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Unser körperliches und seelisches Wohlbefinden ist heute oft Arbeits- und Lebensstrukturen ausgesetzt, die Anspannung, Stress und Mühsal verursachen. Dazu kommen "eingefleischte" Gewohnheiten, die den Zugang zum eigenen Körper verstellen – und damit den Weg zur Zufriedenheit mit dem eigenen Sein und Tun. Zapchen Somatics ist eine körperbezogene Methode, die sich auf Erkenntnisse aus der Psychosomatik einerseits und Traditionen des tibetanischen Vajrayana-Buddhismus andererseits stützt. Der Körper wird hier als Quelle des "Well-Being" erlebbar, eines Lebensgefühls, das Freude, Klarheit, Weite und Leichtigkeit einschließt. Die sehr einfachen Übungen lassen Sicherheit und Zufriedenheit erleben, stärken die Selbstheilungskräfte und vertiefen die Verbundenheit mit dem Leben und den Menschen um uns herum. Mitgefühl und Achtsamkeit entwickeln sich. Humor begleitet das Üben. Cornelia Hammer gehört zur ersten Generation der Zapchen-Lehrer:innen im deutschsprachigen Raum und hat die Methode bei ihrer Urheberin Julie Henderson erlernt.
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Seitenzahl: 206
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Für meine TöchterSinja und Esha
Cornelia Hammer
Mit Zapchen Somatics zu Leichtigkeit und Wohlbefinden
Dritte Auflage, 2022
Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats des Carl-Auer Verlags:
Prof. Dr. Rolf Arnold (Kaiserslautern)
Prof. Dr. Dirk Baecker (Witten/Herdecke)
Prof. Dr. Ulrich Clement (Heidelberg)
Prof. Dr. Jörg Fengler (Köln)
Dr. Barbara Heitger (Wien)
Prof. Dr. Johannes Herwig-Lempp (Merseburg)
Prof. Dr. Bruno Hildenbrand (Jena)
Prof. Dr. Karl L. Holtz (Heidelberg)
Prof. Dr. Heiko Kleve (Witten/Herdecke)
Dr. Roswita Königswieser (Wien)
Prof. Dr. Jürgen Kriz (Osnabrück)
Prof. Dr. Friedebert Kröger (Heidelberg)
Tom Levold (Köln)
Dr. Kurt Ludewig (Münster)
Dr. Burkhard Peter (München)
Prof. Dr. Bernhard Pörksen (Tübingen)
Prof. Dr. Kersten Reich (Köln)
Dr. Rüdiger Retzlaff (Heidelberg)
Prof. Dr. Wolf Ritscher (Esslingen)
Dr. Wilhelm Rotthaus (Bergheim bei Köln)
Prof. Dr. Arist von Schlippe (Witten/Herdecke)
Dr. Gunther Schmidt (Heidelberg)
Prof. Dr. Siegfried J. Schmidt (Münster)
Jakob R. Schneider (München)
Prof. Dr. Jochen Schweitzer (Heidelberg)
Prof. Dr. Fritz B. Simon (Berlin)
Dr. Therese Steiner (Embrach)
Prof. Dr. Dr. Helm Stierlin ✝ (Heidelberg)
Karsten Trebesch (Berlin)
Bernhard Trenkle (Rottweil)
Prof. Dr. Sigrid Tschöpe-Scheffler (Köln)
Prof. Dr. Reinhard Voß (Koblenz)
Dr. Gunthard Weber (Wiesloch)
Prof. Dr. Rudolf Wimmer (Wien)
Prof. Dr. Michael Wirsching (Freiburg)
Prof. Dr. Jan V. Wirth (Meerbusch)
Themenreihe »Reden reicht nicht!?«
hrsg. von Michael Bohne, Gunther Schmidt
und Bernhard Trenkle
Reihengestaltung: Uwe Göbel
Umschlagfoto: © izf/shutterstock
Satz: Drißner-Design u. DTP, Meßstetten
Printed in Germany
Druck und Bindung: CPI books GmbH, Leck
Dritte Auflage, 2022
ISBN 978-3-8497-0302-8 (Printausgabe)
ISBN 978-3-8497-8193-4 (ePUB)
© 2019, 2022 Carl-Auer-Systeme Verlag
und Verlagsbuchhandlung GmbH, Heidelberg
Alle Rechte vorbehalten
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Geleitwort
Vorwort
Dank
Einführung
Wozu dieses Buch?
