Im Zwischenreich - Ute Daniel - E-Book

Im Zwischenreich E-Book

Ute Daniel

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Beschreibung

Im Rückblick beruhigen wir uns in Bezug auf das Schicksal der ersten deutschen Demokratie mit der Palliativformel, dass es nicht zwangsläufig so hätte enden müssen, wie es schließlich endete. Aber Zufall sei es auch nicht gewesen. Das ist richtig, gilt jedoch praktisch für alles, was in der Weltgeschichte je geschah. Heute sind nicht nur in der Bundesrepublik rechte Parteien wieder auf dem Vormarsch. Vorschnelle Vergleiche mit der Zwischenkriegszeit verursachen Panik. Umso dringlicher ist es, erneut über die Entwicklungen der Weimarer Republik zu reden und zu streiten. Genau dazu trägt Ute Daniel mit ihrem neuen Buch bei. Erfolge von Rechtsaußenparteien lassen sich nie allein über ihre Strategien oder Führungspersonen erklären. Das wäre auch mit Blick auf Weimar zu einfach, selbst wenn viele Menschen ab 1929 vor allem auf Adolf Hitler starrten, bewundernd oder voll Furcht. Stattdessen müssen wir rekonstruieren, so die Historikerin, wie andere politische Akteure die Situation wahrnahmen. Für die meisten von ihnen war die Weimarer Republik ein Zwischenreich, eine vorübergehende Verirrung. Ihr Handeln war ausschlaggebend für das Ende der Republik. Hitler war nur der Profiteur.

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Seitenzahl: 496

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Ute Daniel

ImZwischenreich

Eine Geschichteder Weimarer Republik1918 bis 1933

Hamburger Edition

Hamburger Edition HIS Verlagsges. mbH

Verlag des Hamburger Instituts für Sozialforschung

Mittelweg 36

20148 Hamburg

[email protected]

www.hamburger-edition.de

© der E-Book-Ausgabe 2026 by Hamburger Edition

ISBN 978-3-98722-106-4

E-Book Umsetzung: Dörlemann Satz, Lemförde

© 2026 by Hamburger Edition

ISBN 978-3-98722-003-6

Umschlaggestaltung: Lisa Neuhalfen, Berlin

Umschlagabbildung: Franz Wilhelm Seiwert, Diskussion, 1926 | © mauritius images / Alamy / Alamy Stock Photos

Inhalt

Cover

Titelseite

Impressum

Einleitung

I  Anfang und Ende der Weimarer Koalition (1918–1920)

1  Militär und Revolution 1918/19

2  Matthias Erzbergers Versuch, die Weimarer Republik als Steuerstaat zu begründen

3  Ein Friedensvertrag, ein Militärputsch, ein Generalstreik und eine Wahl

II  Inflationszeit, zwei Prozesse 1924 und das erste Reparationsregime (1920–1927)

4  Reparationen und interalliierte Schulden

5  Militär und Innenpolitik I: 1920–1924

6  Der Dawes-Plan oder: Warum es nicht gut wurde, als es besser wurde

7  Militär und Innenpolitik II: 1926–1927

III  Die Drehtür wird Ereignis (1928–1930)

8  Die Aufrüstung

9  Der Übergang zum Young-Plan

10  Das arme Gemeinwesen und das Ende der Demokratie

11  Reichspräsident und Reichswehr leiten den Ausstieg aus dem Zwischenreich ein

IV  Wie verlässt man ein Zwischenreich? (1930–1933)

12  Heinrich Brünings wichtigste und fatalste Entscheidung

13  Was tun, wenn das Kind im Brunnen ist?

14  Finanz- und Verfassungspolitik

15  Krokodilstränen und Geschäftsordnungsänderungen

16  Reparationspolitik aus der Igelstellung

17  Das SA-Verbot und die Abwanderung des Militärs aus dem Überrest der Republik

Schlussbemerkungen

Dank

Abkürzungsverzeichnis

Quellen und Literatur

Personenregister

Zur Autorin

I  Anfang und Ende der Weimarer Koalition (1918–1920)

Am Anfang des Zeitraums 1918–1920 stand eine unerwartete Staatsumwälzung. Sie machte die reformorientierte Reichstagsmehrheit seit 1917 von Sozialdemokratie, Liberalen und katholischer Zentrumspartei zur Regierungskoalition. Ein flankierendes Bündnis bildete sich seit Dezember 1918 zwischen Regierung und Militär heraus.

Am Ende des Zeitraums stand die erste Reichstagswahl von 1920. Ihr Ergebnis war, dass die Weimarer Koalition von SPD, Zentrum und Deutscher Demokratischer Partei (DDP) abgewählt und nie wieder mehrheitsfähig wurde. Nicht der einzige, aber der quantitativ bedeutsamste Grund dafür war, dass der SPD Friedrich Eberts die Hälfte der Wähler und Wählerinnen abhandenkam, die sie bei den Wahlen zur Nationalversammlung 1919 hatte mobilisieren können. Dass dieser enorme Wählerschwund weitgehend der militärkritischen USPD zugutekam, hatte Gründe: Die Reichstagswahl fand nur rund acht Wochen nach der militärischen Niederschlagung der letzten Streikenden im Ruhrgebiet statt. Der Generalstreik, der im März 1920 den Militärputsch, den sogenannten Kapp-Lüttwitz-Putsch, beendet hatte, war danach in einen politischen Streik gegen die Machtposition des Militärs übergegangen. Die Reichsregierung hatte daraufhin Einheiten ins Ruhrgebiet einmarschieren lassen, von denen einige gerade eben am Putsch beteiligt gewesen waren. Die USPD war im Wahlkampf vor der Juni-Wahl (abgesehen von der KPD) die einzige Partei, die die gewaltsame Beendigung des Streiks mit den hohen Opferzahlen unter den Streikenden zum Thema gemacht hatte. Leicht zugespitzt lässt sich also sagen, dass im Juni 1920 das eine Bündnis, das zwischen Exekutive und Militär, dem anderen, der die Weimarer Republik tragenden Dreierkoalition, den Boden unter den Füßen weggezogen hat.

1  Militär und Revolution 1918/19

Fünf Wochen nach dem Verschwinden des alten Souveräns, Kaiser Wilhelms II., trat am 16. Dezember 1918 in Berlin der neue Souverän zusammen:1 die gewählten Delegierten der Arbeiter- und Soldatenräte. Nachdem Ende Oktober in der Hochseeflotte eine Meuterei gegen den Befehl der Seekriegsleitung ausgebrochen war, zu einer letzten Schlacht gegen England auszulaufen, hatte in Kiel am 4. November der erste deutsche Arbeiter- und Soldatenrat die Macht übernommen. Seine Ziele waren ebenso wie die der Meuterer unpolitischer Art. Der Krieg sollte beendet und die Matrosen nicht zu seinen letzten Opfern werden. Dazu musste die deutsche Militärorganisation insgesamt vom Aufstand erfasst werden. Also setzten sich spontan gebildete Trupps Aufständischer in die Bahn oder andere verfügbare Transportmittel und durchquerten Deutschland erst nach Süden bis München, dann in östlicher Richtung nach Berlin und danach in westlicher Richtung ins Rheinland und zu den Feldtruppen.

Das geschah in enormer Geschwindigkeit zwischen dem 4. und 9. November. Wo sie hinkamen, fiel den Soldaten die Macht mehr oder weniger von allein zu. »Nie ist das ganze innere Gerüst einer Großmacht in so kurzer Zeit so vollkommen zerstäubt«, stellte der Ex-Offizier und Kunstmäzen Harry Graf Kessler in seinem Tagebuch fest.2 Es handelte sich weniger um ein von revolutionären Akteuren ausgehendes Umsturzgeschehen als um »die Flucht und die Abdankung der bis dahin Regierenden«.3 In München, Braunschweig und andernorts kollabierten die herrschenden Dynastien; am 9. November wurde in Berlin die Republik ausgerufen. Überall liefen die Soldaten des Heimatheeres zu den Aufständischen über, und Bürgermeister händigten die Schlüssel aus. Das alte Spitzenpersonal setzte sich ins Ausland ab – Wilhelm II. nach Holland, der Generalquartiermeister Erich Ludendorff nach Schweden – oder rettete sich in die Provinz, wie Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg in den schützenden Kreis seines Stabes der Obersten Heeresleitung erst auf das Schloss Wilhelmshöhe in Kassel und dann ins pommersche Kolberg.

Arbeiter- und Soldatenräte wählten am 10. November im Berliner Circus Busch die neue Regierung – den »Rat der Volksbeauftragten« – aus SPD und USPD und setzten eine diese Exekutive kontrollierende Instanz, den »Vollzugsrat der Arbeiter- und Soldatenräte Groß-Berlins«, ein. Die Sozialdemokratie war gespalten aus dem Krieg hervorgegangen. In ihrer Reichstagsfraktion ebenso wie an der Basis waren 1916/17 Zweifel lauter geworden, ob Regierung und Militärführung noch einen Verteidigungskrieg führten oder bereits viel weiter reichende Kriegsziele verfolgten. Resultat war 1917 die Spaltung der SPD in die weiter Kriegskredite bewilligende Mehrheit (MSPD) und die Minderheit der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD), die es ablehnte, die Kriegsführung weiter zu unterstützen, und die verlangte, einen Verständigungsfrieden herbeizuführen. Diese Spaltung von Fraktion und Partei war keine in »rechts« und »links«, was schon daran deutlich wurde, dass sich in der USPD sowohl Sozialdemokraten vom rechten Flügel der Partei wiederfanden, wie Eduard Bernstein, als auch solche vom linken Flügel, wie Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg.

Was die beiden Gruppierungen trennte, war in erster Linie die Einstellung zum Krieg und zur Rolle des Militärs in Politik und Gesellschaft. Dass diese Spaltung mit dem Kriegsende nicht aufhörte, sondern sich in der Nachkriegszeit weiter zuspitzte, war ebenso folgerichtig wie fatal. Folgerichtig, weil es erneut die Militärfrage war, die beide Parteien und ihre jeweilige Basis trennte und weiter auseinandertrieb.4 Und fatal nicht nur, weil die MSPD durch ihre Nähe zum Nachkriegsmilitär viele Anhänger verprellte, sondern vor allem deswegen, weil diese schwindende Überzeugungskraft gleichzeitig eine solche derjenigen politischen Koalition war, in der die Mehrheiten innerhalb der drei beteiligten Parteien – SPD, Zentrum und Deutsche Demokratische Partei – für einen demokratischen deutschen Staat waren. In den übrigen Parteien gab es diese prorepublikanischen Mehrheiten nicht.

Die Militärführung hatte sich am selben Tag, als die neue Regierung im Circus Busch gewählt worden war, am 10. November, der Regierung zur Verfügung gestellt. Der Nachfolger des Ersten Generalquartiermeisters Erich Ludendorff, der zentralen Persönlichkeit der Obersten Heeresleitung (OHL) im Krieg, war Wilhelm Groener. Der württembergische Offizier, der seit Ende Oktober de facto Chef der OHL war, gehörte zu den wenigen deutschen Militärs, die schon während des Kriegs realisiert hatten, dass ein moderner Massenkrieg nur mithilfe der organisierten Arbeiterschaft zu gewinnen war. Er kannte Friedrich Ebert, der seit seiner Wahl zum Vorsitzenden des Rats der Volksbeauftragten de facto Reichskanzler war, noch aus der Kriegszeit. In dem berühmten Telefonat am Abend des 10. November bot Groener dem neuen Regierungschef die Mitwirkung der OHL bei der Rückführung des Heeres an. Ebert akzeptierte, weil die Alliierten den sofortigen Rückzug der deutschen Truppen aus den besetzten Gebieten forderten.

Die führenden Militärs waren sich bei allen sonstigen Unterschieden in einem Punkt einig: dass es zuerst darum gehen müsse, die neue Regierung zu unterstützen. Wie es ein Generalstabsoffizier, Hauptmann Gustav Böhm, am 18. November in seinem Bericht über die politische Lage formulierte:

»Man kann es nur als ein Glück für alle ordnungsliebenden Elemente im Staate bezeichnen, dass die Revolution überhaupt auf dem Programm Ebert–Haase Halt gemacht hat. [Hugo Haase gehörte zu den USPD-Mitgliedern des Rats der Volksbeauftragten, U.D.] Das Fehlen fast aller, die alte Ordnung verbürgenden Machtmittel und die völlige Erschlaffung von 9/10 des Volkes nach vierjährigem Kriege hätten zu ganz anderen Erfolgen des Umsturzes führen können. Die Regierung Ebert–Haase […] ist das letzte Bollwerk gegen die Anarchie […]. In dieser Lage gibt es für den Staatsbürger alter Ordnung, ganz gleich welcher Partei, nur eins: Die unbedingte Stützung der Regierung. Es heißt mitarbeiten, um dadurch Einfluss zu gewinnen.«5

Allerdings hatte zu diesem Zeitpunkt – gut eine Woche nach dem 9. November – die Militärführung bereits ganz eigene Vorstellungen davon, wie ihre Mitarbeit konkret aussehen könnte. Die OHL ließ in der Reichskanzlei vorschlagen, fünfzehn Divisionen »in Berlin einmarschieren zu lassen, die Arbeiter- und Soldatenräte aufzulösen, Ebert zum vorläufigen Reichspräsidenten mit diktatorischer Gewalt zu proklamieren, sofort den Reichstag einzuberufen und eine provisorische Reichsverfassung zu schaffen«.6 Ebert reagierte uneindeutig. Das blieb so, während in den Wochen bis zum geplanten Einmarsch der Truppen durch das Brandenburger Tor am 10. Dezember die Planungen für das Putschszenario vorangetrieben wurden. An diesem Tag standen circa 150 000 Mann in der Nähe Berlins, ohne dass Ebert ihrem Einsatz explizit zugestimmt hatte. Daraufhin fiel der Putsch aus.

