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Den Leser erwartet ein philosophisches Potpourri von individuellen Alltagsweisheiten bis hin zu kosmischen Überlegungen, die der Autor breit gefächert darbietet. Er lässt uns teilhaben an seinen "morgendlichen Gedankenblitzen", streift bei seinen Überlegungen gesellschaftliche Fragen zwischen Literatur und Politik und gibt uns auch Einblick in sein künstlerisches Schaffen als Maler. Und so gewährt uns der Autor eine intelligente, künstlerische Melange als Begleitung auf der Suche nach Erkenntnis. Dr. Godehard Lindgens
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Seitenzahl: 450
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Das Wenige, welches Du, mein unbekannter Leser, hier vorfindest, sind allgemeine Empfindungen, Gedanken und Begebenheiten, wie sie wohl jeder von uns einmal im Leben erfahren hat. Der Inhalt – ohne Vorstellung davon, was nicht darin enthalten ist – entstammt meinen Notizheften. Jeden Morgen liegen sie aufgeschlagen neben mir auf dem Frühstückstisch bereit, meine sogenannten Gedankenblitze in sich aufzunehmen. Sie sind Erstgeborene, die sich unter meiner Vernunft davonstehlen, um irgendwie ein eigenes Dasein zu beginnen. Mein Stift ist der Anker, der sie zurückhält und vor ihrem Vergehen in der Luft bewahrt. Würde man nicht wie ein pingeliger Buchhalter alles aufschreiben und sich einzig auf die sprachliche Vermittlung verlassen, dann ließe sich der Sinn alles menschlichen Tuns nur schwer eingrenzen. Wollte man Erkenntnisse nur durch andauerndes Sprechen und ohne Rückhalt durch die Schrift anstreben, würde vieles davon Geräusch bleiben. Dies ist ein einfacher Hinweis, wie selbstverständlich das Lesen ist. Und wie überschaubar ist hierzu das Wesen meines Kugelschreibers; er hat nur eine Funktion und folgt nur einem Zweck – Schreiben zu ermöglichen. Und schreiben wiederum ist die Besonderheit, lautlos zu reden.
Der Himmel in seiner grenzenlosen Güte hat mir für meine Unzulänglichkeiten einen Engel ohne Flügel zugesandt, der die Fähigkeit besitzt, meine ungelenken Worte in lesbare Sätze zu verwandeln. Mir ist deshalb in der Stille eine Art Verwegenheit zugewachsen, mich damit vor dir, mein unbekannter Leser, so sehen zu lassen, wie ich gerade angekommen bin. Manche Leute werden erstaunt oder gar entsetzt ausrufen: „Da sei Gott vor!“
Mein bescheidener Einwand: „... wenn schon, dann lieber ohne Gott.“
Auch ohne höhere Autorität, so vermute ich, kann man die hier „gereinigten“ Zeilen in Muße lesen.
Irgendwann einmal stellt sich jeder im Leben die Frage: „Hat unser Leben einen Sinn? Und welchen? Welches ist die Stellung des Menschen in der Welt?“
Alain Robbe-Grillet,
Argumente für einen neuen Roman
Dazu eine vordergründige Antwort:
Die aufrechte Stellung natürlich!
Hat unser Leben nur diesen Sinn?
Etwas weiterreichend kann man sagen:
Der Sinn des Lebens ist es, das Leben zu erhalten und den Zustand der eigenen Lebendigkeit mehr als die eigene Endlichkeit zu betonen.
Die zweite Sinn-Erklärung ist der Hinweis, das Sterben zu lernen. Diese Aufgabe erfordert einen Großteil unserer Lebenszeit. Vielleicht glückt es manchen Individuen, dieses Ziel kurz vor ihrem Ende zu erreichen. Der Schrecken, den die ungeschulte Vorausschau auf den Tod erzeugt, weicht einem allmählich wachsenden Interesse, das Geschehen zum absoluten Ende unserer Existenz im Detail bis zur völligen Kraftlosigkeit voraus zu empfinden, vorauszusehen und so viel wie möglich im Bewusstsein zu verankern.
Weite Teile unseres Lebens stellen wir immer wieder die gleichen Fragen und suchen nach Antworten, die oftmals nur kleine Nuancen neuer Erkenntnisse offenbaren; immer wieder Fragen und Fragen und Fragen, bis sich andere Sichtweisen aufzeigen. Auf diese Weise wird man langsam mit dieser Problematik vertraut. Die Ängste verwandeln sich in das Interesse, die Vorgänge im Detail besser zu verstehen, besser vorbereitet zu sein, wenn wir selbst auf normalem Weg in diese Situation am absoluten Ende unseres Lebens geraten und nicht schon während der Mitte. Das beruhigt und man tröstet sich über lange Zeit damit, dass ja noch so viel Lebenszeit vor uns liegt, bis wir dahin kommen! Die ewige Wiederholung der Fragen, dieses Suchen, Vorantasten und Vorausempfinden bewirkt, dass der Tod seinen Schrecken verliert, sozusagen zu einem alltäglichen Gegenstand wird, der dazu anspornt, noch bessere Erkenntnisse, ja unschlagbare Beweise zu gewinnen. Wenn der Mensch schließlich selbst am Eingang zur Sterbearbeit angelangt ist, wird er versuchen, seine zuvor erarbeiteten Kenntnisse mit dem dann eintretenden Geschehen zu vergleichen. Ihm wird dann sichtbar werden, wenn sich die steigernde Kraftlosigkeit seines Lebens im Innern selbst bis auf einen Punkt zurückgezogen hat, wie weit er der Natur entsprechend vorgearbeitet hatte – oder auch nicht. Er wird allen Nachfolgenden nicht mehr berichten können, da er gerade gestorben ist. Er kann ohne Augen nichts Irdisches mehr sehen, ohne Sprache nicht mehr sprechen und nicht mehr hören ohne Ohren. Das Ende ist völlige Stille. Der Tod behält seinen mystischen Charakter und weist damit zurück auf das Leben.
Und wieder sind die Nachfolgenden mit den gleichen Fragen konfrontiert:
Was ist mein Leben? Was ist unser Leben? Was ist das Leben allgemein und warum muss man mit all diesen Fragen und Antworten stets die eigene Rechtfertigung damit verbinden? Warum nicht einfach leben?
Bewusstsein schafft Hindernisse, obwohl man stets sagt, der Geist ist frei und ein Garant der Freiheit.
Ein chinesisches Sprichwort sagt:
In der Hast des Lebens sind schon viele Genies umsonst alt geworden.
Das Gesetz der Natur befiehlt uns:
Du darfst nur einmal und nie wieder!
Warum nur einmal?
Weil zweimal nicht geht und wider das Naturgesetz ist! Weil das Leben „einmalig“ ist, drum mach‘ das Beste daraus!
Doch woher weiß man, was das Beste ist, da man fast eine halbe Lebenszeit benötigt, um zur Besinnung zu kommen?
Man ist so von den Realitäten und den eigenen Reaktionen darauf eingepfercht, dass man kaum einen Weg in die Freiheit erkennen kann. So rutscht man vom Wege ab, der zur Vollendung führen soll.
Und was ist die persönliche Vollendung, die man zum Beispiel Goethe so beharrlich andichtet? Ein anderes lebenslanges Bemühen, dessen Kern die Achtbarkeit ist. Mit Achtbarkeit ist die Sinnfrage – wie früher – ungeklärt, nur näher gerückt.
Was ist der Unterschied von Natur und Sein?
Beides gehört zusammen, unterscheidet sich aber doch. Die Natur teilt sich auf in organische und anorganische Dingwelten.
Der Begriff des Seins ist mehrschichtig – man kann es als Nicht-Sein bezeichnen, als Da-Sein oder als So-Sein und in der örtlichen Bestimmung als Hier-Sein. Alle zusammen sind Seins-Begriffe. Die Natur und das Naturgesetz beziehen sich auf einen besonderen Planeten, der nicht nur unser Planet Erde sein muss. Die Natur – einfach gesagt – lässt auf einem Planeten in einer langen ontologischen Entwicklungsfolge Leben entstehen. Wichtig dabei ist die Entwicklung des Organischen aus dem Anorganischen, der Übergang, der in der Ausprägung von Wasser und Atmosphäre den ersten Anfang nahm. Mit der organischen Natur öffnet sich der Fächer zur Entfaltung einer zahllosen Dingwelt bis zur höchsten Entwicklungsstufe des Menschen. Dies und was sich über Millionen von Jahren folgerichtig bis heute entwickelte, ist die Kreation des Naturgesetzes.
Das Sein bezieht sich auf Materiekonstellationen des Universums, des Weltalls, das unendlich ist. Das Sein besteht aus unsichtbaren kleinsten Materieteilchen. Die größten Materieformationen des Seins sind die Galaxien, Anhäufungen von Sternen, die sich zu riesigen Systemen wie unsere Milchstraße vereinigen. Neben den Materieformationen ist der interstellare Raum des Universums mit unsichtbarer Kleinstmaterie erfüllt, die sich aufgrund von Gravität zu Materieklumpen zusammenfügen kann.