Die Quelle
Wie üben?
Doch noch ein Hinweis
1 Sicherheit
1.1 Kontakt zum Boden
1.2 Mein Raum, meine Grenzen
1.3 Das Mangelbewusstsein vertreiben – Zufriedenheit entstehen lassen
1.4 Sich mit Vergänglichkeit anfreunden
2 Im Körper zu Hause sein
2.1 Selbstregulation stärken
2.2 Summen
Summende Partnerübungen
2.3 Wohlwünschen
2.4 Heilsames entdecken und zulassen
Aus der Stressfalle entkommen
Selbstheilungskräfte unterstützen
Heilsames in der Krankenbegleitung
Heilsames für verfestigte psychische sowie körperliche Strukturen
3 Gute Gesellschaft
3.1 Verbundenheit erleben
3.2 Innerlich verbunden sein
4 Sich dem Leben öffnen
5 Übungen für das Fortschreiten
6 Was ist Zapchen?
6.1 Die Wurzeln
6.2 Das Üben
6.3 Verschiedene Ebenen von Zapchen
Das Herzstück von Zapchen
6.4 Verschiedene Aspekte von Zapchen
Selbstfürsorge
Heilsames
Psychotherapeutische Implikationen
Zapchen in der Arbeit mit Gruppen
7 Üben von Zapchen: Tägliche Praxis
Wichtige Hinweise
Zapchen-Übungen einsetzen, Zapchen-Übungsgruppen anleiten, Zapchen lehren
Stimmen zu Zapchen
Verzeichnis der Übungen
Literatur
Über die Autorin
Dieses Buch ist eine wundervolle Einladung in den Raum des Zapchen.
Cornelia Hammer ist eine erfahrene Lehrerin. Mit Klarheit, rückhaltloser Hingabe und mit Humor beschreibt sie, wie wir das Feld des Well-Being (in seiner tiefsten Bedeutung) betreten können.
Möge diese Einladung viele Menschen erreichen und viele Herzen berühren!
Julie Henderson, Ph.D.
Lama Tsoknyi Palmo Sanjay Khandro
Was ist Zapchen? Gähnen, Nickerchen machen, Körperteile schwingen, schaukeln, seufzen, summen, hocken, sich strecken, aufstehen und sich hinlegen, »lustiges Sprechen« mit verformtem Mund, Wangen oder Lippen, lachen, kichern, hüpfen, schnauben, trampeln, stampfen. Das sind die Aktivitäten, an die man (wieder) herangeführt wird, wenn man damit anfängt, Zapchen Somatics zu üben. Wenn man diese Liste liest, könnte man denken, dass das ziemlich albernes, lächerliches oder sogar verrücktes Zeug ist, so wie ich das dachte in den ersten Momenten eines Zapchen-Einführungsworkshops, den Cornelia Hammer angeboten hat. Schnell jedoch begann ich zu merken, dass Zapchen Teile meines Seins und meiner Präsenz auf eine Weise berührt, wie es 30 Jahre Achtsamkeits-Vipassana-Meditation nicht getan haben, obgleich die Achtsamkeitsmeditation mir doch profunde Einsichten in die Natur der Erfahrung und der Welt gewährt hat.
Zapchen jedoch bot mir eine Rückkehr zu den ursprünglichsten, kindgleichen Formen von Offenheit, Freundlichkeit, Sanftheit, aber auch Rohheit der Bewusstheit; eine Art der Präsenz, die vor der Sozialisierung und kulturellen Anpassung liegt, die in den ersten Jahren der Kindheit schnell Form annimmt. Diese Prozesse von Kultur und Sozialisation ändern uns alle auf wesentliche Arten, notwendig vielleicht, um effektiv in der Gesellschaft zu funktionieren. Aber sie verringern auch schrittweise und effektiv unsere frühe Unschuld, unseren reinen, ungefilterten Kontakt mit der Welt, unsere jugendliche und kindliche Kraft der Präsenz und das Fehlen von Hemmung. Meine kurze Erfahrung mit Zapchen machte mir auch deutlich, warum ich so eine riesige Freude empfinde, wenn ich mit meinen Enkelkindern spiele und dabei zu diesen frühesten Formen von Präsenz zurückkehre und herumhüpfe und »alberne« Bewegungen, Geräusche und Grimassen mache. Auf eine sehr greifbare Art scheint Zapchen etwas zu sein wie nach Hause kommen, über »Erziehung« hinaus und davor zu gehen, zu den frühesten Formen der Präsenz zurückzukehren, in denen Freude und Traurigkeit sich noch nicht in mentale Erzählungen, Täuschungen und Fiktionen verwandelt haben. Das könnte es sein, was Zapchen denen anbietet, die bereit sind für eine kurze Zeit ihre Zweifel und ihr »Erwachsensein« zur Seite zu legen.
