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Ink Trouble ist eine Zusammenfassung von Kurzgeschichten, die auf Erlebnissen im Tattoostudio-Alltag basieren. Teils witzig, teils nachdenklich erzählt die Autorin von ihrem Tagesablauf. Dieses Buch bietet informative Einblicke hinter die Kulissen und ist somit sowohl für Anhänger der Körperkunst als auch für die, die es vielleicht mal werden wollen, geeignet.
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Seitenzahl: 187
Veröffentlichungsjahr: 2020
„Wenn alles geschrieben ist, was bleibt es noch zu sagen.“
– Susa Renn –
Susa Renn ist seit 2009 erfolgreich im Tätowiergewerbe mit einem eigenen Studio tätig.
Die gebürtige Arnsbergerin ist im Ruhrgebiet aufgewachsen und war immer in kreativen Berufszweigen unterwegs.
Der Umgang mit vielen verschiedenen Persönlichkeiten macht ihr auch nach über 10 Jahren in der Branche jeden Tag noch viel Freude.
Der Entschluss zu einem eigenen Buch entstand schon im ersten Jahr nach Studioeröffnung.
Die mehr oder weniger komischen Erlebnisse bestimmen Susa’s Alltag. Dennoch liebt sie ihren Beruf und hofft, den ein oder anderen zum Schmunzeln zu bringen und gleichzeitig etwas Aufklärungsarbeit zu leisten.
Das Buch gibt Tätowierten und Untätowierten interessante Einblicke und wirbt für mehr Toleranz und Akzeptanz in der Gesellschaft.
Vorhang auf und Bühne frei… Viel Spaß beim Lesen!
Einblicke in den Arbeitsalltag eines Tattoostudios im Ruhrgebiet
Ink Trouble
Erstausgabe 2020
© 2020 Susa Renn
Erste Auflage
Umschlaggestaltung, Illustration: tredition GmbH, Susa Renn
Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44
22359 Hamburg
ISBN:
978-3-347-18047-5 Paperback
978-3-347-18048-2 Hardcover
978-3-347-18049-9 e-Book
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ohne Zustimmung des Verlages oder der Autorin ist unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
1. Trouble oder Sex, Crime and Rock 'n' Roll
2. Beste Freundin oder Schmarotzer?
3. Social Media oder sind wir nicht alle
4. Missgunst oder wer die Wahl hat, hat die Qual
5. Auf der Suche nach dem 2. Mann
6. Hygiene oder Marzel, Klo gecheckt?
7. Mit Happy End oder der Flirt-Faktor
8. Frauen und Männer
9. Monsterlatte
10. Sexfaktor, Sexismus und Unterwäsche
11. Titten… Echt oder nicht?
12. Der Arsch und seine Bedeutung
13. Paulchen Panther oder Anal ist was für’n Arsch
14. Der Bachelor oder schöne Männer
15. War ich das etwa?
16. Körperflüssigkeiten oder der Ekelfaktor
17. Nur keine Hemmungen oder Amors Pfeil
18. Mein Ausflug in die Piercingwelt
19. The Black Projekt oder Ängste?
20. Unprofessionalität oder schlechte Haut?
21. Tattoos und der Jugendschutz
22. Die Dominas oder hat nicht jeder seinen Fetisch?
23. Das Tattoomotiv
24. Macho oder was letzte Preis?
25. Nachstechen oder nicht?
26. Sind denn alle verrückt geworden?
27. Männer ab 45
28. Body Modification
29. Corona oder totaler Kontrollverlust
30. Hilfe, wir werden reich!
Vorwort
Tätowierte sind auch nur Menschen.
Nur etwas bunter und geiler…
Kurzgeschichten aus dem Studioalltag einer Tätowiererin.
Einleitend möchte ich sagen, dass alle Storys frei erfunden und eventuelle Gemeinsamkeiten mit bestimmten Situationen oder Personen absoluter Zufall sind.