Der Schwebezustand seit dem Verschwinden der alten Autoritäten, aber ohne erkennbare Schritte einer Neugestaltung gesellschaftlicher und politischer Verhältnisse, hielt also an – allerdings nicht mehr lange. Und das lag am Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte, der vom 16. bis 21. Dezember in Berlin tagte. Wobei »tagen« vielleicht ein zu schwacher Begriff für die turbulenten Szenen ist, die sich im Gebäude des preußischen Abgeordnetenhauses, wo der Kongress stattfand, abspielten. Von den insgesamt 490 Delegierten stand die weit überwiegende Mehrheit der MSPD nahe. Wie sich allerdings zeigen sollte, gab es eine klare Mehrheit nicht nur für die schnellstmögliche Wahl zu einer verfassunggebenden Nationalversammlung, die der De-facto-Reichskanzler Ebert wollte, sondern auch für zwei weitere Punkte, die der Regierungschef nicht wollte: zum einen die Sozialisierung der Schlüsselindustrien und die politisch unmittelbar viel folgenreichere Entscheidung über die Militärfrage. Letztere war es, um die am heftigsten gestritten wurde. Am zweiten Sitzungstag, dem 17. Dezember, berichtete der Vorsitzende des Remscheider Arbeiter- und Soldatenrats, der gelernte Feilenhauer und Verleger der USPD-Zeitung Volksstimme Otto Brass,7 über militärische Übergriffe gegen die Räte. Flugblattverteiler seien verprügelt und Flugblätter vernichtet worden; rote Fahnen seien heruntergerissen und verbrannt worden; politisch zuverlässige Divisionen würden bewaffnet. Brass äußerte den Verdacht, die OHL plane ein umfassendes Vorgehen gegen die Arbeiter- und Soldatenräte, die nach dem 9. November einzigen funktionierenden lokalen Behörden. Wer, fragte Brass, regiere eigentlich, die Volksbeauftragten oder die Oberste Heeresleitung?

Der Bericht führte zu heftigen Reaktionen und weiteren ähnlich gelagerten Beiträgen. Als Indiz für verdächtige Machenschaften kam auch das ominöse Geschehen am 6. und 7. Dezember zur Sprache. Bis heute ist nicht klar, wie es dazu kam, dass am späten Nachmittag des 6. Dezembers ein Trupp bewaffneter Soldaten und Matrosen vor der Reichskanzlei auftauchte, der Feldwebel eines Ersatz-Bataillons gegen den Vollzugsrat wetterte und Friedrich Ebert zum Präsidenten Deutschlands ausrief. Etwa zur gleichen Zeit besetzten Soldaten und Matrosen die Ausgänge des Preußischen Abgeordnetenhauses, in dem der Vollzugsrat tagte, und verhafteten – im Namen der Reichsregierung, wie es hieß – die Anwesenden. Die Nachricht machte schnell die Runde, nacheinander tauchten auf: der Berliner Polizeipräsident Emil Eichhorn mit Männern seiner Sicherheitswehr, Matrosen der im Marstall einquartierten Volksmarinedivision und Arbeiter aus umliegenden Fabriken. Sie vertrieben den Feldwebel samt seinen Leuten. Aber damit war es nicht zu Ende. Eine Abteilung der Gardefüsiliere mähte Ecke Invaliden- und Chausseestraße mit Gewehrschüssen und Maschinengewehrfeuer am frühen Abend Teilnehmer an polizeilich gemeldeten Demonstrationen der Spartakusgruppe, des linken Flügels der USPD, nieder. Laut Polizeibericht gab es 14 Tote und mehr als 30 Verletzte.

Die Militärfrage stand jetzt ganz oben auf der Agenda der in Berlin versammelten Delegierten der Arbeiter- und Soldatenräte – obwohl ihnen der viel weiter gediehene und tatsächlich für den 10. Dezember angebahnte Putschversuch der OHL nicht bekannt war – und eskalierte den Konflikt zwischen MSPD- und USPD-Führung. Zwischendurch drängte noch eine Soldatendeputation in den Sitzungssaal, die verlangte, alle Offiziere zu entwaffnen und die Befehlsgewalt in die Hände der Soldaten zu legen. Es wurde beschlossen, diese Forderungen am Folgetag zu diskutieren.

Die USPD-Fraktion verständigte sich darauf, die Forderungen der Soldatendeputation zu vertreten. In der MSPD-Fraktion wurde heftig gestritten. Die Soldatenräte, besonders die Hamburger Delegierten, verlangten ebenfalls, den Forderungen der Deputation zu entsprechen. Ebert wollte genau das nicht. Die Fraktion einigte sich darauf, mit Eberts Zustimmung einen eigenen Antrag einzubringen; er wird – unter der Bezeichnung »Sieben Hamburger Punkte« – in die Geschichte eingehen. Nicht, weil er jemals umgesetzt worden wäre. Sondern weil der bedingungslose Widerstand der Militärs gegen diesen Beschluss, der am 18. Dezember einstimmig angenommen wurde, die bisher in der Schwebe befindlichen politischen Verhältnisse klärte.