Ingo - Waisenkind - Hendrik Jakobsen - E-Book

Ingo - Waisenkind E-Book

Hendrik Jakobsen

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Beschreibung

Nachdem Ingos Eltern vor dessen Augen ermordet werden, wird er in ein Kinderheim gesteckt. Als er es an seinem 18. Geburtstag verlassen darf, beginnt er ein Leben fern jedweder Moral und Anstand. Außerdem möchte er den Mord an seinen Eltern rächen, für den er seiner Schwester die Schuld gibt. Am Ende steht sein Neffe an der selben Stelle, wie Ingo. (Aus Geschichten des Alltags - 8 Kurzgeschichten über Männer, Frauen, Kinder)

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Seitenzahl: 102

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Hendrik Jakobsen

Ingo - Waisenkind

Sozialdrama

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Ingo - Waisenkind

Impressum neobooks

Ingo - Waisenkind

Hendrik Jakobsen

Ingo - Waisenkind

Originaltitel: Ingo (Gewalt, Drogen, Sex)2

1. Vorgarten der Familie Schmitt. Tag.

1997.

Im Hintergrund hängt die Mutter (36) Wäsche an die Leine und im Vordergrund spielen der Vater (37) und Ingo (10) Fußball; Alle tragen zeitgemäße Kleidung; Vogelzwitschern ist zu hören.

Vater:

Los, Ingo! Steilpass!

Ingo:

Tooooor!!

Vater:

Gut, mein Junge!

(Sie klatschen sich ab)

Ingo:

Mama! Hast du das gesehen?

Mutter:

Ja, Ingo! Das hast du ganz toll gemacht!

Ingo:

Jetzt du, Papa! Ich spiele dir jetzt einen super-duper-mega-Pass und dann wirst du die Weltmeisterschaft gewinnen!

Vater:

Okay, mein Junge. Ich laufe los und du spielst mir den Ball zu.

Ingo:

Achtung, Papa! Jetzt kommt mein super-duper-mega-Pass!

Als der Vater das Tor trifft, lässt sich Ingo auf die Knie fallen und reißt die Arme hoch. Dabei jubelt er laut.

Ingo:

Super, Papa! Wir sind Weltmeister! Wir sind Weltmeister!

Vater:

Komm her, Partner!

Ingo:

(Er umarmt seinen Vater)

Das war toll! Du bist der beste Vater der Welt!

(Er dreht sich zu seiner Mutter um)

Mama hast du das gesehen! Wir sind Weltmeister!

Mutter:

Ja, das war ein Spitzentreffer! Du hast den Ball aber auch hervorragend zu deinem Vater geschickt!

Ingo:

Aber Mama! Das heißt doch Pass! Ich habe Papa den Ball gepasst!

Mutter:

Alles klar, mein Engel. Das war ein toller Pass!

Ich gehe jetzt ins Haus und mache das Abendessen. Ich rufe euch, wenn ich fertig bin.

Ingo:

Alles klar, Mama! Komm, Papa! Wir müssen unseren Titel verteidigen!

Vater:

Okay, mein Junge. Ich trinke nur mal kurz einen Schluck Wasser.

Mutter:

Du solltest auch was trinken, mein Kleiner. Sonst trocknest du mir noch aus!

Ingo:

Ja, Mama!

Was ist das für ein Vogel, Papa?

Er zeigt auf einen Specht, der gerade dabei ist ein Loch in den Baum, der rechts vor dem Haus steht, zu schlagen.

Vater:

Das ist ein Specht.

Ingo:

Und warum macht der Specht den Baum kaputt?

Vater:

Der Specht macht den Baum nicht kaputt. Er baut eine Höhle für sich und seine Familie.

Ingo:

Und warum baut er nicht einfach ein Nest, wie die anderen Vögel?

Vater:

Das ist bei Spechten eben so.

Ingo:

Und wieso?

Vater:

Weil ... nun ja ... weil sonst nicht genügend Platz auf den einzelnen Bäumen wäre. Darum bauen die Spechte sich Höhlen, damit die anderen Vögel sich Nester bauen können.

Ingo: (stolz)

Du weißt wirklich alles, Papa! Du bist der beste Papa der Welt!

Der Vater legt seinen Arm um den Sohn und streichelt ihm über den Kopf. Er und Ingo gehen zur Haustür, wo eine Flasche Wasser und eine Flasche mit Orangensaft stehen.