Das ist der Anfang vom Ende oder gleichzusetzen mit Dantes Inferno…
Als ich vor 12 Jahren beschloss, in die Kosmetikbranche einzusteigen war, mir nicht klar, dass dazu eine psychologische
Fachausbildung notwendig ist. Trouble, Hektik und Stress sind an der Tagesordnung in unserer Branche. Hinzu kommen körperliche und emotionale Anstrengung. Aber nachdem ich jetzt so lange dabei bin, denke ich jeden Tag aufs Neue, dass über meiner Studiotür auch stehen könnte:
– Tattoostudio inklusive Lebensberatung –
Im Laufe der Jahre sind viele verschiedene Persönlichkeiten in mein Leben getreten, die mich mehr oder minder geprägt haben. Dennoch haben sie alle eins gemeinsam: Unter Schmerz gestehen sie ihre dunkelsten Geheimnisse und die Tattoonadel lockert ihre Zunge. Wenn ich euch meinen normalen Studioalltag schildere, dann sage ich nur wie bei Dantes Inferno:
Die, die ihr eintretet, lasset alle Hoffnung fahren!
Da das Ganze einen gewissen Unterhaltungswert bietet, werde ich die mehr oder weniger amüsanten Geschichten mit euch teilen. Falls der ein oder andere sich zufällig wiedererkennt…
Pffffff… das bildet ihr euch doch nur ein… Zuerst einmal muss ich feststellen, dass man in diesem Job kein ROCKSTAR ist, sondern dass es ein KNOCHENJOB ist, der einem immer wieder vor Augen führt, wie scheiße Menschen manchmal zueinander sind.
Tatsache ist, dass wir als Individuen mitunter doch sehr anstrengend sind und, man glaubt es kaum, ein wahnsinnig hohes Mitteilungspotenzial haben.
Aber dazu später mehr. Lasst euch entführen in eine Welt bizarrer Geschichten, die mich zu diesem Buch inspiriert haben. Danke an alle, die mir die Treue gehalten und all die Jahre hinter mir gestanden haben.
Ihr seid die Besten…
Trouble oder Sex, Crime and Rock 'n' Roll
Mit dieser Geschichte möchte ich zeigen, wie vielschichtig das Kundenklientel in der heutigen Studiowelt geworden ist.
Vom einfachen Straßenarbeiter bis hin zur Ärztin, vom ehemaligen Kriminellen über den Justizvollzugsangestellten oder der Rechtsanwältin bis hin zum Polizisten.
Die Zeiten, in denen nur fahrendes Volk, Seeleute, Ex-Knackis oder Leute aus der Musikszene Tätowierungen hatten, ist Gott sei Dank vorbei. Sich mit Tattoos zu schmücken ist gesellschaftsfähig geworden und hat sich zu einer Kunstform entwickelt, die sich durch alle sozialen Schichten zieht.
Einst als assi oder prollig verschrien, sind Tattoos heute - zumindest bei guten Künstlern - nur noch der Mittel- oder Oberschicht vorbehalten.
Je nach Künstler und Bundesland werden Stundensätze von 80 Euro aufwärts bis hin zu Tagessätzen von 1600 Euro gehandelt.
Vom Pornosternchen bis hin zur Richterin möchten sich viele mit einzigartigen Hautbildern nach eigenen Vorstellungen vervoll ständigen. Wenn so viele verschiedene Charaktere aufeinandertreffen, musst du als Studioinhaber absolut Multitasking- und sehr lernfähig sein.
Es ist wichtig, sich schnell an den jeweiligen Kunden anzupassen, damit jede Wunschvorstellung so gut wie möglich umgesetzt werden kann.
Da hier pausenlos Trouble herrscht, ist es normal, dass einem hin und wieder der Kopf raucht und es manchmal nicht so leicht ist, allem gerecht zu werden.
Ich liebe meinen Job, der kreativer nicht sein könnte und der Umgang mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten befriedigt mich jeden Tag aufs Neue. Ich bin unendlich glücklich, dass ich diesen Weg hier mit euch gegangen bin.
Es gibt aber doch Momente, in denen Fremdschämen absolut angesagt ist.
Beispielsweise wenn das Pornosternchen der Frau Richterin begegnet und damit zwei gesellschaftliche Welten aufeinanderprallen.
