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Eine Geschichte in der Geschichte über Erfindungen, welche die Welt wirklich mobil machten, Segel und Dampf ablösten, Flotten und Handel auf den Weltmeeren zu den Instrumenten machten, welche die Welt in Zukunft beherrschen würden. William Knox d'Arcy, Henry Drummond Wolf, Admiral John Fischer und Sir Edward Grey bereiteten den großen Auftritt eines englischen Amerikaners, Winston Churchill, vor. Edward VII spielte Schicksal und wollte das unter der langen Regierungszeit seiner Mutter erschlaffte Weltreich zum Segen der unter der britischen Krone vereinigten Gebiete zu neuem Glanze führen. Doch das Blatt war nicht richtig gemischt und nur einer blieb übrig ...
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Seitenzahl: 146
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Dieter Hirschmann
Dieses Buch behandelt den fürchterlichsten aller Kriege. Die Engländer nennen ihn »The Great War«. Sie haben allen Grund dazu, wie dieses Buch zeigen wird. Es ist allen jenen Nationen gewidmet, welche in diesem Krieg Zersplitterung, Verwüstung, Verleumdung und Hass durchlitten haben. Jenen, welche ihr Leben für fragwürdige Ideale hingaben, und den Überlebenden, welche ungeheuerliche Entsagungen auf sich nehmen mussten, um ihr Dasein und das ihrer Angehörigen zu gewährleisten.
Imprint
Im Risiko zur Macht? Dieter Hirschmann published by: epubli GmbH, Berlin www.epubli.de Copyright: © 2014 Dieter Hirschmann ISBN 978-3-7375-0783-7
und Respekt ist jenen geschuldet, welche das Internet zur Quelle des Wissens gemacht haben. Jenen, welche die Online-Büchereien, Open Library.com, archive.org und das Gutenberg-Projekt konzipiert und verwirklicht haben. Ohne diese Nachschlagewerke wäre dieses Buch nicht möglich gewesen. Beim Lesen dieser alten und für damals zeitgemäßen Texte, wird man in eine Welt versetzt, welche dem modernen Menschen ohne diese Hilfsmittel nicht mehr zugängig wäre. Die gegenwärtige Geschichtsschreibung beweist es.
Im Jahre 1990 schrieb Daniel Yergin das mit dem Pulitzerpreis geehrte Buch The Prize: The Epic Quest for Oil, Money and Power[1]. Die Anmaßung dieses Buches ist es, dass dieselbe Quelle, welche schon Yergin für den Titel seines Buches benutzte, auch hier zur Anwendung kommen soll. So stand die berühmte Bezeugung eines noch berühmteren Engländers auch Pate zum Titel dieses Buches:
Mastery itself was the prize of the Venture[2], schrieb der entlassene 1st Sealord in Jahre 1923, vier Jahre nach Beendigung des 1. Weltkriegs. Von den drei Substantiven bot sich, nachdem »the prize« ausgefallen ist, das Wort »Venture« an. Deswegen sollte das vorliegende Buch eine Anleihe zeichnen und den Titel The Venture tragen.
Schließlich jedoch wurde der in der Brudersprache getätigte Ausspruch großzügig, mit Nachtsicht und Augenzwinkern übersetzt, mit dem Ergebnis, dass er auch »im Risiko zur Macht« bedeuten könnte. Dabei muss noch angemerkt werden, dass »venture« sich im Englischen vieler Bedeutungen erfreut, wie: Unternehmung – so kennen wir es meistens –, aber auch »Wagnis«, »Risiko«, »Spekulation« und »Abenteuer«.
Im Ansatz des Vorliegenden wird vermutet, dass der Gegner Deutschlands im Ersten Weltkrieg, zuvor und danach, »venture« im Sinne von Wette oder Risiko verwendete. Das entspricht seinem Charakter und seiner Herkunft. Ganz sicher jedoch, war dieses politische Bonmot für den Verfasser Anlass genug, sich mit dem Urheber auseinander zu setzten: Wer war der achte Urenkel des ersten Marlboroughs, welcher als zweitgeborener Sohn den Namen Winston Churchill trug, und was waren die Beweggründe für sein politisches Handeln? Und wie passte dieser Engländer in die Epoche seiner Zeit? Große Geister und bedeutende Männer erlangen nur dann Macht und Einfluss, wenn sie weder zu früh noch zu spät, also zum richtigen Zeitpunkt in die Speichen der Geschichte greifen.
