Innovation Plug & Play - Lutz Lungershausen - E-Book

Innovation Plug & Play E-Book

Lutz Lungershausen

0,0

Beschreibung

  • Die effizientesten Werkzeuge einsetzen, um außergewöhnliche Ideen zu generieren
  • Aus den besten Ideen neue Produkte und Services entstehen lassen
  • Innovationsprozesse und -kultur im Unternehmen voranbringen und verankern

Unternehmen müssen innovativ sein, um am Markt bestehen zu können. Aber woher kommen die Ideen dafür? Müssen Sie Innovationsmanager einstellen, Ihre Unternehmensprozesse umstrukturieren oder Mitarbeiter auf teure Fortbildungen schicken?

Nicht unbedingt, denn in diesem Buch finden Sie 99½ effektive Konzepte, Tools, Methoden und Denkimpulse, mit denen Sie Ihre Innovationsfähigkeit aus dem Stand von 0 auf 100 bringen. Creative Director und Innovationsmanager Lutz Lungershausen gibt Ihnen die besten Denkwerkzeuge an die Hand, die er selbst seit vielen Jahren in der Praxis anwendet.

Ein typischer Innovationsprozess besteht aus fünf Phasen – PREPARE: die mentale Vorbereitung, INITIATE: das Aufspüren von Handlungsfeldern, IDEATE: die systematische Ideenproduktion, GENERATE: deren Konkretisierung sowie ITERATE: die Markteinführung und Verbesserungsroutine. Mit diesem Buch können Sie je nach Bedarf in jede Phase einsteigen.

Die vorgestellten Tools sind praxiserprobt, effizient und kommen ohne gruppendynamisches Selbsterfahrungs-Bling-Bling aus. Aber das Beste ist: Die Werkzeuge sind ohne großen Aufwand sofort einsetzbar und jedes Tool funktioniert auch separat für sich – eben Plug & Play.

Steigen Sie dort ein, wo Sie stehen:
  • PREPARE
    Die Natur von Ideen verstehen; förderliche Voraussetzungen in Ihrem Unternehmen oder Bereich installieren; Mindset: Was muss in den Köpfen der Beteiligten passieren?
  • INITIATE
    Handlungsfelder identifizieren: Finden Sie systematisch und konstruktiv heraus, wo und wie Sie innovativ ansetzen können.
  • IDEATE
    Systematische Ideenproduktion: Mit den produktivsten Kreativmethoden und -techniken generieren Sie zu den vielversprechendsten Ansatzpunkten spannende Impulse, Lösungsansätze, Ideen und Vorstellungen.
  • GENERATE
    Es wird konkret: Aus den gefilterten Ideen werden Innovationssteckbriefe, Grobkonzepte, Prototypen, die sich schließlich zu Umsetzungskonzepten, Businessplänen oder Innovation-Roadmaps verdichten.
  • ITERATE
    Nach der Innovation ist vor der Innovation. Lernen, Iterieren, Fortführung von erfolgreichen Prozessen und wie Sie mit der richtigen Innovationskultur zu Ihrer Next Generation kommen.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 271

Veröffentlichungsjahr: 2021

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

ISBN 978-3-7475-0297-6

1. Auflage 2021

www.mitp.de

E-Mail: [email protected]

Telefon: +49 7953 / 7189 - 079

Telefax: +49 7953 / 7189 - 082

© 2021 mitp-Verlags GmbH & Co. KG, Frechen

Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften.

Lektorat: Katja Völpel

Sprachkorrektorat: Petra Heubach-Erdmann

Cover: Lutz Lungershausen, Christian Kalkert

Satz: Petra Kleinwegen

Datenkonvertierung: CPI books GmbH, Leck

Dieses Ebook verwendet das EPUB-Format und ist optimiert für die Nutzung mit dem iBooks-Reader auf dem iPad von Apple. Bei der Verwendung von anderen Readern kann es zu Darstellungsproblemen kommen.

Der Verlag räumt Ihnen mit dem Kauf des E-Books das Recht ein, die Inhalte im Rahmen des geltenden Urheberrechts zu nutzen. Dieses Werk einschließlich seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Mikroverfilmungen und Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Der Verlag schützt seine E-Books vor Missbrauch des Urheberrechts durch ein digitales Rechtemanagement. Bei Kauf im Webshop des Verlages werden die E-Books mit einem nicht sichtbaren digitalen Wasserzeichen individuell pro Nutzer signiert. Bei Kauf in anderen Ebook-Webshops erfolgt die Signatur durch die Shopbetreiber. Angaben zu diesem DRM finden Sie auf den Seiten der jeweiligen Anbieter.

INHALT

SO GEHT INNOVATION PLUG & PLAY

EINSTÖPSELN UND LOSLEGEN: DIE SPIELREGELN

PREPARE

INITIATE

IDEATE

GENERATE

ITERATE

PREPARE

STATUS QUO: INNOVATION MÖGLICH MACHEN

MINDSET

KREATIVKILLER

NEUGIER KULTIVIEREN

FACES OF INNOVATION

ARBEITSKULTUR UND FORMATE

INNOVATIONSPROZESSE

CHANGE

INITIATE

SPIELREGELN

SET-UP

Thema, Methode, Tool

Handlungsfelder und Impulse identifizieren

Strategie

Auslöser

Neuigkeitsgrad Hypes, Cross Innovation und kreatives Abgucken

Veränderungsumfang

Gegenstandsbereich

Trends

Treiber

Vision

ACTIONS

Brainstorming – aber richtig!