Cornelia Hammers Buch bietet eine sehr hilfreiche, klare und liebevolle Einführung in Zapchen und seine Übungen, geschrieben von einer begabten Psychotherapeutin, die ihr eigenes praktisches Wissen und ihre Fähigkeiten, Zapchen zu unterrichten, über mehrere Jahrzehnte entwickelt hat.
Dr. Paul Grossman
emeritierter Forschungsleiter der Abteilung für Psychosomatik
und Innere Medizin der Universitätsklinik Basel
Leiter des Europäischen Zentrums für Achtsamkeit in Freiburg
Zunächst und vor allem an Julie Henderson, die mit großem Mut und unendlicher Hingabe die Übungsweise Zapchen entwickelt hat. Vieles von dem, was sie bereits vor Jahrzehnten gelehrt hat, wird erst jetzt als neue wissenschaftliche Erkenntnis angesehen und durch Studienergebnisse gestützt. Dank auch an ihre Art der Vermittlung, die Zapchen zu einem lebendigen, immer weiter wachsenden Raum hat werden lassen, der mehr und mehr Menschen berührt und in sich aufnimmt.
Dank an die Zapchen-Sangha, die in vielen Jahren liebevolle Begleitung in einem Prozess der Erweiterung und gleichzeitigen Vertiefung war.
Besonderen Dank an meine beiden Kollegen in unserem Zapchen Tsokpa Institut in Kassel – meinen Mann Bernhard Hammer, mit dem mich so unendlich vieles verbindet, und meine Kollegin und vor allem Freundin und Wegbegleiterin Marlies Winkler für wertvolle Korrekturen und hilfreiche Gespräche zur Klärung. Im jahrelangen gemeinsamen Unterrichten sind wir neue und ungewöhnliche Wege der Zusammenarbeit gegangen und haben uns gegenseitig ermutigt, der Intuition und dem großen Raum zu vertrauen, in dem Zapchen aufblüht.
Dank an alle Menschen, die neugierig genug waren und sind, Erfahrungen mit Zapchen zu machen. Menschen, die Zeit und Energie investieren, um sich auf ein Üben einzulassen, das allmählich zu einer Seinsweise wird. Dank für all die geteilten Stunden und Erfahrungen.
Dank vor allem auch an die tibetisch-buddhistischen Lehrer, die Zapchen unter ihre weitgespannten Flügel genommen haben. Bairo Tulku Rinpoche, der im September 2017 gestorben ist und dessen liebende Präsenz uns im Zapchen weiter begleitet. Seine Heiligkeit Gyalwang Drukpa, der selbst in viel beschäftigen Zeiten ein Ohr für unsere Anliegen hat und dessen Belehrungen auf vielen Retreats uns einen weiten Raum geöffnet haben.
Dank auch an Gunthard Weber, den »Anstifter« dieses Buches, dessen freundliche Einladung und Ermunterung mich zum Schreiben verlockt hat; an meine Schwester Annette Marschall, die die erste Fassung des Manuskriptes gelesen hat und mir Mut gemacht hat; an meine Kollegen im Institut für wertvolle Korrekturen und hilfreiche Gespräche zur Klärung.
Und herzlichen Dank an das Team des Carl-Auer Verlags für die große Unterstützung und dabei besonders an Ralf Holtzmann und Nicola Offermanns für das fein abgestimmte Lektorat, das dem Text doch auch seine Eigenheit gelassen hat.
Cornelia Hammer
Kassel, im Februar 2019
Nach 25 Jahren eigener Erfahrung und nach gut 20 Jahren, in denen ich andere Menschen in der Übungsweise Zapchen1 unterrichtet habe, ist dieses Buch entstanden.
