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Die Arzthelferin Silvia fühlt sich nach einer gescheiterten Beziehung allein. Gut, dass gerade ihre Freundin Melanie wieder in der Stadt ist. Um mit Melanie zusammen zu sein, geht Silvia mit in eine Meditationsgruppe. Dort ist alles anders, als sie erwartet hat. Und Gelegenheiten, Männer kennenzulernen, gibt es auch...
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Seitenzahl: 65
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
„Ihre Versichertenkarte, bitte.“
Die Arzthelferin Silvia lächelt den neuen Patienten freundlich an. Vertrauen erwecken, willkommen heißen, würde ihr Chef sagen. Genau so wünscht Uwe Baumann, dass neue Patienten behandelt werden.
„Hier bitte.“ Der junge Mann gibt ihr die Karte und blickt sie an. Ihm gefällt, was er sieht. Silvia hat dunkelbraune, lockige Haare, die zwar zurückgesteckt sind, aber einige vorwitzige Strähnen machen sich selbständig und umrahmen das hübsche Gesicht. Das Schönste aber sind die Augen, die dunklen, strahlenden Augen. Er schätzt sie auf etwa 30 Jahre.
„Nehmen Sie doch noch im Wartezimmer Platz, Herr Becker.“ Silvia hat schon bemerkt, wie er sie angesehen hat.
Die Praxis ist straff durchorganisiert. Es sind drei Arzthelferinnen da, die Hand in Hand zusammenarbeiten. Jeder Patient wartet im Flur, bis eine von ihnen frei ist. Dazwischen kommen Telefonate, Laborbefunde, Blutabnahmen, ...
Das Telefon klingelt, eine Frau möchte ein Rezept bestellen.
„Carvedilol 12,5, bitte.“ Silvia schaut in den Computer, findet die Patientin und das Medikament.
„Das mache ich gleich fertig. Kommen Sie aber bitte in der nächsten Stunde vorbei. Länger sind wir nicht da.“
„Gott sei Dank.“, denkt Silvia. Es ist Freitag Nachmittag. Bald ist Feierabend. Ausruhen, meinen Gedanken nachhängen, vielleicht telefonieren, fernsehen, oder …
„Herr Becker, bitte.“ Der letzte Patient für heute. „Wie der mich ansieht“, denkt Silvia. Aber für meinen Geschmack ähnelt er meinem Exfreund Tim viel zu sehr. Und wenn ich an den schon denke, verliere ich das Interesse an allen Männern. Und zwar gründlich. Thomas Becker hat mittelblonde Haare – wie Tim – und blaue Augen – wie Tim – und er grinst frech – wie Tim.
Silvia ist in Gedanken, während sie weiter Routinearbeiten in der Praxis erledigt.
Sie seufzt und denkt: „Tim ist ein Thema, das mir aber auch jede gute Laune verderben kann. Auch wenn ich mich noch so bemühe, das zu vergessen, es ist einfach noch zu frisch. Vor genau fünf Wochen habe ich entdeckt, dass er mich betrügt. Und das, obwohl ich so viel für ihn getan habe. Er hat bei mir gewohnt, gegessen und sich noch meistens bedienen lassen. Weil er gerade eine schwierige Phase durchgemacht hat. Weil er gerade so viel Pech hatte. Weil ihn gerade jemand übers Ohr gehauen hatte. Nur leider dauerte das „gerade“ eineinhalb Jahre.
Also eigentlich hätte mir nichts besseres passieren können, als dass ich ihn mit dieser Christa erwischt habe, weil ich zufällig mal früher nach Hause kam. Leider kann ich das noch nicht so sehen.
Mein Verstand sagt : „Mensch, sei doch froh, dass du ihn los bist.“
Aber mein Gefühl sagt: „Also, mir wäre es lieber gewesen, ich hätte Schluss gemacht. Ihm ein Ultimatum gestellt: Wenn du dich bis zu diesem Datum nicht änderst, mehr im Haushalt machst, dich mehr einbringst, dir mehr Mühe gibst, dann ...
Aber das habe ich nicht getan. Ich nehme es mir selbst übel. Vielleicht bin ich mehr auf mich selbst sauer als auf ihn.“
Der Patient kommt wieder aus dem Sprechzimmer. Er grinst Silvia schon wieder an. Die Frau mit dem Rezept ist gerade da. Bevor der junge Mann geht, sagt er zu Silvia – und fixiert sie dabei mit einem Blick, von dem er vermutlich selbst denkt, dass er unwiderstehlich wäre: „Na, bald Feierabend? Gehen wir zusammen noch was essen? Oder trinken?“
Doch leider ist der Blick doch nicht unwiderstehlich und der Typ ist ihr zu aufdringlich. Die Patientin schaut auch schon ganz komisch. Sie weiß gar nicht so recht, wie sie sich jetzt verhalten soll. Sie muss doch am Arbeitsplatz immer freundlich bleiben.
