ersten Sonnenstrahlen dringen durch Ritzen der Vorhänge und kitzeln mein Gesicht. Ein leises Gähnen entweicht mir, als ich mich unter den Decken winde.

Neben mir liegt Christiano, sein Atem tief und ruhig, das Gesicht entspannt im Schlaf. Er ist immer der Erste, der aufsteht, doch heute lasse ich ihm etwas Zeit und dehne mich in aller Ruhe, bevor ich ihn mit einem Kuss wecke. Ich schließe die Augen für einen Moment und genieße die Stille, bis ich mit einem breiten Grinsen zu ihm hinüberblicke. Er schläft wie ein Stein, also entscheide ich mich, ihn auf meine Weise zu wecken. „Bist du sicher, dass du heute noch das Training überstehst?“ flüstere ich ihm ins Ohr, während ich mit einem Finger sanft seinen Arm stupse. Er regt sich leicht, murmelt unverständliches Zeug und dreht sich dann demonstrativ mit dem Rücken zu mir. „Lass mich in Ruhe“, grummelt er, aber seine Stimme ist so heiser, dass ich es kaum ernst nehmen kann. „Also, du bist also zu schwach, um aufzustehen?“, necke ich ihn. Er reagiert prompt: „Oh, du wirst es bereuen, das gesagt zu haben.“ In einem schnellen, fast schon feigen Reflex holt er mit einem Arm aus, um mich mit einem Kissen abzufangen.

„Du bist wirklich ein Kind, Christiano“, lache ich und weiche dem Angriff geschickt aus. Doch in einem Moment der Unaufmerksamkeit greift er mein Hemd und zieht mich zurück. „Ha!“, triumphiert er, als ich versuche, mich zu befreien. „Ich gewinne heute!“

Ich lache. „Schau mal, wer hier noch immer mit Kissen kämpft. Du bist wirklich ein harter Krieger.“ Ich schlüpfe aus seinem Griff, richte mich auf und beginne mich langsam anzuziehen.

„Du wirst mir noch zeigen, was ein harter Krieger ist“, erwidert er mit einem schelmischen Grinsen, bevor auch er aufsteht und seine Kleidung beginnt zu ordnen. Wir sticheln noch eine Weile miteinander, aber es ist ein vertrauter, beinahe spielerischer Austausch, der durch die Luft schwebt und uns in den Tag begleitet.

Es ist nicht mehr der Moment, in dem ich über das Raufen nachdenke, sondern ein gewisses Gefühl der Brüderlichkeit. Wir sind gleich, auch wenn wir uns unterschiedlich anfühlen. Er der mächtige Alpha und ich die Anführerin an seiner Seite.

Kurz darauf verlassen wir das Zelt, und der Tag entfaltet sich mit all seiner Hektik. Der Trainingsplatz ist schon in Bewegung, wie gewohnt. Das Klirren von Waffen, das Stöhnen von Kämpfern, das Schnaufen der Pferde in der Nähe – alles dringt auf uns ein, während wir den Platz betreten. Kain steht bereits am Rand, beobachtet die Rekruten, korrigiert, ermahnt, gibt Anweisungen. Seine Präsenz ist unaufdringlich, doch jeder hier weiß, dass er der unbestrittene Führer dieser Einheit ist.

„Guten Morgen, Kain“, rufen wir synchron, während wir uns zu ihm gesellen. Er wirft uns einen kurzen Blick zu, nickt, dann schaut er wieder zu den Kämpfenden.

„Hört auf, euch zu amüsieren“, ruft er. „Da draußen werden keine Kissen fliegen, da fliegen Schwerter. Und glaubt mir, die tun weh.“

Wir grinsen nur, denn wir wissen, dass er Recht hat. Das Training ist intensiv, auch wenn es von ihnen wie ein leichtes Spiel aussieht. Sie durchlaufen die üblichen Übungen, sich gegenseitig in den verschiedenen Kampftechniken zu fordern. Immer wieder erinnert Kain sie daran, dass Schnelligkeit, Präzision und Intuition wichtiger sind als roher Kraft.

„Du hast keinen Gedanken, nur eine Faust“, ermahnt er einen jungen Krieger, der gerade zu wild auf einen Gegner einschlägt. „Wenn du keine Strategie im Kopf hast, schlägst du in den Wind.“

Es ist beeindruckend, wie er in jedem von ihnen die Schwächen erkennt, sie in Worte fasst und sofort korrigiert. Und dann ist da noch Christiano, der, ohne ein Wort zu sagen, die Rolle des Beobachters einnimmt, wie immer ein Schritt hinter Kain. Der Respekt zwischen den beiden ist unübersehbar. Sein Vertrauen in Kain wächst. Früher hat er die Trainings selbst geleitet, doch nach und nach übernimmt Kain immer mehr Aufgaben. Nicht nur als Krieger, sondern als Stratege. Als sein Stellvertreter.