Variante: Ideen-Pingpong

Point-of-View

Werte-Polarogramm Corporate Personality

Jobs-to-be-done

Moonshot-Thinking

Braindump

SWOT: Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken

Mindmap

Service-Potenzial

Trendstorming

Trendstorming

STEEPLEDO

Re-Gnose

11-Star-Experience

Probesterben

Job-Shadowing

5 Why

Cognitive Map

Persona

Interview What-How-Why

User Journey Map

Phasen

Touchpoints

Szenariotechnik

Worst Case, Best Case, Trend-Szenario

EVALUATE

Clustering

Einflussmatrix

K.-o.-Methode

Dotmocracy

Drei Eimer

Spin-Offs

Potenzialpyramide

Reality-Check

Originalitätstableau

IDEATE

Mindset

WARM-UPS

Disruptive Videos

LEGO Serious Play

Story Cubes

Soziogramm

Ahooga

KREATIVTECHNIKEN

Kombinieren und Verbinden

Zerlegen und Zusammensetzen

Umkehren

Eliminieren

Ersetzen

Alternative Nutzung

Tabu & Provokation

Adaptieren

Modifizieren

Übertreiben & Untertreiben

Perspektivwechsel

Metapher, Analogie, Konzeptextraktion

Neuer Gegner

Wirkung der Zeit

Anti-Physik

Attribute Dependency

Dinge anders

KREATIVMETHODEN

Brainwriting

Morphologische Matrix

Parameter-Kreuz

Synektik

Cross Innovation

Collective Notebook, Collective Board

BrainStation, BrainRunning, WorldCafé

Bodystorming

Brainswarming

EVALUATE

Imperatormethode

YES, NO, WOW!

Sechs Denkhüte

Ideensteckbrief

GENERATE

Erweitern und Verdichten

Ausarbeiten

Next Stop Marktreife

ERWEITERN UND VERDICHTEN

Divergenz-Map

Filterfragen: Bewertungskriterien

Fast-Cheap-Good

Ressourcen und Kompetenzen

Begeisterung

Originalität

2x2-Matrix

Empathy-Map

Pretotyping

Retropolation und Re-Gnose

Must-have, should-have, nice-to-have

IDEA SWOT

Ambidextrie

Experten: Delphi-Methode

Value-Proposition-Design

TRIZ

Four-Actions-Framework

AUSARBEITEN

Grobkonzept

Innovationssteckbrief

Risikomanagement

Prototyp, Mockup, MVP

Service-Potenziale 2

Geschäftsmodelle

NEXT STOP MARKTREIFE

Business Model Generation

Prozesslandkarte

Innovationsmarketing

Stakeholder-Management

Innovation-Roadmap

Businessplan

PMI

EVALUATE

Elevator-Pitch

Paarvergleich

Relevanz-Diagramm

Fundraising

Scoring-Modell

Evaluations-Steckbrief

ITERATE

Iterieren

Inception

Prozesse

Unternehmenskultur

Trost

DEEP DIVE

TIEFER EINTAUCHEN

Konsultieren

Inspirieren

Kollaborieren

Interagieren

DANKE

Index

SO GEHT INNOVATION PLUG & PLAY

EINSTÖPSELN UND LOSLEGEN: DIE SPIELREGELN

Innovation Plug & Play gibt Ihnen effektive Konzepte, Tools, Methoden und Denkimpulse an die Hand und in den Kopf, mit denen Sie Ihre Innovationsfähigkeit aus dem Stand von 0 auf 100 bringen. Die vorgestellten Tools sind praxiserprobt, effizient und kommen ohne gruppendynamisches Selbsterfahrungs-Gedöns aus. Aber das Beste ist: Sie sind schnell und Sie können sie selbst durchführen – es ist Ihr Spielplan. Und wie bei jedem anspruchsvollen Spiel gibt es ein paar einfache Regeln, ohne die es nicht funktioniert. Eine lautet: »Sie müssen nicht bei ›Start‹ beginnen.« Eine sehr wichtige andere: »Kritisieren Sie nie zu früh.«

Es gibt so viele Innovationsprozesse, wie es Unternehmen oder Produkte gibt – jeder Impuls benötigt und nimmt seinen eigenen Weg. Allen gemeinsam sind jedoch unterschiedlich ausgeprägte Phasen der Divergenz und Konvergenz: Öffnung des kreativen Möglichkeitsraums mit einem Setup und die anschließende Verdichtung und Bewertung der Ergebnisse via Evaluate. Wer das Maximum herausholen will, bereitet sich und seine Mitspieler mit der PREPARE-Phase möglichst gut vor. Zu jedem Zeitpunkt können, dürfen, sollten Sie noch Schritte erneut durchlaufen – iterieren –, wenn die Qualität der Ergebnisse nicht mit Ihren Erwartungen übereinstimmt.

1. PREPARE

2. INITIATE: hier starten, wenn man weder Plan noch Idee hat

3. IDEATE: hier, wenn es vage Vorstellungen gibt

4. GENERATE: und hier, wenn schon eine gute Idee existiert

5. ITERATE

Einige Abbildungen aus dem Buch, die Sie praktisch einsetzen können, finden Sie zum Download unter www.mitp.de/0295.

PREPARE

Was Sie unbedingt über die Natur von Ideen und den Umgang mit Ihnen wissen müssen.

Welche förderlichen Voraussetzungen können und sollten Sie in Ihrem Unternehmen oder Bereich installieren, um Innovationen nicht nur punktuell entstehen zu lassen? Mindset: Was muss in den Köpfen der Beteiligten und des Unternehmens passieren?

INITIATE

Handlungsfelder identifizieren: Finden Sie systematisch und konstruktiv heraus, wo Sie innovativ ansetzen können.

IDEATE

Systematische Ideenproduktion: Mit den produktivsten Kreativmethoden und -techniken generieren Sie zu den vielversprechendsten Ansatzpunkten spannende Impulse, Lösungsansätze, Ideen und Visionen.

GENERATE

Es wird konkret, denn kaum eine Idee kommt als fertiges Produkt auf die Welt: Aus den gefilterten Ideen werden Innovationssteckbriefe, Grobkonzepte und Geschäftsmodellszenarien, die sich schließlich zu Prototypen, Umsetzungskonzepten und Businessplänen verdichten.

ITERATE

Nach der Innovation ist vor der Innovation – und mittendrin auch. Vom Lernen, Neuanfangen, Zurückgehen, Abbrechen, Iterieren und Verstetigen erfolgreicher Prozesse über Verbesserungs- und Routine-Innovationen und Next-Generation-Denke.

Dieses Plug&Playbook gibt Ihnen Handlungs- und Denkanleitungen, zahlreiche Tools und erprobte Workshopformate an die Hand, um Ihre Innovationsfähigkeit produktiver, kreativer und vor allem zielgerichteter zu gestalten.