In diesem Moment kommt die Mutter zur Haustür, zuerst lächelt sie zufrieden, dann sieht sie erstaunt zur Gartentür, wo gerade ein Motorrad vorfährt.

Auf dem Sozius sitzt die 16-jährige Tochter der Familie, ohne Helm. Anna steigt total betrunken von dem Motorrad und gibt ihrem Freund einen Kuss. Dabei schwankt sie hin und her. Dann wankt sie laut kichernd auf dem schmalen Pfad zur Haustür. Der Vater macht ein ernstes Gesicht, steht auf und geht ihr entgegen. Die Mutter stellt den leeren Wäschekorb auf den Boden und geht ebenso auf die 16-jährige zu. Diese beugt sich nun über einen kleinen Busch, der rechts am Wegrand steht, und übergibt sich. Die Eltern stellen sich neben ihre Tochter. Nachdem sie sich fertig erbrochen hat:

Vater: (energisch)

Junge Dame! Kannst du mir bitte mal erklären, was hier los ist? Wieso kommst hier völlig betrunken, auf einem Motorrad sitzend, und noch dazu ohne Helm, mit einem fremden Kerl an, der nicht mal so viel Anstand hat, dich zur Tür zu begleiten?

Anna: (völlig fertig)

Ach! Lass mich doch in Ruhe! Mir ist ... mir ist ...

Sie beugt sich erneut über die Hecke und übergibt sich. Der Vater verdreht die Augen und sieht zu seiner Frau. Dann ist Anna fertig mit erbrechen. Der Vater greift sie an ihrem Arm und zieht sie Richtung Haustür.

Vater: (energisch)

So, und jetzt kommst du mit, junge Dame!

Freund:

He, Alter!

Er zieht eine Eisenstange aus seiner Jackeninnentasche und geht flotten Schrittes auf den Vater zu.

Vater:

Was?

Freund:

Du lässt sofort meine Schnalle los!

Ingo:

He! Du lässt gefälligst meinen Vater in Ruhe, du Punk!

Mutter:

Ingo!

Freund:

Sag deinem kleinen Bastard, dass er die Klappe halten soll, oder ich mach ihn platt!

Vater:

Wie reden Sie denn mit meiner Frau?

Freund:

Hast du irgendein Problem, Alter?

Er hält dem Vater die Eisenstange ans Kinn.

Vater: (kleinlaut)

I ... ist ja gut. G ... ganz ruhig. Dann wird sich schon alles klären.

Freund: (drohend)

Du lässt meine Schnalle in Ruhe! Hast du das verstanden, Alter?

Vater: (kleinlaut)

I ... ist gut. Kein Problem.

Die Mutter nimmt Anna in ihre Arme und führt sie und Ingo ins Haus.

Freund:

Wenn Anna sich noch einmal bei mir über dich beschwert, komme ich wieder und mach dich einen Kopf kürzer! Hast du das verstanden, Alter?

Vater: (zögerlich)

Ja!

Freund:

Na dann sind wir ja klar!

Der Freund geht zu seinem Motorrad und fährt weg. Der Vater sieht ihm kopfschüttelnd hinterher, reibt sich das Kinn und geht dann ebenfalls auf die Haustür zu.

2. Einkaufsstraße/Fußgängerzone. Tag.

1 Tag später:

Mutter und Vater gehen an einem Schaufenster vorbei und sehen hinein.

Mutter:

Sieh mal. Diese Schuhe wollte ich schon seit einem halben Jahr haben!

Vater:

Welche?

Mutter:

Die Roten für 119 Mark. Die haben früher 369 Mark gekostet.

Vater:

Die würden gut zu deinem hellbraunen Abendkleid passen!

Mutter rümpft die Nase.

Vater:

Was?

Mutter: (sieht sich um)

Wo ist denn Ingo?

Ingo steht auf der anderen Straßenseite, vor einem Spielwaren-geschäft.

Freund: (laut)

He, Alter!

Vater: (erschrocken)

Oh, nein!

Mutter: (ängstlich)

Was wollen die denn?

Die Gruppe besteht aus acht Männern, die alle schwarze Lederkleidung tragen und entweder eine Eisenstange, einen Baseballschläger oder eine Eisenkette in ihren Händen halten. Des weiteren haben vier von ihnen eine etwa halbvolle Whiskeyflasche in der anderen Hand und einer hat einen Joint im Mund.