Der Tag neigt sich dem Ende zu, der Trainingsplatz hat sich geleert, nur noch das leise Klingen von Metall und das Knistern des Feuers in der Ferne sind zu hören. Die Soldaten stehen in einer Reihe, atemlos und erschöpft, doch mit einem Ausdruck von Stolz auf ihren Gesichtern. Sie wissen, dass sie heute alles gegeben haben. Kain, der strenge Krieger, der sie durch das Training geführt hat, betrachtet sie für einen Moment mit einer Mischung aus Zufriedenheit und kühler Präzision.

„Gut gemacht, Leute. Ihr seid heute ordentlich über eure Grenzen gegangen“, sagt er, die Stimme ruhig, aber fest. „Doch denkt dran: Im Kampf gibt es keine Pausen. Ihr könnt euch hier noch so viel abrackern, aber der wahre Test wartet draußen.“

Er wirft einen letzten, prüfenden Blick über die Gruppe und dreht sich dann zu Christiano und mir. Ein Grinsen breitet sich auf seinem Gesicht aus, als er sich von seiner ernsten Haltung löst. Die Anspannung fällt von ihm ab, und die vertraute, freche Seite von Kain kommt wieder zum Vorschein. „Na, was hältst du von den kleinen Kriegern?“, fragt er mit einem breiten Grinsen, seine Stimme leicht verspielter als zuvor. „Sie haben sich gut geschlagen. Aber wir wissen beide, dass noch einiges an Arbeit vor ihnen liegt.“

„Ach, komm schon“, Kain schnaubt. „Die haben zumindest gelernt, wie man nach einem Schlag wieder aufsteht. Mehr konnte man von ihnen heute nicht erwarten. Wenn’s wirklich hart auf hart kommt, müssen sie eh noch ein paar Lektionen in der Kunst des Überlebens lernen.“

„Und die lernen sie nur, wenn du sie nicht ständig mit deinen Sprüchen ablenkst“, entgegnet Christiano, der noch immer auf den Trainingsplatz schaut und dabei seine Waffe pflegt.

„Hey, Sprüche sind meine Spezialität“, sagt Kain mit einem feixenden Lächeln und klopft sich selbst auf die Brust. „Und du weißt, dass sie mehr von mir lernen, wenn ich sie zum Lachen bringe, als wenn ich ihnen die ganze Zeit mit ernster Miene die Taktiken erkläre.“

Christiano schnaubt, ohne sich von seiner Arbeit abzulenken. „Du bist nicht der Einzige, der mit Taktiken umgehen kann, Kain. Manchmal, da sollte man vielleicht einfach mal den Mund halten und zuhören.“ „Oho, Christiano spricht plötzlich wie ein Krieger, der alles weiß!“ Kain lacht und schaut mit einem schelmischen Blick zu mir. „Was denkst du, sollen wir ihm noch eine Taktik beibringen?“

„Er ist doch der Taktiker von uns beiden“, erwidere ich mit einem Schmunzeln. „Wobei..., wenn er seine ‚ernste Miene‘ als Waffe einsetzt, können wir uns alle gleich in die Ecken stellen.“

Christiano wirft mir einen genervten Blick zu, aber ich kann das kleine Zucken seiner Mundwinkel sehen. Kain bleibt dies nicht verborgen und schießt sofort nach: „Ja, genau. Christiano, der Meister der ernsten Mienen. Ich glaube, der letzte Gegner, dem du so begegnet bist, ist vor lauter Ernsthaftigkeit sofort umgekippt.“

„Ich glaube nicht, dass du es noch lange mit deinen Witzen aushältst, Kain“, erwidert Christiano ruhig und sieht ihn mit einem scharfen Blick an. „Weißt du, du redest viel, aber der Moment, in dem du dich nicht mehr auf den Kampf konzentrierst, wird der Moment sein, in dem du als Erster zu Boden gehst.“ Kain schüttelt leicht den Kopf und grinst. „Oh, du bist einfach viel zu ernst, mein Freund. Du musst lernen, das Leben ein bisschen lockerer zu nehmen.“ Er dreht sich zu mir und zwinkert. „Und du weißt ja, was man sagt: Der Witz ist die beste Waffe – auch im Kampf. Du solltest es mal mit Humor probieren.“

„Glaub mir, das ist nicht das, was einen Krieger ausmacht“, antwortet Christiano, ohne auch nur ein Zeichen von Amüsement zu zeigen.

Kain tut so, als sei er schwer enttäuscht. „Oh, wie schade. Ich dachte, ich hätte da echt was aufgedeckt. Aber was weiß ich schon…“, sagt er mit einem Grinsen, während er sich wieder entspannt zurücklehnt.

„Vielleicht solltest du es mal mit einer ernsteren Haltung probieren, dann würdest du auch den einen oder anderen Krieger für den Kampf gewinnen“, sagt Christiano, doch auch hier merkt man das kleine Lächeln, das er nicht ganz unterdrücken kann. Es ist selten, aber man sieht, dass er Kain nicht ganz widerstandslos lässt.