Diese Kleinstmaterialien umgeben die großen Materieansammlungen der Galaxien.
Sie reichen damit auch weit in untergeordnete Seinsbereiche hinein, wie in die Dingwelt eines fruchtbaren Planeten. Das unendliche Sein des Universums umfasst so den Seinsbereich des Naturgesetzes. Beide Wirkungsbereiche überschneiden einander und gehen teilweise ineinander über. Dies ist eine betont einfache Darstellungsweise – nachdem ich diese Fragen in früheren Entwürfen schon einmal behandelte, zeigte sich bei jedem neuen Entwurf, dass immer weiter gehende Gesichtspunkte behandelt werden müssen und diese geistige Entwicklung immer neueren Fragen zu folgen hat.
Wir werden ins Leben hinein katapultiert und nicht gefragt, ob wir das wollen oder nicht. Wir werden mit dem Faktum unserer Geburt auf einen Weg gesandt, auf dem es keine Rückkehr gibt. Unsere Geburt ist irreversibel und enthält nur den Befehl, in eine Richtung zu gehen – vorwärts! Die Geburt endet mit dem Glücksempfinden der Mutter. Dies verbirgt die Konsequenz, zum Leben verurteilt, zum Leben bestimmt zu sein. Und die Bestimmung zu leben ist ein Hinausschieben und ein Beiseiteschieben der zu erwartenden Endlichkeit. Das Leben währt unter Umständen bis zu hundert Jahren oder sogar darüber hinaus, doch in der Regel etwa fünfundsiebzig bis fünfundachtzig Jahre.
Bewirkt die Gesamtheit der Menschen, dass unsere Erde lebt? Vielleicht ist es unsere Aufgabe, diesen Planeten unablässig leuchten zu lassen.
Erich Fried sagt in einem seiner beeindruckendsten Gedichte:
Frau Welt
Ich bin
zur Welt gekommen
und bin nun endlich
so weit
laut zu fragen
wie ich dazukomme
zu ihr zu kommen
Sie kommt
und sagt leise:
Du kommst nicht
du bist schon im Gehen
Der Ort nach dem Hiersein ist das Dort-Sein. Wenn man fragt: Wo ist dieser Ort? ... ist die Antwort: Auf der anderen Seite.
Jetzt, da das Alter herankommt und das Ende des Lebens zunehmend durchscheint, erneuern und verfestigen sich Einsicht und Vernunft. Die sich leise vergrößernde physische Kraftlosigkeit bewirkt das und ist möglicherweise die Ursache dafür.
Hier und dort, oben und unten, vor und hinter uns, zeitlich begrenzt und unbegrenzt, ganz nah und in weiter Ferne – das ist das Leben und man fragt: Wer bist du und was bist du? Warum gehörst du mir? Und oft: Warum gehörst du mir nicht?
Alles Tun und Streben der Menschen ist vorläufig zu dem, was nach uns geschieht und geschehen wird. Unsere hier erarbeiteten Ergebnisse werden im Nachfolgenden verbessert und unseren Werten wird der Stellenwert in der Geschichte angemessen.
Und was ist der Stellenwert unseres lebenslangen täglichen Lebens?
Er ist uns unerkennbar und der Tod, das Ende unseres Hierseins, macht unser Abschlusszeugnis sichtbar. Wenn wir ein gutes, vorbildliches Leben hinter uns gebracht haben, ist es unter Umständen möglich, dass die Nachfolgenden sich unserer erinnern werden – und das scheint sehr wichtig zu sein!
Wer hat das Recht, das Leben seiner Mitmenschen so nachhaltig zu beeinträchtigen, dass es einen ärmlichen, menschenunwürdigen Rahmen annimmt? Wer hat das Recht, andere Menschen in ärmliche und kümmerliche Lebensumstände zu treiben? Niemand!
Was sind die Gegenstände des Lebens?
Es gibt nur einen Gegenstand und das ist das Leben selbst!
Aber was ist das Leben? Ist es das Leben um uns herum, ist es das Leben uns gegenüber, das aus so unendlichen, verschiedenen und kaum noch zu beschreibenden Erscheinungen und Manifestationen besteht, oder ist es das Leben, das in uns selbst wie ein Tier in einem Käfig herum springt?
Wenn man nüchtern die eigene Leiblichkeit ins Auge fasst – wie kann dieser so genial ausgestaltete Träger des Lebens etwas Fehlerhaftes sein?
In mir, außer mir.
Der Versuch am „Zapfhahn der Erinnerung“ die Gegenwart fließend zu halten.
Meine Gedankenwelt: Gedanken von innen, Sätze im Inneren – von außen nicht hörbar.
Es ist das Recht eines jeden in den letzten Lebensjahren, sich selbst bis tief hinab kennenzulernen, den Sinn des eigenen Lebens zu finden und Frieden mit sich und der Welt zu schließen. Jeder hat das Recht, in seinen letzten Lebensjahren für die Erfüllung seiner Existenz und die Sinnlegung seines Lebens zu wirken.
Man leidet am Leben und das Leiden will gar nicht aufhören – trotzdem klammert man sich daran wie ein Ertrinkender. Kann man am leidhaften Leben ertrinken?
Es denkt in mir!
Wo denn sonst?
Es denkt auch außerhalb unseres Selbst.
Ist das Denken eine zweckgerichtete Handlung oder nur ein Vorgang an sich? Welchen Sinn hätte das „reine Denken“ (gibt es auch „schmutziges Denken“)?
Wenn es nicht zweckgerichtet wäre, als eine Funktion, die einzig das Subjektive ins Objektive wandelt? Reines Denken wäre ein geistiges Training, eine Lockerungs- und Warmhalteübung. Schmutziges Denken gibt es natürlich auch – es ist das Denken, das den Bildungsgrad unterschreitet und den Blick oberhalb des Stubentisches nicht erweitert hat. Das sollte uns nicht betrüben, denn wer einen gewissen Grad positiven Denkens erreicht hat, wandelt in ihm eigenen, verständlichen Regionen weit oberhalb.
Denken und schreiben und malen und Gesang gehören zusammen.
Mein Leben, gib mir Zeit! Ich habe dich lange außer Acht gelassen. Gib mir die Zeit, dich ganz zu erfassen, dich zu verstehen!
Gemeint ist das Leben und die Lebendigkeit im Innern selbst. Ich will leben! Ich will leeben!
Aber warum klammern wir uns so verzweifelt an den Zustand des Lebendigseins, an diese Vorläufigkeit des Hierseins und ihre offenbare Fragwürdigkeit? Wie ist uns die Gewissheit geworden, dass wir – am Ende all unserer Bestrebungen – sterben werden?
Weil wir neben unserem Leben und dessen fortschreitender Kontinuität nichts anderes, oder dessen Gegensatz noch nicht erfasst haben. Unser Status Quo des dahinschreitenden, dahineilenden Lebens ist etwas Vorläufiges und auf das Ende zuschreitendes.
Warum „schenkte“ man uns dieses „ein Leben lang“, diese Zeitspanne des Lebens, wenn dieser „Glücks- und Leidenszeit“ gegen unseren Willen von der Natur und ihrem Gesetz sein natürliches Ende diktiert wird?
Die Zeitspanne des Lebens ist ein absoluter Gestaltungszeitraum, den wir nur mäßig oder zu kleinen Teilen, und was besonders peinlich und schmerzhaft ist, viel zu wenig und viel zu spät in Anspruch nehmen.
Und warum?
Weil unsere geistige Erkenntnisfähigkeit, untrainiert wie sie ist, viel zu spät und erst nach vielen vorherigen Übungsstufen aufblüht und in Erscheinung tritt.
Die Frage nach dem Sinn unserer eigenen Existenz ist immer wieder schmerzhaft. Es ist fast eine luziferische Frage der Versuchung. Diese Versuchung ist ein ständiges Befragen und ein Aufreizen, Aufrufen der noch unbekannten seelischen Ebenen, um das Leben zu aktivieren, eine notwendige Forderung an die schlummernden Bereiche unseres Ich und Selbst. (Hier schreib ich lapidar: Yes! Yes! Vergiss nicht die Fußnoten, wenn der Verstand beim Schreiben etwas zu kurz geriet!)
Wenn man denken kann, dann kann man auch schreiben, das heißt weiterhin denken und weiter schreiben. Denken, schreiben, malen und auch (wenn unvermeidbar) singen sind eine andere, verschönernde Art und Weise zu sprechen. Bedenke doch, mit welcher Hingabe und Zuneigung wir uns schönen Gedanken, etwas gut Geschriebenem, und sei es nur ein handgeschriebener Brief, einem eindrucksvollen Gemälde oder einer hochwertigen Gesangsdarstellung zuneigen.
Wie wäre unsere Vergangenheit anders zu verstehen, als dieses nachfolgende und fressgierige Ungeheuer, das uns unsere Jugendsünden wieder heranträgt, um unser schlechtes Gewissen zu gemahnen? Und welche Eigenschaften offenbart die Vergangenheit darüber hinaus?
