Im Zeichen der Kobra - Fabian Lenk - E-Book

Im Zeichen der Kobra E-Book

Fabian Lenk

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Beschreibung

Ein spannender Sommer in Ägypten: Die Zwillinge Yana und Yamon (12) reisen mit ihrer Schwester Anouk, einer schlagfertigen Archäologie-Studentin, und ihrem Onkel Professor Klawitter ins Tal der Könige. Dort entdecken sie eine bisher unentdeckte Grabkammer – und darin eine magische Formel, mit der sie sich in heilige Tiere verwandeln: Bastet die Katze, Horus der Falke und Anubis der Hund. Als sie beim Besuch im Ägyptischen Museum Zeugen eines Raubüberfalls werden, bei dem unter anderem Tutanchamuns Maske und eine Mumie entwendet werden, kommt es zu einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd. Und der Drahtzieher kennt das Geheimnis der magischen Formel! Wird es den drei Geschwistern gelingen, die historischen Schätze zurückzuholen?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 134

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Für Simone, Yannick und alle anderen Abenteurer

Fabian Lenk

Mit Illustrationen von Thilo Krapp

Inhalt

Im Grab

Eine geheimnisvolle Formel

Völlig losgelöst

Viele Skarabäen und ein Dackel

Schritte …

Die Maske aller Masken

Schüsse in Saal 3

Auf der Jagd

Ein haariges Angebot

Besuch vom Schwarm

Tierische Attacken

Peng, der Super-Reiche

Gefährliche Spurensuche

Überraschung!

Alles nur Einbildung?

Yana, Yamon und Anouk: Im Zeichen der Kobra

Ein Blasrohr am Pokertisch

Impressum

Im Grab

»Was … was war das?« Yana war stehen geblieben, die Ohren gespitzt, jeden Muskel angespannt. Die Hand, die die Taschenlampe hielt, zitterte leicht.

Yamon trat neben sie.»Was meinst du? Ich habe nichts …«

Yana gab ihrem Zwillingsbruder ein Zeichen, und er verstummte. Ihr Herz hämmerte.

Da war es wieder. Ein Heulen, hell, sehr hell – in Yanas Ohren klang es fast wie ein Kreischen. Es drang durch den düsteren, verwinkelten Stollen, in dem sich Yana mit ihren Geschwistern Yamon und Anouk sowie ihrem Onkel, dem legendären Ägyptologen Professor Konrad Klawitter, gerade befand.

Der Gang führte womöglich zu einem noch unentdeckten Grab, das vor rund 3000 Jahren tief unterhalb des Bergs el-Qum errichtet worden war. Dessen pyramidenförmiger Gipfel wachte hier, im Tal der Könige, über die Totenstadt der mächtigsten Pharaonen.

Aber ebenso gut konnte der Stollen in eine Falle führen …

»Das ist doch nur der Wind«, lachte Anouk und gab Yana einen aufmunternden Klaps.

»Für mich klang es eher wie ein Mensch«, sagte Yana tonlos.

»Unsinn, entspann dich. Alles ist gut«, meinte Anouk beruhigend. »Und auch wenn das irgendein fieser Typ wäre, würde ich mit dem fertig.«

Daran zweifelte Yana keine Sekunde. Anouk hatte den Yondan, den 4. Dan in Karate, der sie als Expertin der Technik auswies. Mit Anouk sollte man sich wirklich nicht anlegen.

Yana biss sich auf die Unterlippe, schwieg. Manchmal wäre sie auch gerne so cool wie ihre knapp zehn Jahre ältere Schwester, die bei Onkel Konrad im vierten Semester Ägyptologie studierte und ihn bei Expeditionen und Ausgrabungen begleiten durfte. Während der Winterferien waren Yana und Yamon dazugestoßen. Auch sie interessierten sich brennend für ferne Länder und deren Geschichte.

»Lass dich nicht verrück tmachen, Yana«, dröhnte jetzt Klawitters tiefer Bass durch den etwa zwei Meter hohen und ebenso breiten Stollen.

Yana nickte knapp. Sie lauschte. Das Geräusch war verebbt. Vielleicht hatte auch nur sie dieses fiese Kreischen gehört … Hier unten, in der Welt der Toten, war Geschichte so nah – aber das galt auch für die Geschichten, die Legenden: vom Fluch der Pharaonen, von Archäologen und gierigen Grabräubern, die in die Tiefen der Gräber gestiegen, aber nie wieder aufgetaucht, sondern im Reich des Totengottes Osiris gelandet waren.