PREPARE

STATUS QUO: INNOVATION MÖGLICH MACHEN

Status quo

In nahezu allen Unternehmen existiert das Bewusstsein, innovativ sein zu müssen, oder der Wille, es zu werden ... nach dem nächsten Projekt, wenn sich dann endlich die erhoffte Zeit und Gelegenheit dazu findet: »Ich habe keine Zeit, meine Axt zur schärfen – ich muss Bäume fällen.« Und dort, wo erste Initiativen zur Steigerung der Innovationsfähigkeit ergriffen wurden, erschöpfen sie sich nur allzu häufig in betrieblichen Verbesserungs- oder Vorschlagswesen. Die führen zweifellos auch zu Routine-Innovationen und mitunter zu Effizienzsteigerungen. Allerdings sind das nur allzu oft lediglich inkrementelle, eben sehr kleine Schritte.

Von oben verordnete – Top-down – oder im Team hinter vorgehaltener Hand praktizierte Prozesse – Bottom-up – funktionieren hier auch nicht, weil der Innovationswille idealerweise von allen getragen werden muss. »Nun seid mal schön kreativ« ohne entsprechende Kompetenzen, Freiräume und Strukturen ist ebenso zum Scheitern verurteilt wie: »Ich hab’ da eine Idee, aber bei uns interessiert sich keiner dafür.«

In jüngerer Vergangenheit werden nach Vorlage der FabLabs hippe Innovation-Hubs in leer stehenden Werkstätten mit lustigen Möbeln und obligatorischen Kickertischen eingerichtet – der Rest kommt dann von allein, so die Hoffnung. Mitnichten. Die Schaffung kreativitätsfördernder Arbeitsumgebungen ist sicher ein wichtiger Baustein, aber eben nur einer, und das auch längst nicht für alle Beteiligten in gleicher Art und mit gleicher Wirkung.

Innovation ist vor allem eine Frage Ihrer Werte und Identität – Skills, Verhalten und Einrichtungen folgen.

Warum Innovation?

Warum ist Innovation sinnvoll und wichtig? Ganz einfach: Für nahezu jede Produkteigenschaft lassen sich schnellere, einfachere, besser angepasste, nachhaltigere, wirksamere, stärkere ... Erwartungen formulieren. Die gilt es mit Innovationen zu entdecken und zu befriedigen. Und: Soziale, technologische, ökonomische, ökologische, politische, rechtliche, ethische und demografische Treiber verändern Gebrauchsgewohnheiten, Märkte, Obsoleszenzen und uns als Gesellschaft insgesamt. Was einst als der hipste Shit vom Ponyhof galt, wird irgendwann Standard, später zur Lame Duck. Beharren ist nur in Nischen möglich. Das Kano-Modell beschreibt diese Entwicklung von Begeisterungs- über Leistungs- bis zu Basismerkmalen sehr anschaulich.

Innovation ist aktiv

Wie kommt man aber zu den großen, umwälzenden, aufsehenerregenden, radikalen, disruptiven Innovationen, die alle für sich herbeihoffen? Innovation sollte als eigenständiges Tätigkeitsfeld begriffen werden, das nicht beiläufig und nebenher »passiert«, sondern proaktiv betrieben werden muss. Schließlich heißt es Innovationsmanagement und nicht Innovationsphlegmatismus.

Zuversicht

Warten Sie nicht auf »den« Geistesblitz. Durch die intensive, kreativ geführte Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Handlungsfeldern, mit Treibern und diversen Gegenstandsbereichen entstehen automatisch enorm viele Inspirationen und Impulse. Innovationsmanagement sorgt dafür, dass daraus Ideen entstehen, dass zunächst keine verloren geht, dass spannende Impulse weiterkommen und die wirklich, wirklich dummen Gedanken auf dem Weg fallen gelassen werden. Dass Ansätze ausgiebig untersucht und bewertet werden, zu starken Konzepten veredelt und schließlich in hervorragende Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen umgesetzt werden.

Nicht jeder Gedanke ist eine Spitzenidee, aber wenn Sie eine gute Idee haben wollen, brauchen Sie erst einmal viele Ideen. Häufig entsteht daraus sogar eine Art Luxusproblem: nämlich mit welchem vielversprechenden Ansatz Sie beginnen wollen.

Vom Reflex zur Idee

Kennen Sie Daniel Kahnemanns »Schnelles Denken, langsames Denken«: Den Namen der französischen Hauptstadt schütteln Sie aus dem Ärmel; wenn Sie 237 mit 49 multiplizieren sollen, müssen Sie (höchstwahrscheinlich) wirklich nachdenken. Disruptive Innovation funktioniert ähnlich: Die spannenden Lösungen sind keine reflexhaften Antworten, sondern Ergebnis intensiver Beschäftigung, darüber hinaus kreativer Auseinandersetzung und einer guten Portion Vorstellungsvermögen. Geben Sie sich nicht mit den erstbesten Ideen zufrieden, graben Sie weiter, denken Sie Kahnemann-langsam.

»Wenn man eine gute Idee haben will, muss man viele Ideen haben.«

Linus Paulingzweifacher Nobelpreisträger

Ideen generieren – Ideen bewerten

Im Umgang mit Ideen sollten Sie einen Grundsatz konsequent beachten: Trennen Sie die Ideengenerierung von der Ideenbewertung. Diese einfache Regel wird Ihnen deutlich mehr, und vor allem besseren, vielfältigeren, abwegigeren und disruptiveren kreativen Output liefern. Nicht jede verrückte Idee wird umgesetzt. Aber jeder verrückte Gedanke wird weitergesponnen, anskizziert und zumindest zu Ende gedacht. Erst zum Schluss werden Ideen und Ansätze bewertet. Wie Sie mit Ideenkillern umgehen, lesen Sie im Abschnitt Mindset.

Neugier kultivieren

Sie ist wesentlicher Treiber von Innovationen und Charaktereigenschaft kreativer Menschen schlechthin – Neugier. Damit ist jedoch keinesfalls soziale Sensationslust gemeint, die von Klatschblättern und vom Flurfunk befeuert wird, sondern epistemische Neugier: etwas Unbekanntes erkunden, Wissen aneignen, sich neuen Eindrücken aussetzen, Logiken erschließen, den wahren Ursachen auf den Grund gehen. Stellen Sie sich ein Team zusammen, das neugierig ist, und sorgen Sie für ein Umfeld, das Neugier fördert, Impulse liefert, die zu Nachfragen, Nachhaken, Dranbleiben ermutigt. Mehr dazu im Abschnitt Kreativkiller.