Es möge eine Einladung sein, sich mit schlichten und sehr einfachen Übungen zurückzubesinnen auf die Fülle, die Freude und das Wohlgefühl, das dem einfachen Sein innewohnt, wenn wir uns dafür öffnen können.
Es gibt nichts zu erreichen, es gibt nichts, wofür man sich besonders anstrengen müsste, es gibt nur die Einladung, Hingabe und Vertrauen ins Leben zu entwickeln, sie zu vertiefen und zu genießen, was dabei nach und nach auftaucht.
Das klingt unglaublich einfach – und ist es auch. Je einfacher, desto wirkungsvoller.
In der gesellschaftlichen Situation, in der wir uns befinden, wird es immer dringender notwendig, Boden, Anker und Orientierung zu finden in den schnellen und großen Veränderungsprozessen und in den verunsichernden Fragen, die sich uns stellen.
Immer wieder weisen vor allem Neurowissenschaftler und Philosophen darauf hin, dass sowohl zur Versicherung als auch zur Orientierung das Gefühl für uns selbst, für uns als Körper, besonders wichtig ist. Wir brauchen es, um zu wissen und vor allem zu spüren, wer wir sind und was wir wirklich brauchen.
Die Rückbesinnung auf »mich selbst« ist keine Flucht vor den drängenden Fragen, sondern eine Erforschung der Basis des Menschseins, die sowohl Bedürfnisse deutlich macht als auch Sensibilisierung schafft. Hier kann sich eine Kreativität entfalten, mit der wir den Herausforderungen begegnen können. Bei den Übungen in diesem Buch finden sich keine Antworten auf die immer drängenderen Fragen und Krisensituationen (wie z. B. Digitalisierung, Klimawandel, Globalisierung oder auch die geopolitische Situation), aber es gibt Hinweise, wie wir inmitten von allem unser Menschsein spüren, es verlebendigen und zur Basis unserer Entscheidungen machen können.
Unsere Grundbedürfnisse sind schlicht und meist einfach zu erfüllen. Und wenn wir wahrnehmen, dass sie erfüllt sind, werden wir grundzufrieden und kommen dem Lebensglück schon nahe. Wir brauchen Sicherheit, Grundversorgung, soziale Verbundenheit bei klaren Grenzen, Wertschätzung für uns und die eigene Wertschätzung für das, was wir haben.
Wir leben in unserer Gesellschaft unter Bedingungen, die es den meisten von uns ermöglichen, diese Grundbedürfnisse zu erfüllen, und dennoch leben wir oft eher in Anspannung, Stress und Mühsal. Es geht dabei um Arbeits- und Lebensstrukturen, die uns belasten, stressen und unzufrieden machen. Es geht aber auch um »eingefleischte« Gewohnheiten, die uns von der bewussten Wahrnehmung der Fülle abschneiden. Und es geht um Gewohnheiten, die uns eher von der Zufriedenheit fernhalten, als uns für sie zu öffnen.
Zugleich haben wir als Menschen die Möglichkeit, unser Bewusstsein zu öffnen für die Erfahrung von Weite, Klarheit, großer Freude und einem tiefen Gefühl von Zuhausesein im Sein. Und wir tragen eine unbestimmte Sehnsucht mit uns, die uns darauf hinweist.
In diesem Buch sind Sie eingeladen, sich auf eine Übungsweise einzulassen, die Sie unterstützt, sich mit der Fülle wieder zu verbinden, dem einfachen Dasein Raum zu geben, größere Räume von Offenheit, Präsenz und Bewusstheit zu erleben. Womöglich entstehen daraus dann Impulse und Initiativen, die eigenen Lebensbedingungen in eine Richtung zu verändern, die Zufriedenheit und Glück unterstützt.
Aber zunächst geht es um das, was wir jetzt, hier, »inmitten von allem«, tun können, um unser »Well-Being« zu entwickeln. Dieses »Well-Being« ist der Überbegriff für ein Lebensgefühl, in dem wir mit unserer ursprünglichen Natur – mit der uns innewohnenden Weite, Klarheit, Freude und Offenheit – wieder mehr verbunden sind, Zufriedenheit und Glück wieder wahrnehmen und in dem es uns möglich ist, uns immer wieder mit diesem Ursprung unseres Seins zu verbinden.