Zur Vergangenheit gesellen sich Gegenwart und Zukunft und diese drei bilden zusammen die Funktion der Zeit. Diese Funktion wird sichtbar an der Kristallisation von Materie. Weil sich Materie in unterschiedlichsten Materiekonzentrationen aufzeigen kann, ergibt sich die Relativität der Zeit, besonders wenn sie auf Schwerkraft und Geschwindigkeit beruht. Über aller Materie thront die Hoheit der Zeitenfunktion.
Eine Vorläufigkeit?
Ein ewiges Gesetz!
Alles wandelt sich, und allem voran das Denken und die begrenzten Gedanken des Augenblicks.
Warum triumphieren Gier, Falschheit und Egoismus unter den Menschen, und warum versagen Wahrheit und Gerechtigkeit?
Eine Uniform, die auch oft einen uniformierten Geist beherbergt, die verzweifelt Ordnung und Regelmäßigkeit signalisiert, ist nur eine äußere Hülle. Nimmt man sie weg und beiseite, bleibt ein teigartiges Gebilde zurück.
Haben sich Militaristen und Generäle niemals gefragt, wenn man eine Kommunikation auf das unangekündigte Versenden von Granaten und Bomben verkürzt, wie dann die Antwort darauf aussehen würde?
Im Spiegel betrachtet – und was man da sieht, ist das nicht ein prächtiger Kerl? Sozusagen ein Prachtkerl?
Doch wer es nicht glaubt, dem sollte man die Zähne einschlagen und den Gesichtsausdruck verändern! Womit das Thema wieder erreicht ist, das man die „Deutsche Krankheit“ nennt, die ewige.
Es wirkt störend und unangenehm, wenn in fast neuen Büchern des Antiquariats Widmungen, Tätowierungen von Vorbesitzern enthalten sind, etwa solche:
„Meiner lieben Hilda in Muckelchen einen lieben Gruß von deinem Michael aus dem Ort Pose zum Geburtstag am 12. Jänner 1748“.
Die Nachbesitzerin hieß Änne Wolff (mit zwei fam Namensende). Eine andere Widmung lautete:
„Dem lieben Kalle zur Erinnerung an unsere Radtour mit kleinem Unfall (weißt du noch?) vor sechs Monaten, August 1924.“
Überraschend und erstaunlich, wenn man in dieser Art angesprochen wird.
Die Wahrnehmung des Unvollendeten.
Viele unserer Bestrebungen enden im Nicht-Erreichten. Was wir ungetrübt und sicher erreichen, ist das Ende unseres Lebens. Hier erreichen wir unser Ziel vollständig und ohne jede Einschränkung.
Warum nicht auch im Leben davor? Das Leben ist ein komplizierter Zustand.
Mit Hilfe von Worten, Sätzen und der Schrift, zum Beispiel in diesem Buch, kann man das festhalten, was in einem selbst vor sich geht. Gesprochene Worte lösen sich gleich nach dem Sprechen in nichts auf, und wenn man sie nicht sogleich schriftlich festhält, so verschwinden unter Umständen auch Worte und Gedanken, die festzuhalten wertvoll gewesen wäre. Es erfordert ein intensiv trainiertes Gedächtnis, solche Gedanken noch nachher vor dem Vergessen zu bewahren. Das ist vielleicht der einzig wahre Grund, weshalb man schreibt. Andererseits ist die gedankliche Arbeit in der Stille äußerst komplex. Ganze Gedankengebäude, Tages- und Weltanschauungen wachsen empor im inneren Zwiegespräch mit uns selbst und es wäre entsetzlich, würde sich dieser Reichtum gleich nach der Conclusio in Luft auflösen. Man kann das Schreiben und Beschreiben innerer Zustände geradezu als eine Art der Selbstbewahrung und Verteidigung ansehen, denn wie armselig wäre unser Selbstverständnis, würden all unsere durchdachten Probleme sich unmittelbar danach der Erinnerung entziehen. Das wäre eine existenzielle Katastrophe, wenn das große Archiv der zu erinnernden Vergangenheit ungeschrieben und blind nur als das Wort Vergangenheit verbliebe, mit deren fehlendem Inhalt seine Funktion erlöschen würde. Darüber nachdenkend müsste man fragen:
Was ist die Vergangenheit eigentlich? Ist sie als abgelebtes Leben nicht eine bedeutendere Zeitfunktion, die nicht nur schöne Gedanken und Ereignisse wie ein Familien-Fotoalbum aufbewahrt?
Und was geht im Inneren des Menschen vor?
Unsere inneren Gespräche sind ein Spiegel unserer äußeren Welt. Und dieser Spiegel reflektiert die Anschauungsbilder der Welt, wie wir sie uns ausschnittsweise erobert haben, von Angesicht zu Angesicht.
Alles, was wir tun und alles, mit dem wir uns aufrichtig herumschlagen, ist nur eine tätige Verbesserung bis zur nächst besseren … Vorläufigkeit. Die schrittweise erfolgende Verbesserung ist das Vorspiel zur nie erreichbaren Vollkommenheit, die nur als ein Ideal, als Seins-Ideal formuliert ist.
Nicht schlau – eher nachdenklich!
Wer ein Kind zeugt, der bewirkt, neben vielen anderen Gesichtspunkten, dass es zum Sterben verurteilt ist. Man zeugt Leben, das zum Schluss dem Tode zugeführt wird – Vaterliebe, Mutterliebe, Elternliebe bis in den Tod. Die Natur arbeitet weise, indem sie die Eltern zuerst dieser Bestimmung zuführt.
Was versteht man unter Freiheit (das Befreit-Sein von ...), unter dem Urteil und der Bestimmung physischer Endlichkeit?
Freiheit ist ein analytischer Begriff. So wie man am Erhalt des Lebens arbeitet, muss man seine eigene Freiheit erarbeiten.
Vorauseilender Gehorsam ist ein Signal an die Mächtigen, auf Widerspruch, Opposition und auf eine eigene Meinung zu verzichten, wenn man dafür von den Mächtigen wie ein netter Trottel geliebt wird. Er erfüllt die Funktion eines Hofnarrs. Aufnahme in höhere Kreise durch Selbstaufgabe.
Wir bejahen das Leben, weil wir sterben müssen. Weil wir später einmal sterben müssen, bejahen wir das Leben davor. So leben wir zunächst einmal – davor.
Gibt es Nützlicheres und Bedeutungsvolleres, welches über das Leben noch hinaus reichte?
Das Leben ist die höchste Pflicht und zugleich die höchste geistige Lust vor allem!
Was sind die tiefsten geistigen Bedürfnisse, die ein Mensch entwickeln kann? Was fällt einem dazu ein?
Es sind Ruhe und Sich-Besinnen, eine erforderliche Einheit von Außenwelt und Inner-Selbst, das Streben nach kosmischer Einheit, das Ende der Hast, das Ende des Sich-Beschmutzens in und an der Welt dort draußen. Die Richtung zielt auf die Einheit … wovon? … die Einheit des Inner-Selbst, ungetrübt, eine ruhig fließende Seele, die wärmt, da sie so erschreckend leicht zu frieren beginnt.
Was ist der letztendliche Zustand?
Die Leere, die Lehre von der Leere des Sich-Entleerens.
Was ist der Inhalt, der in der Ruhe und Meditation aufscheint? Das ist das ruhige Taktmaß des Dahin-Schreitens, sein Eigenwert. Viele Worte noch immer zum Eingrenzen einer transzendenten Offenbarung, die nur mit einem Wort, in einem Wort dargestellt werden kann.
Je mehr Wissen man anhäuft, um so mehr wird einem bewusst, wie wenig man eigentlich weiß. Etwaiger Stolz darüber verwandelt sich zur Farbe weißgrauer Zigarettenasche. Beruhigt sei der Nichtraucher.
Wie winzig klein erscheint Humanität neben überwältigendem, beruflichem Erfolg. Humanität beim Ausbleiben von Erfolg nennt man einen „Glücksfall“ – ein demnächst fallendes Glück, weil eine glückliche Empfindung nie lange anhält.
Wenn nun der Erfolg und das Glücksempfinden ausbleiben – was dann?
Würde beides zuhauf, dauerhaft und unbegrenzt auftreten, wäre dies tödlich.
Gott bewahre (lieber ohne Gott ...), wer würde schon gerne sterben? Also ...!
Selbst Ewigkeiten sind nicht endlos.
Die Zeit gleicht sich dem Wesen der Materie an.
Zum Malen:
Malen ist eine ursprünglichere und umfassendere Art des Schreibens, die sofort – ohne lang Wort an Wort zu reihen – eine ganzheitliche Thematik umfassend darbietet. Beim Schreiben führt der sinnliche Zusammenhang zu einem ausgedehnteren Arbeitsaufwand, bis ein Thema vollständig und abgerundet zur Darstellung kommt.
