Implantatprothetik - Stefan Wolfart - E-Book

Implantatprothetik E-Book

Stefan Wolfart

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Beschreibung

Dieses umfassende, systematische Lehr- und Handbuch für die implantatprothetische Versorgung wurde für die zweite Auflage vollständig überarbeitet und um digitale Workflows, vollkeramische Materialien, Konzepte für die hochästhetische Zone sowie um klare Handlungsempfehlungen bei Patientinnen und Patienten unter antiresorptiver Therapie ergänzt. Ebenfalls neu besprochen werden die Sofortversorgung des zahnlosen Kiefers, wirksame Behandlungsstrategien zur Periimplantitistherapie und langfristige Zahlen zu Erfolgsraten. Illustriert mit über 3.000 Abbildungen und einer Vielzahl von Entscheidungsbäumen stellt es ein schlüssiges, evidenzbasiertes Konzept zur prothetisch orientierten Implantation und individuellen Versorgung vor – durchdacht von der ersten Planung bis zur Nachsorge und mit dem patientenindividuellen prothetischen Behandlungsoptimum im Mittelpunkt. Die entscheidenden Schnittstellen zwischen Implantologie und Prothetik, Prothetik und Zahntechnik sowie zwischen Patientin/Patient und Behandlungsteam werden detailliert erläutert.

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Seitenzahl: 1391

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Wolfart

Implantatprothetik

Ein Buch – ein Baum: Für jedes verkaufte Buch pflanzt Quintessenz gememsam mit der Organisation „One Tree Planted“ einen Baum, um damit die weltweite Wiederaufforstung zu unterstützen (https://onetreeplanted.org/).

Bei den Firmen- und Markennamen, die in diesem Buch genannt sind, kann es sich auch dann um eingetragene oder anderweitig geschützte Marken handeln, wenn hierauf nicht gesondert hingewiesen wird. Das Fehlen eines solchen Hinweises ist nicht dahin gehend zu interpretieren, dass die Benutzung eines derartigen Namens frei möglich wäre.

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.ddb.de> abrufbar.

Quintessenz Verlags-GmbH

Ifenpfad 2–4

12107 Berlin

www.quintessence-publishing.com

© 2023 Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Lektorat, Herstellung und Reproduktionen:

Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin

ISBN: 978-3-86867-681-5

Für Mona, David und Jonathan

Geleitwort zur 1. Auflage

Stefan Wolfart war anders, als er sich 1998 bei mir um eine Assistentenstelle bewarb – anders als die meisten anderen Bewerber(innen), die sich an dem Ort bewerben, wo sie studiert haben oder aus anderem Grunde wohnen wollen. Stefan Wolfart hatte die für ihn infrage kommenden prothetischen Abteilungen recherchiert und besuchte nun seine potenziellen „Arbeitgeber“, indem er von Süd nach Nord und von West nach Ost quer durch Deutschland reiste. Und er ist bisher der Einzige geblieben, der als externer Bewerber darum bat, im Rahmen der Bewerbung auch eine meiner Vorlesungen anhören zu dürfen. Konsequenterweise führte er seine Rundreise erst zu Ende, bevor er sich entschloss, mein Stellenangebot anzunehmen.

Über mehr als zehn Jahre haben Stefan Wolfart und ich an der Universitätszahnklinik in Kiel dann klinisch und wissenschaftlich befruchtend und inspirierend zusammengearbeitet. In dieser gemeinsamen Zeit gehörte die dentale Implantologie immer unabdingbar zum Portfolio der prothetischen Therapie unserer Patienten. Während der intensiven Zusammenarbeit über diesen Zeitraum erfolgte eine deutliche Differenzierung und Individualisierung unserer implantatprothetischen Konzepte und es macht mich stolz zu sehen, wie ein wesentlicher Teil dieser Konzepte nun Eingang in das hier vorliegende umfassende Werk zur Implantatprothetik gefunden hat.

Beeindruckt habe ich bei der Durchsicht des vorliegenden Buches gleichzeitig feststellen können, dass Stefan Wolfart nun die implantatprothetischen Behandlungskonzepte in noch nicht gesehener Weise unter dem Gesichtspunkt der individuellen Patientenorientierung verfeinert und systematisch zusammengestellt hat.

Nach seiner Habilitation in Kiel hat Stefan Wolfart 2008 den Ruf auf den renommierten Lehrstuhl für Zahnärztliche Prothetik und Biomaterialien in Aachen als Nachfolger von Hubertus Spiekermann angenommen. Hubertus Spiekermann war es, der Anfang der Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts zusammen mit seinen Koautoren den ersten Bildatlas über Implantologie in der Zahnheilkunde verfasste, der ein allgemein anerkanntes Standardwerk mit großer Verbreitung wurde.

Nur sechs Jahre nach Übernahme des Lehrstuhls in Aachen und etwa zwanzig Jahre nach Erscheinen des Klassikers von Hubertus Spiekermann legt Stefan Wolfart nun ein beeindruckend umfassendes Werk zur implantatprothetischen Versorgung vor, das meines Erachtens das Potenzial hat, sich zu einem ähnlichen Standardwerk wie das seines Vorgängers zu entwickeln – nicht zuletzt deshalb, weil das umfangreiche, hochwertige und liebevoll zusammengestellte Bildmaterial in weiten Bereichen an einen Bildatlas erinnert, obwohl das Buch eigentlich kein solcher ist.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die dentale Implantologie enorm weiterentwickelt, und inzwischen nimmt sie ihren festen Platz im Rahmen des zahnärztlich-prothetischen Behandlungskonzeptes ein. Patienten aber wünschen ja Implantate nicht um ihrer selbst willen, sondern immer nur, um Zahnersatz unterschiedlichster Art sicher zu verankern. Während konventioneller Zahnersatz vielfach unproblematisch seine Funktion ohne Implantate erfüllt, benötigen dentale Implantate unabdingbar immer zusätzlich adäquaten Zahnersatz, um ihren Aufgaben tatsächlich gerecht zu werden. Daher ist es nur folgerichtig, dass Stefan Wolfart das nun von ihm und seinen Koautoren verfasste Werk mit „Implantatprothetik – ein patientenorientiertes Konzept“ betitelt hat. Damit stellt er das in den Fokus, weswegen Patienten Implantate wünschen: den individuell benötigten prothetischen Zahnersatz.

Zwar ist es schon seit Langem Standard in der dentalen Implantologie, von „Backward Planning“ zu sprechen, wenn es um die Planung von Implantaten geht. Doch ist es das Verdienst dieses Buches, konsequent das individuelle prothetische Behandlungsoptimum des jeweiligen Patientenfalls in den Mittelpunkt zu stellen. Hierbei ist der Einsatz von Implantaten nicht Selbstzweck, folgt nicht dem Prinzip „je mehr, desto besser“, sondern das individuelle Behandlungsoptimum wird zuweilen eben besser unter Einbeziehung konventioneller Behandlungsstrategien ohne Implantate gewährleistet. Die Verwendung von sogenannten Entscheidungsbäumen, die die individuellen Patientenfaktoren systematisch berücksichtigen, wird in dem vorliegenden Buch erstmals in der Implantatprothetik so konsequent angewendet.

Ich bin der festen Überzeugung, dass das vorliegende Werk für alle in der dentalen Implantologie Tätigen, das heißt Zahnärzte, Oralchirurgen und auch Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen, eine hervorragende Unterstützung bei der täglichen Arbeit bieten kann. Und dies unabhängig davon, ob man ausschließlich implantatprothetisch oder ausschließlich implantatchirugisch tätig ist oder ob man sich beider Bereiche annimmt. Denn im Fokus der Therapie sollte immer die Patientenorientierung stehen und bezüglich der zahnärztlichen Implantattherapie das Ziel, ein auf den jeweiligen Patienten abgestimmtes individuelles Behandlungsoptimum mit Implantaten besser zu erreichen als ohne Implantate.

Dieses Buch wird seinen Weg machen!

Kiel, im Juni 2014

Matthias Kern

Vorwort zur 2. Auflage

Zuallererst möchte ich mich bei IHNEN, den geschätzten Leserinnen und Lesern, dieses Buches bedanken. Ihr großer Zuspruch hat dieses Buch in der Zahnmedizin sichtbar gemacht und zur Übersetzung in insgesamt acht Sprachen geführt. Dies erhöht zugleich die Verantwortung für uns Autoren, das Buch zu aktualisieren. Zehn Jahre nach der Erstauflage konnten viele Innovationsfelder identifiziert werden, die in der 2. Auflage ausführlich analysiert, strukturiert und in klinische Konzepte überführt wurden: (1) Ein klarer Trend geht von konventionellen Behandlungstechniken hin zu digitalen Workflows. (2) Neue vollkeramische Materialien und monolithische Restaurationskonzepte kommen auf den Markt und müssen auf ihre Praxistauglichkeit geprüft werden. (3) Die hochästhetische Zone steht im Spannungsfeld zwischen sofortiger und verzögerter Implantation, zwischen Sofort- und Spätbelastung und zwischen konventionellen und digitalen Techniken. (4) Die Erfolgsraten implantatprothetischer Therapiekonzepte konnten durch intensive Forschung in den letzten Jahren klarer benannt werden. Die notwendige Aufklärung unserer Patienten steht damit auf einem stabileren Fundament. (5) Für das „All-on-4“-Konzept des zahnlosen Kiefers liegen inzwischen gute klinische Daten vor. Bei strenger Patientenselektion und präziser Planung ist dieses Konzept eine Bereicherung des bisherigen Therapiespektrums. (6) Patienten unter antiresorptiver Therapie müssen mit besonderer Sorgfalt behandelt werden. Hierzu geben aktuelle Leitlinien klare Handlungsempfehlungen, die in dieser 2. Auflage ausführlich besprochen werden. (7) Last but not least haben sich inzwischen wirksame Behandlungsstrategien zur Periimplantitistherapie etabliert. Hier schließt sich die Frage nach adäquaten prothetischen Versorgungen von kompromittierten Implantaten an.

Mein besonderer Dank geht an meine Mitautoren, die diese Innovationsfelder mit hoher Sachkompetenz bearbeitet und damit zu einem übergreifenden Konzept beigetragen haben. Ebenso danke ich dem Quintessenz Verlag, der uns Autoren zu dieser umfassenden Überarbeitung motiviert hat. Im Weiteren möchte ich Dr. Taşkın Tuna ausdrücklich dankend hervorheben. Er hat mich im Bereich der digitalen Implantatplanung sehr unterstützt und ohne ihn hätte ich dieses wichtige Puzzlestück des implantatprothetischen Workflows nicht in dieser Klarheit aufarbeiten können. Ähnliche Unterstützung erhielten wir durch Dr. Christina Kühne bei der Erstellung des Kapitels „Digitale Applikationen in der Implantatprothetik“, auch hierfür meinen ausdrücklichen Dank. Ganz herzlich danken möchte ich auch Zahntechnikmeisterin Nancy Mirschel, die einen Großteil der in der 2. Auflage neu hinzugekommenen hochästhetischen Restaurationen mit größter Sorgfalt hergestellt hat. Diese zahntechnische Leistung trägt viel zum „Gesicht“ dieses Buches bei! Stellvertretend für das gesamte Team der Klinik für Zahnärztliche Prothetik in Aachen geht mein großer Dank an die zahnmedizinische Fachangestellte Natascha Neumann, die mir seit Jahren durch ihre zuverlässige, kompetente und vorausschauende Mitarbeit den Rücken stärkt. Wie schon in der 1. Auflage möchte ich Dr. Walter Mautsch für seine unermüdliche Unterstützung beim Korrekturlesen und die zahlreichen wertvollen Anregungen herzlichst danken. Ein ganz spezieller Dank gebührt Frau Anita Hattenbach für ihr unverzichtbares Lektorat. Mit großem Engagement, Fachwissen und Genauigkeit hat sie die Arbeit an diesem Buch in den letzten Monaten begleitet. Mein abschließender und größter Dank geht an all meine Patienten, die oft über Jahre in großer Geduld hunderte von intraoralen Fotos klaglos über sich haben ergehen lassen.