Kain hebt die Hand, als wäre er ein Lehrer, der gerade eine großartige Lektion erteilt hat. „Ich bin erschüttert. Heißt das ich habe heute mit meinen eigenen Phantasiegestalten trainiert?“

„Du bist wirklich urkomisch Kain.“, erwidere ich grinsend, während wir uns auf den Rückweg zum Lager machen.

„Hey, solange ich ernst bin, wenn es nötig ist, reicht das vollkommen aus.“, sagt Kain mit einem schelmischen Lächeln und sieht sich mit einem zufriedenen Blick um, als ob er gerade das Geheimnis des Lebens entdeckt hätte. „Weißt du, der einzige Unterschied zwischen mir und dir, Christiano, ist, dass ich weiß, wann man locker lässt. Du solltest das mal ausprobieren.“ „Ich lasse dich heute mal gewinnen, Kain“, antwortet Christiano mit einem leichten Lächeln. „Aber nur, weil es keine Diskussion wert ist.“ „Oh, das ist es!“, ruft Kain lachend. „Du kannst mich ruhig gewinnen lassen, aber in der nächsten Runde werde ich dir das Lächeln aus dem Gesicht wischen.“ „Darauf kannst du wetten“, antwortet Christiano ruhig, aber man spürt die Herausforderung in seiner Stimme.

Kain hebt die Hände und lacht. „Gut, gut, ich seh schon, da ist noch was an Feuer in dir. Aber irgendwann, mein lieber Christiano, wirst du auch erkennen, dass der Humor die wahre Waffe ist.“

„Wenn du das sagst“, murmelt Christiano mit einem kleinen Kopfschütteln. Und so verlassen wir den Trainingsplatz, ziehen uns zurück und rüsten uns für den nächsten Tag.

Der Tag beginnt mit dem leisen Rauschen der Burgmauern, das durch das Fenster dringt. Es ist noch früh, der Himmel draußen nur schwach erleuchtet von den ersten Strahlen der Sonne. Im Gemach ist es still, nur das Knistern des Kamins durchbricht die Stille. Ich wache auf und sehe, dass Christiano schon aufrecht sitzt, seine Augen auf das flackernde Feuer gerichtet. „Guten Morgen“, sage ich leise, als ich mich neben ihn setze und mich raffe. Die Decke ist warm und weich, doch der Ruf des Gartens lockt mich immer mehr. „Guten Morgen“, antwortet er ruhig, ohne mich anzusehen. „Ich dachte, du würdest noch schlafen.“

„Es ist ein schöner Morgen“, sage ich und werfe einen Blick auf die Flammen, die im Kamin tanzen. „Willst du mit mir in den Kräutergarten gehen? Leora wollte sowieso noch Kräuter ernten.“

Er schaut mich an, als überlege er kurz, dann nickt er. „Ich begleite dich, aber nur, wenn du mir nicht ständig auf die Nerven gehst.“ Ich grinse und stehe auf. „Versprochen.“

Wir verlassen das Gemach, durchqueren den stillen Flur und steigen die Treppe hinunter, die uns zu einem der versteckten Gärten der Burg führt.

Der Kräutergarten liegt ruhig vor uns, die frische Morgenluft trägt den Duft von Heilkräutern und Blumen. Die ersten Sonnenstrahlen brechen durch das Blätterdach und zaubern goldene Flecken auf die Erde. Der Boden ist noch feucht vom Tau der Nacht, und das Rascheln der Blätter im Wind ist das einzige Geräusch, das die Stille durchbricht.

Nari und Yara sind bereits da und arbeiten mit ruhigen, zielgerichteten Bewegungen, ihre Hände im Einklang mit der Erde. „Guten Morgen“, sage ich und entdecke Leora, die mit einer Schere in der Hand eine Heilpflanze sorgfältig schneidet.

„Morgen“, antwortet sie mit einem leichten Lächeln. „Komm, hilf mir, diese hier zu ernten. Wir brauchen sie für die Salben.“

„Braucht ihr Unterstützung?“ fragt Christiano, der sich neben uns stellt und mit verschränkten Armen auf das Beet schaut.

„Ja, du kannst die frischen Blätter dort hinten sammeln“, sagt Leora und weist auf eine Reihe Kräuter. „Und Nari, kannst du bitte noch mehr Lavendel holen? Wir brauchen mehr für die Tinkturen.“ „Schon erledigt“, sagt Nari mit einem kleinen Nicken und geht zu einem anderen Teil des Gartens, um die Lavendelsträucher zu durchforsten. „Wie läuft es mit den Vorräten?“ frage ich, während ich mich zu Leora geselle und vorsichtig eine Pflanze schneide.

„Gut“, sagt sie nachdenklich, während sie in den Korb legt. „Wir finden ständig neue Pflanzen, aber wir müssen genug für den Winter sichern. Du weißt, wie schnell Vorräte ausgehen können.“

„Ja“, antworte ich leise. Der Gedanke an den Winter und das, was uns noch bevorsteht, schleicht sich immer wieder in meine Gedanken. Aber für einen Moment lassen wir diese Sorgen beiseite und genießen die ruhige Arbeit im Garten.