Dies ewige Geschreibsel vom Gehen in den Tod und was unter Umständen danach geschehe, wird dem Alltagsmenschen wenig bedeuten. Jeder weiß doch sowieso, was am Schluss des Lebens geschieht. Man möchte in Glück und Frieden leben, wozu man eine gewisse Theorie benötigt, um diese Art glücklichen Daseins zu erreichen.
Was bewirkt nun, dass man stets auf die obige „trockene Kost“ zurückkehrt? Ist es Angst, die diese ständige Bedrohung, die weit ins Leben hineinreicht, so frühzeitig bewirkt und die sich in dem Maße steigert, je näher man dem finalen Ereignis kommt?
Die zwei Seiten der Medaille:
Die uns zugewandte Seite, auf der wir unsere Solotänze vollführen auf einem stumpfen und verschmutzten Untergrund, durch den noch manchmal die glitzernde Bronze durchscheint, und die andere Seite der Medaille, die wie frischer, dicht fallender Schnee in unvorhergesehener Helligkeit des Nichts erstrahlt. Von ihr ist nur die erstgenannte Seite sichtbar, während die andere Seite gegenüber in einem hellen Licht zerfließt, als ließe man Mehl durch ein feinporiges Sieb rieseln. Nach der christlichen Lehre müsste oben der Himmel sein und tief unten die sogenannte Hölle, die vielleicht in frühchristlicher Zeit nur eine Großküche war, weil die frühen Christen Roms in Katakomben lebten. Wer sich einen Himmel als den Ort ewigen Glücks und Wohlseins erfindet, der muss notwendigerweise auch das Gegenbeispiel dazu erfinden, um das Wohlsein im himmlischen Paradies besonders begehrenswert und verlockend erscheinen zu lassen.
Was aber, wenn in extrem kalten Landstrichen wie Sibirien oder im Norden Alaskas die konstante Hitze und Wärme der Hölle begehrenswerter scheint?
Dazu die Frage:
Gibt es in höheren Himmelsphären Zentralheizung?
Gott, der Allmächtige, könnte doch mühelos diesen „Service“ im Paradies installieren, weil bei seinen Schöpfungsakten die Kosten, ökonomisch gesehen, keine Rolle spielen – Gott als omnipotenter Vorstand und Direktor! So kommt man sich näher. Ein weiterer Punkt:
Gott braucht keine Buchhalter, da er der beste Buchhalter und das Finanzamt in einer Person ist. Gott muss auch nicht haushalten, weil sein buchhalterischer Jahresabschluss, sofern es das überhaupt gibt, ohne weitere Konsequenz von ihm allein als „gut“ bestätigt wird.
Vielleicht ist dies die Verheißung des Gott gegebenen Paradieses?
Man sollte vielmehr Karl Mays Buch „Ardistan und Djinnistan“ lesen – eine kurz gegarte Beschreibung, wie man noch ohne Fahrstuhl in den Himmel gelangen kann. (Ach wie ärmlich ist unsere irdische Existenz! Denke ich an den Edelmenschen Winnetou, der überdies auch viel besser im Waffengebrauch geschult war, anders als die jungen Hoffnungsträger von heute, die noch nicht einmal per Handy und Computer drohen können.)
Welches Glück hat uns da heimgesucht?
Eine bildliche Darstellung der „Zwei Seiten der Medaille“ wird meistens vertikal vorgestellt, mit dem Himmel oben. Richtiger wäre vielleicht eine horizontale Darstellung, was mehr dem unablässigen Voranschreiten des Lebens entsprechen würde. Andererseits könnte man eine solche Skizze auch in jeder Schräg- oder Mittellage sich denken. Eine richtige Darstellung würde wohl nur möglich sein innerhalb der räumlichen Dimensionen und der Zeit. Diese würde den kosmischen Raum mit einbeziehen, obwohl doch eine solche Skizze lediglich eine Anschauung des Übergangs vom Leben in das Sein nach dem Tode illustrierte.
Das lebenslange Streben nach neuen Erkenntnissen, die Sucht nach Erfolg und die Suche nach Zufriedenheit und Glück sind zugleich auch die kaum erkannte Suche nach dem Ausgang.
Die geistige Erneuerung bis zum Letzten betreiben, bis unser dahin siechender Leib den Dienst verweigert und Halt gebietet.
Und was sagt die ein Leben lang eingeübte Faulheit dazu? Das Ende aller Leibeskräfte wirkt wie eine Lästerung:
„Siehste wohl!“
Und wie viele Menschen gibt es, denen dies völlig egal ist? Und warum gehöre ich nicht dazu? Ist es so, dass ein schlichtes Gemüt ein einfaches, von weniger Sorgen beschwertes Leben ermöglicht?
Das wäre durchaus wünschenswert! Ohne jede Lästerei!
Die letzten Silben und Wortfetzen, die wir für das Sprechen und Schreiben benutzen – jetzt beginnen wir langsam und zögernd zu kommunizieren.
Im Leben ist es immer wieder wichtig, Verluste auszugleichen. Dies erfordert Einsicht, Vernunft und Wachsamkeit, damit nicht neue Fehler und neue Verluste entstehen. Wenn es gelingt, mit der Zeit eine gewisse Gleichmäßigkeit zu entwickeln, dann wird das tägliche Leben ruhiger und gelassener, Situationen von Stress und Hektik werden weniger. Das Leben läuft in ruhigeren Bahnen. Das Leben wird gereinigt – es ist das Vorstadium für ein friedliches und erfolgreiches Leben, jedoch kein Erreichen des Paradieses.
Ist es eigentlich erreichbar?
Nein, aber die Aussicht darauf beruhigt bereits.
Auf eigenes Denken verzichten, auf Kritik in der Öffentlichkeit, die Zusage unkritischer Dienstbarkeit, Fremdbestimmung, obwohl sie den Charakter verbiegt – so sieht vorauseilender Gehorsam aus. Die Folgen davon sind Falschheit, gefährliche und übertriebene Freundlichkeit, Kriechertum und verborgen gehaltene Niedertracht. Hier sind in einer Person alle nur denkbaren negativen Eigenschaften verewigt, hinter denen sich die Lebensart eines kleinen Verlierers in der Gesellschaft verbirgt.
Der Mensch ist das höchst entwickelte, unvollständige Eine, das der Vollkommenheit zustrebt.
Wird er sie jemals erreichen?
Das Selbst des Menschen ist eine ontologische Vorläufigkeit.
Wenn man fragt:
Wird der Mensch überhaupt jemals die Vollkommenheit erreichen?
... so ergibt sich die weiterreichende Frage:
Wird unser Planet Erde jemals seinen Endzustand erreichen, den man als Ende seiner Entwicklung bezeichnen kann?
Dies wird geschehen, wenn die Sonne sich in Milliarden von Jahren abkühlt und zum Roten Riesen anschwillt. Vollkommenheit muss eigentlich als absolute Endzeit definiert sein. Dies wiederum impliziert die Dauer des Seins und, zurückschauend auf die Entwicklung aller Dinge, die Lebensdauer der einzelnen Dinge und Lebewesen. Dies ist die Hierarchie der Lebenszeiten. Ein Käfer lebt länger als eine Eintagsfliege und mancher Mensch lebt länger als ein Elefant usw.
Aus diesen Überlegungen heraus ergibt sich, dass Endlichkeit vor der Vollkommenheit auftritt und dass Endlichkeit nicht mit Vollkommenheit vergleichbar ist. Die Vollkommenheit ist ein Ideal, das heißt eine wunschartige, alternative Vorstellung, die das Gegenwärtige „reinigt“!
Mit geschärften Sinnen kann man erkennen, wie die Kraft der Sonnenenergie sich in dem hellen, kraftvollen Glanz selbst der niedrigsten Pflanzen widerspiegelt, so dass jemand, der ein Gespür für das Wachstum hat, sich mit den Pflanzen und den Blumen unterhalten kann.
Lernen bedeutet eigentlich, beständig Neues und Wunderbares zu entdecken.
Wehe dem, der damit aufhört!
Verzicht auf eigenes Denken und auf öffentlichen Widerspruch, das Versprechen dienstbar zu sein, Engagement für fremde Erfordernisse, die der eigenen Auffassung zuwider laufen, die sich daraus ergebende akzeptierte Fremdbestimmung, die auf Dauer den Charakter des Arbeitenden verbiegen und deformieren – das Resultat solcher Handlungsweisen sind Falschheit, Kriechertum, Untertanengeist und vorauseilender Gehorsam, die sich hinter vorgetäuschter Intelligenz verbergen. Dies sind die psychischen Deformationen, welche die heutige Arbeitswelt von außen her erzeugt. Die Ursache für diese Verzerrungen liegt im Profitdenken, zu dem die Firmeninhaber nach den staatlichen Steuergesetzen nahezu verurteilt sind. Der wehrlose, angepasste Arbeiter benutzt den „vorauseilenden Gehorsam“ und seine offen signalisierte Dienstbarkeit in der Hoffnung, möglichst schnell ohne harte Arbeit in die Nähe des Unternehmers zu kommen, sozusagen als sein verlängerter Arm, der dadurch alle Probleme und Forderungen von unten von ihm fernhält. Der so angepasste Kriecher ist dienstbar nach oben bis zur Selbstverleugnung und tritt nach unten seine ehemaligen Kollegen in der Angst, auf ihren sozialen Status wieder zurückzufallen. Heinrich Mann hat diesen verbeulten Typus in seinem Roman „Der Untertan“ eindringlich und vorbildlich dargestellt.