„Mein Gott, dieser verfickte Job kotzt mich an. Ich bin schon wieder wund und kann keine Schwänze mehr sehen!“
Das als Begrüßungssatz beim Reinkommen ist schon harter Tobak.
Die Gerichtsbarkeit im Wartebereich zieht pikiert die Augenbrauen hoch und du als Inhaber beeilst dich, eine Brücke zu bauen. Keiner soll sich vom anderen abgestoßen fühlen und zu 95 Prozent meistere ich das ganz gut.
Wenn ich dann mal kurz den Raum verlasse und bei der Rückkehr beide in einem regen Gespräch vorfinde, denke ich immer wieder: Wie flexibel wir doch sein können.
Egal, welcher sozialen Schicht wir angehören.
So sind wir geschaffen und wenn nicht total versnobt, bringen wir alle etwas Empathie mit.
Manchmal denke ich, was soll´s, Geld verdirbt den Charakter und ich glaube, es ist tatsächlich so.
Ich kenne Menschen mit Geld, die gefühlsmäßig wirklich abgestumpft und kalt wie ein Fisch sind.
Da ist der Ruhrpott-Proll mit wenig Geld doch eher der mit dem Herz am richtigen Fleck. Und meistens auch der mit viel Liebe und Verständnis für die Gesellschaft.
Und dann noch die Gruppierung, die nichts merkt, hier ist sowieso Hopfen und Malz verloren.
Aber gerade das ist es, was den Job so reizvoll macht und mir immer wieder vor Augen hält, in was für seichten Wellen mein Leben vor sich hinschaukelt. Wie entspannt und lustig ich doch eigentlich meine Arbeitstage verbringe.
Sämtliche aktuelle Themen sind hier vertreten und eigentlich bin ich selbst ohne Nachrichten im TV dazu gezwungen, mich mit allem auseinanderzusetzen.
Von Corona bis hin zum Darknet ist hier alles mehr oder weniger dabei… Und eigentlich bin ich durch meine Kunden und Besucher immer bestens informiert, was in der Welt so passiert.
Uns Tätowierern euer Vertrauen zu schenken, was eure Haut, aber auch eure Seele betrifft, ist schon jeden Tag aufs Neue immer wieder aufregend.
Und wenn man sich dann näher kennt, freut man sich geradezu auf den nächsten Termin.
Und ich genieße jede einzelne Minute mit Euch, meine Lieben!
Beste Freundin oder Schmarotzer?
Zu Beginn meiner Laufbahn war ich doch schon sehr erstaunt, wie viele beste Freundinnen ich auf einmal hatte. Es kam schon eine beträchtliche Anzahl zusammen.
Ich wusste gar nicht, dass ich so beliebt sein kann, da ich doch eher ein launischer Mensch bin. Wenn auch immer mit einem Lächeln auf den Lippen, aber manchmal halt mies drauf.
Der Kunde ist ja schließlich König. Oder wie man immer so schön sagt: Wer ficken will, muss freundlich sein…
In meinem Leben hat eigentlich nur eine den Namen beste Freundin verdient: Das ist meine seit 40 Jahren treue Wegbegleiterin Danny (sorry, Schatz… wenn du das hier liest, mir fiel kein besserer Name ein).
Als ich also eines schönen Tages ein kleines Blümchentattoo am Fuß einer lieben Kundin vor mich hin stach, sagte diese plötzlich: „Ich soll dir übrigens liebe Grüße von deiner besten Freundin bestellen!“ Dabei zupfte sie unbeteiligt am Saum ihres Pullovers herum und wirkte tiefenentspannt.
Überrascht hielt ich inne, schaute hoch und versuchte in ihren Gesichtszügen zu lesen. Ihre Mimik ließ keine Gefühlsregung erkennen.
„Ähhh, meine beste Freundin kommt nicht von hier und wir sehen uns eher selten!“, war meine irritierte Antwort.
Ich wunderte mich über ihre Aussage.
Darauf mein Gegenüber: „Hab sie aber gestern im Stadtpark getroffen und erzählt, dass ich einen Termin bei dir habe!“
Aha, ich war doch etwas sehr erstaunt und muss wohl komisch aus dem Kragen geschaut haben.