Als wir später zurück ins Gemach gehen, die Körbe mit frischen Kräutern in unseren Händen, ist der Tag bereits weiter fortgeschritten. In der Burg hat sich eine angenehme Ruhe ausgebreitet. Die Fenster sind geöffnet, der warme Wind zieht sanft durch die Räume und die Sonne taucht die Gemächer in ein goldenes Licht.

Kain und Christiano warten bereits bei einem Tisch, an dem sie sich in ein Gespräch vertieft haben. Kain wirft uns ein breites Grinsen zu, als er uns sieht. „Ah, die Kräuterkundigen sind zurück“, ruft er. „Ich hoffe, ihr habt genug geerntet, um uns alle bis zum Frühling zu versorgen.“ „Mehr als genug“, sage ich mit einem kleinen Lächeln, während ich den Korb abstelle. „Es tut gut, mal etwas anderes zu tun, das nicht mit Kämpfen zu tun hat.“

„Oh, das war aber ein schöner Einstieg“, sagt Kain mit einem spöttischen Lächeln, „aber du weißt, dass du uns nicht für immer vom Kämpfen abhalten kannst, oder?“

„Ich weiß“, erwidere ich, „aber es hilft, hier zusammen zu sein. Ohne diese ständigen Schlachten draußen.“

„Du bist ein Träumer“, grinst Kain. „Du weißt, dass der Krieg uns irgendwann wieder einholen wird. Aber zumindest haben wir diesen Moment.“ „Manchmal“, sagt Christiano, der sich jetzt zu uns dreht, „muss man sich einfach an diesen Momenten festhalten. Für uns ist der Krieg nicht das Einzige, was zählt. Wir sind nicht mehr allein. Und das macht alles leichter.“ Ich blicke zu Kain, dann zu Leora, Nari und Yara, die sich um den Tisch versammeln. Wir sind eine Familie geworden und in dieser Burg, in diesem Moment der Ruhe, scheint es fast so, als ob es keine Gefahr mehr gäbe. Die Nähe zu ihnen, das Gefühl, nicht mehr allein zu sein, erfüllt mich mit einer tiefen Wärme.

Am Abend versammeln wir uns im Hof um ein großes Feuer. Die Flammen tanzen über unseren Gesichtern, werfen warmes Licht auf unsere Haut. Der Tag ist vergangen, und es fühlt sich an, als hätten wir alle etwas gefunden, was wir längst verloren geglaubt hatten – ein Stück Frieden. „Erinnert ihr euch noch an den ersten Tag, an dem ich hier war?“ Ich schmunzle, meine Stimme leise, während ich das Feuer beobachte. „Ich kannte keinen von euch und habe nur den Tot erwartet, wollte fort von hier.“ Kain lacht herzlich. „Ja, und jetzt würdest du uns vermissen.“ „Vielleicht ein bisschen“, necke ich, und ein Grinsen spielt auf meinen Lippen.

Leora, die sich in eine Decke und Kains Arme gekuschelt hat, seufzt leise. „Ich dachte nie, dass wir jemals so hier sitzen würden. Ohne Angst. Ohne Krieg.“ Christiano streicht sanft über meinen Handrücken. „Es wird immer Herausforderungen geben“, sagt er ruhig. „Aber jetzt sind wir nicht mehr allein. Und das macht alles erträglicher.“

Ich blicke zu Kain und Leora. Unsere Familie ist gewachsen, und es fühlt sich an, als hätten wir etwas erreicht, das uns stark macht – nicht nur als Krieger, sondern als Menschen, die zusammenhalten, egal was kommt. „Ja“, sage ich leise, „wir sind nicht mehr allein.“

Die Nacht ist ruhig und still, der Mond hoch am Himmel, und sein silbernes Licht schimmert durch das Fenster unseres Gemaches. Wir haben uns von der Gesellschaft zurückgezogen, und als wir uns in den Armen finden, ist es, als ob der Rest der Welt verschwunden wäre. Die Zuneigung, die wir miteinander teilen, ist intensiv, und während sich unsere Körper vereinen, verfliegt die Müdigkeit des Tages. Alles, was zählt, ist dieser Moment. Später, als wir erschöpft nebeneinander liegen, die Wärme unserer Körper noch spürbar, blickt Christiano zum Fenster. Ein leises Seufzen entfährt ihm, als er den Himmel betrachtet. „In diesem Monat kommt etwas Besonderes“, sagt er, sein Finger streichelt sanft meine Haut. „Ein Blue Moon.“ „Ein Blue Moon?“, frage ich, den Kopf auf seinem Arm abstützend. „Was bedeutet das?“

„Es ist der Mond, der nur alle paar Jahre erscheint“, erklärt er ruhig. „Er hat eine besondere Bedeutung für die Skinwalker. Er ist ein Symbol der Fruchtbarkeit und der Erneuerung, ein Moment, der alles verändern kann. Bei uns ist er ein Fest, ein Ereignis, das alle spüren.“