Und wieder die Sinnfrage wie ein ewiges Aufstoßen – der Sinn des Lebens ist erstens … und zweitens das Sterben zu lernen! Wieso denn „lernen“?
Das geht doch ganz von selbst, sozusagen automatisch. Zum Ende des Lebens „geht“ man tot.
Um welchen Schluss, um was für ein Ende handelt es sich?
Um unser eigenes, denn irgendwann einmal muss ja Schluss sein. Es genügt, wenn man einfach (einfach?), oder mehr oder minder zufällig umfällt und tot ist.
Und das soll man glauben?
Da ist es doch besser, schnell aufzuspringen und noch etwas anhaltender lebendig zu bleiben. Ein Versuch wird auch den Ungläubigen überzeugen.
Betrachtet man derzeitige Fotos von sich selbst und vergleicht sie mit früheren, so erkennt man manchmal sich selbst nicht wieder.
Unser lebendiges Bewusstsein als der „Blitz zwischen zwei dunklen Ewigkeiten“ (Unamuno). Nimmt man einmal an, dass jede Ewigkeit vor dem Leben und danach unendlich ausgedehnter ist, als unsere eigene Lebenszeit dazwischen! Der Eintritt in die Ewigkeit des Jenseits nach dem Tode würde praktisch ein Abschied vom Leben für immer sein, während man sich am Ende der Ewigkeit, dicht vor dem Eintritt ins Leben fragen müsste, wie lange es noch dauern wird, bis wir ins Scheinwerferlicht dieses außergewöhnlichen Daseinszustandes eintreten können. Auch diese Wahl wird uns nicht gestattet, denn wir werden ins Leben geworfen ohne unsere Zustimmung. Man vermutet, dass sich die Zustimmung später – wenn wir uns unkritisch wohl fühlen – von selbst dazugesellt. Einem vorherigen Geschehen kann man später nur achselzuckend zustimmen.
Das Mehrwertsystem liefert das scharfe Schneidemesser, mit dessen Hilfe eine Volksmenge in eine Klassengesellschaft zerteilt wird.
Und wenn die gut ausgebildete, reiche Oberschicht mit ihrem Managerwesen in ihren Pflichten versagt, dann wird aus der Oberschicht die reaktionäre und eloquente Bourgeoisie, die an ihren Privilegien bis zum nicht mehr zu vermeidenden Offenbarungseid festhält.
Albert Einstein sagte, dass Nationalismus eine Kinderkrankheit sei, sozusagen die Masern der Menschheit.
Wie viele Menschen, die zu Opfern und Feinden des Nationalismus erklärt wurden, die als Defätisten gestempelt wurden, hat man auf gewaltsame Weise davon geheilt?
Nie wieder national!
Überlegungen, Gedanken und Ansichten und Wünsche der Bürger, wie nach ihren Vorstellungen das Leben in der Gemeinschaft aussehen sollte:
Ist militärische, staatlich organisierte Gewalt, das sogenannte Gewaltmonopol des Staates, eine kaschierte Drohung gegenüber Gruppen, die sich anders als der demokratische „Mainstream“ verhalten und ihre Absichten auch mit Gewalt durchdrücken würden?
Gewalt würde nicht nur gegen sogenannte Terroristen angewendet, sondern könnte zum Beispiel auch gegen Andersdenkende eingesetzt werden, die unseren „sozialen Rechtsstaat“ als Scheindemokratie bezeichnen. Mehr Gewalt würde angewendet werden, wenn die Kritiker der bestehenden Demokratie ihre Kritik mit Beweisen untermauern können. Das würde an den Grundsätzen des staatlichen Proporzsystems rütteln. Die Anwendung staatlicher Gewalt ist ein fein gestuftes System verschiedener Gewaltanwendungen, die mit Pflichtversicherung ihren Anfang nehmen und mit bürgerkriegsartigen Straßenschlachten ihre höchste Ausgestaltung vorführt. Die staatliche Gewalt droht – wenn es sein muss – die völlige Vernichtung von Menschen und Dingen an. Die Bedrohung der staatlichen Ordnung wird mit totaler Unordnung und Zerstörung beseitigt. Die unmittelbare Situation ist eine verwüstete Welt, die alles in Chaos verwandelt hat. Noch einmal (im Extremfall) – fehlende Ordnung oder ein Angriff auf das Bestehende wird mit totaler Zerstörung beantwortet, die genau das Gegenteil der gewünschten und herbeigesehnten Ordnung ist. Das ist der Widerspruch jeder Art von Militär – Ordnung durch Zerstörung wiederherzustellen.
Wenn man bedenkt, welch ein technisches Meisterwerk ein Flugzeugträger ist, der mit vielen Waffen unterschiedlichster Art ausgerüstet ist und über eine leistungsfähige Logistik verfügt und dann bedenkt, dass dies alles nur politischer Drohung und der Zerstörung dient …
Und wie gerne lassen sich viele Menschen in Uniformen einkleiden und mit Schusswaffen ausrüsten, die auch der Hebung des Selbstwertgefühls dienen.
Wie viel psychischer Schaden entsteht bei den Soldaten, wenn das Drohen in wirkliche Kampfhandlungen umschlägt?
Das positive Leben, das humane, gestaltende Leben ist genau das Gegenteil davon.
Ein Leben von Pflichten, Arbeit, Interessen, Faulheit und zeitweiligen Fehlern durchlöchert.
Kann man der Todesstrafe zustimmen?
Nein! In vielen Ländern sind wohl besonders die Befürworter, die so leicht sich dafür aussprechen, der Annahme, das Todesurteil könnte jeden anderen betreffen, aber sie selbst nicht. Jede leichtfertige Zustimmung, wenn über den Fortbestand des Lebens eines verurteilten Verbrechers entschieden wird, ist fast selbst ein Verbrechen, oder zumindest eine große Fahrlässigkeit.
Wie würde ein Richter, der Todesurteile fällt, empfinden, wenn er selbst zum Tode verurteilt würde?
Wie riesenhaft und ungeheuer müsste ein Verbrechen gegen die Mitmenschen sein, dass man sich zu einem derartigen Urteil durchringen könnte.
Wozu benötigt man Ämter, Administration und Verwaltungen?
Einzig dazu, den sozialen Austausch der Gesellschaft und der Bürger sichtbar und den Menschen entsprechend zu regeln.
Kommt man ohne kommunale Verwaltung aus?
Manchmal hat es den Anschein, dass es auch ohne ihr Regelwerk ginge. Fragwürdig ist, wenn Institutionen und Ämter sich verselbständigen und der Einsicht der Bevölkerung entzogen werden. Heute ist es fast schon die Regel, dass Ämter mit übertriebener Bürokratie die Bürger unterwerfen, besonders die hilfsbedürftigen Bürger, was einfach ist, da die Armen keine Lobby besitzen.
Was ist der Staat und was sind die Pflichten des Staates? Wer dient wem?
Dazu weitere Fragen:
Was garantiert das Leben der Bürger?
Gesundheit und Einkommen durch Arbeit; das Familien- und Privatleben, die Altersvorsorge, in der Regel durch Rente oder Pension; und wie lebt man im Alter, wie stirbt man in dem Land, das man sich zur Heimat erkoren und erarbeitet hat?
Welcher Gesetzesrahmen ermöglicht die oben angeführten Lebensgrundlagen?
Nun könnten alle mit Jubel ausrufen:
Unser Gesetzesrahmen und unsere Gesetzgebung!
Was ist Demokratie, die vom Volk aus gesteuert wird und welchen Wert bieten diese Demokratien, die nur den Anschein von Demokratien darstellen?
Ein Leben in Zufriedenheit und Glück ad definitum und der Sinn des Lebens, ebenfalls …!
Wie staatliche Erfordernisse als Pflichten auf die Bürger übertragen werden; wie staatliche Anforderungen in das persönliche Leben der Bürger eingreifen und es beeinträchtigen?
Nun, daraufhin das Anrufen der Gegenidee, nach der das Wohl des einzelnen Menschen vorrangig ist. Gesetze als eine Art Fischernetz, mit dem finanzielle Vorteile eingebracht werden.
Was hat Priorität? Der Erhalt des Staates oder das Leben der Bürger?
Umgekehrt hört sich das so an:
Das Leben der Bürger bewirkt den Erhalt des Staates.
Es ist nicht immer so, dass der Staat das Wohl der Bürger garantiert; woher kommen denn die vielen armen Bürger, die Abgehängten der Gesellschaft?