»Perlen liegen nicht am Ufer, man muss nach ihnen tauchen.«

Chinesisches Sprichwort

Aufwand

Der Aufwand für einen Innovationsprozess oder ein -management ist mindestens so flexibel wie Ihre Ansprüche an den Erfolg oder die Erwartungen Ihrer Innovationsstrategie. Von einfachen, überschaubaren Aktionen bis zu unternehmensweiten und langfristig angelegten Innovationsprozessen, von Sessions über Tagesworkshops bis zu verstetigten Abläufen, von agilen, kreativen Schnellbooten bis zum mächtigen, aber behäbigen Innovationstanker ist alles denk- und machbar.

Es ist Ihr Unternehmen und Ihr Projekt – der Innovationsprozess muss Ihren Zielen und Möglichkeiten angepasst sein. Starten Sie mit einem kleinen, motivierten Team und überschaubaren (Teil-)Projekten. Lassen Sie sich bei den allerersten Schritten von einem erfahrenen Innovationsmanager führen oder begleiten, um operative Fehler zu vermeiden. Probieren Sie unterschiedliche Verfahren, Schritte, Methoden, Techniken aus. Erlangen Sie als Team und Unternehmen Methodenkompetenz und damit Sicherheit und Zuversicht. Verstetigen Sie Prozesse, die sich für Sie als produktiv und effizient erwiesen haben.

Die Frage »Was kostet ein Auto« ist genauso einfach zu beantworten.

Doing

Bieten Sie jedem Innovationsprojekt eine angemessene Bühne: Bereiten Sie sich, das Team und Unternehmen vor – mental und organisatorisch. Identifizieren Sie mögliche Handlungsfelder, die Sie mit kreativen Methoden und Techniken durchpflügen. Denken Sie in Chancen und Möglichkeiten, wenn Sie Ideen bewerten und zu Konzepten, Prototypen oder Geschäftsmodellen ausarbeiten. Blieben Sie agil und scheuen Sie sich nicht, einen oder mehrere Schritte zurückzugehen. Und beziehen Sie alle entscheidenden Stakeholder mit ein, wenn aus den Ansätzen schließlich konkrete Produkte und Services werden sollen.

MINDSET

Neben dem puren Willen, Innovation voranzutreiben, und Mitteln, dies umzusetzen, braucht es vor allem motivierte und kompetente Teamer mit der richtigen Innovations- und Chancen-Denke – einem offenen, kreativen Mindset.

Denn jeder Einzelne trägt mit seinem Kopf und Können sehr individuell zum Erfolg bei – mit jedem einzelnen Gedankenschritt. Ein kreatives Mindset ist unter anderem durch Neugier, Aufmerksamkeit, Problembewusstsein, Experimentierfreude und Frustrationstoleranz geprägt. Sie kennen und verlassen Ihre Komfortzone, beziehen alle Sinne in Überlegungen ein und lassen Ideen erst einmal im Kopfkino spielen. Und Sie wissen Kreativkiller zu vermeiden, doch dazu im nächsten Abschnitt mehr.

Kreativsein ist auch Arbeit

Viele glauben, dass Kreativität eine Gabe ist und Ideen einfach irgendwann auftauchen – oder eben nicht. Ist einem etwas eingefallen, muss man sich nur noch an die Realisation machen, und fertig ist die Laube. Tatsächlich arbeiten nicht wenige Künstler so, aber überraschenderweise auch viele Wissenschaftler, Produktentwickler, Designer, ja ganze Abteilungen und Unternehmen setzen z.B. auf das betriebliche Vorschlagswesen.

Systematische Kreativmethoden, wie Brainstorming oder Mindmapping, sind zwar namentlich bekannt, werden aber selten angewandt. Und wenn, dann leider viel zu häufig auch noch dysfunktional oder ineffizient, was schnell zu enttäuschenden Ergebnissen, Frustration und schließlich Ablehnung dieser Methoden führt.

Andere schwören auf Radfahren, Joggen oder Duschen – grundsätzlich und wissenschaftlich bewiesen funktioniert das auch –, allerdings in einem reichlich begrenzten Rahmen. Denn dort entsteht fast immer nur eine Idee.

Und so führen das beengte (Miss-)Verständnis von Kreativität und die missglückte Ausführung moderner Methoden dazu, dass viele Einzeltäter und mit ihnen ihre Unternehmen deutlich hinter ihrem kreativen Potenzial bleiben.

Gute Ideen poppen zwar sporadisch auch von allein auf, aber will man sich auf den Zufall, eine günstige Gelegenheit oder einen zeitlich unbestimmten Punkt verlassen? Wer will oder kann mit einem aktuellen, vielleicht dringenden Problem so lange warten, bis ihm irgendwann eine intelligente Lösung dafür zufliegt?

Angesichts der vielen Hoffnungen und hohen Erwartungen, die man in die Ergebnisse der Ideenfindung setzt, ist die Art und Intensität der kreativen Auseinandersetzung mit dem Problem häufig erschreckend schwach ausgeprägt. Vergleichen Sie mal: Wie lange haben Sie zum Beispiel an Ihrer letzten Präsentation oder etwas Vergleichbarem gearbeitet, und wie lange haben Sie sich zuletzt mit der kreativen Lösung eines Problems beschäftigt? So sorgfältig, ausdauernd und systematisch, wie man sich der Vorbereitung einer Präsentation, einem Konzept, der Steuererklärung, einem Hobby oder der Urlaubsplanung widmet, so ernsthaft und intensiv sollte man sich auch um die Ideenfindung kümmern.

So gesehen ist Kreativsein zwar auch Arbeit – zum Glück aber eine, die richtig viel Spaß machen kann. Genau dafür finden Sie hier eine sehr gut gefüllte Kiste mit den besten Denkwerkzeugen, die ich in vielen Jahren in der Praxis ausprobiert und jetzt für Sie zusammengestellt habe.

Erkennen Sie Kreativsein als eine aktive, konzentrierte Tätigkeit. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit dafür. Lassen Sie sich nicht ablenken, bleiben Sie dran.