Daher rührte wohl der Versuch meiner Kundin, mir meine beste Freundin recht anschaulich zu beschreiben.
„Sie ist blond, Ende dreißig, schmuddelig und hatte einen braunen Terrier an der Leine!“
Entsetzt erkannte ich eine andere Kundin, die ich bis jetzt zwei Mal tätowiert hatte. Sie gehörte nicht gerade zu meinen Lieblingen und doch war ich immer sehr freundlich zu ihr gewesen.
Davon abgesehen brachte ich nicht unbedingt viel Sympathie ihr gegenüber auf.
Doris, meine Kundin, meinte ganz trocken: „Hmmm… sie hat gesagt, schon lange meine beste Freundin, die Susa… Grüß mal schön von mir!“
Verzweifelt versuchte ich, das Missverständnis aufzuklären, da man ja nicht mit jedem komischen Individuum auf dieser Welt best friends sein will, aber Doris sah mich nur seltsam an.
Sie glaubte mir kein Wort. Je mehr ich mich verteidigte, desto schuldiger sah sie aus. Also schwieg ich besser.
Na toll, jetzt habe ich Dutzende von besten Freundinnen und wahrscheinlich genau so viele beste Freunde in meinem Umfeld, die ich mehr oder weniger kaum kenne. Sehr frustrierend, aber wahr…
Aber dann gibt es da auch noch die Kategorie der angeblichen Freundin, die den Kauf einer Dienstleistung mit dem Kauf deiner Freundschaft verwechselt.
Also bimmelt dann auch schon mal nachts um 0:35 Uhr dein Handy und du liest eine ellenlange Nachricht über die Sexprobleme eines Menschen, den du vielleicht gerade mal 5 Stunden kennst.
Abschließend wirst du dann noch gefragt: „Was würdest Du jetzt an meiner Stelle machen?“
Du sitzt dort mit deinem Handy und denkst: Hä…. wer zum Teufel ist das? Kenne ich die?
Nun ja, dann hast du endlich schlaftrunken die wirre Nachricht entziffert und antwortest knapp mit einem Smiley.
Dann reagiert man am anderen Ende beleidigt, aber nicht beleidigt genug, um zu so später Stunde noch nach einem Tattootermin nebst Preis zu fragen…
Natürlich wird auch der Freundschaftsbonus ins Spiel gebracht.
Herr im Himmel, das sind die Momente im Leben, in denen man sich denkt: Lass es Hirn regnen! Was stimmt mit diesen Leuten nicht?!
Anschließend ist zu sagen, dass auch noch eine Nachricht folgt, in der es dann heißt: Wir sind ja dicke Freundinnen, da kann man ja mal sein Herz ausschütten…
Fucking: NOOOOO!! Ich kenne dich nicht und mich interessieren deine privaten Probleme nicht wirklich…
Ich kann nicht den Mist der gesamten Welt mitten in der Nacht lösen!!!
Und schon gar nicht nach zwölf Uhr aus dem Tiefschlaf heraus.
Was ist mit der Menschheit nur passiert, dass die Werte einer Freundschaft nicht mehr richtig eingeschätzt werden und sich jeder, der dir drei Mal „Guten Tag“ gesagt hat, als Freund bezeichnen darf?!
Meine Schwester sagt immer: Bizarr, sehr bizarr…
Menschen sind schon seltsame Wesen. Ich gebe ihr da jeden Tag aufs Neue Recht. Begegnungen werden immer seltsamer, auch im privaten Bereich.
Die Feststellung, dass man sich im Bekanntenkreis gerne mit dir als selbständige Tätowiererin schmückt, erstaunt mich ja immer wieder.
Auf diversen Partys wirst du dann in etwa so vorgestellt:
„Das ist meine Freundin Susa, sie ist tätowiert und hat ein Studio, wo sie auch so was anbietet!
Dreh dich mal Susa, damit wir deine Tattoos sehen können!?“
Und wieder, FUCKING NO, kauft euch eine Zeitung, wenn ihr bunte Bilder sehen wollt.
Was ist nur passiert auf dieser Welt, dass die Ansichten der Leute über den guten Geschmack und höfliche Erziehung so weit auseinandergehen? Und du manchmal als seltsamer Freak gesehen wirst, nur weil du ein wenig bunter bist als andere?