Warum müssen nur primär geschulte, dürftig ausgebildete Bürger die Verlierer der Gesellschaft sein? Kann ein Staat sich diesen Bildungs- und Qualifikations-Popanz noch länger leisten?
Schließlich sind unsere Schulsysteme von der Gesamtschule über Gymnasien bis zum Universitätsabschluss nur dazu da, die Klassenunterschiede aufzubauen und auf alle Zeiten hin festzuschreiben. Nun kommt das sich empörende „Aber, aber!“ – was jedoch am Aufbau unterschiedlicher sozialer Klassen nichts ändert.
Wie verhindert man die Ausprägung unterschiedlicher sozialer Klassen, beziehungsweise das Klassensystem?
Indem man allen Bürgern Wohlstand und Schutz gibt, und die Möglichkeit, ungefährdet ein Leben auf gutem Niveau zu führen. Die Reichen und Superreichen müssten auf eine mindere Stufe ihres Reichtums herabsteigen, um … wohlhabend zu bleiben. Die Armen und Kinderreichen müssten auf diesen Stand des grundsätzlichen Wohlstandes hinaufgehoben werden.
Wie sieht diese Art des Wohlstandes aus? Wie müssten die Mitglieder der sozialen Klassen sich ideologisch und gedanklich wandeln, um das Lebensniveau aller auf den Stand grundlegenden Wohlstandes anzuheben? Wie müssten sich die Politiker mit ihrer egozentrischen Besserwisserei innerlich wandeln, um sich gänzlich für diese Aufgabe zu engagieren? Würde durch die allgemeine Wohlfahrt und das allgemeine Wohlleben aller nicht nur neue Armut werden, weil jeder, der jetzt im Wohlstand lebt, nicht mehr bereit wäre zu arbeiten?
Die Peinlichkeit dabei ist, dass jeder Einzelne eine merkliche Arbeitsleistung erbringen müsste, welche die allgemeine Wohlfahrt ermöglicht und garantiert.
Kann man den Reichen und Superreichen zumuten, nicht nur auf die Stufe der Armut, aus ihrer Sicht, herabzusteigen, sondern jetzt auch noch – aus solidarischen Gründen – persönlich dafür zu arbeiten?
Gegenfrage:
Wie haben sie zuvor ihren Reichtum erworben?
Die Sicht der Armen, von unten gesehen, ist verlockender – sie steigen wirtschaftlich und klassenmäßig auf und brauchen, als Solidarbeitrag, nur den Willen zur Arbeit einzubringen, etwas, was sie ihr Leben lang getan haben. Arbeit ist ihnen nicht fremd, etwas Gewohntes, was nun weniger zwingend erscheint.
Nun der Entsetzensschrei von oben:
„Müssen wir (und ganz besonders ‚Wir‘) uns jetzt auch noch mit den ‚Asozialen‘ solidarisch erklären, womöglich auch noch persönlich für sie arbeiten?“
Was nun?
Sicher muss sich die Solidarhaftung auch auf Behinderte, Kranke und Alte wie bisher beziehen. Man kann annehmen, dass mit der Anhebung der Lebensqualität auf die Ebene allgemeinen Wohlstandes die Änderung der bisherigen Gesellschafts- und der staatlichen Verwaltungsstrukturen gefordert ist.
Nun die Frage:
Wie? Wie muss die Arbeit organisiert und ausgeführt werden? Welche Sicherheiten und Garantien müssen geschaffen werden, um diese Solidarleistung durchzuführen?
Vor allem:
Wie lange und nachhaltig muss jeder Einzelne tätig sein, um dieses Ziel zu erreichen?
Fragen über Fragen, die gern genutzt werden, um alles zu verneinen als ideelle Fantasterei. Doch die heutige politischökonomische Gegenwart ist ebenfalls fantastisch!
Die Zustimmung und das Einverständnis ins finale Ereignis wird leichter, wenn man vom Leben – wie man im Volksmund sagt – restlos „die Schnauze voll“ hat.
Könnte man sich eine dergestalt formulierte Äußerung von einem anerkannten Denker wie Platon oder Immanuel Kant vorstellen?
Das ist der Unterschied.
Bei Matthäus heißt es „suchet und ihr werdet finden“, doch man muss auch finden, damit man zu suchen beginnt.
Was löst die Suche und das Finden aus? Es ist so ähnlich wie mit dem Huhn und dem Ei – was war zuerst da?
Der Schmerz ist der Zusammenstoß mit den nicht bewussten Fähigkeiten unseres Leibes. Später wächst sich dies zu einer intimen und bewusst empfundenen Feindschaft aus, wobei das Ich dem beständigen Zwang zum Sieg (über den Schmerz) unterliegt. Es ist eine Art von Wettrüsten für die nächste Auseinandersetzung, die das Ich wieder siegreich bestehen muss. Und viel später, nachdem man sich bewusster gemacht hat, erkennt man den Schmerz als Alarmsignal, der eine dahinter liegende Krankheit ankündigt und zur Selbstverteidigung mahnt. Dann erst erkennt man, dass der Schmerz uns hilft, sich selbst zu verteidigen, selbst oder gerade, weil es weh tut. Alles Lernen ist mit Schmerz verbunden. Würde der Schmerz keinen Alarm schlagen, würden wir entschieden früher sterben.
In Hans-Joachim Sells „Der Rote Priester“ heißt es: ‚Fleisch, Schmerz, Leben!‘ ... und auch: ‚Er (der Priester) hatte ein Haus, aus dem er hervorstürzte!‘.
Wie kann man kreativ sein, ohne inneren und äußeren Druck der Beschwernisse des Alltags?
Diese Frage trägt die Antwort bereits in sich, man braucht nur die Worte umzustellen. Man kann nur kreativ sein, wenn äußerer Druck reduziert ist und man selbst im Innern ausgeglichen. Dies bedingt eine speziell entworfene Ökonomie, einen besonderen Seelenhaushalt, mit dem man der Außenwelt entgegentritt. Die dynamische Außenwelt kann man regulieren und begrenzen, indem man seine Wünsche und Notwendigkeiten bis auf ein einfaches und natürliches Maß zurückführt. Nun muss nur noch das wild schäumende Gemüt in unserem Innerleiblichen, unsere vielschichtige Armut, unsere Leidenschaft und unsere Gier zu einem leise dahinfließenden Strom umgeformt werden. Ruhe und innerer Frieden, der Einklang mit der Welt um uns herum, der uns aufgrund der Leichtfertigkeit unseres Denkens feindlich und unerreichbar erscheint, während es die unfertigen und sich selbst umarmenden Menschen sind, die Selbstsucht, Gier und Feindschaft in die Welt pflanzen.
(Die sogenannten Gutmenschen natürlich nicht! Was ist nun ein Gutmensch im Vergleich zum Menschen selbst?)
Kreativität richtet sich auf eine positiv empfundene Welt. Mit innerer Ausgeglichenheit, die man aus sich selbst hervorzulocken versucht, treten wir positiv der Welt draußen entgegen. Man muss in die Stille hinein lauschen und auf einen Anstoß warten, um ein inneres Zwiegespräch aus Fragen und Antworten in Gang zu setzen.
Der spanische Philosoph und Dichter Miguel de Unamuno sagte einmal:
„Ich brauche das Gespräch, den Widerstreit, um darauf zu antworten. Ich benötige ein Gegenüber, mit dem ich reden und streiten kann, und wenn niemand da ist, mit dem ich reden könnte, dann erfinde ich mir einen Gegenpart für meine Gedanken ...“ und bekennt anschließend „... meine Dialoge sind Monologe und meine Monologe sind Dialoge.“
Unamuno war einer der seltenen Menschen, der seine Kreativität steuern und aufrufen konnte und nicht nur darauf wartete, dass sie in seinem Innern wie eine neue Blütenpflanze erwachte. Seine Anmerkungen sind ein gutes Beispiel dafür, was für eine heimliche geistige Welt in uns schlummert. Die Anlässe, die neue Welten in uns zum Lichtschein aufrufen, sind nicht fern von uns, sondern in leiblicher Nähe.
Wo sonst könnten sie verborgen sein?
Unser Eintritt ins Leben und unsere Verweildauer darin sind vergleichbar mit den Zeigern einer Uhr, die Minutenabstände auf dem Zifferblatt ohne Halt durchlaufen. Das Ende des Lebens ist dort, wo die Zeiger der Uhr sich nicht mehr bewegen. Das Individuum in seiner mehrfachen Begrenztheit ist eine ganz in das Licht gehobene Sonderform des Seins, das für einen bemessenen Zeitraum Geist aus der Lebendigkeit erzeugt. Das ist ein außerordentlich hoher Wert, den die Natur uns zuspricht und nach dem man im Universum verzweifelt suchen muss, um ein vergleichbares Beispiel dafür zu finden. Mit anderen Worten:
Unser lebendiger Geist mit seinen bewundernswerten Fähigkeiten ist bisher eine beispiellose ontologische Erscheinung. Ein Selbst in der Welt … eins von vielen!