Die Übungen in diesem Buch, ihre Struktur, ihre Intention und das mitschwingende Verständnis dafür, wer wir als Menschen sind, gehen zurück auf Julie Henderson und die Übungsweise Zapchen oder auch Zapchen somatics, die sie entwickelt hat. Seit fast dreißig Jahren lehrt sie Zapchen auf mehreren Kontinenten und vermittelt ihr tiefes Wissen. Über zwanzig Jahre habe ich von ihr gelernt und begann vor vielen Jahren, selbst zu unterrichten und zu lehren. Mit tiefem Respekt, großer Dankbarkeit und liebevoller Verbundenheit versuche ich hier, ihren Lehren gerecht zu werden und ihre Sichtweise durch mein eigenes Sein durchscheinen zu lassen.
Viele der Übungen in diesem Buch folgen den sogenannten »Basics« des Zapchen, wie sie von Julie Henderson (2012) in ihrem Buch Embodying Well-Being beschrieben werden. Ich halte mich zum Teil eng an ihre Beschreibung, ohne jedes Mal neu auf das Buch zu verweisen. Alle Übungen, die direkt aus Julie Hendersons Buch Embodying Well-Being, dem Summ-Buch (Henderson 2007) oder ihrem Buch Die Erweckung des Inneren Geliebten (Henderson 2006) stammen, sind im Verzeichnis der Übungen (im Anhang) mit einem Z in Klammern (für Zapchen) gekennzeichnet.
Die Grundstruktur, der Aufbau der Übungsfolgen in diesem Buch, orientiert sich an einem Retreat, das ich 2016 für relative »Anfänger« im Zapchen auf dem Hofgut Rineck für das Wieslocher Institut für systemische Lösungen geleitet habe. Ich habe vertiefende Übungen und Erläuterungen hinzugefügt, die meine eigene Sicht wiedergeben und doch – so hoffe ich – dem Geist des Zapchen treu bleiben.
Die meisten der Übungen stammen aus dem breiten Feld der Basics des Zapchen. Dies sind Übungen für Menschen, die mit dem Üben beginnen, und stellen zugleich die immer vorhandene Basis für alle dar, die im Üben weitergehen. Es sind Übungen, die dafür geeignet sind, sie allein auszuprobieren (auch wenn sie im Feld einer übenden Gruppe ihre Wirkung stärker entfalten). Einige der Übungen sind weiterführende, zum Teil fortgeschrittenere Übungen, die man am besten im Rahmen einer Gruppe und mit Anleitung durchführt.
Zapchen ist ein weitgespanntes Feld, ein großer Raum – in dieser Übungsfolge hier wird lediglich der Geschmack des Übens deutlich. Es gibt eine große Vielfalt der Übungsweisen im Zapchen, und vieles kann sich nur in der längerdauernden Praxis unter Anleitung von autorisierten Übungsleitern2 und vor allem Zapchen-Lehrern entfalten. Das Üben kann sich dann vertiefen, neue Aspekte aufnehmen und ganz allmählich von einer »Übung« zu einer inneren Haltung und Seinsweise werden.
Eine Erläuterung der Übungsweise und des Kontextes, in dem sie steht, finden Sie am Ende des Buches. Dieses Kapitel steht bewusst nicht am Anfang, damit Sie bei der Lektüre ganz unvoreingenommen in die Praxis des Zapchen eintauchen können. Es steht Ihnen aber natürlich frei, diesen Abschnitt auch schon vorab zu lesen.
Hier nur so viel: Zapchen zu üben ist eine Einladung an uns als Körper und Geist, uns dem Wohlgefühl zu öffnen, das im Moment möglich ist. Zapchen folgt immer der direkten Erfahrung. Keine Erklärung, kein Konzept sind wichtiger als das, was sich durch Üben, Wahrnehmen und Erleben erschließt. Das Üben folgt der Wahrnehmung, nicht dem Konzept. Unser Geist wird eingeladen, sich der direkten, momentanen Wahrnehmung zu öffnen und sich davon zu verabschieden, Übungen zu machen, um ein vorgedachtes Ziel zu erreichen.
Sie selbst und das, was Sie erleben, sind das Einzige, was hier zählt.