Just sagte mir ein alter Jugendfreund unter dem Siegel der Verschwiegenheit:
„Ich hab mal gehört, tätowierte Frauen sind geile Säue im Bett. Stimmt das wirklich?“
Alter, was stimmt nicht in deinem Kopf?
Die Farbe geht unter die Haut und nicht ins Gehirn…
Entweder man ist eine Sau im Bett oder nicht… so what?
Was ist da los in unserer Gesellschaft, ob Freund oder Feind?!
Nun ja, zu seiner Verteidigung ist zu sagen, dass es in seinen Kreisen der oberen Zehntausend wohl nicht viele Tintlinge gibt. Dazu kommt, dass unsere Branche und bunte Körper in der Gesellschaft stark polarisieren.
Auch ist dazu zu sagen, dass sich beim Thema Freundschaft die Geister scheiden.
Man hat viele Weggefährten in seinem Leben, die kommen und gehen, aber nur wenige berühren deine Seele, bleiben für immer und dürfen sich dein Freund nennen.
Der REST steigt zu dir in den Zug und fährt ein paar Stationen mit, um etwas zu schmarotzen oder sich in deinem Abteil aufzuhalten.
Das war's dann aber auch schon…
Das Thema Freundschaft könnte ich hier bis ins Unendliche auswalzen, aber ich glaube, das muss ich nicht, da jeder mit normaler Erziehung und einem durchschnittlichen Intelligenzquotienten das genau so sieht wie ich…
Schaut euch eure Freunde genau an, denn nur wer einmal oder mehrmals im Leben auf der Schattenseite war, wird wissen, wer sich Freund oder wer sich Feind nennt.
Und das unabhängig vom sozialen Stand oder Beruf, den er oder sie ausübt.
Freundschaften gibt es nicht wie Sand am Meer, aber vorgespielte Freundschaften gibt es in der heutigen, schnelllebigen Zeit leider immer mehr.
Und wer einmal einen falschen Freund hatte, weiß, wovon ich rede.
Das sind die netten Menschen, die in deinem Fahrwasser reisen und so tun, als seist du etwas Besonderes.
Aber hinter deinem Rücken spucken sie Gift und Galle, gönnen dir die schwarzen Tintenreste unterm Nagel nicht. Manchmal erkennt man sie zu spät, aber tröstet euch, wir alle haben diese Menschen im Leben um uns.
Und leider tragen sie die Maske der Freundschaft und Loyalität so gut, dass wir es oft erst spät erkennen.
Auch da hörte ich schon den Satz: „Mit dem Wort Freundschaft gehe ich nicht leichtfertig um!“
Ob das der Wahrheit entspricht oder nicht, erfährt man meist erst zu spät.
Aber auch da heißt es: Lass dich überraschen…
Du wirst es erst erfahren, wenn du mal einen wirklichen Freund benötigst.
Dann sieht man erst das wahre Gesicht.
Social Media oder sind wir nicht alle Models?
Im Folgenden möchte ich euch meinen Standpunkt zu Facebook, Instagram, Twitter und Co. darstellen.
In der bunten, schrillen Branche des Tätowierens gibt es die, die wie Pfauen oder Rockstars schillern und sich gern selbst darstellen. Dann gibt es da noch jene, die sich über ihre Kunst definieren möchten, um der Branche etwas mehr Seriosität zu verleihen.
Ich zähle mich zu der zweiten Kategorie.
Und da sind wir schon beim Thema: die sozialen Medien sind in der heutigen Zeit nicht mehr zu ignorieren.
Es ist die einfachste Art der Werbung, die zudem noch kostenlos ist und ein riesiges Potenzial bietet.
Man erreicht ohne viel Aufwand eine wahnsinnig große Bandbreite an Menschen, die man mit seiner Arbeit neugierig machen kann.
Von meinen vielen Facebook- oder Instagram-Followern kenne ich die wenigsten persönlich, leider ist es aber als Werbemaßnahme aus dem Studioalltag nicht mehrwegzudenken.