Mit dieser 2. Auflage ist das Buch „gereift“ und ich freue mich, es nunmehr in IHRE Hände legen zu dürfen!

Aachen, im Juni 2023

Stefan Wolfart

Vorwort zur 1. Auflage

Im November 2008 – einen Monat, nachdem ich den Lehrstuhl für Zahnärztliche Prothetik und Biomaterialien in Aachen von meinem Vorgänger Hubertus Spiekermann übernommen hatte, – kam Johannes Wolters vom Quintessenz Verlag in mein damals noch nicht eingerichtetes Büro und fragte mich, ob ich ein Buch über Implantatprothetik schreiben wolle. Die Nachfrage nach einem solchen Werk sei ausgesprochen groß. Ich dachte kurz über die vor mir liegenden Aufgaben mit der Lehrstuhlübernahme, zwei kleinen Kindern zu Hause und einem Neuanfang in einer neuen Stadt nach, lächelte und sagte ab.

Doch als die Idee dieses noch ungeschriebenen Buches erst einmal in meinem Kopf platziert war, wurde ich den Gedanken daran nicht mehr los. Vielmehr kristallisierten sich immer mehr Gründe dafür heraus, warum dieses Buch ein wichtiges Puzzlestück in der aktuellen zahnmedizinischen Fachliteratur darstellt. Im Januar 2010 sagte ich zu.

Eine maßgebliche didaktische Säule dieses Buches sind die 2 000 klinischen Abbildungen, die einem Bilderarchiv von etwa 40 000 Bildern entnommen sind. Hier gilt mein besonderer Dank den Patienten, die diese zusätzlichen Anstrengungen über sich ergehen ließen, aber auch den zahnmedizinischen Fachangestellten, ohne deren Unterstützung eine solche Dokumentation gar nicht möglich wäre. Hierzu möchte ich aus Kiel vor allem Frau Nicole Pollmann und aus Aachen Frau Svenja Fröhlich meinen persönlichen Dank aussprechen. Ein kleines, aber zugleich wichtiges Detail ist der in den Abbildungen verwendete Fotohintergrund: Der rosa Hintergrund steht für Patientenfälle aus Kiel, die im Zeitraum von 1998 bis 2008 behandelt wurden. Der graue und weiße Hintergrund steht für Fälle aus Aachen und ist dem Zeitraum von 2009 bis 2013 zuzuordnen.

Qualitativ hochwertige Implantologie und Implantatprothetik ist nur im gut eingespielten Team erfolgreich umzusetzen. Hier möchte ich mich im Bereich der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie besonders bei Franz Härle, Hendrik Terheyden, Jörg Wiltfang und Frank Hölzle bedanken. Ohne ihre Fachkompetenz und die sehr enge Zusammenarbeit wären viele der gezeigten Patientenfälle nicht nach dem in diesem Buch dargestellten Konzept versorgbar gewesen. Weitere unverzichtbare Kooperationspartner sind die Zahntechniker. Für ihr riesiges Engagement sowie unzählige Gespräche, Ideen und Anregungen möchte ich mich bei den Zahntechnikermeistern Stefan Horn, Volker Weber, Matthias Hasselberg, Tomonari Okawa und den Zahntechnikern Reinhard Busch, Raphael Gerhardt und Britta Schlüter ausdrücklich bedanken.

Außerdem wäre das Buch aufgrund der rasanten Entwicklung in der Implantologie und Implantatprothetik ohne die Unterstützung von vier Spezialisten nicht in dieser Komplexität umsetzbar gewesen. Hier ist Sven Reich zu nennen, der ein profunder Kenner der digitalen Zahnmedizin ist. Mit Sönke Harder verbindet mich eine langjährige Zusammenarbeit in Kiel. Als Experte in den Bereichen der navigierten Implantation und der Implantat-Abutment-Verbindungen liefert er wichtigen Input zu diesem Buch. Irena Sailer gehört aktuell zu den wichtigsten Wissenschaftlern/-innen im Bereich klinischer Testung vollkeramischer Werkstoffe und bringt sich mit einem Beitrag zu vollkeramischen Abutments in dieses Buch ein. Volker Weber hat viele gemeinsame Patientenfälle zahntechnisch realisiert, aufwendig dokumentiert und in mehreren Buchkapiteln umgesetzt. Gerade durch diese zahntechnischen Kapitel schließt das Buch eine wichtige Lücke in der aktuellen Literatur. Es zeigt den Zahnärzten, was Zahntechniker auf dem Weg bis zur fertigen Restauration leisten müssen und bettet die Tätigkeit beider Berufsgruppen nachvollziehbar in ein gemeinsames Konzept. Dieses ist nur im Zusammenspiel umsetzbar und als Bindeglied zwischen den hier und dort zu findenden Individualisten zu verstehen.

Sehr verbunden bin ich auch Herrn Christoph Bothung für die brillanten Studioaufnahmen und seine Beiträge zu den Kapitelanfangsseiten. Außerdem danke ich meinem Oberarzt Walter Mautsch und meinem Freund Dominik Groß für das Korrekturlesen des Manuskripts und ihre umfangreiche konstruktive Kritik.

Mein besonderer Dank gilt meinem langjährigen Mentor und Freund Matthias Kern, ohne den es, kurz gesagt, dieses Buch nicht geben würde.

Mein letzter und wichtigster Dank gilt meiner Frau Mona und meinen Söhnen David und Jonathan für ihre Bereitschaft, meine häufige Abwesenheit bereitwillig hinzunehmen, mich gleichzeitig in allen Belangen enorm zu unterstützen und mich ständig zu motivieren, dieses Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Aachen, im Juni 2014

Stefan Wolfart

Autoren

Autor und Herausgeber

Univ.-Prof. Dr. Stefan Wolfart

Direktor der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomaterialien

Zentrum für Implantologie

Universitätsklinikum Aachen

Pauwelsstraße 30

52074 Aachen

Deutschland

E-Mail: [email protected]

Koautoren

Prof. Dr. Sönke Harder

Implantatzentrum Nymphenburg

Volkartstraße 5

80634 München

Deutschland

E-Mail: [email protected]

Univ.-Prof. Dr. Sven Reich

Leitung des Lehr- und Forschungsgebietes Computergestützte Zahnmedizin

Universitätsklinikum Aachen

Pauwelsstraße 30

52074 Aachen

Deutschland

E-Mail: [email protected]

Univ.-Prof. Dr. Irena Sailer

Direktorin der Klinik für Festsitzende Prothetik und Okklusion

Zahnmedizinisches Zentrum

Universität Genf

19 rue Barthélemy-Menn

CH-1205 Genf

Schweiz

E-Mail: [email protected]

Prof. Dr. Dipl.-Ing. (FH) Bogna Stawarczyk, MSc

Wissenschaftliche Leiterin der Werkstoffkundeforschung

LMU Klinikum

Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik

Goethestraße 70

80336 München

Deutschland

E-Mail: [email protected]

ZTM Volker Weber

Impladent GmbH

Kullenhofstraße 30

52074 Aachen

Deutschland

E-Mail: [email protected]

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit haben wir im Buch auf die gleichzeitige Verwendung männlicher, weiblicher und weiterer Geschlechterformen verzichtet. Dies impliziert keinesfalls eine Benachteiligung der jeweils anderen Geschlechter. Personen- und Berufsbezeichnungen sind daher in der Regel als geschlechtsneutral zu verstehen.

Prof. Dr. med. dent. Stefan Wolfart ist geschäftsführender Direktor der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomaterialien des Universitätsklinikums Aachen, Medizinische Fakultät der RWTH Aachen, und Inhaber des gleichnamigen Lehrstuhls.

Stefan Wolfart absolvierte nach dem Abitur (1988) und Zivildienst (1989–1990) das Studium der Zahnmedizin an der Philipps-Universität Marburg (1995 zahnärztliche Prüfung, 1998 Dr. med. dent.). Während des Studiums wurde er in die Studienstiftung des Deutschen Volkes aufgenommen (1993). Nach Fertigstellung der Promotion folgte ein kurzer Abstecher in eine niedergelassene Praxis bei Köln (1997). Anschließend arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein – Campus Kiel (1998–2008) und wurde dort im Jahre 2000 zum Oberarzt ernannt. Im Jahre 2001 erhielt er die Bezeichnung „Spezialist für Zahnärztliche Prothetik“, verliehen durch die Deutsche Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien (DGPro). Im Mai 2006 schloss er seine Habilitation ab und wurde im Oktober 2008 auf die W3-Professur für Zahnärztliche Prothetik und Biomaterialien an die Medizinische Fakultät der RWTH Aachen berufen. Die zahnärztliche Implantologie und Implantatprothetik gehören bereits seit vielen Jahren zu seinen klinischen Tätigkeitsschwerpunkten. Prof. Wolfarts Forschungsschwerpunkte liegen neben der Implantologie und Implantatprothetik auch im Bereich der dentalen Ästhetik, der klinischen Bewährung neuer vollkeramischer Werkstoffe sowie der damit verbundenen Verbesserung der Lebensqualität. Er ist zertifizierter Implantologe der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) und ITI-Fellow (International Team for Implantology).

Prof. Dr. med. dent. Sönke Harder ist niedergelassener Zahnarzt in München und Lehrbeauftragter der Klinik für Zahnärztliche Prothetik, Propädeutik und Werkstoffkunde der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Sönke Harder absolvierte nach dem Abitur (1997) und Wehrdienst (1997–1998) das Studium der Zahnmedizin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (2004 zahnärztliche Prüfung, 2005 Dr. med. dent.) mit einem Studienaufenthalt in der Schweiz (Kantonsspital Luzern). Der Beginn der zahnärztlichen Tätigkeit erfolgte als Assistent in freier Praxis in Hamburg. Anschließend war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter/Zahnarzt an der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein – Campus Kiel (2005–2007) tätig. Im Jahr 2007 wechselte Sönke Harder an die Poliklinik für zahnärztliche Prothetik des Klinikums Innenstadt der Ludwig-Maximilians-Universität, München, kehrte jedoch im selben Jahr nach Kiel zurück und wurde im Jahr 2009 zum Oberarzt ernannt. 2010 verließ er die Klinik und wurde Partner in der Praxisklinik für Zahnmedizin und Implantologie in München, die er seit dem Jahr 2022 als Inhaber unter dem neuen Namen „Implantatzentrum Nymphenburg“ betreibt. 2013 erfolgte dann die Habilitation und in 2022 die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Seine klinischen Behandlungsschwerpunkte umfassen die Augmentationschirurgie, Implantologie und Implantatprothetik. Die Schwerpunkte seiner Forschungstätigkeit sind die biomechanischen Eigenschaften dentaler Implantatsysteme. Prof. Harder ist Spezialist für Prothetik der Deutschen Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien (DGPro) sowie zertifizierter Implantologe der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI).

Prof. Dr. med. dent. Sven Reich leitet das Lehr- und Forschungsgebiet Computergestützte Zahnmedizin in der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomaterialien, Zentrum für Implantologie, des Uniklinikums Aachen.