Sie sind eingeladen, die Übungen für sich auszuprobieren – so, wie Sie es möchten. Die Reihenfolge, die ich vorschlage, hat sich bewährt, Sie müssen aber keineswegs daran festhalten. Vielleicht finden Sie in der Mitte des Buches eine Übung, die gerade Ihren Bedürfnissen am meisten entspricht, dann beginnen Sie damit. Bleiben Sie offen in der Wahrnehmung der Übungen – immer wieder neu, immer wieder anders, immer wieder auch neugierig können Sie wahrnehmen, was die jeweilige Übung jetzt gerade in Ihnen bewirkt und wie es Ihnen damit geht.
Wichtig ist vor allem, immer ein bisschen zu üben, solange es wirklich Freude macht, und dann ein kleineres oder größeres Nickerchen zu machen. Das Nickerchen ist eine Einladung, das Gelernte zu integrieren und daraus zu lernen – ohne Anstrengung.
Behalten Sie beim Üben einen »Anfängergeist«, wie diese Haltung im Zen genannt wird. Der Anfängergeist meint die Haltung, in der wir unseren Geist immer wieder »leer« werden lassen und uns dem Üben immer wieder mit frischer Neugierde zuwenden. Und in dieser Haltung der Offenheit – dem Nichtwissen – können wir etwas entdecken, Neues erfahren und uns überraschen lassen.
Behalten Sie beim Üben im Blick und in Ihrer Aufmerksamkeit, dass Ihr Körper nicht eine Maschine ist, die funktionieren soll, sondern dass er bewusst und intelligent auf die Intention von Übung und Berührung antwortet – dass der Körper selbst eine komplexe, nur auf gewissen Ebenen vom Äußeren getrennte Einheit ist, sozusagen »langsamer verkörperter Geist«, verkörperte Bewusstheit.
Die Übungen sind eine Einladung, dies intensiver wahrzunehmen, sich allmählich mehr mit dem Sein als verkörperter Präsenz und Bewusstheit zu verbinden.
Viel Vergnügen!
Für Menschen, die die Übungen in ihrem Arbeitskontext einführen möchten: Bitte lesen Sie die WICHTIGEN HINWEISE am Ende des Buches.
1 Aussprache von »Zapchen« etwa: »Tsap-tschenn«
2 Zur besseren Lesbarkeit verzichte ich bei der Nennung von Personen auf die Ausformulierung beider Geschlechter. Selbstverständlich sind Frauen und Männer gleichermaßen angesprochen.
Wir Menschen haben ein existenzielles Bedürfnis, uns sicher zu fühlen.
Inmitten von Körperprozessen, die ständige Veränderung bedeuten, und einem äußeren Lebensprozess, der uns unablässig mit Neuem konfrontiert, leben wir mit Gehirnen, die darauf aus sind, Sicherheit inmitten dieser Bewegung zu finden, indem wir Festigkeit und Beständigkeit suchen. Wir suchen Sicherheit genau da, wo sie nicht ist. Wir versuchen, Beziehungen, Gegenstände und Umstände zu sichern, indem wir festhalten, festmachen, kontrollieren und bestimmen. Unser »kleiner Geist« kann sich keine andere Art der Sicherheit vorstellen.
Mitten in einer Bewegung des Lebens, in der sich alles ständig verändert (bis hin zur Bewegung und Veränderung auf Zellebene), sind wir damit beschäftigt, Sicherheit zu finden, indem wir die Dinge beständiger machen, als sie sind. Im Wissen um die Vergänglichkeit versuchen wir, sie zu verleugnen und zu vergessen. Nur selten gelingt es uns, z. B. im Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit zu leben »und jeden Tag zu feiern, als wäre es der letzte«.
Viele Meditationslehrer haben uns bereits darauf hingewiesen, wie hilfreich und unterstützend es ist, sich mehr mit der Realität unseres Lebens zu verbinden – so, wie es ist: bewegt, im Fluss, oft unabsehbar. Und gleichzeitig fällt es uns schwer. Wir bewegen uns ständig in diesem Dilemma zwischen der Suche nach Sicherheit und der Wahrnehmung von Veränderung und Bewegung, von der wir nicht wissen, wohin sie führt.
In diesem Kapitel finden Sie Übungen, die unser KörperSein zurückführen zur Wahrnehmung der Sicherheit, die im jeweiligen Moment vorhanden und spürbar ist. Übungen, die unseren Körper einladen, den sicheren Boden unter den Füßen zu spüren, das Dach über dem Kopf, den eigenen Raum, die Möglichkeit, sich zu entspannen und zu ruhen, wenn es guttut. Und die damit uns als KörperSein einladen, dem zu vertrauen, was im Moment da ist, was spürbar ist, uns hält und trägt. Und darüber hinaus sind Sie eingeladen, sich mit der Vergänglichkeit mehr anzufreunden.
Je mehr wir die momentane Sicherheit als Körper, im Körper spüren können, desto eher ist es möglich, die Bewegung der Veränderung wahrzunehmen, die immer gleichzeitig wirksam ist, und uns auch mit ihr vertraut zu machen.
Doch zunächst noch eine kleine Erläuterung zum Sprachgebrauch:
Was ist mit KörperSein gemeint?
Die Verbindung von Körper und Geist, das Verhältnis, das Körper und Bewusstheit zueinander haben, ist Gegenstand sowohl philosophischer Betrachtung als auch neurowissenschaftlicher Untersuchungen. Dabei unterscheiden sich die Herangehensweisen in der westlichen und der östlichen Kultur fundamental und sind in ihrer Unterschiedlichkeit nicht einfach zu erfassen.
Während die westliche Sicht sich aus einer historisch tradierten Trennung von Körper und Geist zu einer Erfassung der Verbindung zwischen beiden hinbewegt – wobei sowohl »Körper« als auch »Geist« eher als »Objekte« gesehen werden, als feststehende Entitäten -, begreift die östliche Sicht die Verbindung zwischen Körper und Geist eher als ein fließendes Ereignis, eine Verbindung, deren Verschmelzung erreicht werden kann (und soll) (Yuasa 1987).
Die Tendenz, Erlebtes konzepthaft zu verfestigen und zu verobjektivieren, die sich auch in der Struktur westlicher Sprachen ausdrückt, lässt Trennungen immer wieder da erscheinen, wo sie im lebendigen Prozess nicht sind. Dazu kommt die Tendenz, das eigene »Ich«, den Sitz des Bewusstseins, im Gehirn zu verorten und den Körper mit seinen Organen und Systemen als ein Anhängsel des Bewusstseins zu erleben.
In der westlichen Herangehensweise, auch im therapeutischen Kontext, entwickelt sich allmählich ein anderes Verständnis der Verbindung zwischen Körper und Geist, die dann als »Embodiment« bezeichnet wird (s. auch Hammer 2015).
Im Zapchen als Übungsweise spiegelt sich die Herangehensweise von »Somatics«, oder wie Julie Henderson es beschreibt: »In den letzten Jahren tat sich ein Gebiet auf, in dem das Studium des Menschseins Beziehung und Physiologie, Berührung und Neurochemie, Prozess und funktionelle Anatomie beinhaltet. Dieses neue Studiengebiet wird allgemein »Somatics« genannt. Es erforscht so direkt wie möglich das Mysterium, Körper zu sein, der bewusst ist, und Bewusstheit, die Körper ist. Die praktische Bedeutung dieser seltsamen Verbindung wird sowohl subjektiv als auch objektiv erforscht, wobei wir unsere Tendenz, den einen oder anderen Aspekt des Mysteriums außer Acht zu lassen, im Auge behalten« (Henderson 2012, S. 10).
Der Ausdruck KörperSein (der ja schon durch seine Schreibweise ausdrückt, dass es sich nicht um ein gebräuchliches Wort handelt, sondern um eine Neudefinition) meint, dass wir uns mit diesem Mysterium befassen: ein Körper zu sein, der bewusst ist, und Bewusstheit, die Körper ist. Dass wir als Körper intelligent und bewusst antworten auf die Art und Weise, in der wir als Körper angesprochen und berührt werden. Und dass Erfahrungen nicht nur im Geist, sondern immer auch im gesamten KörperSein gespiegelt und beantwortet werden.
Zunächst sind Sie zu Übungen eingeladen, die den Kontakt zum Boden unterstützen. Denn immer dann, wenn wir spüren können, dass wir jetzt im Moment sicheren Kontakt zum Boden haben, erhöht dies insgesamt die Wahrnehmung von Sicherheit. Zu spüren, dass und wie ich stehe, sitze oder liege, gibt eine Orientierung darüber, wo ich bin und dass ich von der Erde getragen bin und mich »niederlassen« kann. Im Zapchen nennen wir das den Beginn von »resting down«, auf Deutsch müsste man sagen »herunterruhen«. Ein Herunterruhen, das uns als Geist und Körper allmählich zu einem tieferen Vertrauen ins Sein führt.