Schade, dass gerade dort, wo man sich als Community sieht, Mobbing, Schimpf und Schande an der Tagesordnung sind.
Aber das ist ein anderes Thema, das zwar sicherlich ebenfalls erwähnenswert ist, aber nicht heute, denn ich möchte euch lieber ein Grinsen ins Gesicht zaubern. Das Leben ist schon hart genug.
Mobbing bringt uns nicht wirklich zum Lächeln.
Ich stelle immer wieder fest, dass sich viele Leute anders darstellen, als sie in Wirklichkeit sind. Manche erkenne ich aufgrund ihres Social Media-Profils gar nicht wieder.
Fakebilder sind eine Sache, aufregende Namen oder Pseudonyme eine andere. So entdeckte ich letztens einen alten Freund, dessen Name so seltsam war, dass ich dachte, er wäre jetzt Pornodarsteller.
Was soll das?
Ist uns die Anonymität so wichtig geworden, weil wir dann besser unser Unwesen treiben können?
Weil dann die Hemmschwelle niedriger ist, jemanden zu beleidigen, auf den Arm zu nehmen oder zu denunzieren?!
Seltsame Angewohnheit, sich Namen zu suchen, die niemand erkennt und mit denen man auch bestimmt anonym bleiben kann. Schön sind aber auch immer wieder die Überschriften…
Lebenskünstler für den Harzer oder Entertainer für den, der sich gerne öffentlich lächerlich macht…
Mein Favorit ist Mama und Hobbymodel.
Guckst drauf, denkst… sieht nett aus…
Kommt eine Woche später ein Mädel ins Studio und du fragst dich, wer das ist.
Kenne ich nicht, noch nie gesehen. Dann der Kommentar:
Ja, wir schreiben doch immer auf Insta:
#tattoo#inked#tattoomodell#mamaAG
Okay Leute, in meinem Kopf ist kein Programm zur Fotobearbeitung und auch wenn meine Vorstellungskraft groß ist, was sie auch sein sollte in meinem Job:
Nach 20 Filtern, aus einer Perspektive, die euch optisch 25 kg schlanker macht, kann ich nicht jeden erkennen… auch wenn ihr Model seid, so bekannt wie Klum, Katze und Konsorten seid ihr ja noch nicht.
Aber jeder hat einen Traum und den soll man ja bekanntlich nicht aufgeben. Trotzdem wäre es besser, die Bilder von euch mit ein paar Tatsachen zu würzen.
Man erkennt euch manchmal gar nicht mehr.
Wir Tätowierer sehen auf den Bildern schöne, glatte Haut und Idealgewicht… Rein kommt jemand mit Sonnenbank verbrannter Knitterhaut und 25 kg mehr auf den Rippen…
Nicht missverstehen, wir haben uns alle nicht selbst gemalt und ich bin weiß Gott weder schlank noch straff.
Aber wenn du deine Haut als Leinwand benutzt, solltest du darauf achten, dass sich das alles in einem guten Pflegezustand befindet… optische Aufhübschung bringt da nur Probleme.
Viel Übergewicht, Sonne und Falten erschweren unseren Job und machen das Arbeiten an so mancher Körperstelle einfach unmöglich.
Aber hey, Kopf hoch… immer für einen Lacher gut.
Wir stalken doch alle gern anonym unsere Mitmenschen.
Wer hat sich nicht schon darüber amüsiert, dass der ein oder andere zig Fotobearbeitungsprogramme hat und auf seinem Social Media Account wirklich einem Topmodel ebenbürtig ist?
In der Realität sieht das anders aus. Da denkt man:
Huch, ist sie das wirklich?
Sieht ja mal locker 10 Jahre älter und 20 kg schwerer aus!
Wer sagt, man grinst dann nicht selbstzufrieden vor sich hin, der lügt… LOL
Ich sage euch, steht zu dem, was ihr habt und seid.
Wenn wir alle bildschön wären, Gott, wie anstrengend für unsere Augen.
Außerdem machen einen die Fältchen des Lebens interessant.
Wir möchten natürlich positiv und jung rüberkommen und ins rechte Licht gerückt sein. Ist doch logisch, dass man seine Schokoladenseite zeigen will.