Freund: (laut)

Hast du meiner Schnalle Hausarrest gegeben?

Er rempelt den Vater an.

Vater: (angewidert)

Sie sind ja völlig betrunken. Was sind Sie bloß für ein Mensch?

Freund:(provozierend)

Was sind Sie bloß für ein Mensch!? Bab, bab, bab, bab. Hört euch den alten Sack an! Sie sind ja völlig betrunken, bla, bla, bla!

Vater:

Ich werde meiner Tochter jedenfalls nicht mehr erlauben Sie zu treffen, junger Mann!

Freund: (laut)

Waaaas?

Er schlägt mit seinem Baseballschläger die Schaufensterscheibe des Schuhgeschäftes ein und nimmt einen großen Schluck aus der Whiskeyflasche. Vater und Mutter zucken zusammen.

Vater:

Komm, Liebling. Wir gehen.

Freund:

Ich glaube, dass da jemand eine kleine Lektion braucht - Jungs!

Die acht Männer kreisen die beiden ein.

Vater: (ängstlich)

Was soll das?

Freund:

Geben wir Ihnen eine Abreibung!

Die Acht beginnen auf die beiden einzuschlagen. Sie versuchen sich gegen die Angreifer zu schützen, indem sie sich auf den Boden knien, zusammenrollen und laut um Hilfe schreien.

Ingo dreht sich nun um, und sieht was passiert. Schnell geht er zum Tatort. Es kommen einige Schaulustige dazu. Nun würgt einer der Männer die Mutter mit einer Eisenkette.

Ingo: (schreit)

Heee!

Ingo sieht sich hektisch um, und versucht die Schaulustigen dazu zu animieren, seinen Eltern zu helfen. Als das nicht klappt, versucht er selbst aktiv zu werden.

Ingo: (laut)

Lasst meine Eltern in Ruhe!

Ingo tritt und boxt einige der Männer.

30-jähriger Schaulustiger:

Also, dieser Kleine da ist auch voll mit dabei!

40-jähriger Schaulustiger:

Ja, schlimm! Diese gewaltbereiten Assis werden von Tag zu Tag jünger! Mit sechs fangen sie an zu rauchen, mit zehn gibt es die ersten Straßenschlachten und mit zwölf fangen sie an Lehrerinnen zu vergewaltigen und Drogenpartys zu feiern!

60-jährige Schaulustige:

Ja, da haben Sie recht! Der 11-jährige Sohn meiner Tochter hat mir letzte Woche 50 Mark aus meinem Geldbeutel gestohlen!

40-jähriger Schaulustiger:

Jaja, die Jugend von heute. Es ist immer dasselbe!

Alle Umstehenden nicken bestätigend. Nun schlagen sieben Männer mit ihren Waffen gegen die Köpfe und Körper ihrer Opfer. Der Achte hebt Ingo an und wirft ihn beiseite. Dann schließt er sich seinen Kumpels an. Ingo steht sofort wieder auf und marschiert zu den Schaulustigen.

Ingo: (laut)

Wieso steht ihr nur da? Helft meinen Eltern doch! Wieso tut ihr denn nichts?

Freund:

So Jungs, ich glaube die haben genug! Gehen wir.

Im Vorbeigehen treten die Acht ihren blutüberströmten, bewusstlosen Opfern noch einmal in den Magen. Ingo sieht ihnen schockiert hinterher. Dann beugt er sich über seine Eltern und beginnt zu weinen. Er streichelt seiner Mutter über den Kopf. Die Schaulustigen beugen sich über die Familie. Dann dreht sich Ingo um:

Ingo: (laut, weinend)

Was seit ihr nur für Menschen? Wieso habt ihr meinen Eltern denn nicht geholfen? Ihr seit Arschlöscher!

Er steht auf und stellt sich gegen die Schaulustigen.

Was würdet ihr denn wollen, wenn man das mit euch macht? Sollen die Anderen dann auch nur herumstehen und gaffen? Ihr seit das Letzte! Alle! Man sollte euch alle ebenso zusammenschlagen! Euch alle! Man sollte euch den Hals abschneiden!

Nun treffen die Sanitäter und die Polizei ein.

Polizist:

So, alle die hier nichts zu suchen haben räumen jetzt den Platz.

