Imame predigen Interkulturalität - Abualwafa Mohammed - E-Book

Imame predigen Interkulturalität E-Book

Abualwafa Mohammed

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Beschreibung

Was ist die Tätigkeit von Imamen in Österreich? In welchem Fragenkomplex um "Islam in Europa" lässt sich diese Tätigkeit lokalisieren? Und welche Fragen und Herausforderungen stellen sich in diesem Praxisfeld? Diesen Fragen geht "Imame predigen Interkulturalität" nach, denn Imame können als Multiplikatoren für die Idee der Interkulturalität fungieren. Und zwar in beide Richtungen: Als Vermittler interkultureller Kompetenz innerhalb muslimischer Gemeinden sowie als Repräsentanten des Islam und Brückenbauer zur Mehrheitsbevölkerung. Der erste Band einer geplanten Reihe zu diesem umfassenden Forschungsfeld versucht, zu verbindlichen Antworten zu gelangen, die Empfehlungen für die Praxis beinhalten und Handlungsoptionen für das Anwendungsfeld bieten.

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Seitenzahl: 48

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Abualwafa Mohammed

Imame predigenInterkulturalität

Zur Schlüsselrolle der Imame für dieinterkulturelle Kompetenz von Muslimen

 

 

© 2018 Abualwafa Mohammed

Verlag und Druck: tredition GmbH, Hamburg

ISBNPaperback:    978-3-7482-1207-2e-Book:         978-3-7482-1209-6

 

 

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung

1.1. Islam in Österreich – zum Kontext des Forschungsanliegens

1.2. Methode und Erkenntnisinteresse

1.3. Wer ist ein Imam? – Zum Begriff

1.4. Was ist Interkulturalität?

2. Islam und Interkulturalität – theologische Grundlagen und islamwissenschaftliche Debatte der Gegenwart

2.1. Koranische Grundlagen

2.2. Muhammad als Imam und Vorbild aller Imame – zur interkulturellen Kompetenz des Propheten

2.2.1. Die Charta in Medina

2.2.2. Der Prophet als Vorbild für seine Mitbürger

2.2.3. Die Abschiedspredigt

2.3. Interkulturalität in der Geschichte des Islam

2.4. Islam in Europa – Euro-Islam?

2.5. EXKURS: Beispiel „Europäische Charta der Muslime“

3. Empirischer Teil – Experteninterviews

3.1. Forschungsdesign und Auswahl der ProbandInnen

3.2. Fragebögen

3.3. Reflexion und Ergebnisse

4. Imam als Träger und Vermittler interkultureller Kompetenz – zwischen Anspruch und Wirklichkeit

4.1. Imame in Österreich (Imam oder Mufti)

4.2. Rolle und Aufgaben des Imams im Bereich Interkulturalität (Berücksichtigung der Befragungsergebnisse)

4.3. Die Freitagspredigt zur Verbreitung interkulturellen Bewusstseins

5. Wege zur Interkulturalität - Ausblick, Thesen und Strategien

5.1. Interreligiöser Dialog

5.2. Maßnahmenkatalog und Thesen

6. Anhang: Eindrücke aus interreligösen und interkulturellen Begegnungen

7. Quellenangaben

8. literaturverzeichnis

Vorwort

Der Islam zählt zu den Religionen Europas, wie Judentum und Christentum auch. Alle diese drei Religionen sind aus dem Orient nach Europa gekommen, beeinflussten und beeinflussen die europäische Geschichte. Die Wahrnehmung dieser wechselseitigen Beziehungen ist wesentlich für Verständnis und Respekt. Der Islam war und ist Teil der europäischen Kultur und Geschichte, ein Faktum, das mittlerweile auch in Wissenschaft und Literatur anerkannt ist. Das Erkennen dieser Tatsache und ein gewisses aufgeschlossenes Grundinteresse an „Religion“ und „Kultur“ im Allgemeinen sind gute Voraussetzungen für das Gelingen eines interreligiösen und -kulturellen Dialogs. Das ist das zentrale Bestreben des vorliegenden ersten Bandes einer geplanten Publikationsreihe zu Imamen, Islam, Europa und besserer Verständigung entlang von Interkulturalität und Interreligiosität, Begriffen, die auch Teil meiner eigenen Biographie sind.

In meinem Geburtsland Ägypten erhielt ich eine theologische azharitische Ausbildung und erwarb den Titel eines „Hafiz“ (auswendige Beherrschung des Korans). Nach meiner Übersiedelung nach Österreich Ende 2006 ließ ich mir mein theologisches Studium nach österreichischem Recht anerkennen und qualifizierte mich in islamischer Religionspädagogik weiter.