Was und wer waren die Umstände, welche um den Jahrhundertwechsel zum zwanzigsten den Lauf für 45 Katastrophenjahre bestimmten? Davon soll hier die Rede sein. Dazu objektive Tatsachen aus subjektiver Sicht. Eine Melange von Fakten und Ansichten, welche einstimmen und zur Ausgangslage führen sollen.
Die Erfindungen des Buchdrucks und des Transistors waren tief greifende Ereignisse in der Soziologie der Menschheit. Sie haben die Welt geschaffen, in welcher wir leben. Technischer Fortschritt und humane Werte entwickelten sich. Informationen wurden schneller ausgetauscht und es entstand ein enormer Bedarf an Beweglichkeit. Und ohne Zweifel ist die Mobilität eine der Haupttriebfedern des geistigen und wirtschaftlichen Erfolgs.
Während in unserer Zeit Mobilität durch Gadgets – elektronische Hilfsmittel – den Austausch von Informationen ohne physische Bewegung möglich machen, war das an der Wende von 19. zum 20. Jahrhundert anders. Der Informationsaustausch war langsamer, mehr Personen waren an ihm beteiligt und, bedingt durch die damaligen Archivierungsmöglichkeiten, war es ungleich schwieriger als heutzutage, den Tatsachen auf den Grund zu gehen. Das Internet mit seinen nahezu unbegrenzten Möglichkeiten macht es heutzutage möglich, Informationen aufzuspüren, welche früher kaum zugänglich waren.
Dieses Buch soll eine soziologische Fotografie im Rahmen der heutigen Forschung zum »Großen Krieg« sein. Gewürzt mit Verantwortungsträgern der Gegenseite und hier speziell der Anglo-Seite. Es ist nicht wissenschaftlich, es handelt von Menschen, wer sie waren und was sie taten. Es soll eine Geschichte in der Geschichte sein. Deswegen wird ein Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit nicht erhoben. Nichtsdestotrotz sind jedoch alle wichtigen angeführten Ereignisse und Fakten belegt oder dem Leser gemeinhin bekannt. Es wurde versucht, mit Darstellungen der englischen Seite und geopolitischen Tatsachen einen neuen Blickwinkel für die Beurteilung der Kriegsursachen zu finden.
William Knox d'Arcy, Henry Drummond Wolf, Admiral John Fischer und Sir Edward Grey bereiteten den großen Auftritt eines englischen Amerikaners, Winston Churchill, vor. Edward VII spielte Schicksal und wollte das unter der langen Regierungszeit seiner Mutter erschlaffte Weltreich zum Segen der unter der britischen Krone vereinigten Gebiete zu neuem Glanze führen. Und vielleicht war ein Deutscher der indirekte Auslöser der Kriegshysterie, denn seine Erfindung war zur Erhaltung dieser imperialistischen Gelddruckmaschine unbedingt notwendig: Rudolf Diesel, dessen Erfindung die Welt wirklich mobilmachte, Segel und Dampf ablöste, Flotten und Handel auf den Weltmeeren zu den Instrumenten machte, welche die Welt in Zukunft beherrschen sollten.
Die politische Zeitenwende zum globalisierten Imperialismus geschah um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert. Mit Kriegen auf Kuba und auf den Philippinen sowie den Annexionen von Panama und Hawaii haben die USA im Westen die Herrschaft über den Pazifischen Ozean erlangt. Kurz vorher hat England in Ägypten seine Machtstellung ausgebaut und hatte somit die Kontrolle über den Suezkanal.