»Ein bisschen Spaß muss sein.«

Roberto BlancoEntertainer

Aufmerksamkeit

Wer regelmäßig aktiv nach Inspirationen Ausschau hält, bewegt sich automatisch aufmerksamer in seinem Umfeld: Man nimmt Dinge wahr, die sonst unbemerkt blieben. Das mag häufig ziemlich unspektakulär sein, birgt aber auch Potenzial für interessante Produkte oder Services. Denn oft sind es eben nur Kleinigkeiten, die das Gewöhnliche zum Außergewöhnlichen machen, die den entscheidenden Unterschied machen. Und genau diese Kleinigkeiten gilt es zu entdecken und zu nutzen.

Wichtig ist: genau hinschauen, vergleichen und vor allem entdecken. Details, Unterschiede, Verwendungsalternativen, bislang für Sie Unbekanntes. Umwege erhöhen die Ortskenntnis.

»Im Optimismus steckt eine gesunde Missachtung des Unmöglichen.«

Frederik PferdtGoogle Innovation and Creativity Programs

Experimentierfreude

Etwas kreativ Neues wird kaum entstehen, wenn man immer den gleichen, ausgelatschten Weg geht. Immer die gleichen Methoden, immer die gleichen Werkzeuge, die gleichen Materialien, die gleichen Prozesse. Um in der Weg-Metapher zu bleiben: Entweder passiert dort rein zufällig etwas Besonderes, aber dann sind Sie nicht der Kreator, sondern Beobachter. Oder Sie verändern etwas: Dann sind Sie kreativ.

Statt also auf dem ausgelatschten Weg zu gehen, können Sie auch rollen, mal Gas geben, auf den Händen laufen, auf einem Bein entlanghüpfen, krabbeln, mit dem Bulldozer fahren, einen Weg parallel dazu erschließen oder ihn nur kreuzen.

Es gilt, die Routinen zu verlassen und mehr herumzuprobieren. Dabei beschränkt sich die Experimentierfreude hier ausdrücklich nicht nur auf Ihre Arbeit.

Immer nur ein Parameter wird Stück für Stück verändert und anschließend auf das Ergebnis geschaut. In der Produktentwicklung können das Materialien, Mengenverhältnisse oder wechselnde mechanische Prinzipien sein (siehe weiter hinten im Kapitel 3 GENERATE TRIZ); Dienstleister probieren unterschiedlichste Features ihrer Produkte aus.

Dabei wünscht man sich natürlich einen erfolgreichen, nützlichen Ausgang des Experiments, aber oft sind völlig unerwartete Ergebnisse der Beginn für etwas komplett Neues – die Produkt-Kategorie »versehentlich erfunden« ist ziemlich groß.

Variieren Sie systematisch Ihre konkreten Arbeitstechniken und -prozesse und vergleichen Sie die unterschiedlichen Ergebnisse miteinander. Freunde des »Was wäre wenn«-Spiels kommen hier voll auf ihre Kosten.

Entdeckerqualität Neugier

Betrachtet man die Persönlichkeit von kreativen Menschen, fällt auf, dass die meisten sich für mehr als nur eine Sache interessieren, begeistern, dranbleiben, manchmal sammeln. Sie begnügen sich nicht mit nur einem Interessengebiet und haben häufig auch mehr als nur eine Begabung. Sie schauen genauer hin. Und sie fragen nicht nur, »Warum ist das so?«, sondern auch, »Seit wann?« und »Wer hat’s gemacht?«

Wo liegen Ihre beruflichen Interessen und Begabungen und wo Ihre anderen Interessen und Talente? Wann haben Sie sich zuletzt mit etwas völlig Fremdem befasst oder sich ein komplett neues Wissensgebiet angeeignet, aus freien Stücken, einfach, weil Sie es wollten?

Eine gute Antwort wäre jetzt: letzten Monat oder jedes Jahr. Denn sich regelmäßig mit etwas Neuem zu beschäftigen, hält flexibel im Kopf.

Zwar nicht schlimm, aber mit großem kreativen Optimierungspotenzial wäre die Antwort: vor drei oder sieben Jahren. Bitte nicht falsch verstehen: Sich intensiv, ausdauernd (und hoffentlich mit Begeisterung) mit einer Sache auseinanderzusetzen, ganz in sie einzutauchen, ist hervorragend und gut. Aber das macht irgendwann auch ein bisschen blind und müde für etwas Neues. Besonders wenn es so einigermaßen okay läuft. Nur wer neugierig bleibt, findet Neues.

»Wenn man nur einen Hammer als Werkzeug hat, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus.«

Paul WatzlawickKommunikationswissenschaftler

Komfortzone

Kennen Sie Ihre persönliche Komfortzone? Das ist der Bereich, in dem man sich wohl und sicher fühlt, beruflich wie privat. Hier erzielt man vorhersagbare Ergebnisse, man kennt den Aufwand für bestimmte Arbeiten, es gibt keine oder kaum Risiken. Allerdings: Wer immer das Gleiche macht, erhält auch immer das gleiche Ergebnis. Hier stehen übrigens auch die heiligen Kühe, die angeblich nicht geschlachtet werden dürfen. Wenn man nicht gelegentlich aus der Komfortzone ausbricht, mindestens aber an ihre Grenzen geht und sie kurzzeitig überschreitet, wenn man also immer in seiner Komfortzone bleibt, wird diese immer kleiner und mit ihr der kreative und innovative Radius Ihres Denkens.

Hingegen: Mit jedem Verlassen der Komfortzone, mit jedem auch nur kurzfristigen Überschreiten der Wohlfühlgrenze, mit jedem kleinen Experiment vergrößert man den Bereich, in dem man sich auskennt, sich bewegen mag und agieren kann.

Keine Sorge: Direkt außerhalb der Komfortzone wartet zwar zunächst die Angstzone, die jedoch erfreulicherweise von der Lernzone und schließlich der Wachstumszone überlagert wird. Es gibt Quellen, die von einer Panikzone berichten – finden Sie jemanden, mit dem Sie gemeinsam einen Weg dorthin suchen ...

Do it yourself: Komfortzone

In welche Parameter, Einheiten oder Kategorien können Sie Ihre Arbeit typischerweise zerlegen?

Welche Aspekte Ihrer Arbeit oder Ihres Produkts lassen sich Ihrer Meinung nach nicht parametrisieren? Warum nicht? Was, wenn doch?

Erfinden Sie neue Parameter: Dauer der Benutzung, Ärger bei Fehlfunktion, Gewicht, Skalierbarkeit, Wiederverwendbarkeit, Krankheitsanfälligkeit, Urlaubsreife, Transparenz.

In welchen Bereichen fühlen Sie sich sicher?

In welchen nicht? Warum?

Mit welchen Aspekten Ihrer Arbeit haben Sie Schwierigkeiten? Wie könnten Sie das Problem angehen?

Was ist Ihr erfolgreichstes Produkt? Was könnte man daran verbessern?

Mit allen Sinnen denken

Beziehen Sie alle Sinne mit in Ihre Überlegungen ein. Man kann Dinge anfassen, sehen, schmecken, manche nur hören oder riechen. Aber nahezu jedes Objekt spricht auch Sinnesebenen an, die nicht offensichtlich oder schon durch seine Kategorie vorgegeben sind. Und die gilt es ebenfalls zu entdecken, wahrzunehmen und zumindest einmal gedanklich zu berücksichtigen.

Es gibt Duft-Bäumchen in der Sorte »Neues Auto«, Texte könnten ins Papier hineingeprägt sein, oder Bücher werden mit Musikchips ausgestattet, die je nach Kapitel entsprechende Geräusche abspielen, so eine Art Retro-Hörbuch.

Daneben gibt es auch eine ganze Reihe unbeabsichtigter, scheinbar nebensächlicher Sinneseindrücke. Denken Sie an Textilien, die Geräusche abgeben, wenn sie aneinander reiben oder man mit dem Fingernagel darüberstreicht – könnte man nicht einen Stoff weben, der eine Melodie spielen kann? Frisch gedruckte Bücher riechen oft unangenehm nach Druckerfarbe, könnte die nicht aromatisiert oder neutralisiert werden? Wie flauschig darf sich ein Werkzeug anfühlen, wie aromatisch darf eine Versicherungspolice sein, wie grell eine Bedienungsanleitung?

Fragen Sie sich stets, welche alternativen oder zusätzlichen Sinneseindrücke Sie mit Ihrem Produkt aktivieren könnten.

»Manche Menschen fühlen den Regen, andere werden einfach nur nass.«

Bob MarleyMusiker

Do it yourself: Sinneseindrücke

Welchen Klang kann Ihr Produkt erzeugen?

Keinen? Machen Sie etwas mit ihm und hören Sie genau hin!

Was wäre, wenn Ihr Produkt, Ihre Dienstleistung ein spezifisches Aroma hätte?

Machen Sie sich auf die Suche nach Geräuschen, Gerüchen und Aromen.

Wo finden Sie sie?

Assoziieren Sie völlig frei zwischen Aussehen, Klängen, Gerüchen, Haptik und Aromen.

Spielen und experimentieren Sie mit Ihren Objekten so lange herum, bis diese weitere Sinneseindrücke anregen.

Ausdauer und Frustrationstoleranz

Aufzuhören, wenn es mal schwierig wird, scheinbar nicht mehr weitergeht oder Rückschläge ihren harten rechten Haken spüren lassen, gehört ganz sicher nicht zu den Charaktereigenschaften eines Kreativen. Ausdauer, Geduld, Zielstrebigkeit, Durchhaltevermögen, Jetzt-erst-recht und der Sieg der Neugier über die Enttäuschung eines (temporären) Misserfolgs sind Tugenden, die uns in der Innovation voranbringen. Dazu gehört allerdings auch, vorab einen Exitpoint (Zeit, Mittel, Qualität) zu definieren, der uns vor Verbissenheit, Unbeirrbarkeit und schließlich auch vor finanziellem Schaden bewahrt. Rovio Entertainment entwickelte 51 erfolglose Videogames und war fast pleite, bevor sich das Team 2009 noch ein letztes Spiel ausdachte: Angry Birds, das mit drei Milliarden Downloads eines der weltweit erfolgreichsten Spiele wurde.

»Wenn Du denkst, Du kannst nicht mehr, hast Du erst 40 Prozent Deines Potenzials ausgeschöpft.«

Navy SealsDurchsetzer

Kopfkino

Mein Lieblingskino an jedem Ort der Welt: das Kopfkino. Es ist unser kostenloses virtuelles Labor und mentaler Prototypenbau. Hier entstehen verrückte, absurde, surreale, lustige, schockierende, vielversprechende, schräge, aber auch langweilige, peinliche, dumme, aber immer spontane Vorstellungen und Ideen.

Im Kopfkino – manche nennen es auch Tagträumen – kann man ganze Welten bauen, aber auch gezielt nur einzelne Produkt- und Dienstleistungs-Parameter verändern. Allein in der Imagination konstruiert man Szenarien, spaziert durch sie hindurch, beeinflusst sie, macht Dinge größer, kleiner, leichter, glatter, tauscht Materialien oder ganze Umgebungen aus. Dann stellt man vielleicht einen Benutzer hinein, stellt ihn um, verändert etwas und nimmt sie wieder heraus. Das Kopfkino lebt von einer starken visuellen Vorstellungskraft, die man aber gut antrainieren kann. Nehmen Sie sich einen kurzen Text, vielleicht eine Nachricht vor und bilden Sie zu jedem Satz eine eigene kleine Welt: Wenn von einem Ort die Rede ist, was war dort vorher, wie sähen erwähnte Objekte in vierfacher Größe aus und was hätten Personen gesagt, wenn sie durch künstliche Intelligenzen ersetzt worden wären? Variieren Sie, was Sie in der Vorstellung Ihres Kopfkinos sehen.

Am Anfang braucht man ein bisschen Übung, aber später schaltet es sich schnell von allein an. Ob man will oder nicht. Dann wird es durch merkwürdige Begriffskombinationen oder Wörter in ungewöhnlichen Zusammenhängen unwillkürlich ausgelöst. Was hat man wohl unter Babywasser zu verstehen? In meinem Kopfkino geht gerade eine Säuglings-Entwässerungsanlage in Betrieb. Beim Samenraub sehe ich maskierte Nordfinnen, und Zapfenstreich ist ein Brotaufstrich aus Nadelgehölzen.

Das Beste: Das Kopfkino kennt keine Grenzen, hat immer geöffnet und der Eintritt ist frei.

In Möglichkeiten denken

Eine besondere Stärke von Kreativen ist ihr unerschütterlicher Optimismus. Sie glauben an ihre Ideen und Vorstellungen und daran, dass es einen Weg gibt, sie umzusetzen – man muss ihn nur finden.

Ansätze und erste Impulse kommen selten perfekt auf die Welt. Für ein Aha-Erlebnis lassen Sie Ihre Teamer in einer Minute ein Fahrrad aus dem Kopf zeichnen und vergleichen es anschließend gemeinsam mit dem Aufbau tatsächlich funktionierender Räder. Die schnell hingeworfenen Skizzen dürften kaum als technische Konstruktionszeichnung für die Herstellung eines Fahrrads herhalten – aber das Konzept stimmt.

Denken Sie in Chancen, Möglichkeiten, Alternativen, ändern Sie Werkzeuge, Perspektiven, Anwendungsgebiete, nutzen Sie Workarounds, Umwege und Provisorien, drehen Sie an konzeptionellen Stellschrauben. Verwerfen Sie einen Ansatz erst, wenn Sie viele, viele Möglichkeiten durchdacht haben.

»An einer Raupe gibt es nichts, das Dir sagt, dass es mal ein Schmetterling wird.«

Richard Buckminster FullerArchitekt

KREATIVKILLER

Was Sie tun müssen, um jede Idee im Keim zu ersticken ... und was Sie dagegen unternehmen sollten

Die allerallerwichtigste Spielregel für jeden Innovationsprozess lautet: keine Kritik.

Die Ideenbewertung wird konsequent von der Ideenfindung getrennt. Zeitlich, räumlich, inhaltlich, personell, ..., egal wie – Hauptsache immer! Verstehen Sie mich nicht falsch: Zu einem bestimmten Punkt im Innovationsprozess wird jeder Ansatz kritisch hinterfragt – jedoch nie, während man noch nach ihm sucht.

Ideen sind, wenn sie das Licht der Welt erblicken, ganz kleine, zarte Pflänzchen. Und so, wie ein Keimling erst seine winzige, grüne Spitze vorsichtig aus der dunklen Erde steckt und kaum jemand sagen kann, ob daraus mal eine Kokospalme oder ein Unkraut wird, so muss auch bei Ideen erst das Potenzial erkannt und entwickelt werden, bevor man sich für Düngen oder Jäten entscheidet. Da muss man großzügig sein, Raum und Mittel geben, in Möglichkeiten denken, zulassen und einfach offen sein. Auch und gerade für Ideen, die roh und unfertig geäußert werden oder die sich zunächst absurd, bizarr oder verrückt anhören mögen.

Gut zu wissen, dass fast nichts fix und fertig und erst recht nicht komplett zu Ende gedacht auf die Welt kommt. Wer das nicht akzeptieren kann und mit jeder Ideenäußerung einen durchkonstruierten Erfolgsplan erwartet, hat ein echtes Kreativ-Problem.

Daneben gibt es noch ein paar andere Kreativkiller, die man aber gut aus dem Weg räumen oder sich abgewöhnen kann.

»Ich hatte schon Halluzinationen, die besser waren.«

RobertoFuturama

Die Schere im Kopf

Da gibt’s dieses Bild von der Schere im Kopf. Die hindert uns daran, unsere gewohnten Denkbahnen zu verlassen. Sie schneidet jede Inspiration und jeden Gedanken ab, der nicht einer »Norm«alen Erwartung entspricht oder der nicht sofort DIE Lösung beinhaltet. Die einfach immer alles ganz schnell ganz blöd und unrealistisch findet. Doof. Die Schere schnappt bei jedem mehr oder weniger schnell zu. Trotzdem doof.

So eine Schere im Kopf haben ganz junge Menschen noch nicht. Aber ab einem ganz bestimmten Tag, meist im August im Alter von sechs Jahren, bekommen sie auch eine verpasst. Denn beginnend mit dem Tag der Einschulung wird ihnen beigebracht, was geht, was nicht geht, was man macht, was man nicht macht, wie etwas zu lösen ist, und vor allem: wie nicht. Sie werden auf konvergentes Denken konditioniert, das immer einen bestimmten Lösungsweg vorgibt, der gefälligst einzuschlagen ist. Alternative Lösungswege und -methoden sind nicht gefragt oder gelten im Kontext sogar als falsch. Und so verkümmert das divergente Denken, und schließlich ist da jemand, der kann, was alle können, der es so tut, wie es alle tun, und der denkt, wie alle denken. Geben Sie Grundschulkindern mal ein paar beliebige Objekte und lassen Sie sie völlig frei draufloskonstruieren: Da entstehen die wildesten Erfindungen, völlig losgelöst vom üblichen Verwendungszweck dieser Objekte. Und diese schöpferische Unbefangenheit gilt es zurückzugewinnen.

Zum Beispiel mit Zetteln in der Hosentasche: »Alles ist erlaubt« und »Jede Idee zählt«. Aber es ist wie mit jedem Training: üben, üben, üben.

Zeitdruck

Ob Zeitdruck ein Kreativitätskiller ist, hängt von Ihrer Persönlichkeit ab. Für einige ist zeitlicher Druck genau der Anschub, den sie – vielleicht auch in anderen Lebenslagen – dringend brauchen, um überhaupt irgendetwas zu einem bestimmten Zeitpunkt fertigzubringen. Andere versetzt ein knappes Timing in phlegmatische Panik, die bekommen dann leider gar nichts mehr hin. Und dann gibt’s ja auch noch die Pragmatischen: Plan machen, Ärmel hochkrempeln und einfach anfangen.

Mit dem Wissen um systematisch befruchtete Kreativität und dem Vertrauen darauf, dass es eine Lösung gibt, die es nur zu (er)finden gilt, bekommt man so etwas wie kreative Zuversicht – »Creative Confidence«. Das ist ein wirklich gutes Mittel gegen Stress und sonst vielleicht lähmenden Zeitdruck.

Auch anders herum betrachtet kann ein gesetzter zeitlicher Rahmen anregend sein: Haben Sie alle Zeit der Welt, gibt es keine Notwendigkeit, eine Idee oder einen Ansatz zu einem Produkt weiterzuentwickeln. Wie lange wollen Sie auf eine Lösung warten ... bis sie jemand anderes gefunden hat?