An der Universität Salzburg erwarb ich in der Folge ein Diplom der Interkulturellen Kompetenz im Bereich von Lehr- und Kulturberufen sowie einen Master of Arts in Intercultural Studies. Außerdem wirkte ich als Imam in zahlreichen Gemeinden im Sinne der Integration und des interreligiösen Verständnisses. Auch als Religionslehrer gestaltete ich seit 2012 einige Projekte der Aufklärung sowie zahlreiche religionsübergreifende Unterrichts- und Schulprojekte.

Die dabei gewonnenen Erfahrungen bilden die Ausgangslage der vorliegenden Broschüre, die im Wesentlichen die Ergebnisse der Masterarbeit an der Universität Salzburg in Intercultural Studies zusammenfasst.

Um für den vorliegenden Zweck geeignet zu sein, wurde die ursprüngliche Arbeit aus dem Jahr 2010 bearbeitet, aktualisiert und um einige Inhalte ergänzt. Ausgehend von der Zentralität der Imame für das Leben, die Glaubenspraxis und das Bewusstsein muslimischer Gemeinden in Österreich setzt die Arbeit bei der Multiplikatorenfunktion der Vorbeter für Anliegen der Interkulturalität sowohl in die Gemeinden als auch in die Mehrheitsgesellschaft an. Die Bedeutsamkeit der Imame für das islamische Leben in Europa, die interkulturellen und interreligiösen Beziehungen sowie die Gestaltung eines friedlichen und produktiven Miteinander lässt sich kaum überschätzen. Andererseits darf das auch nicht darüber hinwegtäuschen, wie sehr mitunter die Realität der Imame dem hinterherhinkt.

Das Kernanliegen meines Forschungsbemühens ist daher darin zu sehen, der österreichischen Gesellschaft, den muslimischen Gemeinden, den Vertretern der Religionen und den Imamen selbst die Bedeutung der Imame-Bildung in Interkulturalität bewusst zu machen und gleichzeitig – aufbauend auf lebensnahen und empirischen Befunden – Maßnahmen vorzuschlagen und zu präsentieren, wie diese Rollenübernahme durch die Imame bestmöglich stattfinden kann.

Der Anlass für die Publikation einer akademischen Arbeit aus dem Jahr 2010 ist, das Startsignal für eine Publikationsreihe zu Funktion, Bedeutung und Bewusstsein islamischer Vorbeter und Prediger (Imame) aus theologischer und gesellschaftlicher Perspektive zu setzen.

Gleichzeitig soll eine Auseinandersetzung mit islamischen Fragen im Kontext Islam und Europa, europäischer Islam und islamische Perspektiven für die Zukunft stattfinden.

 

Abualwafa Mohammed, Wien 2018

1. Einleitung

1.1. Islam in Österreich – zum Kontext des Forschungsanliegens

Der Islam hat in Österreich eine europaweite Sonderstellung auf der Grundlage der geschichtlichen Entwicklung. Denn schon 1912 wurde mit dem „Islam-Gesetz“ der Islam als Religionsgemeinschaft anerkannt,* was mit einigen Privilegien, wie beispielsweise dem Einsatz von Militärgeistlichen verbunden war. Diese besondere Stellung des Islam ergab sich aus der Annexion Bosnien-Herzegowinas durch die österreichisch-ungarische Monarchie und der damit verbundenen Eingliederung von etwa 600.000 Muslimen in das österreichisch-ungarische Staatswesen. Nach dem Zerfall der Monarchie kamen erst wieder in den 60er und 70er Jahren der Zweiten Republik vermehrt Muslime als sogenannte „GastarbeiterInnen“ nach Österreich.1 Seitdem stieg der Anteil an BewohnerInnen muslimischen Glaubens in Österreich stetig an. Waren es bei der Volkszählung 1981 noch 1% der Bevölkerung, so ergab die letzte Volkszählung 2001 einen Anteil von 4,2%. Von den 338.988 gezählten Muslimen besaßen 16.052 Personen die österreichische Staatsbürgerschaft.† Die meisten Muslime mit rund 125.000 Personen stammten aus der Türkei.2 Nach der Gründung des „Moslemischen Sozialdienstes“ folgte 1979 schließlich die Anerkennung der „Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ)“ als öffentlich rechtliche Körperschaft, deren RepräsentantInnen offizielle Ansprechpartner für Behörden, Politik und Medien wurden.3

„Nach Art. 1 Abs. 5 [sic!]4 der Verfassung der IGGiÖ gehören ihr alle Muslime und Musliminnen (ohne Unterschied des Geschlechts, der ethnischen Herkunft, der Rechtsschule und der Nationalität) an, welche in der Republik Österreich ihren Hauptwohnsitz haben.