Welchen Rang nehmen die Eltern für uns ein, die uns – wie man im landläufigen Sinne sagt – das Leben geschenkt haben? Welche Bedeutung stellen wir für unsere eigenen Kinder dar, denen wir ja ebenfalls das Leben schenkten, obwohl es mir realistischer erscheint, wenn man sagt, dass wir, die Eltern, ihr Leben verursacht haben?
Die Moral, die aus dem Bedenken über den möglichen Tratsch anderer entsteht, definiert unser Leben als Glück bescheinigendes „Geschenk“.
Unser Planet ist der Rettungsring, an dem wir uns auf der Reise durch das Weltall festhalten.
Was ist das Selbst unseres Planeten Erde? Nur ein regulärer Messvorgang? Und welche Substanz besitzen die Ausschnittwelten unserer Wahrnehmungen?
Sie sind die Welten, die wir uns unseren Nöten und Erfordernissen gemäß zusammengezimmert und kompatibel gemacht haben.
D. T. Suzuki (Die große Befreiung):
„Ein Säugling hat keine Gedanken, denn sein Verstand ist noch nicht so entwickelt, als dass er auf gedanklichem Wege Erfahrungen machen könnte. Hat er Gedanken, so müssen sie äußerst dunkel und verschwommen sein und ohne Beziehung zur Wirklichkeit.“
Diese beiden Sätze sind durchaus kritisierbar. Ein Säugling am Beginn seines Lebens existiert in einer vor-gedanklichen Aura von Licht, Wärme und Beschützt-Sein. Er erfasst seine Umgebung mit sinnesgekoppelten Instinkten, sodass er genau lokalisieren kann, was seinem kleinen, aufkeimenden Selbst angenehm ist und was nicht. Alle seine Sinne sind nach außen gerichtet, um das, was von außen her in seine leibliche Nähe kommt, zuvor anzunehmen oder als Nicht-Angenehmes zurückzuweisen. Seine eingeborenen Instinkte weisen den Weg, wo seine Nahrung zu finden ist. In der Folge erscheint fast automatisch nach einiger Zeit, wenn die Verdauung zum Abschluss drängt, ein Unwohlsein, welches das Kleinkind mit lautem Weinen anzeigt. So teilt sich seine Gegenwart in Schlaf- und Wachsein-Perioden auf, in Zeiträume von anfänglichem Spielen und Unwohlsein. Das gesamte Verhalten des Neugeborenen ist schon ein intensives Festhalten am Leben, dessen Ursache das Gegensatzpaar von Wohl- und Unwohlsein ist. Es ist ein intensiver und wachsamer Zustand, der genau zwischen gut und nicht gut, zwischen angenehm und unangenehm unterscheiden kann. Es ist der Nukleus eines Wertmaßstabs, der in erweiterter Form uns durchs ganze Leben hindurch zu eigen ist.
Das bedürfnisorientierte, doch kreative Spielen des Kleinkindes in der Wiege, dem man stereotyp nur eine Kinderrassel, ein Quietschtier oder einen praktischen Schnuller anbietet, ist ein erster, rudimentärer Anbeginn in der Ausgestaltung des eigenen Ich und Selbst.
Woher kommt das, was wir Leben nennen und wie setzt es sich zusammen?
Die Gedanken fließen und jagen oftmals dahin – viel schneller, als das dahinschreitende Leben ihnen nachfolgen kann. Die Kurzlebigkeit der Gedanken ist auch ihre größte Gefährdung.
Alles, buchstäblich alles muss man selber machen! Darum ist das Leben oft so anstrengend, vor allem, wenn wir geistig schöpfen müssen oder Kreativität gefordert ist – jawohl!
Ich muss den Alltag, und damit jeden Alltag, umbringen, um wieder zu mir zu kommen.
Die Gegenwart ist eine Verführerin.
Da ist die magische Anziehungskraft einer Getränkeflasche, aus der man soeben einen Trunk nahm, den verbliebenen Rest des Getränkes auch noch auszutrinken.
In Aussicht genommene Überschriften für Kurzgeschichten, wie etwa die folgenden:
„Haben Schlangen einen Bauchnabel?“
„Liebe – das unbekannte, mobile Elektrizitätswerk“
„Das Trinken alkoholischer Getränke als der einfachste Weg zum Erfolgserlebnis“
„Des Dichters befangene Korrespondenz mit dem sich aufdrängenden unbekannten Herrn Schniedelwutz“
„Wer erklärt auf verständliche Art, was Liebe ist?“
Mein Gott – lieber ohne Gott – allein das Nachdenken über diese Titel ist schon anstrengend! Diese Titel werden wohl Überschriften bleiben.
Was ist Philosophie ohne Lachen und Humor? Und was wäre sie mit Humor und Lachen?
Konservativ im Nehmen mit feinem Sensorium für das Einnehmen von Vorteilen. Die Schwere der Amtspflichten wird mit dem Anrecht (am Recht sein) auf ebenso „schwere“ Besoldung ausgeglichen und gemildert.
Miguel de Unamuno (Der Spiegel des Todes):
„Der Glaube ist ja nach Sankt Paulus die Substanz der Dinge, die wir erhoffen.“
Was ist das Alter? Ein ständiger Unfall-Bereitschaftsdienst im Hoheitsgebiet? Nichts freundlicheres im Angebot?
Weil gute Gedanken Zeit benötigen, um zu reifen, bitte ich um etwas Geduld.
Und was ist die Jugend?
Viel schöner als jetzt!
Und was ist die Unschuld, die immer wieder wie Unkraut nachwächst ...?
Ernst Bloch:
„Ein zersprengtes Heute im engsten Kreislauf des weit gesteuerten Kleinbürgertums, dem genau das fehlt – nämlich die Hauptsache.“
Was ist die Hauptsache für einen Kleinbürger, der sich im Dschungel der Realitäten wie lohnabhängiger Arbeit, Pflichten und Vorsorge für die Familie und einer aufgepfropften Politik seine eigene Persönlichkeitsfindung zu orientieren hat, um ihn mit sich und der ihn umgebenden Welt so gut wie möglich in Einklang zu bringen? Die Daseinsbehauptung und das erfolgreiche Festhalten daran ist erst einmal die Hauptsache, das heißt die Sicherung der Kontinuität im Leben.
Das unbefriedigende Stückwerk aus einem Mischmasch von vorhandenen und noch nicht eroberten Gedanken, wie eine Fertigsuppe mit wenigen kleinen Würfeln von gebratenem Speck darin. Eine laszive Peinlichkeit, da man das immense fehlende Wissen noch nicht einmal ahnungsweise kennt.
Wie kann man erkennen, was einem fehlt, wenn es noch nicht „hochnotpeinlich“ ist oder einen Zwang ausübt, der wachrüttelt?
Nun lasst uns aufbrechen und unseren Leib ermutigen, damit unsere Füße uns so lange vorantragen, wie unsere über ihnen thronende Vernunft noch die Kraft besitzt, sie zu überreden.
Wo gehen wir hin? Wie ist der Weg, der unsere wenigen Schritte, die uns zu gehen erlaubt sind, gütig und zusprechend erträgt?
Mein Gott ist einzig die erhabene Ordnung des umfassenden Naturgesetzes.
Sieh in die äußerste Ferne, wo das Auge bricht. Lausche dem unerträglichen Lärm, den die Stille verursacht! – Es ist die Richtung, wo die Straße gefestigt wird. Das Ziel ist Verlust, der bereichert und weitet. Das Ziel ist der totale Verlust, der befreit und erweitert. Das lernt man hier.
Es ist eine Schwierigkeit, voll im Leben zu stehen und zugleich alle Logik aufzugeben, um die innere, leere Einheit der Buddhisten zu erreichen. Man befindet sich im Leben oder wartet auf eine Gelegenheit hinauszugehen, was ja sowieso am Ende eines Lebens geschieht.
Der Geist des Zen in seiner Reinheit.
Was geschieht dem Selbst, wenn man annimmt, dass die Seele und Geistesfähigkeit sich vom physischen Leib abtrennen und ihn überdauern?
Das deutet auf die Mystik, die – nicht immer – eine gewisse Bildhaftigkeit erreicht und oftmals nur Glaube ist. Die Verstorbenen, gleich welchen religiösen Lebensinterpretationen sie anhingen, haben niemals Beweise für die These erbracht, dass sich im finalen Ereignis der Geist von der Physis absondert. Wir glauben nur, dass es so ist.
Was ist reine Erfahrung im Gegensatz zu unreiner Erfahrung?
Doch es gibt negative und positive Erfahrungen. Hierin ist wiederholt das bipolare Prinzip enthalten, das aus dem Negativen seinen Gegensatz entwickelt, das Positive. Nimmt man das Negative weg, sodass es nur eines, das Positive, gibt, muss man zur Analyse übergehen, um wenigstens dies eine zu bewahren. Dann gibt es nur noch Beschreibungen ohne Logik.