Sven Reich studierte von 1989 bis 1994 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Zahnmedizin. Von Oktober 1994 bis November 2005 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der Universität Erlangen-Nürnberg tätig. Dort promovierte er 1997. Nach der Habilitation 2005 in Erlangen trat er im Dezember desselben Jahres eine Stelle an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde der Universität Leipzig an. Im Oktober 2009 wechselte er an die Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomaterialien des Uniklinikums Aachen. Seit Juli 2012 ist er W2-Professor für das Lehr- und Forschungsgebiet Computergestützte Zahnmedizin.

Prof. Dr. med. dent. Irena Sailer ist Vorsteherin der Division für festsitzende Prothetik und Biomaterialien, Zentrum für Zahnmedizin, Universität Genf, Schweiz, und Adjunct Associate Professor am Department of Preventive and Restorative Sciences, Robert Schattner Center, School of Dental Medicine, University of Pennsylvania, Philadelphia, USA (Klinikdirektor: Prof. Dr. M. B. Blatz).

Irena Sailer studierte an der Universität Tübingen, wo sie 1997 auch das Staatsexamen ablegte und dann 1998 promovierte. Von 1998 bis 1999 war sie als Weiterbildungsassistentin für Oralchirurgie an der Klinik für Oralchirurgie der Universität in Zürich in der Schweiz tätig. 1999 wurde sie Weiterbildungsassistentin an der Klinik für Kronen- und Brückenprothetik, Teilprothetik und zahnärztliche Materialkunde an derselben Universität in Zürich. Dort wurde sie 2003 Oberassistentin bzw. Oberärztin und konzentrierte sich zunehmend auf die Forschung in den Bereichen der zahn- und implantatgetragenen Rekonstruktionen. Im Rahmen dieser Forschungstätigkeit war sie 2007 als Visiting Scholar am Department of Biomaterials and Biomimetics, Dental College an der New York University tätig.

2010 wurde Frau Dr. Sailer Privatdozentin und war seit 2012 als wissenschaftliche Abteilungsleiterin an der Klinik für Kronen- und Brückenprothetik, Teilprothetik und zahnärztliche Materialkunde der Universität Zürich tätig. Sie ist zudem seit 2009 Gastprofessorin am Department of Preventive and Restorative Sciences, School of Dental Medicine der University of Pennsylvania in Philadelphia, USA. Seit September 2013 ist sie Vorsteherin der Division für festsitzende Prothetik und Biomaterialien an der Universität Genf.

Prof. Dr. rer. biol. hum. Dipl.-Ing. (FH) Bogna Stawarczyk, MSc, ist wissenschaftliche Leiterin der Werkstoffkundeforschung an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München.

Bogna Stawarczyk studierte nach ihrer Zahntechnikerausbildung Dentaltechnologie an der Fachhochschule Osnabrück. Dieses schloss sie 2006 mit ihrer Diplomarbeit an der Klinik für Zahnärztliche Prothetik der Universität Bern ab. Später besuchte sie das postgraduelle Studium Master of Science Dental Technik an der Donauuniversität Krems. 2013 promovierte sie an der LMU. Von Februar 2006 bis Februar 2012 war sie an der Universität Zürich am Zentrum für Zahnmedizin als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Materialforschung der Klinik für Kronen- und Brückenprothetik, Teilprothetik und Materialkunde tätig. Von 2008 bis 2009 war sie dort die Leiterin der Materialforschung a.i. Seit März 2012 war Bogna Stawarczyk als Ingenieurin für dentale Werkstoffkunde und seit Januar 2014 als Funktionsoberassistentin an der LMU an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik beschäftigt. Im Juli 2015 hat sie sich im Fachgebiet Experimentelle Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde insbesondere Biomaterialien habilitiert und die wissenschaftliche Leitung der Werkstoffkundeforschung an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik übernommen. Im Februar 2020 wurde sie zur apl. Professorin an der LMU München benannt. Im Mai 2023 bekam sie den Ruf für eine W2-Professur für Werkstoffwissenschaften und Dentaltechnologie (Tenure-Track), ebenfalls an der LMU München.

Zahntechnikermeister Volker Weber ist geschäftsführender Gesellschafter der Dentallabor Impladent GmbH in Aachen, die er gemeinsam mit seinen Partnern Ztm. Ralf Ommerborn und Ztm. Ralf Wachelder leitet.

Volker Weber absolvierte seine Lehre von 1983 bis 1987 und arbeitete danach in verschiedenen Laboren. Der bereits bestehende Kontakt zur Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde der RWTH Aachen (damalige Leitung: Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. H. Spiekermann) wurde durch den Eintritt in das neu gegründete Dentallabor Impladent GmbH intensiviert. Im Jahr 1994/95 legte er die Meisterprüfung an der Meisterschule zu Köln ab. Neben der Zusammenarbeit mit niedergelassenen Zahnärzten wurde die Kooperation mit der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomaterialien, Zentrum für Implantologie auch unter der neuen Leitung von Prof. Dr. S. Wolfart seit 2009 intensiv fortgeführt.

Neben seiner zahntechnischen Arbeit war Volker Weber an mehreren Veröffentlichungen beteiligt und hielt verschiedene Vorträge mit dem Themenschwerpunkt „Implantatgetragene Suprakonstruktionen“. Seit 2005 ist er Referent der DGZI-zertifizierten Fortbildungsreihe „Zahnärztliche und zahntechnische Implantatprothetik“ und zusätzlich seit 2008 Referent des DGI-APW Curriculums „Implantatprothetik und Zahntechnik“.

Inhaltsverzeichnis

Geleitwort zur 1. Auflage

Vorwort zur 2. Auflage

Vorwort zur 1. Auflage

Autoren

BAND 1

A GRUNDLAGEN

1 Einleitung

1.1 Der Implantatprothetiker als Architekt

1.2 Struktur des Buches

1.3 Implantatprothetik im Spannungsfeld

1.4 Stellenwert digitaler Technologien

2 Patientenprofil

2.1 Patientenpersönlichkeiten

2.2 Entwicklung des Patientenprofils

2.3 Entscheidungsbäume

2.4 Hauptfaktoren des Patientenprofils

2.5 Praktische Bedeutung des Patientenprofils an einem Patientenbeispiel

2.6 Quintessenz

3 Ästhetikprofil

3.1 Analyse des Lachens im Rahmen der Implantatplanung

3.2 Ästhetik-Checkliste

3.3 Anwendung der Checkliste an klinischen Fallbeispielen

3.4 Checkliste in Kombination mit weiteren Hilfsmitteln

3.5 Quintessenz

4 Zahnersatzprofil

4.1 Einzelzahnlücke, Schaltlücke und Freiendsituation

4.2 Stark reduziertes Restgebiss

4.3 Zahnlose Kiefer

4.4 Quintessenz

5 Implantat-Abutment-Profil

5.1 Mechanische und biomechanische Eigenschaften

5.2 Biologische Eigenschaften

5.3 Quintessenz

6 Biomaterialprofil

6.1 Keramische Materialien für Suprakonstruktionen und Implantate

6.2 Titan in der Implantatprothetik

7 Zeitpunkt der Implantation und Belastungsprotokolle in der Implantologie

7.1 Umbauprozesse an Extraktionsalveolen

7.2 Maßnahmen zum Strukturerhalt des Alveolarfortsatzes

7.3 Parodontaler Phänotyp

7.4 Zeitpunkt der Implantation

7.5 Belastungsprotokolle in der Implantologie

7.6 Klinische Empfehlungen

7.7 One-Abutment/One-Time-Konzept

7.8 Klinische Beispiele zur Sofortbelastung

7.9 Quintessenz

8 Emergenzprofil

8.1 Emergenzprofil in der Implantologie

8.2 Makrodesign am Abutment bzw. an der verschraubten Implantatkrone

8.3 Ausformung des Emergenzprofils

8.4 Quintessenz

B BEHANDLUNGSKONZEPT UND PLANUNG

9 Behandlungskonzept

9.1 Anamnese

9.2 Risikoanalyse für das Auftreten von periimplantären Erkrankungen

9.3 Häufigkeit von periimplantären Erkrankungen

9.4 Antiresorptive Therapie (z. B. Bisphosphonattherapie) und daraus folgende Indikationseinschränkung im Rahmen der Implantologie