Fünf Polizisten drücken die Schaulustigen zur Seite. Drei Sanitäter beugen sich über die Eltern und beginnen damit sie zu reanimieren, da sie bei beiden einen Herzstillstand festgestellt haben.

Ingo: (verstört, weinend)

Wie geht es meinen Eltern?

Polizist:

Komm mit, Junge! Wir gehen da rüber.

30-jähriger Schaulustiger:

(sieht mit den anderen beiden Schaulustigen dem Jungen hinterher)

So ein asozialer Punk!

40-jähriger Schaulustiger: (bestätigendes nicken)

Mit dem werden die Grünen noch viel Spaß haben!

3. 1997 – 2005.

Die Reanimierung der Eltern misslingt.

Ingo kommt in ein Waisenhaus, wo es ihm schlecht ergeht.

Juli 1998: Einer der Betreuer besucht Ingo in einigen Nächten, greift unter der Bettdecke zwischen seine Beine und vergnügt sich.

Januar 1999: Drei Betreuer feiern mit viel Whiskey ins neue Jahr, gehen dann zu Ingo und vergnügen sich mit ihm, was von hier an regelmäßig passiert.

April 2000: Einer der Betreuer erhält 500 Mark von einem etwa 50 Jahre alten Mann, der dann Ingos Zimmer betritt. Der Betreuer hält davor Wache.

September 2000: Ingo und einige andere Waisenkinder stehen im Waschraum und werden von einem Betreuer mit einem Wasserschlauch abgespritzt.

Mai 2002: Die drei Betreuer werden von der Polizei überwältigt und dann abgeführt.

Februar 2004: Zeitungsschlagzeile: Wegen eines Formfehlers werden Andreas S., Mario B. und Stephan S., die Kinderschänder vom St. Johannes Waisenhaus, frei gesprochen!!

4. St. Johannes Waisenhaus. Büro des Leiters. Tag.

März 2005

Zimmermann:

So, Herr Schmitt. Sie werden heute 18 Jahre alt und somit ist ihr Aufenthalt in unserem Haus beendet. Ab heute müssen Sie die Verantwortung für Ihr Leben selber tragen. Ich habe hier Ihre Unterlagen zusammen gesucht und ich würde Sie nun bitten, hier zu unterschreiben.

Er reicht Ingo den Ordner und das Blatt mit seinem Entlassungspapier rüber.

An den Stellen mit den "X" müssen Sie unterschreiben. Wir haben Ihnen einen Termin bei einer Berufsberaterin und bei der Bank Ihrer Eltern gemacht, um Ihnen eine schnellere Eingliederung in die Gesellschaft zu ermöglichen.

Ingo:

Hier soll ich unterschreiben?

Er dreht das Blatt so, dass Zimmermann es lesen kann.

Zimmermann

Oh nein!

(lacht kurz)

Da ist mir ein kleiner Fehler passiert.

(lacht wieder kurz)

Ingo: (ernst)

So wie bei der Einstellung des einen oder anderen Betreuers?

Zimmermann schweigt schockiert.

Ingo:

Ist schon gut. Jeder macht mal einen Fehler.

Zimmermann: (kleinlaut)

Sie müssen eine Zeile untendrunter ... untendrunter unterschreiben. Bitte.

Ingo: (ernst)

War es das dann?

Zimmermann:

Nicht ganz, Herr Schmitt! Unser Doktor Brüller möchte sich noch kurz mit Ihnen unterhalten.

(In die Sprechanlage auf dem Schreibtisch)

Fräulein Brüller! Sie können Doktor Brüller nun hereinbitten.

Frl. Brüller: (durch Sprechanlage)

Der Doktor kommt sofort. - - Kannst du ihn bitte Fragen, ob ich morgen eine Stunde früher gehen könnte, Papa?

(Zimmermann schüttelt verzweifelt mit dem Kopf.)

Ingo:

Was ist denn nun mit der Wohnung, die Sie für mich organisieren wollten?

Zimmermann:

Ach so, ja! Hier haben Sie die Adresse. Der Hauswirt heißt Blume. Er wohnt auch in dem Haus. Sie müssen nur bei ihm klingeln ...

Ingo: (ernst)

Danke!

(Der Doktor betritt das Büro.)

Dr. Brüller:

Guten Morgen, Herr Zimmermann! Herr Schmitt!

Ingo:

Guten morgen, Doc!

Zimmermann:

Guten morgen, Doktor Brüller!

Dr. Brüller: