Innere Konflikte lösen mit Focusing - Arno Katz - E-Book

Innere Konflikte lösen mit Focusing E-Book

Arno Katz

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Beschreibung

Als Karl sein Referendariat am altehrwürdigen Descartes-Gymnasium antritt, beginnt für ihn ein echter Höllentrip. Ausgelöst durch den Zusammenprall mit der Schulwirklichkeit, plagen ihn immer wieder innere Konflikte. Und dann ist da noch seine Fachleiterin, die er einfach nicht versteht... Doch mit Hilfe von Focusing, einer bewährten Methode der inneren Achtsamkeit, gelingt es Karl, sich seinen Dämonen zu stellen und sein Leben in den Griff zu bekommen. Auf humorvolle Art und Weise begleitet der Erzähler den Leser durch die faszinierenden Schlachtfelder menschlicher Zerrissenheit und erläutert deren Dynamik und Ursachen. Außerdem zeigt er ganz konkret, wie die einzelnen Kriegsparteien in die Ganzheit des Ichs zurückgeführt werden können.

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Seitenzahl: 43

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Für meine Eltern Bärbel und Rainer in Dankbarkeit…

Inhaltsübersicht

~

Kapitel 1:

Die Existenz innerer Konflikte – ein Faktum des Lebens

Kapitel 2:

Die Dynamik innerer Konflikte

Kapitel 3:

»Wirklichkeit« und die ganzheitliche Resonanz des Körpers

Kapitel 4:

Trauma – die Zersplitterung der Ganzheit

Kapitel 5:

Zurück zur Ganzheit

Kapitel 6:

Das Ich

Zusammenfassung:

Die Lektionen

Anhang:

Danksagungen

Über den Autor

Literaturempfehlungen

Kapitel 1

~

Die Existenz innerer Konflikte – ein Faktum des Lebens

Januar 2001. Dichtes Schneegestöber. Flocken wirbeln durch die Luft, nehmen an Fahrt auf und klatschen mit Schwung gegen meine Windschutzscheibe. Die Sicht beträgt keine zwanzig Meter. Unter den Reifen das Knirschen der weißen Puderdecke. Die Welt befindet sich hinter einem wallenden Flockenschleier.

Ich genieße das neue Leben, das mich durchströmt wie frische Morgenluft, die die Schwüle einer durchzechten Nacht hinwegfegt. Ein warmer Fluss vom Bauch bis hinauf in die Brust. Ein paar Mal atme ich tief durch.

Plötzlich erinnere ich mich an mein Ziel. Angst flackert auf. Ein Blitz fährt mir in Mark und Bein und schlägt krachend dort ein, wo der warme Fluss seinen Ursprung nimmt. Tropfen springen in alle Himmelsrichtungen wie die Splitter eines zerberstenden Kristallglases. Der Fluss wird kleiner, droht zu versiegen, bis nur noch ein schmales Rinnsal wie ein dünner Faden tastend seinen Weg hinauf in die Brust sucht. Verzweifelt greife ich danach, versuche den Faden zu halten, doch er gleitet mir durch die Finger.

Dann trete ich innerlich einen halben Schritt von beiden Empfindungen zurück und erkenne sie an. Ich sage:

»Ich spüre neues Leben in mir wie ein warmes Rinnsal vom Bauch bis in die Brust. Und ich spüre etwas in mir, das Angst hat vor dem, was mich heute erwartet. Und beides ist da.«

Ich wende mich beidem zu, sowohl dem Rinnsal als auch dem, was Angst hat, und begrüße sie:

»Hallo Rinnsal! Ich spüre, du bist da. Hallo Angst! Ich spüre, du bist auch da.«

Während ich beides in meiner Aufmerksamkeit halte, gleichzeitig, schwillt das Rinnsal wieder an, wird kräftiger, strömt wieder ungehindert vom Bauch bis in die Brust. Auch für das, was Angst hat, ist Raum. Jetzt beim Autofahren kann ich dem nicht weiter nachgehen. Vielleicht später…

Ich weiß: Innere Konflikte sind ein Faktum des Lebens. Und ich kann mich ihnen entschlossen zuwenden, ohne sie zu verdrängen und ohne mich mit einer Seite zu identifizieren. Der Weg ins Freie beginnt, sobald ich den Konflikt sehen und anerkennen kann.

Im Schritttempo bahne ich mir meinen Weg durch die verschneite Welt und achte auf Orts- und Straßenschilder. Die Schneeberge am Fahrbahnrand werden höher und höher. Falls ich steckenbleibe, habe ich immerhin mein Handy, um Hilfe zu rufen. Inzwischen habe ich mich ein wenig an meinen neuen Begleiter gewöhnt. Ist ganz praktisch, andere immer erreichen zu können, wenn ich das will. Selbst immer erreichbar zu sein bereitet mir jedoch nach wie vor Unbehagen.

Endlich entdecke ich die richtige Straße. Vorsichtig biege ich rechts ab und fahre einen Berg hinauf. Gott sei Dank ist hier gestreut! Wie durch ein Wunder komme ich gerade noch rechtzeitig an.

Mit schlotternden Knien stehe ich im großen Saal des Studienseminars für angehende Lehramtsreferendarinnen und Lehramtsreferendare. Wir versammeln uns im Halbkreis um den Leiter des Seminars. Neugierig lasse ich meinen Blick von links nach rechts schweifen. Ein paar Gesichter kenne ich noch aus dem Studium. Am anderen Ende des Saals sehe ich Michael, mit dem ich einige Male gemailt habe, als ich noch in Spanien lebte. Ich nicke ihm freundlich zu und er nickt zurück. Wir sind der erste Jahrgang von Referendarinnen und Referendaren, der im neuen Jahrtausend seinen zweijährigen Vorbereitungsdienst antritt.

Feierlich spricht uns der Leiter des Seminars vor:

» Ich schwöre, dass ich das mir übertragene Amt nach bestem Wissen und Können verwalten, Verfassung und Gesetze befolgen und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.«

Ebenso feierlich sprechen wir ihm nach. Den letzten Satz darf man weglassen und einige machen von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Während ich wiederhole, denke ich noch über den ersten Satz nach: »Nach bestem Wissen und Können« heißt ja nicht viel. Sofort fallen mir ein paar meiner eigenen Lehrerinnen und Lehrer ein, die stets nach bestem Wissen und Können gehandelt haben. Doch leider wussten und konnten sie nicht allzu viel. Immerhin haben sie uns gut verwaltet.

Durch die aufsteigenden Erinnerungen komme ich beim Nachsprechen etwas ins Schlingern. Soll ich den letzten Satz sagen oder nicht? Glaube ich eigentlich an Gott? Super Moment, um das zu klären!

Irgendwie verhaspele ich mich dann und sage: »So wahr mir Hott gelfe.« Glücklicherweise sprechen wir im Chor und keiner hat mich gehört.

Als wir den Schwur geleistet haben, gratuliert uns der Leiter des Seminars. Jetzt bin ich Diener des Staates. Wer hätte das gedacht… Vor Stolz schwillt mir die Brust. So, als befände sich dort ein gut gefülltes Luftpolster. Und etwas in mir beäugt das Polster misstrauisch von der Seite. Auch diesen beiden Empfindungen trete ich innerlich gegenüber:

»Hallo! Hallo!«