9.5 Befunderhebung und Diagnosen

9.6 Einzelzahnprognosen

9.7 Behandlungsablauf

9.8 Erhalt zweifelhafter Zähne im Rahmen der implantologischen Planung

9.9 Sieben Grundregeln der implantatprothetischen Planung im Lückengebiss und stark reduzierten Restgebiss

9.10 Anwendung des Behandlungskonzeptes am Patientenbeispiel

9.11 Fünf Erfolgsfaktoren/Verhaltensregeln im Zusammenhang mit einem anspruchsvollen Behandlungskonzept

9.12 Quintessenz

10 Individuell beste Therapieform durch Entscheidungsbäume

10.1 Standardversorgungen für festsitzende implantatgetragene Restaurationen

10.2 Einzelzahnlücke innerhalb der ästhetischen Zone

10.3 Schaltlücke und Freiendsituation

10.4 Stark reduziertes Restgebiss

10.5 Zahnloser Kiefer

C KLINISCHES VORGEHEN

11 Röntgenanalyse und Bohrschablone

11.1 Zweidimensional geplante und orientierend geführte Implantation

11.2 Dreidimensional geplante und schablonengeführte Implantation

11.3 Reduktions- und Augmentationsschablone

12 Chirurgisches Vorgehen

12.1 Implantation

12.2 Freilegungsoperation

12.3 Freies Schleimhauttransplantat zur Verbreiterung der keratinisierten Mukosa

13 Provisorische Versorgung

13.1 Grundlegende Aufgaben

13.2 Allgemeine Aspekte bei der direkten Provisorienherstellung

13.3 Konzept der provisorischen Versorgung im hochästhetischen Bereich

13.4 Provisorische Versorgung größerer Schaltlücken und Freiendsituationen

13.5 Provisorische Versorgung im zahnlosen Kiefer

13.6 Prothesenkarenz

13.7 Provisorische Implantate

14 Abformtechnik

14.1 Repositionstechnik

14.2 Pick-up-Technik

14.3 Intraoperative Abformung/Registrierung

14.4 Individualisierter Abformpfosten

14.5 Abformlöffel mit Folientechnik

14.6 Verblockung der Implantate vor der Abformung

14.7 Kreative Lösungen bei der Abformung

14.8 Gingivamaske am Meistermodell

14.9 Optische Abformung

14.10 Quintessenz

15 Kieferrelationsbestimmung

15.1 Intraorale Kieferrelationsbestimmung

15.2 Gesichtsbogenregistrierung

15.3 Linefinder

15.4 Kieferrelationsbestimmung bei der optischen Abformung

15.5 Quintessenz

16 Allgemeine Prinzipien der Kronen- und Brückenversorgungen

16.1 Implantatabutments

16.2 Verblendsysteme

16.3 Monolithische Restaurationen

16.4 Materialauswahl

16.5 Reinigungsfähigkeit der Restaurationen

16.6 Politur nach dem Einschleifen

16.7 Entscheidungskriterien zur Verblockung von Restaurationen

16.8 Verschrauben oder zementieren?

16.9 Zementierung

16.10 Okklusale und transversale Verschraubung

16.11 Okklusalverschraubung mit abgewinkelten Verschraubungssystemen

16.12 Unterschiedliche Verschlusstechniken der okklusalen Schraubenzugänge

16.13 Überbrückung vertikaler Defekte mit festsitzenden Rekonstruktionen

16.14 Quintessenz

17 Herausforderung: Versorgung in der hochästhetischen Zone

17.1 Das Alter des Patienten zum Zeitpunkt der Implantation

17.2 Klinische Empfehlungen bezüglich Implantations- und Belastungszeitpunkt

17.3 Entscheidungsfindung im individuellen Patientenfall

17.4 Behandlungskonzept

17.5 Klinische Fallbeispiele

17.6 Quintessenz

18 Herausforderung: Festsitzende Sofortbelastung des zahnlosen Kiefers

18.1 Patientenselektion

18.2 Planung und klinischer Behandlungsablauf

18.3 Grundprinzip der mechanischen Implantatfixierung und der Gestaltung eines suffizienten Abstützungspolygons

18.4 Chirurgisch-prothetisches Vorgehen

18.5 Design und Material der definitiven Versorgung

18.6 Nachsorge/Plaquekontrolle

18.7 Kritische Bewertung des Verfahrens

18.8 Quintessenz

19 Herausnehmbare Versorgungen

19.1 Druckknopfsysteme

19.2 Stege

19.3 Doppelkronen

19.4 Sonderform Schmalkiefer: Versorgung mit durchmesserreduzierten Implantaten

19.5 Quintessenz

20 Okklusionskonzepte

20.1 Konzept der biomechanischen Okklusion

20.2 Kaukraftverteilung zwischen Molaren, Prämolaren und Frontzähnen

20.3 Konzept der dynamischen Okklusion

20.4 Überbelastung der Implantate durch okklusale Vorkontakte

20.5 Schutzschiene

20.6 Klinische Falldarstellung

20.7 Quintessenz

21 Digitale Applikationen in der Implantatprothetik

21.1 Grundlagen zur intraoralen optischen Abformung

21.2 Grundlagen des 3-D-Modells

21.3 Das Registrieren von Oberflächendatensätzen am Beispiel der Implantatplanung mit Bohrschablone

21.4 Dynamisch geführte Implantation

21.5 Die optische Abformung für die prothetische Rekonstruktion

21.6 Erfassen der statischen und dynamischen Okklusion

21.7 Vereinfachte Versorgungskonzepte durch digitale Workflows

21.8 Facescan und Simulation

21.9 Genauigkeitsanalysen

21.10 Quintessenz

22 Nachsorge

22.1 Gesundheitsökonomische Aspekte

22.2 Notwendigkeit einer systematischen Nachuntersuchung

22.3 Konzept der Nachuntersuchung

22.4 Nachsorgeintervall

22.5 Risikobewertung für das Auftreten periimplantärer Erkrankungen

22.6 Quintessenz

23 Prothetische Komplikationen

23.1 Gesundheitsökonomische Aspekte

23.2 Unzureichende Patientenaufklärung und Therapieplanung

23.3 Komplikationsformen bei festsitzendem implantatgetragenem Zahnersatz

23.4 Komplikationsformen bei herausnehmbarem implantatgetragenem Zahnersatz

23.5 Quintessenz

24 Implantate und Suprakonstruktionen in schlechten Zeiten: Mukositis und Periimplantitis

24.1 Einleitung

24.2 Formen der periimplantären Entzündungen

24.3 Prävalenz der periimplantären Mukositis und Periimplantitis

24.4 Diagnostik von periimplantärer Mukositis und Periimplantitis

24.5 Prävention von periimplantären Erkrankungen

24.6 Therapie der periimplantären Mukositis und der Periimplantitis

24.7 Prothetische Aspekte bei der Periimplantitistherapie

24.8 Klinisches Fallbeispiel

24.9 Quintessenz

BAND 2

D VERSORGUNGSKONZEPTE

25 Einzelzahnlücke innerhalb der ästhetischen Zone

25.1 Verzögerte Sofortimplantation (Typ 3) mit konventioneller Spätbelastung

25.2 Sofortimplantation (Typ 1) mit Sofortbelastung

26 Schaltlücke oder Freiendsituation

26.1 Freiendsituation und Schaltlücke mit vollkeramischen Kronen

26.2 Freiendsituation mit vollkeramischer Verbundbrücke

27 Stark reduziertes Restgebiss

27.1 Pfeilervermehrung bei vorhandener suffizienter Teilprothese

27.2 Doppelkronen (Galvanoteleskope)

27.3 Doppelkronen (Teleskopkronen klassisches Verfahren)

27.4 Festsitzende Versorgung im stark reduzierten Restgebiss

28 Zahnloser Kiefer

28.1 Druckknöpfe am Beispiel einer Locator-Versorgung

28.2 Das mittige Einzelimplantat im zahnlosen Unterkiefer

28.3 CAD/CAM-gefertigte Stegversorgung des zahnlosen Oberkiefers

28.4 Festsitzende Versorgung (geringer vertikaler Defekt)

28.5 Festsitzende Versorgung (hoher vertikaler Defekt)

28.6 Festsitzende Versorgung auf vier Implantaten mit Sofortimplantation und Sofortbelastung

E ZAHNTECHNISCHE ARBEITSABLÄUFE

29 Festsitzende Restaurationen auf Implantaten

29.1 Konventionelle und digitale Modellherstellung

29.2 Laborgefertigtes Provisorium nach intraoperativer Abformung/Registrierung

29.3 Zementierbare Restaurationen

29.4 Verschraubte Restaurationen

29.5 Rein digitaler Workflow

30 Festsitzende kieferumspannende Restaurationen auf Implantaten

30.1 Modellherstellung – Kieferrelation – Wax-up

30.2 Metallunterstütztes Langzeitprovisorium (zementiert)

30.3 Definitive Versorgung

31 Herausnehmbarer Zahnersatz auf Implantaten

31.1 Planungs- und Bohrschablone

31.2 Meistermodelle und Kieferrelationsbestimmung

31.3 Herausnehmbare Versorgung auf Locator-Verankerungselementen

31.4 Herausnehmbare Versorgung auf Galvanoteleskopen

31.5 Intraorale Verklebung von teleskopierenden CAD/CAM-gefertigten Primärteilen in Kombination mit gegossenen Sekundärteilen

31.6 Herausnehmbare Versorgung auf einem CAD/CAM-gefertigten Steg

31.7 Quintessenz

Anhang I

Materialien und Geräte

Literatur

Sachregister

TEIL A

GRUNDLAGEN

1.1 Der Implantatprothetiker als Architekt

Zwischen implantatprothetisch tätigen Zahnärzten und Architekten gibt es einen wichtigen gemeinsamen Aspekt, den es sich näher zu betrachten lohnt: die Planung und Koordination.

So kommen Kunden mit bestimmten Vorstellungen von ihrem neuen Zuhause zum Architekten. Dieser bespricht mit ihnen die Wünsche und Bedürfnisse und ermittelt Eckpunkte, wie die Grundstücksgröße, Bauauflagen und die finanziellen Rahmenbedingungen. Anschließend plant er das Objekt und modifiziert die Planung solange, bis der bestmögliche Kompromiss zwischen den Rahmenbedingungen und den Wünschen des Kunden erzielt ist. Anschließend bespricht er die Umsetzung der Pläne mit den unterschiedlichen Gewerken, die als Dienstleiter für den Architekten arbeiten und das nötige Know-how mitbringen, um das Objekt zu realisieren. Als Grundlage für die gemeinsame Verständigung zwischen den Gewerken dienen die vom Architekten ausgearbeiteten Pläne.

Überträgt man das auf die Versorgung von Patienten mit implantatgetragenem Zahnersatz, so übernimmt der prothetisch tätige Zahnarzt die „architektonische“ Planung und Koordination. Er analysiert den Bedarf des Patienten unter Berücksichtigung der dentalen, parodontalen und funktionellen Ausgangssituation, der funktionellen und ästhetischen Wünsche und Bedürfnisse, der gegebenen Risikofaktoren und nicht zuletzt der finanziellen Möglichkeiten. Anschließend plant er unter Berücksichtigung der wissenschaftlich verfügbaren Evidenz den zum Patienten am besten passenden Zahnersatz.

Nach dieser „architektonisch kreativen Leistung“ erfolgt die Koordination der Behandlung mithilfe der „ausgearbeiteten Architekturpläne“, des Wax-ups/Set-ups, der provisorischen Versorgung, der Augmentationsschablone und der Bohrschablone. Die notwendigen Spezialisten – Parodontologen, Endodontologen und Chirurgen – werden je nach Bedarf hinzugezogen.

Es erfolgt die konservierende und parodontale Behandlung des Patienten durch den Zahnarzt bzw. den Spezialisten. Erst dann kommt es zur „Fundamentlegung“, durch eventuell erforderliche augmentative Maßnahmen, durch die Implantation selbst und die Freilegungsoperation. Für die Zusammenarbeit mit den Spezialisten kann es durchaus sinnvoll sein, dass der später prothetisch versorgende Zahnarzt bei den chirurgischen Maßnahmen mit vor Ort ist. So lassen sich Kommunikationsprobleme zwischen Prothetiker und Chirurg vermeiden und dem Patienten kann ein besonderes Gefühl der Sicherheit gegeben werden.

Nach erfolgter prothetischer Versorgung ist ein Abschlussgespräch zwischen Prothetiker, Chirurg und Zahntechniker sinnvoll. Hier können Schwierigkeiten, kreative Lösungsansätze und das Behandlungsergebnis selbst gemeinsam diskutiert werden. So durchläuft das gemeinsame Projekt „Implantologie“ im Team aus Zahnarzt, Chirurg und Zahntechniker einen ständigen Optimierungsprozess. Abschließend wird der Patient in ein Nachsorge-Programm aufgenommen. Je nach „Risikoprofil“ finden die Recallsitzungen in Abständen von 3 bis 12 Monaten statt. Der Ablauf dieses Gesamtprozesses ist in Abbildung 1-1 dargestellt.

Abb. 1-1Der Prozess Implantologie.

1.2 Struktur des Buches

Um diesen Aufgaben als Planer und Koordinator gerecht zu werden, muss der Zahnarzt nicht unbedingt alle Bereiche gleich gut beherrschen. Er sollte vielmehr bezüglich der Implantologie und Implantatprothetik ein breites Grundverständnis vorweisen, um eine zielgerichtete Analyse der Situation erstellen zu können. Dazu führt dieses Buch sogenannte „Profile“ ein. In diesen Profilen werden jeweils alle relevanten Fakten zu einem Themenkomplex zusammengetragen, einer wissenschaftlichen Analyse unterzogen und problemorientiert strukturiert. Diese Struktur eröffnet dem Behandler die Möglichkeit, die oft komplexen Problemfelder Schritt für Schritt aufzuschlüsseln. Die einzelnen Profile sind:

Das Patientenprofil

Das Ästhetikprofil

Das Zahnersatzprofil

Das Implantat-Abutment-Profil

Das Biomaterialprofil

Das Profil Implantations- und Belastungszeitpunkt

Das Emergenzprofil

Die Vernetzung dieser sieben Profile erfolgt in TEIL B des Buches in befundorientierten Flowcharts. Die hier entwickelten Entscheidungsbäume und das ausführlich dargestellte Behandlungskonzept ermöglichen es dem Zahnarzt, für den individuellen Patienten die bestmögliche Therapie zu finden. In TEIL C werden alle notwendigen Behandlungsschritte umfassend dargestellt und die verschiedenen Möglichkeiten gegeneinander abgewogen. Jedes Kapitel fasst am Ende zusammen, welche Maßnahme in welcher Situation den größten Erfolg verspricht. Dabei legt das Buch keinen Wert auf Vollständigkeit, sondern möchte vielmehr ein schlüssiges – exemplarisches – Konzept vorstellen, das auf wissenschaftlich abgesicherten Behandlungsmaßnahmen basiert. Gegliedert anhand der klinischen Entscheidungsbäume wird in TEIL D des Buches zu jeder möglichen Behandlungsform jeweils ein Patientenfall von der Ausgangssituation bis zur Nachsorge step by step gezeigt. So kann der Leser die konkreten Behandlungsabläufe nachvollziehen und sicher auf die eigenen Patienten übertragen. In TEIL E werden die implantatprothetischen Rekonstruktionen speziell bezüglich der zahntechnischen Anforderungen beleuchtet. Auch hier wird Schritt für Schritt vermittelt, wie die einzelnen Versorgungen technisch realisiert werden. Viele der dort exemplarisch dargestellten Versorgungen sind bereits in den vorherigen Kapiteln aus zahnärztlicher Sicht diskutiert worden.