Beginnen wir mit den Füßen:
Übung: Füße spüren
Kommen Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit allmählich mehr zu Ihren Füßen.
Spüren Sie den Kontakt der Füße zum Boden und laden Sie Ihre Füße ein, sich in diesem Kontakt mehr und mehr auszubreiten.
Ihre Fußsohle spürt den Kontakt zum Boden an vielen Stellen. Lassen Sie die Wahrnehmung dieser Berührungsstellen zum Zentrum Ihrer Aufmerksamkeit werden.
Stellen Sie sich vor, dass Sie beim Einatmen den Atem aus dem Boden durch die Füße strömen lassen, beim Ausatmen lassen Sie den Atem in den Boden strömen.
Spüren Sie mehr und mehr, wie Ihre Füße vom Boden gehalten und unterstützt werden, und erlauben Sie, dass Ihr Körper sich nach und nach mehr auf diese Unterstützung verlässt.
Nach einiger Zeit schütteln Sie Beine und Füße aus und legen sich auf den Boden für ein kleines Nickerchen. Vielleicht können Sie wahrnehmen, wie Ihr Körper sich insgesamt mehr auf die Unterstützung des Bodens verlässt und sich tragen lässt.
Diese Übung lenkt unsere Aufmerksamkeit auf einen Aspekt der Wahrnehmung, der für uns im Hintergrund immer vorhanden ist. Füße berühren (häufig) den Boden. Die Sicherheit, die unser Körper-Sein erlebt, wenn wir dieser Wahrnehmung mehr Raum geben, kann nicht durch Gedanken ersetzt oder erzeugt werden. Sie können das leicht ausprobieren, indem Sie sich einmal auf den Gedanken »Meine Füße haben Kontakt zum Boden« konzentrieren und dann mit Ihrer Aufmerksamkeit wechseln zu den direkten sensorischen Empfindungen, den der Kontakt auslöst.
Julie Henderson zitierte in einem der Zapchen-Trainings einen tibetisch-buddhistischen Lehrer etwa folgendermaßen: Wir leben ständig, als würden wir uns auf einer heißen Herdplatte bewegen – so wenig Kontakt zum Boden wie möglich und dann schnell wieder nach oben kommen.
Dieser Tendenz, unsere Muskeln unnötig anzuspannen und unsere Körperenergie nach oben zu ziehen, können wir durch einfache Übungen und Aufmerksamkeitsverlagerung allmählich etwas entgegensetzen. Und wir können damit einen sicheren Anker in unserem Leben finden: den Kontakt zum Boden, den Kontakt zur Erde.
Übung: Füße rollend abheben
Im Stehen rollen Sie die Füße von der Ferse ausgehend abwechselnd so ab, dass das Gewicht auf dem Fußballen liegt. Zunächst den einen, dann den anderen Fuß, immer abwechselnd. Während Sie den Fuß bis zum Fußballen abrollen, geben Sie Ihr Gewicht in die Bewegung, sodass Sie den Druck des Fußes auf den Boden spüren können.
Kommen Sie wieder zu einem ruhigen Stand, spüren Sie den Fluss Ihres Atems. Schütteln Sie die Beine und Füße aus.
Bei dieser Übung wird nicht nur die Empfindungsfähigkeit der Fußsohle gesteigert, Sie massieren auch ein im Qigong beschriebenes Energietor, das man die sprudelnde Quelle nennt. Meine Kollegin Marlies Winkler, die außer Zapchen auch Qigong und Tai-Chi unterrichtet, hat uns darauf hingewiesen und die Bedeutung der Übung noch einmal neu vor Augen geführt.
Übung: Den eigenen Stand finden (hängen lassen und aufrichten)
Stehen Sie aufrecht, die Füße etwa schulterbreit auseinander, Knie locker. Lassen Sie den Kopf auf die Brust sinken, dann lassen Sie sich allmählich vom Gewicht des Kopfes und nach und nach auch vom Gewicht der Arme nach unten ziehen ins »ehrgeizlose Hängenlassen«. Ehrgeizlos heißt, dass es keine Rolle spielt, wie weit Sie nach unten kommen, es soll sich »gemütlich« anfühlen. Der Kopf hängt locker im Nacken.