Zusammenfassend: Sie müssen sich vor Zeitdruck nicht fürchten. Es gibt Mittel, Wege und Gründe, auch mit einem sehr engen Zeitrahmen interessante Ideen zu haben und umzusetzen.

Schon wieder: Komfortzone

Ein echtes Hemmnis auf dem Weg zu außergewöhnlichen Ideen ist auch die Komfortzone. Das ist der Bereich, in dem man sich sicher und wohl fühlt, in dem man sich komfortabel eingerichtet hat, der bequem und vertraut ist und der nur an den Grenzen Widerstände bietet. Dazu gehören beruhigende persönliche Rituale und Standards, die Komfortzone ist allerdings auch die Rückzugszone aus allen möglichen Stresssituationen. Für viele Bereiche im Leben ist das total okay und gesund – aber kreative Ideenfindung gehört ganz sicher nicht dazu. Im Gegenteil: Um besondere kreative Leistungen zu bringen, müssen Sie raus aus dieser Komfortzone und rein ins Unbekannte! Das kann alles Mögliche sein: die Reise in ein Land, dessen Sprache man nicht spricht, die Erarbeitung eines völlig neuen Fachgebiets, ein völlig neues Werkzeug, der Wechsel von Windows auf Mac (oder umgekehrt), Dinge essen, die man bislang als – gelinde ausgedrückt – unlecker empfand usw. Für einige ist das aber auch schon das Sonntagsfrühstücks-Brötchen von einem »anderen« Bäcker. Wer das nicht ausprobiert, wird nie erfahren, ob die Brötchen vom »falschen« Bäcker nicht vielleicht noch leckerer sind.

In der aktiven Auseinandersetzung mit dem Fremden, Unbekannten, Neuen findet man Inspiration, Impulse, neue Perspektiven und Sichtweisen, aber vor allem: geistige und kreative Flexibilität und Handlungsfähigkeit.

Fixierungen

Mit unserem Autopiloten im Kopf steuern wir sicher durch Alltagssituationen. Das ist effektiv, Denkenergie sparend und nützlich. Allerdings führt der Autopilot eben auch dazu, dass wir Dinge nicht hinterfragen, sondern auf deren übliche, eben normale Funktionen, Eigenschaften und Verwendungsziele eingefahren und geradezu fixiert sind.

Funktionale Fixierung hält uns davon ab, eine Vase als Trinkgefäß anzusehen. Designfixierung sorgt dafür, dass Fahrräder immer zwei gleiche Reifen haben – sie dreht allen alternativen Formen und Produkteigenschaften die Luft ab. Und Zielfixierung beschränkt uns vor allem auf sprachlicher Ebene: Wer »kleben« sagt, übersieht Lösungen, die schrauben, nieten, klemmen, löten, tackern, schweißen, nageln, ...

Glücklicherweise lassen sie sich einigermaßen leicht überwinden. Insbesondere die Ideation-Methode »Brainswarming« funktioniert hauptsächlich durch die gezielte Umgehung dieser Fixierungen.

Funktionale Fixierung

Wir nehmen Dinge meist nur als das wahr, als was wir sie kennen, mit genau der einen spezifischen Funktion: Ein Maulschlüssel dreht Schrauben, ein Bügeleisen glättet Wäsche. Unser Bewusstsein sieht in den Dingen nämlich immer nur das, was gelernt und für die jeweilige Situation und den Kontext notwendig ist – Irrelevantes wird ausgeblendet und findet in unserem Kopf nicht statt. Um durch den Alltag zu kommen, ist das enorm hilfreich, aber es kappt den Blick für Neues, Abwegiges und eben Kreatives.

Die funktionale Fixierung lässt sich allerdings ziemlich leicht austricksen: Definieren Sie ein Objekt einfach mal auf eine andere Art und Weise, ersetzen Sie dabei spezifische durch allgemeinere Begriffe und umgekehrt oder verwenden Sie Synonyme. Zerlegen Sie es in seine Elemente, die Sie ebenfalls alternativ oder beschreibend benennen. Mit unserer Sprache und Begrifflichkeit implizieren wir nämlich meist eine bestimmte Verwendung oder Funktion und schließen alle anderen damit automatisch aus.

Ein Bügeleisen ist zum Beispiel auch eine flache Wärmequelle, also kann man damit eine Mahlzeit erhitzen; ein Kerzendocht ist auch eine Schnur, mit der man Dinge zusammenbinden kann – wenn man das Wachs mit dem Bügeleisen erst mal abgeschmolzen hat. Und eine Erdbeben-Warn-App kann auch als Messgerät für die Reparaturbedürftigkeit von Fahrradwegen genutzt werden.

Lösen Sie sich mit Sprache durch Neu- und Umdefinition aus dem Kontext, aus der funktionalen Fixierung.

Designfixierung

Bei Entwicklungsaufträgen hält man zu oft an bereits vorhandenen Produkten und Entwurfsmustern fest und bewegt sich nur minimal davon weg: eine kleine Materialvariation hier, eine Größenänderung da – aber die wirklich interessanten Innovationen entstehen nur dort, wo Sie Eigenschaften ändern, an die bisher eben niemand gedacht hat.

Lösen Sie die Designfixierung mit einer Liste sämtlicher Eigenschaften Ihres Produkts auf – denken Sie an vorher-nebenher-nachher, wer, wann, was, wo, wie, warum-und-warum-nicht, Größe, Material, Form, Bestandteile, schauen Sie auf 360°: oben, unten, vorne, hinten, und beziehen Sie dabei alle Sinne ein ... Die Seiten eines Buches sind an einer Seite miteinander verbunden, ein Handy hat meistens keinen Hohlraum, ein Cabrio ist nur nach einer Seite offen ... Identifizieren Sie alle möglichen Merkmale und lassen Sie sich davon weiter inspirieren.

Peilen Sie eine Sammlung von gut 100 Eigenschaften an – dann sind sicher welche dabei, die andere auch nicht auf dem Schirm haben. Um diese übersehenen Eigenschaften zu entdecken, nutzen Sie zum Beispiel Kreativtechniken: Sie erweitern Ihre Blickrichtungen und geben Impulse, anders über Dinge nachzudenken. Beim systematischen Umgang mit der Liste hilft Ihnen die morphologische Matrix, Mindmapping, Brainwriting und Brainswarming.

Zielfixierung