»Schaut euch mal lieber diese sensationellen Malereien an«, rief Klawitter und riss Yana aus ihren dunklen Gedanken.

Der Lichtkegel seiner Taschenlampe huschte an der Wand zu ihrer Linken hoch, strich über eine nicht enden wollende Abfolge von Zeichnungen, deren einst prächtige Farben teils verblasst waren, aber nichts von ihrer rätselhaften Faszination verloren hatten.

Krieger mit Keulen und Speeren. Mit Bogenschützen besetzte Streitwagen, die aufeinander zurasten. Priester, die einem Gott etwas opferten. Jagdszenen. Aber es gab auch jede Menge Symbole und Schriftzeichen, aus denen Yana nicht schlau wurde.

Und da war noch etwas. Etwas, das sich bewegte und gerade auf acht flinken Beinen über das Gesicht eines Priesters wuselte … Yanas Nackenhaare stellten sich auf. Das war definitiv die fetteste Spinne, die sie jemals gesehen hatte. Das Biest war mindestens handtellergroß. Als das Licht der Lampe es erwischte, verkroch es sich aber nicht – wie von Yana erwartet – in irgendeiner Spalte, sondern richtete seinen Vorderkörper drohend auf und wedelte mit den Giftklauen, als wolle es den vier Eindringlingen klarmachen: Haut ab!

»Wirklich nett hier«, ächzte Yana.

»Sag ich doch, sag ich doch«, murmelte Klawitter glücklich. »So schön, so einzigartig. Und ich glaube, dass dieser Stollen uns wirklich zu einem bedeutenden Grab führen wird. Sonst wäre er nicht so reich verziert.«

»Vielleicht sogar zum Grab von Ramses VIII., richtig?«, fragte Anouk, die die Spinne gar nicht wahrgenommen zu haben schien.

Klawitter nickte. »Das wäre ein Traum!«

»Wer war dieser Ramses VIII.?«, fragte Yamon.

»Der 7. altägyptische König der 20. Dynastie«, antwortete Klawitter, während er weiterging und wieder die Führung übernahm. »Er regierte nur etwa ein Jahr lang, um 1129 vor Christus. Von ihm ist so gut wie nichts überliefert. Sein Grab und seine Mumie wurden nie gefunden. Aber Fakt ist auch, dass es beides gegeben haben muss. Zuletzt wurde 2007 nach dem Grab gesucht. Ohne Erfolg.«

Jetzt also ein neuer Anlauf, dachte Yana. Und sie war dabei! Dicke, haarige Spinnen und ein seltsames Heulen konnte man dafür schon mal in Kauf nehmen. Außerdem hatten sie die Spinne hinter sich gelassen, und das Heulen hatte sich als Wind entpuppt, glaubte man Anouk und Onkel Konrad. Also war Yana jetzt doch wieder froh, dass sie dem kleinen Expeditionsteam angehörte.

Klawitter hatte den richtigen Riecher gehabt und, ausgestattet mit einer offiziellen Genehmigung, an einer ganz bestimmten Stelle im Tal der Könige graben lassen. Heute, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, hatten seine Helfer den verschütteten Zugang zu diesem Stollen freigelegt, in dem es nach Staub und ganz leicht nach Schimmel roch. Und während die Arbeiter Feierabend machten, war Klawitter mit Yana, Yamon und Anouk zu ersten Erkundungen aufgebrochen. Bisher hatte Klawitter keine Hinweise entdeckt, die auf den Namen des Besitzers des Grabes hindeuteten. Oft gab es am Zugang Inschriften, die Informationen über den Verstorbenen lieferten, doch hier war dies nicht der Fall gewesen.

Somit gab es keinerlei Gewissheit, dass sie wirklich auf der Spur des Grabes von Ramses VIII. waren. Allein die Hoffnung trieb sie an, aber wenn sie …

Etwas krabbelte in ihrem Nacken, und Yana erstarrte. War das etwa die fette Spinne?

Yana schoss herum und – blickte in das Gesicht ihres Bruders.

»Kleiner Scherz«, meinte Yamon grinsend. »Habe dich nur ein bisschen gekitzelt.«

»Verdammt komisch«, zischte sie und schwor sich, es ihm heimzuzahlen. Yamon ekelte sich zwar nicht vor Spinnen, dafür aber vor Würmern. Sie würde schon ein stattliches Exemplar finden.