1.3 Implantatprothetik im Spannungsfeld

Ein Buch über Implantatprothetik mit dem soeben dargestellten Anspruch ist in der Regel fünf Kritikpunkten ausgesetzt, die es zu diskutieren gilt:

Zahnärzte wissen bereits, wie Implantatprothetik funktioniert.

Implantatprothetik ist genau das Gleiche wie konventionelle, zahngetragene Prothetik. Ein eigenes Lehrbuch ist somit nicht notwendig.

Um das Thema auf hohem wissenschaftlichem Niveau zu diskutieren, fehlen wissenschaftliche Studien.

Behandlungsstrategien ändern sich so schnell, dass man nie ein aktuelles Buch schreiben kann.

Jedes Implantatsystem funktioniert unterschiedlich und man kann deshalb nur ein systemspezifisches – und damit notgedrungen industrienahes – Lehrbuch schreiben.

Ad 1: Auf Tagungen und Fortbildungen zum Thema Implantatprothetik zeigt sich immer wieder der Wunsch der Zahnärzte nach einem bewährten, durchgängigen implantatprothetischen Behandlungskonzept, das wissenschaftlich abgesichert ist und nach dem man Schritt für Schritt vorgehen kann. Immer wieder werden aktuelle Fragen gestellt, die noch nicht in ein schlüssiges Behandlungskonzept gebracht wurden, wie zum Beispiel: Darf man heutzutage noch zementieren und was passiert mit submukösen Zementresten? Was ist ein anguliertes Verschraubungssystem? Wie viele Implantate braucht mein Patient? Wie wichtig ist Platform-Switching?

Ad 2: Es stimmt: In der Implantologie arbeitet man auch mit Kronen, Brücken und herausnehmbaren Prothesen. Allerdings ist eine Implantattherapie deutlich komplexer als die Therapie mit konventionellem Zahnersatz. „Gerade die Planung umfangreicher implantatprothetischer Versorgungen stellt deutlich höhere fachliche, aber auch organisatorische Ansprüche an den Zahnarzt. Bei konventionellem Zahnersatz richtet sich die Therapie vor allem nach den vorhandenen Gegebenheiten, für die der Behandler keine Verantwortung trägt, wie zum Beispiel Pfeilerzahl, Pfeilerlokalisation, Prothesenlager. Bei implantatgetragenen Restaurationen muss der Zahnarzt die spätere prothetische Restauration und die dreidimensionale Lage der Implantate im Vorfeld präzise planen. Chirurgische Augmentationen müssen eingeplant werden, um die gewünschte ästhetische und funktionelle Rehabilitation erzielen zu können. Durch diese Komplexität erhöht sich die Verantwortung des Zahnarztes erheblich“ (Kern et al.340, S. 957). Dies erfordert eine standardisierte Koordination der Behandlungsabläufe zwischen allen Beteiligten.

Ad 3: Aktuell ist die Studienlage in der Implantologie als gut genug zu bezeichnen, um geeignete Behandlungskonzepte ausreichend wissenschaftlich zu untermauern. Allerdings ist es schwierig, ausschließlich Methoden mit positiven 10-Jahres-Daten zu empfehlen. Sofern man sich auch mit kürzeren Zeiträumen zufrieden gibt, kann man viele Konzepte gut begründen und einige Wege zugleich sicher ausschließen.

Ad 4: Wenn man den Wandel der Behandlungskonzepte innerhalb der letzten 25 Jahre beobachtet, zeigt sich ein „konservativer Ansatz“, der sich nur wenig verändert, und „Neuerungen“, die zum Teil einer schnellen Veränderung unterliegen bzw. oft auch wieder ganz verschwinden. Daraus die richtige Mischung für ein sicheres und zugleich modernes Behandlungskonzept zu finden, ist eine große Herausforderung.

Ad 5: Es trifft zu, dass sich die meisten Implantatsysteme im Detail unterscheiden. Dennoch sind die Grundprinzipien bei allen Systemen ähnlich. Wenn man diese Prinzipien in den Vordergrund rückt, müsste jede Zahnärztin und jeder Zahnarzt in der Lage sein, die beispielhaft gezeigten Fälle auf das eigene Implantatsystem zu übertragen.

1.4 Stellenwert digitaler Technologien

War zur Zeit der 1. Auflage dieses Buches im Jahr 2014 die Digitalisierung im Bereich der Implantatprothetik und der dazugehörigen Zahntechnik noch in der Frühphase, so führen die zahlreichen innovativen Veränderungen in diesem Bereich nun zu einer umfassenden Berücksichtigung in dieser 2. Auflage. Dabei wird diskutiert, was heute in der Implantatprothetik bereits digital möglich oder sinnvoll ist und wofür wir noch konventionelle Techniken benötigen. Die Digitalisierung der gesamten Prozesskette führt zukünftig zu weitreichenden Veränderungen, die sich letztendlich auf die Effektivität und Vielfältigkeit der zahnärztlichen und zahntechnischen Leistung auswirken werden.

Durch eine Visualisierung des klinischen und labortechnischen Arbeitsablaufs bei festsitzenden Restaurationen ist zu erkennen, wo konventionelle und digitale Technologien zum Einsatz kommen. Die hierzu relevanten Arbeitsschritte beginnen bei der Implantatplanung und enden mit der Herstellung der Restaurationen. Dabei können alle Arbeitsschritte konventionell (konventioneller Workflow) oder komplett digital (digitaler Workflow) durchgeführt werden. Viel häufiger ist heutzutage allerdings der hybride Workflow, der sowohl konventionelle als auch digitale Arbeitsschritte enthält (Abb. 1-2).

Abb. 1-2Übersicht klinischer und labortechnischer Arbeitsschritte bei der Herstellung festsitzender implantatgetragener Restaurationen. Dabei können heute alle Arbeitsschritte von der Implantatplanung bis zur Verblendung/Bemalung der Restauration entweder konventionell oder digital umgesetzt werden. Abhängig von der Umsetzung spricht man von einem rein konventionellen, rein digitalen oder einem hybriden (gemischten) Workflow. Alle drei Workflows haben in bestimmten klinischen Situationen ihre Berechtigung. Die Pfeile kennzeichnen ein Beispiel für einen hybriden Workflow: So kann nach konventioneller Abformung ein konventionelles Meistermodell aus Gips und das dazugehörige Wax-up über einen Laborscanner in ein digitales Modell übertragen werden. Mit Hilfe des so gewonnenen Datensatzes können monolithische Restaurationen konstruiert und im digitalen Workflow gefertigt werden (Abbildung abgeändert nach469).

1.4.1 Verbreitung digitaler Technologien

Um zu verstehen, wie sich digitale Technologien in der Implantatprothetik verbreiten, sind Modelle wie der Hype-Zyklus nach Gartner und der Innovationszyklus nach Rogers hilfreich. Der Hype-Zyklus (Abb. 1-3) besagt, dass mit Einführung einer neuen Technologie zunächst ein Gipfel der überzogenen Erwartungen entsteht, die nicht erfüllt werden, und somit eine Phase der Enttäuschungen folgt. Mit der Zeit relativieren sich die Erwartungen und ermöglichen eine realistische Produkteinschätzung.

Abb. 1-3Der Hype-Zyklus nach Gartner gibt an, wie sich die Einstellung zu einer bestimmten Technologie über die Zeit verändert, bis letztendlich eine realistische Produkteinschätzung erreicht wird.

Laut aktuellen Übersichtsartikeln sind es vor allem Einzelkronen und kurzspannige Brücken, die am stärksten von den digitalen Trends und einem rein digitalen Workflow profitieren297. Full-arch-Restaurationen sowie herausnehmbare Versorgungen sind aktuell immer noch auf einen konventionellen bzw. hybriden Workflow angewiesen. Die in diesem Buch beschriebenen Konzepte versuchen diesen Aspekten Rechnung zu tragen, um eine „überzogene Erwartung“ zu vermeiden, und fokussieren die Beschreibung digitaler Workflows auf die Bereiche, in denen eine realistische praxistaugliche Umsetzung bereits möglich ist.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Innovationen im digitalen Bereich wesentlich schneller voranschreiten, als wissenschaftliche Daten zur klinischen Bewährung dieser Systeme erhoben werden können. Dies führt zum Einsatz von Systemen, bei denen ausreichende klinische Langzeitdaten fehlen. Sobald diese dann verfügbar sind, sind die getesteten Workflows, Geräte oder Softwareversionen jedoch bereits durch neue Methoden abgelöst.

Der Innovationszyklus (Abb. 1-4) stellt dar, wann sich welche „(Zahnarzt-)Persönlichkeit“ für den digitalen Workflow entscheidet. Hier unterscheidet man zwischen den Innovatoren, den frühzeitigen Anwendern, der frühen und der späten Mehrheit sowie den Nachzüglern, bis der Marktanteil der Innovation bei 100 % liegt. In der Implantatprothetik muss der digitale Workflow zwischen zahnärztlicher Anwendung (z. B. intraoraler Scanner) und zahntechnischen Arbeitsschritten unterschieden werden. Während sich die Zahnärzte aktuell noch am Anfang der „frühen Mehrheit“ befinden dürften (nur geschätzte 5–10 % der Zahnarztpraxen arbeiten im Jahre 2020 mit intraoralen Scannern), liegt der Anteil für die Zahntechnik bei vielen Teilaspekten sicherlich bereits im Bereich der „späten Mehrheit“.

Abb. 1-4Der Innovationszyklus nach Rogers teilt die Anwender eines neuen Produktes in unterschiedliche Gruppen ein (grün), die vom innovativen Nutzer bis zum Nachzügler reichen. Erst nachdem auch Letztere das Produkt nutzen, wird ein Marktanteil von 100 % erreicht (orange).

Ein Buch wird aus zeitlichen Gründen niemals in der Lage sein, die Tätigkeit der „Innovatoren“ darzustellen. Die Autoren dieses Buches haben es sich aber zum Ziel gesetzt, die fundierten Konzepte der „frühzeitigen Anwender“ zu berücksichtigen, um sie schneller für die Mehrheit der Leser umsetzbar zu machen.

1.4.2 Gesundheitsgewinn für unsere Patienten oder Verbesserung für die Praxis?

Jeder Technologiewechsel sollte Verbesserungen in der Prozessqualität sowohl für den Patienten als auch für die Arbeitsabläufe im Team Zahnarzt und Zahntechniker mit sich bringen. Um herauszufinden, ob eine Umstellung auf digitale Systeme für ein individuelles Zahnarzt-Zahntechniker-Team sinnvoll ist, kann die Beantwortung der folgenden Fragen hilreich sein:

Hat der Patient bei der Behandlung Vorteile bezüglich Lebensqualität, Invasivität und Dauer der Behandlung?

Ist der digitale Workflow für den Zahnarzt/Zahntechniker zeitsparender, effektiver, preiswerter?