Die wichtigsten Großwasserstraßen, welche den Welthandel revolutionieren sollten, waren nun in den Händen von zwei Großmächten, welche ihre 100 Jahre alten Spannungen überwanden und erkannten, dass sie die Welt unter sich aufgeteilt hatten. Das zweite deutsche Reich suchte nach Krümeln auf der Weltkarte, fand in Afrika, im Stillen Ozean und in China Reste, die von den traditionellen Imperien vernachlässigt worden waren, und glaubte, dass unter den Fittichen des Reichsadlers und durch das »deutsche Wesen« die dortigen Untertanen genesen würden.
Neben diesen geografischen Gegebenheiten erfolgte nahezu parallel eine rasante technologische Entwicklung, welche im Handel und in der Seefahrt zu neuen Ufern führte; Segel und Dampf wurden vom Dieselmotor abgelöst und dieser Wandel führte zu einem sprunghaften Bedarf an Erdöl. Hier wird bezweifelt, dass Deutschland die Schuld am Ausbruch des 1. Weltkriegs alleine zugesprochen werden kann.
Maßgeblich hat ein anderer Hobby-Historiker, Nachfahre eines Recken des Spanischen Erbfolgekrieges und wahrscheinlich unter dem Eindruck von John R. Seeley [3] – welcher in Anbetracht des technischen Fortschritts nur noch zwei Großmächte sah: die USA und Russland –, die französisch-napoleonische Variante ins Gespräch gebracht: Seeblockade der Nordsee, Einsatz von finanziellen Mitteln, um die Kriegslast auf die kontinentalen Partner Russland und Frankreich zu verlagern, mit dem Trumpf des eindeutigen amerikanischen Interesses am Ausgang des Krieges. Aber diese Variante ging nicht auf. Von den fünf europäischen Kriegsteilnehmern war der eindeutige Gewinner Russland und, global gesehen, England der größte Verlierer. Wie das geschah, davon handelt dieses Buch.
Falls nun Ihr Interesse an diesem Buch geweckt wurde oder sich gesteigert hat, empfehle ich Ihnen, die letzten zwei Kapitel dieses Buches zuerst zu lesen. Der Einstimmung auf das Thema folgt ein Zeitabriss der letzten sechzig Jahre vor dem Ausbruch des Krieges. Abweichend von der üblichen Buchform, soll der werte Leser sich 100 Jahre zurückversetzen. Ihm soll bewusst werden, was Geschichte nach Ansicht des Verfassers ist: Ein Zeitrahmen der verschiedensten Ereignisse soll die Welt darstellen, um die diese »Geschichte« gewoben wurde.
Für die vielen englischen Zitate wird um Nachsicht gebeten. Sie erscheinen notwendig, um die feinen, unterschwelligen An- und Absichten des Originals besser erkennen zu können. Eine Übersetzung birgt immer die Gefahr, dass Unterschwelliges – aber enorm Wichtiges – in der Gedankenwelt des Übersetzers verloren geht.
[1] Bei YouTube finden sie unter Eingabe von »the Prize« eine achtteilige Folge über die Geschichte des Erdöls
[2] Winston Churchill, World Crisis, Vol. II, 1923
[3]The Expansion of England , Download von der kostenlosen On-Line-Library, siehe Anhang
Es wurden Hunderte von Büchern über ihn geschrieben. Viele waren beteiligt, andere rechtfertigten sich, aber die Verursacher schwiegen. Es handelte sich um Geopolitik, Imperialismus und um Sicherung von Macht und von Visionen zu ihrer Erhaltung. Um politisches Antichambrieren, Terror, welcher im Mord endete, Vorteilsnahme und sinnlose Gewalt, welche im August – vor nunmehr 100 Jahren – losbrachen und die bis dahin bekannte Welt und ihre Werte unwiederbringlich zerstörten.