»Geh ab jetzt vor mir«, verlangte sie, und Yamon gehorchte, immer noch lächelnd.

Yana bildete nun das Schlusslicht des Trupps und schmiedete Rachepläne. Sie hatte den Lichtkegel auf ihre Füße gerichtet, um nicht über irgendetwas zu stolpern – und da war er ja auch schon: ein Wurm, garantiert fünfzehn Zentimeter lang und fett, richtig fett! Wie eine Made, bloß viel länger.

Yana bückte sich rasch, packte das Prachtexemplar und ermöglichte ihm einen Express-Umzug. Das neue Zuhause befand sich in Yamons Hemd, dessen Kragen leichtsinnigerweise lässig geöffnet war und den wurmmäßigen Tapetenwechsel problemlos ermöglichte. Yana warf das dicke Tierchen in das Hemd ihres Bruders, der sofort aufschrie und an dem Kleidungsstück herumfummelte. »Da ist irgendwas, ein Vieh womöglich – helft mir!«

»Hm, vielleicht ist etwas von der Decke in dein Hemd gefallen«, meinte Yana mitfühlend. »Du Armer.«

Yamons Augen funkelten. »Da steckst garantiert du dahinter!«

Er riss sich das Hemd vom Leib, leuchtete hinein. »Oh mein Gott, das ist ja widerlich! Ein fetter, ekliger Glibberglabberwurm.«

Yamon entfernte ihn. Der Wurm schob sich hektisch über den steinigen Boden, fand eine Nische und war verschwunden.

»Stimmt, der ist wirklich riesig«, meinte Yana – und nun war sie es, die grinste.

»Gib es zu, das warst du!«, giftete Yamon.

Yana hob die Hände. »Niemals. So was würde ich nie machen«, sagte sie gespielt unschuldig.

»Kinder, lasst den Quatsch«, mahnte Klawitter. »Kommt weiter.«

Kinder? Warum nicht gleich Kleinkinder ober Babys?

Yana schluckte ihr Missfallen runter und amüsierte sich lieber über den Anblick ihres Bruders, der gerade sein Hemd wieder überstreifte.

»Nebeneinander, wir gehen nebeneinander«, sagte er entschlossen.

Nach etwa hundert Metern führte der Weg bergauf und der Professor begann zu ächzen. Klawitter hatte die sechzig schon lange überschritten, liebte deftige Speisen und guten Wein – und verabscheute Sport. Genau genommen hielt er jegliche Bewegung für ein notwendiges Übel und vermied sie, so gut er konnte.

Aber jetzt musste er unbedingt voran, wenn er nicht aufgeben wollte.

Am Ende der Steigung erwartete sie ein etwa fünfzig Quadratmeter großer Raum.

»Vorsicht«, mahnte Klawitter. »Da sind überall Löcher.«

Er beugte sich über das erste und leuchtete hinein.

»Hm, gut fünf Meter tief, vermute ich – und unten sind angespitzte Holzpfähle. Ein falscher Schritt und …«

Yana ächzte leise. Der Boden der kleinen Halle war regelrecht durchsiebt von Löchern. Manche hatten einen Durchmesser von zwei, andere sogar von drei Metern. Sie lagen dicht beieinander und berührten sich fast. Dazwischen verlief im Zickzack eine Art Weg, der jedoch nur aus schmalen Brettern bestand, von denen viele alles andere als vertrauenerweckend wirkten. Etwa in der Mitte des Raums führte der Bretterweg wie eine Brücke über ein besonders großes Loch.

»Wir haben nur zwei Möglichkeiten, wie es scheint«, meinte Anouk. »Umdrehen oder weiter. Ich bin auf jeden Fall für weiter.«

Natürlich würde sich Anouk von so etwas nicht aufhalten lassen. Ihr Tatendrang war ansteckend, und Yana und Yamon stimmten zu.

»Waffenstillstand?«, wisperte Yamon.

Yana nickte. »Okay, sonst fliegt noch jemand vor Schreck in eines der Löcher – mit einer Spinne oder einem Wurm als Co-Pilot im Nacken.«

»Und du, Onkelchen?«, fragte Anouk.