D. T. Suzuki (Die große Befreiung):
„Vielen Menschen ist die geistige Schau durch die Wolken des Nichtwissens verdunkelt.“
Das wenige Wissen, welches wir uns unter Mühsal und Opfern erworben haben, ist nur eine Ebene karger Erkenntnisse, die auf das riesige Universum des Nichtwissens hindeutet.
Reichen diese wenigen Erkenntnisse aus, um damit die eigene und einzige Welt unserer Kontrolle, unseren Notwendigkeiten zu unterwerfen?
Und siehe, wie dieser, unser Planet einen Reichtum darbietet, der auch kommenden Milliardenbevölkerungen noch wirkliches Leben anbietet.
Nicht wir unterwerfen die Welt, sondern ihr eigenes Gesetz schreibt uns den Weg durchs Leben vor. Doch der Weg durchs Leben ist uns selbst weitgehend unbekannt. Wir wissen nur um das Leben, das hinter uns liegt. Wir erkennen daraus, welches unser Weg ist und wir wissen, wohin er am Ende führt. Wir wissen nicht und wir ahnen nicht einmal, wie sehr dieser Weg mit Steinen gepflastert ist, weil wir stets und zu jeder Zeit so absurd zuversichtlich voranschreiten.
D. T. Suzuki (Die große Befreiung):
„Die vornehmste aller Illusionen ist, dass einem etwas ‚genüge‘. Sie steht hinter allen Unerträglichkeiten und vor allen Fortschritten.“
Die Selbstgenügsamkeit wird hier als Illusion bezeichnet, während sie andererseits eine doppelfaltige moralische Haltung ist, um sich selbst zu beschwichtigen oder zu loben, das heißt eine innere Vergewisserung, um Zweifel und Unsicherheiten zu unterdrücken, und zugleich suchend nach außen zum Nächsten schielt, in der Hoffnung auf unbedarfte Mitbürger, denen gegenüber man die eigenen Unsicherheiten als etwas Positives und Erstrebenswertes darstellen kann. Dieses von der Moral vorangetriebene Interesse an Rechtfertigung ist ein typisch illusorisches Verhalten in Bezug auf den Satz Suzukis; es ist eine Ersatzhandlung, die den Realitäten ausweicht und am Gegenwärtigen unauflöslich klebt. Der natürliche und schrittweise Fortgang des Lebens wird durch ein Illusionsintervall für einen kleinen Augenblick unterbrochen wie ein Schluckauf!
Der Unterschied zwischen Ganzheit, Vollständigkeit und Vollkommenheit:
Vollständigkeit bezieht sich auf Sachen und Dinge und … geistige Gegenstände und deren Entstehen.
Vollkommenheit bezieht sich auf die Ausgestaltung bis zu einer letztendlichen, nicht mehr erweiterbaren Form, wie zum Beispiel die Form eines Eies oder einer Kugel. Daneben steht als Beispiel die scheinbare Vollkommenheit des Menschen, sowohl von innen als auch von außen betrachtet. Sie kann nicht nur, sondern muss verändert werden – und besonders von innen her. Man wird sehen, wie aufgrund der inneren Wandlung sich daraufhin auch das Äußere des Menschen wandelt. Der Mensch mit all seinen charakterlichen Missbildungen ist nach wie vor eine verunglückte Spezies auf dem Wege einer undefinierten Vollendung.
Eines ist sicher – für das letzte Ziel der Vollendung lässt die Natur uns sterben und vergehen, um durch stetige Erneuerung dieses Ziel, voraus und noch in weiter Ferne, zu erreichen.
Fällt das Erreichen der Unsterblichkeit mit dem Ende unseres Planeten zusammen, wäre die ontologische Entwicklungsreihe der Natur bis zur Unsterblichkeit nur ein aufwendiger Versuch. Wie schön, dass wir weit vor diesem Endstadium leben und an unseren illusorischen Vorstellungen – vorläufig – festhalten können.
Das Leben zwischen diesen beiden Fixpunkten – nach der Geburt und das Dahineilen vor dem Tod – ist eine, noch nie woanders geschaute, riesenhafte und dem Universum gleichende Illumination, welche die Menschheit ins Licht setzt, wie das Flutlicht in einem Sportstadion.
Wie viele arme Geister in der Welt gibt es, die durch eine Uniform und durch Attribute mörderischer Waffen erst eigene Persönlichkeit empfinden. Fehlende Einsichten und verweigerte Verantwortlichkeiten der Regierungen, die aus Unverstand heraus die Welt in Brand stecken, bewirken das entgegengesetzte Tun der Menschen. Der Ausgleich, den sie untereinander betreiben, erzeugt das verantwortliche Handeln der übrigen Menschen, die sich nach Vernunft, nach sozialer Vermittlung und nach humanem Ausgleich sehnen – es sind die Grundlagen, die diesen Planeten zum Leuchten bringen. Die humane Gesinnung darf nicht nur das Salz in der Suppe, sondern muss die bekömmliche Suppe selbst sein.
Ich weigere mich anzuerkennen, dass nur die Unbedenklichen und die skrupellosen Verbrecher erfolgreich erscheinen, sie sozusagen auf den ersten Blick erfolgreicher sind, als die sich verantwortlich und mit Bedacht verhaltenden Bürger, die einzig ihre Notwendigkeiten zu ordnen suchen, um den täglichen Broterwerb zu sichern. Der oben genannte Übeltäter wertet seine ethisch fragwürdige Haltung höher als der sich verantwortlich zeigende Mensch, der es vermeidet, eine negative Konsequenz in das Leben anderer einzupflanzen. Dem skrupellosesten Ganoven, als Konsum- und Machtidiot, fehlt diese Auffassung völlig, das heißt er ist nicht in der Lage sich in ideellen Anschauungen zu äußern, sondern nur in Machtkategorien, die er den anderen wie ein großes Bettlaken überstreift. Der humane und soziale Austausch zwischen den Menschen wird dadurch gestört, ja vielleicht sogar unterbunden.
Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind in der Regel das, was einer dem anderen antut. Das ist die dunkle Seite des menschlichen Charakters, von dem die helle Seite genau das Gegenteil ist. Erst dann, wenn der eine sich um den anderen sorgt, beginnt der gemeinsame Aufbau, der beiden Erfolg verspricht.
Man sagt, im Wein liege Wahrheit – ist das wahr?
Ein Gedicht
Wenn ich ein Vöglein wär‘
und nur einen Flügel hätt‘
würde ich nur – alles weitere beiseite lassend –
etwas fliegen lassen.
Weil es aber nicht kann sein
und ein Vogel zumeist zwei Flügel hat
würde ich – alles weitere beiseite lassend –
nun doch zu dir fliegen.
Ein Kôan (Buddhistisches Lehrgedicht)
Kugel weich wie Schnee,
gespannte Bogensehne – leer,
ein weißer Pfeil über aufwärts fließenden Gipfeln
der ersten Morgenröte.
(Welche Wirklichkeit ist dahinter verborgen?)
... eine neue Variante:
Kugel weiß wie Schnee,
leer gespannte Bogensehne,
ein weißer Pfeil über aufwärts fließenden Gipfeln
der erstletzten Morgenröte.
(Welche Wirklichkeit zeigt sich jetzt?)
Einfalt ist das Anschauungsbild des alten chinesischen Bauern, der auf der Suche nach seinem Büffel unbemerkt auf diesem herumreitet. (Bi-Yän-Lu)
Das unverhoffte Wiederaufscheinen des „hermetischen Charakters“ (Unamuno)!
Wo?
Die Tage fließen leicht unangenehm dahin, bis nichts mehr übrig bleibt.
Wenn die Hohepriester den Mund zur Predigt öffnen, warum fliegen die Goldkörner wie Fliegen in ihren Mund?
In der Zen-Malerei muss selbst ein einzelner Stein so gemalt sein, dass seine Wiedergabe den „Puls des Lebensgeistes des Steines“ widerspiegelt. Ein Hinweis auf das Leben eines Granitsteines. Er hat eine Lebensdauer, die von seiner Manifestation bis zur Verwitterung führt, da der Stein zu Sand zerfällt. Der Stein hat eine gewisse Dauer, eine äußere Grenze (Haut) und ein Volumen. Er verändert sich zu seinem direkten Gegensatz im Verfall. Er offenbart die Grundkriterien des Seins mit seiner Entstehung, mit einem eigenen, für sich dastehenden Selbst, das eine innere Dimension aufzeigt, und seine Veränderung und Wandlung in der Zeit, die für dieses Selbst einen anderen Zeittakt annimmt, der sich dem Wesen der Materie des Steines angleicht.
Ist aufgrund dieser Merkmale der Stein ein lebendes Wesen?
Das Leben ist eine Aufforderung und eine Berufung, am Auslese- und Verbesserungsverfahren des Natur- und Seinsgesetzes teilzunehmen. Dies impliziert neben anderen Pflichten, dass man keinen Scherz mit dem Leben treiben soll.
Das zeitgemäße Intervall oder das Intervall der Zeit, welches das Noch-nicht und das Nicht-mehr ausfüllt, das unser Leben darstellt und das relative und vorläufige unserer Existenz durchscheinen lässt.