Silvia fällt nichts anderes ein als: „Tut mir leid, ich habe heute Abend schon was vor.“
„Wie blöd,“ denkt sie. „Jetzt meint er, dass ich ein andermal mit ihm ausgehen würde. Also, ich muss eindeutig besser reagieren und deutliche Signale setzen, das nehme ich mir vor.“
„Na, vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal.“, meint der Patient. Genau wie sie befürchtet hat.
„Aber bis dahin habe ich mir eine bessere Strategie überlegt.“, denkt Silvia.
Mit ihrer Kollegin Martina macht sie noch Ordnung. Dr. Baumann ist da sehr penibel. Alles muss genau da sein, wo es sein soll. Alles greifbar, alles korrekt. Nur dann kann eine Praxis richtig laufen. Beide machen etwas müde, aber routiniert ihre Arbeit, räumen Utensilien weg, sterilisieren Instrumente, archivieren Unterlagen. Dann ist es endlich soweit. Feierabend und Wochenende!
Silvia und Martina gehen zusammen zum Parkplatz. Silvia steigt in ihren magentafarbenen Ford Fiesta.
„Tschüs und schönes Wochenende!“
Dann ist sie im Auto allein. Sie schaltet das Radio an.
„I just need a little bit love,
You just need a little bit love,
and it makes me crazy
how I need you baby ...“
Nein, das ist doch nicht zum Aushalten! Das nervt! Sie fährt in ein Wochenende ohne private Pläne, ohne Partner, ohne Verabredung und möchte jetzt keine Liebeslieder hören. Dann eben gar keine Musik. Sie schaltet das Autoradio aus.
Was kann sie machen? Eben noch freudig über das beginnende Wochenende, entsteht in ihr eine große Leere. Ihr wird bewusst, dass sie nach dem Ausruhen in ihrer Wohnung sitzen wird und sich allein fühlen wird.
Soll sie zu ihren Eltern fahren? München ist doch ein bisschen weit von Karlsruhe entfernt und die Fahrt ist anstrengend. Oder versuchen, sich mit einer Freundin zu treffen? Die Situation ist noch relativ neu für sie. Eigentlich sind alle Freundinnen mit jemandem zusammen und es macht ihr nicht so viel Spaß, als Anhang mitzugehen. Besser als zu Hause zu bleiben ist es doch bestimmt? Ach, keine Ahnung.
Aber deswegen mit jemandem auszugehen, der ihr nicht so gefällt, so wie dieser Markus Becker? Sie fühlt sich noch zu unsicher, zu verletzlich, um so eine Situation unbeschadet zu überstehen. Und überhaupt. Was bringt es denn, auszugehen, wenn man dann keinen Spaß hat, keine lustigen Gespräche führt, sich nicht hingezogen fühlt zu dem anderen? Nur um nicht allein zu Hause zu bleiben? Das ist kein gutes Gefühl.
Der Berufsverkehr ist wieder mal heftig. „Konzentrier dich, Silvia“, denkt sie. „Zu Hause auf der Couch mit einem schönen Film wird es dann gemütlich.“
Ihre kleine Wohnung liegt am Rand der Stadt Karlsruhe, in einer ruhigen Straße. Es ist eine Altbauwohnung im ersten Stock, die Straße wird von großen Bäumen gesäumt. Sie hat ihre Wohnung nach ihrem Geschmack eingerichtet, auch wenn noch einige Sachen da sind, die an Tim erinnern: Ein Motorradfoto am Kühlschrank – das sollte sie mal abmachen – und ein Männershampoo im Bad – das will sie aufbrauchen – und die Kaffeemaschine, die er unbedingt haben wollte, weil der Kaffee viiiiel besser schmeckt – das stimmt ja wirklich.
Sie geht die Treppe hinauf in den ersten Stock, schließt die Tür auf - und freut sich, dass der AB blinkt!
„Na also, wenigstens habe ich Freunde.“, denkt Silvia.
„Hier ist der Anrufbeantworter von Silvia Gabelmann. Nein, leider bin ich nicht da. Aber ich will unbedingt wissen, wer da angerufen hat, also sprecht bitte auf meinen AB.“ Piieep.
„Hallo Silvia, hier ist die Melanie. Ich habe eine Überraschung für dich. Ruf mich doch auf dem Handy zurück, mehr verrate ich nicht. Tschüss!“
„Wow, Melanie ruft an. Von der habe ich schon lange nichts mehr gehört. Das ist jetzt genau die richtige Medizin gegen meine trüben Gedanken.“, denkt Silvia.
Sie hat noch einen Rest Spaghetti mit Soße von gestern. Den macht sie sich warm, macht sich einen Salat dazu und gießt sich ein Glas Rotwein dazu ein. Nach dem Essen will sie Melanie anrufen.