»Klar, bin dabei!«, kam es sofort von Klawitter. »Aber nenn mich nie wieder Onkelchen.«

Das war offenbar nicht die Antwort, auf die Anouk gehofft hatte. »Sicher? Willst du nicht lieber hier auf uns warten?«

Klawitter klang nun leicht verärgert. »Wieso denn das? Glaubst du, ich schaffe das nicht? Ich habe erst vor einer Woche eine Partie Boccia gespielt, ich bin verdammt noch mal in Form.«

»Natürlich.« Anouk schmunzelte. »Also Augen auf, Schritt für Schritt über die Balken. Ich gehe vor.«

Anouk tänzelte förmlich über den Weg.

Yana hielt den Atem an und wechselte sorgenvolle Blicke mit Yamon.

Nun war Anouk bereits ohne Probleme bei der Brücke angelangt. Sie wandte sich um und winkte ungeduldig.

Erst Klawitter, dann Yana und schließlich Yamon folgten.

Der Professor schwankte über den Steg wie ein Schiff auf hoher See. Yana bemerkte, wie sich der Balken unter Klawitters beachtlichem Gewicht durchbog und ächzte.

»Alles gut, alles gut, kein Problem, kein Problem«, flötete Klawitter. Als er bei Anouk stand, tupfte er sich mit einem Taschentuch den Schweiß von der Stirn.

»Okay!«, rief Anouk und betrat die Brücke. »Warte, bis ich drüben bin, Onkel Konrad. Sonst sind wir zu schwer für den Balken.«

»Was soll das heißen?«, schnaufte der Professor.

Anouk antwortete nicht, sondern konzentrierte sich auf die Strecke, die noch vor ihr lag. Gleich würde sie das Ende des wackligen Übergangs erreicht haben.

Ein Ächzen, ein Knacken, ein Splittern. Anouk geriet ins Wanken und breitete die Arme aus wie eine Seiltänzerin.

»Nein!«, schrien Yana, Yamon und Klawitter unisono.

Der Balken unter Anouks Füßen gab nach, knickte durch. Er brach aber nicht ganz, sodass Anouk im letzten Moment nach vorn schnellen konnte und auf der anderen Seite des Lochs landete.

»Verdammt!«, fluchte sie. »Das war knapp.«

»A…allerdings«, stammelte Yana. »Alles gut bei dir?«

»Klar«, gab Anouk zurück, aber Yana entging nicht, dass die Stimme ihrer Schwester etwas heller klang als sonst.

»Und jetzt?«, fragte Klawitter.

»Wir suchen stabilere Balken oder Bretter und legen sie über das Loch«, schlug Yamon vor. »Solche, über die wir gerade gelaufen sind, ohne dass etwas passiert ist. Nachher bringen wir die an ihre alte Position zurück.«

»Gute Idee«, lobte Anouk.

Auf diese Weise gelangten sie alle auf die andere Seite.

Klawitter übernahm wieder die Führung. Nach fünfzig Metern verengte sich der Gang, bis er gerade mal einen Meter breit war.

Hoffentlich passt der liebe Onkel Konrad da durch, dachte Yana.

»Halt!«, ordnete Klawitter kurz vor der schmalsten Stelle an. »Das gefällt mir nicht …«

»Was?«, fragte Yana. Nervosität beschlich sie.

Klawitters Taschenlampe beleuchtete einen rostigen Dorn, der etwa zehn Zentimeter aus der Mauer herausragte. Man würde ihn zweifellos berühren, wenn man sich durch den Engpass quetschte.

Klawitter streckte den Arm mit der Lampe so weit wie möglich aus und schlug leicht gegen den Zapfen, worauf dieser sich in die Wand zurückzog wie in ein Schneckenhaus.

Zack! Ein Metallbolzen flog in Kopfhöhe aus der Mauer, prallte an die gegenüberliegende Wand und kullerte vor die Stiefel des Professors.

»Beeindruckend, ziemlich beeindruckend«, stammelte Klawitter.

Tödlich, ziemlich tödlich, dachte Yana, hielt aber die Klappe. Plötzlich war ihr kalt.

»Und ganz sicher führt dieser Weg, wie ich schon anmerkte, zu einem bedeutenden Grab«, ergänzte der Professor.

»Mag sein«, sagte Yamon. »Aber sollten wir jetzt nicht doch besser umdrehen?«

Anouk schob sich neben Klawitter. »Lass mich mal prüfen, ob es an dieser Stelle noch andere Überraschungen gibt.«

Nach eingehender Kontrolle gab sie grünes Licht: »Keine weiteren versteckten Mechanismen. Wir könnten weiter – wenn wir wollen.«

»Ich will«, sagte Klawitter feierlich, als würde er seiner Braut gerade das Ja-Wort in der Kirche geben.

»Und ihr?« Diese Frage galt den Zwillingen.

Yana und Yamon wechselten erneut einen Blick und stimmten zu.

Nachdem sich auch Klawitter durch die Engstelle gezwängt hatte, ging es zügig voran. Der Weg verlief nun wieder ebenerdig. Klawitter fütterte sie mit allen möglichen Details über den Bolzen und die Kenntnisse der alten Ägypter über die Metallurgie.

»Schon vor über 5000 Jahren wussten die Ägypter, wie man Metalle verarbeitet. Sie formten Vasen, Spiegel und Waffen aus Bronze. Außerdem verstanden sie es, Fäden aus Metallen herzustellen, die so fein waren, dass man daraus Kleidungstücke weben konnte«, dozierte er.

Yana, die wieder ganz hinten ging, hörte nicht mehr richtig zu. Ihre Gedanken schweiften ab, denn das war nicht unbedingt ein Thema, das sie interessierte.

Sie ließ sich lieber von der unheimlichen, wenngleich magischen Umgebung einnehmen, den Zeichen an den Wänden, der Nähe des Todes. Yana kam sich vor wie ein Eindringling, der etwas Verbotenes tat, aber auch wie ein Entdecker, der etwas Jahrtausendealtes aus den Schatten der Vergangenheit ins Licht der Gegenwart beförderte.

»… selten einen so langen und tiefen Stollen gesehen«, kam es weit vorn von Klawitter, und Yana schloss eilig zu ihm, Yamon und Anouk auf.

Der Weg knickte scharf nach rechts ab, und Klawitter stieß einen Schrei aus: »Da ist es!«

Eine geheimnisvolle Formel

Yamon leuchtete an Onkel Konrad vorbei in eine steinerne Halle, die etwa vier Meter hoch und dreißig Quadratmeter groß war. Die Wände waren über und über mit wunderschönen Motiven bemalt. Noch prächtiger verziert aber war der Sarkophag, der in der Mitte des Raumes auf einem massiven Sockel, zu dem zwei Stufen hinaufführten, hoch aufragte. Die Gemälde zeigten Kobras in allen Größen und Farben, mal friedlich zusammengerollt, dann wieder hoch aufgerichtet mit gespreiztem Kragen.

»Seht nur die Hieroglyphen«, sagte Klawitter ergriffen. »Hier ist eine Liste mit Speiseopfern, hier eine Tür, durch die der Ka – also die Seele des Verstorbenen – gehen sollte, und hier sind Augen, durch die der Tote aus dem Sarg schauen konnte …«

Yamons Magen krampfte sich zusammen. Starrte ihn gerade eine Mumie an?

Klawitter war wie zum Gebet niedergekniet und hatte seine Augen auf die Schriftzeichen geheftet. »Ha, da sind Titel und Name des Toten …« Er murmelte vor sich hin.

Schließlich sagte der Professor: »Nein, es ist nicht Ramses VIII., sondern ein Hem-Netjer-Tepi und …«

»Ein mächtiger Hohepriester, richtig?«, hauchte Anouk.

»Genau. Ein Mann namens Chaemwasett. Auch wenn es nicht das Grab von Ramses VIII. ist, so haben wir dennoch etwas ganz Besonderes entdeckt!«, jubelte Klawitter. Er drückte sich nach oben, wobei seine Gelenke knackten. Dann trat er vorsichtig auf die unterste Stufe des Sockels, stellte sich auf die Zehenspitzen und spähte über den Rand des Sarkophags.

»Oh nein, der Deckel wurde aufgebrochen und das Grab geplündert!« Klawitter klang wütend und enttäuscht zugleich. »Die Mumie ist weg. Auch keine einzige Grabbeigabe ist mehr da, soweit ich das erkennen kann.«

Yamon fühlte mit ihm. Was für ein Verlust, was für ein dreister Diebstahl … Die Täter mussten sich gut ausgekannt haben, um die Fallen zu umgehen. Vielleicht waren die Räuber auch am Bau der Grabanlage beteiligt gewesen und hatten ihr Wissen genutzt, um sie später auszuräumen.

Da fiel Yamons Blick auf etwas, das in einer Ecke der Grabkammer lag, die nur schwach von ihren Lampen erhellt wurde.

»Was ist das denn?« Yamon trat näher und beugte sich über seinen Fund.

»Eine Schriftrolle!«, verkündete er.

Klawitter, Anouk und Yana eilten zu ihm.