„Ein Fest?“ frage ich, interessiert. „Wie wird das gefeiert?“

„Anders als du es gewohnt bist“, antwortet er mit einem leichten Schmunzeln. „Es ist ein Fest der Lust, der Freude und des Lebens. Ein Ausbruch, ein Zeichen für den Zyklus der Natur. Es geht nicht nur um das Land und die Ernte – es geht um uns, um die Verbindung zwischen den Menschen. Um die Kräfte, die in uns allen wirken.“

Ich lache leise und setze mich ein Stück hoch, mich auf meinem Ellbogen abstützend. „Ach, du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich mich jetzt noch wundern würde.“ Ich grinse. „Ich lebe jetzt schon lange genug bei euch. Ich bin ein Teil von eurem Volk, und eure Bräuche sind inzwischen auch meine.“ „Das stimmt“, erwidert er mit einem verschmitzten Lächeln. „Du weißt, wie wir feiern.“

„Genau“, antworte ich selbstbewusst und lasse mich wieder zurück ins Kissen sinken. „Ich werde mich auf jede Art von Fest freuen, die ihr zu bieten habt. Ich weiß, wie Skinwalker feiern. Ich habe da keine Sorgen.“ Er grinst schelmisch, und ein Schauer läuft mir über den Rücken. Etwas an seinem Blick, an diesem Grinsen, lässt mich plötzlich unruhig werden. Ein seltsames Gefühl beschleicht mich – als ob ich etwas verpasst habe, als ob mir eine Information fehlt.

„Du hast recht“, sagt er schließlich, sein Lächeln wird breiter. „Du hast wirklich keine Sorgen. Nur… du hast eine wichtige Sache noch nicht ganz verstanden.“ „Was denn?“, frage ich, plötzlich neugierig und auch ein wenig nervös. „Das Fest der Fruchtbarkeit wird zum Blue Moon ausgelassener und ausgezogener gefeiert. Es ist nicht nur eine Feier des Lebens, sondern auch eine Feier des Körpers – eine Feier der Verbindung, die zwischen uns allen entsteht.“ Er sieht mich an, und seine Augen funkeln. „Es wird intensiver, als du es dir vorstellen kannst.“

Ich schlucke. Die Bedeutung seiner Worte durchdringt mich langsam. In diesem Moment verstehe ich, dass es bei diesem Fest nicht nur um Tanz und Freude geht, sondern dass die Skinwalker diese Zeit als eine Möglichkeit sehen, sich tief zu verbinden – auf eine Art, die ich mir bisher nicht vorstellen konnte. „Also“, sage ich schließlich, „ich werde auf jeden Fall dabei sein.“ „Das wirst du“, sagt er, und ich spüre, wie sich sein Grinsen in etwas Weitaus Schärferes, Verführerisches verwandelt. „Glaub mir, du wirst diese Nacht nie vergessen.“

Ein kaltes, elektrisierendes Gefühl fährt mir den Rücken hinunter. Es ist ein Versprechen, ein Test, und ich weiß, dass ich mich darauf einlasse.

Die ersten Sonnenstrahlen brechen durch das Fenster, als ich mich langsam aus den warmen Laken schäle. Christiano schläft noch, sein Atem ruhig, sein Gesicht entspannt. Einen Moment lang betrachte ich ihn – meinen Gefährten, meinen Alpha. Doch die Pflicht ruft, und so verlasse ich leise das Bett, kleide mich an und verlasse unser Gemach.

Vor den Toren der großen Halle wartet bereits eine Gruppe von Dorfbewohnern auf mich. Frauen, die Fragen haben. Junge Krieger, die sich Rat holen. Älteste, die ihre Sorgen teilen. Ich bin nicht nur Christianos Gefährtin. Ich bin ihre Königin.

Leora begrüßt mich mit einem schiefen Lächeln, während sie bereits eine Liste in den Händen hält. „Bereit für einen langen Tag?“ „Natürlich“, erwidere ich mit einem entschlossenen Lächeln. Zusammen besuchen wir eine schwangere Frau – eine der ersten in unserem Volk, seit der Fluch gebrochen ist. Sie sitzt auf einem einfachen Holzstuhl in ihrer Hütte, ihre Hände schützend auf ihrem Bauch. Ihre Augen sind voller Sorge. Ich knie mich vor sie, nehme sanft ihre Hand und lausche ihren Ängsten. „Wir wachsen wieder“, flüstert sie mit einem Hauch von Hoffnung in der Stimme.

Ich drücke ihre Hand fester. „Und wir werden dafür sorgen, dass ihr Kind sicher geboren wird.“

Die nächsten Stunden verbringe ich mit weiteren Anliegen. Ich berate einen jungen Krieger, der unsicher ist, ob er für die kommende Reise in den Norden bereit ist. Ich nehme mir Zeit für eine ältere Frau, die Hilfe für ihren kranken Mann erbittet. Ich gehe durch die Gassen des Dorfes, höre zu, beantworte Fragen, bin da.

Erst am Nachmittag habe ich einen Moment für mich. Und ich weiß genau, wo ich ihn verbringen will.

Der Kampfplatz ist bereits voller Leben, als ich eintreffe. Kain und Bronn sind in einen intensiven Zweikampf vertieft, während Taron mit verschränkten Armen abseits steht und das Geschehen mit einem amüsierten Grinsen beobachtet. Ich geselle mich zu ihm, verschränke ebenfalls die Arme und beobachte das Treiben.

„Glaubst du, Bronn hat eine Chance?“ frage ich mit einem schiefen Lächeln. Taron schnaubt. „Wenn Kain sich selbst ein Bein stellt, vielleicht.“ Ich lache. „Oder wenn der Himmel sich auftut und die Götter ihm beistehen.“

Unsere Kommentare bleiben nicht unbemerkt. Kain verpasst Bronn einen besonders harten Treffer, der ihn auf die Knie zwingt, bevor er uns mit einem herausfordernden Funkeln in den Augen mustert. „Wenn ihr zwei weniger quatschen und mehr kämpfen würdet, wärt ihr vielleicht nicht so eingerostet“, ruft er zu uns herüber. Ich hebe eine Augenbraue. „Ich fürchte, mein bodenlanges Kleid ist heute nicht gerade für den Kampf gemacht.“

„Das ist eine Ausrede“, kontert Kain sofort und setzt ein provokantes Grinsen auf. „Sag doch einfach, dass du Angst hast, gegen mich zu verlieren.“

Bronn und Taron müssen sich merklich zusammenreißen, um nicht laut loszulachen. Ich stöhne theatralisch, werfe meine Hände in die Luft. „Na gut, aber du wirst meinem verehrten Alpha-Gemahl erklären müssen, warum mein Kleid nach diesem Kampf zerrissen ist.“ „Ich nehme das Risiko in Kauf“, erwidert Kain grinsend. Bevor er noch mehr sagen kann, packe ich den Stoff meines Kleides an beiden Seiten und reiße ihn mit einem kräftigen Ruck ein, bis er mir genügend Bewegungsfreiheit bietet. Kains Grinsen wird noch breiter. „Das wird interessant“, murmelt Taron.

Wir umkreisen uns auf dem Sandplatz, Kain mit seiner üblichen lässigen, aber berechnenden Haltung, während ich mich auf meine Strategie konzentriere. Ich kenne seine Stärken und Schwächen, genauso gut wie er meine. Es wird kein einfacher Kampf.

Kain setzt als Erster zum Angriff an, aber ich weiche geschickt aus, kontere mit schnellen Schlägen. Unsere Klingen prallen aufeinander, das metallische Klingen hallt über den Platz. Keiner von uns gewinnt die Oberhand – jeder Angriff wird gekontert, jede Finte durchschaut.

Dann entscheide ich mich für einen Trick. Ich lasse mein Schwert abrupt fallen. Kain zögert einen Bruchteil einer Sekunde, verwundert über meine Handlung – doch er bleibt vorsichtig. Ich nutze diesen Moment, renne auf ihn zu, als würde ich direkt in seine Arme springen.

Doch kurz bevor ich ihn erreiche, stoße ich mich mit aller Kraft vom Boden ab, lege meine Hände auf seine Schultern und schlage ein Rad über ihn hinweg. Bevor er sich umdrehen kann, lande ich geschmeidig hinter ihm, schlinge meinen Arm um seinen Hals und lehne mich an sein Ohr. „Schachmatt, mein Lieber.“

Kain lacht, atmet schwer und hebt die Hände als Zeichen der Niederlage. „Du bist gerissener, als ich dachte.“

Bronn und Taron brechen in schallendes Gelächter aus, während ich meine Klinge wieder an mich nehme und Kain ein siegessicheres Lächeln zuwerfe. „Manchmal muss man eben unkonventionelle Wege gehen“, sage ich und zwinkere ihm zu.

Er reibt sich grinsend den Nacken. „Das werde ich mir merken.“ Während ich noch immer grinsend mein Schwert aufhebe und Kain sich den Nacken reibt, höre ich Schritte hinter mir. Noch bevor ich mich umdrehen kann, ertönt Christianos tiefe Stimme mit amüsierter Strenge: „Möchte mir jemand erklären, warum das Kleid meiner Gefährtin aussieht, als hätte sie einen Kampf mit einem Rudel wilder Tiere gehabt?“ Ich drehe mich um und sehe ihn mit verschränkten Armen dastehen, den Blick langsam von meinem zerfetzten Kleid über die schweißbedeckten Gesichter von Kain, Bronn und Taron gleiten lassend. Sein Blick bleibt an mir hängen – an den aufgeschlitzten Stoffbahnen, die nun eher an eine improvisierte Kampfmontur erinnern als an ein königliches Gewand.

Kain hebt beide Hände, ein unschuldiges Grinsen im Gesicht. „Das war nicht meine Schuld. Sie hat es freiwillig getan.“

Taron prustet los. „Sehr freiwillig sogar. Und ziemlich dramatisch.“

Ich werfe den beiden einen spielerischen Seitenblick zu, bevor ich mit gespielter Unschuld auf Christiano zugehe.

„Nun, mein lieber Alpha-Gemahl, dein Beta hat mich herausgefordert, und ich konnte meine Ehre ja wohl nicht einfach so beschmutzen lassen.“ Ich lege eine Hand auf seine Brust und blicke zu ihm auf. „Also musste ich… improvisieren.“ Christiano zieht eine Augenbraue hoch, sein Blick wandert erneut über den Zustand meines Kleides. „Improvisieren? So nennst du das, wenn du dein Kleid zerreißt und durch Sandplätze turnst?“

Ich zucke mit den Schultern. „Nun ja… Ich habe den Kampf gewonnen, wenn dich das beruhigt.“

Kain schnaubt. „Das ist diskutabel.“

Ich drehe mich halb zu ihm um und funkle ihn herausfordernd an. „Ach wirklich? Hatte ich oder hatte ich nicht meinen Arm um deinen Hals? Hm?“ Kain kneift die Augen zusammen, überlegt kurz – dann seufzt er dramatisch. „Fein. Du hast gewonnen. Aber nur, weil ich abgelenkt war von dem Gedanken, wie du das deinem Mann erklären wirst.“

Christiano legt eine Hand an mein Kinn, zwingt mich sanft, ihm wieder in die Augen zu sehen. „Und? Wie wirst du es mir erklären?“ Ich blinzele unschuldig. „Ganz einfach: Es war ein ehrenhafter Kampf. Und wenn du möchtest, kann ich dir gerne beweisen, dass sich die Zerstörung meines Kleides gelohnt hat.“

Ein gefährliches Glitzern erscheint in seinen Augen. Seine Finger streichen kurz über den zerrissenen Stoff an meiner Hüfte. „Oh, da bin ich mir sicher.“ Taron hustet gespielt. „Also wenn ihr das hier jetzt auf eine andere Ebene hebt, bin ich raus.“

Bronn grinst. „Ich auch. Ich habe heute schon genug gesehen.“ Ich lache, während Christiano mir einen letzten durchdringenden Blick zuwirft. Dann seufzt er, schüttelt leicht den Kopf und murmelt: „Ich schwöre, irgendwann wirst du mich in den Wahnsinn treiben.“ Ich grinse. „Wahrscheinlich. Aber du liebst es.“

Er erwidert mein Lächeln – und ich weiß, dass er mir längst verziehen hat.

Christiano seufzt noch einmal, doch ein Schmunzeln spielt um seine Lippen. Dann legt er eine Hand an meine Hüfte, zieht mich näher zu sich und mustert erneut mein zerfetztes Kleid.

„Weißt du, irgendwann werde ich dich in Ketten legen, nur um zu verhindern, dass du in zerrissenen Kleidern durch die Burg rennst.“ Seine Stimme ist tief, leise – und viel zu amüsiert, als dass ich ihm die Drohung abkaufen würde. Ich lehne mich ein Stück näher an ihn, mein Blick herausfordernd. „In Ketten, ja? Bist du sicher, dass du damit nicht eher dich selbst in Schwierigkeiten bringst?“ Taron räuspert sich lautstark. „Und da verabschiede ich mich offiziell.“ Bronn lacht und klopft Kain auf die Schulter. „Komm, lass uns gehen, bevor sie anfangen, sich in aller Öffentlichkeit anzufallen.“ Kain schnaubt. „Oder bevor sie mich für den Zustand dieses Kleides verantwortlich machen.“

Ich lache, während die drei den Trainingsplatz verlassen und uns allein zurücklassen. Christiano blickt ihnen nach, bevor er sich wieder mir zuwendet. „Du bist unverbesserlich.“ Seine Stimme ist weich, voller Zuneigung. „Und du liebst mich genau so.“

Er legt zwei Finger unter mein Kinn, hebt mein Gesicht zu sich hoch. „Mehr, als ich es jemals ausdrücken könnte.“ Dann senkt er seinen Kopf und küsst mich – sanft, aber fordernd, als wolle er mir genau beweisen, wie ernst er diese Worte meint.

Der Wind streicht über den Kampfplatz, trägt den Geruch von Sand und Metall mit sich. Der Tag neigt sich dem Ende zu, doch in diesem Moment gibt es nur uns beide.

Als sich unsere Lippen trennen, haucht Christiano mir ein Lächeln gegen den Mund. „Komm mit. Ich glaube, es ist an der Zeit, dich aus diesem Kleid zu befreien – aber diesmal auf eine weniger brutale Weise.“ Ich grinse. „Wie großzügig von dir.“

Hand in Hand verlassen wir den Platz, während die Sonne hinter der Festung versinkt und die ersten Sterne am Himmel aufblitzen.

Am nächsten Morgen liegt eine neue Spannung über der Festung. Nur noch zwei Tage bis zum Blue Moon...

Die Luft ist erfüllt von Geschäftigkeit, vom Klirren von Werkzeugen, vom Lachen der Frauen, die Stoffe weben, und von den Stimmen der Männer, das Holz für die Feuerstätten heranschaffen.

Für das Fest der Fruchtbarkeit und Leidenschaft. Ein anderes Fest als die, die wir bisher gefeiert haben. Nicht nur eines des Lebens, sondern einer der Sinnlichkeit, der Hingabe. Und dieses Mal bin ich nicht nur Gast - ich bin mittendrin.

Leora steht neben mir, eine Liste aus Pergament in der Hand, ihre Stirn in Falten gelegt. „Wir brauchen noch mehr Fackeln für den äußeren Kreis der Lichtung. Wenn es dunkel ist, werden einige sonst wahrscheinlich in den Büschen landen.“

Ich schnaube leise. „Und das wäre eine Schande.“ Sie hebt eine Braue. „Das wäre ein Chaos. Was ist mit den Stoffbahnen für die Zeremonie? Hast du mit Lirian gesprochen?“

Ich nicke. „Ja, die Webstühle sind kaum zur Ruhe gekommen. Die Stoffe sind in tiefem Rot, Gold und dunklem Blau – passend zur Nacht des Blue Moon.“ „Gut.“ Sie fährt mit dem Finger über die Liste. „Das Holz für die Hauptfeuerstellen wird gerade gesammelt, wir brauchen mindestens drei große Feuer. Alle müssen die ganze Nacht brennen.“

Mein Blick schweift über den Platz, wo die ersten hohen, geschnitzten Pfähle errichtet werden. Symbole der Leidenschaft, der Einheit, uralte Zeichen, die seit Generationen zum Blue Moon aufgestellt werden. „Ich will, dass die Feuer größer sind als sonst. Dieses Jahr ist anders.“ Leora sieht mich an, einen Moment lang schweigend, dann nickt sie. Sie weiß, was ich meine. Dieses Jahr ist Fruchtbarkeit nicht nur ein Gebet der Hoffnung – sie ist Realität.

Wir gehen weiter zur vorbereiteten Beleuchtung, dem Herzstück des Festes. „Die Feuer müssen hier brennen, um die Mitte zu erhellen“, sage ich und deute auf den offenen Platz. „Hier wird getanzt, hier wird gefeiert. Und dort drüben“ Ich zeige auf die Schatten zwischen den Bäumen, die mit tiefen, sinnlichen Farben geschmückt werden. „Dort wird Raum für jene sein, die die Nacht für sich beanspruchen wollen.“

Leora schnaubt leise, aber sie schüttelt nicht den Kopf. „Du willst auch tatsächlich, dass es ein richtiges Fruchtbarkeitsfest wird? Nicht nur ein Symbol, sondern…“ Sie macht eine vage Geste. Ich lächle herausfordernd. „Unsere Art hat sich lange genug zurückgehalten. Es ist Zeit, sich wieder an das Leben zu erinnern.“

Leora verschränkt die Arme vor der Brust, ihr Blick ruht amüsiert auf mir. „Die anderen werden diese Idee mit ausgelassener Freude und Jubel begrüßen.“ Ich runzel leicht die Stirn. „Was meinst du?“

Sie schüttelt schmunzelnd den Kopf. „Ich dachte nur an Dich. Die Einzige, die vielleicht noch ein wenig Scham oder Beklemmung empfindet.“ Verwirrt sehe ich sie an. „Immerhin gibt es Gewänder.“ Leora blinzelt – und dann beginnt sie zu grinsen. „Ja, für den Anfang.“ Sie streckt sich ein wenig zu mir hin, als ob sie mir ein großes Geheimnis anvertrauen würde. „Aber in einer der Zeremonien… werden diese vollständig abgelegt, Kate.“

Mein Magen verkrampft sich leicht. „Was?“

Sie zuckte die Schultern, ein amüsiertes Glitzern in ihren Augen. „Es ist ein Fest der Sinnlichkeit. Du wirst dich auch als Erdbeere mit hochrotem Gesicht wohlfühlen müssen.“

Ich starre sie an, mein Gehirn arbeitet langsam, bis mir ihre Worte wirklich ins Bewusstsein dringen. „Du willst mir damit sagen, dass wir…, dass alle…“ Leora lacht laut auf, ein herzhaftes, ungezwungenes Lachen, das mir deutlich macht, dass sie sich diesen Moment gerade auf der Zunge zergehen lässt. Langsam dämmert es mir. Das Fest werden wir nackt verbringen. Zum großen Teil. Alle.

Und wenn es schon ein Fest der Fruchtbarkeit und Leidenschaft war, dann… dann wird es wohl von in sich verschlungenen Paaren nur so wimmeln. Ich schlucke.

Leora klopft mir grinsend auf die Schulter. „Willkommen in unserer Kultur, Kate.“