Das Thema Selfies beschäftigt uns doch alle sehr. Ich glaube, manch einer, den ich kenne und öfter nicht wiedererkenne, könnte als Dozent an der Volkshochschule arbeiten.
Thema: Die Kunst des Selfies oder wie ich Selfie-Queen werde.
Da werden wahrscheinlich 100 Bilder geschossen, bis das eine dabei ist, das man für gut befindet. Dann zwanzig Filter drüber und durch ein Beautyprogramm gejagt, das sämtliche Farben und Formen verändert. Und hoppla die hopp, da ist es schon:
Das perfekte Selfie des Tages…
Jetzt mal ganz ehrlich, wir regen uns über Politiker
im TV auf oder jene, die sich täglich im WORLD WIDE WEB profilieren, aber für unseren Bekanntenkreis soll das normal sein?
Schon morgens nach dem Aufstehen die erste glattgezogene Fratze mit dem Hashtag:
#frühstuck #derfrühevogelfängtdenwurm
Weiter geht’s mit:
#workoutoftheday #vonnixkommtnix #sommerfigur2020
Anschließend kommt:
#feierabend #gönndir #weilichskann
Und dann das nächste Bild:
#feierabend #abendstimmung #wasmachtihrdennso
And last but not least:
feiern #bestfriends #loveyouall
Dazu ein angemaltes, glattgezogenes Gesicht und ein möglichst nuttiges Outfit. Billig, willig…
Und eine 'Gute Nacht' an alle sollte echt nicht fehlen,
das wäre fatal und könnte katastrophale Ausmaße annehmen!
Ufffff… schon anstrengend, Blogger, Itgirl oder Fashionista zu sein, wenn ich beim Zuschauen schon müde werde…
Noch dazu sind es immer Bilder im gleichen Style, abgeschaut von einem prominenten Model.
Huiii… keiner mal im Jogger, mit fettigen Haaren und ungeschminkt…
Wer will das auch schon sehen, wie wir in Wirklichkeit zu Hause sitzen?
Interessiert doch niemanden…
Seltsamerweise wollte ich meine Accounts nur zu Werbezwecken nutzen, aber ein Bild von meinem Antlitz oder irgendetwas Dämliches aus meinem Privatleben bekommt einfach mehr Likes.
Selbst ein ungeschminktes Foto mit schlecht sitzender Frisur erhält immer mehr Likes als eine tolle Tattoo-Arbeit. Manchmal mache ich mir einen Jux daraus und es ist immer wieder lustig zu sehen, wie einfach wir doch alle gestrickt sind…
Vergebt mir, mea culpa, ich bin auch nur ein verkanntes Model auf der Suche nach Anerkennung… LOL.
Und auch hier wieder: Was ist los mit uns, dass wir eine Gesellschaft von Voyeuren geworden sind, die sich das Leben schön fotografiert?
Mach Insta auf und du siehst, was ich meine. Warum zum Teufel glauben wir, dass es jemanden interessiert, dass wir blaue Pfannkuchen backen oder wir meinen, Lowcarb essen zu müssen?
Haben wir so wenig in unserem eigenen Leben, dass wir alles, was wir tun, einer breiten Gemeinde mitteilen müssen?
Fehlt nur noch der Klogang, auch das hatte ich schon in meinem Newsfeed.
14.30 Uhr: Papa muss kacken.
15.15 Uhr: Habe fertig … mit Bild der Exkremente oder auch einfach „Scheisse“ genannt.
Bei dem läuft es, würd ich sagen…
Was für ein Film geht da in seinem Kopf ab, irgendetwas stimmt da nicht…
Missgunst oder wer die Wahl hat, hat die Qual?
Was soll ich sagen, die Tattoo-Branche polarisiert stark in unserer
Gesellschaft und in den Medien. Und das schon seit vielen Jahren.
Manche von uns feiern sich halt gerne und sehen das nicht als künstlerischen Job, sondern nutzen das Ganze zur kunstvollen Selbstdarstellung. Viele von uns sind einfach mehr oder minder bunte Paradiesvögel oder auch schon mal richtige Freaks.