Es begann am 31.8.1907 in Sankt Petersburg [4]. Der Handschuh war geworfen worden. Ab Anfang August 1914 wurde gemordet. Das größte Desaster der Weltgeschichte nahm seinen Lauf. Im November 1918 war es beendet. Niemand hatte gesiegt, aber es gab einen gekränkten Verlierer. Doch auch andere zahlten ihren Preis. Kontinentaleuropa war politisch und wirtschaftlich zerstört, Hass wurde auf Hass geladen. 1871 und 1919 ließen keine friedliche und respektvolle Nachbarschaft mehr zu. Das Inselweltreich war erschöpft, seine Commonwealth-Soldaten hatten in den Gräben Frankreichs von der Unabhängigkeit geträumt. And the Winner is: der überseeische Nachzügler, welcher nur drei Monate an den 50 Monate dauernden Schlachten teilgenommen hatte. Es handelt sich um den 1. Weltkrieg, nicht um Serbien, Königsmord oder Belgien. Es handelt sich um Großmachtpolitik, um technischen Fortschritt, um strategische Lagen und um Erdöl. Es handelt sich um Personen, welche es verstanden ihre Fäden geschickt zu spinnen, um tölpelhafte Goliaths, um Leid, Hass und Feindseligkeit, welche sich alle bis in unsere Tage hinein fortsetzen.
Wie es auch immer war, eines steht fest: dass es anders war, als die Historiker uns glauben machen wollen. Alle bekannten Umstände über den Ausbruch des »Great War« sind nur Staffage und der größte Tölpel wurde zum Schuldigen erklärt, was er nicht akzeptierte und den zweiten Weltenbrand anzettelte.
Das wenig erforschte Thema der neueren Geschichtsforschung ist die Rolle der britischen Regierung beim Ausbruch des 1. Weltkrieges. Bis vor Kurzem konnte man fast keine Gelehrten finden, welche nicht das kulturelle Vorurteil pflegten, dass der Große Krieg durch die militärische Arroganz des deutschen Kaiserreichs entfacht wurde. Großbritannien sei dem Krieg nur beigetreten, weil die verbriefte belgische Neutralität [5] auf dem Weg, das demokratische Frankreich zu erobern, von Deutschland gebrochen wurde.
Aber der britische Außenminister Sir Edward Grey hatte alles in seiner Macht stehende getan, um die Deutschen und das verbündete Österreich-Ungarn – in gerechtfertigter Besorgnis, von Feinden umzingelt zu sein – zu isolieren und auszugrenzen. Die Triple Entente, weitgehend geschmiedet von der britischen Regierung unter der Federführung von König Edward VII, im Einklang mit den Franzosen und Russen, behandelten Deutschland und Österreich wie kriegerische Feinde.
Im Juli 1914 fühlte sich die deutsche Führung gezwungen, ihren österreichischen Verbündeten im Krieg gegen die Serben beizustehen, gegen jenes Serbien, welches seit Jahren um den Schutz des Zarenreiches buhlte und sich in einen russischen Satellitenstaat verwandelt hatte. Das tri-religiöse Balkan Pulverfass, vor dem schon Bismarck warnte, explodierte am 28. Juni 1914. Der diplomatischen Sachlage nach war es klar, dass bei einem österreichischen Angriff auf Serbien, Deutschland einen Zweifrontenkrieg an der Ost- und Westseite seines Reiches würde kämpfen müssen. Der deutsche Generalstab, fast fatalistisch, akzeptierte die Möglichkeit einer englischen Kriegserklärung.
Aber auch wenn die Deutschen nicht belgischen Boden verletzt hätten, um nach einem schnellen militärischen Erfolg im Westen ihre Armeen nach Osten zu verlegen, wäre England, so scheint es, auch dann Kriegsgegner Deutschlands geworden, denn die Engländer waren alles andere als neutral.
Im Sommer 1914 sollte eine militärische Allianz mit Russland geschlossen werden, welche englische Landungsoperationen im deutschen Pommern im Falle eines allgemeinen Krieges vorsah. Die Briten hatten auch Zusicherungen an den französischen Außenminister Théophile Delcassé gegeben, dass England die Franzosen und Russen, die seit 1891 verbündet waren, im Falle eines Kriegsausbruchs unterstützen würde. Die Briten waren feindlicher gegenüber den Deutschen eingestellt als umgekehrt.
Grey verschmähte alle Versuche von Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg, die britische Regierung für eine Neutralität im zu erwartenden Kriegsfall mit Frankreich und Russland zu gewinnen. Die deutschen Konzessionen im Jahr 1912, welche Englands Neutralität sichern sollten, enthielten deswegen folgende Zugeständnisse:
Die Akzeptanz der britischen Vorherrschaft beim Bau von Eisenbahnen für den Zugriff auf die Ölreserven im heutigen Irak.
Demütige Anerkennung der Führung Englands bei der diplomatischen Behandlung der beiden Balkankriege, in denen der Erzfeind Österreichs, Serbien, seine Gebiete fast verdoppelt hatte.
Die Russen und die Franzosen erweiterten erheblich ihre Wehrpflicht und waren den deutschen und österreichischen Truppen zahlenmäßig überlegen, aber weder die deutschen Konzessionen noch das Säbelrasseln von Englands kontinentalen Verbündeten veranlassten die britische Regierung, die Richtung zu ändern. Sir Grey, der bis 1916 Außenminister blieb, wich nie von seiner Ansicht ab, dass Deutschland Englands gefährlichster Feind sei.
Und es geschah Erstaunliches: Im September 1913 kündigte die oberste österreichische Heeresleitung den Besuch des Thronfolgers im Juni 1914 in Sarajevo an. Der erste Sealord verordnete im Oktober 1913 eine Generalmobilmachung der britischen Flotte [6] für den Juli 1914. Franz Ferdinand wurde am 28.6.1914 ermordet, Deutschland erklärte am 1. August 1914 Russland den Krieg, Frankreich am 3. August und England erklärte Deutschland den Krieg am 4. August. Wider alle Erwartungen fielen bereits zwei Wochen nach Ausbruch des Krieges zwei russische Armeen in Ostpreußen ein und England landete seine ersten Truppen in Frankreich am 11. August in Le Havre, sieben Tage nach der Kriegserklärung.
Da erscheinen erstaunliche Zusammenhänge: die einsatzbereite russische Armee bei Kriegsbeginn, die mit langer Vorankündigung in Alarmbereitschaft versetzte einsatzbereite englische Flotte und die erstaunlich zügige Landung der britischen Truppen in Frankreich. Sollten da vielleicht Details in der heute gültigen Geschichtsschreibung übersehen worden sein? Vor allem britische Historiker nähern sich vorsichtig dieser Frage. Christopher Clark und Niall Ferguson begannen mit ihren Publikationen, die weithin angenommene deutsche Schuld zu relativieren. Gab es vielleicht Ereignisse, welche auch diesen Historikern entgangen waren? Es scheint so!
[4] Konferenz über die Verteilung der Interessen zwischen Russland und England, Persien betreffend.
[5] Im Gallipoli-Abenteuer haben die Briten die griechische Neutralität verletzt, als sie die Insel Limnos besetzten (April 1915).
[6] Als Manöver getarnt.
Im Jahre 1801 meldete Philippe Lebon in Paris den Entwurf eines Gasmotors zum Patent an. Seit vor 90 Jahren, um 1711, der Jahrtausende alte Traum einer Maschine, welche durch die Expansionskraft von Wasserdampf Arbeit verrichtet, in England von Thomas Newcomen verwirklicht und von James Watt 1769 verbessert wurde, war die Industrialisierung eingeleitet. Wasser wurde aus Bergwerken mechanisch abgeschöpft, Webstühle machten Weber arbeitslos, Mühlen brauchten kein Wasser mehr und Maschinen auf Gleisen machten Wirtschaften mobil.
Diese »Kolben-Wärmekraftmaschinen« waren im 19. Jahrhundert sehr komplexe Gerätschaften, schwer, brandgefährlich, explosionsfähig und extrem unwirtschaftlich. Der Wirkungsgrad zwischen zugeführter und zurückgewonnener Energie lag bei der wattschen Maschine bei drei Prozent. Trotzdem war diese Maschine ein Meilenstein in der Entwicklung zu unserer globalen Welt. 1804 baute dann Richard Trevithick die erste auf Schienen fahrende Dampflokomotive. Sie erwies sich als funktionsfähig, doch sie war so schwer, dass Schienen und Gleisbett unter ihrem Gewicht zerbrachen.
Im Jahr 1825 wurde die Eisenbahnstrecke zwischen Stockton und Darlington in England mit einer Lokomotive von George Stephenson eröffnet und gleichzeitig der erste Transport von Passagieren mit einem von einer Lokomotive gezogenen Zug durchgeführt. Am 7. Dezember 1835 fuhr erstmals zwischen Nürnberg und Fürth auf der bayerischen Ludwigsbahn die Lokomotive Der Adler. Sie war aus der Lokomotivenfabrik Robert Stephensons und stand mit der Typbezeichnung Patentee unter Patentschutz.
Aber es dauerte noch 54 Jahre, bis der entscheidende Schritt auf See gemacht und die Segel abgeschafft wurden. Erst 1889 wurde mit dem von Alexander Carlisle konstruierten, 20 Knoten schnellen White-Star-Liner Teutonic der erste komplette Hochseedampfer in Dienst gestellt. Jedoch war der Aufwand an Heizmaterial und menschlicher Arbeit enorm.
Die größte jemals in der zivilen Seefahrt verwendete Kolbendampf-Maschinenanlage befand sich auf dem Schnelldampfer Kronprinzessin Cecilie, der 1907 für den Norddeutschen Lloyd in Betrieb genommen wurde. Der gewaltige Dampfbedarf der vier Maschinen mit zusammen 46.000 PS war nur durch Dampf aus 31 Kesseln mit je vier Feuerungen zu stillen. Die dabei täglich verfeuerten 760 Tonnen Steinkohle wurden von 118 Kohlentrimmern aus den Kohlebunkern vor die Kessel geschafft und in die Feuerschlunde geschaufelt. Während jeder der drei Seewachen arbeiteten allein für die Dampferzeugung 76, also insgesamt 228 Mann unter extremen Bedingungen.
Alle diese Nachteile waren Ingenieuren und Forschern bekannt. Philippe Lebon konnte seine Ideen, einen praktischeren Motor zu konstruieren, nicht weiter verfolgen. Er starb am 1. Dezember 1804 unter nicht geklärten Umständen. Wirklich praktischen Wert erlangte der Gasmotor erst durch die Erfindung des gebürtigen Luxemburgers Étienne Lenoir (1822-1900). Sein vom 24. Januar 1860 datiertes Patent der Pariser Industrielle Marinoni produzierte zunächst einige wenige derartige Maschinen, welche durch die Société Lenoir vertrieben wurden. Obwohl sich mit der Zeit herausstellte, dass die Unterhaltskosten der Lenoir-Motoren unverhältnismäßig hoch waren, stieg die Nachfrage dennoch auf ein hohes Niveau, vor allem, weil diese Motoren äußerst geräuscharm liefen. Aber der erste Schritt war getan, die Alternativen zur schwerfälligen Dampfmaschine gewannen Gestalt in den Köpfen der Forscher und Ingenieure. Die Grundidee war geboren: Bei Maschinen musste der Prozess der Energiezufuhr revolutioniert werden. Die Kohle als Treibstoff war für alle Maschinengrößen äußerst unrentabel. Der Aufwand von der Gewinnung zum Verbrauch, der Transport und der Einsatz waren durch die immer größeren Anforderungen an die Leistung der Maschinen in Dimensionen gewachsen, welche nur durch den nationalen Stolz der Schifffahrtsnationen gerechtfertigt wurde. Aber Hoffnung war in Sicht.
Doch was hat das alles mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs zu tun? Unschwer lässt sich erkennen, dass spätestens um das Jahr 1900 herum die wachsende Bedeutung des Erdöls und seine zukünftige weltpolitische Rolle den Großmächten bekannt waren. Wenn England wegen ein paar wertvoller Goldfelder um die Jahrhundertwende einen gut dokumentierten, grausamen Krieg auslöste, musste es vielmehr in seinem vitalen Interesse sein, das überdehnte Weltreich strategisch und logistisch abzusichern und zu kontrollieren.