Kommt es zu einer Verbesserung des klinischen Ergebnisses?

Welche Versorgungskonzepte profitieren von diesen Vorteilen?

Einige dieser Fragen lassen sich anhand der aktuellen Studienlage beantworten. So gibt es bereits aussagekräftige Daten, ob der digitale Workflow effizienter als der konventionelle Workflow ist, beispielsweise für die intraorale Abformung. Hierbei liegt die Zeit bei der optischen Abformung zwischen 7 und 20 Minuten und die der konventionellen Abformung zwischen 9 und 18 Minuten. Es wurden sowohl Einzelzahnrestaurationen sowie Full-arch-Versorgungen einbezogen. Es zeigt sich somit kein Unterschied in Bezug auf Effizienz. Anders sieht es bei der Produktionszeit für Seitenzahneinzelkronen aus: Hier liegen die Herstellungszeiten im digitalen Workflow zwischen 47 und 68 Minuten, im Hybridworkflow zwischen 133 und 158 Minuten und im konventionellen Workflow bei 190 Minuten (Herstellung einer Metallkeramikkrone). Der digitale Workflow zeigt primär im zahntechnischen Bereich eine höhere Effizienz. Der Übersichtsartikel schlussfolgert: Für implantatverankerte Seitenzahneinzelkronen sei der modellfreie Herstellungsprozess unter Verwendung einer präfabrizierten Klebebasis und einem monolithischen Design die zeitsparendste und effektivste Technik469.

Am Beispiel von monolithischen Zirkonoxid-Seitenzahnbrücken wurde gezeigt, dass die Zeiteinsparung innerhalb der digitalen Systeme sehr stark variieren kann. So erwies sich der gesamte Herstellungsprozess bei einem optischen Scanner bzw. digitalen Workflow effizienter, bei einem anderen jedoch weniger effizient als der Hybridworkflow der Kontrollgruppe. Somit sind digitale Arbeitsabläufe nicht grundsätzlich effektiver als analoge Arbeitsabläufe298.

Die Patienten selbst bewerteten die optische Abformung wesentlich besser als die konventionelle Technik. Dies bezieht sich vor allem auf Angaben zu Angst, Übelkeit, Geschmack und Schmerzen während des Abformprozesses. Allerdings konnte aus Patientensicht kein Unterschied bezüglich der Dauer der unterschiedlichen Abformtechniken festgestellt werden. Auch bezüglich der Faktoren Ästhetik und Funktion der Restaurationen aus den verschiedenen zahntechnischen Herstellungsprozessen – konventionell oder CAD/CAM-Techniken – nahmen die Patienten keine Unterschiede wahr. Diese Ergebnisse beziehen sich primär auf Einzelzahnrestaurationen im Seitenzahnbereich64.

1.4.3 Gesamtkosten und Wertschöpfungskette

Am Beispiel dreigliedriger monolithischer ZirkonoxidSeitenzahnbrücken kann gezeigt werden, dass bei vollständig digitalen Workflows die Komplexität des Herstellungsprozesses sinkt. Dies ist auf die geringere Anzahl der Arbeitsschritte zurückzuführen und bedingt letztendlich niedrigere Produktionskosten im Vergleich zum analog-digitalen Hybridworkflow mit konventioneller Abformung298. In der Gesamtbetrachtung darf jedoch nicht vergessen werden, welche Anschaffungs-, Folge- und Wartungskosten intraorale Scanner für eine Zahnarztpraxis mit sich bringen. Auch die Frage der Nutzungsdauer muss berücksichtigt werden: Wie lange können Scanner als noch sinnvoll verwendbar gelten, bevor leistungsstärkere Systeme ältere Generationen zwangsläufig ablösen und damit erneute Anschaffungskosten generieren?

Damit verbunden ist die Frage, ob man als Zahnarzt die zahntechnischen Restaurationen im Rahmen der CAD/CAM-Prozesse rechnergestützt selbst konstruiert und herstellt, um auch diesen Teil der Wertschöpfungskette für die eigene Praxis zu generieren. Braucht man hierfür noch einen Zahntechniker? Oder wird sich das Berufsbild des Zahntechnikers eher in das eines IT-Spezialisten mit zahntechnischen Kenntnissen wandeln, der direkt in einer Praxis angestellt bzw. als Freelancer in mehreren Praxen tätig ist?

1.4.4 Quintessenz

Grundsätzlich sind heutzutage im zahnärztlichen Bereich fast alle Therapiekonzepte, die in diesem Buch vorgestellt werden, mit konventionellen Techniken umsetzbar. Dies gilt jedoch nicht für den zahntechnischen Bereich, in dem ohne digitale Workflows schon seit Jahren keine moderne Zahntechnik mehr möglich ist.

Auf der anderen Seite sind bei bestimmten Ausgangssituationen durch die Einführung der digitalen Technologien im zahnärztlichen Bereich viele Therapiekonzepte einfacher, schneller und weniger anstrengend für den Patienten umsetzbar. Dies ist vor allem bei der Versorgung einzelner Implantate im Seitenzahnbereich evident. In anderen Bereichen hingegen stößt diese Technologie immer noch an die Grenzen des Machbaren und es sind häufig Hybridworkflows notwendig, um diese Lücke zu schließen.

Um konventionelle und digitale Konzepte gegeneinander abzuwägen, hat sich dieses Buch zur Aufgabe gemacht, beide Workflows umfänglich in den einzelnen Kapiteln mit ihren Vor- und Nachteilen zu beschreiben. Somit ist es möglich, für das individuelle Behandlungskonzept den richtigen persönlichen Weg zu finden. Dies kann je nach Versorgungsform rein konventionelle, hybride oder auch rein digitale Workflows beinhalten.

Zur Frage der Wirksamkeit eines großen Teils unserer implantologischen Therapieverfahren stehen heute abgesicherte Daten aus klinischen Studien zur Verfügung. Diese Erkenntnisse erlauben es jedem Kliniker, die bestmögliche Therapieform für seinen Patienten zu finden. Dabei haben die verfügbaren Therapieverfahren einen hohen Standard erreicht und erzielen sowohl Schmerzlinderung als auch eine Wiederherstellung der Funktion und Ästhetik.

Letzteres gilt besonders in der Implantatprothetik, da hier vor allem im Rahmen der festsitzenden Versorgungen aus Sicht des Patienten eine Wiederherstellung der Idealsituation erzielt werden kann. Diese Verbesserung wird von dem Patienten besonders intensiv wahrgenommen, da seine mundgesundheitsbezogene Lebensqualität durch die vorhandenen Lücken oft stark beeinträchtigt war.

Ein abweichendes Bild ergibt sich allerdings beim implantatgetragenen herausnehmbaren Zahnersatz, da hier nicht im gleichen Maße die Wiederherstellung der Ausgangssituation erreicht werden kann und der Patient somit mit gewissen Einschränkungen leben muss. Diese Einschränkungen können wir zwar durch die Anzahl der Implantate und die Art der Suprakonstruktion mindern, aber nie ganz aufheben.

Inzwischen liegen auch bei herausnehmbaren Versorgungen auf Implantaten evidenzbasierte Daten vor, die dem Kliniker – zum Beispiel für den zahnlosen Oberkiefer – sich bewährende prothetische Therapiekonzepte liefern können. So gibt es wissenschaftlich hochwertige Studien, die über einen längeren Zeitraum die Versorgungskonzepte der implantatgestützten Teleskopkronen, moderne Kugelkopfsysteme und Stegversorgungen getestet haben (s. Kap. 19). Allerdings sind nur selten zwei Therapieformen in einer randomisierten Studie über einen längeren Zeitraum systematisch verglichen worden. Diese „Evidenzlücke“ öffnet einen breiten Therapiekorridor, innerhalb dessen auf den individuellen Patientenfall bezogen die richtige Therapieform gewählt werden kann. Dabei bringen die unterschiedlichen Therapieformen jeweils bestimmte Vor- und Nachteile mit sich, die mit der individuellen Ausgangssituation (z. B. Knochenresorption), den beim Patienten gegebenen Risikofaktoren, den persönlichen Vorlieben, den Ängsten und der Belastbarkeit des Patienten sowie mit der Zeit, die er beim Zahnarzt verbringen kann, in Einklang gebracht werden müssen.

2.1 Patientenpersönlichkeiten

Damit wird klar, wie wichtig das Individuum Patient bezüglich der spezifisch besten Therapieentscheidung ist, und es ergibt sich die Notwendigkeit einer genaueren Betrachtung der unterschiedlichen Patientenpersönlichkeiten. In diesem Zusammenhang hat Wippermann 2010 in seinem Aufsatz „Was erwarten die Menschen vom Gesundheitswesen?“ gezeigt, dass Einzelne und auch ganze Bevölkerungsgruppen ein sehr unterschiedliches Verständnis von Gesundheit haben und sich dementsprechend auch im Gesundheitsverhalten unterscheiden (Wippermann764, S. 95–107):

„Die Diversität ist noch größer, wenn es um die eigene bzw. subjektiv empfundene Gesundheit geht: Die verschiedenen Lebensstile lassen darauf schließen, dass in der Bevölkerung die Bereitschaft, etwas für die eigene Gesundheit zu tun oder Gesundheitsrisiken zugunsten von Konsum einzugehen, sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. […] nicht nur Merkmale der sozialen Lage (Geschlecht, Einkommen, Bildung, Beruf, Arbeitswelt, Wohnlage etc.), sondern auch Wertorientierungen (Präferenzen, Interessen, Einstellungen) und Lebensstile (Alltagsroutinen, Rituale, soziale Beziehungen)“ spielen hier eine wichtige Rolle. „Die Menschen in den verschiedenen Lebenswelten (Milieus) verfügen über ganz unterschiedliches materielles, soziales und kulturelles Kapital, das seinerseits das Verständnis von Gesundheit prägt. […] Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich auf drei Lebenswelten. […] Konservative und Traditionsverwurzelte haben eine ähnliche Grundorientierung (dieselbe Werteachse), aber eine andere soziale Lage. Traditionsverwurzelte und Konsum-Materialisten haben eine ähnliche soziale Lage (im unteren und mittleren Bereich), aber eine andere Grundorientierung (Tradition vs. Modernität) […]:

Konservative haben einen ganzheitlichen, humanistisch geprägten Gesundheitsbegriff – und arbeiten aktiv weiter an einem kompletten und mehrdimensionalen Gesundheitsbegriff. Konservativen geht es um geistige, körperliche und soziale Vitalität, um ein selbstbestimmtes Leben (auch im Alter). Bestimmend ist die Lebens- und Gesundheitsphilosophie der richtigen Dosierung (Maß halten). Genuss und Gesundheit sind untrennbar miteinander verbunden und müssen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen: ‚Ich pflege einen gewissen Lebensstil, der mich gesund erhält an Körper und Geist.‘ […]

In krassem Gegensatz zu den Konservativen ist für Traditionsverwurzelte das alltägliche, ausführliche und detailreiche Reden über Gebrechen und Schmerzen, jüngst erlebte oder anstehende Arztbesuche (eigene wie die von Familienmitgliedern und Nachbarn) ein normales Thema. Die meisten sind nach einem langen Berufsleben heute Rentner, viele haben die Frührente in Anspruch genommen. Die Berufe sind bzw. waren körperlich anstrengend: einfache und qualifizierte Handwerker und Arbeiter. Geprägt sind sie von der Berufsnotwendigkeit, körperlich robust zu sein. Die dominante Perspektive liegt auf der körperlichen Funktionalität, Gesundheit ist im Unterschied zu den Konservativen auf die Physis konzentriert. Dabei gilt es als normal, dass es zu ‚Verschleiß‘ kommt […].

Bei Menschen in dem Milieu am unteren Rand der Gesellschaft hat Gesundheit keinen großen Stellenwert. Zu sehr bedrücken andere Sorgen des alltäglichen Zurechtkommens: Geldsorgen, über die Runden kommen, von anderen nicht ausgegrenzt werden, ständig mit bessergestellten Menschen (in Schule, Amt, Bank, Arztpraxis) kommunizieren müssen mit der Erfahrung, dass man von diesen mehr oder weniger offensichtlich missachtet oder despektierlich behandelt wird. […] Das normale, voreingestellte Weltbild ist, dass jeder Mensch eine Basis-Gesundheit hat, die eine gewisse Zeit im Leben ‚hält‘.“

Diese drei Milieu-Beschreibungen von Carsten Wippermann geben uns einen kleinen Einblick, wie unterschiedlich man sich auf Patienten einlassen, wie unterschiedlich man sie beraten muss. Nur wenn wir ihre Sprache sprechen und ihnen das Gesagte auch nahe bringen, werden wir unsere Patienten auch wirklich erreichen. Ferner müssen wir begreifen, dass der Patient das Wahrgenommene anschließend in seine eigene Welt (Familie und Freunde) hineinträgt und dort mit seinen Argumenten auch verstanden werden muss. Konkret bedeutet dies: Nur wenn eine Ehefrau ihrem Mann die Notwendigkeit der geplanten Behandlung plausibel machen und mit den vom Zahnarzt gelieferten Argumenten auch umgehen kann, wird es ihr gelingen, einen familiären Konsens für die zu tragenden Zusatzkosten, den Ausfall im Haushalt usw. zu erzielen.

2.2 Entwicklung des Patientenprofils

Da die Implantattherapie im zahnärztlichen Kontext einige Besonderheiten aufweist, sollte man versuchen, sich ein klares Bild von seinem Patienten zu machen. Die Implantologie ist eine rein elektive Maßnahme, die immer mit chirurgischen Eingriffen, komplexen Behandlungsabläufen, längeren Behandlungszeiträumen, Zusatzkosten, aber auch einer Verbesserung der Kaufunktion sowie eventuell mit einer Vermeidung von herausnehmbarem Zahnersatz und einer Verbesserung der orofazialen Ästhetik verbunden ist.

Um die richtige Behandlungsstrategie gemeinsam mit dem Patienten zu finden, muss der Zahnarzt in der Phase des Patientengesprächs unterschiedliche individuelle Patientenfaktoren analysieren, die im Rahmen der weiteren Entscheidungen wichtige Informationen liefern. Hier sind die folgenden zu nennen:

Finanzielle Möglichkeiten des Patienten

Funktionelle Wünsche an den Zahnersatz

Ausmaß der Bereitschaft zu invasiven Eingriffen

Anspruch an die zu erzielende Ästhetik

Individuelle Implantatverlustrisiken:

Persönliche Risikofaktoren, die die Langzeitbewährung der Implantattherapie beeinflussen könnten.

Bereitschaft zur Mitarbeit des Patienten (Mundhygiene)

Die Gesamtschau dieser individuell gewichteten Patientenfaktoren ergibt das Patientenprofil – wobei jeder Faktor für sich allein ein Ausschlusskriterium für eine Implantattherapie sein kann, egal, wie die anderen Faktoren gewichtet werden.

2.3 Entscheidungsbäume

Neben dem Patientenprofil spielen zwei weitere wichtige Profile eine tragende Rolle bei der Behandlungsplanung. (1) Das „Lückenprofil“ beschreibt die Größe der zahnlosen Kieferabschnitte unter Berücksichtigung der vorliegenden Weichgewebs- und Hartgewebsdefekte. (2) Das Zahnersatzprofil definiert die Spezifikationen der unterschiedlichen Zahnersatzoptionen (Abb. 2-1).

Abb. 2-1Der Entscheidungsbaum: Ausgehend von einem spezifischen Lückenprofil ergeben sich im Bereich des Zahnersatzprofils unterschiedliche Planungsvarianten (Beispiel 1 bis 3), die sich im zahntechnischen Design, der Anzahl der notwendigen Implantate, bestimmter technischer Details, dem Schwierigkeitsgrad für den Behandler und der wissenschaftlich gesicherten Langzeitbewährung unterscheiden. Jede Planungsvariante passt wiederum zu bestimmten charakteristischen Patientenprofilen.

Ausgehend von einem spezifischen Lückenprofil ergeben sich im Bereich des Zahnersatzprofils unterschiedliche Planungsvarianten, die sich im zahntechnischen Design, in der Anzahl der notwendigen Implantate, in bestimmten technischen Details, im Schwierigkeitsgrad für den Behandler und in der wissenschaftlich gesicherten Langzeitbewährung unterscheiden. Jede Planungsvariante passt wiederum zu bestimmten charakteristischen Patientenprofilen. Der daraus entwickelte Entscheidungsbaum hilft also bei Vorliegen einer spezifischen Lückensituation, das passende implantologische/zahnärztliche/zahntechnische Versorgungskonzept zum individuellen Patienten zu finden. Die Entscheidungsbäume sind im Kapitel 10 und in den Kapiteln 25 bis 28 für die jeweiligen Lückenprofile aufgeführt.

2.4 Hauptfaktoren des Patientenprofils

2.4.1 Finanzieller Spielraum

Dieser Punkt ist anhand der sozialen Situation, des Versicherungsumfangs und der konkreten Äußerungen des Patienten zu erfassen. Eine Korrektur der initialen Einschätzung ist nach der ersten Kostenschätzung durch einen Heil- und Kostenplan jederzeit möglich. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass Kostenvoranschläge, die an den (erklärten) Möglichkeiten des Patienten vorbei gehen, zu einem Bruch im Vertrauensverhältnis führen und einen Zahnarztwechsel mit sich bringen können.

2.4.2 Funktion

Funktionelle Aspekte werden durch gezielte Fragen des Zahnarztes abgeklärt, wie zum Beispiel „Kommen Sie mit der momentan vorliegenden verkürzten Zahnreihe gut zurecht? Können Sie im Moment mit Ihren Zähnen alles essen? Welche Wünsche haben Sie an Ihre Zähne bezüglich einer verbesserten Kaufunktion?“ Anhand der Antworten des Patienten erfolgt eine subjektive Einschätzung dieses Faktors.

2.4.3 Ästhetik

Auch die Vorstellungen des Patienten von der zu erzielenden dentalen Ästhetik werden durch gezielte Fragen des Zahnarztes abgeklärt. Hierbei werden aktuell vorliegende ästhetische Defizite angesprochen, wie zum Beispiel: „Stören Sie die freiliegenden Kronenränder, die unterschiedlichen/dunklen Zahnfarben, der unharmonische Inzisalkantenverlauf, die unharmonischen Zahnproportionen …?“ Anhand der Antworten des Patienten erfolgt eine Einschätzung dieses Faktors.

2.4.4 Belastbarkeit

Nachdem die Patienten meist keine Vorstellung von operativen Eingriffen im Rahmen der zahnärztlichen Implantologie haben, kann dieser Punkt durch orientierendes Beschreiben der Dauer und Invasivität des Eingriffs sowie der mutmaßlichen Art und Dauer der postoperativen Beschwerden erläutert werden. In die subjektive Bewertung dieses Faktors sollten auch das Alter, die Morbidität des Patienten und mit dem Eingriff gegebenenfalls in Zusammenhang stehende zusätzliche Maßnahmen wie Endokarditisprophylaxe oder Antikoagulantientherapie einbezogen werden.

2.4.5 Individuelles Implantatverlustrisiko

Für die Einschätzung des individuellen Implantatverlustrisikos ist es notwendig, die Anamnese des Patienten im Hinblick auf bestimmte Allgemeinerkrankungen bzw. prädisponierende Faktoren zu analysieren. Dabei werden ein Patientenalter von über 60 Jahren, Rauchen, Diabetes und eine erfolgte Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich als Risikofaktoren für einen frühzeitigen Implantatverlust eingestuft466. Bezüglich einer vorhandenen Osteoporose liegen keine eindeutigen Daten vor459. Inzwischen kristallisiert sich allerdings immer deutlicher heraus, dass nicht einzelne Risikofaktoren allein ausschlaggebend sind, sondern das Zusammenspiel zahlreicher Faktoren das individuelle Implantatverlustrisiko definiert. Dies wird in einem speziell hierzu entwickelten Instrument zur „Bewertung des Periimplantitisrisikos“ umgesetzt260 und in Kapitel 9.2 vorgestellt.

Besonders sorgfältig muss in diesem Zusammenhang mit einer aktuell abgeschlossenen, durchgeführten bzw. geplanten Therapie mit Knochenantiresorptiva (z. B. Bisphosphonattherapie) umgegangen werden. Die Konsequenzen für eine mögliche Implantattherapie sind der aktuellen S3-Leitlinie zu diesem Thema zu entnehmen236 und bei einer Therapieplanung zu berücksichtigen (s. Kap. 9.4).

Eine besonders schwerwiegende biologische Komplikation an Implantaten ist die Periimplantitis. Sie ist zugleich die Hauptursache für den Verlust bereits eingeheilter und belasteter Implantate. Das Auftreten (Prävalenz) einer Periimplantitis wird laut einem Übersichtsartikel bei 1 bis 47 % aller Implantat-Patienten beobachtet (Schwankungsbreite innerhalb unterschiedlicher Studien). Die durchschnittliche Prävalenz wurde mit 22 % aller Implantat-Patienten angegeben146. Aktuell wird ein möglicher Zusammenhang zwischen Rauchen bzw. Diabetes mellitus und einer auftretenden Periimplantitis diskutiert. Diese Zusammenhänge sind allerdings nicht eindeutig nachweisbar und so werden beide Faktoren nur als „potentielle Risikoindikatoren“ bezeichnet619. In Anlehnung an die 2018 erschienene Klassifikation der parodontalen und periimplantären Erkrankungen und Zustände711 kann man deshalb einem Raucher mit bis zu 10 Zigaretten pro Tag ein moderates Risiko und einem Raucher mit mehr als 10 Zigaretten ein hohes Risiko zuteilen. Bei einem vorliegenden Diabetes mellitus wird ein moderates Risiko bei einem HbA1c < 7,0 % und ein hohes Risiko bei einem HbA1c ≥ 7,0 % angenommen.

Aufgrund des erhöhten Risikos einer Periimplantitis bei schlechter Mundhygiene ist eine unzureichende Mundhygiene als Kontraindikation für Implantate zu sehen. Auch um die Rate von biologischen und technischen Misserfolgen an festsitzenden implantatverankerten Restaurationen zu reduzieren, wird ein gut strukturiertes Nachsorgeprogramm empfohlen524. Deshalb sollte man versuchen, die Mitarbeit seiner Patienten im Vorfeld abzuschätzen. Dazu wird der Pflegezustand des Gebisses, die Teilnahme an den bisher angebotenen Nachsorgeprogrammen und die glaubhafte Verwendung von zusätzlichen Mundhygienemaßnahmen wie zum Beispiel Zahnseide und Interdentalbürstchen bewertet. Bei initial unbefriedigendem Ergebnis sollte in der Vorbehandlungsphase unbedingt daran gearbeitet werden, hier eine Verbesserung zu erzielen.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich der Faktor „Individuelles Implantatverlustrisiko“ aus mehreren Subfaktoren konstituiert und Teil des Patientenprofils ist. Die Zusammenstellung der beiden Komplexe, die das Patientenprofil ausmachen, sind in Abbildung 2-2 dargestellt.

Abb. 2-2Das Patientenprofil: Die Faktoren finanzielle Möglichkeiten, ästhetischer Anspruch, funktioneller Anspruch und Bereitschaft zu invasiven Maßnahmen konfigurieren das individuelle Patientenprofil. Dieses interagiert mit einem fünften Faktor, dem „individuellen Implantatverlustrisiko“, der sich seinerseits aus mehreren Subfaktoren zusammensetzt.

2.4.6 Darstellung des Patientenprofils

Die fünf Faktoren des Patientenprofils werden jeweils als Leuchtstreifen dargestellt, mit den Endpunkten niedrig und hoch. Jede der fünf Skalen ist in vier Abstufungen zu bewerten (Abb. 2-3). Dadurch wird ein äußerst komplexes Konstrukt auf die für die Fallplanung wichtigen Parameter reduziert, einschätzbar und auf einen Blick ablesbar.

Abb. 2-3Die fünf Faktoren des Patientenprofils als vierstufiger Leuchtstreifen mit den Endpunkten niedrig und hoch.

2.5 Praktische Bedeutung des Patientenprofils an einem Patientenbeispiel

2.5.1 Festlegen des Patientenprofils

Ein Richter im Ruhestand – konservatives Wertemodell gemäß Wippermann – stellt sich im Alter von 70 Jahren mit der in den Abbildungen 2-4 bis 2-7 gezeigten Ausgangssituation vor. Auf die Nachfrage, was ihn in die Klinik geführt habe, antwortet er: „Mein Zahnarzt wollte alle Zähne abschleifen und mir schöne Zähne machen. Die Menschen kennen mich aber seit Jahren so, wie ich bin. Ich möchte gar keine anderen Zähne. Gibt es hier keine Alternativen?“ Anschließend werden die allgemeinmedizinische und zahnärztliche Anamnese gemeinsam durchgesprochen. Daraus ergeben sich keine Anhaltspunkte auf Risikofaktoren, die eine Implantattherapie negativ beeinflussen könnten. Nach gemeinsamer Analyse seines Lachens und der Kaufunktion bestätigt sich, dass er die momentane Ästhetik seiner Zähne beibehalten möchte, und auch mit der Kaufunktion der beidseitig verkürzten Zahnreihe gut zurechtkommt. Die Interimsprothese, die er im Unterkiefer bereits seit zwei Jahren trägt, empfindet er jedoch als lästig. Auf die Nachfrage, warum er sich seit nunmehr zwei Jahren nicht weiterversorgen lasse, macht er deutlich, dass ihm der Erhalt seiner Zähne über alles gehe, dass ihm sein Zahnarzt hierzu jedoch keinen adäquaten Vorschlag unterbreitet habe. Dabei äußert er auch, dass er durchaus kleine chirurgische Eingriffe durchführen lassen würde, sofern ihm glaubhaft gemacht werden könne, dass es keine sinnvolle Alternative gibt. Ferner würde er gerne eine herausnehmbare Prothese vermeiden, da er sich andernfalls in seinem Studiengang der Kunstgeschichte, den er momentan im 4. Semester absolviere, „so alt“ vorkomme. Zuletzt weist er noch darauf hin, dass die Kostenfrage für ihn erst einmal sekundär sei – schließlich habe er im Laufe seiner Tätigkeit als Richter eine Vielzahl therapeutischer Misserfolge zu sehen bekommen, die er für sich selbst, wenn möglich, vermeiden wolle.

Abb. 2-4Patient mit konservativem Wertemodell.

Abb. 2-5Ausgangssituation verkürzte Zahnreihe Oberkiefer.

Abb. 2-6Ausgangssituation Lückengebiss Unterkiefer.

Abb. 2-7Detailaufnahme Unterkieferfront.

Dieses erste Gespräch dauert 20 Minuten und hinterlässt beim Behandler bezüglich des Patientenprofils folgende Eindrücke:

Finanzen: Da der Patient aus einer konservativen Lebenswelt stammt, privat versichert ist und explizit einräumt, dass „die Kostenfrage für ihn erst mal sekundär“ sei, wird der finanzielle Spielraum als groß eingestuft und mit „Stufe 3“ im Patientenprofil bewertet. Natürlich kann sich diese initiale Einschätzung als falsch herausstellen und müsste dann nach der ersten Kostenschätzung durch einen Heil- und Kostenplan gegebenenfalls korrigiert werden.

Funktion: Hier ist der Patient eher als genügsam einzuschätzen, da er mit einer beidseitig verkürzten Zahnreihe „gut zurechtkommt“, wobei offenbar kein übermäßiger Leidensdruck vorliegt. Dies korreliert auch mit dem Umstand, dass er die vorhandene Interimsprothese zwar als „lästig“ bezeichnet, sie aber dennoch seit Jahren trägt und anscheinend ganz gut mit ihr zurechtkommt. Hieraus ergibt sich eine Einordnung in „Stufe 1“.

Ästhetik: In diesem Punkt formuliert der Patient zwar nach zahnärztlicher Auffassung keinen hohen Anspruch, allerdings definiert er einen ganz eigenen Standpunkt, den man als Zahnarzt respektieren und dem man – sofern medizinisch möglich – auch folgen sollte. In die Bewertung fließen beide Aspekte ein, weshalb dieser Punkt mit „Stufe 2“ bewertet wird.

Belastbarkeit: Die Bereitschaft für operative Eingriffe wird aufgrund der Äußerungen als mäßig eingeschätzt und mit „Stufe 2“ bewertet.

Implantatverlustrisiko: In der ärztlichen und zahnärztlichen Anamnese sind bis auf die vorliegende Parodontitis profunda keine weiteren Risikofaktoren erkennbar. Auch die Mitarbeit des Patienten darf zunächst als gut eingeschätzt werden, da er sich mit einem gepflegten Gebiss vorstellt und angibt, alle 6 Monate die Prophylaxetermine bei seinem bisherigen Zahnarzt wahrgenommen zu haben. So wird auch dieser Faktor mit „Stufe 1“ bewertet.

Diese Überlegungen definieren das individuelle Patientenprofil (Abb. 2-8).

Abb. 2-8Das individuelle Patientenprofil im Patientenbeispiel.

2.5.2 Planung und Therapie aufgrund des Patientenprofils

Nach Abschluss der Befundung bestätigt sich die Diagnose einer generalisierten Parodontitis profunda (Abb. 2-9). Die Einzelzahnprognosen werden für die Zähne 15, 13, 23, 25, 34, 33, 43, 45 und 47 als sicher (grün) und für 14, 12 bis 22, 24, 32 und 42 als zweifelhaft (gelb) eingeschätzt; keiner der Zähne wird jedoch als „nicht erhaltungswürdig“ (rot) eingestuft (s. Kap. 9.6). Es liegen verkürzte Zahnreihen im ersten, zweiten und dritten Quadranten vor. Die Zähne 31 und 41 fehlen. Unter Berücksichtigung des Patientenprofils wird ein Therapiekonzept gemeinsam mit dem Patienten erarbeitet. Die Argumente, die zu dem Therapievorschlag führen, bespricht der Patient anschließend mit seiner Frau, die selbst Ärztin ist. Dieses Gespräch bestärkt den Patienten in seiner Entscheidung, wirft allerdings letzte Fragen bezüglich der Risikoeinschätzung der geplanten Therapie auf. Nachdem diese in einem zweiten Gesprächstermin geklärt werden können, willigt der Patient in die Umsetzung des Therapieplans ein:

Abb. 2-9Die Panoramaschichtaufnahme zeigt eine generalisierte Parodontitis profunda. Die Zähne werden den Zahnprognosen sicher (grün), zweifelhaft (gelb) und gegebenenfalls nicht erhaltungswürdig (rot) zugeteilt.

Im Ober- und Unterkiefer wird eine PAR-Therapie durchgeführt, mit dem Ziel, alle vorhandenen Zähne zu erhalten. Im Anschluss erfolgt zur zusätzlichen Stabilisierung der Oberkieferzähne eine adhäsive Schienung der Zähne mit einem Glasfasernetz (Ribbond) (Abb. 2-10 und 2-11).

▶Durch diese Erhaltungstherapie ist es möglich, dem Wunsch des Patienten nach unveränderter Ästhetik bei gleichzeitiger dauerhafter Stabilisierung der Zähne gerecht zu werden. Ein Ersatz der Molaren scheint nicht notwendig, da der Patient die Kaufunktion mit der verkürzten Zahnreihe als ausreichend empfindet.

Abb. 2-10 und 2-11Oberkiefer nach PAR-Therapie und Ribbond-Schienung.

Im dritten Quadranten werden zwei Implantate gesetzt, ein umschriebener Knochenaufbau durchgeführt (Abb. 2-12 bis 2-14) und die Implantate mit Einzelkronen versorgt.

Die Frontzahnlücke wird mit zwei einflügeligen Adhäsivbrücken versorgt (Abb. 2-15 und 2-16).

Die Lücke in regio 44 wird durch eine Anhängerbrücke von 47 auf 44 versorgt.

Abb. 2-12 und 2-13Im dritten Quadranten wurden Implantate in regio 35 und 36 inseriert. Der umschriebene Knochenaufbau erfolgte mit einer 1-zu-1-Mischung aus autologem Knochen und Bio-Oss. Der Aufbau wurde mit einer mittels resorbierbarer Pins befestigten Bio-Gide-Membran abgedeckt.

Abb. 2-14Postoperatives Röntgenbild.

Abb. 2-15Einflügelige Adhäsivbrücke 32-31 mit Zirkonoxidgerüst.

Abb. 2-16Eingegliederte Adhäsivbrücken 32-31 und 42-41 nach adhäsiver Befestigung.

▶ Eine herausnehmbare Prothese kann durch diese therapeutischen Maßnahmen vermieden werden. Alle Unterkieferzähne können erhalten, kein Zahn musste zusätzlich beschliffen werden, und die Anzahl der Implantate und notwendige Augmentationen können auf ein Minimum reduziert werden. Dem Patientenwunsch nach minimaler Invasivität wird somit entsprochen.

▶ Über die Prognose der Gesamtrehabilitation, die in diesem Fall aufgrund der vielen zweifelhaften Zähne schwer einzuschätzen ist, kann der Patient aufgrund seiner Milieu-Zuordnung differenziert aufgeklärt werden.

Die Abbildung 2-17 zeigt die prothetische Versorgung direkt nach ihrer Eingliederung. Der Patient wird anschließend in ein vierteljährliches Nachsorge-Programm aufgenommen. In den Abbildungen 2-18 bis 2-20 ist die Situation nach 5 Jahren zu erkennen. Inzwischen ist die Versorgung seit über 15 Jahren unverändert in situ und der Patient mit ihr über diesen Zeitraum sehr zufrieden.

Abb. 2-17Prothetische Versorgung: implantatgetragene Einzelkronen im dritten Quadranten, einflügelige Adhäsivbrücken in der Front mit weißen Zirkonoxid-Klebeflügeln, zahngetragene Anhängerbrücke im vierten Quadranten.

Abb. 2-18Adhäsivbrücken nach 5 Jahren Tragedauer mit fortschreitender Rezession am Zahn 42.

Abb. 2-19Röntgenkontrollaufnahme der Adhäsivbrücken nach 5 Jahren mit stabilen Knochenverhältnissen.

Abb. 2-20Röntgenkontrollaufnahme der Implantate nach 5 Jahren, ebenfalls mit stabilen Knochenverhältnissen.

2.5.3 Alternatives Patientenprofil